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The Tank, The Swan And The Balloon

von Theurgy
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aragorn Boromir Haldir Legolas
20.04.2021
29.06.2021
13
31.581
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07.06.2021 1.460
 
Kapitel 5


Ein Gewitter zog über die Stadt, laut grollten Donner hoch über den Köpfen der Bewohner und Blitze erhellten den nachtschwarzen Himmel. Regen prasstelt heftig gegen die Fenster von Boromirs Wohnung.
Dieser lag in seinem Bett, hatte sich auf die Seite gedreht und beobachtete Haldir, der es ihm gleichtat.
„Manchmal möchte ich zu gerne wissen, was in deinem Kopf vor sich geht, wenn du mich so ansiehst…“
Er erhielt ein Lächeln als Antwort, dann spürte der Mensch, wie warme Finger sich zwischen seine schoben. „An nichts Bestimmtes.“
„Aber dich bedrückt etwas, man muss nicht besonders schlau sein, um das zu erkennen.“
Wieder ein Lächeln. „Es ist alles in Ordnung, mach dir darüber keine Gedanken.“
„Naja… ein bisschen komisch ist es schon, dass ich zwar scheinbar viel von dir weiß und wir über alles Mögliche reden können, aber einen bestimmten Bereich deines Lebens lässt du immer aus. Im Grunde kenne ich aus deinem langen Leben nur einen winzigen Teil.“
„Es ist nichts, worüber ich reden möchte. Das hat nichts mit fehlendem Vertrauen zu tun, oder dass du es bist… ich spreche mit niemandem darüber…“
Boromirs erste Reaktion war ein undefinierbares Brummen, doch dann sah er ein, dass es besser war, das Thema zu wechseln – zumindest ein wenig. „Warum hast du eigentlich keine Beziehung?“
Diesmal weiteten sich die graublauen Augen erstaunt. „Wie kommst du denn jetzt darauf?“
„Die Frage hab ich mir irgendwann mal gestellt. Du bist nett, siehst gut aus und wenn ich mir anschaue, wer dich im Club alles anhimmelt…“
„Du überschätzt mich…“, eine Weile schwieg Haldir nachdenklich, während sein Daumen über die Handfläche des Anderen strich. Er seufzte. „Ich habe einmal geliebt, es gab danach einfach niemanden, dem ich mein Herz hätte geben wollen.“
„Du hängst immer noch sehr an ihm, oder?“
Ein Blitz erhellte das Schlafzimmer, tauchte die Wände in unwirkliches Blau.
„Mehr als ich sollte, befürchte ich…“

„Komm her mein Sohn, ich freue mich, dich zu sehen!“ Thranduil öffnete seine Arme und hielt eine Sekunde später Legolas‘ schlanke Gestalt fest in ihnen.
„Ich freue mich auch Ada.“
Als sie sich lösten, trat Legolas einen winzigen Schritt zurück, doch weit genug, dass es seinem Vater auffiel. Dieser zog fragend eine Augenbraue hoch und musterte das Gesicht seines Sohnes.
„Was ist los mit dir? Du hast etwas auf dem Herzen!“
„Dir kann ich einfach auch gar nichts verheimlichen. Es gibt tatsächlich etwas, worüber ich gerne mit dir sprechen würde.“
„Natürlich, komm, wir setzen uns ins Wohnzimmer…“
Wenig später reichte Thranduil dem jüngeren Elben ein Glas Rotwein und setzte sich neben diesen auf die Couch.
„Also, was liegt dir auf der Seele?“
Legolas schwieg einige Momente, versuchte, die eisblauen Augen seines Gegenübers zu ignorieren und als er scheiterte, holte er tief Luft. „Aragorn und ich sind ein Paar“, er hatte die Worte so schnell gesprochen, als könnte er dadurch verhindern, dass Thranduil die Bedeutung dieser erfasste.
Sein Vater, der grade sein Weinglas an die Lippen gehoben hatten, verharrte in dieser Bewegung einen Wimpernschlag lang. Dann setzte er das Getränk ab, ohne einen Schluck genommen zu haben und seufzte.
„Was soll ich nun dazu sagen?“
„Vielleicht, dass du dich für mich freust?“
„Ich freue mich, wenn du glücklich bist, das weißt du…“
Legolas verstand diese Worte sehr genau und Enttäuschung machte sich in ihm breit, ohne, dass er etwas dagegen hätte unternehmen können. „Aber es passt dir nicht, dass er ein Mensch ist…“
„Du kennst meine Einstellung dazu, wir hatten dieses Thema bereits und an meiner Meinung hat sich diesbezüglich nicht geändert.“
„Aragorn ist nicht so wie die Menschen, die dafür gesorgt haben, dass du diese Ansicht hast.“
Thranduil schüttelte den Kopf. „Du weißt nicht, wie diese Menschen waren…“
„Nein, das nicht, aber er ist gewiss nicht so. Außerdem sind diese Zeiten doch lange vorbei… trotzdem hältst du noch an deinen Ansichten fest.“
„Legolas, ich möchte nicht, dass diese Unterhaltung in eine Grundsatzdiskussion ausartet. Du versuchst über eine Zeit zu sprechen, in welcher du noch nicht geboren warst. Sei mir nicht böse, aber du kannst nicht nachvollziehen, wie es damals war…“
„Eben… damals… es ist so lange her, das sagst du selbst…“
„Du weißt doch nur zu genau, dass es Dinge gibt, die man nicht vergessen kann.“
„Natürlich, aber es ist falsch, deswegen alle Menschen für die schlechteren Wesen zu halten!“
„Legolas bitte – versuche nicht, mich zu belehren, dafür bin ich nun wirklich schon zu alt.“
Der junge Elb seufzte resignierend. „Du möchtest ihn also nicht kennenlernen? Bitte Ada, es würde mir wirklich viel bedeuten.“
„Das habe ich doch überhaupt nicht gesagt. Bring ihn das nächste Mal mit und jetzt lass uns essen, ich habe langsam Hunger.“
Legolas konnte nicht anders, als seinen Vater dankbar anzulächeln und ihm anschließend einen Kuss auf die Wange zu drücken.

