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Tales of Starlight 1: Anothers Life

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Chibi-Usa / Sailor Chibi Moon / Serenity III Pegasus / Helios Seiya Kou / Sailor Star Fighter Taiki Kou / Sailor Star Maker Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II Yaten Kou / Sailor Star Healer
25.04.2021
23.01.2022
43
214.683
9
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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29.08.2021 4.657
 
„Meine Tochter hat ganz schön von euch geschwärmt. Mein Name ist Ongaku. Inhaber des Musiklabels 'Sen no ma'. Normalerweise suche ich auf diese Art keine neuen Künstler. Aber meine Tochter hatte einfach keine Ruhe gegeben. Ich bin jedoch froh, nachgegeben zu haben, denn sie hatte Recht. Ihr seid gut. Außerdem mag ich euer Konzept. Das könnte zu uns passen. Ich möchte mehr von euch hören. Aber hier ist nicht der richtige Rahmen dafür. Was haltet ihr von Probeaufnahmen?“
„Öh...“ Die ThreeLights glotzten Ongaku total von den Socken an, während Kikai vor Freude quietschte. Was geht denn hier gerade ab? So ganz raffte Seiya nicht, was gerade passierte. Hatte er das gerade richtig mitgenschnitten? Kikais Vater war Musikproduzent und wollte mit ihnen Probeaufnahmen machen? Ganz verdattert wechselte Seiya einen Blick mit Kikai, die nur breit Grinsend daneben stand und die Szene beobachtete.
„Also? Was ist? Fehlen euch die Worte?“ Auf Ongaku Lippen lag ein leichtes Lächeln. Geduldig wartete er, bis diese Nachricht zu den ThreeLights durchdrang.
„Ja, ähm“, begann Taiki, brach dann aber ab, um mit Seiya und Yaten einen Blick zu wechseln. In wortloser Kommunikation waren sie schon immer gut gewesen. Auch jetzt sah Seiya genau, dass seine Gefährten noch nicht so ganz glauben konnten, dass sie jetzt so einen riesigen Satz in Richtung Ziel machen könnten. Seiya musste Schmunzeln. Yatens Gesichtsausdruck wechselte von „Verarsch uns ja nicht“ und „Echt jetzt? Geil“. Taiki wusste einfach nicht was er dazu sagen sollte. So langsam kam die Information wirklich bei Seiya an. Vor ihnen stand ein verdammter Musikproduzent und sie bekamen das Maul nicht auf. Ein Musikproduzent!!!! Das Label sagte ihm zwar nichts, aber vermutlich Len. Und egal wie bekannt und groß das Label war, sie wären ganz schön dämlich, wenn sie diese Chance verstreichen ließen.
„Nun...“ Seiya trat etwas näher und verbeugte sich leicht vor Ongaku. „Mein Name ist Seiya.“
„Yaten“ - „Taiki. Freut uns.“ Auch Yaten und Taiki verbeugten sich artig vor dem Produzenten. „Vielen Dank. Wir fühlen uns geehrt. Wir freuen uns, dass Ihnen unsere Musik gefällt. Wir nehmen das Angebot gerne an.“ Seiya musste Yaten und Taiki nicht fragen, ob sie das machen wollten. Er wusste, dass sie in solch einem Fall einer Meinung waren. Sie mussten jede Chance nutzen, um ihre Mission erfüllen zu können.
„Sehr schön. Da es mittlerweile schon recht spät ist, bitte ich euch nächste Woche Mittwoch zu mir ins Label zu kommen.“ Ongaku kramte eine kleine Karte aus seiner Sakkotasche heraus. Auf deren Rückseite schrieb er etwas. Anschließend drückte er sie Seiya in die Hand. Es war eine Visitenkarte. Auf der Rückseite hatte Ongaku Datum und Uhrzeit geschrieben. „Unter dieser Nummer bin ich eigentlich immer erreichbar, auch außerhalb der Betriebszeiten. Sollte also etwas dazwischenkommen, meldet euch bitte. Auch wenn ihr euch doch dagegen entscheidet, bitte ich um eine Nachricht. Meldet ihr euch nicht, gehe ich davon aus, das ihr kommt.“
„Natürlich. Wir werden da sein“, versprach Taiki. „Vielen Dank.“
„Dann ist alles klar.“ Er wandte sich an seine Tochter. „Kommst du gleich mit, oder wollt ihr noch etwas zusammensitzen?“
„Letzeteres.“ Kikai grinste. „Außerdem müssen wir noch aufräumen.“
„Nun gut. Dann wünsche ich euch viel Spaß und wir sehen uns nächste Woche. Bringt mit, was ihr an Musik habt. Dann besprechen wir alles Weitere.“ Ongaku verbeugte sich ebenfalls leicht.
