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Tales of Starlight 1: Anothers Life

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Chibi-Usa / Sailor Chibi Moon / Serenity III Pegasus / Helios Seiya Kou / Sailor Star Fighter Taiki Kou / Sailor Star Maker Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II Yaten Kou / Sailor Star Healer
25.04.2021
06.02.2022
46
232.945
9
Alle Kapitel
158 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
19.09.2021 7.401
 
Na ihr Süßen? :D
Da habe ich euch mit dem letzten Kapitel echt gekriegt, wa? Nun geht es weiter. Wenn ihr den Titel lest, könnt ihr euch bestimmt denken, dass es ein sehr emotionales Kapitel wird. Damit ihr auch alle zu den Taschentüchern greift, habe ich hier einen Song, den ihr beim lesen in Dauerschleife hören solltet. ;)
https://www.youtube.com/watch?v=kkBKxMhMSoo
Aber mal im ernst. Hört ihn euch zumindest einmal an. Gregorian ist neben Santiano eine der Bands, bei denen ich sowohl mit meinem Mann dem Metaler als auch mit meinen Eltern schon auf Konzerten war. Eigentlich waren meine Mama, mein Bruder und ich ständig auf Gregorian Konzerten. Ich sag euch: diese Band zu Weihnachten in einer Konzertkirche, die ua weihnachtliche Folksongs singen … oder Rock und Metalsongs covern *Gänsehaut* Und diese Band hat auch eine wunderschöne Version des Songs „Hallelujah“ gemacht. Ich habe ihn live hören dürfen... es ist denke ich eine der besten Versionen die ich je von dem Song gehört habe. Und wenn ihr das Kapitel jetzt lest, wisst ihr warum wieder Hallelujah im Titel steht!

Da bleibt mir doch nur zu sagen: Hallelujah, ihr Lieben!

_______________________________


Noch bevor Seiya die Augen öffnete, wusste sie, dass etwas anders war. Da noch ein Teil des nächtlichen Schleiers auf ihr lag, konnte sie noch nicht ganz greifen, was es war. Doch eines wusste sie ganz genau. SIE fühlte sich auch anders. Etwas in ihr hatte seinen Frieden mit sich gemacht und genau das verwirrte sie. Aber das war noch nicht alles. Während Seiya langsam richtig wach wurde, versuchte sie die Eindrücke, die langsam an ihr Hinterstübchen klopften, einer nach dem anderen hineinzulassen. Sie schien nicht in ihrem Zimmer zu sein. Es roch anders. Nicht schlecht, aber nach wilder Rose und Lavendel. Ein nahezu betörender Duft. Das bedeutete allerdings, dass sie sich nicht in Lens Zimmer befand. Also schlussfolgerte ihr nur langsam in die Gänge kommender Geist, dass die Person, die neben ihr lag auch nicht Len sein konnte. Um diese Theorie zu kontrollieren, öffnete Seiya erst ihr linkes und anschließend ihr rechtes Auge, wandte dann den Kopf zur Seite. Nein. Eindeutig nicht Len. Eine Frau lag neben ihr und hatte das Gesicht in das in den Armen zusammengeknorkelte Kissen verborgen. Die wilde braune Lockenmähne konnte nur zu Kikai gehören. Kikai? Waum lag sie mit Kikai zusammen im Bett? Noch dazu kam sie sich sehr nackt vor. Vorsichtig hob sie die Bettdecke an. Sie war nackt! Seiya war mit einem Schlag hellwach, denn der gestrige Abend rannte volle Kanne die Tür zu ihren Erinnerungen ein und verbreitete freudestrahlend Bilder in ihrem Kopf. Diese Bilder ließen ihren Kopf hochrot anlaufen. Ihr war auf einmal wahnsinnig warm. Was hatte sie nur getan? Sie hatte ES mit Kikai getan. Einer Frau! Ihr ganzer Körper reagierte sofort auf das Kopfkino. Ihr war es fast so, als konnte sie Kikais Lippen und Hände noch überall auf ihrem Körper spüren. Noch mehr verstörte sie allerdings, was sie selbst mit Kikai angestellt hatte, wo sie alles an ihrem Körper geknabbert hatte. Nicht jugendfrei, schoss es Seiya durch den Kopf. Leicht panisch, rutschte sie so leise wie möglich aus dem Bett und verzog sich ins Badezimmer. Dort angekommen, spritzte sie sich erst einmal kaltes Wasser ins Gesicht, um sich ein wenig abzukühlen. Erst als ihr Puls wieder heruntergefahren war, wagte sie einen Blick in den Spiegel. Irgendwie konnte sie sich gerade selbst nicht in die Augen sehen. Das musste sie aber auch nicht, denn etwas anderes forderte ihre Aufmerksamkeit: Und zwar die dunklen Flecke an Hals, Schulter und Brust. Wie von selbst hob sich Seiyas Hand, um diese Mahle zu erfühlen. In der Schule hatten sie immer über Mitschüler gelacht, die nach dem Wochenende mit Knutschflecken zur Schule kamen. Sie hatte nie verstanden, was so besonderes an Sex war. Nun wusste sie es. Jetzt war sie selbst eine von ihnen. Wenn Yaten und Taiki das nachher sahen, konnte sie sich bestimmt etwas anhören. Aber das war ihr im Augenblick herzlich schnuppe. Sie genoss lieber dieses leichte Prickeln in ihrem Körper. Ihr allerestes Date und dann sowas.
„Oh mein Gott...“ Seiya wagte einen Blick in ihre Augen. „Mädel... was hast du dir nur dabei gedacht?“, fragte sie sich selbst. Aber wenn sie ehrlich zu sich selbst war, musste sie sich diese Frage gar nicht stellen, sondern eher, ob es ihr gefallen hatte? Und das hatte es! Wenn sie bis dato daran gezweifelt hatte, lesbisch zu sein, nun konnte sie es nicht mehr leugnen. Das wollte sie auch nicht, denn eines war ihr sofort klar, als sie in ihre eigenen funkelnden Augen blickte: Sie würde es immer wieder tun. Gerne auch mit Kikai. Seufzend fuhr sich Seiya über das immer noch feuchte Gesicht, was sie daran erinnerte, sich doch abzutrocknen, bevor sie zurück ins Bett schlich. Sollte sie überhaupt zurück gehen? Hätte sie daran gedacht ihre Klamotten gleich mitzunehmen, hätte sie sich davon schleichen können. Aber irgendwie wollte sie das nicht. Sie hatte es ja selbst gewollt und es genossen. Irgendwann hatte sich ihr Kopf verabschiedet gehabt, weil ihn eine Flut aus Lust überspült hatte. Damit die dazugehörigen Emotionen Seiya nicht gleich wieder überfielen, klatschte sich Seiya ein paar Mal mit den Handflächeln an die Wangen, um wieder runterzukommen.
