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The Tank, The Swan And The Balloon

von Theurgy
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aragorn Boromir Haldir Legolas
20.04.2021
29.06.2021
13
31.581
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23.06.2021 2.249
 
Kapitel 10


„Boromir…“
Als Haldir keine Antwort erhielt, drehte er sich um. „Boromir!“
Nichts tat sich. Erst, als der Elb mit seiner Faust gegen die Schulter des Anderen schlug, rührte sich dieser knurrend.
„Was willst du?“, er zog die Decke über den Kopf.
„Ich muss dir was sagen.“
„Egal was es ist, es kann bis morgen warten. Es sei denn, du willst mir einen Heiratsantrag machen – die Antwort lautet nein!“
„Du bist so dämlich!“, Haldir drehte sich wieder um und schloss die Augen in der Hoffnung, der Schlaf würde sich endlich seiner bemächtigen – vergebens.
Keine Minute später allerdings hörte er ein Rascheln und spürte anschließend einen Finger, der langsam seine Wirbelsäule hinunterglitt.
„Was möchtest du mir sagen?“
Eine Gänsehaut rauschte über den Körper des Soldaten. „Legolas hat gefragt, ob wir beide mit ihm und Aragorn mal wieder weggehen möchten.“
Der Finger verschwand. „Das konnte jetzt wirklich nicht bis morgen warten?“, Boromir klang ungehalten und Haldir vermutete schon, der Mensch würde sich gleich wieder umdrehen und weiterschlafen, doch anstatt dessen hörte er nach Sekunden der Stille ein Seufzen, ehe eine Hand ihn umdrehte und sein Kopf auf Boromirs Brust gezogen wurde.
„Aber ich bin dämlich, du bekloppter Elb! Diese profane Frage beschäftigt dich so sehr, dass sie dir den Schlaf raubt?! Rede mit mir darüber.“
„Es tut mir einfach weh, die beiden zusammen zu sehen. Jedes Mal frage ich mich, was wohl aus Legolas und mir hätte werden können, wenn… das alles nicht passiert wäre. Versteh das nicht falsch, ich habe ihn ermutigt, auf Aragorn zuzugehen, habe gesagt, ich würde mich freuen, wenn er wieder eine Beziehung hätte, und das tue ich auch. Ich freue mich, weil er glücklich ist, aber dennoch versetzt es mir jedes Mal einen Stich, wenn ich das Leuchten in seinen Augen sehe, sobald er von Aragorn redet. Aber Legolas hat Recht, wenn er sagt, dass wir schon so lange nichts mehr zusammen gemacht haben…“
Erneut spürte Haldir Boromirs Finger – sie strichen durch seine Haare.
„Nur zu verständlich, dass du keine Luftsprünge machst, wenn du die beiden siehst, du empfindest einfach viel zu viel für ihn, damit es nicht so wäre. Meinetwegen können wir gerne etwas zu viert unternehmen, wenn du es auch möchtest. Und danach haben wir einfach wieder ein paar Wochen Ruhe, bevor das Thema erneut aufploppen wird…“
„Wir?“
„Mich bedrückt es eben, wenn ich mitbekomme, wie sehr dich die Sache belastet. Wenn ich mich alleine mit ihnen treffen würde, hätte ich das Gefühl, ich würde dir in den Rücken fallen.“
„Das musst du nicht…“
„Kann ich weder was für noch etwas dagegen tun. Du stehst mir inzwischen näher, als Aragorn es je getan hätte. Ich möchte, dass es dir gut geht – in jeder Hinsicht.“
„Ok, also wenn es bei ihnen passt, dann am nächsten Samstag, oder? Dann hab ich es hinter mir.“
„So machen wir es und jetzt lass uns schlafen.“
„Hmmm…“, murmelte Haldir und ließ seine Finger wie zufällig über Boromirs Brustwarze fahren.
„Haldir…“
„Was denn?“
„Hör auf damit.“
„Was mach ich denn?“
„In erster Linie machst du mich wahnsinnig!“

„Ich freu mich, dass wir endlich mal wieder etwas zusammen unternehmen!“ Aragorns grinste in die Runde und trank einen Schluck aus seiner Bierflasche.
„Also, wohin sollen wir gehen?“, es war Boromir, der diese Frage stellte.
Schweigen legte sich über die vier, ehe sich ein Lächeln auf Legolas‘ Lippen schlich und er Haldir ansah.
„TPB?“
Jetzt erhellte sich auch das Gesicht des Soldaten. „Auf jeden Fall. TPB ist eine richtig gute Idee!“
Auch Aragorn nickte zustimmend, nur Boromir zog fragend die Augenbrauen hoch.
„Was ist das?“
„Das wirst du gleich sehen“, lachte Legolas und winkte ein Taxi heran…
Als sie wenige Minuten später wieder ausstiegen, wanderten Boromirs Brauen erneut in die Höhe. „Das ist nicht euer Ernst, oder?“
„Du wolltest doch wissen, was TPB ist… hier sind wir also – direkt vor dem The pink balls“, Legolas hörte sich an, als könne er es nur mühsam unterdrücken, direkt loszuprusten.
„Ein Schwulenclub? Ok, ihr seid in der Überzahl, aber kommt schon, nicht wirklich…“
„Doch, wir gehen jetzt genau da rein und du kommst mit!“
„Haldir… ich wollte raus, trinken und jede Menge nackter Haut sehen!“
„Und genau das wirst du, inklusive nackter Haut.“
Weibliche Haut!“
„Ach Boromir, komm schon, sei kein Spielverderber…“, Legolas blaue Augen sahen ihn mit dem an, was man landläufig als Hundeblick definierte.
Der Mensch fühlte sechs Augen auf sich ruhen und hob schließlich resignierend die Hände. „Ok, meinetwegen, aber wehe jemand macht sich an mich ran!“
„Bleib einfach bei mir, dann kommt dir schon keiner zu nahe…“, Haldir grinste.
„Wenn du meinst…“
Nicht ganz von dem Vorhaben seiner drei Freunde überzeugt, ließ sich Boromir hinter ihnen her in den Club ziehen. Hätte er allerdings gewusst, wie der Abend enden würde, er hätte sich vehement mit Händen und Füßen gewehrt, die Türschwelle auch nur einen Zentimeter weit zu überqueren…

Das Innere erfüllte so ziemlich jedes Klischee, dass sich Boromir beim Anblick der Außenseite des Clubs bereits völlig ungefragt aufgedrängt hatte. Die vorherrschenden Farben waren ein zartes Rosa und eine Farbe, die, wie er von einer seiner Exfreundinnen gelernte hatte, Flieder hieß. Den Mittelpunkt bildete eine Tanzfläche, deren Größe der des The Swan keinerlei Konkurrenz machen konnte. Schwitzende Leiber drängten sich auf ihr und bewegten sich mal mehr, mal weniger zum Takt der wummernden Bässe. In der Tat bekam er viel nackte Haut zu sehen, wenn auch nicht so, wie er es eigentlich für diesen Abend vorgestellt hatte.
Plötzlich stupste Haldir ihn an und zeigte auf einen freien Tisch neben der Bar. Der Mann nickte stumm. Das Sahnehäubchen der Klischees fand Boromir schließlich, bevor er sich auf einen Stuhl setzte in Form eines kleinen, runden und sehr plüschigen rosa Sitzkissens. Er verfrachtete es kurzerhand woandershin. Bei aller Liebe, er mochte inzwischen durchaus die Vorzüge eines männlichen Körpers erkennen und ja, er genoss den Sex mit Haldir, aber seinen Hintern auf ein Etwas aus rosa Plüsch pflanzen? Nein, das ging wirklich zu weit!
Lange hielt er es allerdings nicht aus. „Ich gehe was zu trinken holen“, schrie er über die Musik hinweg und stand auf, stellte sich artig an der Theke an und wartete. Da ziemlich viel los war, ging es leider nicht so schnell, wie er es sich gewünscht hatte und diese Zeitspanne nutzte Jemand, ihm ungefragt einen Arm um die Schulter zu legen und ihm anzüglich ins Gesicht zu grinsen.
„Na schöner Mann, das erste Mal hier? Hab dich hier noch nie gesehen…“
Boromir war so überrumpelt, dass er lediglich ein Nicken zustande brachte, während er in die mit schwarzen Kajal geschminkten Augen starrte.
„Wie wär es denn mit uns beiden?“ Die Hand wanderte in südliche Gefilde und holte Boromir aus seiner Starre. Er wollte grade zu einer sehr eindeutigen und handfesten Antwort ausholen, als er bekannte Hände spürte, die sich von hinten auf seine Schultern legten.
Ein paar Lippen trafen seine Wange.
„Tut mir leid Süßer, der hier gehört mir.“
Sofort verschwand die Hand, die beinahe an seinem Hintern angekommen war. „Sorry, wusste ich nicht. Nix für ungut.“
Kajalauge verschwand so schnell, wie er gekommen war und Boromir atmete auf.
„Dich kann man auch keine fünf Minuten alleine lassen.“ Haldir lachte laut und war offensichtlich ziemlich amüsiert über die vorangegangene Szene.
„Der nächste fängt sich eine!“, kam die brummelige Antwort.
„Ich auch?“
„Bei dir mache ich eine Ausnahme. Du bist sozusagen mein Retter in der Not.“
Erleichtert, endlich von der Theke verschwinden zu können, stellte Boromir eine gefühlte Ewigkeit später ein volles Tablett auf ihren Tisch.
„Druckbetankung?“ Aragorn zeigte auf die Getränke.
„Ne, ich will nur nicht wieder so schnell an die Theke.“
„Unser Hetero wurde angegraben“, wieder erklang das Lachen des Soldaten, „Ich musste ihn retten.“
„Ja… dafür danke ich dir auch sehr – du Arsch!“
„Hab dich auch lieb!“
Der Abend schritt voran, die Stimmung wurde unter den Mengen an Alkohol immer gelöster und schließlich konnte sich auch Boromir vollkommen entspannen, wenn auch erst mit Hilfe einiger überaus großzügig gemischter Getränke. Er hing zufrieden auf seinem Stuhl, hatte die Beine von sich gestreckt, während er einen jungen Mann beobachtete, der reichlich nackt in einem Käfig tanzte. Was ihn dabei faszinierte, war weniger der Körper an sich, sondern die Verrenkungen, die er hinbekam.
„Ich könnte kotzen“, sagte Haldir schließlich und hickste.
Boromir lachte, er mochte das glucksende Geräusch, dass Haldir jedes Mal plagte, wenn er einen bestimmten Pegel erreicht hatte.
„Weniger trinken“, war seine knappe Antwort, die Augen immer noch auf den Tänzer gerichtet.
„Deshalb doch nicht!“
Jetzt riss Boromir sich doch los und sein Blick folgte anstatt dessen dem des Elben. Schlagartig wurde ihm klar, was dieser gemeint hatte – Legolas und Aragorn, die sich bereits vor einiger Zeit auf die Tanzfläche verzogen hatten, rieben und pressten ihre Körper so derbe aneinander, dass Boromir beinahe glaubte, sie würden es gleich inmitten der Menge treiben.
„Oha… aber was hast du geglaubt, passiert an einem Ort wie diesem?“
„Anscheinend hab ich nix geglaubt und nix gedacht.“
„Willst du gehen?“
„Ne, das wirft nur dämliche Fragen auf, hab ich gar keinen Bock drauf!“
„Dann such dir doch einen anderen, mit dem du dich unterhalten kannst… oder was auch immer. Lenk dich mal ein bisschen ab.“
„Was ist mit dir?“
„Sorry Haldir, aber das würde genauso dämliche Fragen aufwerfen, wenn wir jetzt rummachen.“
„Stimmt. Dann geh ich mal gucken! Kann ich dich hierlassen?“
„Ja, geh nur, pass einfach auf dich auf!“
Wenig später stellte Boromir zufrieden fest, dass Haldir tatsächlich einen Gesprächspartner gefunden hatte, während die anderen beiden immer noch tanzten. Zufrieden wandte er sich wieder dem Käfig zu, wurde jedoch etwas beunruhigt, als er beim nächsten Blick zwar Haldirs Gesprächspartner entdecke, nicht aber den Elben selbst und auch von Legolas war nichts zu sehen. Dafür setzte Aragorn sich, trank ein halbes Glas auf einmal leer und wischte sich die nassen Haare aus dem Gesicht.
„Wo ist Legolas?“
„Der musste mal – und wo ist Haldir hin?“
„Ich habe keine Ahnung…“, antwortete Boromir schulterzuckend.
Irgendwie gefiel ihm das alles grade nicht.

Was die beiden Menschen nicht ahnen konnten, war, dass Haldir, der gesehen hatte, wie Legolas in Richtung der Toiletten ging, diesem folgte. Er hatte sich kurz bei dem grade kennengelernten Elben entschuldigt, das hatte sein vom Alkohol umnebeltes Gehirn noch hinbekommen, und hatte denselben Weg wie Aragorns Freund genommen.
Er wartete in dem kleinen Vorraum, in dem sich die Waschbecken befanden, doch lange musste er dort gar nicht stehen, ehe Legolas seine Kabine verließ und ihn erblickte.
„Hey, alles gut bei dir? Wie gefällt dir der Abend?“
Vielleicht war es der sanfte Tonfall oder der neugierig fragende Blick in den Augen seines Exfreundes, der Haldirs Vernunft ins Nirvana schickte.
„Gut, alles prima. Bei euch offensichtlich auch…“, er lehnte sich an die Wand den Waschbecken gegenüber.
„Ja“, Legolas kicherte, wurde dann mit einem Blick auf Haldir wieder ernst, „Du siehst allerdings gar nicht so glücklich aus.“
Die Vernunft probierte sich noch einmal zurückzumelden – vollkommen vergeblich.
„Ich vermisse dich!“
Legolas trat an Haldir heran, nahm eine seiner Hände. „Ich dich doch auch, deswegen bin ich so froh, dass wir heute endlich mal wieder etwas unternehmen und uns nicht immer nur kurz sehen, wenn wir mal Zeit haben…“
„So meine ich das nicht.“
Es dauerte einige Augenblicke, ehe der etwas kleinere Elb die Bedeutung der Worte verstand. Er zog langsam seine Hand zurück. „Oh. Wir haben doch so oft darüber gesprochen, schon bevor ich mit Aragorn zusammengekommen bin. Das mit uns hat nicht funktioniert, so schön es gewesen wäre. Tut mir leid Haldir, aber schlag dir das endlich aus dem Kopf.“
Mit einer fließenden Bewegung fanden sich Haldirs Hände gegen die Wand gestützt links und rechts von Legolas‘ Kopf.
„Du bist also glücklich mit ihm?“
„Sehr!“, die Stimme war fest.
„Liebst du ihn?“
„Bisschen früh dafür, aber ich bin in ihn verliebt, so wie er in mich! Und jetzt sollten wir gehen!“
Heftig presste Haldir seine Lippen auf Legolas‘, der jüngere Elb erstarrte für eine Sekunde, ehe er seine Hände hob und sein Gegenüber so heftig von sich stieß, dass der Soldat gegen die Waschbecken knallte.
„Du hast sie doch nicht mehr alle!“ Legolas schrie die Worte, ehe er fluchtartig den kleinen Raum verließ.
Wutentbrannt steuerte er direkt auf den Tisch zu, an dem Boromir und Aragorn saßen.
„Komm, wir gehen!“ Ohne weitere Erklärung zog er seinen Freund am Arm vom Stuhl hoch.
„Was? Wieso?“
„Scheißegal. Wir gehen jetzt! Sofort!“
Aragorn wollte etwas erwidern, doch Legolas ließ ihn überhaupt nicht zu Wort kommen, zog ihn anstatt dessen hinter sich her und raus aus dem Club.
Boromir war wegen der ganzen Szene überhaupt nicht beachtet worden und dies verstärkte sein ungutes Gefühl nur um ein Vielfaches. So schnell er konnte schob er sich durch die Menge in Richtung der Toiletten, suchte nach dem Elben, wurde aber nicht fündig. Zurück im Hauptraum konnte er diesen aber auch nicht entdecken. Schließlich nahm er den Weg durch einen kleinen Gang, der auf einen Innenhof führte, welcher als Raucherbereich genutzt wurde. Es gab eine kleine Theke und niedrige Mauern, auf denen Elben und Menschen saßen, tranken, lachten und ausgelassener Stimmung waren. Inmitten dieser geballten gute Laune entdeckten Boromirs Augen schließlich Haldir, der so überhaupt nicht zu dieser fröhlichen Umgebung passen wollte.
Der Elb saß abseits, hielt in einer Hand ein Glas mit etwas, dass entweder stilles Wasser war oder aber purer Wodka und in der anderen eine Zigarette.
Kopfschüttelnd und ungefragt setzte Boromir sich dazu.
„Seit wann rauchst du?“
Haldir hielt seinen Blick auf den Boden gerichtet. „Seitdem ich richtig Scheiße gebaut habe!“
Boromir seufzte. „Was ist passiert?“
„Ich hab Legolas geküsst.“
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