„Alles klar.“ Seiya nickte. „Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Abend.“
„Danke ebenso.“ Ongaku nickte seiner Tochter noch einmal zu, bevor er zur Tür hinaus verschwand. Als Ongaku den Saal verlassen hatte, war es muchmäuschenstill. Kikai sah die ThreeLights freudig an, diese starrten nur fassungslos zurück.
„Ihr habt das auch gerade gehört oder?“, fragte Yaten schließlich und brach damit das Schweigen. Er nahm Seiya die Visitenkarte aus der Hand, drehte und wendete sie ein paar Mal als glaubte er, dass was da drauf stand, würde sich noch ändern. Als Yaten sich sicher war, dass sich auf der Karte nichts änderte, drückte er sie Taiki in die Hand. „Wehe du verlierst die!“
„Ich werde sie mit meinem Leben verteidigen“, murmelte Taiki, ging noch ein wenig druch den Wind zu ihren Sitzen, um die Karte zu verstauen.
„Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich sagen soll“, sagte Seiya ehrlich an Kikai gewandt.
„Du musst nichts sagen“, lachte diese. „Lad' mich mal als Dankeschön zum Essen ein, oder so.“ Yaten hob nur eine Augenbraue. „Wir alle drei, oder willst du wirklich nur mit Seiya auf ein Date gehen?“
„Was soll das denn?“, zischte Seiya Yaten entgegen. Dieser schielte nur vielsagend zu dem Schwarzhaarigen. Einen weiteren Stein im Brett bei der Tochter des Produzenten zu haben, konnte bestimmt nicht schaden.
„Wenn du mich so fragst...“ Kikai grinste. „Seiyaaaa....“
„J-ja...“ Seiya sah Kikai belustigt an. Doch in ihm brodelte es. Yaten dachte nur an seinen eigenen Vorteil. Aber er wollte Kikai nicht ausnutzen. Er mochte sie wirklich gerne. Aber er war noch nie auf einem Date. Und da es ein Dankeschön sein sollte, musste er sich auch darum kümmern. Das konnte ja heiter werden. Er hatte keinen Plan, was er machen sollte.
„Gehen wir gemeinsam Essen, bevor du berühmt wirst und dich sämtliche Fans belagern?“ Kikai klimperte mit ihren langen Wimpern. Als Frau müsste sie das eigentlich kalt lassen. Aber dem war nicht so. Seiya musste sich eingestehen, dass schöne Augen offenbar sehr viel bei ihr bewirkten. Nicht zuletzt ein rasendes Herz. Wenn Kikai nur wüsste, wer er wirklich war. Aber gegen ein Essen war wirklich nichts einzuwenden.
„Du bist ja wirklich voller Zuversicht“, erwiderte Seiya möglichst leger.
„Ja natürlich. Mein Bauchgefühl hat mich noch nie getäuscht. Ansonsten hätte ich Papa nicht so genervt, er solle herkommen.“ Kikai grinste. „Also was ist?“
„Dann muss ich wohl dafür sorgen, dass dein Bauch auch ordentlich verpflegt wird.“
„Ist das ein ja?“ Kikai strahlte.
„Japp.“ Auch wenn sich Seiyas schlechtes Gewissen meldete, stimmte er zu. Trotzdem behagte es ihm nicht so ganz. Da er immer noch kein eigenes Geld besaß, musste er wohl oder übel Len bitten ihm auszuhelfen. Er fühlte sich irgendwie falsch – wie eine Mogelpackung. Aber noch einen Menschen in ihr Geheimnis einweihen, kam nicht in Frage. Und trotzdem. Je länger er darüber nachdachte, umso mehr gefiel ihm die Idee, einfach mal mit jemanden auszugehen, der nicht Len, Yaten oder Taiki war. Mal ganz davon abgesehen gefiel ihm Kikai. Sie war süß, clever und nicht auf den Mund gefallen – eine gute Mischung. Und sie wusste ihre Reize genau einzusetzen. Aber mit einem Musikproduzenten als Vater, bekam man bestimmt eine große Portion Selbstbewusstsein mit in die Wiege gelegt. Auch er war selbstbewusst. Er musste sich eingestehen, dass ihm all die Aufmerksamkeit durchaus gefiel. Und nur weil Seiya den Körper eines Mannes trug, bedeutete das nicht gleich, dass auch seine Seele sich verändert hatte. Er war immer noch er selbst: mit den selben Vorlieben oder Marotten.
