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Tales of Starlight 1: Anothers Life

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Chibi-Usa / Sailor Chibi Moon / Serenity III Pegasus / Helios Seiya Kou / Sailor Star Fighter Taiki Kou / Sailor Star Maker Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II Yaten Kou / Sailor Star Healer
25.04.2021
06.02.2022
46
232.948
10
Alle Kapitel
160 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
03.09.2021 7.259
 
Guten Morgen, ihr Lieben.
Nein es ist noch nicht Sonntag. Aber am Wochenende bin ich unterwegs. Deswegen gibt es das nächste Kapitel schon heute. :D Es ist etwas länger. Aber es ist ein wichtiges Kapitel - in vielerlei Hinsicht.


Deswegen an dieser Stelle noch einmal ein kleiner Hinweis in eigener Sache:
Tales of Starlight hat ingesamt 3 Teile. Das hier ist der erste. Die Vorgeschichte, in der sich Bunny und Seiya EIGENTLICH noch nicht kennen. Dass sie sich im Traum begegnet sind, ist ganz allein meinen Hirngespinsten zu verdanken :D Das bedeutet aber nicht, dass Bunny jetzt weiter Bestandteil an Seiyas Charakterentwicklung hat. Dazu braucht es andere Menschen, um Seiya zu dem Charmebolzen zu machen, die sie in der 5. Staffel ist. <3 Von daher eine Bitte: versteift euch in diesem Teil nicht so sehr auf Bunny und Seiya. Haltet durch meine Lieben. Der richtige Seiya und Bunny Fluff kommt noch. Aber nicht in diesem Teil. ;) Haltet durch und gebt alles was noch kommt eine Chance. Es ist wichtig, auch für Bunnys Charakterentwicklung, um die es teilweise im zweiten Teil gehen wird. ;) Na, neugierig gemacht? Dann freue ich mich, wenn wir weiter zusammen auf die Reise gehen. Aber jetzt werfen wir mal einen Blick nach Nagasaki. Denn da steht ja die Probeaufnahmen an. ;)

Ich wünsche euch sehr viel Spaß. <3
Eure Anke

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„Hallo Kikai, hier ist Seiya. Ich rufe wegen unserer Verabredung an“, sagte Seiya in den Hörer, nachdem Kikai ihren Anruf entgegen genommen hatte. Sie hatte das ganze Wochenende darüber sinniert, ob sie wirklich mit Kikai auf ein Date gehen sollte. Hinter diesem Wörtchen konnten sich schnell unnötige Hoffnungen verstecken – zwar nicht von ihrer Seite her, aber vielleicht bei Kikai. Zudem war Seiya selbst noch nie auf einer solchen Verabredung gewesen. Alle Annäherungen, die es auf Kinmoku in diese Richtung gegeben hatte, waren einfach an ihr abgeprallt. Und auch wenn sie der Meinung war, dass Kikai wirklich süß war und man mit ihr sehr viel Spaß haben konnte, war sie nicht auf der Erde um Spaß zu haben oder die Zeit anderweitig totzuschlagen. Aber was sollte sie auch machen? Bis sie die Prinzessin fanden, mussten sie wohl oder übel auf der Erde leben. Und leben, bedeutete für Seiya nicht, dass sie einfach nur hier herum saß und die Welt da draußen an sich vorbeiziehen ließ. Jetzt hatte sie die Möglichkeit: Keine Schule, keine Verpflichtungen am Hofe, dafür aber verdammt viel Freizeit. Und weil sie so viel Zeit hatte, konnte sie auch etwas unternehmen. Kein Date. Einfach nur ein zwangloses Essen mit einer witzigen und charmanten jungen Frau, die ganz zufälliger Weise die Tochter vom Produzenten Ongaku war.
„Ach, schön, dass du dich meldest, Seiya. Ich hab schon überlegt, ob du wirklich noch anrufst“, meinte Kikai am anderen Ende der Leitung. Ihre Stimme klang keineswegs vorwurfswoll, eher erheitert.
„Wenn ich sage: ich rufe an, dann rufe ich auch an“, stellte Seiya einmal klar. „Ich habe nur eine Weile gebraucht, um etwas Cooles zu finden. Ich bin nämlich nicht davon ausgegangen, dass du einfach in ein 0815 Restaurant willst.“
„Richtig gedacht. Also was hast du Feines gefunden?“ Ein wenig Aufregung schwang in Kikais Stimme mit.
„Warst du schon in dem Ninja Restaurant hier in Nagasaki?“, fragte Seiya, während sie ein Stoßgebet gen Himmel schickte, dass Kikai noch nicht dort gewesen war.
„Ninja Restaurant?“ Kikai lachte auf. Sofort schoss Seiya der Gedanke durch den Kopf, doch das Falsche ausgewählt zu haben. „Nee, ich hab nur Werbung davon gesehen. Soll sehr besonders sein. Wollte schon immer mal hin.“
„Wirklich?“ Seiya fiel ein Stein vom Herzen. „Na dann. Was machst du diesen Freitag?“
„Mit dir essen gehen!“, antwortete Kikai glücklich. „Wann treffen wir uns?“
„Ist dir 18 Uhr zu früh?“
„Nö. Passt. Treffen wir uns dort?“, fragte Kikai. Seiya hörte sie durch den Hörer kramen. Wahrscheinlich notierte Kikai sich die Zeit. Das sollte sie auch tun, aber das konnte sie sich gerade noch so merken.
„Würde ich sagen.“ Seiya nickte ungesehen von ihrer Gesprächspartnerin.
„Gegebenenfalls, können wir dann euren Vertrag feiern... Schon aufgeregt wegen Mittwoch?“, fragte Kikai neugierig.
„Es geht. Eher gespannt. Wir haben damit ja auch noch keine Erfahrung“, antwortete Seiya ehrlich. Zudem war sie neugierig, wie sehr sich dieses Tonstudio von denen auf Kinmoku unterschied. Von der allgemeinen Technik gab es weniger Unterschiede, nur dass Kinmoku noch etwas weiter entwickelt war und sehr viel mehr mit erneuerbaren Energien arbeitete. Das würde womöglich nach dem Krieg anders sein. Und wieder fragte sich Seiya, wie es um ihr Zuhause stand? Schnell schüttelte sie den Gedanken weg. Darüber sollte sie definitiv nicht nachdenken, während sie mit jemanden telefonierte. „Ich hoffe wir gefallen deinem Vater dann auch noch.“
„Doch bestimmt.“ Kikai schwieg kurz, als dachte sie über etwas nach. „Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass ihr Kompromisse eingehen müsst. Oder anders gesagt: ihr müsst damit rechnen, dass ihr nicht nur ein Trio bleibt.“
„Wie meinst du das?“ Seiya ließ sich einfach an der Wand hinabgleiten und setzte sich auf den Boden. Len, der gerade durchs Foyer ging, grinste sie nur belustigt an. Als Antwort rollte Seiya nur mit den Augen. Sie wollte gar nicht wissen, was Len gerade im Kopf herum ging.
