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Tales of Starlight 1: Anothers Life

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Chibi-Usa / Sailor Chibi Moon / Serenity III Pegasus / Helios Seiya Kou / Sailor Star Fighter Taiki Kou / Sailor Star Maker Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II Yaten Kou / Sailor Star Healer
25.04.2021
06.02.2022
46
232.945
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Dieses Kapitel
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22.08.2021 6.201
 
„Wo ist Shinko?“, fragte Seiya mit rasendem Herzen.
„Im Krankenhaus“, sagte Len tonlos und sank auf den Küchenstuhl, der ihm am nächsten stand. Sofort war Seiya bei ihm und setzte sich zu Len. Ihr Hunger war wie weggeblasen.
„Was ist passiert?“ Seiya hatte sofort ein schlechtes Gewissen, dass sie Len und Shinko alleine gelassen hatte.
„Ich weiß es nicht genau...“ Len stützte den Kopf auf den Händen ab. „Als ich heute morgen wie immer zu ihr bin, lag sie … neben dem Bett … mit einer Platzwunde am Kopf.“ Seiya legte einen Arm um Len, der offensichtlich Mühe hatte, diese Bilder zu verarbeiten. „Als sie nicht sprechen konnte, habe ich den Krankenwagen gerufen... Die Ärzte vermuten Schlaganfall...“ Seiya wusste nicht was das war, doch sie traute sich nicht nachzufragen, nicht weil sie die Antwort nicht ertragen konnte, sondern weil sie nicht wollte, dass Len ihr das auch noch vorkauen musste. Stattdessen strich sie ihm sanft über den Rücken. Als Seiya nicht antwortete, sprach Len weiter. „Bei einem Schlaganfall oder Hirnschlag kommt es zu einer plötzlichen Störung der Hirnfunktion. Meistens durch eine Verminderung der Hirndurchblutung... Das ist hier auf der Erde einer der höchsten Notfälle...“ Seiya schluckte. Len musste nicht weiter erzählen. Sie konnte sich denken, was das bedeutete. Trotzdem schien es Len irgendwie zu helfen, darüber zu reden, denn er sprach weiter. „Wenn dem Hirn Blut und Sauerstoff fehlt, kann das böse enden. Die Ärzte machen jetzt Test, um zu schauen, wie schwerwiegend es ist... und ob es Folgeschäden gibt. Ich kann mich auf nichts anderes konzentrieren. Sie rufen mich an, wenn die Ergebnisse da sind und ich wieder ins Krankenhaus kommen kann. Ich habe den ganze Vormittag Sachen von A nach B geräumt, weil ich nicht wusste wohin mit mir...“
„Warum hast du mich denn nicht geweckt...“, fragte Seiya und versuchte dabei nicht vorwurfsvoll zu klingen. Dass sie das verschlafen hatte, brach ihr das Herz. Sie hätte wahrscheinlich nicht helfen, aber Len beistehen können.
„Ich wollte, dass ihr nach dieser Nacht ausschlaft. Da ihr das Blaulicht des Notarztes nicht gehört habt, müsst ihr bestimmt ausgelaugt sein...“
„Len...“ Seiya schluckte die aufkommenden Tränen runter.
„Das ist doch alles Scheiße... Seiya...“, murmelte Len verzweifelt. „Weißt du was mich daran am meisten schockiert?... Granny schien das die ganze Zeit geahnt zu haben...“
„Ja...“ Die Freunde nahmen sich nun richtig in den Arm, hielten sich gegenseitig einfach fest. „Sie hat immer mal wieder sowas durchklingen lassen...“ Natürlich ging es Shinko nicht gut. Dass es aber nun so plötzlich kam, war entweder ein beschissener Zufall, oder es hatte etwas mit den Vorkommnissen in Tokyo zu tun.
„Was ist denn mit euch los?“, fragte eine Stimme von der Tür. Seiya sah auf. Yaten und Taiki standen in der Tür und sahen sie verwundert an. „Wo ist Shinko?“
„Setzt euch“, bat Seiya, die Len immer noch im Arm hielt. Len so zu sehen, nahm sie mindestens genauso sehr mit, wie die schlechten Nachrichten von Shinko.
„Was ist passiert... Len...“ Taiki sah abwechselnd von Len zu Seiya.
„Shinko ist im Krankenhaus“, erklärte Len kraftlos. „Die Ärzte vermuten eine Unterversorgung des Gehirns.“
„...“ Taiki sah sie fassungslos an, von Yaten hörte sie nur ein undeutbares Fiepen. „Ist sie am Leben?“, fragte Taiki behutsam.
„Ja.“ Len nickte und richtete sich wieder auf. „Zuletzt konnte sie aber nicht mehr sprechen... Das ist eigentlich ein klares Zeichen für einen Schlaganfall... Ich hoffe, dass die Ärzte bald mal anrufen...“
Es entstand eine merkwürdige Stille zwischen ihnen. Keiner wusste so recht etwas mit sich anzufangen, geschweige denn was sie sagen sollten. Alle Gedanken waren im Augenblick bei Shinko. Jeder von ihnen hoffte, dass es noch einmal glimpflich ausgegenagen war. Seiya bildete sich ein, dass kein Anruf auch ein gutes Zeichen war, dass die Ärzte immer noch Tests machten. Das bedeutete, das Shinko immer noch lebte. Obwohl Seiya schon gerne wissen wollte, wie es Shinko jetzt im Augenblick ging, ob sich ihr Zustand verbessert hatte. Wie sollte sie sich da heute noch auf etwas anderes konzentrieren?
Seiya seufzte und sah ihre Gefährtinnen an. „Was meint ihr? Rufen wir Kikai an und sagen für heute Abend ab?“, fragte sie leise in die herrschende Stille hinein.
„Ja... ich denke sie wird das verstehen“, stimmte Taiki zu. Yaten sagte immer noch nichts. Vermutlich war sie immer noch zu schockiert von der Nachricht. Sie war in solchen Sachen immer sehr sensibel. Irgendwann würde es aus ihr herausbrechen, wie an dem einen Morgen, als Shinko deutlich gemacht hatte, dass sie nicht mehr lange leben würde.
„Nein!“, sagte Len bestimmt.
„Was nein?“ Seiya sah Len verwundert an.
„Ihr sagt es nicht ab.“
