Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
30.04.2021 8.669
 
Hey ihr Lieben,
hier geht es schon weiter, ich hoffe ihr könnt noch.
Ich freue mich riesig über euer Feedback, die Favoriteneinträge und Sternchen.
Drück euch alle dafür.
Nun, da wir uns noch nicht am Höhepunkt der Geschichte befinden, gibt es in diesem Kapitel ein krassen Umbruch, ich hoffe ihr haltet ihn aus XD
Liebste Grüße und viel Spaß


5.

Mit nur einem Wimpernschlag entfesselte sich das lang angestaute Chakra in mir. Es kroch durch meine Chakrabahnen, belebte meine Sinne, durch fuhr meinen gesamten Körper. Die Macht die ich verspürte war berauschend.
Ich spürte die Kälte meines Körpers kaum, alles Kribbelte und Prickelte, als sich meine nackten Füße von dem steinigen Untergrund lösten und ich gute 10 Zentimeter über dem Boden schwebte.
Der Wind umfuhr meinen Körper, spielte mit meinen Haaren und ließ sie um meinen Kopf tanzen, als würden sie unter Strom stehen. Blitze zuckten und züngelten knisternd um mich herum, schlugen im Boden ein, in den steinernen Wänden und verursachten tiefe Krater.
Die immense Kraft, die mir nach und nach entwich, ohne dass ich die Möglichkeit hatte sie aufzuhalten, hinter ließ eine schmerzhafte Leere. Mana-San hatte mir gesagt, dass es für mein Bruder keine andere Möglichkeit gab, als das Chakra in mir zu versiegeln. Ich zerstörte mich von Innen durch den Verlust meines Chakras und ich zerstörte mich von außen durch die brachiale Gewalt der Entladungen.
Für den Moment blendete ich alles aus, alles, ich hatte vergessen, dass ich nicht alleine an diesem Ort war.
„Ori-Sensei...helfen sie mir...“  Ich bettelte, flehte und hoffte, er würde mir helfen, er hatte es versprochen. Doch mein Lehrer dachte nicht daran, stattdessen formte er Fingerzeichen, geübt, betont lässig. Während sich mein innerstes weiter zusammen zog wurde mir schlagartig bewusst, dass Kakashi recht gehabt haben musste, dieser Mann wollte mit Sicherheit nicht das beste für mich. Im krassen Gegensatz zu meinem Bruder, der alles aufgegeben hatte für mich, der sich, obwohl er wusste, wie sehr ich ihn dafür verabscheuen könnte, dazu entschlossen hatte, mein Chakra zu versiegeln. Für mich. Er wollte das ich lebe.
Ich schluchzte Hemmungslos, die Erkenntnis kam reichlich spät und ich wünschte mir es ihm wenigstens noch sagen zu können, wie leid mir das alles tat, dass ich es verstanden hatte und nun er für mich leben sollte.
Mit der Leere in meinem Körper, kam auch die Kälte zurück. Meine Sinne, die für einige kurze Augenblicke wacher und intensiver denn je wirkten, schwanden. Unheilvolle Müdigkeit legte sich in meine Glieder, ich würde sterben, hier jetzt und heute.
Wie durch einen Tunnel erkannte ich meinen Sensei, seine  Arme waren vor seinen Körper gestreckt und an der Stelle, an der seine Hände gewesen waren, ragte eine Vielzahl Schlangenköpfe hervor. Sie schnappten nach den Blitzen aus meinem Körper, sogen die Energie in sich auf und schienen sich daran zu laben.
„Ori-Sensei...Warum?“ meine Stimme klang rau und schwach, ich verstand nicht, warum diese Schlangen mein Chakra fraßen. Warum ich hier war und bei Kami, wie ich mich so verleiten lassen konnte. Mein Bruder hatte mich gewarnt, nicht weil er eifersüchtig auf jemanden war, der einen besseren Zugang zu mir fand, sondern weil er ahnte, dass der Mann mit den langen schwarzen Haaren Gefahr bedeutete.
Zorn kroch in mir empor, vielleicht hätte ich mich nicht auf Ori-Sensei eingelassen, wenn Kakashi mehr in meiner Nähe gewesen wäre, wenn er mich nicht immer alleine gelassen hätte und wenn er mir, verflucht nochmal, mehr Wärme gegeben hätte. Erneut bündelte sich Hass in meiner Brust, mein Bruder war an allem Schuld, an allem.
Ein Wütender Laut verließ meine Kehle, halb erstickt, während sich eine der Schlangen, aus dem Arm meines Senseis, um meinen Hals legte.
„Du bist eine Tickende Zeitbombe, wenn ich dich nicht aus dem Weg räume wirst du das ganze Feuerreich in Schutt und Asche legen.... Doch vorher, vorher schröpfe ich dich bis aufs letzte. Das weiße Chakra ist die reinste Chakraform die es gibt, die Möglichkeiten sind unbegrenzt und es wird mir gute Dienste erweisen...Mach es gut kleine gutgläubige Hira...“ Säuselnd sprach er die Worte in mein Ohr, ich konnte hören wie er dabei fies grinste und wiederholt fragte ich mich, wie ich mich so täuschen konnte.
Die Luft zum Atmen wurde knapp, die Geräusche um mich herum begannen zu verstummen und eine Stimme in meinem Kopf sagte mir, dass es besser so war. Ich hielt still, ließ es zu, wehrte mich nicht und würde mich auch nicht weiter zur wehr setzen. Das war mein Schicksal und ich würde es akzeptieren. Mir wurde klar, dass das schon der Weg gewesen wäre, an dem Tag, an dem Kakashi das Chakra in mir versiegelte. Er hätte mich sterben lassen sollen, er hätte sich eine Menge Leid erspart und mir auch, der Tod war das einzige, was einen endgültigen Schlussstrich zog und allen Frieden bringen würde.
Die letzten Funken Energie verließen mich, wurden durch die Schlangen gewaltsam und unwiederbringlich aus mir herausgezogen, während das Würgen, die Schlangen um meinen Hals, immer enger wurde. Den Regen konnte ich nicht mehr hören, nur das Rauschen meines Blutes in meinen Ohren.
Die schlagenden Wellen meines Pulses wurden Langsamer, ich akzeptierte es.
Meine Atmung setzte aus, ich akzeptierte es.
Das Bild verschwamm vor meinen Augen und gerade, als ich auch diese Tatsache akzeptieren wollte, reflektierte eine Klinge im letzten Spalt meines noch vorhandenen Blickwinkels.
Dann akzeptierte ich die Schwärze.