„Na ja. Auch wenn ihr einige Instrumente spielen könnt, braucht ihr Musiker. Im Studio, als auch auf der Bühne. Ich bin kein großer Fan von der Musik vom Band, wenn es sich vermeiden lässt und ich weiß, dass mein Vater da genauso denkt. Ihr werdet also mit anderen Musikern zusammenarbeiten müssen.“
„Klar, das klingt logisch.“ Für Seiya wäre das auch kein Problem. Es war bestimmt spannend, andere Musiker kennenzulernen. Bei Yaten und Taiki war sie sich nicht so sicher, ob sie bereit waren ihr Baby so aus der Hand zu geben. „Aber das besprechen wir ja sicher alles Mittwoch.“
„Genau. Und ich weiß, dass für die Probeaufnahmen einige andere Studiomusiker beziehungsweie Mitwirkende da sein werden. Also richtet euch darauf ein, dass auch an euren Songs noch gefeilt wird. Bringt auf jeden Fall Zeit mit. Mein Vater hat sich den ganzen Tag für euch geblockt.“
„Du bist aber wirklich gut informiert“, lachte Seiya. Bei dem Gedanken, dass ihre Musikstücke zu richtig ausgereiften Songs werden können, überkam Seiya ein wohliger Schauer.
„Natürlich bin ich das.“ Kikai stimmte in das Lachen mit ein. „Ich bin ja auch sehr im Label involviert. Ich habe meine halbe Kindheit dort verbracht.“
„Oh, das stell ich mir auch spannend vor. Das muss ein toller Spielplatz gewesen sein?“
„Na ja... jain. Ich habe schnell gelernt, was ich durfte und was nicht. Immerhin ging es um wichtige Sachen und viel Geld. Instrumente sind teuer. Das weißt du ja selbst.“
„Ähm... ja.“ Zumindest waren sie das auf Kinmoku. Wie es sich auf der Erde verhielt, müsste sie eigentlich mal in Erfahrung bringen. „Sollen wir eigentlich Instrumente mitbringen?“
„Nein. Wir haben einiges da. Wenn du aber lieber auf deiner eigenen Gitarre spielen magst, weil du dich damit wohler fühlst, kannst du sie gerne mitbringen“, erklärte Kikai.
„Ich überlegs mir.“ Immerhin hatte ihr Lens Gitarre durchaus Glück gebracht. Vielleicht sollte sie Len fragen, ob sie die Gitarre noch einmal leihen durfte. „Hach... es ist schon praktisch vorher noch einmal mit dir reden zu können. Ich bin gerne gut vorbereitet.“
„Verstehe ich. Man will ja auch einen guten Eindruck machen“, pflichtete Kikai ihr bei. „Aber selbst wenn etwas schief geht, ist das auch nicht schlimm. Ihr seid ja nur Menschen und wärt auch nicht die Ersten, deren Probeaufnahmen nicht hundertpro perfekt sind.“
„Na dann wirst du mich aber kennenlernen. Ich bin ein kleiner Perfektionist. Ich mache keine halben Sachen.“
„Aber setze dich nicht zu sehr unter Druck, Seiya. Oft merkt man nämlich auch, wenn etwas zu sehr gewollt ist. Das wirkt dann unnatürlich“, gab Kikai zu bedenken.
„Hm... Da ist was dran.“ Das gehörte wahrscheinlich auch mit zu den Kompromissen, von denen Kikai gesprochen hatte. In jedem Fall war Seiya dankbar für jeden Tipp, den sie kriegen konnte. „Vielleicht hast du recht.“ Auch wenn Seiya das trotzdem möglichst perfekt hinkriegen wollte. Immerhin waren es Songs für ihre Prinzessin. Natürlich konnten nur die ThreeLights auch wirkliche Botschaften in den Songs versenden, aber eine schöne Verpackung machte einiges her. Und so wie sie die Menschen der Erde bisher kennengelernt hatte, legten diese schon sehr Wert darauf.
„Das wird schon. Außerdem dienen die Probeaufnahmen nicht nur dazu, zu hören, wie gut ihr auf einer Aufnahme klingt, sondern ob die Chemie auch stimmt. Denn wenn beide Partein sich nicht wohl fühlen, kommt auch nur Stuss bei raus. Aber das werdet ihr übermorgen sehen. Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Glück. Du kannst mir Freitag dann ja berichten.“
„Auf jeden Fall. Sollte bei dir aber was dazwischen kommen, sag einfach bescheid, okay?“
„Natürlich. Das ist doch selbstverständlich. Aber wird es nicht. Dafür freue ich mich zu sehr drauf“, gab Kikai zu.
„Ja, ich mich auch“, erwiderte Seiya automatisch. Obwohl sie jetzt langsam wirklich Lust bekam, etwas mit Kikai zu unternehmen. Freunde konnten schließlich nie schaden. Das sahen Taiki und Yaten wahrscheinlich auch anders, aber nach denen ging es gerade nicht. Seiya verabschiedete sich kurz darauf von Kikai. Seiya blieb noch einen Moment auf dem Boden sitzen. Nun war es in Sack und Tüten. Sie hatte ein Date. Nein, eine Verabredung. Sie hatte nicht vor Kikai nahe zu kommen, zumal sie ja als Junge hingehen würde. Noch so eine erste Erfahrung, die sie nicht als sie selbst machte. Irgendwie schade. Dennoch, freute sie sich wirklich drauf und war gespannt auf das Ninja Restaurant. Sie hatte die Anzeige des Restaurants in einer Zeitschrift entdeckt. Das Restaurant hatte sich dem Thema Ninja verschrieben. Seiya stellte es sich spannend vor das Essen von Ninjas serviert zu bekommen. Zudem stand da etwas von einem versteckten Ninjadorf und Entertainment. Seiya war sofort neugierig geworden, auch wenn die Preise ganz schön happig waren. Aber Len hatte nur abgewunken. So ganz behagte es Seiya trotzdem nicht, das Geld einfach so auszugeben. Irgendwie hoffte sie endlich etwas Geld verdienen zu können. Sie lebte schon auf Kinmoku auf Kosten der Prinzessin. Auch wenn sie ihre Pflichten hatte, glichen das Leben im Palast und alle damit einhergehenden Annehmlichkeiten, diese niemals aus. Sie hoffte, dass sie, sobald sie volljährig wurde, das alles etwas anpassen konnte. Sie wollte für all den Luxus auch entsprechend Arbeit leisten. Auch wenn sie manchmal etwas faul war, tat es ihrem Pflichtbewusstsein keinen Abbruch. Das würde sich wahrscheinlich auch niemals ändern. Sie war nun 15. Laut Shinko immer noch ein Kind. Manchmal fühlte sie das noch deutlich, andererseits hatte sie bereits so viel erlebt, dass es eigentlich für ein ganzes Leben reichen würde. Sie war irgendwas dazwischen und das nervte sie. Sie wollte definitiv kein Kind mehr sein. Sie wollte arbeiten und das konnte sie am Mittwoch gleich unter Beweis stellen.