„Aber...“ Seiya wusste gar nicht wo sie anfangen sollte. „Glaubst du wir haben da jetzt die Nerven dazu? Glaubst du wir können uns heute auf Musik konzentrieren?“
„Seiya hat Recht.“ Taiki schluckte. Wahrscheinlich waren auch ihre Nerven gerade am Ende. „Shinko ist uns wichtig, wir können nicht einfach so tun, als wäre nichts passiert...“
„Sollt ihr auch nicht, aber hier rumsitzen bringt weder uns noch euch etwas“, erwiderte Len.
„Aber wenn wir das heute Abend versauen, bringt uns das auch nichts“, murmelte Seiya und zuckte zusammen als Len neben ihr die Faust auf den Tisch schlug und aufstand.
„Das glaube ich nicht. Und selbst wenn... Habt ihr vergessen, für wen ihr das macht?“, fragte Len wütend. „Ihr macht das nicht für Shinko und auch nicht für mich...“
„Nein das haben wir nicht vergessen“, blaffte Seiya zurück. „Aber du tust gerade so, als geht uns die Sache mit Shinko gar nichts an.“
„Genau, tut es auch nicht. Sie ist meine Großmutter... und ihr... IHR... SEID NUR IRGENDWANN VOM HIMMEL GEFALLEN UND HABT EUCH HIER EINGENISTET!“, schrie Len Seiya ins Gesicht. Er schob den Stuhl so doll nach hinten, dass er umfiel. „IRGENDWANN SEID AUCH IHR WIEDER WEG... KÜMMERT EUCH DOCH EINFACH UM EUREN KRAM!“ Len verließ fluchtartig den Raum, ohne auf die Rufe der Mädchen zu achten.
„Was war das denn jetzt?“ Seiya starrte zur Tür, durch die Len verschwunden war. Der aufkeimende Ärger von gerade verpuffte sofort wieder. Das hätte so nicht laufen sollen. Lens Worte verletzten sie, dennoch war sie ihm nicht böse. Sie konnte verstehen, dass Len gerade auf dem Zahnfleisch ging.
„Das hat er sicher nicht so gemeint“, sagte Taiki, die betreten auf den Tisch blickte.
„Aber er hat recht.“ Yaten meldete sich zu Wort. Ihre Stimme war leise und ein wenige brüchig, als kämpfte sie mit den Tränen. „Wir singen für unsere Prinzessin. Deswegen machen wir den ganzen Mist ja...“ Sie musste sich unterbrechen, da sie kurz davor war in Tränen auszubrechen. „Wir haben so hart gearbeitet, … wir dürfen diese Chance nicht verstreichen lassen … auch Shinko zu Liebe.“
„Ja...“ Seiya atmete einmal geräuschvoll aus. „Sie ist diejenige, die am meisten an uns glaubt. Wahrscheinlich jetzt noch...“
„Dann lasst uns doch heute einen der Songs für Shinko singen. Wir spielen doch eh zwei. Einen für die Prinzessin und einen für Shinko“, schlug Taiki vor.
„Nehmen wir dann trotzdem, See me?“, fragte Yaten, die ein leichtes Lächeln auf den Lippen hatte. Offenbar gefiel ihr die Idee.
„Ich würde sagen ja. Es geht doch um Liebe und Zuversicht, die einem immer dazu bringt, nicht aufzugeben. Wir singen doch: It's our era....“ Seiya erhob sich nun ebenfalls. „Außerdem haben wir den Song ja nun schon eingespielt... Ich sehe mal nach Len...“
„Tu das.“ Taiki nickte. Seiya verließ die Küche. Sie wollte nicht, dass Len mit seinen Sorgen alleine war. Sie hatte nun schon den ganzen Morgen verschlafen. Ihr Freund hatte sich immer für sie aufgeopftert, hatte immer ein offenes Ohr gehabt, nun wollte sie auch mal für ihn da sein. So machten das Freunde. Selbst, wenn sie sich einmal anschrien. Im Wohnzimmer und im Garten war Len nicht. Die Schwarzhaarige blieb kurz unschlüssig im Foyer stehen und überlegte, wo Len eher sein könnte: bei sich oder bei Shinko im Zimmer. Sie enstchied sich für ersteres. Zumindest würde Seiya es nicht lange in dem Raum aushalten, hätte sie dort Shinko gefunden. Also ging sie nach oben. Lens Zimmertür war zu. Sie atmete einmal durch bevor sie klopfte.
„Len?“ Seiya lauschte. Als sie keine Antwort bekam, schob sie die Tür vorsichtig auf. Len lag seitlich auf dem Bett und weinte. „Len...“ Dieser Anblick trieb Seiya sofort die Tränen in den Augen. Es tat ihr im Herzen weh. Den sonst so aufgeweckten jungen Mann, der immer ein Lächeln und einen neckischen Spruch auf den Lippen hatte, so aufgelöst zu sehen, machte sie fertig. Ohne weiter darüber nachzudenken, ging sie rüber zum Bett und legte sich auf die freie Seite. Vorsichtig schlang sie die Arme um Len und schmiegte sich an seinen Rücken. Sie schwieg. Wenn Len reden wollte, würde er es tun. Bis dahin, würde sie einfach bei ihm liegen, damit er nicht alleine war. Sie spürte wie sich Lens Hände auf ihre legten, dass er damit einverstanden war, dass sie bei ihm lag. Auch wenn alles im Augenblick einfach beschissen war – gemeinsam weinte es sich besser. „Irgendwann seid auch ihr wieder weg...“, kamen ihr Lens Worte in den Sinn. Jetzt erst kapierte sie, was er damit meinte, dass er gar nicht sauer auf sie war. Ihr Griff um Len verstärkte sich. Ja, irgendwann würden sie gehen. Irgendwann würde sie Len zurücklassen und keiner von ihnen wusste, ob Shinko dann noch da war. Len hatte natürlich seine Freunde und Familie, aber mit Shinko verband ihn etwas Besonderes: Die Liebe zur Musik. Sie wusste selbst, wie sehr das zusammenschweißte. Genau das hatte auch Len und sie zusammengebracht, hatte sie ganz von selbst zu Freunden werden lassen. Seiya schluchzte auf. Regelupdate Nummer 3 für fremde Planeten, auch wenn sie wusste, dass sie sich nicht daran halten würde: Wenn du weißt, du musst wieder gehen, schließe keine Freundschaften. Das tut nur weh...
„Seiya... Warum weinst du?“, fragte Len leise.
„Wegen allem“, schniefte sie. „Wegen dir...“