Ich verfluchte den Moment, an dem ich die Augen öffnete und erkannte, dass man mich kurz vor meinem Tod gerettet haben musste. Obwohl ich fest in eine Decke eingehüllt auf einem Bett lag, nahm ich nichts weiter wahr, als den Ekel, den ich für mich selbst empfand.
Es gab eine Zeit, da hatte ich angenommen, dass meine Nutzlosigkeit der Tiefpunkt meines Lebens gewesen war, doch musste ich mich eines Besseren belehren lassen.
Ich wollte mich bewegen, bemerkte erst jetzt, dass eine meiner Hände festgehalten wurde. Bewegung war mir kaum möglich, jede Faser meines Körpers schmerzte, weshalb ich es gerade so schaffte meinen Kopf ein Stück zur Seite fallen zu lassen, um mir das Problem mit meiner Hand anzusehen.
Neben mir auf einem Stuhl saß mein Bruder, er trug seine Komplette ANBU-Ausrüstung, die ich schon häufiger an ihm gesehen hatte. Na klar, ich lag im Krankenhaus und wäre beinahe gestorben und er geht auf Mission. Sollte er doch, ich hatte ihm nichts mehr zu sagen. Mein Blick wanderte meinen Arm entlang bis zu meiner Hand, dann stutzte ich.
Kakashi hatte seine Arme auf dem Bett aufgestützt und meine Hand in seinen Händen, seine Stirn ruhte darauf. Verwirrt über so viel Nähe, wollte ich etwas sagen, doch meine Kehle war staubtrocken, rau und es fühlte sich beim Schlucken so an, als hätte man mir einige Reißzwecken in den Hals gekippt und mich gebeten sie hinunter zu schlucken. Ich gab einen Laut von mir, der sowohl als schmerzhaft, unwillig und abgrundtief verzweifelt hätte gewertet werden können. Es war mir egal, von allem war es auch ein bisschen.
Mein Bruder schreckte hoch, dennoch dauerte es einige Sekunden bis er seinen Kopf anhob und sich ein Stück löste. War er eingeschlafen? Wie lange lag ich schon hier?
Als ich ihm ins Gesicht sah, stockte mir der Atem. Tränen schwammen in seinen Augen, unendliche Trauer und plötzlich einsetzende Erleichterung. Noch nie hatte er in meiner Gegenwart derartig viel Emotion gezeigt, geschweige denn zugelassen, dass ihm Tränen die Wangen hinab liefen.
Ich war überfordert, was sollte das, ich wollte das nicht sehen. Nicht jetzt, ich ertrug ihn kaum in meiner Nähe und schon gar nicht so.
Am Liebsten hätte ich ohnehin gehabt, dass er ging, er sollte mich so nicht sehen, doch ich befürchtete, dass ich nicht in der Lage war überhaupt etwas zu sagen. Statt dessen versuchte ich mich zu bewegen, ich wollte mich drehen, doch gehorchte mir mein Körper kaum. Es waren nicht die Schmerzen oder meine Schwäche, die mich davon abhielt, sondern die Fesseln, die man mir angelegt hatte.
Mein Kopf fuhr herum, ich funkelte meinen Bruder wütend an, ich krächzte zornig: „Was soll das...?“ er legte meine Hand ins Bett und legte mir auch dort eine Fessel an. Fassungslos starrte ich von meiner Hand in das Gesicht meines Bruders. Ich versuchte ihn zu erreichen, so freundlich wie mir möglich zu klingen: „ Kakashi, Bruder... warum?“ doch er schüttelte den Kopf, richtete sich auf und verließ das Zimmer.
Ich raffte alle mir zur Verfügung stehenden, noch vorhandenen Kräfte zusammen, riss an den Seilen fauchte wie ein wildes Tier, doch blieb mir jede weitere Bewegung verwehrt. Irgendwann hatte ich meine Kräfte aufgebraucht und noch bevor ich wieder in die Schwärze driftete, wurde mir schmerzlich bewusst, dass Kakashi die ganze Zeit vor der Tür gewesen war. Er hatte mein Wüten mit angehört. Warum half er mir nur nicht? Warum ließ er mich im Stich?
Dann endeten meine Gedankengänge.

