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The strange construct of Time

von Tai
OneshotDrama, Fantasy / P16 / Gen
OC (Own Character) Thranduil
21.04.2021
21.04.2021
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2.932
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Hallo Ihr Lieben, willkommen zu meinem kleinen Oneshot. Die Geschichte spielt im selben Universum wie meine Work-in-Progress Fanfiction (Stone Cold), an der ich gerade arbeite. Allerdings steht sie für sich allein und hat nicht wirklich etwas mit der Handlung in der Mainstory zu tun.

Dennoch eine WARNUNG!: Major Character Death ahead. Ich übernehme keine Haftung für evtl. entstehende Dehydrationen durch massiven Tränenverlust oder dergleichen. *g*

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Die Zeit ist ein seltsames Konstrukt. Sie ist allgegenwärtig, für jeden spürbar. Obwohl jedes Lebewesen ihr eine andere Bedeutung zumisst. Für die einen ist sie eine stete Bedrohung, ein erbarmungsloser Jäger, der am Ende jeden von ihnen einholt. Für die anderen ist sie lediglich ein vertrauter Begleiter durch Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende. Eines ist jedoch für alle gleich: Sie schreitet unaufhaltsam voran. Mal schnell, mal langsam, doch sie bleibt niemals stehen. Niemand ist in der Lage sie aufzuhalten. Es mag Situationen geben, in denen man sich wünscht, man könne genau das tun. So wie es Momente gibt, in denen man sich wünscht, sie würde schneller vergehen. Beides ist unmöglich. Und doch scheint es manchmal so, als stünde die Zeit still. Augenblicke, die sich wie Stunden anfühlen. Ironischerweise betrifft dies in der Regel Momente des Leids und der Qual. Grausam, nicht wahr? Doch diese Zeit des Stillstands, gibt einem auch die Möglichkeit die Geschehnisse besser zu erfassen. Zu erkennen, wo man Fehler gemacht hat. Zu verstehen, was mit einem geschieht, sich auf das was kommen wird vorzubereiten. Und es letztendlich zu akzeptieren.

* * *


Der Schmerz kommt plötzlich und unerwartet. In all seiner Grausamkeit explodiert er in seiner Brust. Lähmt ihn für den Moment, raubt ihm den Atem. Er hat seinen Mörder nicht kommen sehen. Der Warnruf seines Seite an Seite mit ihm kämpfenden Freundes, kommt zu spät, wird erstickt von der schartigen Klinge, die sich von hinten in Alagos‘ Brustkorb bohrt. Er hatte die Gefahr kommen sehen und seinem Gegner den Rücken zugedreht, um seinen Freund und König zu warnen. Ein tödlicher Fehler. Thranduil stößt ein schmerzerfülltes Keuchen aus. Nicht sicher welche Qual die schlimmere ist. Die von Leib oder Seele. Sein Fae schreit gepeinigt auf. Hilflos muss er mit ansehen wie das Licht in den Augen seines besten Freundes, seines treuesten Begleiters erlischt. Mit gebrochenem Blick geht der Hauptmann zu Boden, wo er regungslos liegen bleibt. Und mit ihm stirbt bereits ein Teil von Thranduil.

Es ist dieser Moment, in dem die Zeit einzufrieren scheint. Der Augenblick der Erkenntnis, des Erkennens des Unausweichlichen.  

Thranduil, der große Elbenkönig, war nicht schnell genug gewesen. Und ihm ist klar, dass er dieser Situation nicht entkommen wird. Diesmal nicht. Zu oft war er dem Tod in seinem langen Leben bereits entkommen. Nun wird er ihn holen. Er weiß, dass seine Wunde tödlich ist. Keiner der Heiler wird sein Schicksal noch abwenden können. Heute würde sein Volk ihren Herrscher verlieren, sein Sohn seinen Vater. Er fühlt sich wie in einem Zeitraffer gefangen. Während der Kampf um ihn herum unaufhörlich weiter tobt, scheint für ihn eine andere Zeitrechnung zu gelten. Jeder Augenblick fühlt sich an wie eine Stunde. Ein Ruck geht durch seinen Körper, als das rostige Schwert aus seinem Leib gezerrt wird. Der Ork, der es führt, verzieht seine missgestaltete Fratze zu einem hämischen Grinsen. Er weiß genau, dass er den Schaden und die damit einhergehende Qual nur vergrößert hat. Aber er wird nicht mal in Erwägung ziehen den Todeskampf des Elbenkönigs vorzeitig zu beenden.

