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Die Stimme des Kristalls

GeschichteRomance, Freundschaft / P18 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger OC (Own Character) Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
23.04.2021
07.05.2021
4
4.325
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04.05.2021 1.099
 
Die Stimme des Kristalls


Kapitel 3: Das Puzzle des Lebens

Zu Hause wartete auf die Zwillinge Ärger.
Onkel Vernon packte wütend an Harrys Haare und fragte ihn, was sie taten. Der Junge antwortete, dass die Scheibe vor einer Sekunde auf die nächste weg war. Auch Larissa versuchte dies zu erklären, doch der Fettklops war der Meinung, dass so was wie Zauberei nicht existierte. Wütend schubste er Larissa in Harrys Schrank gefolgt von ihm und schloss die Tür zu.

Die Zwillinge saßen im Dunkel und schwiegen. Harrys Zimmer war so eng, dass Larissa sich nicht mal strecken konnte. Verzweifelt versuchte das Mädchen ihren Bruder aufzuheitern, doch es half nichts. Traurig ließ sie ihre Schulter hängen. Sie schaltete die Lampe an, die aus einer Glühbirne bestand, und betrachtete seinen Körper. Larissa kletterte zu ihm und umarmte ihn von hinten, woraufhin er einen Schock bekam. Er beruhigte sich und schloss die Augen. Sie lagen nebeneinander und schwiegen.

Harry überlegte krampfhaft, ob es Zauberei oder irgendetwas anderes war. „Warum war die Scheibe weg? War das etwas Übernatürliches?“ Er wusste nicht, ob das etwas Übernatürliches war, aber wenn er seine Schwester betrachtete, hatte auch sie etwas Magisches an sich. Sie konnte Kristallen erschaffen und hatte immer gute Laune. Er wusste nicht, ob das letzte etwas Übernatürliches war, aber dennoch fand er es interessant. Er bewunderte sie.

„Wie lange leben wir schon hier, Harry?“
Er dachte laut nach. „Zehn Jahre.“
Larissa seufzte laut. „Ich kann mich nicht an unsere Vergangenheit erinnern. Tante Petunia hatte uns erzählt, dass unsere Eltern an einem Autounfall ums Leben gekommen sei.“

Harry konnte sich nicht erinnern, in diesem Auto gewesen zu sein, als der Unfall passierte. Er dachte nach. Larissa beobachtete ihn öfters, wenn er sich stundenlang im Schrank einschloss, um nachzudenken.
„Ich habe unheimliche Bilder von meinen Augen gesehen!“
Das Mädchen schloss ihre Augen. „Was für Bilder hast du sie gesehen?“

Harry war überrascht über ihren Ton. Sie klang ernst. „Dort war ein heller Blitz aus grünem Licht und ein brennender Schmerz auf meiner Stirn. Das musste der Unfall gewesen sein.“
Larissa war verwundert und dachte an seiner Narbe. „Aber das erklärt nicht, woher das grüne Licht kam. Ein Licht, ein Blitz während eines Autounfalles? Das kann nicht sein, Harry.“
Nickend stimmte er ihr zu. Er konnte sich nicht an seine Eltern erinnern. Onkel und Tante sprachen nicht über sie und es war ihm verboten, Fragen zu stellen. Im Haus gab es keine Fotos von ihnen.
„Wo waren wir als der Unfall passierte?“
„Keine Ahnung. Als ich jünger war, hatte ich von unbekannten Verwandten geträumt. Doch die Dursleys waren alles, was wir an Familie haben.“ Harrys Stimme wurde leiser.

