Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Gefangen

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAngst, Fantasy / P12 / Gen
24.04.2021
24.04.2021
1
1.026
5
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
24.04.2021 1.026
 
Ungeduldig tigerte ich in meiner Zelle umher. Diese verdammten Dämonen hatten mir eine Falle gestellt. An meinem Fluchtplan arbeite ich schon seit Tagen. Ich musste einfach entkommen, bevor sie mir vollends den Verstand rauben konnten. Meine Wärter ergötzen sich an meinem Leid und nährten sich an meinem Geist. Jeden Tag verabreichten sie mir abscheuliche Substanzen, die mein Denken erschwerten und mich gefangen halten sollten.
„Nicht mit mir“, murmelte ich leise vor mich hin. „Ich bin ein Magier und werde euren Höllenkräften widerstehen.“
Als ich Schritte hörte, setze ich mich geduldig auf mein Bett. Nun war die Stunde meiner Flucht gekommen und ich spielte brav meine Rolle. Leicht sabbernd sah ich mit wirren Blick auf, als die Tür sich öffnete.
„Guten Morgen Tobias“, sprach mich der Dämon verführerisch an. „Hast du gut geschlafen? Es ist Zeit für deine Medizin.“
Er streckte eine seiner verunstaltenden Klauenhände aus und ein Dorn, einer Nadel gleich, ragte aus Fingern heraus.
Teufelszeug, dachte ich und bereitete mich innerlich vor. Zum Glück bemerkte der Dämon nicht, wie angespannt ich war, oder es interessierte ihn nicht. Als er vortrat, um mir das Gift zu verabreichen, ließ ich mich nach hinten auf das Bett fallen.
„Kein Grund zur Panik. Ich will dir doch nur helfen“, grinste die Teufelsbrut mich an und zeigte dabei ihre spitzen schwarzen Zähne. „Gleich geht es dir besser.“
Innerlich schnaubte ich und schwor mir ihn für diese Lüge büßen zu lassen. Geduldig wartete ich, bis er näher kam. Mit aller Kraft, die ich noch aufbringen konnte, trat ich ihm gegen die Brust und sprang auf. Der Dämon stolperte unbeholfen rückwärts. Rasch griff ich nach seiner Hand, drehte sie um und stieß ihm seinen Dorn in den Hals. Ungläubig riss die Ausgeburt der Hölle die lodernden Augen auf, als er sein eigenes Gift zu schmecken bekam. Einen Moment noch zappelte er, dann sackte er zusammen und ich konnte aufatmen.
„Das wäre geschafft“, schnaubte ich und nahm ihm seine magischen Scheibe ab. Ohne diese würde ich die Barrieren nicht überwinden können. Vorsichtig horchte ich an der Wand, die eine versteckte Tür war, und konnte keinen weiteren Wächter ausmachen. Einmal atmete ich noch durch und öffnete mit der magischen Scheibe meinen Kerker. Es klickte und ich war frei.
Schnell spähte ich in den dunklen Höhlengang und versicherte mich erneut allein zu sein. Dumpf hörte ich die Stimmen meiner Mitgefangenen. Ihre Zellen lagen Rechts und Links vom Korridor. Sie hatten längst den Verstand verloren und vegetierten nur noch vor sich hin, dem Ende ihres Leides entgegen. Für sie kam jede Rettung zu spät.
„Korn, Korn, Korn“, erklang es aus einer der Zellen. Ich seufzte schwer. Diese Arme Seele. Die Frau hielt sich für einen Vogel. Das Gift der Dämonen hatte ihr Hirn vollständig zerfressen.
