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Tales of Starlight 1: Anothers Life

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Chibi-Usa / Sailor Chibi Moon / Serenity III Pegasus / Helios Seiya Kou / Sailor Star Fighter Taiki Kou / Sailor Star Maker Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II Yaten Kou / Sailor Star Healer
25.04.2021
06.02.2022
46
232.945
10
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
07.11.2021 3.420
 
Seiya atmete genüsslich den Duft des Frühlings ein. Wie hatte sie diese einfachen Dinge vermisst. Sie lag mit Len, Shinko und Kikai auf einer blühenden Wiese, deren Duft Seiya angenehm einlullte. Shinko erzählte ihnen unterdessen eine Geschichte von Glassplittern die wie Sternschnuppen vom Himmel fielen. Seiya runzelte die Stirn. „So wie diese da?“ Auch wenn die Sonne noch hoch am Himmel stand, überzogen den klaren blauen Himmel unzählige Sternschnuppen. Drei davon kamen immer näher. Zu spät erkannte Seiya, dass es sich weder um Sternschnuppen, noch um Glassplitter handelte. Es waren die goldenen Geschosse Glaxias, mit denen sie ihren Opfern die Sternenkristalle entriss. Und eben diese flogen direkt auf Shinko, Len und Kikai zu. Seiya versuchte letztere noch zur Seite zu ziehen, doch war sie zu langsam. Die Energiebälle trafen Kikai in der Brust. Sie sah Kikai in die Augen, während die Blüte über ihrem Kopf erschien und ihren Sternenkristall freigab. Diese Angst in den Augen würde sie niemals vergessen.
„Was passiert mit mir, Seiya“, erklang Kikais brüchige Stimme. „Hilf – mir....“ Ihr Sternenkristall verfärbte sich schwarz. Seiya konnte nichts dagegen tun. Es gab nur eine, die sie wieder zurückverwandeln konnte und die blieb verschwunden.
„NEIIIIIIIN.“ Seiya riss die Augen auf und schoss kerzengerade im Bett nach oben. Was war passiert? Sie konnte Kikais Schrei noch hören, oder war es ihre eigene Stimme? Es war auch egal. Dieses Bild würde sie niemals vergessen. Die Angst in Kikais Augen... wie sie sich in ein Monster verwandelte. Ihre Kikai... ein Monster...
„Seiya... alles okay?“ Kikai saß neben ihr im Bett und wollte sie gerade in die Arme nehmen, als Seiya sie etwas gröber als beabsichtig wegstieß. Seiya sprang aus dem Bett. Ihr Magen drehte sich um. Sie schaffte es gerade noch rechtzeitig ins Badezimmer. Ihr ganzer Körper verkrampfte sich. Immer noch hatte sie das Monster vor Augen, dass einmal ihre Freundin gewesen war. Dieser Ohnmacht ausgeliefert zu sein, war mit das Schrecklichste, was Seiya hatte durchstehen müssen. Sie würgte, als würde ihr Körper diese ekligen Gedanken auskotzen wollen. Nur am Rande spürte sie, wie jemand ihr die Haare zurückhielt und beruhigend über ihren Rücken strich.
„Du hast geträumt, Seiya“, sagte Kikai mit sanfter Stimme. „Bitte beruhige dich... es ist alles gut.“
Seiya bekam keine Luft. Sie würgte wieder. Nichts war gut. Sie hatte schon mit ansehen müssen, wie ihrer Mutter der Sternenkristall geraubt wurde, musste mit der Gewissheit leben, dass sie nicht die Letzte gewesen war, der das wiederfahren war und nun hatte sie mit ansehen müssen.... sie war dem Gedankenrad einfach ausgeliefert.
„Hey...“ Kikai lehnte sich an Seiya. „Atmen Seiya. Ich bin bei dir.... Einatmen... denke an die vielen schönen Sachen, wie die Musik... Ausatmen … oder an Football. Einatmen... an unsere Dates... Ausatmen...“
Seiya versuchte sich verzweifelt auf Kikais Stimme zu konzentrieren und sich die Bilder, die sie beschrieb, ins Gedächtnis zu rufen. Doch es fiel ihr schwer. Langsam begann sie zu zittern. Los Seiya... Einatmen... Ausatmen...., sagte sie sich immer wieder selbst.
„Einatmen... erinnere dich wie cool euer Probesingen war... Ausatmen... an den Jahreswechsel … Einatmen.... an unsere Schlagzeugsessions... Du bist wirklich gut... Ausatmen... an unseren Sex...“
„Auch darin bin ich gut, oder?“, hauchte Seiya mit einem sehr schwachen Lächeln im Gesicht. Dann spülte sie erst einmal.