„Juchuu!“, rief Kikai und holte Seiya damit aus seinem Gedankenkarussell.
„Na dann ist das ja beschlossen“, brummte Yaten. „Wollen wir dann aufräumen? Bevor ich im Stehen einpenne?“
„Ist ja gut, Giftzwerg“, erwiderte Seiya und streckte sich einmal. „Schau Taiki hat unsere Sachen schon mit nach vorne gebracht.“ Yaten reagierte nicht auf Seiyas Stichelein, sondern kümmerte sich um den Bass. Seiya seufzte nur und packte Lens Gitarre wieder in den Koffer. Kikai half Taiki das Keyboard und die restliche Technik abzubauen. Immer wieder fragte Seiya sich, was hier eigentlich passiert war? Wahrscheinlich würde alles erst morgen früh wieder Sinn machen. Denn mittlerweile war auch Seiya verdammt müde. Und so gerne er in Kikais Gesellschaft war, so wollte er nur noch ins Bett. Demnach war er froh, als sie alle vier zusammen draußen vor der Brick Hall standen und auf das Taxi warteten. Sie würden es sich mit Kikai teilen, denn sie hatte auch keine Lust mehr mit der Bahn heim zu fahren.
„Also. Gute Nacht Jungs“, sagte sie, bevor sie ausstieg.
„Dir auch.“ Seiya lächelte. „Ich rufe dich an!“
„Ich bitte darum. Bis dann!“ Als Kikei ausgestiegen war, rutschte Seiya auf ihren Platz am Fenster. Er hatte sich in die Mitte quetschen müssen, weil Yaten sich strickt geweigert hatte, dabei war er doch sichtlich der Platzsparende. Aber er kannte Yaten gut genug, dass man mit ihm, wenn er müde war, nicht diskutieren konnte.
Als sie das Anwesen betraten, war es still. Shinko war sowieso nicht da und Len war so fertig gewesen, dass er bestimmt auch schon schlief.
„Gute Nacht“, sagte Seiya zu seinen Gefährten. „Ich räume die Gitarre nur noch weg.“
„Dir auch.“ Taiki lächelte müde. Yaten hob nur kurz die Hand. Womöglich war sie sogar schon im Halbschlaf. Die ganzen Ereignisse schlauchten ganz schön. Seiya ging ins Musikzimmer und stellte den Gitarrenkoffer an seinen Platz. Dann machte sich auch Seiya auf dem Weg nach oben. Während er die Treppe hochlief, verwandelte sie sich seufzend zurück. Vor ihrem Zimmer bleib sie stehen, wandte sich um und warf einen Blick zu Lens Zimmertür. Vorsichtig schob sie die Tür auf und linste hinein. Len schlief. Im spärlichen Licht sah er fast ein wenig kränklich aus. Aber das täuschte sicher. Leise schloss Seiya die Tür wieder. Sie ging in ihr Zimmer und ließ sich geschafft aufs Bett fallen. Ihr Kopf hatte ihr zwar noch einiges zu erzählen, doch zwang sie sich dazu einfach nicht darauf zu hören. Sie wollte auch einfach nur schlafen. Morgen war auch noch ein Tag. Sie konzentrierte sich auf ihren Atem. Einatmen. Ausatmen. Einatmen und Ausatmen...