Das nächste Mal, als ich die Augen öffnete, dachte ich, ich wäre allein in meinem Zimmer, zu meinem erstaunen, hatte man mir den Oberkörper etwas aufgerichtet und mir Wasser auf meinen Nachttisch gestellt.
Witzig, dachte ich mürrisch, ich bin angebunden und alleine, wie um Himmelswillen soll ich bitte trinken. Doch wie als hätte man mich erhört, trat mein Bruder in mein Sichtfeld.
„Du bist aufgewacht...Ich helfe dir...“ er klang matt und sah beschissen aus, gelinde gesagt. Tiefe Augenringe mahlten unschöne Schatten auf sein Gesicht und ich musste innerlich daran denken, dass die ganzen Frauen, die so auf ihn standen, mit Sicherheit jetzt reiß aus nehmen würden.
Er legte seine Hand unter meinen Kopf und stützte ihn etwas, währen er mir den Becher an meine Lippen setzte und ich gierig trank. Ja er half mir, eigentlich hätte ich mich geweigert, doch ich war so durstig, das mir jedes Mittel recht war, Hauptsache ich bekam ein Schluck Wasser.
Meine Sinne wurden durch das kühle Nass, welches meine trockene Kehle hinabrann, belebt und ich fühlte mich augenblicklich besser.
„Kakashi, bitte mach mich los...“ er ließ meinen Kopf sinken, stellte den Becher ab und nahm Abstand zu mir ein. Seine inzwischen wieder emotionslosen Augen, wichen meinem Blick aus und außer Kopfschütteln, brachte er nichts zu Stande.
„Ist das ein Spiel für dich? Ist das die Strafe dafür, dass ich Weggerannt bin? Gefällt dir das..HÄ?“ ich giftete ihn an, es wollte mir nicht in den Kopf, warum er das alles tat.
„Ich habe meine Befehle Hira, mir ist es nicht gestattet mit dir zu sprechen... und dir das zu sagen verstößt bereits dagegen...“ er straffte seine Haltung und verließ eilig den Raum.
„Genau, deine Befehle und dann erträgst du es nicht mich anzusehen, oder? Du bist so Schwach..“ ich lachte hysterisch auf: „ Du bist das Letzte Bruder, das aller Letzte...Ich hasse dich..“ ich zischte und spie ihm die Worte hinterher, wurde lauter, als die Tür geschlossen wurde und war mir sicher er würde davor stehen, alles hören was ich sagte.
Nach Minuten langem Dauerfeuer, versagte mir die Stimme und meine Gedanken kamen wieder zur Ruhe. Ich fragte mich wie viel Zeit vergangen war, seit dem Ereignis in der Höhle, draußen im Wald. