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Killing Flowers

GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Het
James "Krone" Potter Lily Potter Petunia Dursley Severus Snape
23.04.2021
22.07.2021
18
29.010
3
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22.07.2021 1.936
 
17 – Süße Rache


Ein betretenes Schweigen hatte sie nach Hause begleitet. Dadurch, dass es keine direkt ausstehenden Fragen mehr gab, wurde die Komik der Situation endgültig deutlich. Es war nur nicht lustig. Lily begann sich zu wünschen, dass die beiden jetzt schon gehen würden, obwohl ihre Gesellschaft ja tatsächlich sehr viel Gutes gehabt hatte. Die beiden mochten unmöglich sein, aber in gewisser Weise hatten sie auch Unmögliches vollbracht.

Bisher hatte ihre Mutter sich vortrefflich zurückgehalten, doch sie hatte ein Gefühl für dramatische Momente. Lily hingegen hatte ein überdeutliches Gefühl, dass dieses Abendessen unerfreulich werden würde, doch anscheinend war sie nicht die Einzige mit dieser Art von Vorahnungen. Ehe ihre Mutter ein Wort sagen konnte, erschien Petunia – in einem Minikleid, das ihr Vater höchstens als Putzlappen verwenden würde – am Treppenabsatz und unterbrach ihre Mutter prompt. „Zieh dich um, Lily. Wir gehen aus. Vernon feiert heute seinen Geburtstag und ihr drei kommt mit.“

Ihre Mutter starrte ihr ältestes Kind ungläubig an und Lily tat es ihr gleich. Als hätte irgendjemand mit der neuen Haarfarbe Petunias ganze Persönlichkeit ausgetauscht. Oder vielleicht hatte sie auch einen schrägen Streit mit Vernon und wollte mit Sirius angeben…

„Wieso umziehen, das sieht doch gut aus.“ Das war James, der ihre ausgesprochen kreativen Gedankengänge bezüglich Petunia unterbrach und sie damit dezent in Verlegenheit brachte. Sirius tarnte ein Lachen als Husten. Kein Wunder. Dass er sie nicht hübsch fand, war ein unausgesprochenes, aber offenes Geheimnis. Ihre Schwester hob die Augenbrauen. Draußen hupte es.

„Wenn du meinst. Wir müssen sowieso los. Vernons Schwester will deine Freunde kennen. Vernon hat ihr von James erzählt.“ Sie lächelte Lily an und nun war sie wieder ein bisschen die gute, alte, bissige Tunia, die Lily ihr Leben lang kannte. Liebenswürdig, aber trotzdem immer darauf bedacht, sich selbst am besten zu unterhalten.

Petunia ging zur Tür, schnippte ungeduldig mit dem Finger und dann taten Sirius und James etwas, was Lily ihnen niemals ganz verzeihen würde. Sie hakten sich wie auf Absprache links und rechts bei ihr ein und als sie bei der Türschwelle waren, hoben sie Lily einfach hoch. Sie wusste ja, dass sie nicht besonders groß war, aber das war nochmal eine ganz andere Liga. Es gelang ihr nicht einmal, einen Blick zurück zu werfen, um das Gesicht ihrer Mutter zu sehen.

Vernon hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass er noch jemanden mitnehmen müsste und ein dementsprechend kleines Fahrzeug ausgewählt. Ihre Schwester saß natürlich vorne und Lily musste sich mit James und Sirius auf der Rückbank arrangieren. Wäre sie nicht immer noch beschwingt, weil ihre Schwester in ganzen Sätzen mit ihr sprach und etwas mit ihr zusammen unternahm, hätte sie die Krise gekriegt.

Lily war niemals zuvor bei Vernon daheim gewesen, geschweige denn hätte Petunia auch nur ein Wort darüber verloren, aber sie war davon ausgegangen, dass er reich war. Das Haus war nicht besonders groß, das nicht, aber dafür war der Garten gigantisch. Und es gab einen Pool, in dem sich bereits etliche Leute tummelten, die Petunia wohl zu ihren Freunden zählte. Wenigstens wurde sie, sobald sie ausgestiegen waren, mit etlichen Küsschen und Umarmungen begrüßt. Im Normalfall wäre Lily wegen ihrem staubigen Rock und dem nicht allzu modischen Top sicher angestarrt worden, doch Sirius bot ausreichend Ablenkung. Schließlich bahnte sich ein ausgesprochen … kurviges … Mädchen den Weg durch die Menge. Sie trug ein hautenges Kleid, das an Lily wie ein Kartoffelsack hängen würde und hatte hochtoupierte Locken. Aufgrund des akuten Halsmangels war zu vermuten, dass es sich bei ihr um Vernons weibliche Verwandtschaft handelte.

„Wie schön, dass ihr gekommen seid.“ Sie drückte Petunia ganz fest und diese lächelte durchaus künstlich. Dann deutete sie auf James.