Larissa krabbelte zu seinem Schrank und sah, was sich dort befand. Irgendwelche Dosen mit Farben standen oben auf dem Regal. Darunter lagen kaputten Spielzeuge, die er von seinem Cousin bekam und ein Apfel. Auf dem Unterstes lagen Lappen. Während Larissa sein Regal betrachtete, musterte der Junge sie.
„Warum hast du ein Lächeln auf den Lippen? Ärgert dich das nicht, dass du hier mit mir eingesperrt bist?“
„Nein!“ Larissa wurde lauter, doch sie lächelte und sah auf den Boden. „Für dich mag es seltsam sein, dass ich immer ein Lächeln auf den Lippen habe, doch-. Solange ich weiß, dass es dir gut geht, bin ich glücklich. Was für eine Strafe soll das sein, mit meinem Bruder in einem Schrank eingesperrt zu sein? Ich freue mich, mit dir Zeit zu verbringen.“

Harry musste schmunzeln. Wenigstens gab hier in diesem Haus jemand, dem ihm wichtig war. Larissa krabbelte wieder zu ihm und legte sich neben ihm.
„Wir haben keine Verwandten, außer diese hier. Aber weißt du was? Ich versuche nicht alles nur schwarz zusehen.“
Der Junge sah zu ihr, verstand nicht, was sie sagen möchte.

Larissa kichert und erzählte ihren Gedanken. „Das Leben ist für mich ein gigantisches Puzzle. Jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde kann ein neues Puzzlestück dazukommen und in eines der Bisherigen reinpassen. Manchmal scheint es kein passendes Gegenstück zu geben. Man sucht und doch gleichen sie sich so sehr oder bleiben alleine auf dem Tisch liegen. Es ist dann gespeichert in uns, aber es kann erst mal nicht zugeordnet werden. Und doch tut es gut, einen Überblick zu gewinnen, zu sehen, wie viele Teile doch ineinander passen und wie langsam ein Bild des Lebens entsteht. Das sind die bunten, leuchtenden Stücke, die sofort ins Auge fallen, um eine Basis für alle die dunklen und schwarzen Teile zu schaffen. Die bleiben vielleicht über Tage, Wochen, Monate einzeln für sich liegen und werden immer wieder zur Seite gelegt, weil kein Gegenstück zu finden ist. Die bitteren Teile, die Schmerzen und Schreie des Lebens, die so wichtig sind, die das Puzzle erst komplett machen, aber erst mal scheinbar nicht passen. Dann kommt der Tag, in der man sich diesen Teilen widmet und bei der Suche nach dem Gegenstück merkt, das sie doch ihren Platz finden können. Dass sie dazugehören, ob man es will oder nicht. Denn ansonsten bleibt das Puzzle, das Innere des Puzzles unfertig. Es bleiben offene Stellen wie offene Wunden, die nicht heilen können, die nicht eitern können, wenn sie zur Seite geschoben werden. Wir Menschen sind Meister im Verdrängen, aber es bleibt immer das Gefühl, das Teil fehlen, Anteile in uns werden nicht gelebt, der Schmerz wird vermieden.“

Sie legte eine kurze Pause ein und griff nach Harrys Hand. „Wir wollen das Gesamtwerk sehen und finden das Gegenstück. In jedem Puzzlebild eines Lebens gibt es die leuchtenden und die schwarzen Teile, aber die bunten Teile leuchten nur so sehr, weil wir auch die dunklen Teile durchlebt haben. Nur dadurch bekommen sie ihre Besonderheit. So widme ich mich den dunklen Teilen und versuche sie Schritt für Schritt in mein Puzzle des Lebens zu integrieren. Sie anzunehmen und zu mögen, weil auch in ihnen so viel Wertvolles steckt. Wir puzzeln das ganze Leben lang und es wird erst dann ein Abbild des eigenen Lebens geben. Ich bin dankbar für jede neue Erkenntnis, Erfahrung, jeden Gedanken. Die Puzzleteile, die täglich dazu kommen und mich und mein Bild ausformen. Und irgendwie beruhigt mich dieses Bild.“

Harry war gerührt. Er wusste nicht, dass seine Schwester psychologisch war, und dennoch verstand er immer noch nicht, was sie sagen wollte.
Das Mädchen kicherte lauter. „Was ich damit sagen möchte, ist, dass wir so viele Puzzlestücke in uns, in der Vergangenheit und in der Gegenwart haben, die wir versuchen, sie Stück für Stück unsere Zukunft zusammenzusetzen!“
Wortlos schlag Harry seine Armen um seine Schwester und drückte sie näher zu sich.
Leise flüsterte das Mädchen zu ihm. „Eines Tages werden wir diesen Ort hinter uns bringen.“
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