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The Tank, The Swan And The Balloon

von Theurgy
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aragorn Boromir Haldir Legolas
20.04.2021
29.06.2021
13
31.581
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Kapitel 13


„Was war das denn für eine Scheiße gestern?“ Boromir warf seine Jacke nachlässig auf die Garderobe und zog seine Schuhe aus.
„Gute Frage…“, Haldir ging, ohne auf seinen Besuch zu warten, in die Küche und setzte zwei Kaffee auf. Als er zurückkam, saß Boromir bereits auf der Couch.
„Aragorn muss völlig den Verstand verloren haben.“
Haldir seufzte, erhielt daraufhin nur eine Sekunde später einen leichten Schlag gegen den Oberarm.
„Ah, guck nicht so griesgrämig. Ich habe auch eine gute Nachricht – der Haussegen bei unserem Traumpaar hängt gewaltig schief.“
„Wieso?“
„Erstens hat Aragorn gestern eine Abmahnung kassiert… Elrond war so außer sich, dass man das bis vor seine Bürotür hören konnte, an der ich zufällig vorbeikam, danach hat Legolas angefangen, ihm gehörig die Meinung zu geigen…“
„Das hast du natürlich auch nur zufällig mitbekommen…“
„Richtig“, Boromir grinste, „Ich muss nun mal durch den Club, wenn ich raus will, und ich kann nix dafür, wenn sie draußen weiterstreiten. Obwohl, Streit war es nicht richtig, Legolas hat die meiste Zeit geredet und er war verflucht sauer.“
„Zu Recht. Er wird Aragorn auch mit Sicherheit gesagt haben, dass er sich bei mir entschuldigen soll, das ist bestimmt nicht auf seinen eigenen Mist gewachsen.“
„Warum?“
„Ich hab heute Morgen eine Nachricht von ihm erhalten, in der er sagte, dass es ihm leidtut.“ Haldir zuckte mit den Schultern.
„Nimmst du sie an?“
„Nein, er kann mich mal gernhaben. Genau das habe ich ihm auch mitgeteilt. Ein wenig freundlicher allerdings.“
Boromir setzte sich in den Schneidersitz und sah Haldir an, wie ein Kind, dass ein großes Geschenk auspacken darf. „Dann wäre doch jetzt der richtige Zeitpunkt, um Legolas zu kämpfen?!“
„Och komm schon, das Thema hatten wir bereits. Ich kann froh sein, dass Legolas mir meinen Ausrutscher so einfach verziehen hat. Wenn ich jetzt an dem Punkt weitermache, gewinne ich gar nichts – im Gegenteil. Er hat mir klar gesagt, dass er in Aragorn verliebt ist. Ich würde ihn nur in Bedrängnis bringen…“
Boromir überlegte. Er konnte Haldirs Argumentation durchaus nachvollziehen und doch wurde er den Gedanken nicht los, dass der Elb an Legolas‘ Seite besser aufgehoben wäre als Aragorn… in den letzten Monaten waren Haldir und er etwas geworden, was Boromir durchaus als beste Freunde bezeichnen würde und als solcher wollte er einfach, dass der Soldat glücklich war, und zwar mit demjenigen, dem sein Herz ohnehin schon gehörte. Diesen Gedankengang behielt er aber letztendlich für sich und zog anstatt dessen den Elben zu sich herüber. Ungelenk fiel Haldir gegen ihn, verharrte eine Sekunde still, schlang aber schließlich seine Arme um den Menschen.
„Ich kann mir denken, was in deinem Kopf vor sich geht und das zeichnet dich einmal mehr als wahren Freund aus, aber es wäre für uns beide besser zu erkennen, dass es ein verlorener Kampf wäre…“, Haldir seufzte und presste sich fester an den Körper ihm gegenüber.
„Ach Haldir…“, Finger fuhren durch die langen, blonden Strähnen, Boromir löste seinen Schneidersitz, schob seine Beine unter den Elben und zog diesen schließlich ganz auf sich.
„Können wir einfach so hier liegenbleiben?“ Haldir seufzte erneut und legte seinen Kopf auf Boromirs Brust ab.
„Solange du willst…“ In genau diesem Moment beschloss Boromir, sich von Aragorn fernzuhalten. Er wollte nichts mehr mit dem Menschen zu tun haben, der in seinen Augen für den Schmerz, den dieses wunderbare Wesen, das auf ihm lag, verantwortlich war.
Aber auch das behielt er für sich.

Er musste weggenickt sein, das war Boromirs erster Gedanke, als er warme Lippen spürte, die seinen Kieferknochen quälend langsam entlangwanderten. Für einige Sekunden stellte er sich weiter schlafend und genoss die kleinen, zarten Bewegungen. Erst als die Lippen auf die seinen trafen, regte er sich und schob den Elb ein wenig von sich weg.
„Bist du dir sicher?“
Haldir schien ihn nicht direkt zu verstehen, doch dann nickte er, küsste Boromir erneut voller Sehnsucht und unerfüllter Liebe. Als sie sich trennten, erkannte der Mensch in den Augen des Anderen all diese Gefühle, all die Traurigkeit, die keiner von beiden zu stillen vermochte. Boromir wusste es, die Gefühle galten nicht ihm, doch diese Erkenntnis schmerzte ihn nicht. Er war ein Anker, jemand, der selbstverständlich da war – in jeder Beziehung. Er gab Haldir Halt in den Momenten, in denen er diesen am meisten brauchte, weil er sich sonst verlieren würde. Er versuchte Hoffnung zu geben, wo der Elb keine sah, und in manchen Stunden gab er ihm seinen Körper, damit Haldir vergessen konnte, wenigstens für die Zeitspanne, die sie zusammen waren. Boromir gab dem Soldaten etwas, an dem er sich festhalten konnte, wann immer er in die Dunkelheit seiner verschlossenen Gedanken abzudriften drohte.
So auch in dieser Nacht. Er fing Haldir auf, versuchte, dessen verlorenes Herz zumindest für wenige Augenblicke zu erleichtern, gab ihm all die körperliche Liebe und Zuneigung, zu der er fähig war und bei einem Blick in die verschwommenen, graublauen Augen wünschte sich Boromir einmal mehr, dass er in der Lage gewesen wäre, Haldir seinen größten Wunsch zu erfüllen.

Aragorn war zerknirscht. Das beschrieb genau seinen Gefühlszustand, als er wenige Tage später bei Legolas klingelte. Der Elb öffnete, sah ihn mit einem durchdringenden Blick an, sagte jedoch kein Wort, als er beiseitetrat und den Weg in seine Wohnung freigab.
„Legolas…“, die Stimme klang verunsichert, brüchig und schien verloren in dem großen Raum, „…bitte, lass uns reden.“
„Was willst du mir sagen?“ Legolas‘ Stimme hatte die Wirkung eines Kübels voller Eiswasser.
„Ich möchte dich um Entschuldigung bitten.“
„Hast du es bei Haldir getan?“
Die Frage ließ Wut in Aragorn hochkommen. Er war hier, um seine Beziehung mit dem Elben zu retten und eine der ersten Fragen galt ausgerechnet Haldir. Er schluckte hart und drängte seinen Zorn zurück.
„Ja, habe ich.“
„Was hat er geantwortet?“
„Er hat sie nicht angenommen.“
„Kaum verwunderlich. Haldir hat eine fast schon stoische Geduld, aber du hast es geschafft, dass er sie verloren hat.“
Aragorn nickte stumm. Die Geduld des Soldaten interessierte ihn nicht die Bohne, dafür der Elb ihm gegenüber umso mehr.
„Er hatte vorher schon mit mir geredet, mir war klar, dass er deine Entschuldigung nicht annehmen wird. Es ist nicht schön zu wissen, dass eure Freundschaft kaputt gegangen ist. Immerhin seid ihr mir beide unglaublich wichtig.“
Die Worte gaben dem Menschen Hoffnung, es schien noch nicht alles verloren.
Legolas seufzte. „Was du gemacht hast, war absolute Kacke. Das muss ich einfach so derbe sagen. Was um Himmels Willen hast du dir dabei gedacht?“
„Es war… ist einfach die Angst, dich verlieren zu können! So lange habe ich dich von Weitem förmlich angehimmelt, habe mir so oft ausgemalt, wie es mit uns sein würde… könnte… und doch hatte ich nie die Hoffnung, dass sich meine Gedanken erfüllen würden, bis… ja, bis zu dem Zeitpunkt, ab dem du Interesse an mir gezeigt hast. All das, was ich mir gewünscht habe, war auf einmal Realität geworden, doch mit ihr kam die Angst, dass es doch nur ein Traum war. Haldir war für mich einfach eine Gefahr, ihr teilt so viele Jahre, so viele Erinnerungen, die wir niemals haben werden…“
„Wir brauchen sie auch nicht zu haben, denn du bist nicht Haldir, sondern Aragorn. Wir beide können neue Erinnerungen kreieren, aber das geht nicht, wenn du so einen Scheiß fabrizierst. Eine Beziehung und später auch Liebe basieren auf absolutem Vertrauen. Ja, Haldir und ich teilen viel, aber das ist Vergangenheit – wir sind die Gegenwart. Bei allem was mir heilig ist, ich bin niemals in meinem Leben fremdgegangen und ich habe es auch nicht vor! Wenn du mir das allerdings nicht glauben kannst oder willst, dann hat alles andere keinen Sinn!“
„Es tut mir leid! Ich hätte niemals auf den Gedanken kommen dürfen, dass da mehr zwischen euch ist, es waren die verdammten Zweifel, was jemand, der so perfekt ist wie du, mit mir will. Dann kam der Krach mit deinem Vater, der mich ebenfalls ablehnt und als du dann sagtest, Haldir hätte dich geküsst, war es einfach zu viel…“
„Hast du denn so wenig Vertrauen in uns? Meinst du, ich würde all den Ärger mit meinem Vater auf mich nehmen, wenn du mir nichts bedeuten würdest?“
„Nein…“, die Antwort war nicht mehr als ein Flüstern.
„Komm her zu mir…“, Legolas klopfte auf das Polster neben sich.
„Und jetzt hör auf, so geknickt auszusehen. Ich nehme deine Entschuldigung an, aber nur dieses eine Mal. Noch mal so etwas und das war es.“
Aragorn zuckte unter den deutlichen Worten zusammen, doch als er aufsah, sah er ein leichtes Lächeln auf Legolas‘ Lippen und die Schwere, die auf seinem Herzen lastete, nahm ab.

Am nächsten Morgen saßen Legolas und Aragorn in trauter Zweisamkeit in der Küche, über dessen Theke ein kleiner Fernseher lief. Der Elb hatte sich grade mit seiner Müslischüssel neben seinen Freund gesetzt, als die Nachrichtensprecherin seine Aufmerksamkeit auf sich zog.
„Wie ein Regierungssprecher inzwischen bestätigte, kam es in der vergangenen Nacht zu einem Putschversuch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Ulfrang. Angehörige des Militärs versuchten, den Präsidentenpalast zu stürmen, im Verlauf der Geschehnisse fielen Schüsse, es ist von mindestens 15 Toten auf beiden Seiten die Rede. Der Präsident selbst hielt sich nicht in seiner Residenz auf. In Rhun gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Unruhen…“
Seufzend schaltete Aragorn um.
„He, ich wollte das sehen!“, Legolas entriss ihm die Fernbedienung, schaltete zurück, doch der Beitrag war bereits vorbei.
„Was interessiert es denn irgendwen, was da hinten im Osten passiert? Es gibt doch dauernd irgendwelche Querelen da. Die schlagen ich einfach gerne gegenseitig die Köpfe ein.“
„Aber nicht in diesem Ausmaß. Verstehst du nicht, was es heißt, wenn sich daraus ein richtiger Konflikt entzünden sollte?“
„Nein, was denn?“
„Das könnte bedeuten, dass wir, als Verbündete des Präsidenten von Rhun, wieder Soldaten dorthin schicken, um den Frieden wiederherzustellen.“
Aragorn zuckte lediglich mit den Schultern und verursachte damit ein irritiertes Kopfschütteln bei Legolas. Ehe der Elb aber ein Wort sagen konnte, klingelte sein Handy. Ihm war klar, wer anrief, noch ehe er überhaupt einen Blick auf das Display warf – und er sollte mit seiner Vermutung Recht behalten, als er Haldirs Namen las.
Aragorn sah ihn ebenfalls, zog eine Augenbraue hoch und sah seinen Freund abwartend an. Er fixierte ihn regelrecht, während er auf eine Reaktion wartete.
In dieser Sekunde fühlte Legolas sich innerlich zerrissen, er wollte rangehen, Haldir beruhigen, ihm sagen, dass er sich keine Sorgen zu machen brauchte, doch auf der anderen Seite saß ihm der Mann gegenüber, der ihn so aufmerksam ansah, nicht wütend oder eifersüchtig, sondern verletzt und beinahe flehend, ängstlich…
Einem Impuls folgend drückte der Elb auf den blinkenden roten Hörer und lehnte das Gespräch ab.
Aragorn widmete sich wieder seinem Teller, einen zufriedenen Ausdruck auf dem Gesicht tragend, während Haldir in diesem Moment vollkommen irritiert sein Handy ansah. Es war diese eine Sekunde, während sich das langsame, gleichmäßige Tuten des Durchklingeln in das rasche, nervtötende Besetztzeichen änderte, in der Haldir fühlte, wie etwas in ihm zerbrach – ein Vertrauen, dass er tief in sich getragen hatte, starb während eines Wimpernschlags.