Als sie das nächste Mal wieder bewusst atmete, hämmerten riesige Regentropfen gegen die Scheibe. Sie mochte Regen. Das Rauschen beruhigte sie immer. Außerdem war es schön zu spüren, wie der Planet lebte. Ohne Regen kein Leben. Es sorgte auch jedes Mal bei ihr für einen neuen Energieschub. Deswegen stand sie auf, zog die Tür auf und trat auf den Balkon in den Regen. Mehr denn je spürte sie, dass es Herbst wurde. Es war ganz schön kalt. Der kalte Regen gepaart mit einer frischen Brise jagten ihr eine Gänshaut über den Körper. Aber so wirklich störte das Seiya nicht. Das war gut für den Kreislauf. Seiya lächelte und streckte ihre müden Knochen. Es dauerte nicht lange, da war sie bis auf die Knochen durchnässt. Aber das war egal. Das machte sie auch immer auf Kinmoku. Es gab keinen Winter, nur eine Regenzeit. Yaten hasste sie. Taiki war es egal. Seiya liebte sie. Früher war sie immer mit ihrer Mutter über die Wiese durch den Regen gesprungen, hatten versucht so viele Regentropfen wie möglich zu haschen. Sie hatte gesagte, dass wenn Seiya genügend Tropfen gesammelt hatte, sich ein Wunsch erfüllen würde. Und immer hatte sich ein paar Tage später eine kleine Aufmerksamkeit auf Seiyas Bett befunden. „Mum...“ Auch wenn die Erinnerung ein wenig weh tat, erstarb das Lächeln auf Seiyas Lippen nicht. Diese Erinnerung war viel zu schön, um sie zu beweinen – ja fast ein wenig tröstend. Als Kind hatte sie die kleinen Geschenke immer mit großen Augen bewundert. Je älter sie natürlich wurde, umso mehr verschwand der Zauber. Das kleine Ritual machten sie trotzdem. Sie tanzten gemeinsam und Seiya erzählte ihrer Mutter, was sie im Augenblick brauchte. Von neuen Plektren bishin zu Schulsachen war alles dabei. Auch wenn sie natürlich wusste, dass ihre Mutter die Wünsche erfüllt hatte, streckte Seiya trotzdem die Arme nach oben in den grauen Himmel. „Bitte... Ich wünsche mir für jeden Regentropen, der niedergeht, einen Überlebenden auf Kinmoku. Wünsche mir, dass wir die Prinzessin bald finden, damit wir nach Hause zurück können“, sagte Seiya leise, gen Himmel. Sie mochte die Erde und die Menschen auch, aber in diesem Augenblick, packte sie die Sehnsucht nach ihrer Heimat, nach ihrer Prinzessin, die das ein oder andere Mal mit durch den Regen getanzt war. Als beste Freundin ihrer Mutter hatte Seiya womöglich viel mehr, sonst verborgene, Seiten Kakyuus sehen dürfen, als alle anderen. Schon als Kind hatte sie Kakyuu vergöttert, was im Laufe der Jahre zu einer tiefen Bewunderung und Verehrung geworden war. Die Prinzessin war alles für sie. Die Schwarzhaarige würde alles für sie tun. Wirklich alles. Sogar töten. Was sie ja auch schon getan hatte. Sie dachte an Oppetta und Kastella. Ihre Hände waren mit dem Tod beschmutzt. Lange hatte Seiya diese Gedanken beiseite geschoben. Jetzt ließ sie diese Gedanken aber zu, stellte sich einfach vor, wie der Regen diese Sünde von ihr wusch, wie der Regen sie durch und durch reinigte. Diese Bürde würde sie für immer mit sich tragen. Diese Tat würde sie nie wieder gutmachen können. Und dennoch versuchte sie sich einzureden, dass es die einzig mögliche Lösung gewesen war. Sie war eine Mörderin. Und eine Lügnerin obendrein. Ihr Gedankenkarussell drehte sich weiter, holte Kikai in ihre Erinnerung. Sie würden Essen gehen. Aber Seiya war sich nicht sicher, wie viel Kikai diese Verabredung bedeutete, ob sie sich irgendwelche Hoffnungen machte. Sich als Mittel zum Zweck zu tarnen, war die eine Sache, Menschen, die sie mochte damit an der Nase herumzuführen, ging ihr leicht gegen den Strich. Natürlich hatte Kikai keine Ahnung von ihrer wahren Idendität, dennoch blieb Seiya das schlechte Gefühl dabei. Aber sie hatte dem Date ja nun schon eingewilligt. Da musste sie wohl durch. Aber mit Yaten und Taiki brauchte sie nicht über diese Sorgen sprechen. Yaten hatte ihren Standpunkt gestern Abend schon mehr als deutlich gemacht. Es war sehr wahrscheinlich, dass auch Taiki ähnlich dachte. Sie mussten alles nutzen, was sie weiter brachte. Aber es ging eigentlich gegen Seiyas Grundprinzipien, dafür jemanden auszunutzen. Len würde ihr da bestimmt zustimmen. Len! Seiya ließ die Arme sinken, langsam waren die auch echt schwer geworden. Len würde sie bestimmt verstehen. Sie hatte ihn auch eigentlich schon längst nach Kikai und den anderen Studenten fragen wollen. Das würde sie gleich tun. Aber vorerst wartete eine heiße Dusche auf sie. Langsam begann Seiya wirklich zu frieren. Ihre Mutter hatte immer gesagt: das erste Frieren ist nicht so schlimm, dass könne man aushalten. Das zweite Frieren sei gefährlich, weil der Körper dann unterkühlt. Außerdem hatte Seiya keine Lust krank zu werden. Nicht nach der Einladung zu den Probeaufnahmen.