„Jetzt wird’s ernst“, sagte Seiya, als er mit seinen Gefährten am Mittwochvormittag vor dem Gebäude des Labels stand und ehrfürchtig die verglaste Fassade hinaufsah. Da drin geschah der Zauber. Da drin lag die Musikschmiede und sie waren, zumindest erst einmal für heute, ein Teil davon. Seiya war vor Aufregung ganz flau im Magen. Auch Yaten war blasser als sonst. Nur Taiki schien die Ruhe selbst, obwohl das täuschte. Taiki hatte schon die ganze Fahrt hierher an Ongakus Visitenkarte herumgepuhlt. Nun legte Seiya seine Hand auf die Taikis. „Wenn du so weiter machst, ist bald nicht's mehr von übrig.“
Taiki sah verwirrt auf und warf dann einen Blick auf die Karte in seinen Händen, deren Kanten schon ganz verfranzt waren. „Tschuldigung“, murmelte Taiki. „Ich bin ganz aufgeregt.“
„Nicht nur du“, brummte Yaten. „Lass uns jetzt bitte reingehen. Ich will, dass es losgeht. Ich hasse warten.“
„Ja doch.“ Seiya nickte, strich noch einmal den Stoff seines roten Anzugs glatt und setzte sich dann langsam in Bewegung. Mit klopfenden Herzen trat er an den Empfang, der in dem riesigen Foyer untergebracht war. Alles sah sehr modern und hochwertig aus, sodass Seiya plötzlich richtig froh war einen Anzug zu tragen.
„Willkommen bei Sen No Ma Records. Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte eine junge Frau hinter dem Thresen.
„Guten Tag“, sagte Taiki höflich und verbeugte sich leicht. „Wir sind die Gruppe ThreeLights und haben jetzt einen Termin bei Mr. Ongaku persönlich.“
„Ja, Sie stehen hier auf meiner Liste. Ich lasse ihn rufen. Bitte setzen Sie sich dort in den Empfangsbereich.“ Die Dame deutete auf eine Sitzgruppe unweit des kleinen Cafés.
„Vielen Dank“, sagte Taiki. Seiya und Yaten begnügten sich mit einer Verbeugung und folgten Taiki zu den sehr bequem aussehenden Polstermöbeln. Dort ließen sie sich nieder. Während sie warteten, ließ Seiya seinen Blick schweifen. Selbst ein Laie konnte erkennen, dass es hier um Musik ging. In einem Glasrondel stand ein Flügel, dessen Lack in der Sonne edel schimmerte. An den Wänden waren goldene Schallplatten und Poster der erfolgreichsten Bands aufgehangen. Ein paar erkannte Seiya sogar wieder. Am Montag waren sie gemeinsam mit Len in einen Plattenladen getigert und hatten in die Bands reingehört, die das Label unter Vertrag hat - beziehungsweise hatte. Dazu hatte es ein bisschen Input gegeben, damit sie nicht wie eine Kuh vorm Uhrwerk standen, wenn danach gefragt wurde. Wenn Seiya nach seinem ersten Eindruck ging,würden sie mit ihrem Konzept ganz gut hinein passen. Um sich von seiner Nervosität etwas abzulenken, beobachtete Seiya die Menschen, die ein und aus gingen. Es war reger Betrieb - ein stetes Kommen und Gehen. Seiya fragte sich, was diese Leute alle für Funktionen hatten, wie viele davon wirklich Künstler waren? Er war wirklich froh, diese Chance zu haben, dennoch fühlte er sich für den Moment echt fehl am Platz. Ein unbedeutendes Nichts auf einem fremden Planeten. Wie ein Kind auf einem neuen Spielplatz, wo es noch keine Spielkameraden kannte. Wahrscheinlich war das wirklich der bisher merkwürdigste Moment in seinem Leben. Seiya war wirklich froh, als Ongaku lächelnd auf sie zu kam. Sofort erhoben sich die ThreeLights und verbeugten sich auch vor ihm zur Begrüßung.
„Ich freue mich, dass ihr da seid. Schon aufgeregt?“, fragte er gut gelaunt mit einer Verbeugung.
„Ein wenig“, gestand Seiya. „Aber vielen Dank für die Einladung.“
„Gerne. Na, dann wollen wir mal schauen, was wir zusammen zaubern können“, sagte Ongaku und deutete auf die Fahrstühle. „Bitte folgt mir!“
„Okay.“ Die ThreeLights trotteten hinter Ongaku hinterher. Auf dem Weg zu den Fahrstühlen erklärte Ongaku grob, welche Räumlichkeiten sich im Erdgeschoss befanden, doch das Herz des Labels schien sich in den oberen Stockwerken zu befinden. Mit gemischten Gefühlen stieg Seiya in den Fahrstuhl. Es war Ewigkeiten her, seit er mit einem Fahrstuhl gefahren war. Auf Kinmoku gab es so etwas nicht. Aber den drein blieb keine Zeit sich darüber einen Kopf zu machen, denn Ongaku lenkte sie gut mit einem Gespräch ab.
„Ich hoffe ihr seid topfit, denn der Tag wird lang. Ich habe heute eines der Tonstudios geblockt und meinen Tonmeister abgestellt uns unter die Arme zu greifen. Aber wir lassen es alles ruhig angehen. Erst einmal besprechen wir, was wir heute machen und was ich mir im Falle einer Zusammenarbeit vorstelle“, erklärte Ongaku. „Ich hoffe am Ende des Tages wissen beide Parteien, ob sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen können, oder nicht.“
„Das klingt nach einem Plan“, antwortete Taiki zuversichtlich. Im zweiten Obergeschoss stiegen sie aus und standen prompt in einem schier endlos wirkenden Gang.
„Hier befinden sich sämtliche Tonstudios und Produktionsstätten, sowie einige Besprechungsräume. Toiletten findet ihr links vom Fahrstuhl oder am Ende des Ganges rechts. Eigentlich ist für euch als Künstler nur diese Etage wichtig.“ Sie folgten Ongaku den Gang entlang. Da die Besprechungräume nur durch eine Glaswand getrennt waren, konnte Seiya ungehindert einen Blick hineinwerfen. Diese waren sehr großzüging und durch die Fensterfronten lichtdurchflutet. So weit Seiya das beurteilen konnte, auch technisch gut ausgestattet. Es wirkte zumindest, als hatte alles Hand und Fuß.
„Hier ist das erste Aufnahmestudio. An der Seite befindet sich eine Leuchte.“ Ongaku deutete auf eine längliche Lampe. Diese leuchtete rot. „Wenn sie rot leuchtet, wird gerade aufgenommen. Ist sie grün, könnt ihr einfach reingehen. Heute gibt es aber eine Außnahme. Da nur wir drin sind, habe ich sie schon einmal umgestellt, so sind wir ungestört. Das heißt wir können rein.“ Er öffnete die Tür. Seiya hatte wunder was erwartet, stand aber ersteinmal vor einer Wand mit einer Garderobe. „Hier könnt ihr die Sachen ablegen, die ihr nicht braucht.“ Seiya musste genau hinhören, denn Ongakus Worte gingen ein wenig im Schlagzeugspiel unter. Eigentlich hatte Seiya erwartet, dass sie wirklich erst einmal alleine waren. Dann erinnerte er sich aber daran, dass Kikai etwas von Studiomusikern erzählt hatte. Wer da auch spielte, das klang verdammt gut zu der elektronischen Melodie. „Ah, ich höre, sie ist schon da.“ Die ThreeLights sahen erst sich und dann den Produzenten verwirrt an. Dieser lächelte nur und bedeutete ihnen zu folgen. „Ich habe uns noch Unterstützung geholt. Ich glaube es ist für euch entspannter, wenn jemand da ist, den ihr bereits kennt.“
„Den wir kennen?“, kaum hatte Seiya die Frage gesteltt, sah er sie schon.
„Das glaub ich jetzt nicht!“, entfuhr es Yaten. Sofort legte sich ein glückliches Lächeln auf Seiyas Lippen. Da saß Kikai hinter dem Schlagzeug im Aufnahmeraum. Seiya war so gefesselt von der Frau hinter diesem sehr eindrucksvollen Instrument, dass er den Mann hinterm Mischpult erst einmal übersah. Für den Augenblick hatte er tatsächlich nur Augen für Kikai, die hinter den Drums eine verdammt gute Figur machte. Er war wahnsinnig beeindruckt, und hingerissen, dass eine Frau hinter den Drums saß, denn das war auch auf Kinmoku eher selten. Auch wenn Seiya gerade als Mann hier stand, war er doch etwas stolz auf solch eine Frauenpower. Als Kikai sie erblickte grinste sie frech. Seiya schüttelte nur lächelnd den Kopf. Diese Frau war echt unglaublich. Was sie wohl noch für Geheimnisse hatte?
„Habt ihr das Overhead-Mikro gewechselt?“, fragte Ongaku den Mann am Mischpult und riss Seiya damit aus seiner Starre.
„Ja. Das defekte hat Kikai abmontiert und spielt das neue gerade ein. Klingt super, oder?“, antwortete der Tonmeister.
„Sehr gut. Klingt für mich noch stärker als das Alte“, überlegte Ongaku.
„Ja. Es ist auch die Nachfolgergeneration.“
„Merkt man.“ Ongaku sah sehr zufrieden drein. Als Kikai fertig war, drückte er auf einen grünen Knopf auf dem Pult und beugte sich gen Mikro. „Kikai, das klang wirklich stark. Hast du gut gemacht. Setz dich zu uns!“ Kikai hob zur Antwort beide Daumen, nahm die Kopfhörer ab und kam dann nach draußen.
„Überraschung“, flötete sie grinsend, als sie aus dem Raum trat.
„Die ist geglückt.“ Seiya erwiderte das Grinsen. „Aber das hättest du mir bei unserem Telefonat ruhig sagen können.“
„Da wusste ich es ja selbst noch nicht“, verteidigte sich Kikai. „Ich arbeite schon seit einiger Zeit als Studiomusikerin hier im Label und werde wohl bis auf Weiteres in diesem Projekt mitmischen, wenns genehm ist!? Außerdem ist seelische Unterstützung auch nie verkehrt.“
„Bestimmt nicht“, murmelte Yaten.
„Aber du sagtest ja, dass unsere Sachen etwas mehr – ich zitiere – Bums haben könnten“, erinnerte sich Taiki.
„Ganz recht. Ein wenig. Aber dazu kommen wir später.“ Kikai nickte ihrem Vater zu. Dieser wies nun auf den Mann am Mischpult, der ungefähr in Ongakus Alter sein musste.
„Wenn ich mich vorstellen darf: Ich bin Kato Kio, einer der Tonmeister hier im Label. Ich werde euch heute helfen ein wenig Magie walten zu lassen.“ Er deutete stolz auf seinen Zauberkasten. „Freut mich.“
„Die Freude ist ganz unsererseits. Wir sind froh heute hier sein zu dürfen. Wir sind die ThreeLights. Ich bin Taiki.“
„Yaten“
„Seiya.“
„Ja, Kikai hat schon von euch geschwärmt.“
Bei dem Kommentar warf Seiya Kikai einen vielsagenden Blick zu. Als Antwort warf sie ihm nur eine Kusshand zu. Dann folgten sie Ongaku und Kato zu einer Sitzgruppe samt Tisch und kleiner Kaffeeecke.
„Können wir euch etwas zu Trinken anbieten?“, fragte Kato die ThreeLights. „Tee, Kaffee, Wasser, Softdrinks?“
„Erstmal einen Tee, danke“, kam es einstimmig von den ThreeLights, wobei Seiya befürchtete, später am Tag noch eine Menge Zuckerwasser gebrauchen zu können. Aber die Cola musste warten, bis sich sein aufgeregter Magen etwas beruhigt hatte.
„Alles klar. Ihr beiden, Kaffee?“ Vater und Tochter nickten. Kato kümmerte sich um das leibliche Wohl aller. Als alle versorgt und alle Noten und Lyrics der ThreeLights auf dem Tisch ausgebreitet waren, ergriff Ongaku das Wort.
„Wir gehen heute alles ruhig an. Kein Stress. Ich habe mir das wie folgt vorgestellt. Als erstes habe ich hier eine Vereinbarung für heute. Darin ist festgehalten, dass wir im Rahmen der Probeaufnahmen euer Ideengut verwerten und gegebenenfalls opitmieren können. Wenn wir aufnehmen landet es auf unseren Servern und würde dort auch bestehen bleiben, bis zu einer Entscheidung, ob es zu einer Zusammenarbeit kommt oder nicht. Das Urheberrecht bleibt jedoch bei euch. Es ist nur zu unserem und natürlich euren Schutz, das schriftlich festzuhalten. Lest es in Ruhe durch und wenn ihr damit einverstanden seid, unterschreibt ihr alle drei auf beiden Ausführungen. Eine für mich und eine für euch.“
„Okay.“ Das leuchtete Seiya tatsächlich ein. Daran hätte er wahrscheinlich nicht gedacht. Auch Taiki sah so aus, als hätte er diesen Punkt total außer Acht gelassen. Doch fand Seiya es schwer sich das Dokument durchzulesen, während drei Augenpaare neugierig auf ihn gerichtet waren. Doch sowas war auch eher Taikis Ding. Dieser ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Als sie unterschrieben hatten, war auch ihr Tee fertig und Kikai hatte sich schon ein wenig durch die Noten gewühlt.
„Dann wäre das geklärt. Als erstes würde ich gerne einfach Mal das hören was ihr schon habt. Fangt am besten mit einem Song an, mit dem ihr euch am wohlsten fühlt. Wir nehmen eure Songs erst einmal so auf, wie ihr sie angedacht und letzten Freitag vorgetragen habt. Dann hört ihr euch selbst auch mal. Das hilft oft viel beim musikalischen Verständnis. Anschließend gehen wir alles gemeinsam durch und optimieren es für den Markt. Etwas Atmosphäre und 'Bums', wie meine Tochter sagen würde. Einen Flügel haben wir hier nicht.“
„Keyboard ist auch in Ordnung“, warf Taiki ein.
„Das wollte ich hören.“ Ongaku sah in die Runde. „Aber bevor ich wirklich anfange, möchte ich einmal die Fronten klären. Ich erzähle euch, wie ich mir die Zusammenarbeit vorstelle und dann ihr. Denn wenn euch mein Vorschlag von vorneherein missfällt – was ja nicht schlimm ist – können wir uns all das was folgt, schenken. Darüber habt ihr euch bestimmt auch Gedanken gemacht!?“
„Durchaus“, antwortete Taiki. Seiya seufzte innerlich. Sie hatten stundenlang diskutiert wie viel sie wirklich aus der Hand geben wollten. Wäre Len nicht dazwischen gegangen, wäre das im Streit geendet, denn Seiya sah das alles weniger verbissen als Taiki und Yaten. Doch vorher war Seiya gespannt, was Ongaku zu sagen hatte.
„Es gibt zwei grundlegende Verträge. Den Künstlervertrag und dem Bandübernahmevertrag. Beim Künstlervertrag geht ihr mit dem Label eine exklusive Verbindung ein. Wir kümmern uns um die Organisation, Produktion, Vermarktung und alles was damit einhergeht. Dafür gehen die Verwertungsrechte eurer Musik an uns über und ihr seid verpflichtet nur Projekte innerhalb des Labels zu machen. Dafür kümmern wir uns aber um alles. Der Bandübernahmevertrag, sagt es ja bereits. Ihr bekommt einen Vorschuss von uns, für die Produktion eurer CD und überlasst das fertige Werk dann dem Label. Letzteres schließe ich einfach aus. Es hat nicht nur was damit zu tun, dass ihr noch unbeschriebene Notenblätter seid... Wie ihr ja seht, produzieren wir selbst. Wenn ein Künstler nicht schon mit einem fertigen Band an uns herantritt, vergeben wir prinzipiell nur Künstlerverträge. Ich würde euch erst einmal für ein Vertragsjahr verspflichten, also für dieses Projekt. Das dauert dann so lange es dauert. Das kann ein halbes Jahr sein, ein ganzen, oder auch zwei normale Jahre. Ihr seid solange exklusiv dem Label verpflichtet, was zumindest eure Musik angeht. Bei anderweitigen Projekten lässt sich miteinander reden. Wie sieht's mit einem Management aus?“
Die ThreeLights wechselten kurz einen Blick miteinander, bevor Taiki das Wort ergriff. „Wir wollen keins. Wir wollen für unsere Sachen selbst verantwortlich sein. Und wir möchten definitives Mitspracherecht in allen Belangen.“ Es würde ihnen nichts anderes übrig bleiben, als ihr Baby in vertrauensvolle Hände abzugeben. Dass es sich hierbei um Kikais Vater handelte, linderte die Magenschmerzen der Jungs ein wenig. Kikai würde sie bestimmt nicht ins offene Messer laufen lassen. „Unsere Musik bedeutet uns viel. Wir sind gerne bereit exklusiv mit Ihnen zusammenzuarbeiten, sofern wir in allem Mitspracherecht haben. Uns auf einen projektbezogenen Vetrag zu beschränken, halte ich für den Anfang als äußerst sinnvoll.“
„Das sehe ich genauso.“ Ongaku wirkte zufrieden. „Mir gefällt euer Konzept mit den Sternen. Wie seid ihr darauf gekommen? Sind das Geschichten aus eurer Heimat?“
„So kann man das sagen, ja.“ Seiya runzelte trotzdem die Stirn. Hoffentlich wollte Ongaku nicht ihre ganze Lebensgeschichte wissen. Denn da eine glaubhafte Story zusammenzuzimmern, war nicht so einfach. Aber da sie wirklich nicht wie Japaner aussahen, würde wohl allen Beteiligten klar sein, dass sie ursprünglich nicht von hier kamen.
„Woher kommt ihr, wenn ich fragen darf?“ Ongaku sah einen nach den anderen neugierig an. Und da war die Frage schon, welche die ThreeLights eigentlich tunlichst vermeiden wollten.
„Aus dem fernen Europa... zumindest unsere Vorfahren“, begann Seiya und betete, dass Ongaku das als Antwort reichte. Um sicher zu gehen, bediente sich Seiya einfach Shinkos Geschichte. Bitte verzeih mir..., dachte sich Seiya und dachte einen Augenblick an Shinko. Aber Shinko hatte sich immer alle Mühe gegeben, dass sie sich als Teil der Familie fühlten. Also warum das nicht ausnutzen. „Unsere Vorfahren sind einst hier nach Japan gekommen. Sie haben eine sehr nette Geschichte mitgebracht. In jedem Lebwesen strahlt das helle Licht eines Sternes. Und es heißt, dass einst drei Sterne auszogen, um ihre heißgeliebte Prinzssein zu finden, die im Krieg geflohen war.“ Seiya klopfte sich imaginär auf die eigene Schulter. Das hatte er doch ganz gut rübergebracht. Auch Taiki und Yaten sahen ihn zufrieden lächelnd an. Für sie drei war das natürlich nicht nur eine Geschichte, es war die Wirklichkeit. Aber diese war so phantastisch, dass sie es gut als Märchen verkaufen konnten. „Wir haben diese Geschichte immer und immer wieder erzählt bekommen, auch die Werte und Botschaften, die diese vermitteln. Diese wollen wir nach außen tragen. Denn sind wir nicht alle auf der Suche? Sei es nach Liebe, Erfolg, Zufriedenheit...“ Als Taiki sich räusperte, hielt Seiya inne. Wahrscheinlich würde er sich sonst noch um Kopf und Kragen reden. „Ja … also. So ist das...“ Vielleicht hatte das Ongaku aber von seiner urspünglichen Frage abgelenkt. Kikai sah zumindest sehr gerührt drein.
„Überzeugt“, sagte Ongaku, der sich etwas dazu notiert hatte. „Ich sehe, das ist gut durchdacht. Die Menschen brauchen etwas Magie in ihrem Leben und ich habe so das Gefühl, dass ihr diejenigen seid, die ihnen das vermitteln können.“
„Danke“, sagte Seiya ehrlich. Die Menschen waren also sehr begeisterungsfähig.
„Wie viele Songs habt ihr? Also komplett fertig, Noten, Text, Arragement?“
„Vier“, meldete sich nun Yaten zu Wort. Wenn es um seine Babys ging, wurde er nicht zum Giftzwerg, sondern eher zu Mamabär. Bei diesem Bild musste Seiya schmunzeln. Schnell versteckte er sich hinter seiner Teetasse. „See Me, Wandering Stars, Chasing After You und Search For Your Love.“ Yaten sortierte die Zettelwirtschaft ein wenig.
„Okay. Ich würde heute gerne zwei davon durchgehen. Gerne die vom Freitag. Mit welchem wollt ihr anfangen?“, fragte Ongaku mit einem Blick auf die Songs.
