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Tales of Starlight 1: Anothers Life

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Chibi-Usa / Sailor Chibi Moon / Serenity III Pegasus / Helios Seiya Kou / Sailor Star Fighter Taiki Kou / Sailor Star Maker Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II Yaten Kou / Sailor Star Healer
25.04.2021
23.01.2022
43
214.683
9
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Dieses Kapitel
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24.10.2021 3.863
 
„Yaten, kommst du bitte!“, ermahnte Taiki den Kleinsten der ThreeLights, der durch die Gänge des Supermarktes schlenderte, als hätte er alle Zeit der Welt.
„Oder müssen wir dich wie ein kleines Kind an die Hand nehmen“, witzlete Seiya und fing sich gleich einen grimmigen Blick Seitens Yaten ein. „Warum trödelst du heute so?“
„Ich genieße!“, antwortete Yaten, während seine Augen von rechts nach links huschten.
„Und was genießt du? Die schöne Aussicht? Die guten Preise?“ Seiya schmunzelte und folgte Yatens Blicke. Aber wirklich etwas Außergewöhnliches konnte er nicht ausmachen.
„Dass wir noch nicht auf der Straße erkannt und nicht ständig von Fans belagert werden. Wer weiß, wie lange wir noch ungestört einkaufen gehen können“, erklärte sich Yaten.
„Da hast du recht.“ Taiki seufzte. „Dennoch, würde ich den Einkauf gerne in diesem Leben noch beenden.“
„Ja ja...“, grummelte Yaten und schloss zu seinen Freunden auf. Als sie sich umwandten und weitergehen wollten, stießen sie mit Seiya zusammen.
„Du nicht auch noch.“ Taiki tippte Seiya auf die Schulter. „Lass uns gehen!“
„Pscht“, machte Seiya und schlug Taikis Hand weg. „Hört mal!“ Seiya deutete nach oben zur Decke, in der Lautsprecher eingelassen waren, um den Markt zu beschallen.
„D-das ist unser Song“, staunte Yaten mit untertassengroßen Augen.
„Das ist wirklich cool.“ Seiya genoss den Moment und ließ sich von dem Song ein wenig forttreiben. Seinen eigenen Song im Radio zu hören, ließ sein Herz ganz schön schnell schlagen. Wie ein Film lief die Entwicklung des Songs vor Seiyas inneren Auge ab. Sie hatten ihn geschrieben, komponiert und in fitzeliger Kleinarbeit auf den Jamsessions perfektioniert. Er würde niemals den Abend vergessen, an dem Kikai ihren Vater als Produzenten vorgestellt hatte. Professionell einen Song aufzunehmen, war wirklich wahnsinnig interessant, aber verdammt harte Arbeit. Aber die hatte sich definitiv gelohnt. Mit Genugtuung stellte Seiya fest, dass andere Passanten ebenfalls stehen blieben und lauschten. Aber wenn sie den Song kannten, hatten sie bestimmt die ThreeLights schon einmal gesehen. „Wir sollten trotzdem langsam verschwinden.“
„Sag ich doch die ganze Zeit.“ Taiki nickte und schob den Einkaufswagen weiter. „Nicht, dass uns doch wer erkennt.“
„Schlimm wäre das nicht, aber hier haben wir einfach keine gute Fluchtmöglichkeit“, überlegte Seiya. Sie waren schon das ein oder andere Mal auf der Straße erkannt wurden. Wie auch nicht? Ihr Album war nun seit ein paar Wochen draußen. Das bedeutete nicht nur viele Pressetermine, Promotion und Projektplanungen, sondern auch, dass ihre Bekanntheit rapide stieg.
„Das waren die ThreeLights mit ihrer Debutsingle 'Serach for your Love'. Wie auch das Album hält sich die Platte hartnäckig auf Platz zwei der Charts. Vielleicht knacken sie nächste Woche ja die Poleposition. Wir können gespannt sein, auch auf die Tour, die im Frühjahr starten soll“, sagte der Radiosprecher gut gelaunt. Ja, im Frühjahr begann ihre Live-Tournee. Eigentlich hatten sie gedacht, dass das alles schneller vonstatten ging, aber Ongaku sagte ihnen immer wieder, sie sollten geduldig sein. Auch Kikai hatte ihnen versucht, die ganze Prozedur zu erklären. Es ging einfach nicht darum, dass sie selbst vorbereitet waren, die Songs drauf hatten und die Show stand, es mussten die Hallen gebucht, die Karten verkauft und sich mit den anderen Musikern auf der Bühne abgestimmt werden. Aber so lange ihre Musik regelmäßig irgendwo in den Medien lief, bestand immer noch eine gute Chance, dass Kakyuu sie hörte.
