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Schicksalhafte Begegnung

von Rerafina
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Blaise Zabini Draco Malfoy George Weasley Magische Wesen OC (Own Character)
21.04.2021
08.05.2021
18
46.624
3
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04.05.2021 1.637
 
Rerafina

„Mein Bruder wurde auf seinem Weg zum ersten Schuljahr getötet.“
Die Stille die diesen Worten folgte, war beinahe greifbar. Draco hatte für einen kurzen Moment aufgehört ihre Hand zu streicheln, doch begann kurz darauf wieder. Sie genoss die tröstende Wärme seiner Finger auf den ihren. Doch die Trauer, die dieser Geschichte folgte, kannte sie zu gut.
Wie ein Gift strömte der Schmerz durch ihre Adern und führte normalerweise dazu, dass sie sich beinahe vor Qualen wand. Heute jedoch, mit Dracos zärtlicher Berührung auf ihrer Haut, war das Gefühl dumpfer als sonst. Es war fast schon aushaltbar.
Beim Klang von näherkommenden Schritten öffnete sie wieder die zuvor geschlossenen die Augen. Sie vermied es, Draco ins Gesicht zu sehen, und lächelte höflich Alfonso an, der ihnen einen Teller mit zwei kleinen Schokoladenkuchen sowie den Kaffee brachte. Die Stimmung am Tisch musste offensichtlich bedrückt sein, denn der Italiener sagte nichts und nickte nur freundlich, bevor er wieder verschwand.
Noch immer hielt Draco ihre Hand, als sie ihn anblickte. Seinen Gesichtsausdruck konnte sie nicht deuten. Es war nicht direkt Mitleid, eher Verständnis.
„Sein Name war Damon. Er war fünf Jahre älter als ich und sollte als erster Grindelwald wieder eine offizielle Schule besuchen. Professor Dumbledore hatte damals mit meinen Eltern gesprochen. Er war der festen Meinung, dass weder die Generation meines Vaters noch unsere unter den Taten unseres Großvaters leiden mussten.
Es dauerte etwas, bis Dad zugestimmt hatte. Ich erinnere mich noch wie aufgeregt Damon war, selbst ich konnte es nicht erwarten endlich elf zu werden um nach Hogwarts gehen zu können“, sie erzählte leise, doch als sie angefangen hatte, flossen die Wörter nur so aus ihr heraus. Draco sagte kein Wort, sondern hörte ihr nur zu, während seine Finger unaufhörlich über ihre Haut strichen.
„Ich erinnere mich nicht an viel von damals, schließlich war ich erst sechs Jahre alt. Diesen Tag werde ich jedoch niemals vergessen können. Du musst wissen, ich habe Damon vergöttert… Als kleines Kind bin ich ihm immer hinterer gelaufen und wollte genauso sein wie mein großer Bruder.“ Ein trauriges Lächeln strich über ihre Lippen, während sich ein dicker Klos in ihrem Hals bildete.
„Wir waren damals am 1. September auf dem Weg nach Kings Cross. Mein Dad war unglaublich nervös. Ich weiß noch wie er sich ständig hektisch umgesehen hatte. Damon war ein paar Schritte vor uns hergelaufen, weil er so glücklich war. Mum hatte mich fest an der Hand gehalten, damit ich nicht auch noch abhauen konnte.“ Ihre Stimme stockte kurz als sie an den Tag dachte, den sie immer wieder in ihren Träumen durchleben musste. Ein leichtes Zittern durchzog ihre Stimme, als sie weitersprach: „Dann ging alles ganz schnell. Da war ein heller blauer Blitz…. Mein Vater hat geschrien und ist auf Damon zu gerannt. Es war das letzte Mal, dass ich ihn lebend gesehen hab…. Mutter ist auf der Stelle mit mir davon appariert.“
Ihre Stimme versagte. Sie spürte wie ihr eine heiße Träne über die Wange rann. Wie sie es hasste Schwäche zu zeigen. Dass sie diesen Tag vor über 20 Jahren nicht Revue passieren lassen konnte, ohne in Tränen aufgelöst zu sein, ging ihr gewaltig gegen den Strich. Während sie gesprochen hatte, war ihr Blick wieder auf den Tisch gewandert. Das Geräusch eines Stuhles der über den Boden gezogen wurde war zu hören. Dann spürte sie, wie Draco ihren Stuhl zurück zog. Ohne Probleme hob er sie hoch, setzte sich hin und lies sie auf seinem Schoß nieder. Er sagte noch immer kein Wort, seine Arme hielten sie einfach nur fest.
Zögernd sprach sie weiter: „Als wir Zuhause angekommen waren, hat meine Mutter sofort begonnen Schutzzauber zu wirken. Sie war völlig aufgelöst und ist die ganze Zeit hysterisch durch das Haus gelaufen. Ich hatte keine Ahnung was passiert war. Dann kam mein Vater wieder zurück. Er war blutüberströmt und trug Damon in seinen Armen. Er bewegte sich nicht mehr. Ich bin zu ihm gerannt um ihn zu wecken... Ich hab immer wieder seinen Namen gerufen, ihn angefleht er solle die Augen aufmachen, doch er hat mir nicht geantwortet…..“
Ihre Stimme brach ab. Mit größter Mühe konnte sie die Tränen zurück halten, die ihr hinter den Augen brannten. Draco zog sie näher an sich und murmelte beruhigend: „Shhht… Du musst nicht weiter reden.“


