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The Tank, The Swan And The Balloon

von Theurgy
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aragorn Boromir Haldir Legolas
20.04.2021
29.06.2021
13
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26.06.2021 1.985
 
Kapitel 11


Draußen auf der Straße schlug ihnen die kalte Nachtluft entgegen, doch trotz der Ungemütlichkeit blieb Aragorn abrupt stehen.
„Verdammt nochmal! Erklär mir jetzt endlich, was los ist!“
Legolas hätte gut daran getan, einfach zu schweigen. Es wäre sogar besser gewesen, sich irgendeine Geschichte aus den Fingern zu saugen, alles wäre besser gewesen, als die Wahrheit zu sagen…
Doch Legolas‘ Gehirn war vom Alkohol vernebelt, auch wenn die kalte, klare Luft zu etwas Besserung führte, war er alles andere als nüchtern und das führte dazu, dass seine Zunge sich zwar mit dem Sprechen etwas schwerer tat als sonst, sein Hirn aber viel zu freigiebig Worte zu ebenjener schickte.
„Haldir hat mir auf dem Klo aufgelauert und mich geküsst.“ Er drehte sich um und wollte weitergehen, als wäre nichts geschehen und als messe er selbst diesem Vorfall keinerlei Beachtung bei, doch Aragorn hielt ihn unsanft am Arm fest.
„Was hat er?“, der Mensch sprach so laut, dass sich ein paar Leute zu ihnen umdrehten.
Legolas probierte, seinen Arm aus dem Griff herauszuwinden – erfolglos. „Aufgelauert ist zu viel gesagt, er hat auf mich gewartet…“
„…und dich dann einfach so geküsst?“
„Nein! Er sagte, er vermisse mich und als ich ihm sagte, er soll sich das mit uns endlich aus dem Kopf schlagen, meinte er, ich solle endlich zu meinen Gefühlen stehen und hat mich geküsst.“
Wieder versuchte der Elb, sich zu befreien, doch Aragorns Finger waren unnachgiebig. Wut funkelte in dessen Augen.
„Hat er das vorher schon mal gemacht?“
„Was?“
„Dich bedrängt, seitdem wir zusammen sind…“
„Nein! Aragorn hör zu, es lag bestimmt nur am Alkohol! Haldir ist nicht so, er hat nie etwas gegen meinen Willen getan.“
„Hast du ihn auch geküsst?“
„Um danach so abzurauschen? Was denkst du denn von mir?“
„Ja oder nein?“
„Nein!“
„Was hast du dann gemacht?“
„Ihn von mir weggeschubst.“
„Mehr nicht?“
„Was hätte ich denn sonst machen sollen? Ihn prügeln? Es war ein winziger Kuss, eine Kurzschlussreaktion, die ihm jetzt bestimmt schon leidtut!“
„Du bist mein Freund und niemand packt meinen Freund an oder küsst ihn!“
Die Art, wie Aragorn das Wort mein betonte, gefiel Legolas überhaupt nicht – genau so wenig wie der kalte, wütende Blick, mit dem er bedacht wurde.
„Lass uns einfach heimgehen.“
„Ich gehe jetzt da rein und werde ihm zeigen, was ich davon halte!“ Endlich ließen die Finger Legolas‘ Handgelenk los, doch kaum frei, packte er seinen Freund ebenso, wie dieser es getan hatte.
„Bist du bescheuert? Abgesehen davon, dass ich das nicht will, weißt du, was Boromir dann mit dir macht? Er wird dir, kaum dass du in Haldirs Reichweite bist, sehr deutlich zeigen, was er von deinem Vorhaben hält. Himmel, hätte ich bloß meine Klappe gehalten! Lass es jetzt gut sein, es ist doch nichts weiter passiert…“
„Nichts passiert? Du findest es also in Ordnung?“
„Hör auf, mir die Worte im Mund rumzudrehen. Es war nicht in Ordnung, aber auch kein Drama. Kein Grund, jetzt so ein Fass aufzumachen.“
„Dir hat es gefallen, oder?“
„Bist du jetzt komplett durch? Hör auf damit.“
„Das ist keine Antwort…“
„Auf so eine lächerliche Frage kriegst du auch keine! Wenn du mir nicht vertraust, ist das dein Problem, aber mach es nicht zu meinem, ok?“
Ohne sich weiter auf die Diskussion einzulassen, machte Legolas sich auf den Weg zum nächsten Taxistand und nach einigem Zögern folgte Aragorn ihm laut fluchend.

„Ich habe immer gedacht, Elben wären ein intelligentes Volk.“ Boromir hatte sich flüssigen Nachschub an der Theke geholt und sich wieder neben Haldir gesetzt.
„Im Grunde schon, ich bin wohl eine Ausnahme.“
„Naja, also das war kein Glanzstück von dir, zudem ziemlich respektlos Legolas und Aragorn gegenüber, aber es ist jetzt auch kein Weltuntergang.“
„Für mich schon…“
„Du kennst Legolas doch viel länger, als ich lebe und eure Freundschaft überdauert schon wer weiß wie viele Jahre. Glaubst du denn, er wird dir das jetzt lange vorhalten? Zumal er wohl wissen wird, dass der Alkohol viel dazu beigetragen hat. Oder hättest du ihn auch nüchtern geküsst?“
Ein Kopfschütteln bestätigte Boromirs Annahme.
„Siehst du. Warte mal morgen ab, da wird die Welt wieder ganz anders aussehen… also, wenn wir dann ausgenüchtert sind…“
„Was ist denn, wenn ich mir jetzt alles verbaut habe? Wenn er nichts mehr von mir wissen will?“
„Haldir, man muss schon blind sein, um nicht zu sehen, was er dir bedeutet. Er wird es auch wissen und es war kein Grund für ihn, mit dir zu brechen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er es jetzt wegen einem winzigen Kuss tun wird.“
„Es ist doch nicht nur der Kuss, ich habe ihm gezeigt, was ich von der Beziehung mit Aragorn halte.“
„Hm…“, Boromir dachte über die Worte nach, kam dabei nicht umhin, dem Elben Recht zu geben, „Tja. Schieb es einfach auf den Alkohol, entschuldige dich, bei beiden, wenn Aragorn es auch weiß, halte dich ein paar Tage, oder gar Wochen, fern von ihnen und dann wird Gras über die Sache gewachsen sein.“
„Das sagst du alles so einfach…“
„Ich glaube schlicht nicht, dass daraus eine große Sache wird.“
„Du hast bestimmt Recht!“ Haldir trank in einem Zug aus und stand auf, Boromir tat es ihm nach.
„Lass uns nach Hause fahren. Schlaf dich aus und klär die Sache morgen auf.“

Wenig später traten auch sie hinaus in die Herbstnacht, beschlossen dass es besser sei, wenn jeder in sein eigenes Bett fiel, und trennten sich, im Gegensatz zu den anderen beiden, in völliger Einigkeit.

Regen prasselte gegen das große Schlafzimmerfenster, als Legolas mühsam probierte, ein Auge zu öffnen. Seine Wimpern waren verklebt, der Mund staubtrocken, die Zunge fühlte sich dick und pelzig an, während sich in seinem leeren Magen eine dezente Übelkeit ausbreitete. Er gab ein Stöhnen von sich, drehte sich zur Seite und angelte blind eine Wasserflasche. Erst nach einigen kräftigen Schlucken öffnete er schließlich doch die Augen. Ein pochender Kopfschmerz breitete sich hinter ihnen aus und mit diesem kamen alle hässlichen Erinnerungen an die Nacht zuvor.
„Wo ist eigentlich so ein verdammter Filmriss, wenn man ihn mal braucht?“
Er erinnerte sich daran, wie er zusammen mit einem immer noch fluchenden Aragorn zum nächstgelegenen Taxistand gegangen war und auch daran, dass ihm die Beschimpfungen, die der Mensch in Richtung Haldir losließ, irgendwann zu viel geworden waren.
„Jetzt sei endlich still! Es ist immer noch mein Freund, den du hier so beschimpfst.“
„Dein Freund?“
„Ja! Uns verbindet mehr, als dass ein so lächerlicher Kuss es zerstören könnte!“
„Alles klar…“, der Tonfall, den Aragorn anschlug, ließ keinerlei Zweifel daran, was er von dem Gesagten hielt. Er enthielt eine nicht ausgesprochene, trotzdem aber unüberhörbare Drohung.
Legolas wollte keinen Streit, keine Diskussion, alles was er wollte war, ins Bett zu schlüpfen und zu schlafen. Zu schlafen und zu vergessen.
Er ging einen Schritt auf Aragorn zu. „Du brauchst nicht eifersüchtig zu sein. Vor allem hör auf, so über ihn zu reden, das passt mir nicht!“
„Ok, ich höre auf damit…“
„Nimm es mir nicht übel, aber meine Laune ist echt im Keller. Bist du böse, wenn ich einfach heimfahre?“
„Schade, aber ist schon in Ordnung. Ich nehm die Bahn. Wir sehen uns morgen?“
„Ja…“, Legolas küsste seinen Freund innig, hoffte, ihn damit von den Gedanken an Haldir wegzubringen und stieg wenige Minuten später in ein Taxi.
Allerdings wies er den Fahrer an, ihn bereits ungefähr einen Kilometer vor seiner Wohnung aussteigen zu lassen. Er hoffte, die frische Luft würde ihm helfen, das Chaos in seinem Kopf sortieren zu können. Ein Vorhaben, dass ihm nicht gelingen wollte, viel zu viel schwirrte durch sein Hirn. Haldirs Worte, der Kuss, der Ausdruck in den graublauen Augen, als er den Soldaten zurückgeschubst hatte, Aragorns heftige Reaktion, dessen unübersehbare und nicht gekannte Eifersucht, die unterschiedlichen Gefühle, die in seinem Inneren tobten – all das begleitete ihn wie ein dicker Knoten im Kopf auf seinem Weg nach Hause und von dort gradewegs in sein Bett.

Während Legolas es für besser hielt, einfach noch etwas weiterzuschlafen, wachte ein paar Kilometer von ihm entfernt Haldir auf und auch er fühlte sich keineswegs besser als sein Exfreund. Allerdings hielt Haldir es für besser aufzustehen und erstmal einen Kaffee zu trinken, um währenddessen über den Bock nachzudenken, den er erst vor wenigen Stunden geschossen hatte.
Während er in der Küche saß und vergeblich versuchte sich selbst zu erklären, was ihn dazu gebracht hatte, Legolas zu küssen, kamen ihm Boromirs Worte wieder in den Sinn. Jetzt, wo der Alkohol sein Gehirn wieder freigegeben hatte, sah in der Tat vieles nicht mehr ganz so schlimm aus. Sicher, er schämte sich in Grund und Boden und hätte seinen Fehler gern ungeschehen gemacht, aber das lag nun mal nicht in seiner Macht. Er war aber gleichzeitig schon wieder rational genug, um davon überzeugt zu sein, dass dieser Fehltritt nicht das Ende der Freundschaft zwischen ihm und Legolas bedeutete. Dafür waren zwischen ihnen schon ganz andere, viel gravierendere Dinge vorgefallen.
„Hoffentlich hat Boromir recht mit seinen Worten…“, er stürzte seinen Kaffee hinunter und beschloss, dass eine lange, warme Dusche das Beste wäre, um seine arg gebeutelten Lebensgeister zu wecken.
Etwas später an diesem Tag, als Legolas sich selbst davon überzeugt hatte, dass auch er dringend eine Dusche gebrauchen könne, klingelte es an seiner Tür.
Aragorn sah ihn betreten an. „Hey…“ Die letzte Nacht hatte auch bei ihm deutliche Spuren hinterlassen.
„Hey, komm rein, ich wollte grade duschen…“
Weit kam der Elb allerdings nicht, denn kaum, dass er ins Bad verschwinden wollte, klingelte sein Handy.
„Wer ist es?“
„Haldir.“
Wieder sah Legolas dieses unangenehme Funkeln in den Augen seines Freundes, der gespannt darauf wartete, was der Elb nun tun würde, Sekunden verstrichen, in denen das Klingeln das einzige Geräusch war, ehe Legolas handelte – er drückte den Anruf weg. Nicht etwa, weil er nicht mit Haldir sprechen wollte, sondern weil er dies in Ruhe vorhatte, ohne diesen stechenden Blick auf sich  zu haben… und er wollte keine erneute Diskussion mit Aragorn.
Diesmal stand seiner Dusche nichts mehr im Wege, doch kaum, dass Aragorn das Rauschen des Wassers hörte, schnappte er sich das erneut klingelnde Handy und entsperrte es. Ohne groß nachzudenken, oder gar ein schlechtes Gewissen zu haben, öffnete er den Messenger und Haldirs Kontakt, um ihn eine Sekunde später zu blockieren. Anschließend tat er mit dessen Nummer im Telefonbuch des Handys dasselbe.
Es war ein gefährliches Spiel, dass Aragorn da trieb, denn auch ihm in seiner Eifersucht musste klar sein, dass sein Tun irgendwann auffliegen würde – ein Gedanke, den er so schnell beiseiteschob, wie er das Telefon wieder auf seinen vorherigen Platz legte.

Immer noch müde ließ Legolas sich wenig später frisch geduscht auf die Couch fallen.
„Es tut mir leid wegen gestern, ich hätte nicht so heftig reagieren sollen…“, Aragorn sah den Elben schuldbewusst an.
„Wir sollten einfach weniger trinken, dann passieren solchen Dinge nicht. Aber abgesehen davon, du musst damit umgehen, dass Haldir mein Freund ist, einer, auf den ich mich voll und ganz verlassen kann…“
„Ich wäre froh, wenn wir über all das nicht mehr sprechen würden! Bitte, lass uns das Thema einfach vergessen.“
Legolas zögerte einige Sekunden, denn ihnen beiden war bewusst, dass der Vorfall nichts war, was sie einfach vergessen konnten. Doch er war zu kaputt, um darüber zu diskutieren und so nickte er schließlich.
„Ok, lass uns spazieren gehen, wir können glaub ich beide die frische Luft gebrauchen und anschließend gehen wir essen, ich lad dich ein.“
Das hübsche Gesicht des Elben hellte sich auf, als er diesen Vorschlag hörte und als er mit seinem Freund wenige später seine Wohnung verließ, lag das Handy immer noch unbeachtet auf der Couch…

Erst am frühen Abend kam Legolas zurück und er hatte fest damit gerechnet, die Info über einen weiteren Anruf, oder zumindest eine Nachricht, von Haldir vorzufinden. Doch nichts von dem prangte auf seinem Display. Er wunderte sich darüber, war irritiert und überlegte, ob er selbst nicht anrufen oder schreiben sollte, aber schließlich entschied er sich dagegen.
Hätte er es doch getan, dann wäre Aragorn perfides Vorgehen eher aufgeflogen…
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