„Wegen mir?“ Len löste Seiyas Arme von sich und drehte sich zu ihr um. „Oh Gott... hey...“ Er wischte ihr sanft über die Wange.
„Tschuldige... ich kann einfach nicht aufhören...“ Seiya brauchte einen Augenblick, um ihre Fassung wiederzuerlangen. Das ging ihr alles verdammt nahe.
„Seiya... es tut mir leid. Ich wollte euch – dich – nicht anschreien...“ Len seufzte. „Es ist mit mir durchgegangen. Das ist alles etwas viel...“
„Ich weiß. Ich verstehe das.“ Seiya nickte und wischte sich mit dem Arm über die Augen.
„Hier, nimm nen Taschentuch.“ Len hielt ihr die Packung hin.
„Danke.“ Mit fahrigen Fingern zog sie sich ein Taschentuch raus und trocknete sich das Gesicht ab. So viel geheult wie in dem letzten halben Jahr, hatte sie ihr ganzes Leben noch nicht. „Du hast recht gehabt, Len...“ Seiya sah ihn mit einem schwachen Lächeln an. „Wir gehen heute Abend da hin. Einen Song singen wir für Kakyuu, den anderen für Shinko. Sie wünscht es sich so sehr, dass wir es schaffen. Sie ist diejenige, die am meisten an uns glaubt. Dank ihr, sind wir überhaupt hier...“
„Das ist schön...“ Len wischte sich die Tränen mit der Hand weg.
„Hier nimm ein Taschentuch!“ Seiya konnte einfach nicht anders. Wie erhofft, musste Len leise lachen.
„Schon kapiert...“ Auch Len nahm sich ein Taschentuch. „Weißt du Seiya … mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, dass ihr irgendwann auch nicht mehr da sein werdet. Und es ist dann ja nicht so, dass ihr einfach in einer anderen Stadt lebt … es geht hier um einen anderen Planeten... Ihr seid mir sehr ans Herz gewachsen. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie es dann ohne euch sein wird. Ich mein … keiner mehr zum necken da... wen soll ich dann Süße nennen?“
„Deine Topfpflanze?“ Seiya spürte wie ihre Mundwinkel nach oben wanderten. „Schau, ich glaube die braucht etwas Wasser.“
„Seiya...“ Len schüttelte lachend den Kopf. „Das meinst du doch nicht ernst?“
„Nein.“ Seiya setzte sich nun wieder aufrecht hin. „Ich habe mich mittlerweile so dran gewöhnt, dass du mich so nennst.“ Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, wollte sie nicht, dass Len irgendwen oder irgendwas 'Süße' nannte. Das war ihr Ding.
„Du bist echt unglaublich.“
„Ich weiß.“ Seiya grinste. „Ich schaffe es nicht nur dich sondern auch mich selbst aufzuheitern.“
„Und selbst dein Ego zu streicheln“, ergänzte Len. Er atmete einmal tief durch. Der ganze Druck schien ein wenig von ihm zu fallen. „Danke Süße...“
„Stets zu Diensten!“ Seiya deutete eine Verbeugung an, lehnte sich anschließend etwas näher zu Len. „Und weißt du was?“
„Hm?“
„Noch ist es nicht so weit, aber ich werde dich auch vermissen. Du hast einfach einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Dank dir habe ich mich ein wenig selbst gefunden.“
„Ach Mensch, bring mich nicht schon wieder zum Weinen...“ Len zog Seiya einfach wieder in seine Arme. Seiya ließ es gern geschehen. „Auch wenn ich gerne würde, kann ich dir nicht das Versprechen abnehmen, dass du extra kommen würdest, um mich zu besuchen.“
Seiya schluckte den Kloß im Hals herunter. „Ja... Ich würde dir das Versprechen nicht geben können. So sehr ich es auch möchte.“ Sie lebte quasi am anderen Ende der Milchstraße. Höchstwahrscheinlich hatte ihre Freundschaft ein Ablaufdatum. Sie kannte die Zukunft nicht. Sie wusste nicht, was von Kinmoku übrig sein würde, wenn sie heimkehrte. Sie hatte keinen Plan, was dort auf sie wartete.
„Das habe ich mir gedacht.“ Len seufzte genknickt.
„Aber noch bin ich ja hier. Außerdem ist unser Ziel noch lange nicht erreicht.“ Eigentlich wollte Seiya sich keine Gedanken um diesen Abschied machen. Sie hatten im Augenblick ganz andere Sorgen.
„Stimmt.“ Len sah auf. „Tut mir auch leid, dass ich gesagt habe, ihr habt euch eingenistet... Das war nicht fair.“
„Alles gut. Genaugenommen haben wir das ja auch.“
„Trotzem. Ihr habt euch das ja nicht ausgesucht...“ Len strich sanft eine verirrte Strähne aus Seiyas Stirn. „Und solltet ihr irgendwann doch wieder her kommen, habt ihr hier immer ein Zuhause. Selbst wenn Granny einmal nicht mehr ist.“
„Danke, Len.“ Seiya schloss bei der sanften Berührung die Augen. Das war irgendwie tröstend. „Willst du in Zukunft hier leben?“
„Ja. Ich habe in letzter Zeit viel nachgedacht und mit Granny geredet. Sie weiß es noch nicht, aber ich will, dass sich ihr Traum erfüllt“, erklärte Len.
„Du willst hier eine Musikschule eröffnen?“ Seiya schlug überrascht die Augen wieder auf.
„Ja. Granny hat mich letzten gefrat, ob ich das Haus übernehmen würde. Und da es meine Eltern definitiv nicht wollen, habe ich mir das überlegt. Eigentlich wollte ich ja richtiger Musiklehrer werden, aber nur in einer Musikschule zu arbeiten, kann ich mir auch vorstellen.“
„Mach das unbedingt“, sagte Seiya begeistert. „Du wirst ein ganz toller Lehrer.“ Seiya konnte sich Len wirklich gut als Lehrer vorstellen. Er hatte fast immer gute Laune und eine Menge Geduld. Zudem konnte er gut erklären. Das hatte Seiya selbst germerkt.
„Danke, Seiya. Ich will, egal ob jung oder alt, Musik nahebringen und die Kraft, die sie hat“, erklärte sich Len. Sie lagen mittlerweile nebeneinander auf dem Bett und ließen sich von der Herbstsonne bescheinen.