„Ah, ich liebe diesen Song“, sagte eine junge Frau zu ihrer Freundin. „So herzerwärmend.“
„Ja. Wie gerne wäre ich ihre Prinzessin“, schwärmte die andre. „Hast du das Album schon? Das ist etwas ganz Besonderes.“
„Nein. Aber ich habe es mir zum Geburtstag gewünscht.“ Sie kicherten und gingen weiter, ohne die ThreeLights eines Blickes zu würdigen.
„Wir sollten nun wirklich verschwinden“, drängte Taiki.
„Japp.“ Seiya und Yaten folgten ihm zur Kasse. Gott sei Dank war es nicht sonderlich voll. Sie waren die nächsten. Doch als Taiki begann die Waren aufs Band zu legen, starrte die Kassiererin ihn ganz von den Socken an. Sie lehnte sich etwas vor, um zu sehen, wer noch in der Reihe stand. Als sie Yaten und Seiya erkannte, wurde ihr Lächeln breiter und ein leichter Rotschimmer legte sich auf ihre Wangen. Für einen Augenblick hatte sie aufgehört zu kassieren. Als sie es bermerkte, räusperte sie sich und setzte ihre Arbeit fort.
Die ThreeLights sahen sich schmunzelnd an, waren allerdings dankbar, dass sie nicht gleich herausschrie, dass sie die ThreeLights an der Kasse stehen hatte. Sie mussten sich wirklich etwas überlegen wie sie damit umgehen wollten. Sie brauchten ihre Fans – das war klar. Je mehr Leute ihre Musik hörten, umso mehr verbreitete sie sich. Sie halfen ihnen die Botschaft hinaus ins Land zu tragen. Seiya hätte nichts dagegen, zumindest am Anfang, sich etwas mit ihren Fans zu beschäftigen. Ein Star zum anfassen. Warum nicht? Das würde bestimmt nur eine zeitlang möglich sein, aber den Fans würde es bestimmt gefallen. Deshalb setzte Seiya sein charmantestes Lächeln auf und zwinkerte der Kassiererin zu, bevor er Taiki und Yaten folgte und den Markt verließ. Das Letzte was er hörte war ein Quietschen. „Die ThreeLights...“ Sein Ego führte einen heimlichen Freudentanz auf. Leider geil.

Da sie immer berühmter wurden, überlegten sich die ThreeLights zweimal, was sie in ihrer Freizeit unternahmen – wenn es denn mal Freizeit gab. Wenn sie die Zeit nicht im Anwesen mit Len und Shinko verbrachten, machte jeder seins. Sie hangen fast täglich 24 Stunden aufeinander und um Reibereien vorzubeugen, räumte sich jeder von ihnen einen freien Nachmittag für sich selbst ein. Yaten kümmerte sich um die Anzucht einiger Kräuter und weckte so langsam den Garten aus dem Winterschlaf. Taiki las was er in die Finger bekommen konnte. Er wollte so viel wie möglich über die Erde wissen. Mittlerweile hatte Taiki auch herausgefunden, wo ungefähr in der Milchstraße die Erde lag. Die Sonne dieses Sonnensystems bewegte sich momentan im Orionarm. Astronomie hatte Seiya immer schon interessiert, auch wenn sie mit all den Zahlen und Formeln nicht viel anfangen konnte. Eines war jedoch auch ihm klar. Sie waren sehr weit von Zuhause weg. Ihr kleines Sonnensystem befand sich ganz am Ende vom Perseusarm der Milchstraße. Das lag definitiv nicht einfach so um die Ecke. Kein Wunder, dass der Flug sie so ausgelaugt hatte. Taiki würde bestimmt einen Weg nach Hause finden, aber ohne die Prinzessin gingen sie nirgendwo hin. Wieder stellte sich Seiya die Frage, warum Kakyuu gerade zur Erde geflogen war? Das musste doch einen Grund haben? Aber diese Antworten würde er nur bekommen, wenn er Kakyuu fand. Das bedeutete jede Chance zu nutzen, um auf sich Aufmerksam zu machen. Doch irgendwann brauchte auch er eine Pause, etwas Zeit zum durchatmen. Seiya verbrachte seine freie Zeit im Label zusammen mit Kikai. Wann hatte er schon einmal die Möglichkeit einen Großteil der Instrumente der Erde zur Verfügung zu haben. Mit Erlaubnis von Ongaku durfte er sich ein wenig ausprobieren. Dorthin war er auch heute wieder unterwegs. Kikai wollte ihm ein wenig ins Schlagzeugspielen einführen. Darauf hatte der Schwarzhaarige eigentlich schon lange spekuliert. Schlagzeugspielen war irgendwie sexy, vor allem wenn Kikai hinter den Drums saß.