So war es Boromir, der an diesem Tag bei Haldir war. Er war es, der einen völlig verwirrten, ja ängstlichen Elben hielt, während der Körper, der sich so hilflos an den seinen drückte, zitterte, wie der Mensch es nie für möglich gehalten hatte. Es war Boromir, der in dieser Nacht über Haldirs Schlaf wachte und diesem, wann immer er unruhig wurde, die Hand hielt und leise gut zuredete.

Als Legolas am nächsten Tag probierte, Haldir zurückzurufen, ging dieser nicht dran.
Alles ok bei dir? Tippte er wenig später in ihren gemeinsamen Chat.
Haldir lachte bei dieser Frage beinahe hysterisch auf. Ausgerechnet die Person, die er am vorherigen Tag am meisten gebraucht hatte, fragte ihn lapidar, ob alles in Ordnung war. Am liebsten hätte er Legolas angerufen, ihn angeschrien, doch das tat er nicht. Anstatt dessen formulierte er eine knappe Antwort.
Ja, alles bestens.
Wolltest du gestern über die Nachrichten sprechen?Nein, nur so. Nix Besonderes.
Wirklich?
Ja.
Es war das letzte Mal, dass Haldir sich meldete. Von diesem Moment an hielt er sich vollkommen zurück. Er ging nicht mehr in The Swan und wann immer Legolas Boromir fragte, wie es Haldir ging, antwortete dieser, das alles in Ordnung war. Er wusste es besser, doch Haldir hatte ihn gebeten, alles, was sie besprachen oder taten, für sich zu behalten und Boromir hatte es ihm versprochen.

Irgendwann erkannte Legolas, dass Haldir ihn ausgeschlossen hatte, nein, dass er es selbst getan hatte. Ihre Freundschaft war einen schnellen, aber nicht schmerzlosen Tod gestorben. Es gab Abende und Nächte, in denen Legolas allein war sich dessen absolut bewusst wurde. Manchmal saß er auf seinem Balkon, starrte hinaus in die Winternacht und mehr als einmal sammelten sich Tränen in seinen Augen und er weinte stumm über das, was er verloren hatte.
Er trauerte um das schlechte Verhältnis zu seinem Vater, doch stets gewann am nächsten Tag sein Stolz und verbot ihm, den ersten Schritt auf Thranduil zuzugehen. Doch er trauert auch um seine Freundschaft zu dem Elben, der einst seine große Liebe gewesen war.
Schließlich kam der Tag, an dem er sich seine nächtliche Melancholie verbat, sie in die tiefsten Abgründe seiner Seele verbannte, um sich anstatt dessen voll und ganz auf seine Beziehung zu Aragorn zu konzentrieren.
Obwohl er alles tat, damit der Schmerz nicht wiederkam, ertappte er sich hin und wieder dabei, wie er abends im The Swan Boromir musterte, während er sich fragte, was ihn und Haldir inzwischen miteinander verband. Nie hätte er es zugegeben, doch der Gedanke tat weh.
Hätte Legolas nur, anstatt den Schmerz zu verbannen, seinen Stolz über Bord geworfen, so hätten sich viele Sorgen und Bedenken in Wohlgefallen auflösen können.
Doch da er es nicht tat, konnte er die Vorboten der kommenden Katastrophe nicht sehen.

Im Gegenteil – sein Leben konzentrierte sich auf Aragorn und ihre Beziehung wuchs zu einer scheinbar perfekten heran.
Als Aragorn ihn an einem eisig kalten Winterabend seine Liebe gestand, strahlt Legolas über das ganze Gesicht und konnte nicht anders, als dieses Geständnis zu erwidern.
Egal welche Schwierigkeiten sich ihnen noch in den Weg stellen würden, sie würden sie gemeinsam meistern – dessen war sich der Elb sicher.


-Ende Teil 1-





Fortsetzung folgt…



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