„Das ist toll. Ich bin mir sicher, dass es Shinko glücklich machen würde. Und sollte ich dich doch einmal besuchen kommen, weiß ich, wo ich dich finde.“ Ansonsten würde es schwer sein, Len auf der Erde zu finden.
„Siehste, noch ein guter Grund, das zu machen.“ Len seufzte. Sie zuckten beide zusammen als Yaten die Tür aufriss. Erschrocken richteten sie sich auf.
„Was ist?“, fragte Seiya mit rasendem Herzen.
„Len, komm! Taiki hat das Krankenhaus in der Leitung!“, sagte Yaten und machte auf dem Absatz kehrt. Sofort waren Seiya und Len wieder auf den Beinen und auf dem Weg nach unten. Len sprang die letzten Stufen nach unten und eilte zu Taiki ans Telefon.
„Ja, hallo?“ Seiya beobachtete jede Regung auf Lens Gesicht. Sie hoffte so ablesen können, was für Nachrichten die Ärzte hatten. „Hm. Verstehe. ...“ Seiya seufzte. Sie konnte rein gar nichts in Lens Gesicht lesen. Er sah ernst drein, aber mehr auch nicht. „Natürlich. Mach ich. Vielen Dank, Schwester.“ Len legte auf und atmete einmal durch.
„Und?“ Die Starlights sahen ihn erwartungsvoll an.
„Soweit nicht in Lebensgefahr. Alle Werte erst einmal stabil. Ich kann auch jetzt ins Krankenhaus fahren. Da bekomme ich dann weitere Informationen“, erklärte Len. „Ich soll ein paar Sachen von Granny mitbringen. Sie wird ein paar Tage bleiben müssen.“
„Ist wahrscheinlich besser so, wenn sie unter Beobachtung ist.“ Taiki nickte.
„Ja. Ich mache mich auch gleich los. Ihr kommt doch sicher klar?“ Len sah entschuldigend in die Runde. „Leider könnt ihr nicht mit ins Krankenhaus.“
„Schon okay. Wir kommen klar.“ Seiya seufzte. Sie hasste Krankenhäuser – egal, ob auf der Erde oder Kinmoku. Mit all dem Leid und den Krankheiten konfrontiert zu werden, kam sie so gar nicht klar. Sie war zwar auch schon ein paar mal im Krankenflügel des Palastes gelandet, aber wenn es ging, vermied sie es.
„Wir müssen uns auf heute Abend vorbereiten.“ Yaten klang zwar nicht sonderlich glücklich, aber es war das Beste was sie tun konnten, abgesehen vom Hoffen, dass Shinko wieder auf die Beine kam.
„Gut.“ Len warf einen Blick auf die Uhr. „Ich versuche wieder da zu sein, bevor ihr geht.“
„Kein Stress.“ Seiya drückte aufbauend Lens Schulter. „Wir kommen schon klar. Brauchst du noch hilfe beim Packen?“
„Nein. Aber danke, Süße.“ Ein schwaches Lächeln huschte über Lens Lippen. Seiya erwiderte es. Dieses Mal berichtigte sie Len nicht. Nicht heute. „Und esst etwas! Auch wenn ihr wahrscheinlich keinen Appetit habt.“
„Machen wir.“ Sie sahen Len kurz nach, wie er im Shinkos Zimmer verschwand.
„Er tut mir so Leid“, sagte Yaten leise, während sie in die Küche gingen.
„Ja. Das nimmt ihn ganz schön mit.“ Seiya stand ein wenig unschlüssig in der Küche. Sie hatte keine Ahnung, was sie essen wollte. Auch wenn sie Hunger verspürte, hatte sie keinen Appetit. „Lasst uns etwas unverfängliches kochen, wo die Gefahr gering ist, dass wir das Haus abfackeln“, schlug Seiya schließlich vor.
„Gute Idee.“ Yaten stand schon vor dem Kühlschrank und sah hinein. „Hier ist noch Putenfleisch. Wir könnten eine Gemüsepfanne machen.“
„Okay.“ Während Taiki kochte, deckten Yaten und Seiya den Tisch.
„Also ich bin dann erstmal weg. Die Nummer vom Krankenhaus liegt neben dem Telefon.“ Len stand in der Küchentür, eine Reisetasche über die Schulter geworfen. Er sah sehr müde und abgekämpft aus. „Wenn ihr nachher geht und ich noch nicht wieder da bin, schließt zu.“
„Alles klar.“ Taiki nickte.
„Drück' Shinko von uns“, sagte Yaten, die gerade das Fleisch anbriet.
„Pass auf dich auf, Len.“ Seiya versuchte zu Lächeln, doch wusste sie nicht, ob es ihr gelang.
„Ihr auch. Und viel Glück heute Abend.“ Mit diesen Worten verschwand Len. Seiya seufzte schwer. Irgendwie schlitterten sie von ein Drama ins nächste. Erst mussten sie um ihre Lieben auf Kinmoku bangen und nun machten sie sich Sorgen um Shinko.
„Ich frage mich, ob Shinkos Zusammenbruch mit dem komischen Zelt in Tokyo zusammenhängt?“, teilte sich Seiya ihren Gefährtinnen mit. Sie wollte einfach nicht daran glauben, dass das alles Zufall war, vor allem, da sie es auch im Traum gesehen hatten.
„Gute Frage.“ Taiki hielt inne und ließ die Paprika sinken, die sie gerade hatte kleinschneiden wollen. „Kann sein, muss aber nicht. … Machen wir uns nichts vor, Seiya, Shinko ist alt. Sie hat ein stolzes Alter. Auch auf Kinmoku baut der Körper in diesem Alter einfach ab. Das ist natürlich. Es kann natürlich mit reinspielen, aber ich würde mich da nicht drauf versteifen.“
„Und selbst wenn...wir können rein gar nichts tun“, sagte Yaten, ohne aufzusehen. „Du hast Pegasus gehört. Es ist nicht unser Kampf. Und nur weil vielleicht die dunkle Energie verschwindet, muss es noch lange nicht bedeuten, dass Shinko geheilt ist.“
„Ich weiß... aber ich hasse es nichts zu tun“, stöhnte Seiya resigniert.
„Oh nach dem Essen wirst du schon was zu tun haben“, schloss Taiki und sah Seiya eindringlich an. „Auch wenn es schwer fällt. Wir konzentrieren uns jetzt erst mal auf die Auftritte heute Abend. Wir dürfen trotz allem unsere Mission nicht vergessen. Da hat Len ganz Recht.“
„Ja. Nur gut, dass wir heute eher hinfahren.“ Kikai hatte ihnen angeboten sich mit den dortigen Instrumenten einzuspielen. Sich auf diese Weise doch ein wenig ablenken zu können, war vielleicht gar nicht so schlecht. Sie mussten stark sein und das durchziehen: für Kakyuu und für Shinko.

„Na, alles klar?“, fragte Kikai, als sie den Saal betrat, immer noch das Klemmbrett in der Hand. Seiya sah auf und schmunzelte. Kikai und ihr Klemmbrett war wie Taiki und seine Bücher – wahrscheinlich ging es nicht ohne. Irgendwie hob es Seiyas Laune ungemein sie zu sehen. Das hatte er schon gemerkt, als er vorhin aus dem Taxi gestiegen war. Ihr strahlendes und aufgeregtes Lächeln brachte ein wenig die Sonne in diesen tristen Tag.
„Ja. Wir sind bereit“, sagte Seiya und stellte die Gitarre in den dafür vorgesehenen Ständer. Sie waren eine Stunde früher zur Brick Hall gefahren, um die Instrumente einzuspielen – zumindest Yaten und Taiki. Seiya spielte auf Lens Hybridgitarre. Er hatte sie ihm mit den Worten „Sie hat mir immer Glück gebracht. Hoffentlich dir auch“ überreicht. Seiya wäre auch mit jeder anderen Gitarre zurechtgekommen. Aber diese Gitarre war einfach toll. Sie war akustische und E-Gitarre in einem. Genau was er brauchte. Er wollte wegen zwei Songs nicht unbedingt die Gitarre wechseln müssen. Außerdem erinnerte dieses gute Stück ihn an seine eigene Gitarre daheim. Kinmokus Technik war um einiges weiter als auf der Erde, auch was die Instrumente anging. Das System war meistens das gleiche, aber der Variationsreichtum war enorm. Er brauchte nur einen Schalter umlegen und umstecken und schon spielte er akustisch. Oder eben umgekehrt. Kinmokus Instrumentenbauer waren nicht nur Handwerker sondern auch Künstler in einem. Solche ausgefallenen Modelle hatte Seiya auf der Erde noch nicht gesehen. Dennoch war er von dem Klang der hiesigen Instrumente vollends überzeugt. Die Erdlinge hatten es definitiv auch drauf.
„Schön. Die ersten werden gleich eindtrudeln“, erklärte Kikai, während sie den Ablaufplan an die Tür klebte.
„Wann spielen wir?“, fragte Taiki, nachdem er einen Schluck Wasser getrunken hatte.
„Heute spielt ihr als letztes.“ Kikai sah die Jungs entschuldigend drein. „Es gibt jemanden, der euch unbedingt sehen will, aber er schafft es nicht eher.“ Kikai schlug die Handflächen in einer entschuldigenden Geste vor dem Gesicht zusammen. „Sorry.“
„Schon okay.“ Seiya setzte sich auf den Bühnenrand, um ebenfalls etwas zu trinken. „Hast du wieder von uns geschwärmt, Kikai?“ Auf Seiyas Lippen erschien ein Grinsen.
„Ähm... jaaa.“ Kikai lugte hinter ihren Händen hervor. „Ich kann einfach nicht anders.“
„Ach was. Wir sind ja auch reizend“, lachte Seiya und zwinkerte Kikai zu. Diese starrte den Schwarzhaarigen nur glücklich an. „Was?“, fragte Seiya verwirrt.
„Na ja. Als ihr vorhin angekommen seid, saht ihr so mitgenommen und fertig aus. Es ist schön, euch lächeln zu sehen“, sagte Kikai leise. Sie setzte sich zu den ThreeLights auf die Bühne. „Kurz hatte ich Angst, Yaten fängt an zu weinen.“
„Ich hatte was im Auge!“, murmelte Yaten nur und mied Kikais Blick.
„Natürlich.“ Kikai nickte wissend. „Ist wirklich alles okay mit euch?“
„Jain“, sagte Taiki ehrlich. „Aber das ist unsere Privatsache. Ich hoffe du verstehst das, Kikai.“
„Ja, natürlich.“ Kikai nickte. „Es geht mich ja sogesehen nichts an. Außerdem seid ihr die mysteriösen Sterne.“
„Richtig.“ Seiya lächelte glücklich, dass Kikai nicht weiter nachfragte. „Aber erzähl doch mal. Wem hast du von uns erzählt?“
„Das wollt ihr jetzt wohl wissen, was?“, gluckste Kikai. Sie sah einen nach dem anderen eindringlich an.
„Also, was ist?“, bohrt Seiya ein wenig nach.
„Verrate ich nicht. Ihr werdet es schon sehen.“ Kikai hielt sich das Klemmbrett vor's Gesicht und kicherte.
„Wir werden es schon sehen“, stöhnte Seiya, stützte sich mit den Händen hinter dem Rücken und lehnte sich etwas zurück.
„Das bedeutet wir werden hier jetzt stundenlang sitzen, bis wir endlich dran sind und wissen nicht einmal wofür?“, murrte Yaten.
„Genau.“ Kikai nickte.
„Das muss ja eine furchtbar wichtige Person sein“, übelegte Taiki.
„Ach was. Ich habe ihm nur versprochen, dafür zu sorgen, dass er euch sehen kann.“ Kikai zuckte mit den Schultern. „Und nun hört auf zu fragen.“ Sie tippte mit dem Klemmbrett auf Seiyas Kopf.
„Wenn du meinst...“ Seiya zog eine Schnute. Jetzt wollte er unbedingt wissen, wen Kikai eingeladen hatte. Er hasste es so im Unwissenden gelassen zu werden. Nun würde er den ganzen Abend darüber nachdenken müssen, wem Kikai von ihnen erzählt hatte.