„Hallo Seiya. Wieder hier zum rumklimpern?“, sagte die junge Frau am Empfang und lächelte wissend.
„Japp. Schick siehst du heute wieder aus, Mel!“, lächelte Seiya und zwinkerte ihr zu.
„Ach ich mag es, wenn du das tust“, seufzte Mel. „Kikai wartet auf dich im Studio 2.“
„Vielen Dank.“ Sie grinsten sich kurz an, dann ging er weiter. Er erinnerte sich noch an den Tag der Probeaufnahmen. Er hatte sich so fehl am Platze gefühlt. Das war nun vorbei. Nun war er einer von ihnen. Es wude sich gegrüßt, Smalltalk gehalten und sich etwas ausgetauscht. Es war eine völlig andere Welt, in die er immer mehr eintauchte und immer besser zu Schwimmen wusste. Wie immer nahm Seiya die Treppe und nicht den Lift. Er wollte fit bleiben und da nutzte er jede Gelegenheit, die er kriegen konnte.
„Ah, da bist du ja.“ Kikai fletzte auf der Couch, die im Studio stand. Seiya grinste breit, als er sie so sah.
„Deine Welt kann auch nichts erschüttern, was?“ Er trat zu ihr, hob ihre Beine an, setzte sich und legte sie auf seinen Schoß.
„Nö. Schon gar nicht, seit ich dich kenne.“ Kikai piekte Seiya mit ihrem Zeigefinger in den Oberarm.
„Okay, das ist ein Argument.“ Ihre Lippen trafen sich für einen kurzen Kuss. Irgendwie hatte sich das eingebürgert.
„Siehste.“ Kikai seufzte.
„Was ist?“ Seiya legte fragend den Kopf schief. Nach einem Kuss entnervt zu seufzen, war nicht die feine englische Art.
„Ach... mein Vater liegt mir mal wieder mit dem leidigen Freundthema in den Ohren. Als ich gesagt habe, dass wir uns heute wieder treffen, hatte er mich nur vielsagend angegrinst. Auch wenn du etwas jungs seist, solle ich dich mir warm halten.“
„Oh man...“ Seiya lehnte sich etwas zurück und schielte aus den Augenwinkeln zu Kikai. „Aber selbst wenn wir dieses Spielchen spielen wollten... das können wir nicht machen. Ich kann als Seiya von den ThreeLights doch keine Freundin haben. Das ist nicht besonders fanfreundlich.“
„Hah. Genau. Dasselbe habe ich ihm auch gesagt.“ Kikai setzte sich nun richtig hin. „Aber du kennst ihn... 'na solange es nicht in der Öffentlichkeit ist'... hat er gesagt... Argh. Ich war echt kurz davor ihm die Wahrheit zu sagen... Aber das will ich nicht aus dem Affekt heraus machen...“
„Ach Mensch, Kikai.“ Er hatte zwar privat nicht so viel mit Ongaku zu tun, aber mittlerweile konnte er den Produzenten doch ganz gut einschätzen. Er war hartnäckig und ehrgeizig in allen Belangen des Lebens. Sehr zum Leidwesen seiner Tochter. „Und nun? Du hast drei Möglichkeiten. Eins: du outest dich. Zwei: du fragst Seiya von den ThreeLights einfach, ob er dein Freund sein will. Drei: Du stellst auf Durchzug und hörst dir die Leier immer wieder an.“
Kikai sah Seiya einen langen Augenblick an. Dann seufzte sie schwer. „Wenn du dir mein Gejammer weiter anhörst, dann drei. Ich möchte mich nicht zu etwas zwingen lassen, vor allem nicht, wenn es andere Personen mit betrifft. Ich weiß, dir wäre Nummer 2 auch recht, aber das möchte ich nicht. Dafür bist du mir zu wichtig.“
„Wow...“ Seiya starrte Kikai baff an. „Mit der Antwort habe ich jetzt nicht gerechnet. Ich hätte mich wahrscheinlich trotzdem in Nummer 2 gestürzt...“