„See me“, kam es synchron von den ThreeLights. Für einen lockeren Auftakt genau das Richtige.
„Gut. Also Jungs...“ Ongaku erhob sich und bedeutete den ThreeLights ihm zu folgen. „Während wir den Song so aufnehmen, wie ihr ihn am Freitag gespielt habt, schaut sich Kikai eure Sachen einmal genauer an. Denn auch wenn ihr eher als Popgruppe auftretet, geht nichts ohne Schlagzeug. Auch wenn es im Moment In ist, möchte ich gerne bei hausgemachter Musik bleiben. Das bedeutet, wenn möglich spielt ihr eure Instrumente selbst. Das passt zu euch. Mir hat das Freitag nämlich gut gefallen. Außerdem steht die weibliche Zielgruppe auf Sänger, die ihnen das Liebeslied auch selbst auf einer Gitarre vorspielen können.“
„Das klingt gut.“ Seiya nickte. „Und Kikai wird dann für uns die Drums einspielen?“
„Genau. Ihr braucht definitiv noch Verstärkung in Sachen Musiker. Aber fürs Erste reicht es, wenn Kikai dabei ist.“
„Hab ich nichts dagegen“, sagte Yaten ehrlich. Kikai hatte bereits bewiesen, dass sie etwas drauf hatte und die ganze Sache auch ernst nahm. „Sie ist cool.“ Und das aus Yatens Mund, hieß etwas.
„Aww, danke!“, kam es von der Sitzgruppe her. „Ich mag euch auch.“ Seiya konnte sich ein Zwinkern in Kikais Richtung nicht verkneifen, wandte sich dann aber wieder Ongaku zu, der ihnen erst einmal die ganze Technik und den Ablauf erklärte, sie durch den Aufnahmeraum führte. Seiya sog alles in sich auf. Das war so verdammt interessant. Er hatte so Bock jetzt loszulegen und das Ergebnis wenig später auf Band zu hören. Sich selbst hören zu können, war gruselig und spannend zugleich. Aber erst einmal spielten sie sich ein und „See me“ komplett durch. Kato gab ihnen noch kleine Tipps zum Thema Klang und positionierung der Mikrofone.
„Wir machen erst einmal nur Bandaufnahmen. Das bedeutet, ihr spielt den Song alle zu zusammen ein. Das gibt der Musik eine gute Dynamik. Wir behalten uns aber die Option offen, wenn nötig Instrumente oder Gesang einzeln aufzunehmen. Aber legt einfach mal los und wir drücken auf das rote Knöpfchen. Bereit?“ Die ThreeLights nickten. Jetzt gings wirklich los. Seiya schluckte den Kloß im Hals herunter. Den konnte er jetzt nicht brauchen. Er gab alles. Kikai hatte ihm zwar nahe gelegt, es dahingehend nicht zu übertreiben, dennoch wollte er seine Sache gut machen, vor allem, wenn er sich dann selbst hörte. Und die erste Reaktion auf die Aufnahme war bei allen ThreeLights gleich.
„Oh mein Gott! Das sind wir“, rief Yaten nicht sonderlich professionell, während er Taiki am Ärmel zupfte. Ongaku und Kato lachten nur vergnügt. Seiya fand es zwar cool, aber echt befremdlich sich selbst zu hören. Allerdings hatte er sich einmal versungen und das hörte er selbst auch raus. Er rümpfte die Nase. Das mussten sie definitiv noch mal machen. Aber so alles in allem hörten sie sich echt gut an. Das machte Seiya schon ein wenig stolz.
„Für die aller erste Aufnahme wirklich gut. Bis auf ein paar Patzer. Aber die bekommen wir weg.“ Ongaku ließ die Aufnahme noch einmal durchlaufen und gab ihnen Veränderungsvorschläge. Mit ihnen bekamen die ThreeLights die nächste Aufnahme fehlerfrei hin. Das gefiel Ongaku so gut, dass er seine Tochter bat, doch einfach mal ihre Vorschläge für die Drums dazuzuspielen. Tako ließ den Song durchlaufen und Kikai spielte den Rhythmus dazu, während die ThreeLights von draußen zuhörten. Mit dem Schlagzeug klang es definitiv noch besser. Da war der angekündigte „Bums“. Es machte den Song noch lebendiger. Das gemeinsame Einspielen mit Kikai war für Seiya eine besonderer Herausforderung, da er sich anstrengen musste nicht einfach nur Kikai beim Spielen zu beobachten. Seiya hatte nur ein paar Male aus Spaß hinter einem Schlagzeug gesessen. Bei den Proben seiner Brüder hatte er immer etwas rumtrommeln dürfen. Aber das war weit entfernt von dem, was Kikai da anstellte. Seiya musste sich wirklich auf sich selbst konzentrieren, damit er nicht rauskam. Aber das lohnte sich. Die Aufnahme mit Schlagzeug konnte sich definitiv hören lassen. Seiyas Herz hüpfte vor Freude. Das war so cool. Mit Freude stellte er fest, dass sich auch sein Gesang von Mal zu Mal besser anhörte, ebenso wie Yaten und Taiki. Die beiden gingen ebenfalls voll darin auf. Auch wenn es nur Probeaufnahmen waren. Für ihre Prinzessin gaben sie alles.
Vor allem bei „Search for your love“ legten sich alle besonders ins Zeug. Es war Ongakus Favorit und dem Leuchten in seinen Augen zu urteilen, sah er den Song schon in den Charts. Aber nicht ohne ein paar Änderungen. Diese betrafen aber weder Lyrics noch Noten, sondern das Arragement.
„Der Song ist wunderschön, nur noch in einer etwas leblosen Verpackung. Taiki. Wir versuchen jetzt mal vom Klavier wegzugehen. Ich fänd ein paar Blechbläser ganz spannend. Das gibt dem Song noch einen jazzigen Touch“, schlug Ongaku vor. Taiki war gerne bereit das zu probieren. Während sie daran feilten, nahm sich Kikai wieder den Drums an. Sie nahmen ein paar Keyboardvarianten für „Search for you love“ auf und legten sie am Ende übereinander.
„Alter, das klingt, als hätten wir hier eine BigBand versammelt“, sagten Yaten ganz von den Socken.
„Das ist Wahnsinn.“ Taiki schüttelte nur mit großen Augen den Kopf. Seiya überkam eine dicke Gänsehaut, als sie den fertigen Song hörten. Er mochte die ursprüngliche Version natürlich sehr gerne, aber die Änderungen taten dem Song gut. Ongaku hatte echt Ahnung von dem was er tat und mittlerweile eine Vision. Eine die sich größtenteils auch mit der der ThreeLights deckte. Kikai war sowieso begeistert. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie bei aller Begeisterung und Fangirlgetue eine Vollblutmusikerin war, mit der sie wirklich gut arbeiten konnten. Sie mit an Board zu haben, war definitiv nicht verkehrt. Da stimmte einfach die Chemie. Bei allen. Die ThreeLights hofften nur, dass Ongaku das ebenso sah.