Als Thranduil an diesem Abend wieder allein war, stand er auf dem Balkon seines Schlafzimmers und blickte nachdenklich ins Dunkel.
Er liebte seinen Sohn – über alles und mehr als alles Andere auf dieser Welt. Dieser Umstand allein war es, der ihn davon abgehalten hatte, an diesem Mittag in eine Diskussion über Legolas neue Beziehung einzusteigen. Oh, es war in ihrer Vergangenheit nicht so gewesen, als hätten sie niemals diskutiert oder sich gar heftig gestritten, aber über Herzensangelegenheiten zu debattieren war nun mal etwas Anders als sich über die Uhrzeit des Nachhausekommens nach einer Party zu streiten, es war emotionaler, geladener, irrationaler – und damit umso schwieriger.
Aber in der Einsamkeit seiner Gedanken kam Thranduil nicht umhin, Legolas‘ Entscheidung zu missbilligen. Die Wunden, körperlich und seelisch, die die Menschen bei ihm geschlagen hatten, saßen zu tief, um anderer Ansicht sein zu können.
Dabei gab es durchaus Menschen, die Thranduil in seiner Nähe duldete, ja durchaus auch respektierte – so hatte er in seinem riesigen Unternehmenskomplex eine Handvoll menschlicher Angestellter, eine lächerliche Anzahl gemessen an den vielen Mitarbeitern, die er beschäftigte. Ebendiese Angestellten schätzte er sehr, bei zwei von ihnen würde er sogar sagen, dass er sie persönlich mochte, doch der Weg dahin war für die Menschen schwer und steinig gewesen, um einiges schwerer, als es für einen Elben in derselben Situation gewesen wäre.
Aber dies betraf seine Arbeit, einen Bereich, der mit seinem persönlichen Leben zuhause nichts zu tun hatte. Er konnte sie hinter sich lassen, sobald sich die großen Glastüren der Hauptverwaltung hinter ihm schlossen.
Bei dem Liebesleben seines Sohnes sah es allerdings anders aus. Legolas war das Wichtigste für ihn und dass er glücklich war, war Thranduils oberste Prämisse. Nach dem Tod seiner Frau war er mit dem diesem kleinen Wesen allein, eine Tatsache, die sich bis in die Gegenwart nicht geändert hatte. Legolas war herangewachsen, ausgezogen und hatte in der Vergangenheit selbstverständlich immer wieder Freunde und Liebhaber mit in ihr Leben gebracht – glücklicherweise hatte keiner von ihnen jemals ihr starkes Band schwächen können.
War er eifersüchtig? Ja, wahrscheinlich, ziemlich sicher sogar, aber das hielt er für eine natürlich Reaktion, keine, über die er sich besondere Gedanken gemacht hätte. Es war nicht so, dass er je mit einem anderen Vater über so etwas gesprochen hätte, seine Gefühle waren nichts, mit dem Thranduil hausieren gegangen wäre.
Musste er auch nicht, denn er hielt seine Emotionen für vollkommen natürlich. Diese Eifersucht war auch nicht der Grund, warum er der Beziehung zwischen Legolas und Aragorn ablehnend gegenüberstand. Neben dem ersten und für ihn wichtigsten Grund, dass Aragorn ein Mensch war, er war auch noch alles andere als vermögend und wie immer in solchen Situationen kam Thranduil der Gedanke, ob dieser vielleicht nicht nur ein Auge auf Legolas Körper, sondern auch auf sein Geld geworfen hatte – besser gesagt, Thranduils Geld, vom dem sein Sohn aber reichlich abbekam. So viele Gründe sprachen aus seiner Sicht dagegen und er konnte keinen finden, der auf der anderen Seite seiner gedanklichen Argumentationskette stand. Wie er es drehen und wenden mochte, er hatte es Legolas dennoch nicht abschlagen können, dessen neuen Freund für das kommende Wochenende zum Abendessen einzuladen. Seufzend drehte er sich um und tauschte die Dunkelheit des Gartens gegen die seines Schlafzimmers.

„Und, wie ist es bei deinem Vater gelaufen?“ Aragorn legte den Kopf schief und sah Legolas dabei zu, wie dieser eine Flasche Weißwein entkorkte.
„Im Grunde ganz gut. Er hat uns für nächsten Samstag zum Abendessen eingeladen.“
„Oh, na das lief dann doch viel besser, als du gedacht hast, oder?“
„Ja… ja, das schon…“ Legolas trank einen Schluck und gab seinem Freund die Flasche. Er ignorierte die stumme Frage nach Gläsern und danach, ob warum Legolas Stimme nicht so überzeugt klang, wie sie eigentlich sollte. Als der Elb sich allerdings zu ihm hinunterbeugte und ihn sanft küsste, schob er diese aufkommenden Gedanken beiseite.
„Mit welchem Glück habe ich dich nur verdient?“, Aragorns Finger glitten sanft an Legolas Hals entlang.
„Du bist eben ein wunderbarer Mensch!“
Tief in seinem Inneren hoffte der blonde Elb, sein Vater würde genau das erkennen.
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