„Damit habe ich wiederum gerechnet, dass du das sagst.“ Kikai gluckste. „Komm erst mal in mein Alter, dann wirst du manche Sachen auch anders sehen.“
„Ich verstehe schon, alte Frau.“ Seiya grinste nun wieder. Manchmal merkte er doch den Altersunterschied. Seiya stellte sich in zehn Jahren vor, hatte aber irgendwie kein Bild vor Augen. Womöglich lag es an seiner aktuellen Lebenssituation. Er hoffte nicht, dass er in zehn Jahren immer noch nach seiner Prinzessin suchte. Aber wie es in zehn Jahren auf Kinmoku aussehen würde, konnte er auch nicht sagen. Er hoffte inständig, dass alles wieder blühte und erstrahlte, sodass er die Erde zumindest wieder besuchen konnte. Oder würde er die Erde nach diesem Abenteuer nie wieder sehen? Nein. Das stand nicht zur Debatte. Nicht nach diesen Begegnungen. Aber man konnte nie wissen. Ob er jemals wirklich eine richtige Beziehung führen würde, stand auch in den Sternen. Alles in allem tat er gut daran, einfach im Jetzt zu leben. Was anderes blieb ihm auch nicht wirklich über.
„Alte Frau?“ Kikai zog die Augenbrauen nach oben und erhob sich. Sie schnappte sich ein Paar Drumsticks und haute Seiya damit sanft auf den Kopf. „Ich denke ich habe dir oft genug das Gegenteil bewiesen.“
Seiya räusperte sich. „Ja, das hast du.“ Auch er erhob sich. Er war schließlich zum Schlagzeugspielen hier.
„Also... Konzentration... Lassen wir das Liebesthema erst einmal ruhen. Du sagtest ja, du hast schonmal bei deinem Bruder am Drumset gesessen?“, fragte Kikai einmal nach und lenkte damit ihr Gespräch auf das eigentliche Thema, warum sie heute hier waren..
„Ja, aber eher halbherzig und unkoordiniert“, gestand Seiya. Von den Trommelsessions auf den Töpfen in der heimischen Küche ganz zu schweigen. Die hatten ihrer Mutter ganz schön Nerven gekostet.
„Na gut, aber da du ja Klavier spielen kannst, ist deine Handkoordination ja schon gut und Taktgefühl hast du auch. Ausdauer auch... gute Voraussetzungen“, überlegte Kikai.
„Na, wenn du das sagst.“ Kikai drückte ihm die Drumsticks in die Hand.
„Los, tob dich mal aus!“ Kikai grinste.
„Was jetzt? Einfach so?“ Seiya nahm die Drumsticks, setzte sich hinter das Schlagzeug und ruckte sich den Hocker zurecht.
„Natürlich jetzt. Oder traust du dich nicht, einfach mal alles rauszulassen?“
„Ich habe schon oft genug alles rausgelassen.“ Das war auch nicht das Problem. Seiya wusste schlichtweg nicht, wo er anfangen sollte. „Das ist wie vor einem weißen Blatt zu sitzen und etwas schreiben zu müssen.“
„Richtig. Deswegen kannst du einfach mal jedes einzelne Element anschlagen. Vielleicht kommst du so rein.“ Kikai versuchte ihm etwas Starthilfe zu geben.
„Okay.“ Seiya tat wie ihm geheißen und ging ein paar mal die Elemente durch. Irgendwann machten sich seine Arme und sein rechter Fuß selbstständig und er haute einfach auf dem Drumset drauf rum. Er bemerkte Kikai gar nicht. Erst als sie ihre Hände auf seine Schulter legte, stoppte er.
„Gut. Du warst noch nicht ganz weg.“ Sie lachte leise. „Man versinkt sehr schnell im Spielen, nicht wahr?“
„Oh ja. Gut um Dampf abzulassen oder den Kopf frei zu bekommen.“ Seiya nickte.