Der Tag ging in Windeseile vorbei. Nun war mittlerweile Nachmittag. Kikai und die ThreeLights saßen zusammen im hauseigenen Café und machten eine Pause. Sie hatten auch schon die Mittagspause gemeinsam hier verbracht und auf Empfehlung Kikais hier etwas gegessen. Schon da hatten Seiya die Kuchen an der Theke angelacht, doch war er zu satt gewesen. Aber jetzt. Jetzt war Zeit und sein Appetit kaum zu bändigen. Nach diesem Tag brauchte er eine Zuckerbombe. Glücklich machte Seiya es sich mit einem Schokokuchen und einer Cola auf dem Sofa bequem. Neben ihm saß Kikai, die genüsslich einen Kaffee schlürfte und dazu an einem übergroßen Cookie nagte. Yaten und Taiki tranken in aller Seelenruhe einen Tee. Nachdem die ganze Arbeit erledigt und die Aufregung verflogen war, blieb nur noch Zufriedenheit zurück. Ongaku nutzte die Pause, um noch etwas zu erledigen, bevor sie sich zu einem finalen Gespräch trafen. Seiya seufzte. Noch nie hatte ein Stück Kuchen so gut geschmeckt.
„Ich glaube, wenn wir wieder zurück sind, falle ich tot ins Bett“, murmelte Yaten und gähnte herzhaft. Er war schon ein wenig an dem bequemen Polster heruntergerutscht und hatte es sich gemütlich gemacht. Er brauchte nur nach links kippen und würde auf Taikis Schoß landen. Taiki sah ebenso geschafft, aber glücklich aus.
„Wahrscheinlich. Aber noch bin ich viel zu geflasht“, nuschelte Seiya, zwischen zwei Kuchenbissen.
„Kein Wunder, du bist ja auch voll unter Zucker“, gluckste Kikai, die Seiya fasziniert beobachtete.
„Das brauch ich jetzt. Sonst fällt mein Kopf gleich auf die Tischplatte.“ Seiya grinste nur und spülte dann ganz unbeeindruckt von dem Kommentar den eh schon pappsüßen Kuchen mit Cola herunter.
„Na, ihr habt es ja gleich geschafft.“ Kikai sah glücklich in die Runde. „Und wisst ihr was?“
„Na du wirst es uns gleich sagen?“, schmunzelte Yaten.
„Richtig.“ Kikai zwinkerte Yaten zu. „Ich habe ein echt gutes Gefühl. Papa mag euch, dass sehe ich ihn an. Mein Bauchgefühl sagt, dass das was ganz großes werden kann.“
„Du, das glaube ich mittlerweile auch“, gab Taiki zu. „Ich denke auch, dass wir gut mit euch zusammenarbeiten können, vorausgesetzt die Konditionen stimmen.“
„Da werdet ihr euch sicherlich einig. Ich hatte auf jeden Fall großen Spaß mit euch zu spielen.“
„Du hast definitiv für die Überraschung des Tages gesorgt, Kikai“, sagte Seiya. Er stieß einmal geräuschvoll die Luft aus und lehnte sich satt und zufrieden auf dem Sofa zurück.
„Ich binde sowas ja nicht jedem gleich auf die Nase. Aber ich glaube, auch wenn mein Vater mich nicht gefragt hätte, wäre ich heute vorbeigekommen. Ich bin doch so ein neugieriges Stück.“
„Das hast du jetzt gesagt“, erwiderte Yaten belustigt. „Aber ich hab es ja vorhin schon gesagt: du bist cool, Kikai. Voll in Ordnung.“
„Und wenn Yaten, das sagt...“ Taiki schüttelte lächelnd den Kopf, als Kikai und Yaten das mit einem Faustcheck besiegelten.
„Ich fühle mich geehrt, danke. Ich-“ Kikai wollte gerade noch etwas sagen, als die Dame der Rezeption zu ihnen trat.
„Bitte entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber Mr. Ongaku erwartet sie oben im Tonstudio 1.“
„Vielen Dank.“ Kikai nickte ihr wohlwollend zu und erhob sich. „Auf zur letzten Runde.“
„Dann los.“ Sie brachten noch ihr Geschirr zur Ablage und fuhren dann wieder nach oben. Ongaku erwartete sie schon. Kato hatte sich vor der Pause schon verabschiedet.
„Habt ihr die Pause etwas genossen?“, fragte er, als die vier eintraten.
„Oh ja. Euer Café ist wirklich erste Sahne“, schwärmte Seiya.
„Wie die Sahne auf deinem Kuchen?“, witzelte Kikai und piekste Seiya mit ihrem Ellenbogen in die Seite.
„Ja.“ Seiya nickte zustimmend.
„Na dann seid ihr ja gestärkt.“ Er bedeutete der Gruppe sich zu setzen. Sie hörten sich die vier Songs zum Abschluss noch einmal an. Die ursprüngliche Version der ThreeLights und die geänderte des Labels. Das noch einmal direkt im Vergleich zu hören, machte Seiya wahnsinnig stolz, was sie nur an einem Tag geschafft hatten. Er brannte darauf zu sehen, was sie aus den anderen Songs klöppeln konnten. Das jetzt so zu hören, kam ihm schon ein wenig wie Magie vor. Er könnte die Songs stundenlang hören.
„Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber ich bin sehr zufrieden und würde sehr gerne mit euch arbeiten“, sagte Ongaku schließlich, nachdem der letzte Ton verklungen war. Kikai schnappte ganz aufgeregt nach Luft und versuchte ein Quieken zu unterdrücke. Stattdessen haute sie Seiya zappelig auf den Unterarm.
„Ja, ich hab es gehört, Kikai“, lachte Seiya leise, wandte sich aber dem Produzenten zu. „Wir hatten heute wirklich sehr viel Freude an der Arbeit. Das Ergebnis dieser Probeaufnahmen macht uns stolz. Und ich denke, ich spreche für uns drei, wenn ich sage, dass auch wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen können.“ Yaten und Taiki nickten.
„Das freut mich zu hören. Um ehrlich zu sein, habe ich das erhofft und habe deswegen auch keine Bauchschmerzen, euch das hier anzubieten.“ Ongaku zog ein paar Dokumente aus einer sehr schick aussehenden Ledermappe mit Logo drauf.
„Ist das...?“ Yaten ploppte der Mund auf, während er fassungslos auf das Papier starrte.