Die dunkle Kreatur ergötzt sich an dem Anblick, der sich ihr bietet. Das in Agonie verzerrte Gesicht, das nun ungehindert aus der Wunde hervorquellende rote Blut und nicht zuletzt das schwächer werdende Licht in den Augen des sterbenden Elda. Der Ork würde es vermutlich bedauern, das Sterben des Waldlandkönigs nicht weiter beobachten zu können, hätte er die Möglichkeit dazu. Doch der Pfeil, der sich in seine Stirn gräbt, tötet ihn auf der Stelle. Eine Gnade, die Thranduil nicht zuteilwird.

Für ihn vergeht die Zeit noch immer viel zu langsam. Während seine Elben tapfer gegen die Übermacht der Orks kämpfen, verlassen Thranduil langsam seine Kräfte. Der eben noch feste Griff um seine Schwerter lockert sich, löst sich, bis die Waffen zu Boden fallen. Sie machen kaum Geräusche auf dem weichen Waldboden. Seine Beine geben unter ihm nach und er fällt hart auf die Knie. Er hat immer geglaubt, er würde irgendwann einmal hocherhobenen Hauptes im Kampf fallen. Nicht erbärmlich am Boden kniend. Wobei nein, eigentlich hat er geglaubt, dass er unsterblich ist, dass er jeden Kampf überstehen kann. Hat er das nicht damit bewiesen, dass er das Drachenfeuer überlebte? Auch damals stand er auf der Schwelle zu Mandos Hallen, niemand hatte noch an ihn geglaubt, doch er hat sich erfolgreich ins Leben zurückgekämpft. Warum er so genau weiß, dass ihm das dieses Mal nicht gelingen wird?

Man sagt den Elben nach, dass sie die Gabe einer gewissen Voraussicht haben. Nicht alle sehen klar wie der Peredhel oder die Noldohexe aus Lothlórien. Thranduil gehört nicht zu jenen auserwählten Elben. Dennoch spürt er bis in die tiefsten Fasern seines Seins, dass sein Wandeln auf Arda an diesem Tag sein Ende findet. Es gibt keinen Ausweg. Diesmal muss er sich geschlagen geben. Sein Blick gleitet über das Schlachtfeld um ihn herum. Überall Tod und Blut. Zwischen den unzähligen Ork-Kadavern liegen viel zu viele seiner Elben. Sie gaben ihr Leben, um das Seine zu schützen. Vergebens. Nun würde ihr Opfer umsonst gewesen sein.

Ihr Tod ist so sinnlos wie der seines Hauptmannes. Mit gebrochenem Blick starrt er auf die Leiche seines Freundes. Ein so kampferprobter ellon wie Alagos sollte nicht so enden. Könnte er sein Leben, für das des anderen Elben eintauschen, er würde es, ohne zu zögern tun. Nicht umsonst waren sie Seelenbrüder gewesen. Doch nun war sein gwador tot…und Thranduil würde ihm bald folgen. Wie soll er ihm noch in die Augen schauen können, wenn sie sich auf der anderen Seite begegnen? Wenn er Alagos offenbaren muss, dass sein Tod nichts hatte ausrichten können?

Der beißende Schmerz in seiner Brust war inzwischen einer eisigen Taubheit gewichen. Doch er kehrt mit aller Macht zurück, als ihn jemand packt und schüttelt. Er versteht die Worte nicht, die der Elb ihm zuruft. Es ist als sei sein Gehör beschädigt worden. Alles klingt weit weg, dumpf und unverständlich. Dafür fühlt er den körperlichen Schmerz nun wieder umso deutlicher. Der Soldat versucht ihn auf die Beine zu zerren und fortzubringen, doch zunächst wehrt er sich dagegen. Er will nicht fort. Er will seinen gefallenen Bruder nicht zurücklassen. Alagos gab sein Leben für ihn. Das mindeste, was er nun tun kann, ist bei ihm zu bleiben. Über ihn zu wachen, solange es ihm noch möglich ist.