Aber was machte sie jetzt? Abhauen, stand nicht zur Debatte. Frühstück machen? Da hätte Kikai bestimmt nichts dagegen. Aber nackt? Seiya war sich sicher, dass Kikai auch da nicht gegen einzuwenden hatte. Doch würde das auf Dauer kalt werden. Dennoch gefiel ihr der Plan mit dem Frühstück. Sie würde sich also wieder ins Schlafzimmer schleichen, ihre Sachen schnappen und in die Küche verschwinden. Der Plan stand. Doch hatte Seiya keinen Plan B. Das wurde ihr bewusst, als sie die Schlafzimmertür vorsichtig öffnete und prompt in zwei ebenfalls blaue Augen sah.
„Guten Morgen, meine Schöne“, sagte Kikai mit einem frechen Grinsen im Gesicht. Sie richtete sich etwas auf und stützte sich auf einem Ellenbogen ab. Die Decke war so verrutscht, dass Seiya einen guten Blick auf ihren Busen hatte. Möglichst unauffllig lehnte sie sich an den Türrahmen, um nicht einfach umzufallen. Denn sowohl die Worte, als auch der Anblick schalteten ihr Kopfkino wieder an. Seiya wäre es jedoch lieber, wenn ihr Hirn besser ihre Stimme angeschaltet hätte. Sie benahm sich ja wie ein durchgeknallter Teenager. Ach halt, ich bin ja einer... Trotzdem wollte Seiya nicht weiter sprachlos im Türrahmen stehen, während Kikais Blick ihren Körper entlangfuhr. Es war ihr nicht unangenehm, aber brachte sie ganz aus dem Konzept. Die Schwarzhaarige atmete einmal tief durch.
„Morgen...“ Na bitte. Ein Wort war schon mal draußen. Gut, Seiya, weiter... Hallo Selbstbewusstsein, schon wach? Seiyas innerer Monolog musste wohl auf ihrem Gesicht sichtbar sein, denn Kikai begann zu kichern. „Lachst du mich etwa aus?“, kam es Seiya über die Lippen.
„Nein. Ich lache dich an.“
„Ja, ja.“ Seiya spürte wie nun endlich ein Grinsen auf ihren Lippen erschien. „Sei lieb mit mir. Ich wollte gerade Frühstück machen.“
„So?“ Kikai hob belustigt eine Augenbraue. „Nur zu.“
„Nein. Ist etwas kalt.“ Na endlich. Nun schien ihr Selbstbewusstsein auch erwacht zu sein. Zumindest kam sich Seiya nicht mehr wie ein unsicheres Schulmädchen vor. Sie war eine Kriegerin, verdammt noch mal. Eine Kriegerin, die gestern zwar einen völlig anderen Kampf ausgefochten hatte, aber sie war eine Kriegerin. Basta!
„Wirklich?“, fragte Kikai und setzte sich jetzt richtig auf.
„Ja, siehst du?“ Seiya deutete auf ihre Brust. Durch das Frösteln, hatten sich ihre Brustwarzen aufgestellt. Als ihr bewusst wurde, was sie da für einen Schrott von sich gab, räusperte sie sich und wurde ein wenig rot.
„Ich kann dich auch erstmal eine Runde wärmen, wenn dir das lieber ist?“ Seiya verdehte die Augen. Wie sollte sie denn bitte standhaft bleiben, wenn Kikai nun noch verführerisch die Bettdecke anhob? Das Prickeln in ihrem Körper war eindeutig der Meinung, dass das Frühstück noch warten konnte. Ohne ihr Zutun, trugen sie ihre Füße hinüber zum Bett.
„Gutes, Mädchen...“, säuselte Kikai.
„Hör auf mich zu verarschen“, lachte Seiya, während sie wieder ins Bett schlüpfte.
„Ich meine es ernst. Ich hatte einen Schreck bekommen, als ich wach wurde und du warst nicht da“, gestand Kikai. Sie lagen nun einander gegenüber, so dass sie sich weiterhin ansehen konnten. „Dann habe ich deine Sachen gesehen und war erst einmal erleichtert.“
„Hättest du mir wirklich zugetraut, dass ich einfach so abhaue?“, fragte Seiya ernst.
„Nein. Eigentlich nicht. Aber im Halbschlaf denkt man oft Dinge, die völliger Quark sind...“ Kikai sah sie nun liebevoll an. „Wie hast du geschlafen? Geht's dir gut?“
„Doppeltes ja.“ Seiya strich Kikai ein paar verirrte Locken aus der Stirn. „Es ist irgendwie... Hm... also... Ich bin irgendwie noch ganz geflasht.“
„War das dein erstes Mal?“, wollte Kikai wissen.
„Ja...“
„Alle Achtung. Ein Naturtalent...“, lachte Kikai leise.
„Oh ja. Streichle bitte weiter mein Ego, denn es braucht glaube noch etwas, um damit klar zu kommen, dass mein erstes Mal auf einem fremden Planeten war...“ Bei den Worten musste Seiya selbst glucksen.
„Also hat es dir gefallen?“ Kikai beugte sich Seiya etwas entgegen, sodass ihre Lippen nur noch wenige Zentimeter von einander entfernt waren.
„Das wollte ich eigentlich mit geflasht sagen...“ Wenn Kikai so nahe war, konnte sich Seiya nicht richtig konzentrieren. Ihr Körper schien wieder eine völlig eigene Reise anzutreten. Eine Reise, auf der ihr Kopf nicht folgen konnte. Aber sie ließ sich gerne auf den sanften Wellen dieser Anziehung treiben. Wenn sich Seiya eines sicher war, dann dass sie volle Kanne auf Frauen stand und im Augenblick fuhr sie schlicht weg auf die hübsche Brunette vor ihr ab. Dass sich ihre Lippen nun wieder trafen, konnte und wollte Seiya einfach nicht verhindern. Zwar brauchte sie ihre Erinnerungen von letzter Nacht noch nicht auffrischen, aber es konnte ja nicht schaden.

Eine Runde Rummachen und gemeinsam Duschen später, standen Seiya und Kikai zusammen in der Küche und machten Frühstück. Jetzt, da sie etwas Unverfängliches zu tun hatte, konnte Seiya auch wieder klar denken. Zumindest so lange, bis sich ihre Lippen immer wieder für einen flüchtigen Kuss trafen, oder sie sich ganz aus Versehen berührten. Seiya genoss es einfach. Sie genoss es einfach das zu sein, was sie eigentlich auch war: ein Teenager. Eine junge Frau, die immer noch zwischen den Stühlen saß – weder Kind noch Erwachsene. Einfach mal das zu tun, wonach ihr der Sinn stand, hatte sie wieder etwas geerdet. Nicht ständig an die Zukunft denken zu müssen, machte die Gegenwart noch präsenter.
„Ich habe heute nichts weiter vor, wenn du noch bleiben möchtest“, bot Kikai zwischen zwei Bissen an. Kurz überlegte Seiya tatsächlich, einfach mal ein Wochenende woanders zu verbringen. Das klang sogar sehr verlockend. Trotzdem lehnte Seiya ab.
