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Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.05.2021 6.910
 
Hey ihr Lieben,
Ich hoffe ihr könnt noch.
Vielen Dank für die Favoriteneinträge und Sternchen, ich freu mich riesig :)
Und da ich es selber vor Spannung kaum aushalte, tue ich euch das nächste Kapitel an.
Bin so gespannt wie ihr es findet...
Viel Spaß und Liebste Grüße Kitana

6.

In dem kleinen Häuschen kehrte Stille ein, während draußen der Regen trommelnd auf das Dach schlug und das Feuer im Kamin leise vor sich hin knisterte. Tenzou und Yugao saßen noch immer am Tisch, tranken ihren Tee, schienen von mir und meinem Bruder wenig Notiz zu nehmen. Und wenn ich ehrlich war, war es mir so auch ganz recht. Nach den letzten Ereignissen, wollte ich einige Minuten nur für uns, Minuten, in den ich klar denken konnte und ihn nicht von mir stieß.
Verstohlen musterte ich meinen Bruder von der Seite, die Erschöpfung hatte ihn niedergestreckt und ich war froh nicht mit ihm diskutieren zu müssen, dass er sich schlafen legen sollte. Ich wusste einfach nie, wie ich in solchen Situationen mit ihm umgehen sollte, er war nicht der Typ, der gern Bemuttert wurde, so nahm ich zumindest an. Er zeigte außerdem selten, dass es ihm schlecht ging, er verschwand einfach und zog sich zurück, leckte sich, wie ein verwunderte Hund irgendwo in Ruhe seine Wunden. In den letzten Monaten hatte sich das geändert, man sah es ihm viel zu deutlich an, die tiefen Augenringe, die vor Sorge in Falten gelegte Stirn und die vor Müdigkeit herabhängenden Schultern. Oder nahm ich es nur intensiver wahr, weil ich mich plötzlich anders mit ihm beschäftigte? War ich so blind und selbstbezogen gewesen, dass ich nie gesehen hatte, wie es meinem Bruder ging?
Die Gespräche der Dorfbewohner waren mit Sicherheit auch an ihn heran getragen worden, das Gerede musste schmerzen, nach dem, was er erlebt hatte. Die Last auf seinen Schultern wog immens, da war ich mir sicher, doch er verbat sich darunter zusammenzubrechen, für mich. Er wollte ein normales Leben für mich, weit entfernt von dem Schmerz, den er ertragen musste, von den Gefahren und Qualen, die er durchlebte, eine glückliche Kindheit, die er nie hatte.
Ein leises Stöhnen aus seiner Kehle, ließ mich wieder zu ihm blicken, seine nächtlichen Dämonen trieben wieder ihr Unwesen. Die Geräusche aus seinem Zimmer hatten mir immer gezeigt, dass ich nicht alleine war, sie gaben Mir Sicherheit und Frieden. Doch was sie für ihn bedeuteten, war mir nie klar, dass er mich gebraucht hätte und wenn es nur meine Nähe gewesen wäre, kam mir nie in den Sinn. Ich hatte ihm vorgeworfen mich alleine zu lassen, dabei war ich es gewesen, die ihn alleine ließ und ich fühlte mich furchtbar deswegen.
Sanft legte ich einen Arm um ihn und drückte seinen Kopf in meinen Schoß. Und während ich meine Finger gedankenverloren in seinen Haaren vergrub, ihn leicht streichelte, beruhigte er sich.
Ich fragte mich, wenn er nicht gewesen wäre, wenn wir uns nie kennengelernt hätten, was wäre dann aus mir geworden? Ein ungutes Gefühl beschlich mich, mein erster und bis vor einigen Tagen letzter großer Ausbruch, war mit drei Jahren. Kakashi und Onkel Minato dämmten ihn ein, versiegelten mein Chakra, bevor größerer Schaden entstand.  Ich hätte diesen Schade aber ohne sie verursacht, ich hätte mein Dorf in Schutt und Asche gelegt, hätte jede einzelne Seele von dort in die Verdammnis geschickt. Was eine grauenhafte Vorstellung.
Ich schüttelte den Gedanken ab, es brachte nichts sich mit solchen Gedanken zu befassen, das Schicksal hatte sich diesen Weg für mich überlegt und mir Kakashi an die Seite gestellt.
Mein Bruder zuckte zusammen, seine Atmung hatte sich beschleunigt, gestresst stieß er die Luft aus, fuhr sich im Schlaf über die Haare. Wovon er wohl träumte?
Mitleidig besah ich mir seinen Hinterkopf, wie gern würde ich mal Mäuschen spielen in seinen Gedanken und Erinnerungen, die Welt und unsere Geschichte mit seinen Augen sehen.
„Hira...“ kam es gepresst aus seinem Mund und ich horchte auf. Die Art wie er meinen Namen sagte, ließ mir einen Kalten Schauer über den Rücken wandern. Seine Stimme klang erstickt, voller Trauer, als hätte er etwas geliebtes verloren und mir dämmerte, was ihn da gerade in den Schlaf verfolgte. Ich fühlte mich in meiner Annahme bestätigt, als er erneut zusammen fuhr. Ich nahm meine Streicheleinheiten in seinen Haaren wieder auf, machte leise beruhigende Laute, versicherte ihm, dass ich da war.
Plötzlich durchfuhr es mich, ich drückte Kakashi von mir weg und rang nach Luft. Kälte kroch meine Gliedmaßen empor, Angst legte sich in meinen Nacken und in meinem Kopf konnte ich die Stimme hören, die mir sagte, dass alles schon bald ein Ende haben würde. Mein Hals wurde enger, die Luft knapper und es wurde mir bewusst, dass Ori-Sensei uns bald eingeholt haben musste.
Panisch sah ich auf, meine Augen geweitet: „ Er ist hier...ich kann ihn rufen hören...Was soll ich tun, Kakashi...?“ Ich hatte Angst, Angst vor Ori-Sensei und Angst davor meinem Bruder noch mehr grauenhafte Dinge zu sagen oder anzutun. Kakashi versuchte die Reste seines Schlafes abzuschütteln, wahrscheinlich hatte er so tief geschlafen, dass er noch nicht ganz Herr der Lage war, denn mein Flehen erreichte ihn nicht. „Kakashi...verschwinde...“ Mein letzter Versuch ihn zu schützen.
Dann veränderte sich mein gesamtes Denken, es drehte sich um hundertachtzig Grad. Wo eben noch neu entdeckte tief empfundene Liebe für meinen Bruder gewesen war, schlugen die Wellen des Hasses besonders hoch. Weißes Chakra umspielte meine Hand, sie schnellte vor und packte ihn am Hals. Krachend schlug ich ihn gegen die Wand, die Luft wurde ihm aus den Lungen gepresst, bevor ich ihn mit ausgestrecktem Arm Richtung Decke schob. Ich hielt ihn, spielend Leicht, als würde er nichts wiegen. Tenzou und Yugao waren entsetzt aufgesprungen und hatte zu ihren Waffen gegriffen. Ich grinste sie an, meine andere Hand mit dem Zeigefinger erhoben: „ Na, Na, Na wer wird denn gleich....Kommt ihr näher, breche ich ihm das Genick...einfach so...“ Mein Kopf zuckte herum, als mich Kakashi leicht erstickt ansprach: „ Das ..bist. Nicht du... kämpf' dagegen an...denk an unsere Zeit...“ ein hämisches Lachen kam aus meiner Kehle, ich lachte ihn aus: „ Tja, Bruder da fällt mir aber nichts ein..da gibt es nichts schönes... Und mal ehrlich, du weißt es doch selber, der tolle Bruder, der du gern wärst, bist du einfach nicht, du hast es versaut, von Anfang an...hm?“ ich blickte ihn von unten spielerisch treu an, legte ein Finger an meine Lippen, bevor ich ihm, mit einem vor Ekel verzogenem Gesicht, vor die Füße spuckte: „Du widerst mich an..“
Kakashi grinste schief, versucht, so weit es mit meinem festen Griff um seine Kehle, möglich war, einen festen Klang in seine Stimme zu legen: „ Tut mir wirklich sehr leid...“
„Was meinst du?“ keine Sekunde später spürte ich seinen Fuß in meinem Gesicht. Ich wurde nach hinten geschleudert, von Armen gepackt und erneut auf den Boden gedrückt. Yugao und Tenzou hatten sich bereit gemacht, während mein Bruder mich ablenkte.  
Kakashi blieb einige Momente benommen keuchend am Boden knien, dann kam er mit kaltem Ausdruck und gestraffter Haltung auf mich zu. Normalerweise hätte ich nun Angst vor ihm bekommen, seine verschieden Farbenden Augen fixierten mich und funkelten zornig.
Er hob seinen Zeigefinger und seinen Mittelfinger vor sein Gesicht und konzentrierte sich.
Bei dem Anblick, entkam mir ein hysterisches Lachen: „ Oh wie süß, möchtest du wieder versuchen mein Chakra zu regulieren? Denkst du das wird noch mal funktionieren?“
Ich geriet in Rage, mein Herz hämmerte heftig gegen meine Brust und ich spürte den Druck in meinem Inneren. Mein Chakra pulsierte durch meine Adern, ich wusste, dass es mir nicht mehr lange möglich sein würde, es zurück zu halten, weshalb ich mich mit letzter vorhandenen Selbstkontrolle an die Oberfläche meines Bewusstseins kämpfte: „ Es bricht aus Kakashi....“  
Mein Bruder verstand sofort: „ Lasst sie los...“ die ANBU gehorchten.
Meine Beherrschung war aufgebraucht, ich hatte keine Möglichkeit zu verhindern, was nun geschah.
Mit einem animalischen Aufschrei sprang ich meinen Bruder an, verbiss mich in seiner Schulter. Er packte mich, rannte ein Stück und stürzte sich mit mir, Kopf voran, durch das Fenster in die Dunkelheit hinaus. Seine Hände legten sich während des Sturzes, schützend über mich, verhinderte so, dass die Glasscherben an meinen Armen oder meinem Gesicht  tiefe Schnitte verursachten.

Über unseren Köpfen bündelte sich die Energie des Himmels, das Gewitter hatte zugenommen, ein Sturm fegte heulend durch die Schlucht zu unserer rechten, untermalte die angespannte Stimmung.
Kakashi stand in Lauerstellung vor mir, bereit einen Angriff von mir abzufangen.
Seine Schulter blutete leicht, genau, wie einige andere kleinere Schnitte, in seinem Gesicht und seinen Händen. Er hatte sich, bei unserem Weg durch das Fenster, unter mich geschoben und war einige Meter, mit der Schulter voran, über den Boden gerutscht, bevor er mich von sich stieß und auf die Füße kämpfte.
„Wie Dumm von dir...du bist verletzt...ich hingegen unversehrt“ ich hob zum Beweis die Arme und grinste ihn an. Im Bruchteil einer Sekunde brachte ich mich vor ihn, bohrte mit einem Finger in seiner Wunde: „ Tut das Weh??“ ich drückte ihn in das Fleisch, solange und so fest, bis ich den Knochen berührte, doch mein Bruder gönnte mir keinen Schmerzenslaut. Mein Grinsen wich einer wütenden Fratze und mit einem, Knurren aus meiner Kehle, sprang ich von ihm weg.
Er schürte mit seiner stoisch wirkenden Ruhe meine Raserei, das Chakra in mir staute sich weiter an. Ich stand unter enormen Druck, wie ein Vulkan kurz vor einer Eruption und konnte fühlen, wie sich die ersten kleineren Entladungen, prickelnd über meine Haut zogen.
Kakashis Auge schien das alles zu beobachten, er sah durch mich durch, direkt in mich hinein. Betrachtete das Schauspiel, als ich meine Arme ausstreckte, ein schmerzhafter Schrei meinen Mund verließ und ich mich vom Boden löste. Wenige Sekunden schwebte ich, der Schwerkraft trotzend in der Luft, die Energie strömte aus mir heraus, ließ mich erstrahlen. Es Herrschte eine unwirkliche Stille, bis der Ausbruch begann.
Weiße Blitze zuckten, die Luft knisterte und als der erste Blitz kurz vor seinen Füßen einschlug, schien es, als hätte er genau darauf gewartet.
Mit atemberaubender Geschwindigkeit formten seine Finger Zeichen, dann hielt er kurz inne, konzentrierte sich und begann mit nur einer Hand die Abfolge an Fingerzeichen fortzuführen, während die andere, völlig autark erscheinend, Schriftzeichen auf den Boden malte.
Selbst obwohl ich nicht ich selbst war, beeindruckte er mich damit, es wirkte flüssig, beinahe mühelos.
Erneut schrie ich auf, die Schmerzen in meinem Inneren nahmen zu, die Entladungen, die bis eben noch eher harmlos herum tanzten, nahmen gefährliche Ausmaße an, der Höhepunkt meines Ausbruchs stand kurz bevor. Mein Normales-Ich, war ganz an den Rand meines Bewusstseins gedrängt worden und ihm wurde jede Kontrolle gänzlich verweigert. Ich musste mit ansehen, wie die Blitze aus meinem Körper in der unmittelbaren Umgebung zu Kakashi einschlugen, nah an seinem Kopf vorbei zischten, oder ringsum ihn tiefe Krater rissen.
Unbeeindruckt davon, konzentrierte er sich weiter auf seine Hände, vollkommen fokussiert und regulierte sein Chakra perfekt.
Mein Bruder stoppte nicht einmal in seiner Bewegung, als sich plötzlich, von hinten, erneut eine Schlange um meinen Hals wickelte, sofort fest zudrückte und ich nur noch ein glucksenden Laut von mir geben konnte, bevor ich keine Möglichkeit mehr hatte an Luft zu kommen.
Zwei Schatten lösten sich hinter Kakashi, rannten blitzschnell von rechts und von links an mir vorbei und zogen ihre Schwerter. Binnen von Sekunden war, der Kopf der Schlange abgetrennt und meine Atemwege wieder frei.
Zornig schrie ich, die Entladungen verstärkten sich durch meine Emotionen, zogen ihre Kreise enger um meinen Bruder.
In meinem Rücken konnte ich die Kampfgeräusche hören. Ori-Sensei, schien sich von den beiden ANBU etwas in Schach halten zu lassen, Metall schlug auf Metall und die Rufe der Kämpfenden verhallten im Wind.
Mit einem Mal stoppte Kakahsi seine Bewegungen, er hatte die Schriftzeichen, in einem Halbkreis um mich herum angeordnet, beendet und das letzte Zeichen mit seinen Fingern geformt. Presste nun seine Hand auf den Boden und ließ sein konzentriertes Chakra fließen. Zwei kleinere Blitze trafen ihn, fraßen sich durch seine Kleidung an seiner Schulter und seiner Flanke, doch er wich nicht.
Er zuckte nicht mit der Wimper, als ein starker Blitz neben ihm einschlug und die Erde zum erzittern brachte.
Erst spürte ich nichts, dann glühten die Schriftzeichen auf, wanderten in einer langen Kette an meinen Armen und Beinen entlang, zogen sich brennend in meinen Nacken. Der Schmerz bündelte sich dort und ich schrie auf: „ Es brennt, es brennt so furchtbar....“
Wie glühende Nägel, schoss der Schmerz tief in meine Wirbelsäule, meine Kräfte schwanden, die Entladungen schwächten sich und dann war es vorbei. Mein Körper fiel, wie eine Marionette dessen Fäden man abgetrennt hatte, auf den schlammigen Boden.
Mir wurde schlecht und schwindelig, ich sank auf die Knie und übergab mich. Ich hatte nicht so viel Chakra verbraucht, wie beim letzten Mal, dennoch waren die Wirkungen des Verbrauchs verheerend. Ich würgte und erbrach mich erneut, mein Blickfeld schränkte sich ein und nur weit entfernt, wie durch einen Tunnel, erkannte ich Kakashi. Er hatte sich neben mich gekniet und leitete mich zu atmen an, doch es brachte alles nichts. Erneut trat ein Schwall über meine Lippen, die Galle die mir aus dem Mund lief hinterließ einen bitteren Geschmack und das war das Letzte, das ich für den Moment mitbekam.

Kurze Sequenzen erwachte ich, sah aus halb geöffneten Lidern, wie sich mein Bruder schützend vor mich gestellt hatte, die Angriffe der Schlangen von mir fern hielt. Dann war es wieder dunkel.

Ein heftiger Stoß riss mich aus der Bewusstlosigkeit, Kakashi wurde zu Boden geschleudert und prallte heftig gegen mich, rappelte sich wieder auf die Füße und Blockte den nächsten Angriff. Meine Lider waren schwer, mein Wahrnehmung getrübt und doch spürte ich den Kalten Windhauch aus der Schlucht, neben der ich zum liegen gekommen war.
Wieder wurde Kakashi, von Ori-Sensei attackiert, durch die Wucht des Angriffs prallte er mit dem Rücken gegen das kleine Haus, in dem wir Quartier bezogen hatten und blieb nun seinerseits benommen liegen. Ori-Sensei ließ von ihm ab, drehte sich grinsend zu mir und kam auf mich zu.
„So kleine Hira, bleiben nur noch wir Zwei...“
Er griff in meine Haare und riss meinen Kopf hoch, zog mich auf die Füße. Im Augenwinkel blickte ich zu Kakashi, er war bemüht sich auf die Beine zu bringen, schien sich allerdings ernsthaft verletzt zu haben. Seine Hand hing schlaff herunter, stand in einem merkwürdigen Winkel ab und er unterließ es sie zu benutzen.
Meine Aufmerksamkeit lenkte sich wieder auf den Mann vor mir, seine Hand hatte er bereits zurück geführt, bereit den letzte Schlag auszuführen.
Ich schloss die Augen, das würde nun mein Ende sein?
Den Moment an klarem Verstand nutzend flüsterte ich: „ Ich hab dich lieb Kakashi...“ wartete dann auf den Todesstoß meines Lehrers.
Erschrocken riss ich meine Augen wieder auf. Mein Körper wurde gepackt, der Teil meiner Haare die Ori-Sensei in den Händen gehalten hatte, mit einem Kunai abgetrennt, die Hand, die zum letzten Schlag hervor geschnellt war, traf mich nicht.
Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass der ersehnte Aufprall, der nach der Bewegung, in die mein Körper gezwungen wurde, logisch gewesen wäre, verdammt lange auf sich warten ließ. Wie in Zeitlupe, spürte ich, wie ich einmal um meine eigene Achse gedreht wurde und dann der Freie Fall begann.

Benommen, mit furchtbaren Kopfschmerzen erwachte ich, verwundert darüber, dass ich meine Augen überhaupt wieder aufbrachte und ganz offensichtlich noch am Leben war.
Die Welt verzog sich zu grotesken Formen, weshalb ich nur erahnen konnte, in welcher Situation ich mich befand. Meine Erinnerungen waren Bruchstückhaft, wie ein Puzzle, dass nicht richtig zusammen passen wollte, auf Grund der vielen Verschiedenen Eindrücke, kein Bild ergab.
Ich hörte Wasser rauschen, spürte die Nässe an meinem Körper und schloss daraus, dass hier ein Fluss oder zumindest ein Bach war, in dem ich lag.
Gut, dachte ich, weiter.
Der Untergrund war steinig, Kiesel bohrten sich spitz und unangenehm in meinen Bauch. Ich lag also auf dem Bauch, mit den Füßen im Wasser und zum Glück mit dem Kopf an Land.
Wie war ich hier her gekommen?
Der Versuch mich daran zu erinnern führte dazu, dass die Kopfschmerzen weiter aufflammten, ich versuchte es zu ignorieren und kämpfte mich weiter durch das Knäuel an Gedankenwirrwarr.
Gerade so beförderte ich einen Sturz ans Tageslicht meines verwirrten Geistes und die Tatsache, nicht alleine gewesen zu sein.
Ächzend richtete mich auf, in weiter Entfernung, hoch oben zuckten Blitze, entsetzt starrte ich in den Himmel. Wir waren die Klippe hinabgestürzt und ich hatte mir den Kopf angeschlagen.
Doch wie kam es, dass ich außer diesen verfluchten Kopfschmerzen, keine weiteren Verletzungen davon getragen hatte?
Ich ließ mein Blick, mit dem Gedanken an eine zweite Person, durch die Gegend schweifen. Doch es war dunkel, ich konnte kaum etwas erkennen. Größere und kleiner Felsen lagen hier und dort herum, meine Sicht immer noch nicht ganz klar, verschleierte scharfe Konturen.
Seufzend regte ich mir an die Stirn, eine dicke Kruste hatte sich über meiner Platzwunde gebildet und ich fühlte mich ziemlich müde. Was sollte ich nur tun?
Das Gefühl, nach der Person, die bei mir gewesen sein musste, zu suchen, wurde immer drängender. Es ließ mich nicht los, weshalb ich wackelig, leicht schwankend aufstand und mühsam einen Schritt vor den anderen setzte.
Minuten lang bewegte ich mich in eine Richtung, bis ich mich fragte, ob ich wohl in die richtige Richtung lief. Was ist, wenn der Andere weiter oben lag und ich suchte Fluss abwärts?
Verzweifelt hockte ich mich hin und hielt mir den Brummenden Schädel, die Bilder in meinem Kopf sortierten sich langsam, wurden klarer und das beruhigte mich. Das schwanken meiner Welt wurde erträglicher, pendelte sich ein und es half mir dabei meine Umgebung besser wahrnehmen zu können.
Erneut erhellte einer der Blitze den Himmel, wie durch ein Wunder, sah ich genau in diesem Augenblick nach links, tiefer in den Fluss. Der Stein, der dort zu liegen schien, hatte seltsam längliche Formen.
Ich richtete mich auf und watete durch das etwa knietiefe eiskalte Wasser.
Entsetzt schlug ich mir die Hand vor den Mund, stieß einen Schrei aus, bevor ich heulend den Namen meines Bruders rief.
Auch er lag auf dem Bauch, sein Gesicht im Wasser und ich hasste mich für meine Panik, denn mir wurde erst im zweiten Moment bewusst, dass er so nicht atmen konnte.
„Oh nein, Oh nein, oh nein... nein nein nein...“ ich zog und zerrte, riss und schob. Nutzte alles an Kraft, die ich als normaler Mensch besaß, um den schweren Körper meines Bruders auf den Rücken zu bringen. Ich keuchte schwer, schüttelte an ihm und schrie ihn an, doch keine Reaktion.
Mir wurde mulmig, ich unterließ es, an Ort und Stelle, nach seiner Atmung zu schauen, es war noch immer Dunkel, ich würde also auch die Farbe in seinem Gischt, auf seinen Lippen nicht sehen können wenn ich ihm die Maske abnahm.
Beherzt packte ich ihn bei den Schultern, zerrte ihn Stück für Stück weiter ans Ufer. Meine Kräfte schwanden weiter, ich rutschte ab und ließ seinen Kopf unsanft auf einen Stein fallen. Ich heulte wieder, nicht einmal das hatte zu einer Reaktion geführt. Kein Stöhnen, kein Keuchen, kein nichts.
Blanke Angst packte mich. Er war tot, bestimmt war mein Bruder tot.
Ich griff mir in die Haare, schaukelte leicht vor und zurück, bis ich mich an etwas erinnerte, was ich einmal gehört hatte.
Man konnte nicht viel falsch machen, bei dem Versuch jemanden wiederzubeleben.
Mehr als tot geht nicht, dachte ich mir zynisch.
Entschlossen, es zumindest zu versuchen, stemmte ich mich auf die Knie, riss ihm die Maske vom Gesicht, bevor ich meinen Hände mit ausgestreckten Armen auf seinen Brustkorb legte und mutig begann zu Drücken. In Gedanken zählte ich: „1,2,3,4,5,6,7,8,....30“
Ich überstreckte seinen Kopf nach hinten, hielt ihm die Nase zu und blies ihm zwei mal in den Mund.
Minuten lang, wie es mir vorkam, wiederholte ich das Spiel, ich wollte es einfach nicht akzeptieren.
Ich Drückte, blies, Drückte, blies immer und immer der gleiche Rhythmus.
Doch je länger es dauerte, desto mehr schwand meine Hoffnung.
Noch einmal versuch ich es, noch einmal, dachte ich mir. Noch einmal dann hör ich auf.

Tränen sammelten sich in meinen Augen, die Stimme in meinem Kopf sagte mir, was es genau mit diesem einen letzten Versuch besser machen sollte, ich akzeptieren müsste, doch ich wollte einfach nicht. Wut packte mich, ich schrie vor Zorn und schlug so kräftig, wie möglich, auf seine Brust: „Nu komm endlich...lass mich jetzt hier nicht alleine....“ es knackte furchtbar in seiner Brust und grade, als ich dachte, ich hätte es doch schlimmer gemacht, begann er zu husten.
Schnell wälzte ich ihn etwas auf die Seite. Er würgte, spuckte und hustete Wasser hervor, erbrach sich einige male, doch sein Brustkorb hob und senkte sich.
Ich wich völlig außer Atem, leicht angewidert, zitternd zurück. Ich hörte das angestrengte rasseln seiner Züge, wie er sich übergab und wusste, dass ich ihn hätten stützen müssen, doch ich fühlte mich mit einem Mal so benommen und erschöpft. Mir fielen die Augen zu, ich blendete alles um mich herum aus.

Das gequälte Husten holte mich zurück. Die Sonne war bereits dabei aufzugehen, der Sturm und das Gewitter der letzten Nacht abgezogen und ich hatte nun unverdeckten Blick auf das Ausmaß unserer Lage. Heulend krabbelte ich auf allen Vieren zu dem Mann am Boden zurück, ich hatte mich eine ganze Armlänge von ihm entfernt. Er hustete schwach, seine Augen halb geöffnete, seine Stirn in Falten gelegt. „Kakashi? Hörst du mich?“
Er sah mich zwar an, reagierte aber nicht weiter. Ein Zittern ging durch seinen Körper, was ihn erneut gequält husten ließ.
Ich sah mich suchend um, Kakashi hatte mir mal gesagt, sollte ich in eine Lage kommen, aus der ich keinen Ausweg kenne, sollte ich mir als erstes alles Überlebenswichtige zurecht suchen.
Wir brauchten also Wasser, Feuer, um der Kälte entgegen zu wirken, etwas Essbares und einen trockenen Unterschlupf. Ich krabbelte ein Stück weiter zu dem Fluss hinüber, betete in Gedanken, dass es sich um einen Süßwasserbergbach handeln würde und probierte. „Großartig..“ vor Freude klatschte ich in die Hände, das Wasser schmeckte nicht salzig, war durch die umher liegenden kleineren und größeren Kiesel gefiltert und absolut klar. Wir hatten also Trinkwasser.
Mein Blick glitt zurück zu Kakashi, das Beben seines Körpers wurde stärker, wir brauchten dringen einen Unterschlupf und Feuer, er musste komplett unterkühlt sein. Ich selber fror, lag aber nur mit den Füßen, nicht mit der gesamten Kleidung im Wasser, weshalb meine Kleidung zwar noch etwas klamm, durch den Regen der vergangenen Nacht, war, aber eben nicht mehr klatschnass, wie bei Kakashi.
Auf der anderen Seite des Flusses, gab es in dem Fels, zumindest sah es von meinem Blickwinkel so aus, eine Nische, vielleicht verbarg sich da eine kleine Höhle, die wir verwenden konnten.
„Ich geh nur schnell was nachsehen Kakashi...ich bin gleich wieder da.“ eigentlich erwartete ich keine Zustimmung, ich war dennoch enttäuscht, als von ihm nichts kam. Mit hängendem Kopf und immer noch leicht schwindelig, krempelte ich mir die Hose hoch und watete durch den Fluss ans andere Ufer. Die Kälte des Wassers versetzte mir leichte schmerzhafte Stiche an den Beinen, es war unangenehm, hielt mich aber konzentriert.
In diesem Moment, als ich der Höhle näher kam und erkannte, dass ich recht hatte, hätte ich die ganze Welt umarmen können. Ich stürmte, soweit es meine körperliche Verfassung zu ließ, durch das Wasser und warf mich vor meinem Bruder auf die Knie: „ Kakashi, eine Höhle, da ist eine Höhle.. hörst du?“ wieder nichts, doch was erwartete ich.
Mir graute ein bisschen davor, meinen Bruder erneut durch das Wasser ziehen zu müssen, er war nicht sonderlich leicht und momentan nicht in der Lage überhaupt zu helfen. Ich seufzte tief.
„Hira...?“ er klang kraftlos, heiser und doch war es so schön meinen Namen aus seinem Mund zu hören. Sein Gedächtnis schien zu funktionieren und ich verbat mir darüber nachzudenken, ob sein Gehirn vielleicht durch den Sauerstoffmangel an Leistung eingebüßt hatte.
„Ja, ich bin hier...kannst du aufstehen?“ Sein Blick verriet Verwirrung, er hob seine linke Hand, betrachtete sie, schloss dann jedoch mit einem resignierenden Laut die Augen wieder.
Sollte das jetzt, ja, nein, oder vielleicht heißen?
Ich hatte wirklich Zweifel daran, Kakashi alleine, ohne Hilfe, in die Höhle zu bekommen.
„Kakashi bitte, wir können nicht hier draußen bleiben, du bist nass, es ist kalt...“ er hielt die Augen geschlossen und stieße die Luft geräuschvoll aus. Meine Brust zog sich zusammen, er hatte bestimmt Schmerzen. Bisher hatte ich noch nicht geschaut, ob er schwere Verletzungen hatte, hatte seine Kleidung da gelassen, wo sie war, das Kapitel Blutungen vorerst ausgeklammert. Alleine der Gedanke an die letzten Erfahrungen mit Blut, riefen Erinnerungen an eindrucksvolles Kotzen hervor und außer Wasser hatte ich ohnehin nicht viel in mir.
„Kakashi ich hab so furchtbare Angst...“ mein Geständnis rüttelte den Beschützerinstinkt in meinem Bruder wach. Missmutig öffnete er die Augen, schaute in die Richtung, in die ich vorhin gedeutet hatte und schnaubte: „ Kinderspiel...“
Mühsam brachte er sich in Seitenlage, nutzte dann die linke Hand, um sich abzustützen. Ich gab ein Zischen von mir, als ich die rechte Hand betrachtete, ich hatte keine Ahnung von Medizin, aber sie war mit Sicherheit gebrochen. Der Winkel, den sie aufwies, wirkte noch immer abstrakt auf mich, es sah einfach falsch aus und Kakashi unterließ es tunlichst, auch nur irgendwie zu versuchen, sie zu bewegen.
Innerlich freute ich mich, als mein Bruder saß, runzelte jedoch die Stirn, als er bleicher wurde, als noch eben. Ich machte ein Schritt weiter zu ihm hin und legte meine Hand in seinen Rücken.
Das nasse Shirt an meinen Fingern fühlte sich seltsam an, das Wasser wirkte dickflüssiger und zog leichte Fäden, bis mir einfiel woher ich diese Konsistenz kannte. Blut. Ich schluckte, verhinderte gerade noch, dass ich ihn von mir stieß und mir würgend im Fluss die Hände wusch.
In dem ich tief durchatmend meine Hand von seinem Rücken zu seinem linken Arm wandern ließ, schaffte ich es, meine Beherrschung zurück zu gewinnen.
„Ich ..glaub...jetzt wird es etwas schwieriger...“
„Hä?“ mein geistreicher Kommentar blieb mir im Halse stecken, er deutete auf sein Bein und was soll ich sagen, auch hier brauchte es kein Röntgenblick, um zu sehen, dass etwas nicht so aussah wie es sollte.
Ich lachte gekünstelt: „ Ach was, das sieht alles gut aus...streng dich an, es ist nicht weit.“
Mir fuhr es durch Mark und Bein, als wir es unter vermehrten Schmerzäußerungen geschafft hatten Kakashi auf die Beine, beziehungsweise das Bein zu bringen. Doch ihm wurde schwindelig, er versuchte sich abzufangen, um zu verhindern, dass ich unter seinem Gewicht begraben wurde und benutzte das Verletzte Bein. Er schrie auf, krallte sich an meinem Arm fest und augenblicklich begann ich zu heulen.
Nicht nur der Größenunterschied war ein Hindernis, ich war mit meinen zwölf Jahren auch um einiges schwächer als Kakashi, weshalb ich ihm nur bedingt helfen konnte und er, mehr als gehofft, sein Bein benutzen musste. Die Distanz wurde für ihn zur absoluten Qual. Mein Bruder biss die Zähne zusammen, kalter Schweiß hatte sich auf seiner Stirn gebildet und er war bleicher denn je. Mir lief inzwischen das Blut aus seiner Wunde am Rücken über meine Finger, warm zog es sich über meine Haut und ich kämpfte immer stärker gegen den Drang, mich übergeben zu müssen.
Wir brauchten bestimmt eine halbe Stunde, wenn nicht noch länger, aber wir schaffte es.
Zufrieden und beruhigt lehnte ich ihn gegen die Wand, ich wollte nur schnell einige der Steine entfernen, bevor er sich setzte, als ich schon im nächsten Moment sein heiseres Keuchen vernahm und mit ansah, wie er in sich zusammen sackte.
Unkontrolliert zitternd, wimmerte ich, streckte die Hand nach ihm aus, sah das Blut an ihr und spürte, dass ich es nun nicht mehr verhindern würde. Würgend, schaffte ich es gerade noch vor die Höhle.
Einige Momente blieb ich in der Haltung, bis ich mir sicher war, dass sich mein Magen beruhigt hatte, dann begab ich mich zum Fluss und wusch meine Hände.
Das kühle Wasser brachte mich zu meinen Überlegungen zurück. Wir hatten jetzt zwar ein Dach über dem Kopf, aber kein Holz für Feuer, keine Schalen, um Kakashi das Wasser zu bringen und keine Decken. Und was essbares war hier auch nicht zu finden.
Wir würden also doch sterben.
Verärgert, dass ich mich selber immer wieder entmutigte, obwohl ich gerade mit ansehen konnte, wie man sich zusammen riss, schlug ich ins Wasser. Ich sammelte mich und beschloss, nach Kakashi zu sehen, ich hoffte er wäre wieder bei Bewusstsein, würde mich anleiten ihm zu helfen und die Situation in den Griff zu bekommen.
Doch Fehlanzeige. Mein Bruder rührte sich nicht.
Froh darüber, dass er zumindest atmete, versuchte ich ihn auf den Rücken zu legen.
Langsam gewöhnten sich meine Augen an das Halbdunkel, die Höhle verlief noch etwas tiefer in den Felsen und ihr könnt euch meine Überraschung nicht vorstellen, als ich weiter hinten einige Stapel Holz und vier alte zerschlissene Decken entdeckte.
Bei Kami, Schicksal meinte es wohl doch gut mit uns.
Es mussten vor uns schon Menschen hier gewesen sein, ich hoffte nur inständig, dass sie nicht wieder kamen, oder aber wenn, freundlich gesinnt waren.
Ich sprang auf, schnappte mir die Decken, legte zwei über meinen Bruder eine unter seinen Kopf und behielt eine für mich. Dann holte ich einige Scheite von dem Holz hervor, musste allerdings, bei dem Thema Feuer machen, aufgeben und warten, bis Kakashi wieder zu sich kam.
Er ließ sich Zeit und mit jeder verstreichenden Minute, wurde ich unruhiger.
Die Ruhe wirkte Drückend, hing schwer in der Luft und mir viel das Atmen zunehmend schwerer. Ich starrte nach draußen, zählte Steine, riet Wolkenformen und versuchte mich so gut es eben ging abzulenken.
Und dann endlich, schlug mein Bruder seine Augen wieder auf.
„Himmel, Kakashi endlich...“ ich brachte mich neben ihn.
„Hat wohl etwas gedauert?...“ er blinzelte noch einige Male und ich sog scharf die Luft ein, als seine Lider wieder aufeinander sanken. Er war müde, das glaubte ich ihm, doch ertrug ich es nicht, wenn er jetzt schlafen würde. Ja, wieder egoistisch, aber ich würde in Panik verfallen.
„Bist du verletzt?..“ seine schwache Stimme fragte ausgerechnet nach meinem Befinden? Ich verstand die Welt nicht mehr. Tränen liefen mir über die Wangen: „ Du Idiot fragst ob ich verletzt bin? Ich musste dich wiederbeleben... weißt du das eigentlich? Ich hab gedacht ich hab dich verloren...Verdammte Scheiße und dann fragst du mich ob ich verletzt bin?“ Ich schrie ihn an.
Er stutzte nur kurz und lachte dann heiser. „Dann sind wir wohl quitt...“ seine Hand glitt an seine Stirn, weshalb ich mich zügelte: „ Mir geht es gut...Was ist mit dir?“ er gab einen gequälten Laut von sich: „Meine rechte Hand und mein linkes Bein sind nicht zu gebrauchen. Ich muss mir ziemlich den Kopf gestoßen haben, ich kann noch nicht wirklich klar sehen.“ er reib sich mit der linken Hand über die Augen.
„Was ist mit deiner Wunde am Rücken?“ sein Blick wurde ernst.
„Hira, das wird leider deine Aufgabe...“ geschockt wich ich zurück, doch sein Blick wurde intensiver: „ Du musst mir die Wunde nähen, wir müssen die Blutung stoppen, sonst verliere ich zu viel Blut.“
Ich lachte verzweifelt auf: „ Und womit soll ich das Nähen?“ ich machte einige Bewegungen in der Luft, um ihm zu verdeutlichen, dass ich ja schlecht mit meinen bloßen Fingern nähen konnte. Zu meinem Leidwesen griff er in seine Tasche und zog ein kleines Säckchen hervor.
„Hier ist ein wenig Material drin, sollte dafür reichen...“ seufzend, nahm ich es entgegen, kramte darin und strahlte: „ Da sind ja noch welche von den Pillen...“
Er nickte, erneut hatten sich Schweißperlen auf seiner Stirn gebildet, er stieß die Luft Geräuschvoll aus und seine blassen Lippen pressten sich fest aufeinander.
„Du hast Schmerzen.. ist da auch was gegen Schmerzen drin?“ ich kramte, doch außer den Nahrungspillen fand ich nichts. Demotiviert ließ ich das kleine Säckchen sinken.
„Ich soll dir das Nähen, obwohl ich das noch nie gemacht habe und dann hast du nicht mal was gegen Schmerzen dabei..?“ meine Stirn legte sich ungläubig in Falten, das konnte doch nicht sein Ernst sein.
Er nickte nur, mein Bruder nickte. Na klar, warum auch nicht? Ich sollte ja nur eine Nadel durch seine Haut stechen. Zynisch verzog sich mein Mund: „Kurze Frage, wie oft wurdest du schon genäht ohne Betäubung?“ mir entglitten die Gesichtszüge, als er schief grinste: „ Das willst du nicht wirklich wissen..“
Tatsächlich fragte ich nicht mehr nach, das reichte mir, um mir erneut vor Augen zu führen, dass ich meinen Bruder nicht wirklich kannte.
Kakashi stöhnte, wuchtete sich dabei mühevoll auf die Seite und biss hörbar auf die Zähne, als er leise die ersten Anweisungen gab: „ Du müsstest die Wunde leicht säubern, wir haben kein Desinfektionsmittel, drücke einfach leicht auf die Wundränder und lass etwas von dem Blut...“
Ich schnitt ihm das Wort ab: „ Beschreibe es mir bloß nicht weiter, sonst kotzt ich wieder, ich hab verstanden...“ Ich musste etwas Kraft aufwenden, um ihm das eng anliegende Shirt, welches sich durch die Nässe noch näher an seinen Körper gesogen hatte, nach oben zu bekommen. Die Wundränder hatten sich leicht mit dem Stoff verklebt und mein Bruder, pustete geräuschvoll, als ich kräftiger daran zog.
„Kannst du sehen von wo die Blutung kommt? Läuft  es schnell oder langsam?“
Knurrend, mit nun selbst zusammen gebissenen Zähnen presste ich hervor: „ Es läuft schnell, ich sehe von wo und du willst, dass ich auf die Stelle drücke bis es nachlässt...“ er nickte, dankbar, dass er sich für den Moment auf seine Atmung konzentrieren konnte und nicht erklären musste.
Wir schwiegen, während meine Finger in seinem Fleisch steckten. Ich löste den Druck immer mal wieder, schaute, ob die Blutung vielleicht schon stand.
„Kakashi? Alles ok soweit? Die Blutung steht“ er brummte, hustete leicht und ich hatte das Gefühl er war vielleicht kurz eingenickt.
„Du musst in der Wunde anfangen zu nähen, die verschiedenen Schichten adaptieren, mach dir keine Gedanken wie das aussieht, Hauptsache es ist fest zusammen. Es darf nicht aufreißen wenn ich mich bewege.“
Mit zittrigen Fingern begann ich nervös die Nadel in das Fleisch zu stecken, zuckte heftig zusammen, als mein Bruder hektisch ein und aus atmete. „Mach..ein..fach...“
Es dauerte, die Wunde war nicht gerade klein, sah aus, als hätte man seine Hand hinein gebohrt und ich fragte mich, woher die stammte. Von Kakashi hörte ich irgendwann, nichts mehr, ich hatte bemerkt, dass seine Muskeln erschlafft waren und ich ging davon aus, dass er doch wieder Ohnmächtig geworden war. Es war ok für mich, irgendwie kam ich mit dem Gedanken, dass er nicht mit bekam, dass ich eine Nadel in sein Fleisch bohrte, besser zu recht.
Nach weiteren zähen Minuten, beendete ich meine Arbeit und war stolz, mich nicht übergeben zu haben: „Kakashi, ich bin fertig...“ ich beugte mich über ihn, der Schweiß lief ihm über die Stirn und ich mochte mir nicht ausmalen, wie es ihm gehen musste.
„Danke, das hast du gut gemacht...“ die Antwort kam prompt, worauf hin ich mir nicht mehr sicher war, ob er nicht doch alles mitbekommen hatte. Müde, drehte er sich wieder auf den Rücken, hustete angestrengt und griff sich an die Brust. Ich bedauerte ein wenig, dass er seine ANBU Ausrüstung nicht komplett trug, er hatte den Brustpanzer, im Haus oben auf der Klippe, ausgezogen, möglicherweise hätte er dann weniger Verletzungen davon getragen.
Mein mit Adrenalin vollgepumpter Körper handelte quasi ohne mein Einverständnis, mein Magen schrie ganz eindeutig nein, als ich seine Brust freilegte und nach weiteren Wunden suchte. Stark blutende, äußerliche Verletzungen konnte ich nicht ausmachen, doch riesige Blutergüsse in allen regenbogenfarben schillerten mir entgegen, die Verbrennungen von meinen Blitzen lachten mich an und ich rümpfte leicht die Nase über die unzähligen kleinen Schnitte, die das berstende Glas hinterlassen hatte. Neben den vielen Neuen Verletzungen, hatte ich einen guten Blick auf viele ältere Narben und die frische Narbe von der Stichwunde, in der ich meine Hand hatte. Ich schluckte, es waren so viele Narben auf seinem Körper und noch viel mehr auf seiner Seele.
Tränen stiegen in mir auf.
„Wieso habe ich das alles all die Jahre nicht gesehen?“ ich flüsterte es eher zu mir selber, doch Kakashi antwortet mir. „Weil ich es vor dir versteckt gehalten habe... Meine dunkle Welt, sollte vor dir im Verborgenen bleiben... Du solltest meine Schuld nicht sehen, unbeschwert bleiben... Ich wollte nicht das du erfährst, wie schwach ich gewesen bin, nach dem Vater starb... Ich wollte nicht, dass du mich weinen siehst, nach dem Obito nicht mehr mit uns Heimkehrte und ich wollte nicht, dass du siehst, wie ich an Rins Tod und unter der Last meiner Schuld, zerbreche. Ich habe weiter gemacht und nicht gemerkt, dass ich immer kälter wurde. Gefühle brachten meine Welt ins schwanken, Hira. Hätte ich sie zugelassen, hätte ich dir alles Offenbaren müssen. Minato-Senseis Tod, nahm mir den letzten Halt den ich hatte, er kannte jedes meiner Geheimnisse und trug ein Teil meiner Last.“ er endete und schluckte heftig. Mir brach das Herz, unwissentlich hatte ich ihm mit meinen Allüren noch mehr unter Druck gesetzt, ich war davon ausgegangen, dass ich wirklich eine Bürde für ihn war. Dem war nur nie so gewesen.
Kakashi zitterte und erst jetzt bemerkte ich, dass es bereits wieder ein dunkelte.
„Wir sollten ein Feuer machen, ich weiß nur nicht wie das geht...“ es passte mir überhaupt nicht, dass ich nicht wusste, wie man überlebte, doch ich war wild entschlossen das zu lernen.
„Nimm dir einen größeres Holzstück und einen kleineren Stock, die Spitze des Stockes setzt du auf dem Holzstück an und dann drehst du den Stock in deiner Handfläche schnell hin und her.“
Es dauerte etwas, doch irgendwann qualmte es leicht.
„Ja, prima, noch etwas schneller.. und dann ganz sachte etwas pusten...“
Ich war ein Naturtalent, zumindest fühlte ich mich so, ich pustete leicht und der kleine Scheit fing Feuer, ich legte ihn unter die anderen Scheite und nach zehn Minuten Arbeit brannte ein kleines Feuer. Stolz strahlte ich meinen Bruder an: „ Sieh mal Kakashi es hat geklappt...“
Mein Bruder sah aber nicht zu mir, seine Lider waren geschlossen und sein ganzer Körper bebte. Besorgt runzelte ich die Stirn. Er fror und schwitzte gleichzeitig, was bedeutete das? Was auch immer es war, es gefiel mir überhaupt nicht. Ich hockte mich neben ihn und berührte seine Stirn, Fieber hatte er nicht, doch animierte es ihn, die Augen wieder zu öffnen.
„Was ist mir dir, was soll ich noch machen..?“  er seufzte müde: „ Wir müssen mir das Handgelenk richten, mit etwas Glück ist es nicht gebrochen... Wenn wir es so lassen, ist es auf der anderen Seite vielleicht nicht mehr zu retten.“ Auch wenn mir der Gedanke daran, dass ich es, und da war ich mir sicher, gleich anfassen musste, erneut Übelkeit bereitete, würde ich sehen, was ich tun konnte.
Er schien meine Entschlossenheit zu helfen zu spüren und nickte: „ Gut, es wird nicht ganz angenehm werden für dich, es wird sich befremdlich anfühlen...“
„Was fühlt sich gerade nicht befremdlich an Kakashi...?“ er lachte leise auf mein Kommentar.
„Ok, komm bitte etwas näher...“ Er drehte sich auf die Seite, dass ich besser an seine Hand heran kam. „Jetzt stellst du deinen Fuß in meine Achsel...“ ich blinzelte kurz verwirrt, ich sollte bitte was?
Doch ich befolgte einfach was er sagte. Bevor er die nächsten Anweisungen von sich gab, holte er tief Luft: „ Gut, jetzt legst du meinen Arm auf dein Knie, dreh dich leicht seitlich, dass du mit deinen Händen meine Hand umgreifen kannst...“ ich machte es, hörte schon an seiner Stimme, wie schmerzhaft es sein musste, alleine den Arm so zu halten. „Und jetzt nimmst du mit beiden Händen meine Hand, ziehst mit einem Ruck nach vorn und drehst sie mit dem Daum nach unten...und zwar jetzt“ beherzt griff ich zu, riss die Hand nach vor und drehte den Daumen nach unten, es knackte ekelhaft und Kakashi schrie auf, schlug mit der anderen Hand auf den Boden und ich konnte sehen, wie ihm eine Träne aus dem Augenwinkel lief. Es dauerte, bis er sich beruhigt hatte, er versuchte wieder an Luft zu kommen, bevor er weiter sprach: „ Sehr gut...hm...nun...tzz... musst du die Finger alle samt kräftig zusammen drücken...Umschließe mit beiden Händen meine Hand und bilde eine Faust .. ok? Dann ..los“ wieder gab ich mir mühe, drückte mit Ruck und kräftig, es gab mehrere knirschende ,knackende Geräusch, doch der von mir erwartete Schrei blieb aus. Die Hand in meiner Hand war erschlafft, mein Bruder vollkommen am Ende seiner Kräfte. Ich legte ihm seine Hand nah an seinen Körper, zog ihm die Decken über die Schulter und ließ ihn ausruhen, alles andere hatte Zeit, so hoffte ich.

Die Nacht wurde für mich zur Zerreißprobe. Ich hatte erwartet mein Bruder würde sich vor Schmerz krümmen, Geräusche machen, vielleicht auch von Albträume heimgesucht werden. Doch nichts der Gleichen geschah. Er war erschreckend Still, viel zu still. Schweiß lief ihm unaufhörlich über die Stirn und außer dem unwillkürlichen zittern seiner Muskeln, bewegte er sich nicht. Es verunsicherte mich so sehr, dass ich einige Male in der Nacht, extra zu ihm hinüber bin, um sicherzustellen, dass er wirklich noch atmete. Ich biss mir auf die Lippe, selbst meine absichtlich etwas groben Berührungen, rissen ihn nicht aus seinem Dämmerzustand. Meine Sorge wuchs.    
Gegen Morgen siegte meine Müdigkeit und ich verlor den Kampf gegen den Schlaf. Das unsägliche Gefühl einen Fehler zu begehen, als ich die Augen schloss, beschlich mich, nur wachhalten konnte ich mich auch nicht mehr.
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