„Das ist meine Schwester Lily, ihr fester Freund Sirius, und dessen Freund James.“ Lily blieb fast die Spucke weg, während ihre Schwester gelassen grinste. „James, das ist Vernons Schwester Margie.“

Sirius mochte ihr zwar gezeigt haben, was Geschwisterliebe bedeutete, aber das hieß noch lange nicht, dass Petunia keinen Stolz mehr hatte. Das hier war in gewisser Weise die Rache für Sirius‘ Geschichte … selbst wenn so was bei jedem normalen Menschen keine Rache erfordert hätte. Das Schlimme an dieser Aktion war nur – und das hatte Petunia nicht ahnen können – dass sie Sirius ausgesprochen gut in den Kram passte.

„Lass uns tanzen, Schätzchen.“ Ehe Lily registrierte, dass sie in diesem Fall das Schätzchen war, hatte er sie schon bei der Hand genommen und in die Nähe eines riesigen Schallplattenspielers gezerrt. Petunia wurde von Vernon Richtung Buffet geleitet, einem überfordert dreinblickenden James stellte „Margie“ mehr als ein Dutzend Leute vor und verschleppte ihn anschließend ins Haus. „Scheint so, als würde heute jemand glücklich gemacht.“ Sie hätte Sirius fast vergessen gehabt, hätte er nicht seine Hände auf ihre Hüften gelegt und einen dermaßen unqualifizierten Kommentar von sich gegeben. Seine Hände konnte sie wegschlagen, aber weghören konnte sie nicht.

„Ich weiß nicht, was sich Tunia dabei denkt.“ Sie wusste es ganz genau. So gut kannte sie ihre Schwester eben doch. Trotzdem verstand sie nicht, warum sie deswegen mit Sirius Black einen Steh-Blues tanzen musste. Hoffentlich kam bald Schwung in denjenigen, der die Musik auflegte.

„Deine Schwester ist ganz schön gerissen. Man merkt schon, dass ihr verwandt seid.“ Sie sah ihn verwundert an und vergaß dabei vollkommen, seine Hände nochmal wegzuschlagen.

„Was bitte soll das denn heißen?“ Sirius Black hatte graue Augen und mit denen funkelte er sie amüsiert an. Sie wollte auf Abstand gehen, aber er hatte eine Art von Penetranz, die schlimmer war als so manche mütterliche Herzlichkeit. Und nach dem, was er für sie getan hatte, konnte sie ihm nicht ehrlich böse sein. Vermutlich wusste er das und nutzte es schamlos aus. An jedem anderen Tag hätte sie ihn hierfür angeschrien und ihm obendrein eine Ohrfeige verpasst.

„Du lädst James zu dir nach Hause ein, obwohl er dir jahrelang nachjagt und du ihm eine Abfuhr nach der nächsten zukommen lässt. Und dennoch scheint es, als wäret ihr gerademal Freunde. Du weißt schon, dass ihn das in den Wahnsinn treibt, oder? Noch mehr als sonst, meine ich.“

„Und dabei sollte man meinen, mehr als so einen besten Freund wie dich verkraftet einer alleine nicht.“ Das Stück wurde gewechselt. Schnelle und doch schmalzige Musik ertönte aus den Lautsprechern. Sirius freute sich, obwohl es ganz ohne sein Zutun geschah.

„Er kann mehr ab als du denkst.“ Das wusste sie, also konnte sie ihm nicht einmal widersprechen, was ihn natürlich dazu veranlasste, weiterzureden. Natürlich. Es gab immer noch mehr zu sagen. „Also seid ihr wirklich nur Freunde? Sicher?“ Nein, sie war sich nicht sicher. Und wenn er gestern Abend nicht aufgetaucht wäre, dann wäre sie noch unsicherer. Aber das würde sie ihm garantiert nicht stecken.

„Ja, wir sind definitiv nur Freunde. Oder vielmehr höchstens Freunde.“ Okay, das war zu dick aufgetragen. Jemand, der ihr eine der schönsten Ferienwochen der letzten Jahre bescherte, war eindeutig ihr Freund. Auch wenn sie immer noch nicht wusste, ob sie seinen Besuch Severus gegenüber erwähnen sollte. Aber vielleicht würde sich das ja einfach so ergeben, belog sie die aufdringlich allwissende Stimme in ihrem Kopf, die ihr sagte, dass es nicht mehr wie vorher werden würde.

Der Gesichtsausdruck ihres Gegenübers gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie hatte Sirius schon so gucken sehen und sie wusste auch, wie er sein konnte. Es behagte ihr nicht, wie er sie ansah und es behagte ihr erst recht nicht, wie er sie näher zu sich zog.

„Und wenn ihr wirklich höchstens Freunde seid und sich daran nie etwas ändern wird, dann wäre es doch auch nicht weiter schlimm, wenn ich mich vergewissern würde, oder Lily?“ Sie blinzelte ihn verwirrt an. Was meinte er? Sollte das so eine Art Anmache sein? Und seit wann waren sie nochmal beim Vornamen?