„Dieses Wochenende nicht. Shinko kam gestern aus dem Krankenhaus. Ich möchte sie eigentlich so schnell wie möglich wieder sehen.“ Das war nicht mal eine Ausrede. Jetzt, wo sich das Feuer langsam zurückzog, machte es anderen - für Seiya wichtige - Dinge Platz. Und dazu gehörte definitiv Shinko. Und angesichts der Nachricht des Arztes, sollte sie so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen. „Wir haben letzte Woche die Nachricht erhalten, dass ihre Zeit auf Erden bald zuende ist...“
„Das tut mir leid. Das verstehe ich natürlich. Mach dir da mal keinen Kopf. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn wir trotz allem einfach noch mal ein Wochenende genießen... oder zwei... gemeinsam Kochen... an deinen Songs arbeiten... Sex...“ Das letzte Wort ließ sie sich auf der Zunge zergehen. Kikai machte es ihr definitiv nicht einfach. „Es sei denn, du willst, dass es eine einmalige Sache war?“ Der saß. Denn das wollte Seiya nicht. Da war sie sich sicher. Warum auch immer?
„Ach, Kikai...“ Seiya seufzte und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Um nach den passenden Worten suchen zu können, nahm sie erst einmal ein paar Schlucke Tee. Sie mochte Kikai wirklich gerne, aber sie war sich irgendwie sicher, dass es keine Liebe war, was Seiya für Kikai empfand. Zumindest sagte es ihr der jugendliche Leichtsinn. Ob das auch der Wahrheit entsprech, würe die Zeit zeigen. Es war viel eher ihr Körper, der nach Nähe verlangte. „So lange wir uns nicht verlieben...“ Du dumme Kuh, schalt sie sich selbst. Was war das denn bitte? Sowas konnte man doch nicht beeinflussen und sagen tat man sowas schon gar nicht laut. Dennoch war es Seiya wichtig das klazustellen. In diesem Fall sollten sie mit offenen Karten spielen. Alles andere würde die Lage nur zu sehr verkomplizieren. Sie war sowieso schon verwirrend genug.
„Okay, damit hab' ich jetzt nicht gerechnet.“ Kurz dachte Seiya, dass sie Kikai mit dieser Aussage verletzt hatte, doch diese schüttelte nur lächelnd den Kopf. „Du bist wirklich noch ein unbeschriebenes Blatt. Darauf hat man doch keinen Einfluss. Im Gegenteil. Es kann dich mit voller Wucht treffen, oder stetig wie eine Blüte wachsen. Aber in unserem Fall... Es gibt nie eine Garantie, aber ... Sex gibt es auch ohne Liebe, Seiya. Es ist nichts dabei, wenn zwei Menschen von einander angezogen werden. Wir sind beide ungebunden... Ich sage es mal so... Wenn du Erfahrungen machen willst, bin ich deine Frau...“
„Hm... 'kay...“ Seiya wusste noch nicht so recht, was sie darauf nun antworten sollte. Sie kam sich auf einmal wieder reichnlich unerfahren vor. „Wenn das für dich in Ordnung ist...“
„Ach Seiya...“ Kikai lachte auf. „Du musst noch so viel lernen, mein junger Padawan.“
„Dein was?“ Seiya sah ganz entgeistert drein.
„Sag bloß du kennst Krieg der Sterne nicht?“
„Nein, woher denn?“ Seiya war sich sicher, dass Kikai einen Film meinte. Obwohl sie eigentlich von Krieg der Sterne genug hatte.
„Ein Padawan ist ein Schüler.“ Kikai zwinkerte Seiya zu.
„Aha...“
„Dann schauen wir den mal... gefällt dir sicher.“ Kikai nickte zufrieden, legte dann jedoch den Kopf schief. „Alles okay mit dir? Du wirkst etwas verwirrt.“
„Bin ich im Grunde auch.“ Seiya trank ihren Tee aus. „Das ist alles etwas viel. Ich glaube ich muss erst einmal alles verarbeiten.“ Seiya erhob sich, trat um den Tisch herum zu Kikai und hockte sich vor sie. „Bitte versteh das. Bis ich auf der Erde gelandet bin, hatte ich mit all den Gefühlen und Bedürfnissen nichts am Hut. Ich brauchte es nicht und wollte es auch nicht. Das einzige was für mich zählte war meine Pflicht als Kriegerin und meine Prinzessin. Ein bisschen Sport und Musik und ich war zufrieden. Und jetzt ereilt mich das alles plötzlich und ich frage mich immer wieder – warum? Ich fand den gestrigen Abend wirklich … also wenn ich nur daran denke, wird mir ganz anders... aber ich muss das alles auch erst mal sacken lassen. Deswegen werde ich jetzt auch gehen.“
„Natürlich. Ich halte dich nicht auf.“ Kikai nahm Seiyas Hände in ihre. „Ich verstehe das doch. Ich will nur, dass weißt, dass ich dich wirklich gern habe und es sich nichts zwischen uns zu ändern brauch.“
„Ich mag dich auch, Kikai.“ Gemeinsam erhoben sie sich. Kikai begleitete Seiya zur Tür. „Kommst du morgen trotzdem wegen den Verträgen vorbei? Len meint, dass es Shinko nichts ausmacht.“
„Klar. Ich hab's euch ja angeboten.“
„Das ist lieb. Danke.“
„So bin ich halt. Und nun ab mit dir.“ Kikai schob Seiya sanft zur Tür. „Taiki und Yaten warten sicherlich schon auf dich.“
„Bestimmt...“ Vor allem weil sie nicht bescheid gesagt hatte. Aber gerade hatte sie ein ganz anderes Problem. Wie sollte sie sich denn nun von Kikai verabschieden? Einfach so zu verschwinden, hielt sie für unangebracht, vor allem nachdem, was sie miteinander geteilt hatten. Doch Kikai nahm ihr die Entscheidung ab, denn die Brunette zog Seiya einfach für einen innigen Kuss zu sich. Seiya ließ es geschehen und erwiderte den Kuss. Warum fühlte sich das nur so gut an? „Hm...“ Behutsam löste sie den Kuss. „Ich verstehe deinen Standpunkt.“
„Gut.“ Für einen kurzen Augenblick grinsten sich die beiden Frauen einfach an. „Bis Sonntagnachmittag.“
„Bis dann.“ Seiya erwischte sich dabei, wie sie Kikai noch einmal zuzwinkerte, dann machte sie aber wirklich, dass sie Land gewann. Sonst kam sie womöglich doch nicht mehr weg, denn Kikai hatte schon schlagende Argumente. Noch im Treppenhaus verwandelte sich Seiya in ihre männliche Form. Das fühlte sich in diesem Augenblick wahnsinnig befremdlich an. Vor allem, da sie jetzt mit Sicherheit wusste, dass ihre Vorliebe für Frauen nichts mit dieser Verwandlung zu tun hatte. Das hatte womöglich schon die ganze Zeit in ihr geschlummert. Seiya beschloss einfach nach Hause zu laufen. So weit wohnte Kikai nicht weg. Zu Hause? Seiya seufzte. Das war nicht sein Zuhause. Sein Zuhause lag Lichtjahre entfernt und war total zerstört. Und was tat er? Er betrieb Matratzensport. Plötzlich fühlte er sich wahnsinnig schlecht. Es war nicht fair von ihm, sich so gehen zu lassen, während die Bewohner Kinmokus litten, während es Shinko so schlecht ging. Er sollte sich einfach auf seine Aufgabe konzentrieren, ohne sich durch so etwas ablenken zu lassen. Aber er hatte es genossen und für diesen einen Abend, war alles wie weggefegt: hatte es kein Kinmoku gegeben, keine Starlights, keine Shinko und keine Prinzessin. Er hatte alles vergessen. Es fühlte sich gut und schrecklich zugleich an. Warum tat er sich das alles eigentlich an?

