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The Tank, The Swan And The Balloon

von Theurgy
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aragorn Boromir Haldir Legolas
20.04.2021
29.06.2021
13
31.581
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27.06.2021 2.066
 
Kapitel 12


Boromir schrak heftig zusammen, als sein Telefon klingelte. Seufzend legte er das Stück Pizza, das grade in seinen Mund finden wollte, zurück in den fettigen Pappkarton und pausierte den Horrorfilm, den er sich grade ansah.
„Hm?“, murmelte er nur in den Hörer.
„Stör ich?“
„Nein. Wie geht’s dir?“
„Eigentlich ganz gut…“
„Und uneigentlich?“
„Ich glaube, Legolas hat mich blockiert, also im Handy meine ich.“
„Wie kommst du darauf?“
„Meine Anrufe gehen nicht mehr durch… die Nachrichten genau so wenig.“
„Vielleicht ist er unterwegs und hat kein Netz?“
„Den ganzen Tag? Heute Morgen funktionierte es noch…“, Haldirs Stimme zeigte einen Hauch von Verzweiflung und eine dicke Portion Unsicherheit.
„Siehst du. Dann ist er bestimmt unterwegs oder sein Akku ist leer. Warum sollte er dich blockieren, das passt doch gar nicht zu ihm. Wäre außerdem überaus kindisch.“
„Kannst du ihm nicht mal schreiben?“
„Ja… Moment…“, er kramte nach dem Handy, fand es in den Falten der Couchdecke vergraben und tippte eine Nachricht an Legolas. Sofort erschienen zwei Häkchen, die sich kurz darauf blau färbten und wenig später bekam er eine Antwort auf seine profane „Na, wieder nüchtern?“ Frage.
„Und?
„Öhm… bei mir geht es. Er hat mir geantwortet, dass er wieder nüchtern wäre.“
„Hä?“
„Was sollte ich ihm denn schreiben? Hallo, hast du Haldir blockiert? Wäre irgendwie dämlich.“
„Schon gut… ich lass dich jetzt wieder in Ruhe… wir sehen uns ja spätestens nächstes Wochenende…“
Boromir begriff, dass der Elb drauf und dran war, aufzulegen.
„Haldir?“
„Hm?“
„Wenn du reden willst, meld dich bitte, ok? Oder komm vorbei…“
„Ja, danke.“

Abwesend biss Boromir in seine Pizza und überlegte, ob er Legolas nicht wirklich fragen sollte, aber schlussendlich war er der Ansicht, die beiden Elben müssten das unter sich ausmachen und wenn er sich einmischen würde, wäre er am Ende der Dumme, weil er irgendetwas Falsches gesagt hätte.
Trotzdem wollte es nicht in seinen Kopf, warum Legolas das getan hatte.

