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The Dance Between Lion and Snake

GeschichteDrama, Romance / P18 / Het
Draco Malfoy Fred Weasley George Weasley OC (Own Character)
24.04.2021
01.12.2021
32
103.463
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25.11.2021 3.802
 
Am Dienstag begleitete ich Amicia zum Quidditch-Training, nachdem Umbridge sich erbarmt hatte es zuzulassen. Meiner Meinung nach war die Frau nicht ganz normal. Nur was konnte Dumbledore machen, wenn der Zaubereiminister es so angeordnet hatte?
Während Amicia zu den Umkleidekabinen ging, machte ich mich auf zu den Rängen. Wenigstens verbot Draco ihr nicht auch das noch. So konnte sie ihrem geliebten Sport nachgehen. Obwohl es mich auch nicht wundern würde, wenn er es irgendwie hinbekommen würde, dass sie zukünftig für die Slytherins flog. Hoffentlich würden die Lehrer da nicht mitmachen.
Kaum hatte ich mich gesetzt, da trat jemand zu mir und setzte sich neben mich. Nach einem prüfenden Blick wurde mir ganz anders. „Eure Hoheit, wie kann ich Ihnen behilflich sein? Und wo ist Ihr Fußvolk?“
Malfoy grinste hochmütig und sah zu, wie die Gryffindors auf den Platz gingen und sich auf ihre Besen schwangen. „Du solltest deine scharfe Zunge besser im Zaun halten, Maelys. Ansonsten muss ich mein Versprechen gegenüber Amicia brechen und dir zeigen, wo es langgeht.“ Er sprach bestimmt, sah mich aber nicht an, sondern verfolgte Amicia mit seinen Blicken. Ich konnte nicht anders, als loszuprusten.
„Du willst mir zeigen, wo es langgeht? Ich hoffe, du meinst nicht das, was ich denke. Denn was hast du mir schon zu bieten? Nimm dich nicht immer so wichtig.“
Mein Blick klebte an Fred und George, die heute nicht in Topform waren. Ihre Gesichter wirkten schmerzverzerrt und sie sahen sehr verkrampft aus. Was war mit ihnen passiert? Ob Umbridge etwas damit zu tun hatte? Man hörte immer wieder, dass sie die Schüler gerne züchtigte. Also war es nicht mal weit hergeholt.
„Deiner Schwester scheint es zu gefallen. Warum sollte es bei dir anders sein?“
Seine Aussage saß und ich bemerkte im Augenwinkel sein zufriedenes Grinsen. Offenbar hatte er es mitbekommen. „Amicia und ich sind zwar Geschwister, aber wie selbst du mit deinem Erbsenhirn mitbekommen haben solltest, sind wir uns nicht überaus ähnlich.“
Malfoys stechender Blick traf mich. „Pass besser auf, was du sagst. Ich sitze noch immer am längeren Hebel, vergiss das nicht“, zischte er und ich nickte mechanisch. Ich wusste, dass ich mit dem Feuer spielte, aber ich konnte einfach nicht anders.
„Natürlich eure Hoheit. Soll ich Ihnen als Entschuldigung die Schuhe küssen?“
„Nur zu“, spottete er und ich rührte mich keinen Millimeter.
„Wirst du Amicia Quidditch verbieten?“, fragte ich irgendwann und sah ihn eindringlich an.
„Sie fliegt gut.“
„Es bedeutet ihr alles. Sie liebt es.“
„Auch wenn ich der Meinung bin, dass sie sich in unserem Team besser machen würde, muss ich gestehen, dass ich sie gerne fliegen sehe. Auch wenn der Sport von einigen Frauen ausgeübt wird, sieht keine dabei so elegant aus, wie sie.“
Er räusperte sich, als hätte er gerade erst gemerkt, was er da gerade gesagt hatte. „Was natürlich nichts bedeutet“, fügte er hinzu und ich versuchte, mir ein Grinsen zu verkneifen.