Und er behielt recht. So hunderprozentig konnte er sich nicht auf die anderen Auftritte konzentrieren, weil er entweder über seine eigenen Sachen oder den geheimnisvollen Gast nachdachte. Deswegen hielt er sich heute aus den meisten Gesprächen raus. So viel Aufregung an einem Tag war auch für ihn etwas viel. Trotzdem genoss er die Gesellschaft der Menschen. Wie versprochen war auch Maya gekommen, die ein paar sehr köstliche selbstgebackene Sternenkekse im Gepäck hatte.
„Jetzt seid ihr gleich dran. Der krönende Abschluss“, sagte Maya aufgeregt.
„Ja.“ Seiya nickte und beobachtete wie Kikai den Raum verließ. Ihr ominöser Gast war noch nicht aufgetaucht. Aber vielleicht holte sie ihn gerade ab. „Sag mal, Maya, weißt du wen Kikai eingeladen hat?“
„Ja. Ihren Vater“, verriet Maya lächelnd.
„Ihren Vater?“ Taiki und Yaten sahen überrascht drein.
„Ja. Sie hat ihm von euch erzählt und er will euch unbedingt sehen.“ Maya strahlte bis über beide Ohren. Seiya konnte gar nicht verstehen wieso. Doch gerade als er nachfragen wollte, unterbrach Maya ihn. „Ihr solltet euch mal vorbereiten, ihr seid gleich dran.“ Sie nickte zur Bühne.
„Argh, du sagst uns auch nicht, was so besonderes an ihm ist, oder?“, stöhnte Seiya.
„Nö.“ Maya legte nur lächelnd den Kopf schief. Sofort war Seiya wieder besänftigt. Sie war aber auch süß. Er konnte ihr nicht böse sein.
„Ach Maya...“ Seiya setzte sein charmantestes Lächeln auf, was dafür sorgte, dass Maya rot wurde.
„Los, komm Seiya. Hör' auf zu flirten“, brummte Yaten und zog Seiya mit sich.
„Viel Glück!“, rief Maya den Jungs hinterher.
„Warum alle so einen Wind drum machen“, plapperte Seiya, während er Yaten und Taiki auf die Bühne folgte.
„Na vielleicht ist er wirklich ein hohes Tier aus dem Musikgeschäft, oder so. Weiß mans?“, sagte Taiki eher beiläufig. Seiya hielt in der Bewegung inne und starrte Taiki an. Auf diese Möglichkeit war er selbst noch gar nicht gekommen.
„Ich glaube zwar nicht dran, aber wir werden sie so oder so von den Sitzen pusten“, sagte Seiya selbstbewusst. So viel Glück würden sie nicht haben. Der Schwarzhaarige versuchte nicht weiter darüber nachzudenken. Auch nicht als Kikai mit einem ernst dreinblickenden Mann in den Saal kam. Dieser warf ihnen einen undeutbaren Blick zu und setzte sich etwas Abseits in die Mitte des Saals. Kikai kam zu ihnen auf die Bühne.
„Seid ihr so weit?“, fragte sie lächelnd.
„Japp. Wir haben nur auf dich gewartet“, antwortete Yaten mit erhobenen Augenbrauen.
„Na dann. Legen wir los.“ Kikai grinste und trat an Seiyas Mikrofon. „Meine Lieben. Wir haben heute wieder tolle Beiträge gesehen. Nun kommt unser krönender Abschluss. Auf mehrfachen Wunsch heute voll gerüstet. Jetzt werden wir sehen, ob sie ihre Hausaufgaben gemacht haben. Ich wünsche uns allen viel Spaß. Haut rein, Jungs!“ Kikai strahlte die ThreeLights an, ging von der Bühne und setzte sich zu ihrem Vater.
Wir sind umherziehende Kometen, wir sind wandernde Sterne. Wir werden die Suche nach Liebe
in den Ecken der Galaxy fortsetzen und uns auf deinen Duft verlassen. Wir werden dich wiederfinden. Wir sind wandernde Sterne.“ Seiya übernahm ein paar Verse von Taikis Gedicht. Das war als Einleitung so gut angekommen, dass sie das jetzt als Ansage nahmen. Sie waren die ThreeLights und sollte auch so auftreten. Quatschen konnten sie auch hinterher. Seiya zählte ein. Sie begannen mit Search for your Love. Den Song hatten sie nun schon ein paar mal gespielt und waren sich realtiv sicher in ihrem Spiel. Zum Aufwärmen genau das Richtige, bevor sie den Abend mit einem flotten aufmunternden Song beendeten. Seiya war im siebten Himmel. Sein Herz hüpfte glücklich. So musste sich das anfühlen. Auf der Bühne stehen und sich richtig ins Zeug legen, zeigen zu können, dass Seiya nicht nur ein Möchtegern war, sondern auch etwas auf den Kasten hatte – das machte ihn im Augenblick wirklich glücklich. Bei den Proben hatte sich der komplette Song schon wahnsinnig gut angehört. Doch jetzt mit der passenden Soundtechnik dazu, war das noch mal eine andere Liga. Das klang schon gut. Seiya war ganz geflasht und freute sich jetzt richtig den neuen Song zu präsentieren.
„Es heißt ja: wenn man eine Sternschnuppe sieht, darf man sich etwas wünschen. Ihr habt euch einen weiteren Song gewünscht. Wir wollen euch diesen Wunsch erfüllen. Das hier ist See me – it's our Era.“ Als Seiya das Intro spielte, konnte er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Irgendwie bekam er immer gute Laune, wenn er die Melodie hörte oder spielte. Er hoffte, dass es dem Publikum eben so erging und der Song zu einem Ohrwurm wurde. Zumindest sahen sie so aus als hatten sie mit etwas ganz anderem gerechnet.