„Genau. Auf jeden Fall siehst du hinter einem Schlagzeug echt gut aus. Wenn wir da etwas Struktur rein bekommen, macht das echt was her.“
„Und das von der Meisterin persönlich.“ Seiya fühlte sich geschmeichelt. Aber noch hatte er ja nicht wirklich was getan.
„Ja. Und diese zeigt dir gleich mal, wie du ganz einfach einen klaren Rhythmus da rein bekommst.“ Kikai baute sich ein improvisiertes Schlagzeug aus Kisten, Koffern und übrig gebliebenen Becken und schnappte sich ein zweites Paar Drumsticks. Deswegen ein zweites Schlagzeug aufzubauen, war viel zu umständlich.
„Ich bin ganz Ohr.“ Seiya sah Kikai aufmerksam an. Solches Wissen sog er immer auf wie ein Schwamm. Er hungerte fast danach neue Dinge auszuprobieren.
„Gut. Für den Anfang brauchen wir nur drei Dinge: Hi-Hat, Snare Drum, Base Drum. Muss ich dir erklären was es ist, oder weißt du das?“, fragte Kikai sicherheitshalber.
„Weiß ich. Fußgesteuertes Becken, Trommel mit Metalldrähten die schnarren und eine tiefe Fußtrommel“, zählte Seiya schmunzelnd auf.
„Richtig. Grundtakt, Schlag auf die 4 und Schlag auf die 1.“ Kikai nickte und spielte auf ihrer improvisierten Hi-Hat einen Viervierteltakt. Das sind die drei Elemente, mit denen du grundlegend die meisten Songs begleiten kannst. Das ist wie mit den drei Standartakkorden auf der Gitarre.“
„Ah, verstehe. Wenn ich die beherrsche und unterschiedliche Rhythmen spiele, dann bin ich schon gut dabei“, schloss Seiya und spielte einfach nach.
„Genau. Außerdem gibt es gefühlt tausende Arten, wie du die Sachen anschlagen kannst“, erklärte Kikai und gab gleich mal ein paar Beispiele zum Besten. Seiya freute es immer, wenn er jemanden bei etwas zuschauen konnte, dass er leidenschaftlich gerne tat. Kikai lebte für die Musik. Das war so schön mit anzusehen und sehr ansteckend. Zudem war sie eine sehr gute Lehrerin und verklickerte ihm die grundlegenden Techniken beim Schlagzeugspielen. Seiya erkannte schnell was das Schlagzeugspielen so reizvoll machte. Solange man nicht komplett neben dem Takt war, konnte man sich komplett austoben und improvisieren, was das Zeug hielt. Soweit war er zwar noch lange nicht, aber das Grundlegende hatte er schnell drauf. Gerade als Kikai einen Schritt weiter gehen wollte, kam ihr Vater ins Studio.
„Das klingt doch nicht schlecht. Du lernst schnell, Seiya“, sagte Ongaku zufrieden. Seiya grinste nur. Sein Ego freute sich ebenso sehr, wie er selbst. „Macht doch mal kurz eine Pause.“ Seiya und Kikai wechselten einen Blick, setzten sich dann aber zu Ongaku in die Sitzecke.
„Was ist Dad?“, fragte Kikai neugierig.
„Wenn Seiya schon mal hier ist, will ich gleich noch etwas mit euch besprechen.“
„Okay. Ist irgendwas vorgefallen?“, fragte Seiya, denn Ongaku sah sehr ernst drein.
„Ja, aber etwas Gutes. Euer allererstes Konzert Anfang April ist komplett ausverauft.“ Kurzes Schweigen hing im Raum, bis Seiya zu Jubeln begann.
„Das ist echt cool... krass...“ Das war einfach unglaublich. Es gab wirklich so viele Menschen, die ihre Musik mochten und die ThreeLights sehen wollten. Und in so eine Halle gingen nicht nur 50 Leute rein.
„Na, Glückwunsch!“ Kikai klopfte Seiya begeistert auf die Schulter.
„Ich muss zugeben, dass Kikai wirklich einen guten Riecher gehabt hatte“, erzählte Ongaku lächelnd. „Deswegen möchte ich noch einmal das Thema Tokyo ansprechen.“ Seiya schluckte. Beim letzten Meeting hatte Ongaku ihnen nahe gelegt nach ihrem ersten Konzert hier in Nagasaki nach Tokyo zu ziehen. Dort saßen sämtliche große Firmen und Filmemacher. Für sie als Band wäre es ein besseres Pflaster um sich zu entwickeln und weiter aufzusteigen. Sie hatten sich Bedenkzeit erbeten. Eigentlich wollten sie Shinko nicht alleine lassen.