Draco

Sie waren mittlerweile die letzten Besucher des Lokals. Draco war noch immer erschüttert von der Geschichte die ihm erzählt wurde. Seine Finger strichen über ihre Seite. Ihr schöner Kopf lag in der Kuhle seines Halses und ihr Körper zitterte leicht.
Er dachte schon, dass sie nicht weiter sprechen würde, doch dann erzählte sie ihm den Rest der Geschichte: „Als ich etwas älter wurde, haben meine Eltern mir erzählt, wer Damon angegriffen hatte. Es war ein Zauberer aus Bulgarien, dessen ganze Familie damals von meinem Großvater ermordet worden war. Durch die Trauer um den Verlust muss er wahnsinnig geworden sein. Sein ganzes Leben hatte er versucht, meine Eltern zu finden, um sich an den Grindelwalds zu rächen. Er muss gedacht haben, dass er dadurch Frieden finden würde. Es war kein Todesfluch den er auf Damon geschossen hatte. Ich weiß nicht, was er Damon aufgehalst hat, aber er hatte zu viel Blut verloren. Doch daran erinnere ich mich nicht mehr.“ Sie atmete tief ein und schmiegte sich enger an ihn. „Der Mann wurde am Bahnhof noch gestellt. Seine Verurteilung fand einige Wochen später statt. Er sitzt noch immer in Askaban, glaube ich. Meine Eltern hatten so große Angst, davor, mich könnte das gleiche Schicksal treffen, sodass sie mich von allen abgeschottet haben. Als ich elf geworden bin habe ich nicht verstanden, warum ich nicht nach Hogwarts gehen durfte. Schließlich haben meine Eltern mir erlaubt, einen Sommerkurs zu belegen. Und da haben wir uns das erste Mal gesehen.“
Draco drückte sie fest an sich und küsste sie auf ihren Kopf. Dass sie das alles erlebt hatte, tat ihm unendlich weh. Er selbst hatte auch schon mit Ablehnung umgehen müssen, er wusste also wie sie sich fühlte. Doch noch nie war er angegriffen worden. Eine Weile saßen sie da ohne ein Wort zu sprechen.