„Ja das bist du“, antwortete Kikai ohne Umschweife und zog Seiya komplett in ihre Arme. „Gott sei Dank... Geht's wieder?“
„Ich brauche einen Moment“, murmelte Seiya in die Umarmung. Sie hatte Angst, dass sie sich gleich wieder übergeben musste, wenn sie sich sofort wieder in ihren Traum zurückdachte. Aber nichts anderes war es. Ein Traum. Einer von vielen Albträumen, die sie seid Galaxias Erscheinen gehabt hatte. Doch dieses Mal traf es sie besonders hart. Und genau das war der Moment, den sie eigentlich immer hatte vermeiden wollen, den sie fast ebenso fürchtete, wie das erneute Auftauchen Galaxias. Dieser Moment in dem ihr klar wurde, dass sie vielleicht doch mehr für Kikai empfand als vielleicht gut war. Sie schob Kikai sanft von sich, erhob sich und putzte sich die Zähne. Dieses tote Frettchen im Mund war wirklich widerlich. Anschließend spritzte sie sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht, um auch wirklich die letzten Überreste des Traumes loszuwerden. Kikai wartete geduldig, bis Seiya sich wieder richtig gefangen hatte. Dafür war die Schwarzhaarige sehr dankbar. Seiya seufzte und sah sich einen Augenblick im Spiegel an. Nun war es zu spät, sich gegen die Gefühle zu wehren. Nun war es da und machte ihr das Leben wahrscheinlich noch schwerer. Sie schielte aus den Augenwinkeln zu Kikai. Diese Frau war einfach nur wunderbar.
„Danke“, sagte Seiya schließlich, als sie sich setzte. „Haare halten lassen, beim Übergeben – check... auch wenn es nicht im Suff war...“
„Ach Seiya...“ Kikai lachte leise und zog sie in ihre Arme. „Du kannst schon wieder Witze machen... geht’s dir besser?“
„Ja...“ Seiya lehnte ihren Kopf auf Kikais Schulter. Während sie im Badezimmer vor der Wanne auf dem Boden hockten, erzählte Seiya von ihrem Traum. Sollte sie sich noch einmal übergeben müssen, war die Toilette ja nicht weit weg.
„Du musst wissen.... es gibt zwei Arten von Sternenkristallen... Die Sailorkristalle, die Yaten, Taiki und ich besitzen, leuchten besonders hell. In ihnen liegt die Kraft unserer Schutzgestirne. Wenn uns dieser Kristall geraubt wird, verschwinden unsere physischen Körper... Wenn Galaxia den Kristall eines Sterns besitzt, dann hat sie die Macht darüber. Aber normale Sternenkristalle, wie du, Len oder Shinko habt, werden schwarz. Diese Menschen werden dann zu Monstern... Wir nennen sie Phagen. Du kannst dir also ausmalen, was im Traum mit dir passiert ist...“
„Ich wurde zu einem Monster!?“ Kikai schluckte. „Zu so einem wie gestern?“
„So in etwa.“ Sie konnte Kikai nicht sagen, dass diese Phagen selten wirkliche ansehnliche Zeitgenossen waren. Sie wollte auch nicht genauer darüber nachdenken, wie Kikai ausgesehen hatte. „Das Problem ist eigentlich, dass ich bisher nur eine Person kenne, die diese Monster zurückverwandeln kann und das ist unsere Prinzessin. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass wenn Kinmoku nicht durch Galaxia zerstört wurde, es die vielen Phagen tun, die niemand zurückverwandelt...“
„Oh...“, machte Kikai. „Ich verstehe.“ Sie schwiegen einen Moment. Viel zu schwer wog dieses Thema. Das einzig Gute an der Sache war, dass Galaxia nun hier war und nicht mehr auf Kinmoku. Aber wenn es Seiya so recht betrachtete, war trotzdem nichts Gutes an der Sache. „Aber ich bin kein Monster...“, sagte Kikai schließlich.
