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Basketball vs. Eishockey - Liebe vs. Verstand

von Mero Luna
GeschichteRomance, Freundschaft / P18 / Mix
Moritz Breuer OC (Own Character) Paul Richter Stephan Sindera
22.04.2021
11.06.2021
8
16.797
3
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11.06.2021 2.001
 
Stephan

Gelangweilt stand ich an meinen Audi und wartete. Wartete vor dem Fahrradständer auf Moritzlein. Der würde aus allen Wolken fallen, wenn ich ihm von meinen Plan erzählte. Ich freute mich schon jetzt auf sein geschocktes Gesicht.

Und da kam er auch endlich! Wie konnte man es nur länger als nötig in dieser Drecks-Schule aushalten? Scheiß Streber! Dem würde das Lachen schon noch vergehen! Oh ja! Ich freute mich schon auf sein Gesicht, wenn er stöhnend unter mir lag! Oh ja, ich hatte heute großes mit dir vor, Moritzlein!

„Na dann, bis morgen, Harry“, endlich war er an seinem Fahrrad angekommen und verabschiedete sich von einem seiner Basketballspinnern. Ging, glaub ich, zwei Klasse unter mir. War ja auch egal!

„Was grinst du so dämlich?“, fragt er mich während er sein Fahrradschloss löste.
„Weißt du noch, was ich zu dir gesagt habe? Heute im Unterricht?“ Moritz erhob sich aus der Hocke und sah mich skeptisch an. „Was genau? Das du nicht einen Stift in die Hand nehmen wirst? Das ich keine Freundschaften hätte? Das du Alexa ausnutzen willst?“ Mein Grinsen verschwand nicht, als er sich mit verschreckten Armen vor mich stellte. „Was willst du von mir? Ich hatte gerade, im Gegensatz zu dir, ein anstrengendes Training hinter mir. Ich würde gerne nach Hause gehen.“ Er wollte sich schon von mir wegdrehen, sich wieder seinem Rad zuwenden, doch ich hielt ihm Arm zurück.

„Etwas hast du vergessen! Das ich nicht in der Schule arbeite! Und deshalb werden wir jetzt zu mir fahren!“ Fassungslos starrte er mich an. „Lege das nicht einfach fest! Vielleicht habe ich heute noch was anderes vor?“

„Hast du jetzt nicht mehr! Jetzt steig‘ ein!“ Ich deutete auf die Beifahrertür. Moritz seufzte auf. Und gab sich geschlagen. „Was ist mit meinem Fahrrad?“, fragte er, als er sich auf den Platz setzte. „Es wird nicht lange dauern. Ich fahr dich danach wieder her.“ Ich starte den Motor und bog auf die Straße. Ja, es würde tatsächlich nicht lange dauern. Ich mein, Moritz ins Bett zu bekommen, mit dem, was ich wusste, war ein Kinderspiel.

„Es wäre schön, wenn du mich dann gleich nach Hause fahren könntest. Nehme ich morgen Früh einfach den Bus.“ Überrascht sah ich Moritz an. Er hatte ja fast schon schüchtern geklungen. „Schau auf die Straße!“, meinet er sofort trotzig und drehte den Kopf zum Fenster. Oh ja, das versprach ja noch spaßiger noch werden! Diese Seite kannte ich ja noch gar nicht von Moritz.
Schweigsam fuhren wir erst durch die Innenstadt, dann bog ich auf eine Landstraße. Verwirrt sah Moritz zu mir. „Was?“, fragte ich ihn. „Ich dachte nur, dass dein Haus näher am Zentrum liegt. Bei den ganzen Partys, die du gibt’s. Die ja ach so toll sein sollen.“ Er klang wirklich erstaunt, doch der letzte Satz ließ ihn wie ein trotziges Kind wirken.

„Du warst nie auf einer meiner Partys?“ Jetzt war ich wirklich baff. Aber wenn ich so nachdachte…tatsächlich. Ich hatte Moritz und Alexa noch nie in meiner Villa gesehen. Jeder andere meiner Kumpels und auch Leute aus unserer Stufe mit denen ich nicht sonderlich gut befreundet war, waren schon auf einer meiner Partys.

„Warum nicht?“, fragte ich weiter. Moritz schwieg. Doch nach einer Weile meinte er, ohne mich anzusehen: „Wir sind doch nie eingeladen worden.“ Ich lachte auf und wollte schon antworten, dass man da keine Einladung braucht, sondern einfach kommen musste, doch Moritz kam mir zuvor. „Und warum hätten wir kommen sollen? Sind doch eh Partys, die du veranstaltest!“ Wieder war er ein trotziges Kind. Und ich würde ihn fast schon niedlich nennen, wenn er nicht wie der größte Streber klingen würde, der unbedingt eine Einladung brauchte. Aber nun gut, der war er nun einmal. Manchmal, in den seltensten Fällen, war ich fast schon neidisch auf seine guten Noten. Aber das würde ich ihm niemals auf die Nase binden.

