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The Tank, The Swan And The Balloon

von Theurgy
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aragorn Boromir Haldir Legolas
20.04.2021
29.06.2021
13
31.581
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The Tank, The Swan And The Balloon



Ein paar Worte vorab :)
Ich bin normalerweise weder ein Modern-AU-Schreiber, noch ein AragornxLegolas-Fan, aber hier gab es ein Plotbunny, das dringend erschossen werden musste... ;-)
Viel Spaß beim Lesen!

Kapitel 1


Das Feuerzeug klickte und die kleine Flamme erhellte kurz darauf die Spitze der Zigarette, die Aragorn sich zwischen die Lippen geklemmt hatte. Während er den Rauch des ersten Zuges in die warme Sommernachtluft hinausblies, musterte er abschätzend die Menschen und Elben, die sich artig in einer Schlange vor ihm aufgestellt hatten. Er nickte oder schüttelte den Kopf, je nachdem, was und wen er dort vor sich sah.
Nickte er, erhellte sich das Gesicht seines Gegenübers erleichtert, schüttelte er jedoch den Kopf, war die Enttäuschung beim Anderen unübersehbar.
Diskussionen hierüber hatten keinen Sinn, das hatte sich inzwischen rumgesprochen und doch gab es immer wieder jene Unverbesserlichen, die es dennoch probierten. An diesem Abend war er bisher aber von ihnen verschont geblieben.
„Wenn Elrond sieht, dass du rauchst, bekommst du wieder eine Standpredigt.“
Aragorn zuckte zusammen, als Boromir unvermittelt eine schwere Hand auf seine Schulter legte.
„Verrätst du mich?“, die Frage hatte einen ironischen Unterton, Aragorn kannte die Antwort.
„Niemals. Komm, mach Pause, ich übernehme so lange.“
Aragorn drückte seine Zigarette aus und verschwand dankbar nickend hinter den Türen, die auch an diesem Abend für so viele verschlossen bleiben würden.

Drinnen hämmerte ihm der Bass in einer Heftigkeit entgegen, dass er meinte, seine Eingeweide würden die Vibrationen des Bodens aufnehmen. Die Lautstärke traf ihn unvermittelt und kurz überlegte er, seine Pause lieber draußen zu verbringen, schüttelte dann aber den Kopf. Seine Augen huschten über die Tanzfläche, ein riesiges Ding aus zentimeterdickem Panzerglas, das von unten mit farbigen Scheinwerfern erhellt wurde. Er war sich ziemlich sicher, dass allein diese Fläche ein Vermögen gekostet haben musste. Hinter der tanzenden Menge gingen links und rechts zwei Treppen hoch zu der Empore für die Gäste, die besonders wichtig waren oder sich dafür hielten und entsprechend Geld mitbrachten. Aragorn kannte sie, die aufgebrezelten Tussen und ihre dazugehörigen Angeber.
Missmutig betrachtete er diejenigen, die sich den Aufenthalt auf der Empore nicht leisten konnten und deswegen auf den Sofas und Sesseln saßen, der großzügige Louchbereich umgab die Tanzfläche, den Abschluss bildeten Wände aus grobem, roten Backstein. Auf eine dieser Mauern hatte ein Künstler das Graffiti eines Schwans gesprayt.
The Swan – Elronds Club hatte sich seit seiner Eröffnung vor drei Jahren zum angesagtesten Club der Stadt gemausert und genau so lange war Aragorn schon Türsteher.
Sein Blick verließ die Menschenmenge und konzentrierte sich nur auf ein Lebewesen in dem riesigen Raum… den Elben hinter der Theke auf der linken Seite. Er nahm sich einige Augenblicke, um Legolas zu beobachten. Routiniert beugte sich der Elb ein wenig über die Theke zum Gast, nickte kurz, wenn er die Bestellung aufgenommen hatte und wirbelte dann zwischen den verschiedenen Kühlschränken und Flaschen hin und her, ehe er die Getränke über den Tresen schob und im Gegenzug dafür die Getränkekarte entgegennahm. Lächelnd gab er sie kurz darauf zurück und wandte sich dem nächsten Wartenden zu.
Hin und wieder schien jemand etwas zu sagen, dann lachte er kurz, schüttelte den Kopf oder strich sich imaginäre blonde Strähnen hinter seine Ohren. Legolas lange, hellblonde Haare lagen immer perfekt, kleine geflochtene Zöpfe hielten sie aus seinem Gesicht, weswegen es auch nichts zum hinter die Ohren streichen gab. Er trug ein schwarzes, ärmelloses Shirt und zeigte somit seine sehnigen, trainierten Arme, deren Muskeln von heller Haut umspannt wurden.
Aragorn seufzte. Wie konnte jemand nur dermaßen perfekt sein?

Legolas Lächeln traf ihn zusammen mit dessen dunkelblauen Augen, woraufhin Aragorns Eingeweide einen freudigen Hüpfer vollführten.
„Was darfs sein?“
„Eine Cola.“ Elrond würde ihm den Kopf abreißen, wenn er während seiner Schicht Alkohol trinken würde.
Nur wenige Sekunden später stand die kleine Flasche vor ihm und mit einem erneuten Lächeln wandte der Elb sich ab.
Tausend Mal hatte Aragorn sich vorgenommen, den Elben zu fragen, ob sie mal etwas zusammen unternehmen sollten und tausendundein Mal hatte er diesen Gedanken aus Angst vor einer Zurückweisung fallen gelassen. Dabei war diese Angst vollkommen kindisch, immerhin arbeiteten sie seit über zwei Jahren zusammen, wieso sollten sie dann nicht einfach mal etwas gemeinsam machen?
Noch während Aragorn darüber sinnierte, schlug ihm das zweite Mal an diesem Abend jemand auf die Schulter. „Hier bist du also, ich wunderte mich schon, warum Boromir draußen Wache steht und den Zorn der Leute auf sich zieht.“ Haldir lachte und dieses Geräusch zog Legolas Aufmerksamkeit auf sich.
„Haldir!“, ein breites Grinsen zeigte sich auf beiden Elbengesichtern als sie sich über das Holz des Tresens lehnten und sich fest umarmten. Aragorn wünschte sich in der ersten Sekunde weit weg, in der zweiten hätte er nur zu gerne Haldirs Platz eingenommen.
„Was möchtest du trinken?“
„Wodka-O. Außerdem hab ich eine Frage…“
„Hm?“
„Hast du nach Feierabend schon was vor?“
„Noch nicht…“, eine zarte Röte zeigte sich auf Legolas' Wangen und ein liebevoller Ausdruck zeigte sich in den saphirblauen Augen.
„Gut“, Haldir nahm einen großzügigen Schluck, „Ich geh jetzt erstmal tanzen. Bis später also.“
Aragorn wollte spontan seine Cola über den Tresen spucken, gefolgt von seinem Mageninhalt. Anstatt dessen schob er sich von seinem Barhocker und nickte den blonden Elben wortlos zu, ehe er raus ging, um Boromir abzulösen.
„Du bist ja schon wieder da, ging aber schnell…“
Mit einer hochgezogenen Augenbraue betrachtete Aragorn das hübsche Mädchen, das schüchtern lächelnd neben dem breiten, großgewachsenen Mann stand.
„Haldir ist da…“
„Öhm ja, weiß ich, ich hab ihn reingelassen…“
„Selbst auf dich ist kein Verlass mehr.“
„Aragorn…“
„Ja, ich weiß, ich weiß. Geh lieber rein und amüsiere dich.“
Kopfschüttelnd wandte Boromir sich ab und verschwand hinter den Türen, dicht gefolgt von der jungen Frau.