„Wollen wir nach Hause?“, fragte Draco einige Minuten später leise. Ein Nicken an seinem Hals ließ ihn seine Umarmung etwas lockern. Rerafina erhob sich von seinem Schoß und stand auf. Sie wirkte noch immer am Boden zerstört.
„Tut mir leid, dass ich den Abend verdorben habe“, murmelte sie leise. Draco stand ebenfalls auf und stellte sich nahe vor sie.
„Tut mir leid, dass ich dich dazu gebracht habe es zu erzählen.“ Ihre traurigen grünen Augen blickten zu ihm auf und ihr Schmerz brannte in seinem Magen. „Warte kurz hier.“ Mit diesen Worten lief er zügig auf die Theke zu. Leise unterhielt er sich mit Alfonso und reichte ihm einige schwere Goldmünzen. Der kleine dicke Zauberer verabschiedete sich nickend von ihm. Draco ging wieder zurück zu Rerafina, die noch immer an der gleichen Stelle stand an der er sie zurück gelassen hatte. Sein Herz brach beinahe bei dem verlorenen Eindruck den diese schöne, starke Frau vor ihm machte. Sanft legte er ihr eine Hand auf den Rücken als er hinter ihr stand.
Sie wandte ihm das Gesicht zu und versuchte ihre Lippen zu einem Lächeln zu verziehen, was ihr nicht gelang. „Komm, ich appariere dich nach Hause“, sagte Draco sanft.
„Aber dein Wagen?“
„Schon in Ordnung, den hole ich morgen.“
Langsam nickte Rerafina, während er ihre Hand in die seine nahm. Er hielt sie fest, dann begann er sich leicht zu drehen.

Vor ihrer Wohnung angekommen löste er seine Hand von ihrer. Zitternd nahm Rerafina den Schlüssel aus ihrer Tasche um die Wohnungstür aufzuschließen. Beide traten nacheinander in den langen Flur und Draco schloss die Türe hinter sich.
„Ich warte bis du im Bett bist, dann appariere ich nach Hause“, erklärte er, doch Rerafina schien sich nicht unwohl mit seiner Anwesenheit zu fühlen.
Ohne ein Wort zu sagen, nahm sie seine Hand und führte ihn in ihr Schlafzimmer. Dort löste sie die Verbindung ihrer Hände wieder, um in einem weiteren Zimmer zu verschwinden. Es musste sich um das Badezimmer handeln, denn Draco konnte einen Wasserstrahl hören, der wohl von einem Waschbecken herstammte. Er sah sich im Raum um. Im Schlafzimmer stand ein großes beige farbenes Bett mit mehreren Kissen in verschiedenen Creme Tönen. Zwei weiße Kommoden standen an der einen Wand und an der anderen war ein großer weiß-brauner Schrank. Draco zog seinen Zauberstab um die Jalousien an den großen Fenstern zu schließen, als Rerafina aus dem Badezimmer trat. Sie hatte sich umgezogen und trug eine tiefsitzende graue Jogginghose und ein schwarzes enges Top. Ihre Haare hatte sie zu einem lockeren Knoten auf den Kopf gebunden. Ehrfürchtig sah Draco in ihr wunderschönes Gesicht, das auch ohne Make Up seines gleichen suchte.
Rerafina sah noch immer traurig aus, doch sie schien sich wieder etwas gefasst zu haben. Barfuß trat sie auf ihr Bett zu und legte sich hinein. „Danke, dass du mich nach Hause gebracht hast.“
Draco lächelte das erste Mal seit längerer Zeit wieder. „Aber natürlich.“ Er schwang noch einmal seinen Zauberstab und die große helle Lampe an der Decke erlosch, während eine kleine neben ihr auf den Nachtschrank begann zu leuchten. Mit einem letzten prüfenden Blick auf die Fenster ging Draco auf die Türe zu, um vom Flur aus zu disapparieren.
Er hatte die Hand schon auf der Türklinke, als ihre Stimme wieder ertönte: „Draco? Würdest du bei mir bleiben?“
Überrascht blickte er sich zu ihr um. Sie sah ihn mit hoffnungsvollem Blick an. Kurze Verunsicherung bäumte sich in ihm auf, doch dann ließ er die Hand wieder sinken. Ohne sich auszuziehen, legte er sich neben sie auf das Bett. Sofort rückte sie zu ihm auf, um in seinen Armen weiter Trost zu finden. Überwältigt von ihrem betörenden Geruch schloss er die Augen und flüsterte er an ihrem Kopf: „Natürlich bleibe ich bei dir.“
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