„Ich werde alles tun, damit das nicht passiert.“ Das könnte Seiya nicht ertragen. Bei jedem anderen Menschen auf der Erde wäre sie natürlich mitgenommen, aber nicht bei Shinko, Len und Kikai. Shinko! Jetzt fiel Seiya auch wieder ein was am Vorabend passiert war. „Wie es Shinko wohl geht?“, fragte Seiya schließlich. Nach der ganzen Aufregung mit diesen Glaswesen, hatten sie dann auch noch den Krankenwagen gerufen. Während Len mit ins Krankenhaus gefahren waren, hatten Seiya, Yaten, Taiki und Kikai Yatens Balkontür provisorisch geflickt. Wann Len zurückgekommen war, hatten sie nicht mehr mitbekommen. Seiya warf einen Blick auf die Uhr im Badezimmer. Kurz nach zwei. Jetzt sollte sie ihn nicht stören.
„Wir werden es morgen bestimmt erfahren...“ Kikai seufzte. „Aber schon verwunderlich, dass Shinko so einfach zusammengeklappt war. Ich hatte eigentlich den Eindruck, dass es ihr ganz gut ging.“
„Hm...“ Kikai hatte Recht. Natürlich hatte Shinko die Gebrechen, die man als 90 Jahre alte Frau nun mal hatte, aber auch Seiya hatte gedacht, dass Shinko wieder einigermaßen auf dem Damm war – vor allem weil diese gefährliche Dunkelheit verschwunden war. Obwohl... Seiya schluckte. Bei dem Gedanken, der ihr jetzt kam, suchte sie auf dem Badezimmerboden nach Kikais Hand und krallte sich regelrecht daran fest.
„Was hast du?“
„Das letzte Mal als es Shinko so schlecht ging, lagen sowohl Tokyo als auch Elysion unter diesen Spinnweben und diese dunkle Energie war auf ihrem Höhepunkt. Shinko ging es ebenso schlecht wie der Erde.Wir wissen ja jetzt warum... Und jetzt wurden wir wieder angegriffen. Wir haben zwar ganz kurz Galaxia gespürt, aber da ist noch was anderes. Vielleicht sind sie zurück... Wer auch immer dieser andere Feind ist, dessen Handeln hat offenbar Einfluss auf Shinko. Ich kann mir vorstellen, dass das plötzliche Auftauchen dieser Feinde gestern, Shinko zugesetzt haben und dann auch noch die ganze Aufregung...“
„Du meinst... das Shinko keiner wirklich helfen kann, es sei denn, diese Feinde verschwinden?“, fragte Kikai entsetzt.
„Ich fürchte ja.“ Seiya senkte betreten den Blick. „Auch wenn es eher unterschwellig ist, kann ich sie immer noch spüren. Galaxia als auch diese andere Kraft. Wir müssen schnellstens die Prinzessin finden... ansonsten nimmt das hier alles kein gutes Ende.“
„Das ist alles so unglaublich... Irgendwie kommt mir mein Outing wie ein sehr unwichtiges Problem vor...“, gestand Kikai.
„Ist es auch. Deswegen nervt es mich zum Teil auch, dass ich mich ebenfalls mit meiner sexuellen Entwicklung und den dazu gehörigen Gefühlen auseinandersetzen muss. Versteh mich bitte nicht falsch … aber ich habe einfach keine Zeit und Nerven mich wirklich intensiver damit auseinander zu setzen... Ich ... Ich mag das zwischen uns und ich … man … ich mag dich … sehr... Ich...“
Kikai sah sie einen Augenblick schweigend an. Dann beugte sie sich zu Seiya und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen. „Ich verstehe das schon... Ich bin nicht blind Seiya... Außerdem musst du mir nichts sagen, dass du mich magst. Wenn du träumst, ich werde zu einem Monster und dich anschließend übergibst, sagt das mehr aus als tausend Worte.“ Nun lächelte Kikai. „Zerbrich dir nicht dein hübsches Köpfchen darüber. Wichtig ist, dass wir deine Prinzessin finden.“ Kikai erhob sich nun. „Ich mache mir noch einen Tee? Willst du auch?“
„Ja, ich will...“ Seiya schmunzelte und erhob sich ebenfalls. Sie war froh, dass Kikai das so hinnahm und sie nicht lang und breit erklären musste, was in ihr vorging.
„Na dann, komm...“ Kikai hielt ihr die Hand hin. Seiya nahm sie lächelnd und setzte einen Kuss auf den Handrücken. Die beiden machte sich auf den Weg nach unten, doch blieben sie verwundert am Treppenabsatz stehen. In der Küche brannte Licht und leise Stimmen drangen zu ihnen nach oben. Seiya und Kikai sahen sich fragend an, gingen dann aber nach unten. Offenbar konnten nicht nur sie in dieser Nacht nicht schlafen. Dennoch war Seiya total überrasht Yaten und Taiki zusammen mit Len in der Küche sitzen zu sehen. Normalerweise konnten beide trotz Aufregung ganz gut schlafen. Als Seiya und Kikai in die Küche traten, sahen die drei auf.
„Ihr seid auch wach? Ich hoffe wir haben euch nicht geweckt...“, fragte Len und sah entschuldigend drein.
„Nein...“ Seiya schüttelte den Kopf. „Ich hatte mal wieder einen Albtraum, der mich so mitgenommen hat, das ich mich übergeben musste.“
„Was?“ Yaten und Taiki sahen ihre Gefährtin geschockt an.
„Das ist dir noch nie passiert“, stellte Taiki fest.
„Richtig. Das muss ja ein schlimmer Traum gewesen sein“, überlegte Yaten.
„War es auch...“, erklärte Seiya, während Kikai sich um den Tee kümmerte. „Ich habe geträum, wie Shinko, Len und Kikai die Sternenkristalle genommen wurden...“ Kaum hatte Seiya die Worte ausgesprochen, schnappten Taiki und Yaten hörbar nach Luft. „Ihr wisst ja, was das bedeutet?“ Yaten und Taiki nickten. Len sah jedoch verwirrt aus.
„Aber ich nicht...“
Seiya erklärte Len ebenfalls genauer, was es mit den Sternenkristallen auf sich hat und warum das so gefährlich werden könnte, wenn Galaxia auftauchte. „Na ja und wenn ein Sternenkristall schwarz wird, wird der Mensch zu einem Monster. War nicht schön, dass im Traum mit anzusehen...“
„Oha... ich verstehe...“
„Danke...“, sagte Seiya an Kikai gewandt, die ihr einen Tee for die Nase stellte. „Deswegen würde ich euch beiden gerne etwas mit auf dem Weg geben.“ Seiya sah Len und Kikai ernst an. „Ich will, dass ihr mir jetzt aufmerksam zu hört, denn wahrscheinlich wird das früher oder später relevant werden...“
Len und Kikai wechselten einen kurzen Blick miteinander, nickten dann. „Schieß los. Wir hören.“
„Ein kurzer Lehrgang zum Thema Galaxia.“ Nicht nur aus ihren persönlichen Gefühlen für Len und Kikai, sondern auch als Anführein der Starlights, sah sie sich in der Pflicht, den Beiden möglichst viele Informationen mit auf den Weg zu geben, damit der Traum nicht doch irgendwann wahr wurde. „Galaxia werdet ihr erkennen, wenn ihr sie seht. Sie nennt sich selbst die Golden Queen... demnach trägt sie auch Gold... Sie wird wohl einen ähnlichen Auftritt hinlegen wie auf Kinmoku. Sie wird sich euch persönlich vorstellen, bevor sie euch angreift. Nett nicht? Jedenfalls erkennt ihr sowohl ihre Anhänger, als auch die Phagen an den Sailorkragen. Ihre Anhänger sind ausnahmslos Sailorkriegerinnen, die zu ihr übergelaufen sind. Sie tragen goldene Armreife, mit denen sie euch eure Sternenkristalle nehmen können. Die Phagen sehen aus wie Monster. Immer unterschiedlich. Aber auch die solltet ihr erkennen, wenn ihr welche seht. Spätestens, wenn sie alles in Schutt und Asche legen, sollte es klar sein.“ Seiya hatte sich mit einem Arm auf dem Tisch abgestützt und sah in die Runde. „Solltet ihr einen von ihnen begegnen... versucht unauffällig das Weite zu suchen. Sind wir bei euch, befolgt ihr am besten unsere Anweisungen... Ohne Widerworte. Len hat das ja gestern schon gut gemacht. Oberste Regel also, wenn ihr alleine seit. Verschwindet! Solltet ihr sehen, wie einem Menschen der Sternenkristall gestohlen wird und er sich schwarz verfärbt... rennt! Ihr könnt dem Menschen sowieso nicht mehr helfen. Oberste Priorität ist es für euch, dafür zu sorgen, dass es so wenig wie mögliche Phagen gibt, die hier rumwüten können... Und was diese Glaswesen angeht... gilt dasselbe... macht sie nur nicht kaputt, dann vermehren sie sich... Habt ihr das verstanden?“, fragte Seiya schärfer als beabsichtigt. „Ich möchte einfach sichergehen, dass ihr im Notfall richtig handelt. Ich könnte es nicht ertragen, wenn euch etwas passiert...“
Len und Kikai starrten Seiya ein wenig eingeschüchtert an, nickten aber.