„Ach guten Morgen, du Langschläfer“, sagte Len, als sie die Küche betrat. Yaten und Taiki saßen bereits am Frühstückstisch.
„Gute Morgen.“ Seiya goss sich erst einmal Tee ein. „Ich bin aber schon eine ganze Weile wach.“
„Stimmt. Ich habe dich auf dem Balkon im Regen stehen sehen.“ Taiki schüttelte nur den Kopf. Seiya wusste genau, was sie dachte. Taiki hielt sowas nämlich für total unnötig.
„Bäh... wie kann man sowas nur freiwillig tun“, kommentierte Yaten bevor sie sich etwas Reis in den Mund schob.
„Wieso das denn?“, fragte Len überrascht. Er reichte Seiya eine Schüssel Reis und wies sie dann an sich ebenfalls zu setzen.
„Mir war danach“, antwortete Seiya einfach, während sie Len ein wenig beobachtete. Jetzt war das Licht zwar auch nicht sonderlich gut, aber er sah nicht mehr so krank aus, wie in der Nacht. Dennoch zierten sein Gesicht ein paar hübsche Augenringe. Wer wusste schon, wie lange Len gestern noch wach gelegen hatte.
„Okay. Na hoffentlich wirst du nicht krank. Yaten und Taiki haben mir schon von eurem Erfolg berichtet. Glückwunsch, das ist echt cool. Das ist kein kleines Label. Die haben ein richtig gutes Tonstudio.“
„Ich werde schon nicht krank. Aber was ich dich schon immer mal fragen wollte: kennst du all die Studenten eigentlich? Jui, Maya und Ava? Kikai kennst du, hattest du gesagt. Sie meinten auch, dass sie in Tokyo studieren.“ Seiya wollte gerade nicht über sich reden, sonder einige Dinge von Len wissen.
„Nur flüchtig. Wir studieren alle etwas anderes. Aber man trifft sich ja doch ab und an mal. Kikai Ongaku, den Namen kennt man an der Uni. Sie organisiert immer Mal Veranstaltungen. Ich glaube sie hat jetzt ihr letztes Semester begonnen“, erklärte Len.
„Und wusstest du, dass ihr Vater Produzent ist?“, wollte Yaten wissen.
„Ja.“ Len lachte verlegen. Er sah entschuldigend drein, als die ThreeLights ihn missbilligend ansahen.
„Das ist eine wichtige Info, warum hast du nichts gesagt?“, meckerte Yaten und wedelte mit ihren Stäbchen vor Lens Gesicht herum.
„Das macht man nicht, Yaten.“ Leb schob die Hand runter. „Merke dir das. Bei uns Japanern ist das eine Beleidigung.“
„Oh, das tut mir aber leid. Also?“ Yaten legte die Stäbchen weg und verschränkte mürrisch die Arme vor der Brust. Seiya gluckste. Schlechtes Wetter, schlechte Laune.
„Weil es noch nicht der richtige Zeitpunkt war, euch das zu sagen. So ganz ohne Konzept und vor allem ein paar Songs, hätte es nichts gebracht. Dass ich den Flyer gesehen habe, war wirklich nur Zufall. Dass Kikai das moderiert, wusste ich auch nicht. Ich war ja seit letztem Semester nicht mehr in der Uni. Ich hätte euch schon noch dahingehend geholfen, aber das ist ja nun nicht mehr notwendig.“
„Da magst du Recht haben.“ Taiki nickte.
„Ich kann euch gerne etwas über das Label erzählen.“
„Nein“, unterbrach Seiya ihn. „Jetzt nicht. Das kann warten. Viel wichtiger ist, wie es Shinko geht.“
„Richtig. Wie war's im Krankenhaus?“, fragte Taiki. „Wir hatten uns ja gestern nicht noch einmal gesehen.“
Die gute Laune wich aus Lens Gesicht. Er legte seine Stäbchen ebenfalls beiseite. Die Trauer stand in seinen Augen. „Im Augenblick geht es ihr den Umständen entsprechend. Aber ihr Zustand ist stabil. Dennoch … der Arzt hat gesagt, dass wir uns langsam mit dem Gedanken abfinden müssen, dass sie womöglich das neue Jahr nicht mehr erleben wird.“
Seiya hatte gar nicht gemerkt, wie sie die Luft angehalten hatte. Sie atmete geräuschvoll aus und legte ihre Hand auf seine.