Dieser Zwiespalt begleitete Seiya auf dem ganzen Heimweg. Endlich angekommen, war seine anfänglich gute Laune in den Keller gewandert. Er würde sagen -1 von 10. Das konnte auch nur noch von Yatens standartmäßigen -5 getoppt werden. Er war glücklich und sauer zugleich. Er fühlte sich beflügelt und doch als hätte ihm jemand in den Magen geboxt.
Kaum hatte Seiya die Stufen zur Tür erklommen, wurde bereits die Tür aufgerissen. Yaten und Taiki standen in der Tür, die vorwurfvollsten Blicke im Gesicht, die er je gesehen hatte.
„Da ist ja unser verlorenes Schäfchen“, sagte Taiki tonlos.
„Du hättest ja ruhig anrufen können“, beschwerte sich Yaten hingegen lautstark.
„Ich habe nicht daran gedacht“, murmelte Seiya, während er versuchte sich an Yaten und Taiki vorbei ins Haus zu schleichen, ohne dass die Mädels die Knutschflecke sahen. Er war ja auch leichtfertig abgelenkt gewesen. Aber so leicht kam er nicht davon. Taikis Adleraugen entging nichts.
„Seiya, warte mal einen Moment!“ Taiki folgte Seiya ins Foyer, wo Len, von den Stimmen angelockt, schon auf sie wartete.
„Was willst du?“, fragte Seiya und versuchte so viel Abstand wie ging zwischen sich und seinen Freundinnen zu bringen. Da er aber am Hinterkopf keine Augen hatte, lief er Len direkt in die Arme.
„Da bist du ja wieder“, sagte auch dieser und hielt den Schwarzhaarigen fest. „Und wie ich sehe, hast du auch eine Mitgift mitgebracht.“
„Also habe ich richtig gesehen?“ Taiki kam zu den beiden. „Sind das etwa Knutschflecke, Seiya?“
„Knutschflecke?“, rief Yaten entgeistert. Sie sah so aus, als war sie sich nicht sicher, ob sie darüber lachen oder verärgert sein sollte.
„Lass mich los, Len!“, forderte Seiya auf. Er wollte nicht darüber reden.
„Erst, wenn du uns erzählst, was du mit Kikai getrieben hast?“
„Gar nichts!“, blaffte Seiya Len an und versuchte sich aus seinem Griff zu befreien.
„Das sieht aber nicht nach Nichts aus“, witzelte Len.
„Ach lasst mich doch in Ruhe!“, knurrte Seiya, riss sich los und sprintete die Treppe hoch. Mit einem lauten Knall fiel die Zimmertür ins Schloss. Eigentlich hatte Seiya nicht so austicken wollen, aber für einen Moment hatte er sich wahnsinnig in die Enge getrieben gefühlt. Er wollte nicht Rede und Antwort stehen. Das ging niemanden etwas an. Schon gar nicht, wenn er selbst das erst einmal verarbeiten musste. Noch während sich Seiya aufs Bett fallen ließ, verwandelte sie sich in ihre weibliche Form. In dieser fühlte sie sich im Augenblick einfach wohler, auch wenn es sie nun immer wieder daran erinnerte, was sie mit Kikai getrieben hatte. Auch die Mahle würden ihr noch eine Weile erhalten bleiben. Außerdem, was sollte sie den anderen schon sagen? Sie hatten es doch selbst gesagt: Knutschflecke. Die werden doch eins und eins zusammenzählen können. Seiya wollte es einfach nicht lang und breit erklären, nur um dann mit irgendwelchen Ratschlägen und Vorwürfen bombardiert zu werden. Darauf konnte sie gerade gut verzichten. Zumal sie ja selbst gerade genug mit dem Gedankenkarussel zu tun hatte. Sie fühlte sich nicht nur schuldig, weil sie ihre Mission einfach links liegen gelassen hatte, sondern auch als hätte sie Kakyuu betrogen – auch wenn das natürlich Quatsch war. Sie führten ja keine Beziehung. Mal abgesehen davon war Kakyuu immer eine Verfechterin der Liebe und aller anderen Gefühle. Als ihr Kopf begann sich vorzustellen, wie solche Intimitäten wohl mit Kakyuu wären, drückte sich Seiya stöhnend ein Kissen aufs Gesicht.
„Bitte nicht...“ Damit wollte sie erst gar nicht anfangen. Kakyuu war ihre Prinzessin, die beste Freundin ihrer Mutter. Solche Gedanken schickten sich nicht. Sie wollte lieber bei der Liebe und Verehrung bleiben, die ihr Herz ausfüllen sollten. Seiya ließ das Kissen überrascht sinken. War es das? Fühlte sie sich deswegen so schuldig, wenn sie an Kakyuu dachte? Weil sie noch andere Gefühle als diese beiden empfand, weil offensichtlich noch genügend Platz in ihrem Herzen für andere Menschen war? Bisher hatte sie gedacht, dass ihr Herz nur für Kakyuu und ihre Heimat schlug. Wenn sie aber an all die Menschen dachte, die sich in den Monaten in ihr Herz geschlichen hatten, konnte sie eine ähnliche wohlige Wärme spüren, wie jene, die Kakyuu immer ausstrahlte. Aber sollte nicht nur die Prinzessin in ihrem Herzen sein? Eigentlich hatte sie sich das einst geschworen. Niemand würde je wieder ihr Herz so berühren, wie die Prinzessin. Und doch kam ihr gerade jetzt zu allem Überfluss auch noch diese blonde Kriegerin aus ihren Träumen in den Sinn. Ihre Traumbekanntschaft, die ihr Herz ähnlich zum Schlagen gebracht hatte.
„Das ist doch alles Kacke!“ Seiya wälzte sich gerade ein wenig im Bett umher, um all diese Gedanken abzuschütteln, als es an der Tür klopfte.
„Seiya?“ Es war Len.
„Geh weg. Ich will nicht reden“, rief sie ein wenig trotzig.