Aber der Soldat gibt nicht auf und schließlich schafft er es Thranduil hochzuwuchten und ihn fortzuzerren. Weg aus dem größten Schlachtgetümmel, hinüber zu den Bäumen, die ein wenig Schutz bieten. Thranduil taumelt mehr, als dass er geht. Er wehrt sich mit all seiner verbliebenen Kraft, doch schließlich muss er aufgeben. „Leithio…“, befiehlt er mit schwacher Stimme. Vergebens, der junge Ellon scheint entschlossen seinen König aus der Gefahrenzone zu bringen. So sehr, dass er sogar einen direkten Befehl verweigert. Somit ergibt Thranduil sich letztlich in sein Schicksal. Er stößt ein dankbares Seufzen aus, als der andere Elb ihn an dem Stamm einer alten kräftigen Eiche zu Boden sinken lässt. Die Präsenz des Baumes spendet dem schwindenden Elda ein wenig Trost, bringt ein wenig Frieden in seine aufgewühlten Gedanken und seine gepeinigte Seele. Müde schließt er die Augen, doch erneut wird er unsanft geschüttelt. Der Schmerz überschattet die Erschöpfung einmal mehr und seine Lider heben sich wieder.

ListoDaurFaelas…“, ist alles, was er mühsam hervorbringt. Seine Zunge ist träge, die Worte klingen entsprechend verwaschen. Vielleicht versteht der andere ihn nicht. Vielleicht lässt er ihn deshalb nicht zufrieden. Thranduil will ihn fortschicken, ihn abweisen. Doch ihm fehlt die Kraft dazu. Sein: „Ego!…bring Dich in Sicherheit…“, verhallt ungehört. Aus bereits getrübten Augen mustert Thranduil den ellon etwas genauer. Er ist noch jung. Vermutlich sogar jünger als Legolas. Und trotzdem schon so loyal. „Ich werde nicht gehen aran nín.“, erwidert er mit fester Stimme. Um Thranduils Mundwinkel zuckt es leicht. Er kann sich glücklich schätzen, einen so treu ergebenen Soldaten an seiner Seite zu wissen. „Wie ist Dein Name?“, fragt er mit rauer Stimme. Das Sprechen fällt ihm zunehmend schwerer, doch er möchte gern wissen, wer dieser tapfere junge ellon ist.

Die Lippen des Elben verziehen sich zu einem leichten Lächeln. Dann öffnet er den Mund, um zu antworten, doch Thranduil wird seinen Namen nicht erfahren. Nicht in diesem Leben. Es geht ganz schnell. Ein schwarz befiederter Pfeil durchschlägt das Genick des Kriegers. Er scheint nicht einmal die Zeit zu haben zu verstehen, was mit ihm geschieht, da ist das Leben schon aus ihm gewichen. „Nein…“, haucht Thranduil entsetzt. Der leblose Körper des Elben kippt zur Seite und bleibt reglos liegen. Die toten Augen starren blicklos ins Leere. Erneut durchfährt den König ein tief empfundener Schmerz in Anbetracht dieses sinnlosen Todes. Gepeinigt schließt er für einen Moment die Augen. Dann beugt er sich ein wenig vor und streckt seine Hand aus. Sachte schließt er die Lider des ellon, ehe er sich wieder zurücksinken lässt. „Nai hiruvas sére apa fairë.“, murmelt er abwesend vor sich hin. Worte, die er eigentlich auch Alagos auf seinen letzten Weg hätte mitgeben müssen…

Noch immer fühlt sich jeder Augenblick für Thranduil wie Stunden an. Er spürt, wie er schwächer wird, wie sein Fae sich darauf vorbereitet den sterbenden Körper zu verlassen und in Mandos Hallen nach Heilung zu suchen. Aber er ist noch nicht bereit. Noch klammert er sich an das Leben. Das letzte Fünkchen Hoffnung will nicht erlöschen. Dabei ist er nicht einmal sicher was er eigentlich hofft. Dass ein Wunder geschieht? Dass er seinen Sohn noch einmal sehen kann?

Und was hält diese Hoffnung am Leben? Die Tatsache, dass er noch lebt? Dass er noch immer um jeden Atemzug kämpft, obwohl das Blut, das sich in seinen versagenden Lungen sammelt, ihn langsam, aber sicher erstickt? Gibt es einen Grund dafür, dass Mandos ihn noch nicht zu sich holt? Vielleicht wollen die Valar ihn auf diese Weise strafen. Für seine früheren Vergehen. Dafür, dass er sich vor langer Zeit von der Welt abgewandt und sich nur noch auf die seinen konzentriert hat. Wenn sie ihn jetzt schon derart foltern, was wird ihn dann erst nach dem Tod erwarten?

Es kam nur selten in seinem Jahrtausende andauernden Leben vor, doch in diesem Moment hat der hart gesottene König Angst. Er dem man ein Herz aus Eis nachsagt, hat Angst vor dem Tod. Angst davor Mandos oder gar Iluvátar Rechenschaft abzulegen. Vor dem, was ihn dort erwartet. Wer auf ihn wartet. Ob überhaupt jemand auf ihn wartet? Würde er dort seinen Vater wiedersehen? Er fürchtet sich davor, dass Oropher sich enttäuscht von ihm abwenden könnte. Aber er hat nicht nur Angst um sich. Ebenso fürchtet er um Legolas, dem nun die Bürde der Krone zufällt. Der seinen Platz einnehmen und sich der Verantwortung gegenüber seinem Volk stellen muss. Thranduil weiß, sein Sohn ist nicht bereit dafür, wird es vielleicht niemals sein. Doch nun hat er keine Wahl mehr. Und der König fühlt sich als habe er das Vertrauen das Legolas in ihn setzte verraten. Als würde er ihn enttäuschen. Sein kleines grünes Blatt…

So viele Jahre war sein Sohn das einzige, das ihn am Leben hielt. Sein kleiner Sonnenschein. Als Elbling hat er den ganzen Palast auf den Kopf gestellt, doch nie konnte ihm jemand lange böse sein. Thranduil musste aufpassen, dass er ihm nicht zu viel durchgehen ließ. Nach und nach war der kleine Wirbelwind zu einem erstaunlichen Krieger herangewachsen. Er ist unendlich stolz auf seinen Sohn. Hatte er ihm das je gesagt?

In diesem Moment bewundert er die Menschen. Die Sterblichen, die ihrem Tod täglich ins Auge blicken. Ihnen ist zu jeder Zeit bewusst, dass ihr Leben endlich ist. Ob sie sich am Ende ihrer Zeit auch fragen, was sie hätten besser machen können? Fällt es ihnen schwer abzuschließen? Oder haben sie längst ihren Frieden mit dem Tod gemacht, weil sie von jeher wissen, dass dieser am Ende auf sie wartet? Möglicherweise sind die Menschen weitaus besser auf den Tod vorbereitet. Für sie kam er nicht plötzlich und unerwartet. Zumindest nicht so oft wie für das unsterbliche Volk.

Ein Husten lässt seinen Leib erzittern. Blut quillt über seine bleichen Lippen, tropft auf seine Rüstung und hinterlässt dort ein bizarres Muster. Zudem sammelt es sich auf dem Waldboden neben ihm, wo der rote Lebenssaft unaufhaltsam aus der Wunde an seiner Seite sickert. Mit jedem Tropfen schwindet mehr von seiner Kraft. Jeder der rasselnden Atemzüge fällt ihm schwerer. Die Zeit scheint ihr normales Tempo allmählich wieder aufzunehmen. Langsam, aber sicher senken sich die Lider über seine trüb gewordenen Augen. Er weiß, wenn er sie jetzt schließt, wird er sie nie wieder öffnen. Davon ist er überzeugt. Doch er ist am Ende seiner Kräfte. Sosehr er sich an das Leben klammert, er spürt, dass er nicht mehr lange durchhalten wird. Seine Gedanken sind in diesem Moment dominiert von Reue. Er bereut die Dinge, die er nie gesagt oder getan hat. Er bereut, dass er Alagos nicht vor dem Tod hatte bewahren können. Und er bedauert, dass er seinen Sohn zurücklassen und ihm damit seine über alles geliebte Freiheit nehmen muss. Selige Schwärze beginnt ihn zu umhüllen und die ihn zu ersticken drohenden Sorgen zu überdecken. Sie drückt ihn an sich und zerrte ihn mit sich, lockt ihn an einen Ort ohne Schmerz. Seine letzten Gedanken bleiben an Legolas hängen, seinem Volk, an dem was er hinterlässt und der Frage, ob man ihn vermissen wird. Ob man seiner gedenkt.