„Auch wenn Seiya gerade die Anführerin raushängen lässt, hat sie recht.“ Yaten nickte Seiya wohlwollend zu. „Auch wenn es Anfangs vielleicht nicht den Eindruck macht, weiß Galaxia genau, wer die Sailorkriegerinnen sind und wo sich demnach die echten Sternenkristalle verbergen. Für sie seid ihr nur kleine Ameisen, die sie mit einem Finger zerquetschen könnte, wenn sie denn wollte. Aber sie hat eine Vorliebe für das Leiden der anderen. Also werdet ihr vermutlich nicht gleich sterben...“
„Yaten...“, ermahnte Taiki.
„Na ist doch so. Was soll ich das schön reden?“, rechtfertigte sich die Kleinste der Starlights.
„Schon gut, Taiki... Wir nehmen ihr das nicht persönlich...“
Len seufzte. „Wisst ihr, was ich mich eigentlich frage, oder was mich eher stutzig macht?‟
„Hm?‟ Alle Augen waren fragend auf ihn gerichtet.
„Nun ist Granny schon etwas Besonderes … okay.. also der Mitternachtsstern. Etwas Besonderes ist sie auch so... aber wisst ihr was ich sagen will? Nun hat Granny schon so eine Vergangenheit, ist die Wiedergeburt des Schicksals und kann trotzdem nichts gegen diese Angriffe tun? Gibt es nicht irgendeine Schutzfunktion?‟
„Ich weiß, was du meinst Len, aber die gibt es leider nicht‟, sagte Taiki. „Auch wir sind gegen solche Angriffe nicht gefeit. Nur weil wir magische Kräfte besitzen, bedeutet das nicht automatisch, dass wir gegen alles immun sind.‟
„Wir können uns verteidigen, wenn wir offen angegriffen werden, so wie gestern, aber wenn alles unterschwellig passiert, dann sind auch wir machtlos.‟ Yaten seufzte schwer. Sie starrte unentwegt in ihre Teetasse. „Ich wünschte, wir könnten mehr tun, aber wie sollen wir das anstellen?‟
„Shinko sagte leider selbst, dass es das Schicksal, so wie es einst mal war, nicht mehr gibt‟, überlegte Seiya. „Es ist also auch nicht klar, wie das mit reinspielt.‟
„Zumal sagte sie ja, dass sie zwar die Erinnerungen besitzt aber keine entsprechenden Kräfte mehr hat. Stellt sich mir nur die Frage, ob sich dass nur auf andere bezieht oder auf sich selbst. Es gerät alles irgendwie außer Kontrolle. Das ist nicht gut‟, überlegte Taiki. Kurz darauf war ein Klirren zu hören. Len, der sich gerade einen neuen Tee einschenken wollte, ließ seine Tasse fallen.
„Was hast du Len?‟, fragte Seiya besorgt und trat zu ihm. Len sah todtraurig aus.
„Wenn ich das so höre, wünschte ich mir fast, dass Granny das nicht mehr miterleben muss... oder möchte. Ich kann ihre Worte nicht vergessen. 'Wenn es sein muss, durchtrennen wir auch unsere eigenen Schicksalsfäden.' Ob sie das noch kann?“
„Len!“ Seiya sah Len schockiert an. „Wie kannst du so etwas sagen?“
„Sie leidet doch jetzt schon... mal ganz davon abgesehen, ist sie bestimmt nicht mehr in der Lage“ Er deutete mit seinen Fingern Anführungszeichen an, „das Weite zu suchen und ich bezweifle, dass sie noch irgendwelche magichen Kräfte hat. Das ist mir alles echt zu viel... Ihr wart gestern ja mit Kämpfen beschäftigt und habt nicht diesen Horror in ihren Augen gesehen, als erinnerte sie sich an Kämpfe aus ihrem letzten Leben. Aber bevor ich sie darauf ansprechen konnte, brach sie zusammen. … Auch wenn es mir das Herz zerreist, wünsche ich ihr einfach, dass sie nicht mehr leiden muss... auf welche Art auch immer...“
„Aber...“ Seiya spürte Kikais Hand auf ihrer Schulter. Sie schüttelte den Kopf. „Lass gut sein Seiya. Ich kann verstehen, was Len meint und wünsche es ihr auch.‟
Seiya schluckte einen weiteren Kommentar herunter, denn wenn sie ehrlich war, konnte sie Lens Gedankengang schon nachvollziehen. Gerade ihr Traum von vorhin sagte doch schon alles aus. Jetzt ging es nicht nur Shinko schlecht und Len hing da mit drin, sondern sie hatte nun auch Kikai dieser Gefahr ausgesetzt, eine Frau, die nicht einmal ansatzweise vorher mit Magie zu tun hatte und ein unbehelligtes normales Leben geführt hatte. Alles unschuldige Menschen, die sie da mit reingezogen hatte. Seiya sah Kikai einen Augenblick an. Auch wenn ihr Bauchgefühl immer noch der Meinung war, dass es richtig gewesen war, Kikai einzuweihen, ging ihr Herz gerade ein wenig auf die Barrikaden. Was hatte sie nur getan? Sie hatte nicht nur Kikai da mit reingezogen, sondern sich selbst auch eine Schwäche gegeben, die ihr hoffentlich nicht irgendwann noch das Genick brechen würde.