„Gar nicht oder nur mit mir nicht?“ Er seufzte. „Granny würde dich gerne begrüßen. Wenn du schon nicht mit uns reden willst, geh doch wenigstens zu ihr.“ Seiya seufzte schwer und hiefte sich aus dem Bett. Shinko! Sie war der Grund warum sie eigentlich von Kikai zurückgekommen war. Sie wollte Shinko sehen, wollte wissen, wie es ihr ging.
„Ich will kein Wort hören“, brummte Seiya, als sie die Tür öffnete und nach draußen trat.
„Steht dir!“, grinste Len und fing sich von Seiya eine Faust im Oberarm ein. „Tschuldige.“ Seiya reagierte nicht weiter darauf, sondern ging die Treppe hinunter zu Shinkos Zimmer.
„Shinko?“ Da die Tür offen war, klopfte Seiya an den Türrahmen, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Schwarzhaarige war ein wenig erschrocken. Shinko sah müde aus und wirklich … alt. Das war Seiya vorher nie bewusst aufgefallen, wie eingefallen Shinkos Gesicht eigentlich war. Dennoch ziehrte es ein liebevolles Lächeln, als sie Seiya erblickte.
„Mein liebes Kind. Schön, dass du zu mir kommst. Magst du dich zu mir setzen?“ Shinko klopfte neben sich aufs Bett, genauso, wie sie es bei ihrem allerersten Gespräch auf der Couch getan hatte. Bei der Erinnerung zog sich Seiyas Brust zusammen und sie hatte plötzlich das Bedürfnis, Shinko all ihre Sorgen zu erzählen. Bevor Seiya sich zu Shinko setzte, schloss Seiya die Tür hinter sich.
„Wie geht es dir?“, fragte Seiya schnell, bevor Shinko das Wort ergreifen konnte.
„Gut. Allerdings etwas schwächlich und müde“, sagte Shinko ehrlich und nahm Seiyas Hand in ihre, als sie Seiyas besorgten Blick auffing. „Warum schaust du so traurig?“
„Na ja... Len hat uns berichtet, was der Arzt gesagt hat.“ Jetzt Shinkos Hand zu halten, war traurig und trösten zugleich. Zu wissen, dass sie die Hand irgendwann nicht mehr halten konnte, verschaffte ihr einen wahnsinnig großen Kloß im Hals.
„Ach, mein liebes Kind...“ Shinko lächelte traurig. „Wir wissen alle, dass der Tag kommen wird. Lass uns einfach zu den Sternen beten, dass ich euren großen Erfolg noch erleben kann.“ Einen Augenblick schwiegen sie. Jede von ihnen schickte ihr eigenes Stoßgebet gen Himmel. „Auch wenn ich nicht mehr viel machen kann, mein Geist ist immer noch hellwach. Und der freut sich sehr über euren Erfolg. Das ist ein sehr großer Schritt.“
„Ja. Es bringt uns unserem Ziel ein kleinen Schritt näher.“ Seiya nickte. „Kikai kommt morgen kurz vorbei, um uns mit den Verträgen zu helfen. Das ist doch in Ordnung? Sie ist die Tochter vom Produzenten.“ Sie fragte lieber noch einmal persönlich nach.
„Natürlich, ist das in Ordnung. Ich würde mich freuen sie kennenzulernen, vor allem weil sie euch ebenfalls eine große Hilfe ist.“ Nun schlich sich tatsächlich ein fast freches Lächeln auf Shinkos Lippen. „Und wie ich sehe, hattet ihr gestern auf eurem Treffen richtig Spaß.“ Bei diesem Kommentar stöhnte Seiya leise auf.
„Bevor ich dir davon erzähle, möchte ich dir vorher gerne noch etwas zeigen. Bin gleich wieder da!“ Seiya sprang noch einmal auf und verließ den Raum. Sie marschierte wortlos an Len im Musikzimmer vorbei, schnappte sich die Akustikgitarre und ging zurück zu Shinko.
„Mit Gitarre?“ Shinko setzte sich etwas mehr auf.
„Ja. Ich habe nämlich an einer ganz persönlichen Version von Hallelujah gearbeitet und möchte gern wissen, was du darüber denkst“, erzählte Seiya stolz und krabbelte nun richtig mit zu Shinko ins Bett. Im Schneidersitz setzte sie sich Shinko gegenüber.
„Ich bin gespannt.“ In Shinkos Augen blitzte es begeistert, sodass Seiya ohne Umschweife begann die Melodie zu spielen. Sie sang den Song mit glasklarer und dennoch tiefen Stimme. Dieser Song war ihr mittlerweile ebenso ans Herz gewachsen, wie Shinko. Das war ihr Ding, ihr Song, der sie zusammengebracht hatte. Die Brücke zwischen einem verwirrten Teenager und einer einsamen alten Lady.

„... There's a blaze of light in every word
It doesn't matter which you heard
The holy or the broken Hallelujah...

I did my best, it wasn't much

I couldn't feel, so I tried to touch
I've told the truth, I didn't come to fool ya
And even though it all went wrong
I'll stand before the lord of song
With nothing on my tongue but hallelujah.“

Als Seiya immer mehr des Songs sang, stiegen ihr die Tränen in die Augen. Die letzten Verse presste sie nur noch hervor, weil sie so weinen musste. Sie hatte den Song so oft gesungen und doch war es heute irgendwie anders. Und sie wusste genau, was es war.
„Warum weinst du, Seiya? Das war wunderschön“, hauchte Shinko und tastete nach Seiyas Hand, um sie zu trösten.
„Ich... ich glaube ich habe den Text das erste Mal richtig verstanden...“, schniefte Seiya. Sie befand sich genau in einer solchen Situation. Diese Welt, sogar die gesamte Galaxie war voller Konflikte und voller Dinge, die nicht immer miteinander in Einklang gebracht werden konnten. Egal wie sie es drehte und wendete, es würde immer zwei Seiten der Medallie geben. Aber es gab Momente, in denen sie sich mit dem ganzen Durcheinander versöhnen und es annehmen konnte. Und solch ein Moment war für sie nun gekommen. „Hallelujah“, sagte Seiya mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
„Seiya...“ Shinko erwiderte das Lächeln. „Es gibt viele Arten von Hallelujah und alle perfekten und gebrochenen Hallelujah haben den gleichen Wert. Es hat viel mit dem Glauben an das Leben zu tun, es mit Begeisterung und mit Emotionen zu nehmen wie es kommt.“
„Ja...“ Seiya nickte wild und ruckte etwas näher zu Shinko. Nur weil sie sich Shinko anvertraute, mussten eventuelle Türen, die plötzlich Ohren bekamen, nicht alles mithören. „Genau das versuche ich gerade zu akzeptieren.“
„Hat es etwas mit den Mahlen an deinem Hals zu tun?“, fragte Shinko sanft. Seiya nickte.
„Ich ...“ Seiya räusperte sich und flüsterte Shinko ins Ohr: „Ich habe mit Kikai geschlafen... Nicht als Mann, sondern als Frau, als ich selbst...“
„Wie schön. Deinem Lächeln zu urteilen, hat es dir gefallen.“ Seiya stutzte. Shinko nahm das einfach so hin. Aber das zeigte ihr nur wieder, dass Shinko ihr Leben gelebt hatte. Und sowas hatte auch dazu gehört., schließlich hatte sie Kinder.