Das war also der Draco, den auch Amicia schon kennengelernt hatte. Mit dieser Seite von ihm könnte man sogar befreundet sein. Schade, dass sie nur ein kleiner Teil darstellte.
Plötzlich erhob er sich und wandte sich nochmal an mich. „Sag Amicia, dass ich sie zum Essen bei uns am Tisch erwarte.“
Ich verdrehte die Augen. „Sie weiß, dass sie bei uns zu sitzen hat.“
„Und trotzdem will ich, dass du sie daran erinnerst.“
„Ich finde es zum Kotzen, wie sehr du sie kontrollierst.“
Draco sah mich mahnend an, dann hob er seinen rechten Mundwinkel. „Und dennoch kannst du nichts dagegen tun. Wie sehr dich das wohl wurmen muss.“
Damit verschwand er und ließ mich angefressen zurück. Dieser Typ liebte es mit uns zu spielen und ich hasste es. Aber was auch immer er sich vormachte, er war hier gewesen um Amicia fliegen zu sehen. Keine Ahnung, was er für sie empfand, aber es war nicht bloß Abneigung.
Als das Training vorbei war, lief ich runter zum Spielfeld und sie landeten alle in der Nähe von mir. Die Zwillinge schienen froh endlich von den Besen zu kommen und obwohl es ihnen offensichtlich nicht gut ging, fixierten sie mich sofort.
Augenblicklich musste ich schlucken. Ich wusste, dass ich ihnen nicht länger aus dem Weg gehen konnte. Harry und Ron nickten mir kaum merklich zu und dann trat Amicia zu mir und hakte sich bei mir unter.
Wir setzten uns in Richtung Schloss in Bewegung und ich warf den Zwillingen noch einen Blick über die Schulter zu. Ich nickte ihnen zu und hoffte, dass sie verstanden, dass ich nun zu einem Gespräch bereit war.
„Was wollte Draco?“, fragte sie, kaum das wir außer Hörweite waren.
„Ich soll dir ausrichten, dass du bei ihm zu sitzen hast. Daraufhin meinte ich, dass du das weißt.“ Das er sie beobachten wollte, weil er sie gerne fliegen sah, behielt ich für mich. Mir war nicht klar, was es für Höhenflüge in ihr auslösen würde, also wollte ich sie auf dem Boden der Tatsachen lassen.
Amicia verdrehte die Augen. „Deshalb war er hier rausgekommen?“
Ich zuckte die Schultern. „Naja, er hat natürlich auch den König heraushängen lassen und ich konnte seine Erlaubnis für dich rausholen, dass du weiterhin Quidditch spielen darfst. Klang zwar, als wollte er dich in unser Team holen, aber ich glaube nicht, dass er damit durchkommen würde.“
Mit großen Augen sah sie mich an. „Er will, dass ich für die Slytherins fliege? Warum holt er mich nicht direkt zu euch ins Haus“, murmelte sie verärgert und ich lächelte sie an.
„Dann wären wir wenigstens zusammen.“
Sie lächelte zurück und warf dann einen Blick über die Schulter. Ihre Mannschaftskollegen waren ein gutes Stück hinter uns. „Fred und George haben mich gebeten, dir das hier zu geben.“
Aus ihrer Umhangtasche holte sie einen zusammengefalteten Zettel hervor. „Hast du ihn gelesen?“, fragte ich und nahm ihn entgegen.
Meine Schwester schüttelte sofort den Kopf. „Das geht mich nichts an.“
Ich nickte und steckte ihn ein. „Sie waren heute nicht bei der Sache. Irgendwie wirkten sie, als ginge es ihnen nicht gut.“
Amicia winkte ab. „Irgendein Scherzartikel macht Probleme. Sie haben Eiterbeulen an Stellen, über die ich nicht nachdenken möchte. Beim Fliegen sind wohl ein paar aufgeplatzt und sie wissen nicht, was sie dagegen machen können.“
Erleichtert atmete ich durch. Es war also nichts Ernstes. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht.