„Wie geht es Shinko, Len?“, fragte Kikai schließlich.
Dieser zuckte nur verzweifelt mit den Schultern. „Sie war immer noch bewusstlos, als sie mich nach Hause geschickt haben. Sobald sie wach wird, rufen sie mich an. Im Krankenhaus habe ich meine Familie angerufen und sie herbestellt, sobald sie können. Ma meinte, dass ich auch unbedingt Mamoru anrufen sollte, da er plant nach Amerika zu gehen. Ich habe also auch versucht Mamoru anzurufen. Aber er ging nicht ran. Es sprach nur der Anrufbeantworter. Ich habe ihm draufgesprochen, dass er bevor er nach Amerika fliegt, vielleicht seine Großmutter noch einmal sehen möchte. Seien wir mal ehrlich. Mamoru wäre über ein Jahr weg... ein Jahr ist lang. Man weiß nicht was dann mit Granny ist.“
„Das ist richtig. Vielleicht meldet er sich ja die Tage‟, meinte Taiki.
„Oder ihm geht es auch wieder schlecht, jetzt wo diese dunkle Macht wieder aufgetaucht ist und die Erde bedroht‟, überlegte Yaten.
„Das ist durchaus möglich, wenn er ebenso mit der Erde verbunden ist wie Shinko. Ich will zwar nicht immer vom Schlimmsten ausgehen, aber...‟ Taiki seufzte und sah ebenso hilflos in die Runde wie Len.
„Wenn dem wirklich so ist, läuft uns allen irgendwie die Zeit davon. Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl...‟, flüsterte Seiya und schluckte den Kloß im Hals herunter. Darauf wusste keiner etwas zu erwiedern. Sie schwiegen. Seiya setzte sich endlich ebenfalls an den Tisch und trank ihren Tee. Bei all den unschönen Fakten, wurde ihr gleich wieder schlecht. Wo würde das nur hinführen? Kakyuu? Langsam wird es eng... wir brauchen dich...


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Meine Lieben,

die Worte Lens, er hoffe, dass Shinko das nicht mehr erleben muss, sind zwar hart, aber höchst wahrscheinlich. Und eine ganz normale Reaktion. Vor drei Jahren ist meine Oma gestorben. Und heute mit Corona sagen wir aus der Familie alle, dass wir froh sind, dass sie das nicht mehr miterleben musste. Das hätte sie zerstört... Gerade alleine in einem Heim. Von daher, musste ich diese Gedanken einfach mit einbringen, denn dahingehend schätze ich Len genauso ein. Er liebt seine Großmutter, aber er will, dass sie nicht leiden muss. Wenn man einen Menschen liebt, lässt man ihn gehen. *seufz*
So ist das.


Einige haben sich immer wieder gefragt, ob bei Kikai und Seiya tiefere Gefühle im Spiel sind. Mit diesem Kapitel wird das beantwortet. Diese Entwicklung muss Seiya meiner Meinung nach einfach durchmachen.

Der Titel zu diesem Kapitel ist ein Songtitel von Mono Inc. Ich finde er passt ganz gut zu diesem Kapitel, egal um welchen Charakter es sich handelt. Jeder trägt geliebte Menschen in seinem Herzen.
Wer sich den Song gerne anhören möchte:
Song
Mono In. Hat übrigens auch eine DrummerIN!!!!! ;)

*ein Herz für Kiki und Shinko* Frauenpower!

Auf dem Instagram-Account von EndofJune und mir könnt ihr ein Bild von Kikai sehen. :D Schaut doch mal vorbei.
Kikai
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

Anki
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