„Die Vertragsunterlagen, richtig.“ Ongaku schob ihnen die beiden Ausführungen des Vertrags rüber. „Es ist mein Vertragsangebot an euch. Ihr müsst das nicht jetzt durchgehen. Es steht im Grunde das drin, was wir heute besprochen haben: Vertragsjahre, Verwertungsdauer – also die Nutzung der Songs, Leistungsschutzrecht, Urheber- und Persönlichkeitsrechte. Euer Mitspracherecht und Projektarbeit. Ihr habt jetzte 14 Tage Zeit, euch den Vertrag in Ruhe anzuschauen. Natürlich müsst ihr keine 14 Tage warten, wenn ihr euch sicher seid. Aber prüft ihn in Ruhe und dann treffen wir uns wieder hier zur Unterschrift oder für Nachverhandlungen.“
„Danke...“ Taiki nahm die Unterlagen an sich. „Wir freuen uns wirklich sehr über das Angebot.“
„Wenn ihr den Vertrag annehmt, muss ich euch aber bitten, nicht mehr bei den Jamsessions mit den Songs aufzutreten, die wir herausbringen sollen. Es sind dann zwar immer noch eure Songs, aber die Nutzungs- und Verbreitungsrechte liegen dann beim Label. Wenn wir einem solchen Auftritt zustimmen und ihn zur Promotion nutzen, ist das was anderes. Aber dieser Punkt steht auch im Vertrag. Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr nicht hingehen dürft, wenn ihr den Vertrag unterschrieben habt. Ihr dürft nur diese Songs nicht mehr spielen.“
„Es kann ja jemand im Publikum sitzen und sie unbemerkt aufnehmen und anschließend verbreiten und als sein geistiges Eigentum ausgeben. Das bringt nur unnötigen Rechtsstreit mit sich und ist nicht gut für unser aller Nerven. Daher wird durch eine solche Klausel so etwas vorgebeugt“, erklärte Kikai zusätzlich. Das machte für Seiya Sinn, auch wenn es natürlich Schade war. Aber diese Jamsession waren sowieso nur als Test gedacht. So gerne Seiya mit den jungen Wilden diskutierte. In diesem Fall brauchten sie dann doch professionelle Meinungen.
„Richtig. Außerdem werdet ihr genügend zu tun haben. Die Tracklist eines Albums liegt durchschnittlich bei 12 bis 15 Songs. Und die entstehen nicht einfach über Nacht. Also lange Rede kurzer Sinn. Schlaft ein paar Nächte drüber und überlegt es euch. Bei Fragen steht euch Kikai bestimmt zur Verfügung.“
„Na logo!“, sagte diese sofort.
„Vielen Dank, Mr. Ongaku“, sagte Taiki noch einmal. „Wir werden uns auf jeden Fall bei Ihnen melden.“
„Ich freue mich auf eure Rückmeldung.“ Ongaku erhob sich und reichte jedem nun die Hand. „Für heute seid ihr dann entlassen. Kikai, begleitest du sie raus?“
„Natürlich.“ Kikai nickte. Auch sie und die ThreeLights hatten sich erhoben.
„Auf Wiedersehen.“
„Und vielen Dank.“ Die ThreeLights verabschiedeten sich höflich vom Produzenten.
„Ich wünsche noch eine angenehme Woche!“
„Ebenso.“ Damit verschwand Ongaku. Kaum war er aus der Tür raus, begann Kikai freudig zu quietschen. Begeistert fiel sie einem ThreeLight nach dem anderen um den Hals.
„Ich freu mich so für euch.“
„Danke.“ Yaten schob Kikai langsam aber bestimmt von sich weg.
„Ja. Auch für deine Hilfe“, sagte Taiki.
„Ach was. Ich bin eure gute Fee und hab noch etwas für euch.“ Die Braunhaarige drückte Taiki noch einen Zettel in die Hand.
„Was ist das?“, fragte dieser mit einem verwunderten Blick auf das Stück Papier.
„Ich kann mit euch natürlich den Vertrag durchgehen und euch übersetzen, was da hochtrabendes so drin steht, dennoch empfehle ich euch einen Branchenanwalt aufzusuchen und die Unterlagen prüfen zu lassen. Das liegt in eurer eigenen Verantwortung. Deswegen hat Dad nichts weiter dazu gesagt. Wer sich nicht kümmert, selbst schuld. Es geht immerhin um ein Geschäft und hoffentlich irgendwann um viel Geld. Und da ihr so jung seid, rate ich euch dringend einen Anwalt zu konsultieren. Und die beiden haben einen sehr guten Ruf und kennen auch das Label gut“, erklärte Kikai wie eine Mutter ihrem Kind vor dem ersten Schultag. „Eigentlich solltet ihr dort schnell einen Termin bekommen, wenn ihr sagt, dass es um eine Vertragsprüfung geht. Warum sonst gibt es eine großzügige 14 Tage Frist zur Vertragsprüfung. Es wird vorausgesetzt, dass jeder der es ernst mein, erst einmal zum Anwalt geht.“
„Ich verstehe. Danke Kikai. Du bist wirklich eine große Hilfe.“ Taiki steckte den Zettel mit zu den Unterlagen. „Ich rufe da morgen gleich mal an.“
„Aber mir wäre es trotzdem lieb, wenn du vielleicht mal vorbei kommst und uns das Fachchinesisch übersetzt“, warf Seiya ein. Er hatte nur einen flüchtigen Blick auf die Verträge geworfen und nur Bahnhof verstanden.
„Natürlich. Da können wir uns ja am Freitag noch mal kurzschließen, Seiya.“
„Gute Idee.“ Seiya nickte und packte seine Sachen zusammen. „Jetzt bin ich aber auch durch.“
„Verständlich.“ Als sie alles beisammen hatten, schlenderten sie nach unten. Während Kikai noch etwas über das Label erzählte, hörte Seiya eigentlich nur mit einem halben Ohr hin. Er schelnderte ein wenig hinter den drein her. Kikai war echt ein Goldstück. Sie steckte voller Überraschungen und mittlerweile brannte Seiya drauf, mehr über die junge Frau zu erfahren. Dann würde er sie auch ein wenig über ihr Studium und ihre Arbeit ausquetschen. Sie hatte definitiv sein Interesse geweckt.
„Also ihr Hübschen.“ Kikai wartete gemeinsam mit ihnen auf ein Taxi. „Es war mir eine Freude und es wäre mir eine Ehre, weiter mit euch zusammenzuarbeiten.“
„Das wäre cool.“ Yaten nickte. Es war für sie schon entspannter, jemanden zu haben, den sie ansatzweise kannten und die voll und ganz hinter ihrem Konzept stand. Dass sie hier alle an der Nase herumführten, spielte mittlerweile keine Rolle mehr. Das musste einfach sein. Zwei Menschen, die ihr Geheimnis kannten, waren eigentlich schon zwei zu viel. Aber bisher hatte sich das als Glücksgriff herausgestellt. Seiya war gespannt, ob sie auch beim Label ein solch gutes Händchen bewiesen.
„Da kommt eure Kutsche“, lachte Kikai und schloss noch einmal jeden in den Arm. Seiya hatte das Gefühl, dass die Umarmung bei ihm etwas länger dauerte. Aber das störte ihn nicht. Nicht im geringsten. Er mochte es, wie sich ihre weichen weiblichen Rundungen, sanft an ihn drückten. Okay, sein weibliches Ego genoss es. Auch wenn diese Empfindungen, Seiya ein wenig verwirrten, freute er sich auf Freitag. Nach diesem Tag war er sich sicher, dass auch ihre Verabredung spannend und lustig werden würde. Zumindest wünschte er sich genau das.
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