„Wir haben uns noch nicht entschieden“, erklärte Seiya ehrlich.
„Das habe ich auch nicht erwartet. Aber ich will trotzdem, dass ihre meine Planung nachvollziehen könnt.“ Ongaku wandte sich an seine Tochter. „Kikai, wann bist du mit dem Studium fertig?“
„So Gott will, Ende März.“
„Gut, dann würde das passen. Ich will dich anschließend als feste Mitarbeiterin Vollzeit einstellen und dich mit den ThreeLights nach Tokyo schicken. Volle Verantwortung und Entscheidungsfreiheit.“
„Ist das dein ernst?“, fragte Kikai ganz überrascht.
„Ja. Du hast ein gutes Gespür was Planung und Koordination angeht. Außerdem willst du doch sowieso die Drums bei den Konzerten spielen. Ich vertraue dir da voll und ganz.“
„Das wäre natürlich der Wahnsinn.“ Kikai war ganz von den Socken. „Nur, dass wir uns richtig verstehen: Du willst das komplette ThreeLights Projekt in meine Hände geben?“
„Wen, wenn nicht meiner eigene Tochter? Ich bin mir sicher du bekommst das hin. Bisher hast du auch einen guten Job gemacht. Außerdem kennst du die Gegebenheiten in Tokyo besser.“ Ongaku lächelte seine Tochter aufmunternd an.
„Ich denke Taiki und Yaten fänden das auch echt stark“, sagte Seiya. Kikai komplett an ihrer Seite zu haben, wäre natürlich ein Glücksgriff. Sie kannte die ThreeLights so gut, dass sie nichts tun würde, was gegen ihre Prinzipien ging. Mal ganz davon abgesehen mochte Seiya ihre Gesellschaft einfach gerne. Dennoch würde es schwer werden Shinko und Len zu verlassen.
„Das möchte ich doch meinen.“ Ongaku nickte und sah Seiya eindringlich an. „Außerdem möchte ich, dass ihr euren Schulabschluss macht. Darüber solltet ihr auch nachdenken. Weiter in eine Highschool zu gehen, vermittelt ein bodenständiges Bild von euch und so seid ihr auch näher an den Fans. Die Leute mögen Stars, die den Eindruck vermitteln wie sie selbst zu sein. Das jetzige Schuljahr ist bald vorbei. Für diese Zeit würde ich euch einen Privatlehrer an die Seite stellen. Ab April, wenn ihr dann in Tokyo seid, geht ihr dann auf eine Highschool.“
„Äh...“ Seiya hatte mit allem gerechnet, aber nicht das. Was sollte das? Sie waren nicht hier auf der Erde, um die Schulbank zu drücken. Als ob sie nichts Besseres zu tun hätten. „Ich werde das den Jungs so weitergeben“, sagte Seiya einfach. Dazu wollte er sich erst einmal nicht weiter vor Ongaku äußern. Zumal er ja eigentlich recht hatte. Wenn Seiya so genau darüber nachdachte, hatten sie alle drei keinen Schulabschluss, weder hier auf der Erde, noch auf Kinmoku. Je nach Entwicklung der Lage, würde der auch noch auf sich warten lassen, wenn er denn überhaupt jemals käme. Sie waren alle drei nicht dumm, er selbst nur etwas faul. Aber wozu brauchten sie den eigentlich? Sie würden ihr Leben am Hofe der Prinzessin als ihre Leibgarde verbringen. Leider war er sich hundertprozentig sicher, dass auch Kakyuu auf einen Schulabschluss bestehen würde, und wenn sie eine Klasse wiederholen mussten. Das konnte ja heiter werden.
„Überlegt es euch bis zu unserem nächsten Meeting. Du kannst ihnen ja etwas gut zureden, Kikai“, schloss Ongaku und erhob sich wieder. Er sah noch einmal abwechselnd zwischen Seiya und Kikai hin und her. „Ihr würdet wirklich ein hübsches Paar abgeben. Geht doch noch mal aus.“ Mit diesen Worten ließ Ongaku sie wieder alleine. Als er das Studio verlassen hatte, seufzten Seiya und Kikai zeitgleich.