Und dennoch könnte ich es auch für mich nutzen. Paul hatte Recht, ich war nicht dumm. Aber ich befürchtete, es würde nicht ausreichen, um im Team zu bleiben. Doch mit Moritz‘ „Hilfe“ würde es sicher ganz einfach werden. Das war also der neue Plan, den Kleinen flachlegen und dann verlangen, dass er mir bei meinen anderen Problem half. Mit meinen Druckmittel! Kein Problem! Ich parkte in meiner Garage.

Moritz

„Du grinst wieder so dämlich“, meinte ich mit hochgezogener Augenbraue. Fast flößte mir dieses animalische Grinsen Angst ein. Dieses Grinse, bei dem er seine perfekten weißen Zähne offenbarte, welche im krassen Kontrast zu seiner gebräunten Haut, seinem schwarzen Undercut und seinem gepflegten Dreitagebart standen. Er sah schon nicht schlecht aus, es hatte mich nie gewundert, dass die ganzen Mädchen auf ihn standen.

Doch sein Charakter war einfach scheiße! Was nütze das Aussehen ohne wirklichen Charakter? Und sein Charakter bestand aus nicht weiter als eine großkotzige Art, Angeberei und einen hohlen Kopf. Es hatte sich ein Gerücht verbreitet, welches besagte, dass Stephan, wenn er nicht besseren Noten bekam, aus dem Team flog. Ha, geschah diesem Typen zu recht. Er hätte es verdient!

„Kommst du? Ich hab keinen Bock länger hier rum zu stehen!“ Sindera stand bereits an der Tür, die in seine Villa führte. „Und ich dachte, du hast heute noch was wichtiges vor?“, grinste er mir rotzfrech entgegen, wohlwissend, dass ich nichts vorhatte.

Ich folgte ihm einen längeren Gang entlang. Ich war ja schon etwas neidisch auf seine Villa, die er offensichtlich allein bewohnte. Von dem, was ich schon von außen erkannt hatte, hatte hier einen mehrköpfige Familie samt Großeltern Platz, und dieser verzogene Bengel bekam sie von Papi gesponsert. Ich wette auch, dass Sindera nie in seinem Leben arbeiten musste. Manchmal, in meinen dunkelsten Stunden, wünschte ich mir das auch. Doch sobald ich mich bei diesem Gedanken erwischte, schlug ich mich im Inneren selbst.

Der Weg führte uns an unzähligen, offen angelegten Zimmer und einigen geschlossenen Türen vorbei zu einer ebensolchen im zweiten Stock. Sindera, welcher bis jetzt vor mir gelaufen war und die Tür geöffnete hatte, trat nun einen Schritt beiseite. „Bitte, nach dir, Moritz.“ Wieder war da dieser zu süße Ton, den er heute schon benutzt hatte.

Skeptisch beäugte ich ihn. Der plante was! Das konnte ich an seinen Augen ablesen, welche das Lächeln, das er mir schenkte, nicht erreichte. Vorsichtig trat ich ein. Und fühlte mich, für die Verhältnisse der Villa, in einer Abstellkammer. Der Raum war ziemlich klein. An der linken Wand befand sich das Fenster. An der Wand gegenüber der Tür standen ein einziges Sofa und ein recht billiger Holztisch mit einem passenden Stuhl. Und an der rechten Wand ein schwerer, dunkler Holzschrank.

Verwirrt sah ich mich um. Was war das für ein Raum? Er sah so ungebraucht aus, als wäre Sindera nie hier. Warum hatte der den?

Ich stellte meine Tasche neben dem Tisch ab und drehte mich zu Sindera um. Wollte ihm fragen, was wir hier sollten. Doch dazu kam es nicht!

Mir blieb die Luft weg, als mich Sindera am Arm packte und gegen den Schrank pinnte. Überrascht starrte ich ihm in die eisblauen Augen. Was hatte er vor? Was wollte er von mir? Seine Hände neben meinen Körper abgestützt, ein dunkles Grinsen auf den Lippen, befand er sich genau vor mir. Ich konnte seine Augen aufblitzen sehen, bevor….

Sein Bart stach furchtbar, als er seine Lippen gegen meine presst.

Einige Sekunden verharrten wir in dieser Position, keiner bewegte sich.

Ich nicht, weil ich einfach überrumpelt war. WAS passierte hier gerade?

Sindera nicht, weil er sich vermutlich eine Reaktion von mir erhoffte. Und die sollte er bekommen!

Mit aller Kraft stieß ich ihn von mir. Und tatsächlich stolperte er ein paar Schritte zurück. Doch auf sein Gesicht trat keine Verwunderung, sondern ein selbstgefälliges Grinsen. Er kam wieder näher.
„Alter! Was sollte das?“, schrie ich ihn an. „Sag mal, spinnst du? Bist du noch ganz knuspern? Hast du irgendwas in deinem hohlen Schädel?“ Sindera ließ die Schimpftirade über sich ergehen, stand nur mit verschränkten Armen und breit grinsend vor mir.

