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late night conversations

von vis
Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki Yuji Itadori
22.04.2021
22.04.2021
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»wo viel gefühl ist, da ist auch viel leid.«
—leonardo da vinci.





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Es gab keinen Grund zu trauern. Yūji war tot. Früher oder später starb jeder Mensch und als Jujuzist musste man ohnehin bereit sein dem Tod in die Augen zu blicken. Um jemanden zu weinen, den man nicht ein mal einen Monat lang gekannt hatte, war sinnlos. Es gab überhaupt keinen Grund zu trauern. Und dennoch saßen sie hier, alle Beide, und trauerten. Gefühle waren auch einfach nur das Letzte.


Selbst der Auslöser dazu war dämlich gewesen. Sie hatten gemeinsam zu Abend gegessen. Mit Maki, Toge und Panda. Es hatte gut geschmeckt. Mehr nicht. Wirklich nicht. Warum also hatte Megumi Yūji erwähnen müssen? Und warum nahm Nobara den Tod von dieser Dumpfbacke so mit? Megumi schien besser damit umgehen zu können. Selbst Gojo schien – wahrscheinlich – keine Probleme damit zu haben.

Warum tat es ihr dann so weh?

Yūji wäre früher oder später sowieso gestorben. Dann war es halt früher, und? Sie hatte ihn doch kaum gekannt. Nichts von ihm gewusst.

Nobara lag in ihrem Bett, die Wärme der Decke kam ihr erdrückend vor. Sie starrte an die Decke, doch auch diese wollte ihr keine Antworten geben. Sie hörte das Ticken einer Uhr, ganz so als würden die Zeiger ihr die Unverständlichkeit ihrer Mitgenommenheit verdeutlichen. Nobara konnte nicht schlafen. Auch konnte sie nicht denken – nicht mehr, das hatte sie in den letzten Tagen zu oft gemacht und es sorgte nur dafür, dass ihr der Kopf schmerzte und sie sich noch schlechter fühlte. Also dachte sie nicht mehr nach und gab einem Impuls nach. Also stand sie auf und lief in Richtung von Megumis Zimmer. Megumis und ... Yūjis. (Sie sollte endlich aufhören darüber zu trauern. Sie war kein Kind, dem der Schnuller weggenommen wurde und auch keine Frau, die einem Kerl hinterher heulte.)

»Fushiguro? Bist du noch wach?«, fragte Nobara als sie leise klopfte. Das Letzte, was sie gebrauchen konnte, war es erwischt zu werden. Nobara wusste nicht, ob sie gerade einen Regelverstoß begang oder nicht und sie legte es auch nicht darauf an das zu erfahren.

Die Tür wurde geöffnet.

»Kugisaki? Warum schläfst du nicht?«

»So wie du klingst, habe ich dich gerade auch nicht geweckt«, lautete ihre Antwort. Mit einem versteckten Ich erzähle nur, wenn du auch redest. Kindisch, aber wirkungsvoll.

»Willst du rein kommen?«, fragte er stattdessen ausweichend. Überspielte es. Ich kann dir nichts erzählen.

»Klar.« Verstehe. Ist okay. Ich ... nämlich auch nicht.

Die unausgesprochenen und doch verstandenen Sätze standen zwischen ihnen wurden in der Luft gelassen, wo sie anklagend blieben. Keiner von ihnen störte sich daran. Zumindest wollte Nobara das glauben.

Das Schweigen zwischen ihnen sprach eine andere Sprache.

Megumi fragte nicht, was sie hier machte oder warum sie hier war, weil er sich der Antwort genauso sehr bewusst war wie sie. Ebenso fragte Nobara nicht, warum er nicht schlief. Warum sollte sie auch? Sie wusste es doch genau. Es war derselbe Grund aus dem sie selbst nicht schlafen kann. Dieselbe Person wegen der sie nicht schlafen konnten.  

Yūji.

Nobara seufzte tief ehe sie ungefragt auf Megumis Bett Platz nahm. Er sagte nichts dagegen also ließ sie sich nach hinten fallen und durchlöcherte mit ihren Blicken die Wand, die ihr keine Antwort oder Hilfe geben wollte. Toll. Ein Déjà–vu.

»Es nervt mich.« Megumi drehte seinen Kopf leicht in ihre Richtung. Nicht fragend, nicht verwirrt, sondern einfach nur wartend. Für Nobara war das genug, um fortzufahren.

»Wir haben diesen Idioten aus der Pampa doch gerade mal zwei Wochen gekannt.«

»Du kommst selber aus einem Dorf.«

»Halt die Klappe.«

Megumi schmunzelte leicht. Es war nur ein kleines Zucken seiner Mundwinkel, zu wenig um in der Dunkelheit der Nacht wahrgenommen zu werden, doch genug damit er es spüren konnte. Er wandte seinen Blick von Nobara, die es sich auf seinem Bett gemütlich gemacht hatte, ab, ließ ihn streifen und blickte irgendwo ins Nichts. Dahin, wo in einem anderen Leben wohl Yūji gewesen wäre. Mit ihnen gemeinsam schlaflos rumlungern, statt der Grund für diese erdrückende Schlaflosigkeit zu sein.

Nobara hatte recht. Weder er noch Nobara hatten Yūji lange genug gekannt, um eine tiefere Bindung zu ihm zu haben und sie würden auch keine Chance mehr haben eine aufbauen zu können. Es waren lediglich zwei Wochen gewesen. Zwei Wochen. Zu wenig, um durch seinen Verlust in ein destruktives Loch aus Schmerz, Trauer und Bedauern zu fallen, allerdings zu viel, um seinem Tod mit Gleichgültigkeit oder Egalität entgegen blicken zu können.

Yūji war ein guter Mensch gewesen. Er hatte Gutes tun wollen. Er hat Gutes getan. Doch Megumi wusste, dass selbst den gutmütigsten Menschen Unrecht widerfährt, während andere ihrem gerechten Urteil entfliehen können. Megumi wusste das nur zu gut. Deshalb war er doch Jujuzist geworden. Wenigstens um zu versuchen, dass guten Menschen Gutes widerfahren soll. Dass sie kein Unrecht erfahren müssen. Nicht wie sie es hat erfahren müssen.

Dennoch war Yūji tot.

Megumi seufzte. Darüber nachzudenken, ließ einen nur tiefer in dieser Abwärtsspirale fallen. Nobara hatte recht. Es war nervig. Wirklich sehr nervig.

»Yūji«, sagte er, »war ein guter Mensch. Früher oder später wäre er sowieso gestorben. Wir alle sterben irgendwann, ja, aber Yūji ... Yūji hätte irgendwann wegen Sukuna sterben müssen.«

Es waren keine tröstenden Worte. Megumi sprach sie auch nicht mit einer tröstenden Intention aus. Das Einzige, das er tat, war es die Wahrheit zu sagen. Eine bittere Wahrheit mit der er sich doch eigentlich abgefunden hatte. Mit der sie sich alle abgefunden hatten. Selbst Yūji. Wobei – nein, das war falsch. Nicht selbst Yūji, sondern gerade Yūji. Es klang dämlich, aber Yūji kam mit seinem Tod wohl besser zurecht als sie.

Nobara hat recht. Es war nervig.

»Weißt du, Kugisaki«, sagte er leise und schaute auf seine Hand hinab, weil er ihr nicht hätte in die Augen blicken können, weil er sich gerade, in diesem Moment, selbst irgendwie nicht ertragen konnte, »Ich war bei ihm. Kurz bevor er starb. Er hat gelächelt. Sein Tod, die ganzen Ereignisse ... Das wäre alles nicht passiert, wenn ich stärker gewesen wäre. Wenn ich mich von dem Fluch damals nicht hätte überwältigen lassen. Dann hätte Yūji Sukunas Finger nicht gegessen und das alles wäre niemals passiert. Dann hätte er einfach ein normales Leben als Oberschüler geführt. Das alles ... Das alles war meine Schuld. Ich–«

»Jetzt halt man den Rand.« Nobaras Worte kamen scharfzüngig über ihre Lippen. Hart. Mitleidslos. Und am allermeisten eins: Ehrlich. »Es bringt niemanden was, wenn du dir die Schuld zuweist und dich in einer erbärmlichen Höhle aus Selbstmitleid verkriechst. Sag mir jetzt nicht, dass Itadoris Dummheit wirklich so sehr auf dich abgefärbt hat.« Nobaras Augen, die aus Mahagonigewächse zu bestehen schienen, funkelten ihn an. Dann entkam ihrem Mund ein resignierter Seufzer. Nein, das schien falsch. Nicht resigniert. Eher ... frustriert.

»Weißt du Fushiguro ... Ich werde dir jetzt nicht dieses Klischeezeugs wie Honig um den Mund schmieren. Du weißt doch selbst, dass dieses verdammte hätte oder wäre sowieso bedeutungslos ist, weil es nichts daran ändern wird wie es ist. Und außerdem ... würde Itadori das nicht wollen, oder? Dass du bereust wie es gelaufen ist. Er würde das nicht wollen. Und ich auch nicht. Es ist, was es ist und daran gibt's nun mal nichts zu ändern. Deshalb ... lass uns stärker werden, ja? Für Itadori.«

Megumi lächelte. Nicht klein, nicht unauffällig. Sondern direkt in Nobaras Gesicht. Offen.

»Du hast recht, Kugisaki. Lass uns stärker werden.«

Das ließ Nobara zufrieden in ihre Hände klatschen und aufspringen, während sie sich streckte. »Super!«, rief sie erfreut. Und laut. Sehr laut. Zu laut.

»NOBARA IST IN MEGUMIS ZIMMER! UND DAS NACHTS!«

»Eh? Echt jetzt?«

»Lachs.«


Nobara und Megumi fanden zwei Dinge heraus: Erstens schienen Pandas ein gutes Gehör zu haben und zweitens war es tatsächlich verboten Nachts in anderen Zimmern zu sein.



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»und wenn du das gefühl hast, dass gerade alles auseinander zu fallen scheint, bleibe ganz ruhig. es sortiert sich nur neu.«
—  unbekannt.





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