„Siehste. Er gibt einfach nicht nach.“
„Ich merke das schon.“ Seiya lehnte sich geschafft zurück. Das waren wahnsinnig viele Informationen auf einmal gewesen. Schule, Tokyo, neue Projekte. Er wollte doch einfach nur seine Prinzessin finden und sich kein komplettes Leben auf der Erde aufbauen.
„Vielleicht lässt er mich in Ruhe, wenn ich nach Tokyo gehe“, überlegte Kikai.
„Du bist anscheinend dafür, oder?“, fragte Seiya ein wenig verdrossen.
„Tatsächlich ja.“ Kikai sah Seiya in die Augen. „Hör mir mal gut zu Jungspund. Dad hat mit allem Recht, mit dem was er sagt.“ Sie senkte ein wenig die Stimme. „Tokyo ist die Hauptstadt. Dort habt ihr so viel mehr Chancen zu wachsen und bekannter zu werden. Es ist ein besserer Ort, um Botschaften für eure Prinzessin ins Land hinaus zu schicken. Ich weiß, dass es euch schwer fällt Shinko zurückzulassen. Aber ich bin mir sicher, dass sie euch dasselbe sagen wird, wie ich. Hier in Nagasaki eine gute Grundlage zu schaffen, ist das eine, aber es ist keine Stadt die euch am Ende weiterbringt. Gerade im Hinblick auf eure eigentliche Mission. Und was die Schule angeht... Bist du nicht neugierig, wie Schule hier auf der Erde ist? Du könntest Football spielen...“
Bei der Erwähnung des Sports begannen Seiyas Augen zu leuchten. „Du bist doof“, sagte er schließlich.
„Ich weiß. Das ist mit alten Leuten so.“ Kikai legte versöhnlich einen Arm um Seiya und zog ihn zu sich. „Aber du verstehst schon, was ich dir sagen will? Außerdem warst es nicht du, die immer gesagt hat, dass ihr alles für die Prinzessin tun würdet? Das zählt für mich unter 'Alles'“
„Argh... Kikai...“ Seiya raufte sich die Haare und legte dann seinen Kopf auf ihren Schultern ab. „Du machst mich echt fertig.“ Natürlich kapierte er, was Ongaku und auch Kikai damit sagen wollten. Zwar beide mit anderen Gedanken dahinter, aber Seiya war schon klar, dass Tokyo ein besseres Sprachrohr für sie sein würde. Sie hatten Tokyo einmal gesehen, als sie nach dem Rechten geschaut hatten. Dort waren sie auch Pegasus begegnet. Tokyo schien immer in irgendeiner Form ein Brennpunkt zu sein.
„Wirklich?“ Kikai gluckste. „Das tut mir aber Leid.“
„Warum glaube ich dir das nicht?“ Nun musste auch Seiya lachen.
„Ich fordere dich, weil ich dich achte. Heißt es auf der Erde.“
„Na danke!“, sagte Seiya. Obwohl ihm das tausendmal lieber war, als wenn man ihn ständig mit Samthandschuhen anfassen würde.
„Na komm. So schlimm ist es nun auch nicht“, schmunzelte Kikai.
„Nein...“ Einen Augenblick schwiegen sie. Seiya malte kleine Kreise auf Kikais Oberarm. Nach der ganzen Informationsflut, war es einfach nur mal schön, schweigend nebeneinander zu sitzen. Und Schweigen war mit Kikai selten unangenehm. Doch irgendwann schlich sich ein Gedanke in seinen Kopf. „Kikai?“
„Hm?“
„Zählt unter 'Alles' auch, dass wir noch einmal ausgehen?“

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Ein kleines Zwischenapitel, in der aber ein paar wesentliche Dinge angestoßen werden.
Habt ihr euch je gefragt, warum die ThreeLights nach Tokyo kommen? Warum sie auf eine Schule gehen? DARUM! ;) Und nun wisst ihr auch, warum es Kikai eigentlich gibt: Seiya das Drumsspielen beizubringen. In der einen Folge im Anime haut Seiya gestresst auf einem Schlagzeug herum... Das muss er ja auch irgendwoher haben... :D


Und falls es wen interesiert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Milchstra%C3%9Fe
Hier könnt ihr die Position unseres Sonnensystems in der Milchstraße sehen. :D
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