„Du wirkst seltsam erleichtert.“
„Ich dachte sie seien krank.“
„Sicher das du nicht dachtest, es lag an dir? Keine Ahnung was wieder zwischen euch vorgefallen ist, aber du gehst ihnen schon wieder aus dem Weg. Willst du das jetzt immer machen, wenn irgendwas passiert?“
Sofort ging ich in Verteidigungsstellung. „Du hast überhaupt gar keinen Plan, wovon du redest“, fauchte ich sie an. „Ich weiß, was ich tue.“
Auch wenn ich das rigoros behauptete, stimmte es nicht. Ich wusste überhaupt nicht, was ich tat und ich wusste auch nicht, was mich später erwartete oder was ich mir erhoffte. In zwei Jungs verliebt zu sein, war eine Sache. Aber in Zwillinge war eine ganz andere. Ginny hatte Recht, einer von ihnen würde verletzt werden. Gut, vorausgesetzt sie würden beide dasselbe für mich empfinden, wie ich für sie.
„Du bist die ältere von uns und wirst schon wissen, was du machst“, sagte Amicia bockig und verschwand dann im Schulgebäude. Seufzend sah ich ihr nach.
Da überholte mich die Gruppe und ich wurde links und rechts von zwei Händen Gestriffen. Eine Gänsehaut zog über beide Arme hinweg und in meinem Brustkorb machten sämtliche Organe einen Salto rückwärts. Fred und George warfen mir beide einen Blick zu, der sich in meine Netzhaut brannte und ein angenehmes Ziehen in meiner Körpermitte verursachte. Von nur einem einzigen Blick, verflucht.

Während ich am Abend auf die beiden am altbekannten Ort wartete, dachte ich über ihren Brief nach, was mir noch mehr Übelkeit verursachte.

„Liebe Ely,
zuerst glaubten wir, dass Hermine sich irrt. Da du uns seither jedoch aus dem Weg gehst, müssen wir davon ausgehen, dass sie Recht hat. Wenn dem so ist, sollten wir dringend miteinander sprechen.
Fred & George“

Ich wusste nicht, wie ich den Brief deuten sollte. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass sie die Zusammenarbeit mit mir beenden wollten, es sei denn, meine Gefühle würden nicht im Weg stehen. Andererseits war da noch immer das unausgesprochene Wissen von Amicia und Ginny. Das Ganze war so zum Haareraufen. Noch könnte ich weglaufen, aber ich brachte es nicht über mich. Immerhin hatten sie eine Erklärung verdient, und ich war alt genug dazu zu stehen.
Ich spürte den kalten Windhauch, als sich die Tür öffnete, drehte mich jedoch nicht herum. Für einen winzigen Augenblick wollte ich noch so tun, als wäre ich alleine.
„Ely, du bist wirklich hier.“
„Wir dachten schon, du würdest dich weiter verkriechen.“
Sie lachten und das beruhigte meine Nerven sofort. Ich hatte Sorge, dass es seltsam zwischen uns sein könnte, aber sie waren wie immer. Langsam drehte ich mich zu ihnen und lächelte sie schief an.
„Der Gedanke kam mir“, krächzte ich und räusperte mich. Meine Hände waren feucht, weshalb ich sie an meiner Hose abwischte. Eine unangenehme Stille trat ein, in der ich mein Herz wummern hörte.
„Willst du uns jetzt das restliche Schuljahr aus dem Weg gehen?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, natürlich nicht. Ich hatte Angst“, gab ich zu und beide sahen mich skeptisch an.
„Wovor?“, fragten sie unisono.
„Das es kompliziert oder unangenehm werden würde. Das ich verletzt werden könnte. Das einer von euch verletzt werden könnte“, zählte ich auf und konnte ihnen nicht in die Augen sehen.
Ich setzte das Leben meiner Familie aufs Spiel, indem ich etwas verbotenes tat oder Malfoy dumm kam. Wenn es jedoch um Gefühle und Jungs ging, war ich auf einmal das schüchterne Mädchen, dass den Mund nicht aufbekam.