„Ja... Ich fühle eine Art Frieden in mir, als bin ich mit mir im Reinen. Aber... auf der anderen Seite habe ich aber das Gefühl, alle anderen zu betrügen oder etwas vorzumachen. Ich habe eine Prinzessin die ich lieben und verehren, eine Heimat und Familie, um die ich mich sorgen sollte... ganz zu schweigen von dir... Es fühlt sich in dieser Hinsicht einfach falsch an, obwohl das natürlich nicht stimmt. Und als ich eben das Hallelujah gesungen habe, konnte ich spüren, dass es alles völliger Stuss ist, dass all das einfach zu mir gehört, was ich meinen Weg mit mir nehme... wie lang er auch immer ist.“
Shinko ließ Seiya ausreden, die nun alle Gedanken loswerden wollte. Als die Schwarzhaarige geendet hatte, sah sie Seiya ernst an
„Ich bin froh, dass du es selbst erkannt hast. Ich kann deine Zerrissenheit verstehen. Aber nur weil es Menschen … nur weil es deinen Lieben und deiner Heimat nicht gut geht, darfst du dir doch nicht die Schuld daran geben. Bitte stelle dich nicht selbst an den Pranger, Seiya. Du tust so viel, wie dir gerade möglich ist. Verurteile dich nicht dafür, dass du lebst. Bei allem Pflichtbewusstsein darfst du das Leben trotzdem nicht vergessen...“ Seiya schluckte. Sowas ähnliches hatte Kikai ihr gestern auch gesagt. „Du solltest viel eher dafür dankbar sein, dass du die Erfahrungen alle machen kannst. Auch wenn es dir nicht sofort bewusst ist, wächst du daran. Und mal unter uns: So etwas Intimes mit jemanden teilen zu können, den du gern hast, gibt dir viel mehr Kraft, als du vielleicht denkst. Es ist nichts verwerfliches dran. Wenn du es nicht willst, werde ich den anderen Gegenüber nichts sagen.“
„Ich bitte darum... Es ist ja nicht nur der Sex... ich habe Kikai alles erzählt. Sie weiß wer wir sind und woher wir kommen. Wir wissen alle, wie Yaten und Taiki dazu stehen... Ich möchte, dass es erst mal unser Geheimnis bleibt...“
„Das akzeptiere ich und lege den Mantel des Schweigens darüber.“ Shinko stuppste Seiya verschwörerisch an. „Und … wirst du sie wiedersehen... also privat?“
„Ich möchte es sehr gerne... aber … Ich habe Angst, dass wir uns vielleicht doch verlieben... Das würde alles nur noch verkomplizieren...“
„Ach Seiya... Und selbst wenn. Wenn es nicht Kikai ist, wird es irgendwann ein anderes bezauberndes Mädchen sein. Dann ist das so. Und weißt du, an was du dich dann immer erinnern musst?“
„Hallelujah?“, fragte Seiya. So langsam begriff sie es wirklich.
„Genau. Selbst wenn die erste Liebe der Umstände geschuldet keine Zukunft hat. Liebe zu einem anderen Menschen empfinden zu können und wieder geliebt zu werden, ist eines der größten Errungenschaften. Das wirst du verstehen, wenn du erst einmal verliebt bist. Und auch wenn es aussichtslos erscheint, denke immer daran, dass du daran wächst und dir niemand diese Gefühle nehmen kann.“
„HALLELUJAH!“ Seiya stieß geräuschvoll die Luft aus und viel rücklings neben Shinko aufs Bett. „Danke, Shinko.“
„Ach, nicht doch, mein Kind.“ Shinko strich ihr mütterlich übers Haar. „Magst du mir denn von deinem Date und von Kikai erzählen?“ Seiya nickte und machte es sich neben Shinko gemütlich. Sie erzählte Shinko wirklich alles. Natürlich keine expliziten Sachen, aber alles was sie erlebt hatte und was ihr alles im Tonstudio durch den Kopf gegangen war. Sie erzählte und erzählte, bis sie zusammen einschliefen. Das Letzte an was Seiya im Halbschlaf dachte, war das Wort ihres Lebens: Hallelujah.
Vielleicht war ihr Leben doch nicht so schlecht.

„Seiya...“ Jemand rüttelte sie an der Schulter. „Seiya?“ Noch im Halbschlaf öffnete Seiya die Augen. Es war noch dunkel draußen. Als ihr bewusst wurde, in wessen Bett sie lag, war sie sofort hellwach. Shinko! Hoffentlich war nichts passiert. Doch Shinko saß im Bett und sah sie müde an.
„Was ist los? Geht es dir gut?“, fragte Seiya besorgt.
„Ja … na ja... Ich habe geträumt, Seiya“, erzählte Shinko. „Und bevor ich es vergesse, wollte ich es dir sagen. Das solltest du wissen... denn ich kann das nicht glauben.“
„Oh.“ Beim Wort „Traum“ wurde Seiya hellhörig. Sie selbst hatte lange nicht mehr geträumt. Zumindest nicht in der Traumwelt von Pegasus. „Erzähl, was weißt du noch?“ Seiya fasste nach Shinkos Hand, um ihr ein wenig Halt und Kraft zu geben.
„Ich habe von meinem Enkel geträumt“, begann Shinko. „Nicht Len!“, fügte Shinko schnell hinzu, als Seiya Anstalten machte, etwas zu fragen. „Meinem anderen Enkel. Mamoru.“
„Mamoru? Von ihm haben weder du noch Len erzählt. Wer ist er?“, wollte Seiya wissen. Sie kramte in ihrer Erinnerung, ob doch nicht schon einmal der Name gefallen war. Sie wusste, das Shinko ein paar Enkel und dass Len eine Zwillingsschwester hatte, aber wirklich kennen tat sie nur Len. Es war auch nicht so, als gingen eine Menge Leute hier ein und aus. Eigentlich waren sie die ganze Zeit für sich. Dagegen hatte Seiya nichts, aber in Anbetracht desse, wie es um Shinko steht, hätte sie zumindest erwartet, dass die Familie zu besuch käme. Das tat ihr wirklich Leid für Shinko.
„Ich erzähle dir gleich von ihm... aber erst der Traum. Bevor ich ihn wieder vergesse.“ Shinko krallte sich mit der wenigen Kraft, die ihr blieb, an Seiyas Hand.
„Schieß los. Was ist los?“ Seiya sah Shinko ernst an. Vielleicht kamen sie dem Traumgeheimnis ein ganzes Stückchen näher.