„So ist das...“, sagte Taiki leise. Auch sie hatte aufgehört zu essen. „Tut mir Leid...“ Daraufhin schwiegen sie. Yaten zog die Knie an den Körper und machte sich auf den Stuhl ganz klein. Taiki ruckte mit ihrem Stuhl zu ihr herum, um sie zu trösten.
„Ein Teil von mir, hat es eigentlich schon gewusst“, fuhr Len leise fort. „Aber es so klipp und klar gesagt zu bekommen...“
„Das ist ein Schlag ins Gesicht.“ Seiya lehnte ihre Stirn auf Lens Schulter. Eigentlich hing dieses Thema schon lange in diesen Wänden. Aber nun die Gewissheit zu haben, schmerzte ganz schön. Dabei waren sie noch nicht einmal mit Shinko verwandt. Trotzdem konnte Seiya verstehen, was Len fühlte. Sie mochte sich gar nicht vorstellen, wen sie womöglich alles verloren hatte, ohne es gerade zu wissen. Das war wahrscheinlich noch schlimmer. Und das war womöglich auch das, was Yaten so sehr mitnahm.
„Wie geht es Shinko damit?“, fragte Taiki vorsichtig.
„Ihr wisst wie sie ist.“ Len seufzte. Ein trauriges Lächeln, erschien auf seinen Lippen. „Sie will so schnell wie möglich nach Hause. Wenn, möchte sie hier sterben und noch so viel wie möglich von uns miterleben. Aber eine Woche wird sie wohl noch im Krankenhaus bleiben. Wenn sie dann stabil ist, kann sie heim.“
Ohne Vorwarnung erhob sich Yaten. „Ich bin satt...“ Sie verließ die Küche. Seiya sah ihr traurig nach. Ihrer Freundin würden bestimmt die selben Gedanken durch den Kopf gehen, wie ihr selbst. Wie hoch war denn die Wahrscheinlichkeit, dass all ihre Freunde und Familie Galaxias Angriff überlebt haben? Das konnte selbst Taiki nicht errechnen. Diese erhob sich ebenfalls.
„Ich gehe zu ihr. Sie sollte jetzt nicht alleine sein.“
„Danke.“ Nachdem Taiki den Raum verlassen hatte, lehnte sich Seiya zurück. Einen Augenblick beobachtete sie Len, wie er einfach nur da saß. Dann erhob auch er sich und begann ziellos in der Küche Dinge von A nach B zu räumen. Seiya seufzte. Sie spürte Lens Trauer und Verzweiflung. Es tat ihr in der Seele weh. Aber dieses Rumhandtieren machte sie irgendwie unruhig. Also trat sie zu Len, nahm ihm den Teller aus der Hand und den Rothaarigen in den Arm. Auch wenn ihr selbst zum Weinen zumute war, musste sie nun für Len stark sein. Es schien für Len eine kleine Erlösung zu sein, aus diesem Trott geholt zu werden, denn er schlang die Arme um Seiya, krallte seine Hände regelrecht in ihr Shirt. Keiner der beiden sagte etwas. Seiya hielt Len einfach im Arm. Nun konnte sie für ihn da sein, ihm etwas zurückgeben. Irgendwie konnte sie sich ein Leben ohne Len nicht mehr vorstellen. Sie versuchte so angestrengt nicht daran zu denken, wie es ohne ihn auf Kinmoku sein würde, dass auch sie sich an Len festkrallte. Auf Kinmoku war sie mit Sorgen immer zu ihrer besten Freundin gegangen. Nun fragte sich Seiya, ob sie ihren Sternenkristall noch besaß. Die einzige unter ihnen, die die Geburt und das Erlöschen von Sternen genau spüren konnte, war Yaten. Aber zu so etwas äußerte sich die Kleinste der ThreeLights nicht. Seiya war sich auch nicht sicher, ob sie wirklich nachfragen wollte. Eine negative Antwort würde sie nur noch mehr runterziehen. Warum musste das auch so lange dauern?
„Au, Seiya. Nicht so doll“, zichste Len und lockerte seinen Umarmung. Seiya schreckte aus ihren Gedanken. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie sich ihr Griff immer weiter verstärkt hatte. Auch sie ließ von ihm ab.