„Es stimmt also?“, fragte George.
„Du bist in George verliebt?“
Ich schluckte schwer. Langsam schüttelte ich den Kopf und sah vorsichtig zu ihnen auf. George ließ kaum merklich die Schultern hängen, woraufhin sich mein Magen verkrampfte. Dann fasste ich mir ein Herz und ergriff von jedem eine Hand.
„Ich mag euch beide und das ist das Problem.“
Sie sahen auf unsere Hände runter und ich tat es ihnen gleich. Vorsichtig streichelten sie mit dem Daumen über meine Handrücken und es fühlte sich überwältigend an. In meinem Magen rumorte es und ich wurde ganz kribbelig.
„Ich sehe da kein Problem“, sagte Fred heiser.
„Ich auch nicht“, stimmte George seinem Zwilling zu.
Sie sahen mir tief in die Augen und ich wollte lächeln und weinen gleichzeitig. Sanft entzog ich ihnen meine Hände und sah sie zärtlich an. „Ich schon. Einer von euch beiden wird zwangsläufig verletzt und Ginny hat Recht, wenn sie sich Sorgen macht, dass darunter euer spezielles Band leidet.“
„Du hast mit Ginny über uns gesprochen?“, fragten sie verdutzt und ich hatte das Gefühl, sie hatten mir gar nicht zugehört.
Ich verdrehte die Augen. „Das spielt überhaupt keine Rolle. Habt ihr verstanden? Ich kann so nicht weitermachen, aber es ist mir unmöglich, mich zu entscheiden. Daher wäre es besser, wenn wir das einfach alles vergessen.“
Mit großen, runden Augen sahen sie mich an. Mir war auch nicht wohl dabei, ich wollte gerne etwas anderes, aber mir war eine Freundschaft viel wichtiger.
„Und wenn wir das nicht können?“
„Oder wollen?“
Mein Herz krampfte sich zusammen. Dafür stoben die Schmetterlinge durch meinen Körper. „Dann macht ihr es mir unnötig schwer.“ Bevor ich mich abwandte und ging, wollte ich noch eine Sache machen. Zögerlich ging ich zu Fred, stellte mich auf die Zehenspitzen, legte meine Hände auf seine Brust und sah ihm tief in die Augen. Seine braunen Augen suchten meinen Blick. Ich roch seinen Duft und legte eine Hand zärtlich an seine Wange. Sachte gab ich ihm einen Kuss auf die Wange und es fühlte sich intimer an, als beim letzten Mal.
Als ich zurück auf Abstand ging, lächelte er breit und ein leichter Rotschimmer hatte sich auf seine Wangen gelegt. George wirkte zerknirscht, wenn nicht sogar eifersüchtig. Aber als ich mich ihm zuwandte, ziemlich aufgeregt.
Sein Geruch kam mir in die Nase und verursachte ein heftiges Kribbeln in mir, weil es mich an den Umhang in meinem Bett erinnerte. Mit einem weiteren Schritt stand ich so dicht vor ihm, dass wir uns hauchzart berührten. Meine Härchen richteten sich auf und ich lächelte ihn an. „Willst du deinen Umhang eigentlich wieder haben?“, fragte ich leise.
Sein lautloses Lachen hallte in seinem Körper wider. Dann schüttelte er den Kopf.
„Behalt ihn ruhig“, flüsterte er und ich spürte die Wärme in meinem Gesicht.
Auch bei ihm legte ich meine Hand an die Wange und sah ihm tief in die Augen. Unser Blick verflocht miteinander, dann gab ich auch ihm einen Kuss auf die Wange.
„Wir sollten jetzt schlafen gehen“, sagte ich, sobald ich wieder beiden gegenüberstand. Doch sie sahen nur sich an, dann kamen sie auf mich zu und küssten mich links und rechts auf meine Wangen.
Ein Wirbelsturm aus Schmetterlingen sauste durch meinen Körper und brachte alles durcheinander. Ich fühlte mich überglücklich und als könnte ich nach den Sternen greifen.