„Thranduil!“ Eine Stimme dringt an sein Ohr. Klar und deutlich vernehmbar. Nicht so wie die Schlacht im Hintergrund, die nach wie vor nur gedämpft zu ihm durchdringt. „Thranduil…“ Da war sie wieder. Er kämpft gegen die Schwärze an, die ihn unerbittlich festzuhalten scheint, doch schließlich gelingt es ihm, seine Augen zu öffnen. Jeglicher Glanz ist aus ihnen gewichen, dennoch kann er die Gestalt, die vor ihm steht, deutlich erkennen. „Alagos…“, flüstert er. Ungläubig sieht er zu dem vor ihm stehenden ellon auf. Wie ist das möglich? Er hatte ihn sterben sehen. Jetzt steht er vor ihm und lächelt auf ihn herab. „Es ist Zeit, mellon nín.“ Eine Hand streckt sich ihm auffordernd entgegen. „Was…? Wie hast du…?“ Alagos schüttelt lachend den Kopf. „Du denkst zu viel. Wie immer. Nun komm schon. Ausruhen kannst du dich später. Wir müssen fort von hier.“

Thranduil zögert, doch schließlich zwingt er seine müden Glieder ihm zu gehorchen. Seine linke Hand legt sich in die seines Hauptmannes. Dieser packt fest zu und zieht den ausgezehrten Elbenkönig auf die Füße. Erstaunlicherweise stellt dieser fest, dass die Wunde nicht mehr schmerzt. Auch die Müdigkeit lässt langsam von ihm ab. Als würde die Anwesenheit seines besten Freundes seine Lebenskraft zurückkehren lassen. „Wohin gehen wir?“, hört Thranduil sich selbst fragen. Es kommt ihm falsch vor das Schlachtgeschehen zu verlassen. Doch Alagos grinst ihn nur breit an und antwortet: „Valinor.“ Ein simples Wort, das gleichzeitig alle Hoffnung zerstört und neue weckt. Der Elbenkönig wendet den Kopf, sieht zurück zu der alten Eiche, an der er, bis eben geruht hatte. Nein…nicht hatte. Sein Körper ruht dort noch immer.  

Thranduils Augen weiten sich, als er sich selbst betrachtet. Den einst so kräftigen Körper, zusammengesunken und blass, blutüberströmt. Sein Brustkorb hebt und senkt sich noch einmal. Ein letzter Atemzug, dann schwindet auch der letzte Funke Leben aus dem einst so mächtigen Elbenkrieger. Somit vergeht auch das letzte gekrönte Haupt der Eldar aus Mittelerde. Zurück bleibt nur die Erinnerung.

* * *


Die Zeit ist ein seltsames Konstrukt. Es ist faszinierend, wie sie sich in Momenten der Not und Pein, bis zur Unendlichkeit zu ziehen scheint, Momente der Freude hingegen wie im Flug vergehen. Wir können diese Dinge nicht ändern. Auch wenn wir uns oft wünschen, gewisse Dinge nicht erleben zu müssen, oder dass sie wenigstens schnell vorübergehen. Doch es ist nicht an uns das zu entscheiden. Wir müssen nur entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist. Und wenn wir das Beste daraus gemacht haben, müssen wir uns auch nicht fürchten, wenn unsere Zeit sich schneller als gedacht dem Ende zuneigt.


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Vielen Dank an alle, die sich durch diese kleine Geschichte gequält haben. Die Idee dazu kam im Grunde von meiner Betaleserin. Sie fragte mich, wie Thranduil wohl denken und fühlen würde, wenn er plötzlich dem Tod ins Auge sieht. Ich glaube, sie fragte mich wörtlich: Hat er Angst vor dem Tod? Und schon ratterte das Hirn los.
Allerdings benötigte es noch einiges an Input und Editier-Arbeit, bis wir ein akzeptables Ergebnis hatten. Immerhin habe ich kurz für ein Kribbeln und feuchte Augen sorgen können. xD Das heißt bei Haneko schon was.

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass ich mir eine kleine Textpassage von Mr. Tolkien geliehen habe. Sie passte einfach so gut. ^^

Ich hoffe einfach mal, dass ich Euch damit nicht zu sehr verstört habe. Wie gesagt, diese Story hat eigentlich nichts mit meiner Mainstory zu tun. Allerdings ist es durchaus denkbar, dass unser werter Herr König hin und wieder von Albträumen geplagt wird. Möglicherweise ist dies hier einer davon.  ;)

Beschimpfungen, Wutausbrüche und Taschentuch-Forderungen bitte in der Kommentarsektion ausleben. :D

Grüße Tai

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Übersetzungen:

Alles in kursiv geschriebene, bedeutet es wird eine Fremdsprache genutzt. Hier elbisch.
ellon = Elbenmann / männlicher Elb
Fae = Seele
Peredhel = Halbelb
gwador = Bruder (verbündeter) / hier im Sinne von Seelenbruder
Leithio = lass los
Listo = Bitte
Daur = Stop / halte ein
Faelas = Gnade
mellon nín = Mein Freund
 
 
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