„Tschuldige.“
„Schon okay.“ Len sah sei traurig an. „Hast du an Zuhause gedacht?“
„Ja...“ Seiya nickte, sah dann aus dem Fenster, als könnte sie da draußen einen Blick auf die Situation auf Kinmoku erhaschen. „Mich macht es einfach mürbe, dass ich so gar nicht weiß, was Zuhause abgeht...“
„Ich weiß... das ist nicht einfach...“ Len seufzte einmal schwer. „Im Augenblick ist alles … ach sagen wir, das Wetter passt zur Gesamtsituation...“ Nun lächelte er leicht. „Obwohl ihr ja nun doch eine große Chance habt, dass eure Botschaften raus ins Land gehen.“
„Stimmt.“ Seiya wandte sich wieder vom Fenster ab. Sie nahm sich ihre Reisschüssel und machte sie sich in der Mikrowelle noch einmal warm. „Auf Regen folgte Sonnenschein. Es muss weiter gehen. Wenn wir uns jetzt unterkriegen lassen, war alles umsonst. Außerdem wünscht es sich auch Shinko so sehr.“
„Das ist wahr.“ Len setzte sich wieder zu ihr an den Tisch, damit sie nicht alleine essen musste. Er selbst aß nichts. Ihm war bestimmt das Essen vergangen.
„Len...“, begann Seiya, nahm dann aber erst einmal einen Bissen. Irgendwie hatte sie trotz allem Hunger.
„Ja.“ Er nahm einen Schluck Tee.
„Wie gut kennst du Kikai. Nicht wegen dem Label... eher menschlich...“ Jetzt war wahrscheinlich ein guter Moment, das Date anzusprechen, ohne, dass Taiki und Yaten dazwischenfunkten.
„Geht so. Warum?“
„Haben dir Taiki und Yaten auch von dem Date erzählt?“, fragte Seiya zwischen zwei Bissen.
„Nein, haben sie nicht.“ Nun sah Len belustigt drein. „Was für ein Date? Mit Kikai?“
„Ja... Es ging um ein Dankeschön für ihre Hilfe. Und sie hat vorgeschlagen Essen zu gehen. Bevor ich mich versah, wurde ein Date draus... Versteh mich nicht falsch: ich mag Kikai wirklich gerne. Sie ist süß. Und natürlich ist die ganze Aufmerksamkeit gut für mein Ego... Aber ich fühle mich nicht wohl bei der Sache, wie eine Mogelpackung. Verstehst du? Sie findet Seiya den Jungen toll... Ich war auch noch nie auf einem Date. Mal ganz davon abgesehen, dass ich eh kein Geld habe.“
„Ach Süße!“ Len hielt inne, als erwartete er darauf eine Erwiderung.
„Ich bin nicht süß.“ Seiya lachte leise. „Kikai ist süß...“
„Stehst du auf sie?“, fragte Len belustigt.
„Weiß nicht. Vielleicht. Keine Ahnung. Bei solchen Empfindungen fragt mich mein Körper ja nicht.“ Was wusste sie schon? Noch so ein leidiges Thema, mit dem sie sich zu dieser ungünstigen Zeit herumschlagen musste.
„Du gehst auf jeden Fall mit ihr Essen. Nutze einfach die Chance die Menschen so besser kennzulernen und mal auswärts essen zu können. Mach dir wegen des Geldes keine Sorgen. Du kriegst Taschengeld von mir.“
„Ach Len...“ Seiya stöhnte resigniert auf. „Wahrscheinlich werde ich irgendwann doch wieder zur Erde kommen müssen, um dich mit einem Haufen Gold zu überschütten.“
„Oh ja bitte.“ Len schüttelte nur lächelnd den Kopf. „Aber mir würde es reichen, wenn du dann dich und die anderen beiden Sterne mitbringst. Das reicht mir. Meine Familie hat so viel Geld, dass ich mich manchmal selbst immer etwas schlecht damit fühle. Es ist schön auf diese Weise etwas abgeben zu können. Das sehen meine Eltern vielleicht etwas anders. Aber Granny und ich geben es gerne. Aber wenn es dich glücklicher Macht, sieh es als Leihgabe an und zahl es einfach irgendwann zurück, wenn ihr berühmt seid.“
„Noch so einer, der sich dessen ziemlich sicher ist. Kikai hat das auch schon gesagt...“
„Na ja. Wenn Ongaku euch schon zu Probeaufnahmen einlädt? Ich bin mir sicher, das Kikai ihn noch gehörig bearbeiten wird...“ Len stuppste Seiya mit dem Fuß an. „Und bisher seid ihr doch durchweg gut angekommen. Hab etwas mehr Vertrauen.“
„Versuche ich ja. Ich kann halt die Menschen schwer einschätzen. Aber deshalb gehe ich ja auf ein Date... Learning by Doing war schon immer meine Devise.“
„Gute Einstellung. Aber du warst noch nie auf einem Date?“, wollte Len wissen.
„Nein. Ich hatte andere Interessen. Aber es ist irgendwie so, wie als du mich in meiner männlichen Form geküsst hast. Es fühlt sich irgendwie falsch an. Aber noch jemanden einzuweihen, steht auch nicht zur Debatte. Zumindest wären Yaten und Taiki strickt dagegen. Dass du es weißt, war ja auch eher ein Unfall und eigentlich nicht gewollt. Was nicht heißen soll, dass wir diesen Unfall verteufeln. Es war eher unser Glück.“
„Ich verstehe deine Bedenken. Aber das kann ich nicht für dich entscheiden. Du lobst doch immer dein Bauchgefühl und deinen Instinkt. Schau, was die sagen. Ich habe Kikai als eine sehr lustige, abenteuerlustige und vertrauensvolle Person kennengelernt. Schau doch einfach wie es läuft und entscheide aus dem Bauch heraus.“ Len grinste und lehnte sich näher zu Seiya.
„Was?“, fragte diese verwirrt. Sie ruckte ganz automatisch wieder zurück. Nicht, dass Len auf komische Gedanken kam.
„Nichts. Ich musste nur an was denken.“
„An was?“ Seiya hob misstrauisch eine Augenbraue.
„Das findest du besser selbst heraus.“
„Hä?“ Seiya hatte keinen Plan, was Len da von sich gab. Aber er hatte Recht. Das musste sie für sich selbst entscheiden.
„Alles gut, Süße. Zerbrich dir nicht so sehr dein hübsches Köpfchen darüber.“ Len wuschelte ihr durch die Haare.
„Hey!“ Doch musste auch sie lachen. Len schien es wieder etwas besser zu gehen. Vielleicht konnte sie ihn mit diesem Thema etwas ablenken. „Hilfst du mir ein cooles Restaurant zu finden. Ich glaube nämlich nicht, das Kikai auf 0815 steht.“
„Definitiv nicht.“ Len nickte. „Wann wollt ihr denn gehen?“
„Gute Frage. Ich würde es nach dem Probeaufnahmen machen. Vorher kann ich mich wahrscheinlich eh auf nichts anderes konzentrieren“, überlegte Seiya.
„Gut. Dann ist ja noch etwas Zeit. Ich find schon was Cooles. Aber du kannst ja mal in den Zeitschriften schauen, ob irgendwo vielleicht eine Werbeanzeige drin ist, die dir zusagt“, schlug Len vor.
„Gute Idee.“ Seiya nickte und warf eher unbewusst einen Blick aus dem Fenster. „Hey, es hat aufgehört zu Regnen.“
„Ja. Die Sonne kämpft sich durch.“ Len war Seiyas Blick gefolgt.
„Kommst du mit raus? Ich finde die Luft nach einem Regen immer wunderbar“, fragte Seiya.
„Nee, geh du ruhig. Ich räume hier erstmal auf.“
„Na gut. Danke.“ Seiya erhob sich. „Wenn du aber jemanden zum Auskotzen brauchst...“ Sie deutete auf sich.
„Ich weiß, Seiya. Danke. Aber es geht schon.“
„Ich wollte es nur noch mal gesagt haben.“ Len nickte. Anschließend holte sich Seiya ihre Jacke und ging hinaus in den Garten. Sie schlenderte zwischen den Beeten entlang. Es roch frisch und blumig zugleich. Auf den späten Blüten, tummelten sich eine Menge Tropfen, die wie kleine Edelsteine glitzerten, sobald ein Sonnenstrahl sie erreichte. Seiya atmete ein paar Mal tief durch. Sie überlegt was Len mit seiner einen Bemerkung meinte. Was sollte sie alleine herausfinden? Es war doch nur ein Date. Die Schwarzhaarige blieb stehen. Meinte er womöglich...? Seiya spürte wie ihr Gesicht warm wurde. Soweit hatte sie noch gar nicht gedacht. Sie wäre auch gar nicht auf die Idee gekommen. „Na danke, Len.“ Nun würde sie das immer im Hinterkopf haben. Im Augenblick verspürte sie auch nicht das Bedürfnis danach. „Sag niemals nie“, ploppte die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf auf. Aber ob Kikai sie so sah? Ob sie wollen würde? Aber als Mann? Was, wenn sie wüsste, wer Seiya wirklich war? „Argh.“ Seiya raufte sich die Haare. Wahrscheinlich hatte Len genau das beabsichtigt. Als wenn sie nicht genug andere Sorgen hatte.
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