„Er steht auf dich.“ Haldir drückte Legolas nackten Körper fester an sich.
„Wovon redest du?“ Sanft strichen Fingerkuppen über die glatte, makellose Haut von Haldirs Bauch.
„Von Aragorn.“
„Wie kommst du darauf?“
„Ich sehe doch, wie er dich ansieht und mich, wenn ich auftauche. Er ist eifersüchtig auf mich.“ Haldir kicherte – ein Geräusch, das Legolas einen Schauer über die Wirbelsäule schickte.
„Er ist ein Mensch… Menschen und Elben passen nicht zusammen…“
„Schwacher Grund, das weißt du. Es gibt genug Beispiele, die das Gegenteil beweisen.“
„Aragorn kommt aus einfachen Verhältnissen und du kennst meinen Vater.“
„Der hat auch mich akzeptiert und meine Eltern waren bestimmt nicht reich.“
„Aber du bist Soldat und mehrfach geehrt worden. Du warst im Kampfeinsatz und hast deine Kameraden gerettet. Ada war selbst Soldat und wäre es bestimmt immer noch, wenn er nicht irgendwann verletzt worden wäre und so schließlich doch die Firma seines Vaters übernommen hätte.“
„Hm, du führst zwar Gründe an, aber du sagst nicht, dass du kein Interesse hast…“
„Ich kenne ihn nicht…“
„Dann ändere das doch.“
„Willst du mich loswerden? Wenn ich eine neue Beziehung habe, ist es vorbei mit unseren Nächten, das ist dir doch klar, oder?“
Das ist wahrlich schlimm.“ Der Soldat küsste die blonden Haare, während seine Hand langsam den Oberschenkel des jüngeren Elben hinaufstreichelte.
„Aber so sehr ich unsere Zweisamkeit vermissen würde, ich möchte nur, dass du glücklich bist.“
„Mach ich dir den Eindruck, als wäre ich unglücklich?“
„Nein, das nicht, aber…“
Weiter kam Haldir allerdings nicht, denn Legolas Lippen schlossen seine.

Am anderen Ende der Stadt, in einem Stadtviertel mit weniger hübschen Wohnungen als die von Legolas es war, klickte erneut ein Feuerzeug.
„Aragorn, schlag ihn dir aus dem Kopf.“
Trotzig stieß der Türsteher den blauen Dunst aus. „Danke, dass du mich so ermutigst.“
„Legolas ist ein Elb und nun ja… nicht grade unsere Liga. Sein Vater…“
„Ich weiß, wer sein Vater ist – der Eigentümer der Grünwald AG, der größte Industrielle weit und breit. Er ist steinreich und dennoch arbeitet sein Sohn in einem Club hinter der Theke.“
„Weil Legolas es so wollte. Er verdient sich Geld für das Studium dazu, obwohl er es bestimmt nicht müsste. Wenn er sein Studium abgeschlossen hat, wird er seinem Vater mit Sicherheit in die Firma folgen.“
„Dennoch kann er nicht so ein Schnösel sein, wie es von seinem alten Herrn erzählt wird.“
„Alter Herr - damit wären wir beim zweiten Problem. Er ist ein Elb…“
„Das heißt nichts, das Beziehungen zwischen Elben und Menschen nicht funktionieren, ist ein Vorurteil aus dem vorherigen Jahrhundert… Jahrtausend wohl eher…“
„Das gilt für uns, aber leider nicht für jeden.“
Aragorn seufzte und öffnete sich ein Bier. „Was interessieren mich schon andere Leute? Wieso bist du überhaupt mit zu mir gekommen, solltest du nicht ohnehin bei deiner kleinen Freundin sein?“
Die Frage brachte den Security zum Lachen. „Hast du gesehen, wie sie mich angehimmelt hat? Wenn ich die mit heimnehme, werde ich sie nie wieder los. Sag mir lieber, was du vorhast zu machen?“
„Was soll ich denn tun? Garnichts! Hast du Haldir vergessen?“, Aragorn seufzte, „Und die ganzen anderen Gründe, die du genannt hast?“
„Nein, Haldir kann man unmöglich vergessen. Aber die beiden sind Exfreunde, sie sind nicht mehr zusammen.“
„Aber anscheinend treiben sie es noch miteinander.“
„Aragorn mein Freund, du bist verloren. Ich sag es dir…“
Ein erneuter Zug an der Zigarette, ein Schluck Bier und ein undeutliches Murmeln war alles, was dem Türsteher als Erwiderung einfiel.

Als Boromir ihn verlassen hatte, stand Aragorn am Fenster und beobachtete den Sonnenaufgang. Träge schob der orange Ball sich über die Stadt, die noch ruhig und friedlich vor ihm lag. Seine Gedanken schweiften ab zu Boromirs Worten und zu dem, was er selbst lediglich aus alten Geschichtsbüchern und Fernsehdokumentationen kannte…
Elben und Menschen hatten von jeher friedlich zusammengelebt, allerdings war dieser Frieden nur oberflächlich, darunter hatte es über viele Generationen hinweg gebrodelt, denn die Gleichheit, die beide Völker angeblich einte, war nur vorgetäuscht. Menschen verrichteten oft niedere Arbeiten, für die die Elben sich zu schade waren und sie wurden, selbst bei gleicher Arbeitsleistung, schlechter bezahlt.
Menschen wurden bei der Wohnungssuche benachteiligt, Vermieter bevorzugten die besseren Elben, die ebenfalls viel mehr hohe Ämter und Vorstandspositionen bekleideten. All diese Punkte sorgten dafür, dass die Gesellschaft sich spaltete. Elben gingen zu elbischen Heilern, kauften in von Elben betriebenen Geschäften und blieben unter sich, ebenso wie die Menschen.
Der Frieden glich in jener Zeit vielmehr einem unberechenbaren Pulverfass – und dieses explodierte eines Tages…
Es begann in Gondor, dass die Menschen auf die Straße gingen und für gleiche Rechte protestierten, doch schnell zogen sich diese Demonstrationen wie ein Spinnennetz über alle große Städte. Als ihre Forderungen ungehört blieben, wurden die bis dahin friedlichen Proteste zu blutigen Ausschreitungen und als selbst diese Gewalt nichts half, sie wurde ebenso brutal von den Elben niedergeschlagen, legten die Menschen kollektiv ihre Arbeit nieder.
Ihre Weigerung brachte den Durchbruch, die Wirtschaft begann gehörig zu schwanken und selbst der letzte Elb musste sich die Wichtigkeit der Menschen eingestehen, als sich der Müll hoch auf den stinkenden Straßen stapelte und der Nachschub an Nahrungsmitteln ausblieb.
Die Beharrlichkeit der Menschen sorgte für umfassende Gesetzesreformen, die ihnen eine absolute Gleichbehandlung garantierte und Zuwiderhandlungen unter schwere Strafen stellte.
Doch die Ausschreitungen hatten schwere Wunden geschlagen und es dauerte viele menschliche Generationen, ehe diese verheilt waren und der Frieden diesmal aufrichtig und stark war. Aber er brachte ein weiteres Problem mit sich – wo Elben und Menschen so eng zusammenlebten, dauerte es nicht lange und war wohl auch ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis die Liebe ihren Weg fand und die beiden Völker auf ihre ganz eigene Art verband.

Das jedoch war gesetzlich verboten und brachte die neuen Paare in arge Bedrängnis, denn sie konnten ihre Gefühle niemals offen ausleben. Die nächsten Proteste ließen somit nicht lange auf sich warten und diesmal gingen Menschen und Elben gemeinsam auf die Straße und plädierten dafür, die gesetzliche Unrechtmäßigkeit ihrer Liebe abzuschaffen.
Mit Erfolg. Die Strafbarkeit elbsich-menschlicher Beziehungen wurde aufgehoben und wenige Jahre später wurde diesen Paaren sogar die Heirat gestattet.
Die Menschen konnten sich an diese Zeit überhaupt nicht mehr erinnern und auch die jungen Elben nicht, im Gegensatz zu den alten und auch wenn auf dem Papier und im täglichen Leben alle gesellschaftlichen Unterschiede abgeschafft waren, in den Köpfen vieler existierten sie noch.

All dieses Wissen sorgte nicht dafür, dass Aragorns Laune sich gehoben hatte, als er nach seinem Bier völlig übermüdet ins Bett fiel und verzweifelt versuchte, diese saphirblauen Augen aus seinem Kopf zu bekommen.

Da Aragorn nicht so gesegnet war, was den Reichtum seiner Familie, oder gar den eigenen anbelangte, reichte das Geld, das er im The Swan verdiente, nicht für seinen Lebensunterhalt.
Aus diesem Grund ging er zusätzlich zu seinen Schichten von freitags bis sonntags noch drei Tage in der Woche im größten Baumarkt der Stadt arbeiten.
Dort steckte er grade mit dem ganzen Oberkörper zwischen den neu eingetroffenen Obstbäumen und wickelte ihnen kleine Preisschildchen um den Stamm, als er ein leises Räuspern hinter sich vernahm.
„Sorry?“
Die Stimme erschreckte ihn so sehr, dass er beinahe das ohnehin fragile Gleichgewicht verlor und vornüber in den Bäumen landete. Finger, die sich in sein Hemd krallten, hielten ihn allerdings davon ab.
„Oh Mann, tut mir leid, dass ich dich so erschreckt habe, das wollte ich nicht.“
Die Stimme rieselte in Aragorns Adern und schwamm von dort direkt zu seinem Herzen, das zu rasen begann.
„Legolas! Was tust du hier?“
Der Elb lachte. „Einkaufen. Ich suche Orchideendünger, hilfst du mir? Anscheinend ist seit meinem letzten Besuch ganz schön umgeräumt worden.“
Stumm nickte der Andere und führte seinen Kunden ebenso schweigsam durch die Gänge, bis er vor dem Gesuchten stehenblieb.
„Danke“, nachdenklich drehte Legolas die grüne Flasche zwischen seinen Händen, „Ich wusste gar nicht, dass du hier arbeitest.“
„Nur drei Tage in der Woche. Das Geld aus dem Club reicht nicht.“ In der nächsten Sekunde kam er sich dumm vor, sowas ausgerechnet vor Legolas zu sagen. Hätte er gekonnt, hätte er sich selbst direkt eine Ohrfeige verpasst.
„Hm…“, murmelte dieser nur, denn zu diesem Thema konnte er überhaupt nichts beitragen. „Dann… sehen wir uns übermorgen im Club?“
„Ja…“
„Ok, danke nochmal für deine Hilfe“, Legolas hob die Flasche hoch, drehte sich um und war schon in Richtung der Kassen verschwunden.
Verblüfft sah Aragorn ihm hinterher, dann wurde er sich langsam bewusst, welche Chance ihm grade entgangen war. „Du bist so ein Idiot!“ fluchte er über sich selbst, ehe auch er sich umdrehte und zurück zu den Obstbäumen stapfte und den Rest des Arbeitstages darüber sinnierte, wie er so bescheuert hatte sein können. Aber er dachte auch daran, wie er Legolas das erste Mal getroffen hatte…

„Ihr bekommt einen neuen Kollegen“, hatte Elrond eines Abends, ungefähr ein halbes Jahr nach Eröffnung des The Swan, gesagt. Der schnelle Erfolg seines Clubs hatte ihn wohl selbst überrascht und so war er dankbar gewesen, als sein ältester Sohn Elladan ihn gefragt hatte, ob einer seiner Kommilitonen ebenfalls am Wochenende hinter der Bar arbeiten könnte.
Es war also im Grunde Elladan schuld, dass Aragorn kurz darauf seine eigene Gefühlswelt nicht mehr verstand… An diesem Abend kam der ältere der Zwillinge mit einem Elben in Schlepptau zur Arbeit und der Mensch dachte in diesem Moment, er würde vom Blitz getroffen werden.
Dort stand Legolas, in dem ärmellosen schwarzen Shirt und der engen Bluejeans, die er inzwischen immer hinter der Theke trug. Die hellblonden Haare fielen ihm über den Rücken wie ein perfekter Wasserfall im Sonnenlicht. Strahlend blaue Augen huschten durch die Runde und zwei blassrosa Lippen formten sich zu einem aufrichtigen Lächeln.
In genau dieser Sekunde war es um Aragorn geschehen und als der Elb ihm die Hand hinhielt, war sein Mund staubtrocken und er hatte inständig gehofft, seine Stimme möge tatsächlich nicht so kratzig klingen, wie sie es in seinen Ohren tat.
Natürlich hatte es nicht lange gedauert und Boromir hatte bemerkt, was mit seinem Freund los war…
Boromir, ein Kerl wie ein Schrank, wie gemacht für den Job, drinnen im Laden für Ordnung zu sorgen. Harte Schale, weicher Kern – es schien, als sei dieser Spruch genau für ihn gemacht worden.
Genau Boromir war es auch, der in seiner präsenten, aber unaufdringlichen Art bei Legolas auf Tuchfühlung ging. Er war es, der herausfand, dass der Elb dem eigenen Geschlecht zugeneigt war, eine Tatsache, die Legolas nie versteckt hatte, und auch, wer sein Vater war. Mit all diesen Informationen versorgte er Aragorn, wie aber ebenfalls jedes Mal darauf hin, dass es in seinen Augen keine gute Idee war, sein Herz ausgerechnet an einen Elben mit solch einem familiären Hintergrund zu verlieren.
Doch es war ohnehin zu spät – Legolas war für Aragorn die inkarnierte Perfektion, aber weil er genau das war, traute sich der Mensch schlichtweg nicht, sich dem Elben zu nähern. Seine Angst vor einer Abfuhr war viel zu groß gewesen, als das er es gewagt hätte, Legolas in ein Gespräch zu verwickeln oder gar nach einem Treffen zu fragen.
Das war von Beginn an so gewesen und hatte sich all den vergangen Monaten auch nicht geändert…

Seine Laune hatte sich immer noch nicht wirklich gebessert, als er zwei Nächte später im The Swan an der Theke saß und sich seine obligatorische Pausen-Cola genehmigte. Sein Blick blieb an Legolas Hintern hängen, als dieser sich grade an einem geöffneten Kühlschrank hinunterbeugte. Sie dunkle Jeans saß perfekt und betonte die langen, schlanken Beine, die in zwei perfekten Rundungen endeten. Aragorn war sich bewusst, dass er nicht der einzige war, der dorthin starrte. Jeden Abend standen genug junge Frauen und Männer an der Bar und himmelten den blonden Elben an und auch Tauriel, die an der Bar auf der gegenüberliegenden Seite des Clubs arbeitete, ging es nicht anders.
Elrond wusste genau, dass gutaussehende Elben als Bedienung sowohl die Zufriedenheit der Gäste steigerte wie auch die Geduld derselbigen, falls ihre Bestellung einmal länger dauern sollte.
„Wo ist Haldir eigentlich?“
Legolas sah zu ihm herüber. „Er muss dieses Wochenende in der Kaserne verbringen. Wieso fragst du?“
„Nur so, reine Neugier…“ Aragorn konnte nicht verhindern, dass sein Gesicht das Bild malte, wie der große, breit gebaute Soldat immer wieder in den sehnigen Körper unter ihm stieß und dieser sich voller Lust wandt und stöhnte. Der unwillkommene Gedanke verursachte brennende Eifersucht und Übelkeit in ihm und so rutschte er wortlos von dem Hocker, ließ die Cola fast unangetastet stehen und ging wieder raus. Legolas verwunderten Blick in seinem Rücken bemerkte er dabei nicht.

„Ich glaube, du hast Recht…“ Legolas reichte Haldir einen Whiskey.
„Womit?“ Haldir nahm das Glas an und streckte sich auf der großen weißen Couch, die den Mittelpunkt in Legolas' Wohnzimmer bildete.
„Aragorn steht auf mich.“
„Oh, du hast es auch schon bemerkt… Herzlichen Glückwunsch! Wie kommst du denn plötzlich darauf?“
„Kann ich dir garnicht sagen, es ist sein ganzes Verhalten… wenn wir uns sehen, kriegt er kaum ein Wort raus, mit den Anderen hingegen redet er völlig unbefangen. Letzte Woche war ich in dem Baumarkt, in dem er arbeitet.“
„Hast du also mal tatsächlich auf mich gehört?“ Haldir begann, seine Finger durch die goldblonden Strähnen fahren zu lassen, nachdem Legolas sich neben ihn gesetzt hatte.
„Ja, ich hab gesagt, ich brauche Orchideendünger.“
Der Soldat lachte amüsiert auf. „Du hast gar keine Orchideen…“
„Weiß ich selbst, aber auf die Schnelle fiel mir nichts Anderes ein. Jetzt habe ich auf jeden Fall Dünger dafür, aber bin keinen Schritt weiter. Er hat mir die Flasche in die Hand gedrückt und währenddessen nicht ein Wort gesagt.“
„Anscheinend ist er sehr schüchtern.“
„Den Eindruck macht er mir eigentlich nicht.“
„Wer weiß schon immer, wie es hinter unseren Fassaden aussieht?“ Haldir sah Legolas nachdenklich an und der jüngere Elb strich ihm daraufhin mit dem Daumen sanft über eine Augenbraue. Eine stumme Geste des Verständnisses.
Der Soldat nahm die Hand und küsste ihre Knöchel, ehe er sein Gegenüber lächeln ansah. „Du magst ihn, oder?“
„Ich glaube schon, es ist schwer zu sagen, weil ich nichts von und über ihn weiß. Aber ich kann zumindest sagen, dass ich ihn sehr attraktiv finde. Er hat immer etwas Wildes, Unangepasstes an sich. Er wäre bestimmt ein guter Rebell…“
„Diese Zeiten sind den Valar sei Dank lange vorbei, aber ich gebe dir Recht. Was tust du jetzt, um ihn besser kennenzulernen?“
„Keine Ahnung, er macht es mir verdammt schwer. Ich will nicht den ersten Schritt machen und dann vielleicht herausfinden, dass wir beide Unrecht haben…“
Haldir lächelte, legte Legolas Hand auf die Rückenlehne der Couch und seinen Kopf darauf.
„Es wäre wirklich in Ordnung, wenn ich eine neue Beziehung hätte?“ Legolas strich Haldirs Haare hinter dessen Ohren und fuhr die Konturen des Kiefers nach.
„Ja doch! Du wirst doch meinetwegen nicht ewig alleine bleiben wollen!“
„Ich will dich vor allem nicht verletzen Haldir!“
„Das tust du nicht. Was wir teilen und was uns verbindet, ist mehr als Freundschaft, aber eben auch weniger als Liebe. Dass es so gekommen ist, ist meine Schuld, wie kann ich dir dann irgendetwas vorwerfen oder von dir verlangen?“
Legolas rutschte näher an den Anderen heran und schlang seine Arme und dessen Hals. „Es war nicht deine Schuld, es war dieser verdammte Krieg…“, sacht küsste er Haldirs Schläfe.
„Was auch immer… du musst weitermachen und wenn du meinst, es ist so weit, dann gib dein Herz an jemanden, der gut darauf aufpassen wird…"
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