Our hearts, which are maturing so much,
That they seem to fall
Hiding it from each other
Let's stop that from now on

Wie schon nach ihrem aller ersten Auftritt gewünscht, bauten sie für jeden der ThreeLights einen Solopart ein. Auch wenn Seiya der Leadsänger war, sollten sie trotzdem als Band auftreten, zudem wollten Yaten und Taiki ebenfalls ihre persönliche Botschaft an Kakyuu schicken. Aber diesen Song spielten sie für Shinko, wollten damit verdeutlichen, dass sie bereit für all das waren, was da kommen mochte. Seiya lief zu Hochtouren auf. Seinen eigenen geschrieben Song auf diese Weise präsentieren zu können, auf einer Bühne zu stehen und andere daran teilhaben zu lassen, war ein ganz besonderes Gefühl. Das wollte sie definitiv öfter spüren.

When saying this single word: "I love you"
My heart engraves the instant
Dawn opens the door
And invites the sea breeze

See me, my heart beats
Hear me, if you send a signal
Touch me, fresh power would fill me

Den Refrain sangen sie Dreistimmig. Sie konnten etwas und das sollten auch alle sehen, beziehungsweise hören. Ihr Musiklehrer und Seiyas Brüder wären stolz darauf. Seiya war sich sicher, dass nicht nur sie die Musik mögen würden. Auch Kakyuu konnte einer eingehenden Melodie nicht widerstehen. Egal wie lange es auch dauerte, es würde funktionieren. Irgendwann würde Kakyuu sie hören und dann würde eine neue Era beginnen. Seiya betete zu allen Göttern dieser Galaxy, dass diese Era nicht vollkommen vor die Hunde ging.

I won't overlook it, I won't give up
Until we reach our dream
So our era will be there very soon
Everyone together!

Not yesterday, not tomorrow
But right this instant
Yes, because even sadness is a part of happiness