„Wartet nur meine Freunde“, flüsterte ich ihr entgegen. „Ich werde wiederkommen und euch erlösen. Doch zuerst muss ich fliehen.“
So leise ich konnte, schlich ich den Gang entlang und erreichte die zweite Barriere auf meinem Weg. Auch diese konnte ich mit der erbeuteten Scheibe entsiegeln. Dahinter lag die große Folterkammer. Ein abscheulicher Raum. Dort wurden die Gefangenen zusammengepfercht und mit teuflischen Dingen gequält. Ich biss mir auf die Unterlippe und besah einen Augenblick das Sammelsurium in diesem finsteren Zimmer. All die grauenhaften Dinge zu sehen, die ihre Wärter benutzten, um den Verstand der Gefangenen zu fesseln und sie alle in den Wahnsinn zu treiben, ließen mich erschaudern.
Rasch löste ich mich von diesem Anblick, bevor mein Geist schwach werden konnte und der Verlockung nachgab. Ich rannte auf die nächste Barriere zu. Diese war anders als die ersten beiden. Die magische Scheibe allein reichte nicht aus, um ihren Bann zu brechen. Die Monster hatten mit ihrer Dämonenmagie teuflische Glyphen erschaffen, die sich meinem Verstand zu entziehen vermochten. Es hatte mich Tage gekostet die richtige Kombination der Zeichen herauszufinden.
Die Dämonen waren raffiniert und stehts auf der Hut, aber ich war schlauer und erlernte ihren Zauber. Ich konzentrierte mich und kämpfte gegen die dämonische Macht an, die ihre Glyphen vor meinen Augen tanzen ließ. Langsam aktivierte ich ein Zeichen nach dem nächsten und so konnte ich auch diese Barriere überwinden.
„Fast geschafft“, murmelte ich und rannte los. Nun stand mir nichts mehr im Wege und ich riss die hölzerne Eingangstür auf. In genau diesem Moment erklang ein schauerliches Wehklagen. Es war der Schrei einer Banshee, einer Todesfee. Ich war in eine Falle getappt und meine Flucht war bemerkt worden. Mit aller Macht kämpfte ich gegen das Wehklangen an, das in meinen Ohren dröhnte und versuchte mir den Verstand zu rauben.
Panik ergriff mein Herz, als ich Schritte hinter mir hörte. „Ich muss weiter“, ermahnte ich mich selbst und stürmte los. Direkt vor mit befand sich ein schmiedeeisernes Tor, das ein magisches Portal war. Erleichtert stellte ich fest, dass die Dämonen vergessen hatten das Portal zu schließen. Ich konnte die Außenwelt hinter einem wabernden Schleier sehen. Doch auf einmal setzten sich die Torflügel in Bewegung und begannen das Portal zu schließen. „Verdammt“, stieß ich aus und rannte so schnell ich konnte dem Portal entgegen. Meine Nackenhaare sträubten sich und ich bremste schlitternd vor Ausgang ab. Auf dem Tor lag ein Todesfluch, dass konnte ich spüren. Wenn ich hindurchginge würde mein Leben augenblicklich enden. Ich sank zu Boden und schrie meine Wut und Frustration heraus. Die Freiheit lag so nah und doch so fern.
„Nein“, jammerte ich und schlug mit den Fäusten auf den Boden ein. Bevor ich mich wieder gefangen hatte und auch nur versuchen konnte den Bann zu lösen, waren die Dämonen auch schon bei mir. Sie warfen mich vollends zu Boden und bohrten mir ihre spitzen Dornen in die Haut.
Als das Gift seine Wirkung entfaltete wurde mein Körper schlaff. Während sie mich zurück zu meiner Zelle trugen, sah ich, wie sich das Portal vollends schloss. Jeglicher Hoffnung auf eine Flucht beraubt begann ich bittere Tränen zu vergießen und meine Sicht verschwamm.
Kurze Zeit später hörte ich vor meiner Zelle die Dämonen reden.
„Was ist passiert? Wie konnte Tobias entkommen?“, fragte der Oberaufseher, schnaubend vor Wut.
„Er hat Phil überwältigt“, rechtfertigte sich ein anderer Dämon.
„So etwas darf nie wieder vorkommen. Ich sehe schon die Schlagzeile: Irrer entkommt aus renommierter Psychiatrie.“
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast