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Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.05.2021 9.731
 
Hey Ihr Lieben,
zwischen meinen Diensten hier eine kleine Wochenendaufgabe für euch,
damit es nicht langweilig wird XD
Vielen Dank für das tolle Kommentar, die Favoriteneinträge und Sterne
Viel Spaß
Liebste Grüße Kitana

8.

Wir verbrachten noch 3 ganze Tage im Krankenhaus, bevor sich Kakashi entgegen ärztlichen Rates entlassen ließ. Mir tat der Arzt schon ein bisschen leid, er hatte meinen Bruder förmlich bekniet noch zu bleiben, doch er hatte ihn abblitzen lassen. Ich hatte mich verlegen verbeugend entschuldigt und versichert, dafür sorge zu tragen, dass mein Bruder sich schonte. Fügte in Gedanken noch ein, Soweit es in meiner Macht steht, hinzu und folgte meinem starrsinnigen Bruder durch die Eingangstür nach draußen.  
Entgegen meiner Erwartungen schaffte er den Weg, bis zu unser Wohnung, ohne größere Probleme, zumindest ließ er sich nichts anmerken. Seine zweite Hand, die er zum Aufstützen auf der Gehhilfe gebraucht hätte, war durch den Bruch leider auch unbrauchbar und so hopste er mehr auf einem Bein, als das er wirklich lief.Um ehrlich zu sein, sah es sowohl anstrengend als auch lustig aus, ihn so zu sehen. Sonst hatte er die Eleganz einer Katze und war kaum zu hören, nun aber schnaufte er wie eine Dampflok und hatte die Grazie eines Elefanten.  
Vor der Treppe in den zweiten Stock blieb er dann doch kurz stehen und schaute missmutig nach oben. Ich musste mir aufgrund seines Gesichtsausdrucks das Lachen verkneifen, spätestens aber im ersten Stock war mir das Lachen vergangen. Mein Bruder lehnte sich reichlich Mitgenommen aussehend an die Wand und schwankte gefährlich. Zum Glück öffnete, durch unser gepolter animiert, der junge Bäckermeister die Tür und schaffte es einen Sturz zu verhindern.
„Hatake-San..“ erschrocken war er ein Stück heran getreten und hatte sich sein Arm um die Schulter gelegt. Kakashi war mit seiner Gehstütze abgerutscht und automatisch auf sein Fuß getreten, der Treppensturz blieb aus, doch die Schmerzen mussten furchtbar gewesen sein. Sein Kreislauf stand Kopf, Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und sein Blick ging in die Ferne.  
Kakashi nickte dankbar unserem Nachbarn zu, der ihn auf dem Sofa ablud und legte sich artig, doch reichlich blass um die Nase, hin.
„Sollten sie in den nächsten Tagen Hilfe benötigen, scheuen sie sich nicht sich an mich und meine Frau zu wenden Hatake-San...“ der junge Mann verneigte sich und ich brachte ihn zur Tür.
„Warum sind sie so nett zu uns?“ es rutschte mir heraus, doch war ich ehrlich interessiert. Verwundert sah mich der junge Mann an, lächelte dann aufrichtig.
„Wir verdanken Hatake-San sehr viel, doch wir haben versprochen kein Wort darüber zu verlieren, also ist das, das Mindeste was wir für ihn tun können....also bitte, sollte etwas sein, lass es uns wissen...“ er hob die Hand und nahm die Treppe nach unten.
Ich schloss die Tür, so viele Menschen waren meinem Bruder Dankbar. Es fühlte sich gut an, obwohl es mich nicht direkt betraf, aber ich würde es in Zukunft als Verteidigungsgrundlage für ihn verwenden.
Aller spätestens jetzt, wo ich das Wohnzimmer wieder betreten hatte, fragte ich mich, ob das wirklich eine gute Idee gewesen war, ihn mit nach Hause zu nehmen. Er hatte sich anscheinend doch etwas überanstrengt, lag nun völlig fertig auf der Couch und war kurzerhand eingeschlafen. Ich zog ihm den Schuh von seinem Fuß und deckte ihn zu, er erwachte nicht.
„Genau, dir geht es gut genug um nach Hause zu gehen...Vollkommen fit...Kein Problem...“ ich schimpfte leicht über die Unvernunft, seufzte dann jedoch. Mir war klar, warum er nach Hause wollte. Normalität, er wollte mir wieder Normalität bieten, seine Gesundheit war dabei zweitrangig.
Mein Blick in den Spiegel verriet mir, dass ich etwas Normalität wahrscheinlich bitter nötig hatte. Meine Augen waren von dicken Rändern umsäumt, ich war blass und leicht eingefallen. Meine Haare hingen mir strähnig vom Kopf, das Schampoo, welches man uns in der Klinik zur Verfügung gestellt hatte war furchtbar. Naja, wenigstens standen meine Haare so nicht ab, als wäre ich von einem Blitz getroffen worden. Ich grinste breit, von einem Blitz getroffen, das passte irgendwie zu mir. Eigentlich nur halb. Ich spürte wieder diese Beklemmung in mir, hockte mich auf den Boden und wippte vor und zurück. Mich dürfte es nicht geben, ich war das Monster, mein Körper war eine tickende Zeitbombe. Wenn Kakashi nicht eingegriffen hätte wäre ich schon lange nicht mehr am Leben. Die Wahrheit tat wirklich weh, da hatte Kakashi recht gehabt und es versprach nicht besser zu werden.
Als es zaghaft an der Badezimmertür klopfte, schreckte ich auf.
„Hira? Ist alles OK bei dir Kleines? Du bist jetzt seit 2 Stunden da drinnen...“ seine Stimme drang dumpf durch das Holz, doch die Sorge war greifbar. Wieder entglitt mir ein Seufzen, auch wenn ich erstaunt war, wie lange ich hier schon hockte, war mir einfach nicht klar, warum er sich nicht mal sorgen um sich selbst machte. Er war doch der Verletzte.
Meine Antwort schien zu lange zu dauern, denn er klopfte erneut: „ Hira? Ich störe dich nicht weiter, sag mir nur ob alles ok ist...“
Nein verdammt nichts war ok, ich entschloss mich aber für eine andere Antwort: „ Ja, alles gut... Ich..äh.. kämpfe nur mit meinen Haaren, ich wollte duschen gehen, oder musst du ins Bad?“
Ich hörte ein leises „Tock“, wahrscheinlich hatte er sich mit der Stirn gegen die Tür gelehnt, wie er es häufig machte, wenn wir stritten und ich wutschnaubend die Zimmertür zugeworfen hatte.
„Bitte rede mit mir, wenn du soweit bist...“ dann hörte ich, wie er sich entfernte.
Ich gönnte mir eine weitere halbe Stunde im Badezimmer, wusch mir die Haare drei Mal, putzte mir gefühlte zehn Minuten die Zähne und streifte mir anschließend die bequemste Hose über, die ich finden konnte, bevor ich mich zurück ins Wohnzimmer begab.
Verdutzt sah ich meinem Bruder dabei zu, wie er auf einem Bein stehend, in einer Pfanne rührte. Beeindruckt von seiner Geschicklichkeit,  beobachtete ich ihn noch einige Sekunden.
„Lass mich das fertig machen, setz dich lieber...“ ich hatte mich neben ihn gestellt und ihm den Löffel aus der Hand genommen, er sah mich nicht an, schüttelte nur den Kopf.
Er hatte Gemüsereis gemacht, nur das Hähnchenfleisch fehlte, aber wann sollte er das auch gekauft haben. Ich sah von dem Essen in sein Gesicht. Purer Zweifel stand ihm auf der Stirn geschrieben und gerade als ich fragen wollte, was mit ihm los war, begann er: „ Hira, wir müssen darüber reden, was passiert ist. Was ich dir erzählt habe und vor allem über das...“ er stockte kurz, sah mich dann doch direkt an: „ Du hast gesprochen im Schlaf...“
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen, so viel zu meinem Plan, dass Kakashi der letzte sein würde, der von meinen Gedanken erfuhr. Ich konnte nicht mal im Schlaf meinen Schnabel halten.
Schmollend ließ ich den Löffel sinken: „ Ich wollte das erst mal mit mir selber ausmachen...“
„Das ist nichts, was man mit sich selber ausmachen kann... Die Dinge die geschehen sind, genauso deine Existenz, sind nichts für die du was kannst...“ er pausierte schien nach den richtigen Worten zu suchen, während sich mein Gehirn wieder in Rage dachte. Ehe ich mich versah, öffnete sich mein Mund und schnauzte ihn an: „ Du hältst es wohl auch für ein Fehler, das es mich gibt..“
Geschockt weiteten sich sein Augen, er wollte ein wenig weichen, doch ließ sein Bein das nicht zu: „Wie kommst du darauf..?“
Ja, wie kam ich eigentlich darauf? Seine Frage holte mich aus meinen Gedanken wieder zurück.
„Ich habe nie gesagt, dass ich deine Existenz für ein Fehler halte.. Aber du hast das Gedacht Hira und das macht mich wütend.... Sehr wütend....“ er schüttelte zornig den Kopf.
„Versteh mich nicht falsch, ich bin nicht wütend auf dich...“ Seine Stimme wurde sanft, er humpelte ein Stück zu einem der Stühle, nachdem er den Herd abgeschaltet hatte und ließ sich etwas unelegant darauf sinken. „Ich hätte es dir nicht so sagen dürfen...“ er lachte bitter und ich schaffte es noch immer nicht den Löffel abzulegen, oder mich aus meiner Starre zu befreien.
„Ich bin unendlich froh das es dich gibt...Vergiss das nicht Hira, ich würde alles tun, hörst du, wirklich alles, nur lass mich nicht alleine...“ Kakashi hatte den Kopf gesenkt und zitterte leicht, die Ehrlichkeit in seiner Äußerung war nicht von der Hand zu weisen, dennoch fühlte ich mich nicht besser dadurch. Der Bitterer Beigeschmack, dass ich wahrscheinlich ein Fehler für die Menschen um uns herum war, blieb, genauso wie die Bürde, die ich für meinen Bruder, in mir sah.
Wie von selbst Bewegte ich mich wenigstens wieder, dachte nicht darüber nach sondern umarmte ihn von der Seite: „ Kakashi, ich habe dich das schon mal gefragt.. wie soll es denn weiter gehen? Ich gehe normal zur Schule der Normalos, tue so als wäre nichts, lass mich hänseln und verprügeln? Oder schickst du mich auf die Akademie, als absolut Talentfrei und Hoffnungslos?“
Mein Bruder Grinste: „ Ersteres...“ ich wollte gerade mein Unmut kund tun, als er nachsetzte: „ Bis auf die Sache mit dem Verprügelt werden...da hab ich schon eine Idee...aber erst mal muss ich meine Fessel los werden...“ Mein entsetzter Ausdruck ließ ihn auflachen: „ Na überlege doch mal wie die Rotz- Gören gucken werden, wenn sie die Normalo plötzlich in die Mangel nimmt.. Mal im Ernst, ich werde dir zeigen, wie du dich verteidigen kannst.“
Meine Züge hellten sich auf, wirklich, was für ein Gedanke. Das gefiel mir, ich grinste breit, wie ein Honigkuchenpferd. Ok, diese Vorstellung half mir dabei, das Drumherum, um meine Existenz, nicht weiter zu hinterfragen und mich einfach darauf einzulassen.
Kakashi wollte sich erheben, doch stoppte ich ihn noch in seiner Bewegung, er hatte Schmerzen, dass sah ich: „ Bleib sitzen, ich hol das Essen...“
„Danke...“ er lächelte, ließ es zu, dass ich ihm half.
Den Rest des Tages verbrachten wir auf der Couch, wir redeten, über belangloses, näherten uns an, unterließen es aber sensible Themen, wie Kakashis Geschichte anzusprechen. Ich neckte ihn, fragte nach seiner Lieblingsfarbe, versuchte soviel über ihn heraus zu finden, wie möglich ohne sein Shinoi Dasein anzutasten.
Gegen frühen Abend gefiel er mir nicht mehr, er rutschte immer mal wieder unruhig hin und her und auch seine Gesichtsfarbe hatte sich verändert. Er wurde stiller, wirkte Abwesend.
„Hast du Schmerzen?“ Seine Hand glitt durch seine Haare, dann nickte er: „Ich glaub, ich würde mich gern hinlegen...“ Ich streckte ihm meine Hand entgegen und half ihm auf die Füße:
„Leg du dich schon hin, ich bring dir gleich was gegen Schmerzen und der Doktor hat gesagt, wir müssen auf deine Temperatur achten...wenn sie über 39,5 geht, bist du schneller zurück im Krankenhaus, als du Shinobi sagen kannst...“ Ich hob gespielt autoritär meinen Zeigefinger und fuchtelte vor seiner Nase herum. Er schnaubte Missmutig: „ Oh, da hoffe ich, dass das erst ab morgen gilt... für heute hab ich genug von Spaziergängen...“
Mit dem Thermometer bewaffnen erschien ich, direkt nach ihm, in seinem Zimmer, wieder mal beeindruckt davon, dass er es doch in kurzer Zeit geschafft hatte, sich ins Bett zu hieven. Ich reichte ihm das kleine Gerät, er gehorcht, schob es sich unter die Zunge, während ich ihm Wasser hinstellte. Sein genervter Blick erinnerte mich an unsere letzte Diskussion, die lag zwar schon ein halbes Jahr zurück, dennoch musste ich augenblicklich fies grinsen:
„ Ich weiß, du musst wenn du viel trinkst zum pinkeln hoch...Tut mir wirklich sehr leid...“
Unschuldig zuckte ich mit den Schultern, nahm ihm dann das piepsende Thermometer ab.
„39,2...Glück gehabt..“ ich versuchte mich an dem Scherz, auch, wenn mir nicht wirklich danach zu mute war und reichte ihm die Medikamente. Neben den stärkeren Schmerzmitteln, hatte man ihm ein Antibiotikum verschrieben und er schluckte beides. Kakashi griff nach seiner Decke, zog sie sich bis zum Hals, fror leicht, während er die Augen schloss.
„Kannst du die Tür bitte auf lassen?..“ Ich hatte sowieso nicht vor gehabt sie komplett zu schließen, ich wollte hören, wenn er etwas brauchte, lehnte sie, froh darüber, dass er es selber so wollte, nur leicht an.
Mein Herz machte ein kleinen Sprung, es fühlte sich, seit den letzten gemeinsamen Ereignissen, anders an zwischen uns und ich hoffte inständig, dass wir unsere Beziehung auch weiterhin verbesser konnten. Diesen Gedanken allerdings hatte ich schon mal, geändert hatte sich unser Verhältnis drastisch in die falsche Richtung, als er, nach seiner Verletzung, wieder zurück an die Arbeit ging. Er verschloss sich und distanzierte sich von mir, weshalb ich versuchte mich selber davon zu überzeugen, mich nicht zu sehr zu freuen.
Missmutig setzte ich mich auf die Couch, starrte Löcher in die Luft, vermied jede Art von Geräusche, ich wollte Kakashi in Ruhe schlafen lassen. Meine Gedanken drehten sich im Kreis, um die Komplexität unserer Bruder-Schwester-Beziehung, die Frage warum Kakashi eigentlich nie ein Freundin mit gebracht hatte und die Tatsache, dass ich mich langsam zu einer Frau entwickelte, wovon mein Bruder noch immer nichts wusste.
Irgendwann wurde ich selber Müde, spähte überprüfend in das Nachbarzimmer und schmunzelte bei dem Anblick. Er hatte sich die Decke vom Körper gezogen, sie war vom Bett gerutscht und nun lag er komplett ohne da. Ich schlich mich näher ran, legte ihm zumindest die Decke wieder griffbereit und strich ihm zärtlich eine Strähne aus seiner feuchten Stirn, bevor ich in meinem Zimmer verschwand.
Zu meinem Leidwesen konnte schon zwei Stunden, nach dem ich mich hingelegt hatte, von Ruhe nicht mehr die Rede sein.

Mein Sensei verfolgte mich in den Schaf, in meinem Traum rannte ich um mein Leben, rannte vor ihm davon, direkt zu Kakashi. Mein Bruder, mein sicherer Hafen, doch er zog sein Schwert und stach es mir durch die Brust. Sein rotes Auge glühte, er lachte und flüsterte mir ins Ohr: „ Ich zeige dir was für ein Monster in mir steckt...“ Dann zog er sein Schwert zurück und stach erneut zu.

Mit einem Schrei saß ich Kerzengrade im Bett, mein Herz raste und ich hatte das Gefühl wirklich gerannt zu sein. Die Hand, die plötzlich auf meiner Schulter lag, ließ mich erneut aufschreien. Ich stieß, noch immer in der Panik meines Traumes, mit zusammen gekniffenen Augen, Kräftig gegen den Körper, der sich in mein Sichtfeld schob und wartete auf das Schwert, welches mich durchbohren würde. Doch stattdessen hörte ich ein Schmerzerfülltes Stöhnen, augenblicklich war ich hellwach, im Hier und Jetzt angekommen und betrachtete mitleidig meinen Bruder, welcher sich, eingeschränkt durch seine Verletzungen, nicht gegen meinen Angriff wehren konnte.
„Autsch...Ich wäre früher bei dir gewesen, doch ich bin etwas langsam im Moment...“ mühsam quälte er sich auf sein gesundes Bein, während ich noch immer nicht fähig war zu sprechen.
„Komm mit rüber, dann hab ich es leichter dich zu trösten, wenn du schlecht Träumst...“
Er war vorgegangen und kurz sah ich ihm unschlüssig nach, ich wollte ihm seine Ruhe gönnen, nur, alleine Schlafen war auch nicht das, was ich mir gerade wünschte.
Leise hörte ich aus dem Nachbarzimmer: „Ich mag auch nicht alleine sein...“
Schmunzelnd ergriff ich meine Sachen und krabbelte zu meinem Bruder ins Bett. Er hatte sich auf die Seite gedreht und sah mich nun an: „Du warst damals ganz schön neidisch und beleidigt, als ich mir das große Bett gekauft habe. Richtig wütend. Du hattest vergessen, wie oft ich dich Nachts zu mir holte, weil du vor Albträumen nicht schlafen konntest... Und ich dachte, wenn wir schon zu zweit in einem Bett liegen, dann wenigstens mit genügend Platz...“
Lächelnd fuhr ich ihm über den Kopf, als er während seiner Erzählung die Augen schloss. Ich fragte mich kurz, wie er jetzt darauf kam, ich hatte nicht hinterfragt, warum sein Bett größer war als meins. Die Tatsache allerdings, dass er damals das Bett quasi für mich gekauft hatte, ließ in mir ein Warmes Gefühl von Geborgenheit aufkeimen. Ich musste in den nächsten Tagen noch so viel erfahren, aber nicht mehr jetzt. Mit einem zufriedenen Ausdruck im Gesicht rückte ich näher an ihn heran, spürte wie er seine Arme um mich legte und einige Sekunden über meinen Rücken strich. Dann waren wir wieder eingeschlafen.

Wir nahmen uns die nächsten Tage Zeit, ich hatte immer im Hinterkopf, dass er bald wieder auf Missionen gehen würde und ich ihn dann nicht mehr an meiner Seite hätte, also klammerte ich fast. Er beschwerte sich nicht. Mein Bruder erholte sich erschreckend schnell, für mich zu schnell, das Fieber sank, nur die Schmerzen blieben und jeden Tag, den er kräftiger wurde, mit leichtem Training, wie er es nannte, begann, sank meine Stimmung weiter. Irgendwann sprach er mich Abends darauf an.
„Hira, erzählst du mir was dich bedrückt?“ er wirkte besorgt, wir hatten es schließlich geschafft uns fast eine ganze Woche nicht zu streiten.
„Du gehst bald wieder auf Mission...Stimmt doch, oder?“ sein Blick veränderte sich, ich schrak zurück, da war wieder, dieser kalte Ausdruck, den ich die letzte Woche kein bisschen vermisst hatte und ich schluckte.
„Hira ich muss... es gibt keine Alternative..“
Wütend ballte ich die Fäuste, wich seinem Blick trotzig aus: „ Es gibt immer eine Alternative...“
„Nein, die gibt es nicht...“ kalt und streng klang er, bevor er sich neben mich auf die Couch setzte.
„Sieh mich an...“ ich gehorchte, mir missfiel was ich sah und ich hatte augenblicklich das Gefühl, dass uns wieder Welten trennten.
„Auch wenn du es nicht wahrhaben willst...Ich bin kein Mensch mehr...Ich habe meine Menschlichkeit für etwas hergegeben, dass dich und das Dorf schützen wird....Ich bin ein Schatten, ein Monster und ich habe kein Recht eine Alternative zu fordern... Meine Pflicht ist es, meiner Berufung nachzukommen und das bedeutet, wieder auf Missionen zu gehen.“
Bittend sah ich ihn an, flehte innerlich, er solle sich das Überlegen. Die Distanz zwischen uns klaffte erneut und er entfernte sich mit jedem Wort. Meine Arme streckten sich aus, wollten ihn berühren, doch sein Ausdruck in den Augen verriet mir, dass er das jetzt nicht zu lassen würde.
„Du bist kein Monster...“ ich wollte noch was anführen, doch er unterbrach mich barsch.
„Doch, ich bin schon als Monster geboren worden Hira.... Weißt du warum ich möchte, dass du nicht so wirst wie ich? Hast du eine Ahnung wie sehr ich mir das wünsche? Ich bin eine seelenlose Maschine, für nichts anderes zu gebrauchen, als den Tod zu bringen, jeder um mich herum wird sterben. Und ich bin verdammt gut darin. Ob es mir gefällt? Nein, scheiße Nein... aber ich entspreche den Erwartungen, die man an mich hat... Mir wurde das Töten in die Wiege gelegt. Seit ich laufen kann und das konnte ich schon recht früh, hat Vater mich trainiert, darauf getrimmt, das zu sein, was er in mir sah...ein Elite Shinobi und weißt du warum? Weil er nichts anderes kannte. Ich konnte bereits mit anderthalb mein Chakra so perfekt kontrollieren, dass ich auf Bäume kletterte und über Wasser lief... Die anderen Kinder hatten Angst vor mir. Die Erwachsenen sprachen hinter meinem Rücken, verurteilten Vater für das, was er aus mir machte. Und mit 5 tötete ich zum ersten Mal...“
Ich riss geschockt meine Augen auf, unfähig was zu erwidern,  hörte ihn bitter auflachen.
„ Du siehst also, ich bin ein Monster, das wird dir jeder im Dorf bestätigen...“ Frust sprach aus ihm.
„Warum frustriert dich das so? Weil die im Dorf nicht wissen, wer du bist und über dich Urteilen?..“
Zornig verengten sich seine Augen: „ Nein Hira, die anderen sind mir egal.... Es macht mich fertig, dass ich dir nichts anderes bieten kann, als DAS... Du leidest, weil ich der bin, der ich bin...Und es wird nicht einfacher...“ er griff sich in die Haare und stützte sein Kopf auf seine Hand.
„Doch Kakashi, es kann einfacher sein, für uns beide... In dem du endlich aufhörst mich wegzustoßen, in der Erwartung, ich würde dich ebenfalls, als etwas sehen, was mir Angst machen könnte...Angst macht mir nur die Distanz zwischen uns, sobald es um deine Arbeit geht, blockst du mich ab... Du lässt mich alleine und ziehst dich zurück...“ Sein Blick wurde traurig, er schaffte es aber nicht sich zu nähern.
„Hira du hast mich noch nie gesehen, du hast, Kami sei Dank, noch nie mitangesehen, wie ich bin....“ er starrte auf seine Hände, begann zu zittern, atmete betont tief durch und fasste sich wieder.
„Da sind zwei Seiten in mir...Ich weiß, wie fähig das Monster in mir ist...aber mein Ich ist unfähig die zu schützen, die mir was bedeuten...“ seine Hand glitt zu seinem Auge und ich wusste worauf er hinauswollte. Plötzlich erhob er sich: „ Tut mir leid...ich leg mich hin....“ so schnell er konnte humpelte er davon.

Wütend schlug ich auf das Kissen neben mir, nicht weil er gegangen war, sondern viel mehr, weil dieses Gespräch überhaupt stattgefunden hatte und dann so Enden musste. Es war alles noch viel verzwickter und ich war mir bewusst darüber, dass mein Bruder alles in seiner Macht stehende unternommen hatte, um mir eine Zukunft zu ermöglichen. Eine Zukunft, die eigentlich nicht für mich vorgesehen war. Ein mal mehr musste ich feststellen, wie behütet ich es hatte. Er war gut zu mir gewesen und meine Probleme mit der Kleidung, die mich noch vor Monaten so erregt hatte, wirkten inzwischen lächerlich, ich schämte mich sogar etwas dafür. Ich hatte Existenzängste entwickelt, besonders im Bezug auf meinen Bruder, Ängste die weit über dem standen, was mir bis vor kurzem noch wichtig erschien.
Ich wartete etwa eine halbe Stunde, dann schlich ich mich langsam zu seinem Zimmer, in der Tür blieb ich stehen. Er lag auf dem Rücken und hatte eine Hand über seine Augen gelegt, mittlerweile wusste ich, dass er dann grübelte, weshalb ich nur zögernd, zu ihm ins Bett kletterte, auf Abstand. Seufzend drehte ich mich auf die Seite und musterte sein Gesicht, glitt mit meinem Blick über seinen Körper. Die Verletzungen waren noch deutlich zu sehen, es würde Wochen dauern, bis sie wirklich verheilt sein würden, doch die Zeit würde er sich, wie immer, nicht geben. Mir graute vor Morgen, seine Nachuntersuchung, es sollte entschieden werden, ob er den Gips los wird und wieder als einsatzfähig gilt, oder ob er weiterhin zu Hause bleiben musste. Wirklich sicher, was ich mir wünschen sollte war ich nicht. Natürlich wäre es schön, wenn er wieder gesund wäre, doch dann würde er wieder gehen. Müde von unserem Gespräch und meinen Gedanken, schloss ich die Augen, es war anstrengend, nur von seinem Leben zu hören, definitiv würde ich nicht mit ihm tauschen wollen.
Irgendwann spürte ich, wie er , neben mir zusammen gerollt, näher rutschte, sein Kopf sich an meinen Hals legte, er suchte Nähe. Ich genoss diesen wirklich seltenen Moment, ging sogar soweit, dass ich meine Arme um ihn legte und ihn leicht streichelte. Mein Bruder zeigte fast nie, dass er mich brauchte und es machte mir klar, wie sehr er mit sich selbst kämpfte.
Nach und nach entspannte sich der Körper neben mir und ich versuchte es, als das zu nehmen was es war. Mein Bruder hatte zwei Menschen in sich, der monströse, kalte Mensch und der liebevolle, Nähe bedürftige Mensch, den ich gerade in meinen Armen hielt. Und ich würde beginnen, ihm auf seine Seiten zu antworten. War er der Kalte ANBU, würde ich mich diskret zurück halten, wissend, dass er in dem Zustand, keinerlei Nähe an sich heran lassen konnte. Trat er mir als Kakashi entgegen, würde ich ihm soviel liebe und Leben schenken, wie ich in mir hatte. Ich würde es nicht mehr hinterfragen, vielleicht machte es das einfacher für ihn.

Als mein Bruder am nächsten Tag nach Hause kam, war er alles andere als gut gelaunt. Ich zog scharf die Luft ein, als er seine Gehilfe in die Ecke warf und sich schnaubend auf das Sofa fallen ließ.
„Was ist passiert?“ ich hob seinen treuen Begleiter auf, prüfte, ob er noch intakt war und stellte ihn nun sorgfältig neben ihn ans Sofa. Er schwieg und machte auch keine Anstalten mir in irgendeiner Weise zu antworten.
„Ich nehme einfach mal an, die Untersuchung lief nicht so, wie du dir das erhofft hast?“ wieder schnaubte er nur, brummte unzufrieden und damit war es für die nächsten Minuten ruhig. Ich unterdrückte mir ein fieses grinsen, ein bisschen freute ich mich darüber, dass er wohl noch nicht wieder einsatzfähig war. Verstohlen warf ich ein Blick auf sein Bein, der Gips war entfernt worden und auch seine Hand war nicht mehr in der Schiene. Wo war denn jetzt das Problem?
Er hatte meinen Blick wohl bemerkt, denn murrend verriet er mir jetzt doch, warum er so mies gelaunt war.
„Ich habe Schmerzen...Ich habe es vorhin testweise belasten sollen, es trägt mein Gewicht noch nicht...“ er deutete auf sein Bein: „ Einsatzfähigkeit noch nicht wieder gegeben, das lausige Urteil, leider vor dem Hokage...“
„Ist er wütend auf dich? Ich meine, weil du weiter ausfällst?“  noch immer versuchte ich herauszuhören, was sein genaues Problem war. Sicher, die Schmerzen waren nervig, doch die waren seit fast zwei Wochen ein ständiges auf und ab. Zudem war er den Gips los, vielleicht würde er endlich besser schlafen? Ein Grund zum freuen, wie ich fand.
„Weiß ich nicht, ich bin nach dem nüchternen Urteil gegangen...“ Wie auf das Kommando klopfte es an der Tür, ich bedeutete meinem Bruder sitzen zu bleiben und öffnete.
„Hokage-Sama?“ ich schaute den Mann erstaunt an, trat dieses mal aber sofort ein Schritt beiseite und ließ ihn eintreten.
„Hallo kleine Hira, wie geht es dir? Ich habe gehört, dass du die letzten Tage noch nicht in der Schule gewesen bist?“ ich zuckte zusammen, wollte er deshalb zu uns? Weil ich meine Pflichten nicht wahrgenommen hatte? Doch sein Blick blieb freundlich.
Kakashi indes rappelte sich auf die Beine und ging aufs Knie, biss dabei ordentlich auf die Zähne weshalb sich meine Augenbrauen besorgt zusammen zogen. Kakashi gab zu Schmerzen zu haben, das sah aber nach mehr aus, als nur ein bisschen ziehen im Bein, was ich wohl erwartet hatte.
„Kakashi, bitte setz dich, du sollst dein Bein noch schonen, hieß es...“ Der ältere Mann griff nach seinem Arm und half ihm, Schweißperlen liefen meinem Bruder von der Stirn. Himmel, was war mit seinem Bein, dass er noch immer solche Schmerzen hatte.
„Verzeiht Hokage-Sama...“ der Biss auf seine Zähne lockerte sich kaum und auch der ältere Mann hatte einen nicht ganz zufriedenen Ausdruck im Gesicht.
„Kakashi, ich möchte, dass du dich zurück hältst...Ich weiß, wie schwer es für dich ist und glaub ja nicht, dass du uns nicht fehlst... dennoch musst du dir selber eingestehen, dass es so nicht geht...“ Sein Ton war streng, aber besonnen und mein Bruder ließ es mit hängenden Schultern über sich ergehen.
„Ist es ein finanzielles Problem, dass du es nicht schaffst zu warten, bis du genesen bist?“
Jetzt wurde ich hellhörig, was war im Krankenhaus vorgefallen, dass der Hokage hergekommen war und mit meinem Bruder so ein Gespräch führte?
„Nein Hokage-Sama, ich habe einiges gespart, wir sind abgesichert...“
„Dann verstehe ich dich erst recht nicht Junge....legst du es darauf an, nicht mehr nach Hause zu kommen?“ etwas lauerndes lag in dieser Aussage und die scharfen, wachen Augen beobachteten jede Regung meines Bruders.
„Nein, Hokage-Sama, das ist es nicht...“
„Dir ist es erlaubt offen zu sprechen Kakashi, das weißt du....“
Mein Bruder räusperte sich: „ Weil es doch meine Pflicht ist zu funktionieren Hokage-Sama..“
Dem alten Mann entglitten einige Sekunden die Gesichtszüge, irgendwas zwischen Belustigung und Unglaube wechselte sich ab, dann kniete er sich zu meinem Bruder hinunter.
„Es ist ebenfalls deine Pflicht gesund und heile zu uns zurück zu kehren...Du hast eine nicht volljährige Schwester hier, du hast dich damals dafür entschieden sie bei dir aufwachsen zu lassen, obwohl wir dir geraten hatten, sie in Obhut zu geben... Deine Pflicht ist es nicht nur da draußen zu funktionieren, sondern auch für deine Familie Sorge zu tragen...“
Kakashi sank ein bisschen mehr in sich zusammen, es schien ihm grade alles ein bisschen viel zu sein. Der Hokage jedoch setzte noch nach, diesmal allerdings wieder etwas sanfter.
„Wie oft muss ich dir noch sagen, dass auch du ein Recht darauf hast dich zu erholen... Ist es so viel verlangt, dass du auch mal ein wenig auf dich achtest?“ er ließ die rhetorische Frage im Raum stehen und wand sich zum gehen.
„Pass mir gut auf deinen Bruder auf Hira...“ überfordert mit dem, was sich hier eben abgespielt hatte, blickte ich zwischen der geschlossenen Tür und meinem Bruder hin und her.
„Äh, Kakashi.. was ist im Krankenhaus vorgefallen, dass der Hokage her kommt und dir eine Moral Predigt hält?“
„Nun, ich habe versucht mir nichts anmerken zu lassen... Allerdings...“ trotzig wie ein kleines Kind ließ er sich in die Kissen zurück sinken.
„Das reicht, wenn das so ausgesehen hat, wie eben, bin ich im Bilde...sag mal spinnst du? Überlege doch mal, der Hokage hätte dich wieder eingesetzt...Dir hätte sonst was passieren können..“  
Sein plötzlich kalter Blick lag auf mir, absolut frei von jeder Emotion: „ Und wenn schon, das ist mir egal...“
Ich wusste nicht was in mich gefahren war. Es klatschte laut und ich stand vor Wut zitternd vor Kakashi. Ich biss mir kräftig auf die Lippe, wollte verhindern, dass ich wieder anfing zu heulen, doch es half nichts. „Dafür habe ich einfach keine Worte...“ ich schrie ihn an, doch er regte sich nicht, zuckte mit keiner Wimper.
„Hira, das ist mein Leben...“ Fassungslos starte ich ihn an, meine Augen verengten sich.
„Wenn ich den Hokage richtig verstanden hab, gehört es nicht zu deinen Aufgaben Selbstmord zu begehen, wie unser Vater es getan hat...“
Oh. Es blitzte in seinen Augen, ich war zu weit gegangen in meiner Rage, doch nicht Zorn war die Emotion, die in diesem winzigen Moment aufflackerte, sondern Schmerz, tiefsitzender Schmerz.
Er erhob sich, stellte sich auf beide Beine und ging an mir vorbei, als wäre nie was gewesen. Er ignorierte die massiven Schmerzen, die er noch haben musste, griff nach seiner Jacke und verließ die Wohnung.
Entsetzt blickte ich ihm nach, was war hier eben passiert? Was war da in mich gefahren, so etwas zu sagen?

Heulend sank ich in die Knie, man war das alles kompliziert. Da hieß es, Kinder wären während der Pubertät unausstehlich, seit gestern traf das wieder auf meinen Bruder zu.
Ich begann mir sorgen zu machen, als es draußen begann zu regnen, sie wuchs als es dunkel wurde und in Panik geriet ich, als es 22:00 war. Wo war er hingegangen? Was machte er dort?
Langsam wurde es mir egal. Ich ergriff meine Jacke zog mir die Schuhe über und öffnete die Tür. Ich wollte hinausstürmen um nach ihm zu suchen, doch das brauchte ich nicht.
Kakashi saß vor der Tür.
„Was machst du vor der Tür? Wie lange sitzt du da schon...?“ Ihm war deutlich kalt, weshalb ich ihm die Hand hinstreckte und ihm auf half.
„Schon die ganze Zeit.. wo soll ich denn hin mit meinem Bein... Ich hab es eben so zur Tür geschafft...“ Seufzend ließ ich ihn auf die Couch.
„Es tut mir leid, was ich da vorhin getan und gesagt habe..“
Er schüttelte den Kopf: „Mir tut es leid, dass ich so ein Schwachsinn von mir gegeben habe...ich bin nicht wie Vater...Ich habe etwas, für das sich zu leben lohnt...Wo ich damals nicht genügt habe, bist du der einzige Grund, der mich noch hält...“ seine Hand legte sich in meinen Nacken und zog mich zu sich hinunter, bis meine Stirn seine berührte.
„Tja und nun musst du mich noch mindestens zwei Wochen aushalten...Glaubst du das schaffst du?“
Ich schluckte und sah ihn gespielt gepeinigt an: „ Ist das dein Ernst? Ich weiß nicht ob ich das schaffe...“
Seine Finger piksten in meine Seiten und ich quietschte auf: „Hör auf zu kitzeln das ist gemein...“ Minuten lang, quälte er mich, ignorierte meine Friedensgesuche. Er hörte erst auf, als ich aus Versehen, zappelnd gegen sein Bein trat und er schmerzvoll zusammen zuckte.
„Ok, Ich gebe mich geschlagen....“ er lehnte sich zurück, rieb sich leicht das Bein.
„Tut mir leid, ehrlich...Kann ich dir was bringen?“ besorgt sah ich ihn an, ich wollte das nicht.
„Nein, nein.. geht schon... ich mach uns gleich was zum Essen.. möchtest du etwas spezielles?“
In der letzten Woche waren Mana und auch Tenzou für uns einkaufen gegangen, doch ich bezweifelte, dass unser Kühlschrank noch voll war und durch unsren Disput vorhin, hatte keiner von uns beiden etwas gegessen, oder eingekauft. Das erkannte wohl auch grade Kakashi der in den Kühlschrank sah und Missmutig den Kopf hängen ließ: „ Ich befürchte für wünsche ist nicht viel Platz...“ dann lächelte er: „ Zum Glück bin ich gut im Improvisieren...“ er schmiss alles mögliche zusammen, kochte und rührte und ich musste am Ende zugeben, dass es tatsächlich schmeckte.
„ Kakashi, ich möchte, dass wir in den nächsten Tagen zusammen einkaufen gehen, du mir erklärst was wie lange hält und mir im Anschluss zeigst wie man kocht...Ich möchte dich in Zukunft entlasten...“ erstaunt ließ er seine Stäbchen sinken: „ Ich dachte mir eigentlich du gehst ab nächste Woche wieder zur Schule...“
„Das werde ich auch, danach dann....Versprich mir nur keinen Unsinn anzustellen, wenn du alleine bist....“ ich grinste frech und steckte ihm die Zunge raus. Noch immer überrascht sah er mich an: „ Bin ich so armselig, dass du Mitleid hast mit mir?“ das Lächeln, welches er aufsetzte, sollte das ganze wohl als Scherz glaubhaft machen, ich hingegen sah durch diese Maske hindurch.
„Nein, aber ich bin der Meinung, dass es an der Zeit ist auch ein bisschen was beizutragen... Mein schlechtes Gewissen meldet sich nun doch hin und wieder...Weißt du eigentlich, dass du trotz deiner Verletzungen alles gemacht hast? Wie war denn das nur früher? Bist du da weniger verletzt gewesen?“ Mit einem undefinierten Gesichtsausdruck, legte mein Bruder seine Stäbchen beiseite und wenn ich mir seine Gesichtsfarbe betrachtete, dann war für ihn das Essen beendet.
Witziger weise hatte ich, in den letzten Wochen, gelernt anhand seiner Gesichtsfärbung seine Gefühlsregungen zu erkennen, anders war es bei ihm auch nicht möglich, das Maskenhafte Gesicht, was er immer aufsetzte, ließ selten darauf schließen, was er fühlte.
„Nein, ich war auch früher schon Verletzt...ich war sogar häufig im Krankenhaus...“ er wich meinem Blick aus, also noch so ein Kapitel vor dem er mich bewahren wollte?
„Mana-San wusste meistens Bescheid, sollte dir aber nichts sagen...Dir wurde gesagt meine Mission würde länger dauern und ich käme erst später zurück...manchmal musste ich gleich aus dem Krankenhaus auf die nächste Mission und wir sahen uns daher Wochen lang nicht. Als Minato-Sama damals davon erfuhr, unterband er das sofort, sorgte dafür, dass ich nach meinen Aufenthalten zumindest ein oder zwei Nächte zu Hause verbrachte...“ Meine Stäbchen sanken nun auch und ich musste einige Sekunden darüber nachdenken, um nicht gleich wieder vor Wut etwas zu sagen, was mir hinterher leid tat.
„War es dir egal, dass wir uns Wochenlang nicht gesehen hätten?“ Es tat weh, der Gedanke tat weh. Kakashi schüttelte stumm den Kopf, schien ebenfalls zu überdenken, was er nun sagen würde.
„Wahrscheinlich ist das für dich kein Trost, aber ich habe immer, bevor ich abgereist bin, noch mal nach dir gesehen..Hira, ich habe immer auf dich aufgepasst, soweit es mir möglich war. Nur hätte ich mich zu erkennen gegeben, wäre es noch schwerer für uns geworden.“ Da musste ich ihm recht geben, das wäre es wahrscheinlich für uns geworden.
Mit einem Mal stieß mein Bruder einen verzweifelten Laut aus, griff sich in die Haare und stützte seine Ellenbogen auf der Tischplatte auf: „ Ich weiß noch nicht mal, wie ich es hätte anders machen können...Alles was ich gemacht habe fühlte sich unentwegt falsch an...Zwischen durch war ich soweit aufzugeben...“ Ich lachte leise.
„Kakashi wie alt bist du und wie alt bin ich?“
Verwirrt sah er mich an, wahrscheinlich hatte er keine Ahnung worauf ich hinaus wollte.
„Wir sind 5 Jahre aus einander, nur 5... Was verlangst du dir ab? Die meisten Dinge die du in meinem Alter so neben bei gemacht hast, sind mir völlig fremd, du hast es letztens selber gesagt...ein Kind hat ein Kind großgezogen und das unter den schwierigsten Umständen, die man sich vorstellen kann....Ich bin Beeindruckt, dass du es durchgezogen hast bis hier her...“
„Nur weil ich Hilfe hatte.... es fühlte sich furchtbar an, fort zugehen und nicht zu wissen, ob du gut versorgt bist...“ nun musste ich den Kopf schütteln.
„Ja und? Wie sollte das auch ohne Hilfe gehen? Du bist nur eine Person und dazu selber noch ein Kind gewesen...Was ist verwerflich daran Hilfe zu bekommen..“ mein Blick wurde traurig.
„Du hattest ein Schlechtes Gewissen, dass du mal eine Nacht schlafen wolltest...ich meine damals, als ich drei war. Ich kann mir nicht vorstellen, wie hart die Zeit für dich gewesen sein muss... Wann hast du eigentlich mal nur das gemacht, was du wolltest? Ohne Rücksicht auf andere?“
Sein fragender Gesichtsausdruck brachte mich wieder zum lachen: „ Ich sehe schon, du weißt nicht mal was ich meine...hattest du in deinem bisherigen Leben mal Spaß?“ noch immer sah er mich an, als würde ich eine andere Sprache sprechen und ich ließ resignierend den Kopf hängen.
Mein Bruder wusste wahrscheinlich nicht einmal, wie man Spaß schreibt, doch zu meiner Überraschung setzte er an: „ Wenn du dich fragst, ob mein ganzes Leben nur aus Verpflichtungen besteht, dann muss ich wohl sagen, dass es zutrifft....Doch das mit dir ist das beste was mir bisher passiert ist, auch, wenn wir viel gestritten haben und alles furchtbar kompliziert ist... Spaß hatte ich viel mit dir und wenn es nur dir kurzen Momente, wie vorhin auf der Couch, sind, sie bedeuten mir alles...“ Skeptisch verzog sich mein Gesicht, während Kakashi leise lachte: „ Ich weiß soviel Emotionalität bist du nicht gewohnt von mir....“ dann wurde er wieder ernst: „ Es ist furchtbar, dass ich dir das alles genommen habe...Du erinnerst dich nicht mehr daran, dass es für mich schöne Momente mit dir gab... Für dich fühlt es sich bestimmt wirklich so an, als wärst du eine Last für mich, oder?“ Unsicher sah er mich an, so unsicher, dass ich es nicht übers Herz brachte ihm die Wahrheit zu sagen, die Wahrheit, dass ich genau das dachte. Leider wusste ich keine Antwort auf seine Frage, weshalb er sich in seiner Annahme bestätigt sah: „ Hab ich mir gedacht...“
Himmel, warum sah er nur so verletzt aus?
Plötzlich hellten sich meine Gesichtszüge auf: „Wir machen von jetzt an das Beste daraus, ok? Wir werden jede gemeinsame Zeit ganz besonders genießen...“ Kakashi erhob sich und humpelte ins Wohnzimmer hinüber, gerade als ich nachfragen wollte, ob ich etwas falsches gesagt hatte, kehrte er zurück und reichte mir ein Stapel Notizbücher.
„Ich habe, als ich bemerkte, dass du vergisst.. alles für dich festgehalten. Es sind meine Eindrücke unserer gemeinsamen Zeit, eine Art Tagebuch um dir irgendwann gewisse Situationen besser erklären zu können, damit du weißt, warum einige Dinge so sind, wie sie sind..Wenn du magst, kannst du sie lesen...“ er setzte sich wieder und starrte aus dem Fenster ins Dunkle.
Mir war mulmig zu mute, als ich das erste Buch zur Hand nahm, die Seiten waren zum Teil aufgeweicht und schmutzig, was mich auf den Gedanken brachte, dass er diese Bücher wirklich immer dabei hatte. Wahllos schlug ich eine Seite auf, irgendwo weiter in der Mitte.

„Ach Hira, wenn du irgendwann mal meine Aufzeichnung zu diesem Tag ließ, wirst du ziemlich sauer auf mich sein. Heute ist dein 5. Geburtstag und ich bin ganz weit weg. Wahrscheinlich fragst du dich, ob ich nicht mit dir feiern wollte, bist traurig. Vielleicht ist es zumindest ein schwacher Trost, wenn ich dir sage, dass es anders geplant war. Wir wollten schon vor einer Woche zurück sein, ich hatte mir extra Urlaub genommen. Nur leider sind einige Sachen auf der Mission passiert, die uns eine Rückkehr vorerst unmöglich machen. Ich wünsche mir für dich, dass Mana-San und Minato-Sama und Du einen tollen Tag verbring, mit den Beiden hast du immer viel Spaß...

Ich sah von dem Buch zu meinem Bruder: „ Was ist da damals passiert Kakashi, wo warst du?“
Er sah zu mir, dann auf das Buch: „ ..Wir waren nach Iwagakure geschickt worden, wir sollten einen Informanten kontaktieren, der aber nicht auftauchte...Wir gerieten in ein Gefecht, waren anschließend vier Tage in Gefangenschaft bevor wir uns einen Weg frei räumen konnten. Ich war eine Woche nach deinem Geburtstag erst wieder zu Hause...“
Meine Augen blickten auf die nächste Eintragung:

„Du bist so unglaublich enttäuscht von mir und glaub mir, ich bin es auch. Du hast mich nicht begrüßt wie sonst, nimmst es mir übel, dass ich dich an deinem Geburtstag alleine gelassen habe, ich kann dich verstehen. Morgen werde ich dir eine Kleine Überraschung zeigen, du wirst meine Hunde kennenlernen und ich bin schon sehr gespannt, welchen von ihnen du am meisten mögen wirst. Sie kennen dich schon eine Weile, eigentlich fast seit dem du bei mir bist. Sie wachen über dich, wenn ich nicht da bin, geben mir Bescheid, wenn es dir nicht gut geht, so kann ich zumindest etwas bei dir sein. Ich schreibe dir das alles, als hätte ich dir das nie erzählt, doch du vergisst sehr schnell und wirst dich wahrscheinlich nicht daran erinnern....“

Da endete der Eintrag, eine zackige Linie war zu sehen und fragend sah ich auf: „ Was bedeutet das?..“
Verlegen lächelnd, räusperte Kakashi sich: „ Da bin ich wohl eingeschlafen...“
Seufzend klappte ich das Buch zu: „ Du hast alles Dokumentiert? ..“
„Ja, soweit ich konnte... nicht jeden Tag, aber du hast ein Überblick, warum ich zum Teil nicht dagewesen bin, obwohl ich hätte da sein müssen...“ er griff nach einem der Bücher und schien nach einer Bestimmten Seite zu suchen. Dann reichte er mir das Buch und ich las den Eintrag:

„ Heute war es soweit, du bist schwer gestürzt, die Treppen hinunter und hast dich am Kopf verletzt. Pakkun hat mir berichtet und mir ist fast das Herz stehen geblieben. Du brauchst mich und ich komme hier nicht weg...“

„Auf der Seite ist ein Blutfleck...“ Mein Bruder nickte:  „Ich war unvorsichtig, als Pakkun mir berichtet hatte. War aber nicht der Rede wert... Ich war zwei Tage nach deinem Sturz bei dir. Man hatte dich zur Beobachtung im Krankenhaus behalten, die Platzwunde an deiner Stirn musste genäht werden...“ Ich las den nächsten Eintrag und stutzte.

„Bei Kami, du warst so unheimlich glücklich, als du mich gesehen hast, du bist mir um den Hals gefallen und deine kleinen Ärmchen haben sich um mich gelegt. Ich war so unendlich erleichtert. Du hast dich über die Farbe auf meinem Mantel gewundert, hast dann aber gelacht, als ich dir erzählte, dass der Maler vor der Tür seine Farbe auf mich geschüttet hatte. Du bist noch zu klein, ich habe dir nicht erzählt, dass die Verletzung durch meine Unachtsamkeit entstanden ist und ich aus Sorge um dich, seit zwei Tagen nicht geschlafen hatte. Und jetzt wo ich dich sah, mich davon überzeugt hatte, dass es dir gut ging, mir fast die Knie weg sackten. In Rücksprache mit den Ärzten durfte ich dich mit nach Hause nehmen, unter der Voraussetzung, dass ich die Nacht neben dir wachen würde. Deine kleinen Augen strahlten bei dem Gedanken, dass du nach Hause durftest, wie konnte ich dir da sagen, dass ich zu müde war, um die ganze Nacht auf dich aufzupassen. Wir packten deine Sachen und ich nahm dich mit. Du hast dich so gefreut, ich machte dir Pfannkuchen und ich versuchte dich und mich den Tag über abzulenken. Die Nacht wurde für mich zu Bewährungsprobe, nie würde ich es mir verzeihen, wenn dir was passiert wäre, wäre ich eingeschlafen. Es tut mir wirklich Leid das zu schreiben, aber ich war erleichtert, als am frühen Morgen Onkel Minato in der Tür stand, er musterte mich geschockt und zwang mich zumindest ein paar Stunden zu schlafen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich dir versprochen hatte, wir unternehmen was, wenn ich zurück bin. Doch ich konnte nicht....“

Den restlichen Eintrag hatte ich überflogen und ich fragte mich ernsthaft, warum Kakashi sich das Leben so furchtbar schwermachte. Er hatte sein Versprechen eingehalten und etwas mit mir unternommen. Ich schien glücklich gewesen zu sein, warum also zweifelt er so an sich?
„Wie alt war ich da..?“ Kakashi hatte den Blick wieder auf das Fenster gerichtet, es war inzwischen schon fast Mitternacht. „4 Jahre...“
„Dann warst du da gerade 9 Jahre alt?“ nun sah er mich wieder an und nickte.
„Ich hatte gehofft mit den Aufzeichnung könntest du unser gemeinsames Leben irgendwann besser verstehen, die Lücken, die sich für dich gebildet haben, damit schließen...“
Die Aufzeichnungen die ich bisher gelesen hatte, zeugten von seiner Schwermut, obwohl ich doch glücklich war, schien er sich selber nicht zu genügen und mir kam ein furchtbarer Verdacht. Ich war erst 12 aber nicht auf den Kopf gefallen, kritisch beäugte ich ihn: „ Kakashi, sei mir nicht böse, aber kann es sein, dass du unter Depressionen leidest?“
Entgegen meiner Erwartungen, sah er mich erst nur an, dann lachte er rau: „ Es macht den Anschein, oder? Keine Sorge, ich bin ANBU und als solcher einer ständigen Überwachung was unsere Psychische und Physische Gesundheit anbelangt. Zu dem ist nach den Ereignissen um Vater, Obito und Rin eine Umfassende Untersuchung unternommen worden, ohne die ich nicht wieder eingesetzt worden wäre. Minato- Sama hatte da ein ganz spezielles Auge auf mich, nicht zuletzt auch wegen dir. Du bist anders emotional geprägt wie ich, du interpretierst in die Zeilen deine eigene Emotion hinein. Die Schuldgefühle, die ich habe lassen sich nicht weg leugnen und ich möchte dir auch nicht vorspielen, dass mich das alles kalt lässt.. Das würde nicht stimmen. Es gab viele gründe mich dir gegenüber schlecht zu fühlen, doch das lässt mich noch nicht depressiv werden.“ Er grinste, ein falsches Grinsen, es sollte von dem ablenken, was er wirklich empfand. Gut vielleicht war er wirklich nicht depressiv, aber er trug eine Traurigkeit mit sich, die ich ihm wahrscheinlich nie abnehmen konnte. Er wirkte unendlich einsam auf mich, obwohl ich doch hier zum greifen nah neben ihm saß.
Plötzlich gähnte er und rieb sich die Augen: „ Wollen wir schlafen gehen?“ Ich hielt ihn davon ab den Tisch abzuräumen, übernahm es selbst und schickte ihn schon mal vor ins Bad.
Inzwischen hatte es sich so festgesetzt, dass wir gemeinsam in seinem Bett schliefen, ich hatte das Gefühl, es tat uns beiden gut. Mein Bruder hatte deutlich weniger Albträume und ich ebenso, also warum nicht? Als ich dann müde unter meine Decke krabbelte war er bereits eingeschlafen, so friedlich, sein Ausdruck, wie schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich war es sehr befreiend endlich keinen Gips mehr tragen zu müssen und nachdem er sich vorhin freiwillig seine Schmerzmittel eingeworfen hatte, würde er hoffentlich mal eine Nacht durchschlafen. Mit dem Gedanken schlief ich selber ein.

Ich gähnte herzhaft, so gut hatte ich lange nicht geschlafen und Kakashi wohl auch nicht, denn der befand sich noch immer tief schlafend neben mir. Ich hatte ihn beim strecken aus Versehen angestoßen, schließlich war ich es nicht gewohnt neben ihm aufzuwachen, normaler weise war er weit vor mir wach, weshalb er sich grummelnd fester in seine Decke einwickelte. Gut, er wollte wohl wirklich noch nicht aufstehen.
Mit Elan verließ ich sein Zimmer, dann würde ich mich heute ums Frühstück kümmern. Im Kühlschrank fand ich sogar noch einige Eier. Das würde ein Klacks werden, schließlich hatte ich ihm schon häufiger dabei zugesehen, wie man Rührei machte, das sollte ich hinbekommen.
Leider war es nicht so einfach, wie ich gehofft hatte, sie brannten mir gnadenlos an. Durch mein hektisches Rühren, fiel einiges aus der Pfanne, begann auf dem Herd ordentlich zu qualmen und ich schaffte es nicht, zeitnah die Fenster zu öffnen, weshalb Kakashi wenige Augenblicke später  hustend in der Küche stand.
Entgeistert starrte er auf das Bild, hustete erneut und griff dann selber zum Fenster.
„Wolltest du mich ausräuchern?“ fragte er mich hustend, doch er wirkte her belustigt, als wütend.
„Nein, nicht wirklich und ich frage mich, ob ich überlebt hätte, wäre ich an deiner Stelle gewesen...zumindest du wärst mir verhungert...“ Frust sprach aus mir, meine Unfähigkeit nervte mich ziemlich. Mein Bruder hatte die Pfanne vom Herd genommen und ihn ausgestellt, dann nahm er mich in die Arme.
„Da unten in der Schlucht hast du bewiesen, was in dir steckt...wäre ich alleine dort gewesen, wäre ich gestorben...vergiss das nicht.“ Er löste sich von mir und verschwand im Badezimmer.
Ich stand wie angewurzelt dort, als er sich die Zähne putzte, duschte und angezogen zurück zu mir kam. Ich rührte mich nicht, als er mir ein Kuss auf die Stirn gab und sagte, dass er uns Frühstück besorgen würde. Ich sah ihn noch ganz knapp, als er seine Gehhilfe ergriff und den Schlüssel klimpernd aus unserer Schale fischte.  Er ließ mich mit den Worten und den Erinnerungen, die ich mit diesen verband, allein. Ich hatte die Emotionen verdrängt, die Bilder und die Tatsache, dass er eigentlich gestorben war. Es war Glück gewesen unfassbares Glück, dass er neben mir aufwachte, ich mich über ihn ärgern konnte und nicht verhungerte, weil er mir Essen besorgte. Er hätte da unten in der Schlucht sterben können, an dem Wasser, welches er eingeatmet hatte, an seinem nicht mehr schlagenden Herzen, an dem Hohen Fieber oder an den Blutungen in seinem Inneren.
Mit weit aufgerissenen Augen, den Bildern vor mir, hockte ich mich in die Küche auf den Boden.
Seine Schmerzensschreie hallten in meinen Ohren, in meinem Kopf und mir wurde schlecht davon.
Ich hatte nicht registriert, dass mein Bruder schon nach kürzester Zeit wieder neben mir stand, hinterfragte es auch nicht, ich war einfach dankbar, dass er wieder da war.
„Ich hab dir gesagt, wir müssen darüber reden...“ er hatte meine Arme ergriffen und mich auf die Füße gezogen, doch ich war unfähig mich zu bewegen oder ein Wort zu sagen.
Sämtliche negativen Emotionen sammelten sich in mir, meine Atmung wurde hektisch.        
Kakashi strahlte eine unheimliche Ruhe aus, strich mir über den Rücken, sagte mir ich solle langsam tief ein und ausatmen, unterbrach keine Sekunde seine Berührungen und es half.
Langsam aber sicher, klärte sich mein Blick, meine Psyche gewann an Stabilität und ich begann zu weinen. Minuten lang saßen wir da, ich klammerte mich an sein Shirt, heulte an seine Brust und er hielt mich. Dann saßen wir schweigend einige Minuten nebeneinander.
„Geht es wieder..?“ Ich sah im Augenwinkel, wir er versuchte mir ins Gesicht zu gucken, doch da ich mein Kopf gesenkt hielt und mir die Haare leicht vors Gesicht vielen, war das schwierig.
„Ja, geht wieder... Hast du nicht gesagt du gehst Frühstück besorgen?“
Er grinste breit und hob eine Tüte hoch. Mein Bruder war unter anderen Umständen schnell, doch mit seinem Bein glaubte ich nicht daran, dass er auf dem Marktplatz gewesen war, um Brötchen zu holen. Ich verengte die Augen. Er lachte leise, frei und ansteckend. Ich liebte es, wenn er das tat. Wir lachten gemeinsam, bevor ich mich daran erinnerte, wie dunkel seine Welt war und das der Grund, für sein weniges Lachen, nicht lange gesucht werden musste. Es machte mich traurig.
„Hör auf dir ständig den Kopf über mich zu zerbrechen...“ er zerzauste mir die weißen Haare, erhob sich dann um uns Teller zu besorgen.
„Zu deiner Frage, ich habe gestern, als ich aus dem Krankenhaus kam, unseren Nachbarn getroffen.. Er war nicht so begeistert, als er mich gesehen hat und sofort angeboten uns mit Brot zu versorgen. Seine Frau hat für uns einige Dinge eingekauft, wir haben also alles für ein Frühstück...“
Wir ließen erst mal alle Themen ruhen, die mich in irgendeiner Weise negativen Emotionen aussetzen würden, fanden uns nach dem Frühstück satt und zufrieden auf unserem Sofa ein.
Kakashi hatte sein Bein freiwillig etwas hoch gelagert, wahrscheinlich schmerzte es wieder, doch ich fragte ihn nicht. Ich bettet mein Kopf auf seinem Schoß und sah ihn von unten her an.
„Morgen geht es wieder zur Schule, meinst du, du kommst ohne mich zurecht?“ Er sah mir tief in die Augen, sah die Hoffnung, die ich hatte, dass er mir sagte, er würde mich hier zu Hause brauchen. „Hast du Angst wieder hin zu gehen?“
Ertappt biss ich mir auf die Lippe, er war gut und er kannte mich, leugnen half da auch nicht, weshalb ich nickte. Einige Zeit blieb es still, dann hörte ich ihn wieder über mir: „ Vertraust du mir?“ Ich blinzelte verwirrt und sah fragend zurück: „ Ja, wieso..?“
„Dann komm mal mit ins Bad, ich hab da noch eine Idee...“ sanft schob er mich von sich, zischte leicht, als er mit seinem Bein den Boden berührte.
„Setz dich da hin, ich möchte was versuchen.. Ok?“ Mir wurde mulmig, doch ich würde ihm jetzt zeigen, dass ich ihm vertraute. Ich setzte mich auf den Hocker, den er mir hinschob und sah dabei zu, wie er zu einem Messer und einem Kamm griff. Langsam arbeitete er sich mit den Zinken durch meine Haare, ich hatte nicht bemerkt wie lang sie schon geworden waren, sie reichten mir in etwa bis zur Hüfte und standen einfach in alle Richtungen ab, egal was ich machte.
Mein Bruder setzte das Messer an, ich hörte das Ratschende, Schneidende Geräusch des Messers durch Haare und spürte, wie ein Teil abgetrennt wurde. Ich schluckte, hoffte, betete, dass er wusste, was er da tat. Er zupfte, schnitt und machte, bis er nach etwa 20 Minuten fertig mit mir war.
„So, am besten gehst du erst mal duschen...“ er wollte sich zu den Haaren am Boden knien und sie wegfegen, hielt sich dann aber mit angehaltener Luft am Waschbecken fest.
„Kakashi?..“ Ihm war der kalte Schweiß auf die Stirn getreten und die Gesichtsfarbe gewichen.
„Scheiße tut das Weh...“ erleichtert sah ich ihn an, als er sich auf die Toilette setzte und wieder mit mir sprach.
„Was hast du gemacht?“ er lachte Bitter: „Ich hab es nur leicht belastet, nur leicht.“
„Ich räum hier schon auf, geh ruhig rüber und leg das Bein noch etwas hoch...brauchst du sonst noch was?“ Kopfschüttelnd raffte er sich auf und humpelte deutlich mehr, als noch auf dem Hinweg. Langsam fand ich es merkwürdig, dass er noch so starke Schmerzen hatte, am besten wir würden Montag noch mal einen Arzt aufsuchen.

Ich duschte ausgiebig, nachdem ich die Massen an Haaren  beseitigt hatte, die mein Bruder mir abgeschnitten hatte. Sie fühlten sich beim Waschen deutlich dünner an und als ich sie getrocknet hatte fielen sie mir zwar noch immer wellig aber deutlich geformter auf die Schulter. Er hatte mir einen kleinen Pony geschnitten und die Haare stufig abgesetzt. Lächelnd musste ich zugeben, dass es mir gefiel, sehr sogar.    
Leise trat ich zur Couch hin, Kakashi hatte sich ausgestreckt und das Bein auf ein Kissen gelegt.
„Bist du zufrieden?“  ich lief um das Sofa herum und strahlte ihn an.
„Das ist toll geworden... Danke“ ich zupfte verlegen an einer Strähne, fühlte mich aber wohl, fand mich sogar recht hübsch.
„Das freut mich...Ich hatte Angst du reißt mir den Kopf ab“ er grinste, rieb sich dann erneut das Bein.
„Vielleicht sollten wir morgen noch mal zu einem Arzt gehen, was meinst du?“ besorgt sah ich ihm dabei zu, wie er es versuchte anders hinzulegen, aber nicht wirklich wusste wie.
„Ich begleite dich morgen zur Schule, werde von dort gleich noch mal ins Krankenhaus gehen und es ansehen lassen....“ er zog das Hosenbein bis zum Knie und ich zog die Luft scharf ein. Der gesamte Unterschenkel war gerötet, leicht geschwollen, zumindest hatte ich eine Erklärung für die Schmerzen, die er hatte.
„Keine Sorge, sonst geht es mir gut, es tut halt weh...“ Mitleidig stand ich auf, kochte uns Tee und befahl ihm auf der Couch zu bleiben. Mit einem Löffel bewaffnet kratzte ich aus unseren Tiefkühlfach ein wenig Eis heraus, wickelte es in ein Handtuch und legte es ihm auf das Bein.
„Du kochst heute nicht, wir haben genug Brot...Vielleicht solltest du es wirklich mehr schonen...Du bist die ganze Zeit trotzdem gelaufen..“ Überlegend legte ich den Finger an mein Kinn und besah mir das Bein weiterhin. Kakashi lachte erneut: „ Du würdest eine Prima Krankenschwester abgeben...“
„Ha Ha, sehr witzig, vergiss nicht, dass ich jedes Mal kotzen musste, wenn ich dein Blut an den Fingern hatte...“ Mein Innerstes verkrampfte sich wieder, unkontrolliert zogen Bilder vor meinen Augen vorbei, meine Hand tief in der Wunde meines Bruders, das Knacken der Knochen bei der Wiederbelebung und beim Einrenken seines Handgelenks. Mir wurde wieder übel, mein Herz beschleunigte sich, doch bevor ich meiner Panik verfallen konnte, griff die Hand meines Bruders nach mir. „Beruhige dich, es ist vorbei.. und du hast das großartig gemacht...“
„Wie hältst du das nur aus? Das ganze Blut... Verwundete Kameraden, deine Schmerzen... der Tod..?“ Ich war nicht ganz bei mir, fragte es wie in Trance.
„Glaub ja nicht...jeder von uns hat schon gekotzt...Neben einen gefallenen Kameraden, dem ersten dem man das Leben genommen hat oder vor Schmerz. Keiner von uns würde über einen Kollegen lachen, dem es so geht... Es zeigt uns selber, dass wir doch irgendwo noch menschlich sind... Das, was damals mit Rin geschah, brachte mich an meine Grenzen.. Jede Nacht träumte ich von ihr, erwachte, übergab mich und wusch mir Minutenlang die Hände...Es dauerte Wochen, bis ich mir eingestand, dass es so nicht weitergehen konnte...Ich fühlte mich schlapp, schlief nicht, aß kaum, verfolgte aber mit einer Verbissenheit jede Mission...Minato führte mir das vor Augen, stellte mich vor die Wahl, entweder ich war ehrlich zu mir selber, oder er würde dich in Obhut geben...“ Kakashi lachte, fuhr sich durch die Haare und lehnte sich zurück: „ Minato wusste schon immer, wie er mich lenken konnte. Er beurlaubte mich, während ich mich zur Traumabehandlung im ANBU- Hauptquartier einfand. Erst als ich von dort das OK. Bekam dufte ich wieder auf Mission... In der Zeit nahmen mir Minato und Kushina einiges ab, die ersten zwei Wochen hast du bei ihnen übernachtet, damit du Nachts zur Ruhe kamst und mich nicht hören musstest...“
Er zog mich zu sich heran: „ Das was du erlebt hast, ist dein ganz persönliches Trauma und wir müssen verhindern, dass es dich beeinflusst in deiner Entwicklung...Ich werde morgen gleich, wenn ich im Krankenhaus bin, einen Termin zur Trauma Beratung für uns mache, ist das OK für dich?“
Ich rang mir ein Lächeln ab, musste mir aber eingestehen, dass es wahrscheinlich keine Schlechte Idee war. Es beruhigte mich zu wissen, dass Kakashi auch Behandelt wurde und regelmäßig bei der ANBU unter Kontrolle stand. Mein Bruder schaffte es so, seine Dämonen, das Monster in sich, im Zaun zu halten.
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