Aragorn war mit der zurückliegenden Woche zufrieden, als er am nächsten Samstagabend vor der Tür des The Swan stand und darüber entschied, wer in den Club durfte und wer nicht.
Er hatte Ruhe – und Legolas ganz für sich allein, wenn man davon absah, dass der Elb durch seine neue Arbeit und das Studium weniger Freizeit hatte als vorher. Aber damit konnte er umgehen und das Beste war, der Name Haldir war nicht einmal gefallen.
Seine gute Laune verfolg allerdings augenblicklich, als er den Elben in der Schlange vor dem Club auftauchen sah. Als dieser dann vor ihm stand, schüttelte Aragorn den Kopf.
„Du nicht.“
„Bitte?“
„Du hast mich schon richtig verstanden.“
„Wieso?“
„Das fragst du noch? Geh zur Seite, hier stehen noch mehr Leute.“
Haldir tat, wie ihm geheißen, blieb aber neben der Schlange stehen und wartete geduldig, bis Aragorn sich ihm schließlich wieder zuwandte.
„Geh, ich werde dich hier nicht mehr reinlassen.“
„Meinetwegen, dann sag bitte Legolas Bescheid, dass ich mit ihm reden muss.“
Nun allerdings trat Aragorn so nah an den Elben heran, dass sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten. „Fick dich, Haldir.“
Für einen Wimpernschlag überlegte der Elb zuzuschlagen, doch anstatt dessen seufzte er, trat einen Schritt zurück und zog sein Handy raus.
Wenig später kam Boromir aus dem Club. „Was ist denn hier los?“
„Dein Kollege Aragorn ist der Ansicht, mich nicht mehr reinzulassen, aber er möchte auch Legolas nicht Bescheid geben, dass ich mit ihm sprechen möchte.“
„Was soll das?“
„Ich habe zu entscheiden, wer hier reinkommt und wer nicht.“
„Letztendlich liegt die Entscheidung bei Elrond und wir wissen doch, warum du ihn nicht reinlassen möchtest.“
„Ach, du weißt, was passiert ist?“
„Ja.“
„Aber hast es nicht für nötig gehalten, mir Bescheid zu sagen?“
„Warum? Ich falle Haldir nicht in den Rücken.“
Aragorn schüttelte nur den Kopf und wandte sich ab.
„Komm…“, Boromir fasste Haldir am Handgelenk, doch Aragorn fuhr dazwischen.
„Nein! Leg dich nicht mit mir an Boromir!“
„Willst du mir drohen?“ Belustigt sah der Mensch den Anderen an, um die Situation aber nicht weiter anzuheizen, kehrte er in den Club zurück und kam zwei Minuten später mit einem irritiert dreinblickenden Legolas wieder heraus.
„Was macht ihr hier und warum holt ihr mich von der Theke weg?“ Dann erblickte er Haldir und sein Gesichtsausdruck verschloss sich.
„Aragorn lässt Haldir nicht rein, ich denke aber, es ist an der Zeit, dass ihr miteinander redet…“, Boromir steckte die Hände in die Hosentaschen, „Ich geht wieder rein, bevor Elrond noch mitbekommt, dass wir hier alle draußen rumstehen.“
„Fällt dir früh ein, dass du mit mir reden willst. Hier und jetzt. Du hattest die ganze Woche Zeit dazu…“
„Kannst du mir auch mal sagen, wie ich das anstellen soll, wenn du mich blockiert hast?“
„Was redest du da für einen Mist?“
Aragorns Herzschlag beschleunigte sich abrupt, sein Vorgehen drohte aufzufliegen. „Legolas, lass dich von ihm doch nicht einwickeln…“, er griff nach dem Handgelenk des Elben, doch der schüttelte die Hand ab.
„Was meinst du damit, ich hätte dich blockiert?“
„Ganz einfach“, Haldir zog sein Handy hervor und öffnete den Chat, „hier.“
Legolas sah die Nachrichten, hinter denen lediglich ein kleiner grauer Haken sichtbar war.
„Dann stimmt was mit deinem Handy nicht…“
„Kann nicht sein, bei allen anderen Chats funktioniert es. Außerdem sieh dir mal den Anrufverlauf an.“
Irritiert klickte Legolas auf die Anrufliste und dort sah er seinen Namen und die Versuche, die Haldir unternommen hatte. Hinter allen stand die Info Anruf abgebrochen.
„Ich versteh das nicht…“
„Legolas, du solltest wirklich wieder rein und weiterarbeiten…“, fuhr Aragorn dazwischen.
„Jetzt nicht!“, entgegnete der Elb sichtbar gereizt.
„Was veranstaltet ihr hier für ein Kaffeekränzchen?“ Elrond war lautlos hinter ihnen aufgetaucht und sah alles andere als erfreut aus.
„Sorry, aber Haldir macht Stress.“ Aragorn setzte eine zufriedene Mine auf, wähnte er sich jetzt doch selbst in Sicherheit und Haldir im Abseits.
Haldir zog eine Augenbraue hoch. „Ach, ich mache Stress? Soweit ich mich erinnere, hast du mir doch grade gesagt, dass ich mich ficken soll.“ Dann wandte er sich an Elrond. „Ist das jetzt die neue Art, wie Stammgäste hier begrüßt werden?“
Mit fragendem Ausdruck und sichtlich sauer sah Elrond einen nach dem Anderen an.
„Legolas. Geh und klär was auch immer es ist mit Haldir. In einer Viertelstunde will ich dich wieder hinter der Theke sehen! Und wir…“, er wandte sich an Aragorn, „werden später reden und jetzt kümmere dich um die Wartenden!“

Sie gingen nur ein paar Schritte, ehe Legolas stehen blieb. „Ich habe dich nicht blockiert. Das würde ich nie tun, erst recht nicht wegen dem, was passiert ist. Aber das haben wir gleich…“, der Elb zog sein Handy aus der Tasche und öffnete den Messenger, klickte Haldirs Namen an und las dann, dass der Kontakt tatsächlich blockiert war. Er schwieg, sah sein Gegenüber nur entschuldigend an.
„Das war ich nicht!“
„Wer soll es denn sonst gewesen sein? Es tut mir leid, was passiert ist, ich hätte mich nie so gehen lassen dürfen und erst recht hätte ich nie so mit dir reden sollen… am nächsten Tag hab ich dich angerufen, aber du bist nicht drangegangen und danach kam ich nicht mehr durch…“
„Warum bist du nicht vorbeigekommen?“
„Weil ich dachte, du willst deine Ruhe und nicht mit mir sprechen und wäre ich bei dir aufgetaucht, hätte ich es vielleicht nur noch schlimmer gemacht.“
„Wir haben doch schon viel Schlimmeres durchgemacht. Ich habe auf irgendeine Reaktion von dir gewartet, hab aber schließlich gedacht, du willst nicht drüber reden.“
„Bist du sauer auf mich?“
„Nein. Von mir aus ist alles in Ordnung zwischen uns. Zugegeben, ich war etwas erschrocken, aber richtig sauer war ich nicht und jetzt komm her…“, Legolas öffnete seine Arme und nur eine Sekunde später umarmten Haldir und er sich.
„Aber was war jetzt mit der Sperre?“, Haldir trat einen Schritt zurück.
„Ich kümmere mich drum, natürlich hab ich dich nicht mehr blockiert. Kommst du mit rein? Ich muss, sonst kriegt Elrond noch einen Anfall.“ Legolas lachte.
„Ne, ehrlich gesagt, habe ich keinen Bock mehr, deinem Freund über den Weg zu laufen. Eine Beleidigung am Abend reicht mir.“
„Aber ihr seid doch auch befreundet…“, Legolas Lächeln war verschwunden, er spürte den inneren Drang zu retten, was noch zu retten war und die gesamte Situation wieder grade zu biegen.
„Wir waren. Nach diesen liebevollen Worten bestimmt nicht mehr. Gelinde gesagt, er kann mich mal – und zwar kreuzweise.“
„Aber…“
„Legolas, ich hab dich echt gern, das weißt du und ich kann verstehen, dass es schöner für dich wäre, wenn wir uns alle gut verstehen würden. Ich gebe zu, ich hab echt Mist gemacht und ich entschuldige mich dafür und ich kann verstehen, dass Aragorn sauer ist, meinetwegen kann er mir auch seine Wut an den Kopf werfen, aber ein herzliches fick dich geht selbst mir zu weit. Also lass gut sein.“
Legolas wollte noch etwas erwidern, doch ein kurzes Kopfschütteln von Haldir ließ ihn schließlich seufzen und resignieren.
„Ok, das muss ich wohl akzeptieren. Lass uns die Tage einfach darüber sprechen…“
Haldir nickte und verabschiedete sich.
Als Legolas in den Club zurückging, ignorierte er Aragorn komplett und verzog sich hinter seine Theke.

Kaum hatte The Swan den letzten Gast in die Nacht entlassen, zitierte Elrond Aragorn in sein Büro. Legolas wartete derweil, saß auf einem Barhocker und nippte an einer Cola, während seine Finger ungeduldig über seine Jeans kratzten.
Als Aragorn aus dem Büro kam, sah er genervt und geknickt aus. Seine Laune besserte sich nicht, als er Legolas‘ wütenden Blick sah.
„Und? Was hat Elrond gesagt?“
„Er hat mir eine Abmahnung reingedrückt. Wenn ich so etwas noch einmal mache, bin ich raus.“
„Zu Recht.“
„Danke für deine Unterstützung…“
„Was erwartest du denn? Dass ich applaudiere, während du Haldir beleidigst?“
„Nein, aber… ist schon gut… lassen wir das.“
„Ok…“
Aragorn hatte damit nicht gerechnet, sein Gesicht hellte sich auf, doch es verdunkelte sich sofort wieder, als Legolas ihn kopfschüttelnd ansah.
„Erklär mir lieber, wie du dazu gekommen bist, Haldirs Kontakt in meinem Handy zu sperren!“
„Was?“
„Ganz einfach, ich habe den Nachrichtenverlauf gesehen und keine von Haldirs Nachrichten kam an, nachdem du am letzten Wochenende bei mir warst. Komischer Zufall, oder?“
Aragorn wollte etwas erwidern, doch seine Worte erstarben unter Legolas‘ stechendem Blick. Schweigend verließen sie den Club. Draußen blieb der Elb jedoch stehen, ein klares Zeichen, dass das Gespräch noch nicht vorbei war.
„So funktioniert das einfach nicht! Wie soll ich dir denn vertrauen, wenn du so einen Scheiß machst? Nicht genug, dass du ohne zu fragen mein Handy nimmst, du sperrst auch noch die Nummer meines besten Freundes und tust danach so, als wäre überhaupt nichts gewesen!“
Betretenes Schweigen.
„Jetzt sag wenigstens irgendetwas dazu! Ich bin so sauer auf dich! Was sollte das alles?“
„Nach der Sache letztes Wochenende… ich hatte einfach wahnsinnige Angst dich zu verlieren… du und Haldir, ihr teilt so viel miteinander, von dem ich keine Ahnung habe… und dann küsst er dich. Ich hatte Panik, dass das alte Gefühle in dir wecken könnte.“
„Haldir und ich habe bis vor nicht allzu langer Zeit miteinander geschlafen! Meinst du nicht, die Gefühle wären schon längst hervorgebrochen, wenn sie noch da wären?“
Unsicher fuhr Aragorn sich durch die Haare. „Du hast Recht. Es tut mir leid, ich hab echt Scheiße gebaut.“
„Hast du! Himmel, ich streite mich unsretwegen mit meinem Vater und rede kein Wort mehr mit ihm, probiere wann immer es geht Zeit für uns zu finden, obwohl ich oft einfach nur todmüde bin und das kommt dann dabei raus…“
Aragorn ging einen Schritt auf Legolas zu. „Es tut mir wirklich leid! Kannst du mir das verzeihen?“
„Weiß ich nicht. Ich denk drüber nach. Entschuldige dich bei Haldir, sonst kannst du es eh vergessen!“
„Aber…“
„Nix aber.“
Ohne eine Verabschiedung drehte Legolas sich um und ging zur Bahnhaltestelle. Immer noch stinksauer saß er eine halbe Stunde später in der U-Bahn und hasste alles und jeden. Die verfluchte Bahngesellschaft dafür, dass sie es nicht schaffte, die Züge pünktlich kommen zu lassen und dafür, dass sie es genau so wenig auf die Kette kriegte, diese sauber zu halten. Seinen Vater, wegen dem er überhaupt erst die Bahn nehmen musste und die Elben und Menschen um ihn herum, die auf dem Heimweg vom Feiern waren und ätzend gute Laune hatten.
Zuhause brauchte er lange, um einzuschlafen. Er wälzte sich in seinem Bett hin und her, versuchte vergeblich, der Wut Herr zu werden, während seine Gedanken ohne Ziel um das Geschehene kreisten. Doch irgendwann legte sich schließlich auch über ihn der Segen des Schlafes.
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