„Nein, sicher nicht.“ Sie verfluchte ihren Trotz, der da aus ihr sprach. Immer noch war er ihr gefährlich nah. Hatte sie diesen Kerl soeben noch selig vor Dankbarkeit umarmt? Und war das derselbe Sirius Black, der einer Familienhölle entkommen war? Wie konnte ein Mensch nur so leichtfertig sein?!

„Ich dürfte dich also auf die Probe stellen? Eure Freundschaft?“ Was wollte er tun? Margie zu James‘ Ehefrau machen? Dennoch erschien es ihr dumm, einfach zu bejahen. Wenn Sirius Black fragte, bevor er etwas tat, kam es einer schamlosen Ankündigung gleich. „Dürfte ich dich küssen?“

„Bitte was?“ Er lächelte ganz sorglos weiter und drehte sie einmal. Nicht nötig, danke, ihr war so schon schwindelig.

„Ob ich dich küssen dürfte, Lily.“ Es beruhigte sie nicht, dass er im Konjunktiv sprach.

„Nein, natürlich nicht.“ Was war das eigentlich für eine Frage? Oder besser noch: Was versprach er sich davon?

„Und wieso nicht, Lily?“ Könnte er nicht einmal aufhören, andauernd ihren Vornamen zu benutzen? Oder sollte sie das irgendwie besänftigen?

„Ich kann dich nicht ausstehen.“

„Du kannst mich nicht ausstehen?“

„Ja, also nein … ich bin dir dankbar wegen Petunia und … nein, aber ich will dich nicht küssen. Und ich will auch nicht, dass du mich küsst.“ Obwohl er eindeutig den Sinn ihrer Antwort verstanden haben dürfte, kam sein Mund trotzdem bis an ihr Ohr.

„Und warum willst du nicht? Überleg dir mal lieber, wen du stattdessen küssen willst.“ Ehe sie ihm eine Antwort geben konnte, ließ er sie mit einem Mal los. Das Stück wechselte und die Musik war so schnell, dass man unmöglich zusammen tanzen konnte, ohne bescheuert auszusehen.

Sie geriet völlig aus dem Takt und ehe sie sich versah, tanzte sie neben irgendeinem Unbekannten. Irgendeinem Gesicht aus der Masse, das nichts Besseres zu tun hatte, als ihr von seiner letzten Beziehung zu erzählen, die offenbar vor wenigen Minuten in die Brüche gegangen war. James kam – wohlgemerkt alleine – aus dem Haus der Dursleys und ging zu Sirius. Wenige Minuten später bemerkte Lily eine völlig aufgelöste Margie, die sich schluchzend an Petunia festklammerte. Und diese grinste doch tatsächlich.

„Tanzt du mit mir?“ James hatte sich unbemerkt an sie herangeschlichen. Wohin war Sirius verschwunden? Lily war verwirrt, aber nicht verwirrt genug, um sich weichkochen zu lassen – und das ganz gewiss nicht von Sirius Black. Eine Evans-Schwester pro Tag musste genug sein.

„Und was sagt mein fester Freund dazu?“ Um James‘ Mundwinkel herum zuckte es und er deutete zum Pool, wo Sirius sich einer von Petunia unzähligen Freundinnen annäherte, die tatsächlich mutig genug war, einen modischen Zweiteiler zu tragen.

„Der ist gut unterhalten.“

„Dann kann ich ja gar nicht Nein sagen.“

Es war anders als mit Sirius zu tanzen. Nicht unbedingt ernsthafter, aber sie kam sich nicht mehr so vor wie eine gesteuerte Puppe, die Sirius einmal lieb verschaukeln wollte. Dennoch hütete sie sich, dieselbe Stimmung aufkommen zu lassen wie am Abend zuvor. Diesen Triumph würde sie weder Sirius, noch James, noch Petunia, geschweige denn sich selbst gönnen.

Sie dachte daran, wie ihr Leben und der Sommer noch vor einer Woche ausgesehen hatte. Oder vor einem Tag. Es war beinahe wie ein Zauber – lächerlich, wenn man bedachte, dass sie und Petunia nur zerstritten gewesen waren, weil sie eine Hexe war. Nie wieder würde sie guten Gewissens behaupten können, dass Sirius Black ein schlechter Mensch war. Und nie wieder könnte sie sagen, dass James Potter sie niemals knacken würde. Das hatte er. Vielleicht schon mit dem ersten Brief oder aber schon früher und sie hatte es nur nicht gemerkt. Sie wusste nicht, wie sie Severus erklären sollte, dass ihre Schwester friedlich war oder dass in ihrem Zimmer ein kleiner Stapel mit Briefen von James lag, aber das war ihr in diesem Moment egal. Denn dieser Moment war schön und das ganz ohne Severus‘ Zutun.

„Alles in Ordnung?“ James sah sie fragend an und holte sie wieder auf die brüllend laute Party zurück, dabei waren ihre Gedanken gerade so still und weich gewesen wie Schäfchenwolken.

„Ja, alles bestens.“
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