Mit einem breiten Lächeln machte ich mich auf den Weg in meinen Gemeinschaftsraum.

Pünktlich um acht Uhr am Mittwoch stand ich im siebten Stock vor der Tür, die Ginny mir genannt hatte. Mein Magen krampfte sich zusammen und mir war übel. Ich konnte jetzt hineingehen und mein Schicksal besiegeln oder gehen und nicht zurückkommen. Diese Entscheidung, würde nicht mehr rückgängig zu machen sein und sie würde auch Amicia betreffen, der ich davon nichts sagen durfte.
Tief atmete ich durch, dann drückte ich die Türklinke und trat ein. Ich betrat einen sehr beachtlichen Raum, in dem Dutzende Schüler auf Sitzsäcken saßen und hörte Harry gerade erklären, das dies hier der offizielle Trainingsraum sein würde.
Hermine bemerkte mich als erste und lächelte mir aufmunternd zu, dann ging schon ein Raunen durch die Reihen und einige sprangen auf.
„Was zum Teufel hat die hier verloren?“, rief einer und sah mich verunsichert an.
„Sie ist eine von Umbridges Spionen. Verflucht, wir müssen abhauen“, sagte ein Mädchen und verhaspelte sich beinahe.
Ich blieb stocksteif stehen und sah die anderen an, die alle wenig begeistert, bis verängstigt waren. Dann traf mein Blick den der Zwillinge, Ginnys und anschließend Harrys. Sie machten mir Mut nicht einfach wieder zu verschwinden.
Mit schnellen Schritten waren Fred und George an meiner Seite und lächelten mich an. Mein Herz schlug automatisch höher, als ich an unsere gestrige Begegnung dachte. Danach hatte ich so gut geschlafen und verdammt heiße Träume gehabt, dass ich erregt und feucht wach geworden war.
„Sie gehört zu uns.“
„Und sie ist keine Spionin.“
Die zwei hakten sich bei mir unter und zogen mich dichter an die Gruppe. Doch niemanden schien das zu interessieren. Sie redeten wild durcheinander, wurden immer lauter und sahen mich feindselig an.
„Sie hat euch doch vor der ganzen Schule abserviert.“
„Ja genau.“
Betreten ließ ich meinen Blick senken, bis ich Harry um Ruhe bitten hörte. „Hey Leute, kommt mal wieder runter.“
Doch niemand hörte auf ihn und die Zwillinge mussten sich vor mich stellen, weil ein Kerl auf mich zu gerannt kam.
„Alle mal die Schnauze halten“, rief jemand und fassungslos bemerkte ich, dass es Ron war. Bis jetzt hatte ich geglaubt, dass er noch immer nicht begeistert war. Aber er vertraute offenbar Harry und wollte ihm die Chance geben, allen die Situation zu erklären.
Tatsächlich war es nun still und alle sahen mich mit vernichtenden Blicken an und auch Harry warfen sie welche zu. Vermutlich weil sie dachten, er würde sie wissentlich in Gefahr bringen.
„Maelys ist Teil unserer Gruppe. Sie war auch im Eberkopf, hat sich allerdings versteckt. Niemandem von euch ist sie aufgefallen, auch uns nicht. Wenn sie eine Gefahr für uns darstellen würde, dann hätte ich sie nicht eingeladen.“
„Aber ihre Schwester ist mit Malfoy zusammen.“
„Außerdem ist sie eine Slytherin.“
Ich verkrampfte mich und spürte die warmen Hände an meinem Rücken, die mir Halt gaben und Zuversicht und das Kribbeln in meinem Magen zu einem Wirbelsturm erweiterten.
„Am besten sie spricht selbst zu euch.“ Auffordernd sah Harry mich an und ich versteifte mich. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Oder was ich überhaupt sagen konnte, ohne zu viel zu verraten. Harry hatte ich eingeweiht, weil ich ihm vertraute, aber die anderen kannte ich noch weniger als ihn.
Schwer schluckte ich und fing an zu zittern. „Ich... Also... Oh Gott.“ Ich schlug mir die Hände vor das Gesicht und atmete tief durch. Dann sah ich in die Runde und blieb an einer Blondine hängen, die verträumt zu mir sah. Irgendwie gab sie mir etwas Zuversichtliches, sodass ich den Mut fand, mich zu erklären.
„Ich habe nie darum gebeten, nach Slytherin zu kommen. Vielmehr wäre ich gerne woanders.“ Mein Blick schweifte kurz zu den Zwillingen, die breit grinsten. Meine Mundwinkel zuckten, aber ich zwang mich, ernst zu bleiben.
„Es ist mir wichtig, zu lernen mich zu verteidigen. Die Zeit, in der ich es können muss, wird unweigerlich kommen. Tatsache ist, dass meine Familie Harry schon von Beginn an geglaubt hat, während die meisten von euch ihn als Lügner beschuldigten. Ich würde euch gerne so viel mehr erklären, aber das kann ich nicht, weil ich mich damit in Gefahr bringen würde. Alles worum ich euch bitten kann, ist mir einen Vertrauensvorschuss zu gewähren und worum ich euch bitten muss, meinen Namen niemals zu erwähnen.“
Einige wirkten skeptisch, andere waren weit weniger feindselig mir gegenüber eingestimmt.
„Warum sollten wir dir glauben? Jeder kann daherkommen und das behaupten.“ Es war auch der Junge, der schon im Eberkopf immer wieder gegen Harry gesprochen hatte.
„Weil sie an ihrem zweiten Tag zu mir kam und es mir gesagt hat“, sprang Harry für mich in die Bresche und ich lächelte ihn dankbar an.
Das schien die meisten tatsächlich umzustimmen. „Und warum dürfen wir nicht über dich sprechen?“
Ich merkte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich. Es war nur logisch, dass sie das wissen wollten. Natürlich konnten sie nicht einfach tun, worum man sie bat. Vor allem worum ich sie bat. Jemand Neues, der ihnen vollkommen fremd und suspekt war.
„Weil, wenn es die falschen Leute mitbekommen, ich in furchtbaren Schwierigkeiten stecke, dir ihr euch nicht einmal vorstellen wollt.“
„Von mir erfährt keiner einer Wort“, sagte das blonde Mädchen und lächelte mich an. Ich konnte gar nicht anders als zurückzulächeln und mich stumm bei ihr zu bedanken.
„Gut, da wir das nun geklärt haben, können wir nun weitermachen?“, fragte Hermine und ich war froh, nicht mehr derart im Mittelpunkt zu stehen. Die Zwillinge geleiteten mich bis zu ihren Plätzen, wo sie mir einen Sitzsack freigehalten hatten, auf den ich mich niederließ. Immer wieder trafen mich vereinzelte Blicke, doch ich versuchte sie, so gut es ging zu ignorieren.
„Und wenn ihre Schwester sich verplappert?“
„Meine Schwester weiß hiervon nichts. Ich habe genauso wie ihr auf der Liste unterschrieben und damit meine Verschwiegenheit erklärt. Außerdem würde sie sich genauso in Gefahr bringen wie mich.“
Das schien tatsächlich die meisten zu beruhigen, denn nun widmeten sie sich wieder Harry, Hermine und Ron zu. Als langsam die Anspannung von mir abfiel, bemerkte ich, dass ich Kopfschmerzen bekam und müde wurde. Aber ich zwang mich, zuzuhören und mir nichts anmerken zu lassen.
In den nächsten Minuten wählten alle einstimmig Harry zum Anführer der Gruppe und sie schlugen die unterschiedlichsten Namen vor, wie wir uns nennen wollten. Am Ende entschieden wir uns für Dumbledores Armee, abgekürzt DA. Hermine hatte die Liste mit den Unterschriften an die Wand gepinnt und darüber den Namen geschrieben. Danach hatte Harry mit der ersten Übung begonnen.
Er wollte als erstes „Expelliarmus“ üben, worüber sich der Junge drüber lustig machte, der ständig gegen alles war. Ich fragte mich, warum er überhaupt hier war, wenn er es eigentlich gar nicht wollte.
Als Harry dann sagte, wir sollten zu zweit üben, wandte ich mich bewusst von den Zwillingen ab und kam mit einem schüchternen Jungen zusammen, der mich mit großen Augen ansah.
Ich lächelte ihn freundlich an. „Ich bin Mae, freut mich, dich kennenzulernen.“
„Ich bin... Neville“, stotterte der Junge und ich glaubte, dass ich ihm Angst einjagte. Irgendwie fand ich es süß und gleichzeitig auch völlig überzogen und lächerlich. Trotzdem ließ ich mir nichts anmerken.
„Na gut Neville, dann versuche mich zu entwaffnen.“
Er nickte, wirkte aber nicht sonderlich begeistert. Als er dann seinen Zauberstab hob und den Zauber sprach, passierte gar nichts. Entmutigt ließ er den Kopf hängen. „Ich bin ein hoffnungsloser Fall.“
„Das glaube ich nicht, jeder hat seine Talente und man kann nicht überall gut sein. Außerdem sind wir doch dafür hier, oder? Um zu üben und besser zu werden.“
Neville sah mich an und nickte zögerlich. „Ja, ich denke, du hast Recht.“
„Dann versuch es gleich nochmal.“
„Willst du nicht auch...?“
Ich schüttelte den Kopf. „Wir üben solange, bis du es geschafft hast. Dann versuche ich mein Glück, okay?“
Skeptisch sah er mich an. „Bist du eine gute Zauberin?“
Ich sah ihn verlegen an und legte den Kopf schief. „Ehrlich gesagt, sehe ich mich nicht in der Position, das zu beurteilen. Mag sein, dass ich nicht ganz schlecht bin, aber ich kann sicher noch viel lernen.“
Er nickte, als hätte er sowas schon geahnt. Oder als dachte er, ich wollte nur nicht angeben. Weil ich nicht anders konnte, suchte ich den Raum nach Fred und George ab und beobachtete sie dabei, wie sie dieses Arschloch immer wieder entwaffneten. Ich fand es witzig, doch Harry schien diese Begeisterung nicht zu teilen. Dennoch lag ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen.
Plötzlich hörte ich den Zauber in meiner Nähe und gerade als ich mich wieder Neville zuwandte, flog mein Zauberstab quer durch den Raum. Dieser freute sich so übertrieben, dass ich es einfach nicht über mich brachte, ihm zu erklären, dass es sinnvoller war, wenn der andere auch bei der Sache war. Trotzdem konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen, weil es zu goldig war, wie sehr er sich über seinen Erfolg freute. Und sicherlich konnte das nicht schaden sein Selbstbewusstsein zu pushen.
„Super Neville“, freute ich mich für ihn.
Wir übten alle noch einige Zeit, bis es schon nach neun Uhr war. Also beschlossen wir uns nächsten Mittwoch wieder hier zu treffen, allerdings etwas früher, weil die Zeit viel zu schnell umgegangen war.
Ich bedankte mich nochmal bei Harry, bevor ich mich auf den Weg machte. Beim hinausgehen sah ich die Zwillinge auf mich warten und stellte mich zu ihnen. Beinahe hätte ich vergessen, ihnen den Arsch zu retten, im wahrsten Sinne des Wortes.
Schnell kramte ich in meiner Hosentasche nach einer kleinen Tube und reichte sie ihnen. Verwirrt sahen sie mich an.
„Das ist etwas Murtlap Essenz. Amicia hat mir von eurem kleinen Problem erzählt. Damit sollte es besser werden.“
Ich lächelte sie an und sie sahen peinlich berührt aus. „Wollt ihr mir nicht danken? Oder soll ich eure Hintern damit erst einschmieren?“
Als ihre Augen groß wurden, lachte ich auf. Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen verschwand ich.
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