„Kennst du doch nicht anderes!“ Fassungslos starrte ich ihn an. Genervt verdrehte er seine Augen und sah sich gezwungen weiter auszuholen: „Von deiner Arbeit. Im Stripclub „Zuckerbrot und Peitsche“. Glaub ja nicht, dass wüsste ich nicht! Also stell dich nicht so an!“

Woher wusste er, dass ich in diesem Club arbeitete? Niemand wusste das! Nicht Alexa! Nicht meine Eltern! Nicht Tobi! Nicht mein Team! NIEMAND!

Aber wer auch immer ihn informiert hatte, hatte seinen Job nicht gut gemacht. Ich arbeite dort, ja, aber nicht als Tänzerin oder in einem der Hinterzimmer, sondern als Barkeeper. Und ich war nicht stolz darauf, aber glücklich diesen gut bezahlten Job ergattert zu haben.

Auf meine Fassungslosigkeit folgte blanke Wut. „Was nimmst du dir heraus? Im Gegensatz zu dir arbeite ich! Ja und? Deshalb darfst mich noch lange nicht so belästigen! Und sollte es dich auch interessieren: Ich bin Barkeeper! Und keine Prostituierte! Also wenn du mich nun entschuldigen würdest! Ich muss meinen Mund auswaschen!“ Wutentbrannt stürmte ich davon. Wollte ich zumindest, doch Sindera hielt mich am Arm fest. Meine Hand zuckte schon, als ich mich wieder umdrehte. Bereit ihn zu schlagen, sollte er etwas Dummes planen.

Doch er lachte mich an, höhnend. „Denkst du, ich lasse dich einfach gehen?“ „Was willst du von mir, Sindera?“, geiferte ich ihn an. Für einen Moment schien er zu überlegen. Ernsthaft zu überlegen, auch wenn ich gar nicht glauben konnte, dass er das beherrschte. Dann meinte er mit einer Kühle in der Stimme: „Da ich dich nicht ins Bett bekomme, will ich, dass du mir beim Lernen hilfst.“

Das hatte er gerade nicht ernsthaft gesagt. Sein Plan war es, allen Ernstes, mich „ins Bett zu bekommen“. Und da das nicht klappte, wollte er, dass ich mit ihm lernte? Ich wollte ihn schon „Warum?“ fragen, doch da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Ich riss meinen Arm, den er bis jetzt festgehalten hatte, los. Und stellte mich nun selbst  mit einem höhnenden Grinsen und verschränkten Armen vor ihn.

„So? Also stimmt das Gerücht, dass du wegen deinen schlechten Noten aus dem Team fliegst?“ Ich lachte auf, ein kaltes Lachen, ohne jegliche Freude. „Sag mir einen, nenne mir nur einen vernünftigen Grund, warum auf dich hören sollte, warum ich DIR helfen sollte. Was sollte es mir bringen, außer, dass ich meine Zeit verschwende?“

„Ich habe die Beweise, dass du in diesem Club arbeitest“, auch Sindera hatte ein kaltes Gesicht aufgesetzt. Für einen Augenblick starrten wir uns an, legten all die Verachtung für den Gegenüber in den Blick.

„Na und?“ Ich lachte kurz auf. „Dann hast du diese Beweise. Dann beweist du, dass du mir nachspionierst.  Dann beweist du, dass ich arbeiten gehe, um meine Familie zu unterstützen. Oh, was bin ich nur für ein schlimmer Mensch. Sieh es ein Sindera, ich werde dir nicht helfen.“ Mit diesen Worten nahm ich meine Tasche und wollte endgültig gehen. Doch Sindera ließ nicht locker.

„Was würdest du machen, wenn man dich aus deinem Team schmeißen will? Wenn du in meiner Situation wärst? Dir sind dein Team und dein Sport heilig, genauso wie mir. Das weiß ich, Moritz.“
Ich blieb stehen. Verdammt, damit hatte er mich. Ich hätte nicht gedacht, dass er diese Karte spielte. Und fast, ich glaubte, mich verhört zu haben, klang der sonst so starke Sindera, der niemanden so wirklich an sich heranließ, schwach. Schwach und flehend. Flehend, ihm zu helfen.

„Gut, ich helfe dir, aber nur wenn du versprichst, Alexa ab sofort und für immer in Ruhe zu lassen!“ Sindera nickte ernst. „Und wenn es keine Übergriffe wie gerade eben mehr gibt!“ Ich sah ihm noch einmal finster an. Doch Sindera hatte sein altes Ich wiedergefunden.

Er kam näher und legte mir einen Arm um die Schulter. „Ach komm, du musst zugeben, so schlecht war es doch gar nicht. Wenn du etwas mehr Tatendrang gezeigt hättest ….“ Er ließ den Satz unvollendet und schlenderte aus der Tür. Entsetzt sah ich hinterher.

„Kommst du, Moritzlein? Ich fahr dich heim!“, meinte er im Plauderton. Ich brauchte eine Sekunde um mich zu sammeln und lief ihm dann mit geschulterter Tasche hinter.
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