„Es war komisch. An sich hatte es nichts mit meinen Albträumen zu tun. Das Gefühl im Traum war anfangs zwar etwas bedrückend, aber es löste sich dann auf. Als fällt dir ein Stein vom Herzen. Ich war wieder in diesem Land. All die Spinnweben waren verschwunden. Auch wenn es langsam heller wurde, waren da unzählige schwarze Rosen.“
„Schwarze Rosen?“ Seiya runzelte nachdenklich die Stirn. Während Shinko weitersprach, überlegte sie angestrengt, ob sie im Traum Rosen gesehen hatte? Aber sie erinnerte sich nur dunkel an Kristalle.
„Ja. Und da war ein Tempel. Von schwarzen Rosen und eine einzige Rote.“ Shinko hielt inne, um ihre Gedanken zu ordnen. Seiya konnte ihre Aufregung regelrecht spüren. „Und plötzlich stand er da. Mamoru in einer edlen Rüstung. Erst dachte ich, er sei ein Traumgespinnst meines Verstandes, aber er sah mich an und er sprach mit mir. Ich glaube er war ebenso überrascht mich zu sehen, wie ich ihn.“
„Und was hat er gesagt?“ Seiya war sich sicher, dass Shinko nicht von der ihr bekannten Traumwelt sprach. Einen Tempel hatte sie nie gesehen. Aber vielleicht war sie in einem gänzlich anderern Teil gewesen. Eine Traumwelt war bestimmt unendlich. Zumindest ging Seiya davon aus.
„Mamoru meinte, dass er schon öfter hier gewesen war und dass, seit es dem Land schlecht ging, es auch ihm nicht gut ging. Er hatte Schmerzen in der Brust und spuckte Blut. Also noch schlimmer als bei mir. Offenbar sind wir beide miteinander und mit der Erde verbunden... So kam es mir in die Gedanken. Aber ich kann mich eben nicht erinnern, ihn in meinen anderen Träumen gesehen zu haben.“ Shinko sah so aus, als ergab das für sie alles keinen Sinn. Als fiel es ihrem reifen Geist schwer, das alles zu verarbeiten. „Und dennoch... dieses alte Land... Mamoru nannte es Elysion... es sei wohl mit diesem Traumland gekoppelt. Ich weiß nicht was ich damit zu tun habe, aber als ich mit Mamoru im Traum noch einmal in diesem Land war, dass nach und nach wieder zu neuem Leben erwachte... hell, freundlich und magisch... habe ich mich seltsam Zuhause gefühlt. Als gehörten wir eigentlich dorthin. Als haben wir eine ganz besondere Verbindung zur Erde... Weißt du... ich habe immer überlegt, warum sich Mamoru so selten bei mir meldet, obwohl ich ihn quasi aufgezogen habe....“ Shinko seufzte und deutete auf ein Foto, dass auf einem Sideboard stand. Seiya erhob sich und holte es rüber. Auf die Fotos hatte sie nie wirklich geachtet. „Das ist Mamoru.“ Seiya legte den Kopf schief. Ein hübscher junger Mann mit schwarzen Haaren und einem ähnlich sanften Lächeln auf den Lippen, welchen sie sehr an Shinko erinnerte. Es sah aus, als wären hier im Anwesen eine Feier gewesen, denn es waren Menschen im Hintergrund zu sehen, die auf etwas anstießen.
„Er sieht nett aus“, sagte Seiya. Wie der Held aus einem Märchen. „Und hat er dir gesagt, warum er dich nicht besucht? Im Allgemeinen hätte ich gedacht, dass deine Familie dich gerade jetzt etwas mehr besucht.“ Eigentlich hatte Seiya dieses Thema nicht ansprechen wollen, aber es war ihr eben so rausgerutscht, weil sie es schon traurig fand, Familienmitglieder in der Not alleine zu lassen. Sie würde sich ihr restliches Leben lang Vorwürfe machen, wenn es einem Menschen schlecht ging, dem sie nahe stand und sie nicht bei ihm sein konnte. Sie hatte es auf Kinmoku selbst erlebt, wie schnell ein Leben vorbei sein konnte.
„Ja. Weil er mich nicht in Gefahr bringen will. Ich soll nicht mit in sein Schicksal hineingezogen werden. Jedoch scheinen wir es bereits zu teilen“, überlegte Shinko und gähnte hinter vorgehaltener Hand. „Uns schien es beiden wirklich schlecht zu gehen. Und jetzt wo die Gefahr anscheinend vorbei war, bessert sich das. Ich frage mich nur - wieso? Was habe ich mit diesem Land zu tun?“
„Hum...“, machte Seiya und sah abwesend aus dem Fenster, hinter dem langsam der Morgen graute. „Vielleicht eine Art Vermächtnis aus einem anderen Leben?“
„Wie meinst du das?“ Shinko folgte ihrem Blick nach draußen, als könnte sie dort die Anwort stehen sehen.
„Auf Kinmoku glauben wir an die Wiedergeburt, dass die Seele eines Menschen in einer anderen körperlichen Hülle irgendwann wiedergeboren wird.“
„Du meinst also, dass ich im früheren Leben, etwas mit diesem Märchenland zu tun gehabt haben könnte?“, fragte Shinko ungläubig.
„Möglich ist doch erst einmal alles.“ Seiya schenkte Shinko ein aufmunterndes Lächeln. „Wir sind doch der beste Beweis dafür, oder nicht?“
„Das ist wohl wahr.“ Shinko seufzte. Seiya konnte sich vorstellen, dass dieses Thema auf Shinkos alte Tage etwas viel war.
„Hat dir denn Mamoru gesagt, warum er mit drin hängt?“, wollte Seiya wissen? Wenn Mamoru Shinko nicht in Gefahr bringen wollte, schien er zu wissen, womit sie es zu tun hatten. Vielleicht hatte auch er gegen diese Feine – diese Dunkelheit – gekämpft? Aber diese Frage, konnte Mamoru ihr nur selbst beantworten. Aber sie würde einen Teufel tun und sich jetzt noch jemanden zu offenbaren. Sie musste Taiki und Yaten, ja das mit Kikai irgendwann noch verklickern.
„Ich glaube er wollte es mir erzählen, aber dann sind wir aufgewacht.“ Shinko legte sich wieder zurück ins Bett. Sie sah wahnsinnig müde aus. Seiya kannte es ja selbst. Nach einer solchen traumreichen Nacht war auch sie immer wie gerädert gewesen. Sie stellte das Foto zurück an seinen Platz und legte sich wieder zu Shinko. „Und jetzt zu deiner anderen Bemerkung... Weißt du Seiya... Ich habe drei Töchter geboren. Die Erstgeborene ist schon als junges Mädchen an Krebs gestorben. Die mittlere ist Mamorus Mutter. Sie und ihr Mann starben bei einem Autounfall. Da meine dritte Tochter, selbst zwei kleine Kinder hatte, wollte ich sie nicht auch noch damit überlasten... vor allem nachdem ich schon zwei meiner Kinder zu Grabe trgen musste...“ Shinko schwieg kurz, als musste sie all diese Erinnerungen erst einmal verarbeiten, als hatte sie lange nicht mehr daran gedacht. Sie atmete einmal geräuschvoll ein und wieder aus und sprach dann weiter. „Als mein Mann starb, war ich hier ganz alleine. Also habe ich Mamoru zu mir geholt und ihn aufgezogen, bis er volljährig war. Dann ging er nach Tokio um Arzt zu werden. Anfangs hatte er mich noch regelmäßig besucht, doch dann - von jetzt auf gleich - nicht mehr. Ich habe lange überlegt und mir Vorwürfe gemacht, ich könnte etwas falsch gemacht haben. Irgendwas musste passiert sein...“
„Vielleicht hast du ja recht...“ Seiya drückte tröstend Shinkos Hand. „Wenn er wirklich mit all den Vorkommnissen zu tun hatte und dir sogar selbst gesagt hat, dass er dich beschützen wollte, auch wenn es nur im Traum war, dann... dann ist vielleicht etwas vorgefallen, was ihm sein Schicksal gewahr werden ließ?“
„Meinst du?“ Shinko drückte leicht ihre Hand.
„Na ja... ich gehe jetzt einfach mal von mir aus. In der Regel ist es so, dass ein Kriegerin erst einmal nichts von ihrer Bestimmung oder den vergangenen Leben weiß. Erst, wenn sie erwacht, erhält sie auch all diese Erinnerungen zurück. Vielleicht ist es bei Mamoru ähnlich und er beschützt … wie auch immer … die Erde.“
„Hm... Würde ich euch nicht kennen, würde ich an dieser Aussage zweifeln … aber es scheint mir eine logische Erklärung zu sein.“ Shinko wandte den Kopf um sie anzusehen.
„Wie war es bei dir Seiya? Wann bist du – erwacht?“
„Na ja... Bei Yaten, Taiki und mir ist es ein wenig anders. Es gibt nämlich Ausnahmen. Unsere Mütter waren die Starlights vor uns. Und die Regel lautet: wenn eine Kriegerin eine Tocher zur Welt bringt, gehen die Kräfte auf sie über. Ich kannte das alles eigentlich schon und konnte nicht erwarten, bis ich eines Tages die Kriegerin sein würde, die Kinmoku und Kakyuu beschützte. Ich war 12, als es endlich soweit war.“ Seiya schluckte. So einfach locker flockig über die Gegebenheiten auf Kinmoku zu reden, fiel ihr immer noch schwer. Aber es brach ihr wenigstens nicht jedes Mal das Herz.
„12. So blutjung.“ Shinko gähnte. „In dem Alter starb meine älteste Tochter.“
„Das... tut mir sehr leid.“ Keine Mutter sollte ihre Kinder zu Grabe tragen.
„Auch wenn es irrsinnig ist, habe ich mir immer die Schuld daran gegeben. Als wäre ich eine Art Todesengel. Deswegen ziehe ich die Einsamkeit vor. Ich möchte, dass meine Tochter und meine Enkel ihre Träume in Ruhe leben können. Wir haben alle schon so viele Verluste wegstecken müssen, da wollte ich nicht, dass sie sich auch noch im mich kümmern müssen. Len kam trotzem, auch wenn ich gesagt habe, dass es für mich okay ist, hier alleine zu sein. Und ich muss gestehen, dass ich wirklich froh bin, dass er so eigensinnig ist.“
„Nicht doch. Sowas darfst du nicht denken, Shinko! Das bist du nicht. Und du bist auch für niemaden eine Bürde.“ Seiya setzte sich noch einmal auf, um Shinko richtig ansehen zu können. „Ich weiß, das wiegt es niemals auf... aber unser Leben hast du gerettet! Außerdem sagtest du, deine Tochter war krank und an dem Unfall warst du auch nicht daran schuld.“
„Danke, Seiya. Du bist so lieb.“ Shinko rang sich ein Lächeln ab. „Ja. Und eigentlich weiß ich es ja besser. Weißt du... Krebs ist auf der Erde neben einem Schlaganfall eine sehr häufige Todesursache, genuso wie Verkehrsunfälle. Gegen viele Krebsarten gibt es einfach noch keine richtigen Heilmöglichkeiten. Die meisten Menschen sterben entweder an Lungen- oder Brustkrebs. Da breiten sich Zellen unkotrolliert aus, auch in andere Organe. Und ich glaube da hilft auch leider keine Magie.“
„Scheiße“, rutschte es Seiya heraus. So etwas wie Krebs gab es auf Kinmoku nicht. Nicht in dieser Form. Sie hatten natürlich auch schwerwiegende Krankheiten, aber nichts dermaßen Radikales.
„Es klingt verrückt, aber manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass ich trotzdem mit meinem Handeln irgendwie das Schicksal der Menschen beeinflussen kann. Dass ich es mit bewussten Entscheidungen ein wenig lenken kann. Das hat mir bei den Träumen auch geholfen. Ich habe gekämpft. Ich wollte jetzt noch nicht sterben. Ich habe meine Aufgabe noch nicht erfüllt. Ich werde nicht zulassen, dass eure Schicksalsfäden hier enden. Eure Muster sind noch nicht einmal annährend komplett. Ich-“
Shinko riss erschrocken die Augen auf und starrte Seiya an. Die Schwarzhaarige starrte überrascht zurück. Das eben hatte so gar nicht nach Shinko geklungen. Ihr Tonfall war so ernst und entschlossen, fast ein wenig harsch. Wie eine Kampferklärung. Diese letzten Worte ließen es ihr eiskalt den Rücken herunter laufen. Was auch immer da eben aus Shinko gesprochen hatte? Seiya wurde das Gefühl nicht los, dass es nicht lange dauern bis sie erwachte.

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That's it!
Ein paar neue Überraschungen und Rätsel. Am Ende taucht das Thema um Elysion und das Schicksal auf. Wer die „Moonlightstory“ von -EndofJune- gelesen hat, dem kommt das Thema vielleicht bekannt vor. Wer die Story noch nicht gelesen hat: HUSCH! Geht und lest sie. Sie ist es wirklich wert
Wir haben uns unabhängig voneinander mit dem Thema Schicksal auseinandergesetzt. Ursprünglich kam es bei mir erst in Teil 2 zum Tragen, aber ich wollte es im ersten Teil schon mal andeuten. Bzw. brauchte ich es als Basis für einige Charakterentwicklungen. Sollte euch also etwas bekannt vorkommen, weil ihr es bei der lieben Ina thematisch schon gelsen habt, dann ist das okay so. Es ist mit ihr abgesprochen. Bzw. wir haben uns da wiklich lange düber ausgelassen. Das Schicksal ist nun mal ein großes Thema in Sailor Moon. Daher habe auch ich es von Anfang an, eingebaut.
Also nix geklaut oder so, sondern wir haben uns teilweise nur an identischen Themen bedient. So!
Nur das mal als Fußnote. Nicht, dass es von irgendwem Schimpfe gibt. Im nächsten Kapitel wird das vielleicht noch etwas deutlicher!
Bis dahin. Eine schöne Woche ihr Süßen! :)
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