Mitten im Refrain sind Jui, Ava, Maya und Kikai einfach aufgesprungen und klatschten begeistert mit. Nach und nach taten es ihnen die anderen gleich. Seiya strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Das war so verdammt cool. Sie mussten gar nicht nur Lieder über Herzschmerz singen. Das war gar nicht nötig. Sie besangen es sogar. „Traurigkeit ist ein Teil vom Glücklichsein.“ Auf jedes Gewitter folgte Sonne. Egal wie aussichtslos die Lage schien, es würde immer irgendwie weitergehen. Ohne es zu merken, motivierte sich Seiya mit diesem Song selbst. Len hatte vollkommen Recht gehabt. Aus diesem Song sollten sie etwas ganz Besonderes machen.
Nachdem Seiya den Song mit einenm kurzen Gitarrenoutro beendet hatte, brach Jubel im Publikum los. Kikai hüpfte glücklich zur Bühne. Auch sie strahlte wie die Sonne. Es erwärmte Seiyas Herz.
„Ich schätze mal, dir hat es gefallen“, lachte Seiya, nachdem wieder Ruhe eingekehrt war.
„Oh ja.“ Kikai nickte wild. „Danke für den Ohrwurm. Ich könnte ihn gleich nochmal hören.“
„Na dann.“ Seiya zauberte aus seiner Jackentasche den Text und drückte ihn Kikai in die Hand. Dann begann er einfach noch einmal zu spielen. Dieses Mal sang Kikai einfach mit. So viel Spaß hatte Seiya lange nicht mehr gehabt. Hörst du Shinko! Langsam aber stetig geht es voran. Hörst du das? Die ersten Menschen haben wir bereits begeistert! Bitte sei stark! Wir sind es auch... Seiya war so in Gedanken, dass er irgendwann aufhörte zu singen und Kikai den Refrain alleine singen ließ. Er sah sie nur begeistert an. Der Song klang auch aus Kikais Mund echt schön. Ihre etwas angeraute Stimme, passte wirklich ganz gut. Sie war laut und stark, ebenso wie die Botschaft, die sie rüberbringen wollten.
„Aww, danke. Das war so cool.“ Kikai brauchte einen Moment, um runterzukommen. Sie winkte Taiki zu sich vor, so dass die ThreeLights zusammenstanden.
„Die ThreeLights, meine Lieben!“, rief sie. Nachdem der Applaus verklungen war, wandte sie sich ans Publikum. „Wollen wir mal hören, wie es euch so gefallen hat. Sota...“ Sie sprang von der Bühne und trat zu dem jungen Mann, der zur Feier des Tages wieder ein extrem buntes Hemd trug. „Was sagst du. Immer noch nicht die Zielgruppe?“
„Nope“, sagte Sota ehrlich. Trotzdem hob er beide Daumen nach oben. „See me, hat mich aber abgeholt. Echt cool. Und auch noch dreistimmig. Heute wolltet ihr es uns zeigen, was?“
„Natürlich. Wir sind halt kleine Streber“, antwortete Seiya locker flockig ins Mikro.
„Ich seh schon. Ich werde euer erstes Album trotzdem kaufen müssen, um zu hören, was ihr noch so für Songs raushaut.“
„Ähm danke...“, sagte Taiki. Soweit dachte noch keiner von ihnen. Aber gut zu wissen.
„Das klang doch ganz stark nach einem Kompliment“, schmunzelte Kikai und ging weiter. Sie winkte Jui und Maya und trat zu ihnen. „Ihr wollt doch bestimmt auch was sagen.“
„Natürlich“, sagte Jui sofort. „Auf wessen Mist, ist dieser Song gewachsen. Den werde ich bestimmt die nächsten Tage nicht aus dem Kopf kriegen.“
„Den Text hab ich geschrieben, Seiya die Melodie und Yaten hat das Arrangement gemacht“, erklärte Taiki.
„Na ja. Obwohl jeder von uns seinen Senf irgendwie dazu gegeben hat“, fügte Seiya hinzu. Wenn einer von ihnen eine Idee hatte, wurde einfach diskutiert, was am besten passte. Aber je länger sie als Band zusammenarbeiteten, kristallisierte sich schon heraus, wo jeder sein Steckenpferd hatte. Yaten hatte ein unglaublich gutes Gehör und ein noch Besseres Verständnis für Disharmonien. Wenn ein Ton in der Musik nicht passte, er fand heraus, welcher es war. Taiki war einfach sehr gut mit Worten. Oftmals setzte sie Seiyas geistige Ergüsse noch ansprechend zusammen. Sie funktionierten also nicht nur als Kriegerinnen gut zusammen – als Band offensichtlich auch.
„Das merkt man“, sprach Maya weiter. „Da steckt sehr viel Herzblut drin. Außerdem mag ich euer Intro. Taikis Gedicht dafür zu verwenden kam überraschend, aber ich finde es erfrischend anders. Und auch ich würde auf jeden Fall euer Album kaufen.“
„Ich denke, das wird fast jeder hier im Saal.“ Yui stemmte die Faust in die Luft. „Ihr habt überzeugt, Jungs!“
„Dankeschön.“ Seiya konnte einfach nicht aufören zu lächeln. „Es bedeutet uns viel, das ihr unsere Musik wertschätzt, dass ihr uns helft, unsere Botschaft in die Welt zu tragen.“ Aus dem Publikum kamen einige „Aw“-Rufe. Seiya freute es ungemein, dass alle so begeistert und motiviert waren. Aber so weit, dass es ein Album gab, waren sie noch lange nicht. Und eigentlich hatte Seiya auch keine Idee, wie sie eine Fuß in die hiesige Musikindustrie bekamen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Im Augenblick hatte er auch gar keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, denn so langsam kam Aufbruchstimmung unter den Zuschauern auf. Seiya hatte keine Ahnung wie spät es mittlerweile war. Es war ihm aber auch egal. Er verabschiedete lieber die anderen Teilnehmer und hielt kurz Smalltalk bis irgendwann nur noch Kikai und die ThreeLights übrig waren. Endlich war Ruhe eingekehrt. Seiya genoss die Ruhe nach dem Sturm bis ein kräftiger Applaus aus den hinteren Reihen ertönte. Und zwar von einem Mann. Kikais Vater. Den hatte Seiya schon wieder ganz vergessen. Hoffentlich stellte Kikai den jetzt vor. Seiyas Blick folgte Kikais Vater, der nach vorne zu den ThreeLights auf die Bühne geschlendert kam. Auch wenn er applaudiert hatte, konnte Seiya nicht in seinem Gesicht lesen. Und warum hatte er applaudiert? Die ganze Chose war doch mittlerweile vorbei. Seiya wechselte einen Blick mit Yaten und Taiki. Diese zuckte nur mit den Schultern.
„Meine Tochter hat ganz schön von euch geschwärmt. Mein Name ist Ongaku. Inhaber des Musiklabels Sen no ma. Normalerweise suche ich auf diese Art keine neuen Künstler. Aber meine Tochter hatte einfach keine Ruhe gegeben. Ich bin jedoch froh, nachgegeben zu haben, denn sie hatte Recht. Ihr seit gut. Ich möchte mehr von euch hören. Aber hier ist nicht der richtige Rahmen dafür. Was haltet ihr von Probeaufnahmen?“


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BABABAAAAAMMMM
Das ist es! :D Na? Hab ich euch mit dem Ende überrascht?

Das ist ein sehr emotionales Kapitel. Mein Herz leidet mit Len, denn ich weiß genau, wie Seiya sich fühlt. Als meine Tante gestorben ist, ging es mir mit meinem Cousin genauso. Er war auch immer der Sunnyboy mit einem Spruch auf den Lippen... Ihn auf der Beerdigung so aufgelöst zu sehen … ich kann es eh nicht ertragen, wenn Menschen um mich herum weinen... aber das hat mich fertig gemacht. Ihn so zu sehen... Und verdammt... er hat mittlerweile auch schon seinen Bruder verloren... und trotzdem rauft er sich immer wieder zusammen. Genauso ist Len auch.
Außerdem hat meine Mama meine Oma genauso eines Morgens neben dem Bett liegen sehen. Ich stelle mir das soooooo schrecklich vor, die eigene Mutter so vorzufinden.

See me
See me
Song
(Sayuri, Momoko und Hikari – meine lieblings ThreeLights <3)
Ich mag die Melodie voll gerne.


Sen no ma bedeutet Zwischen den Zeilen.
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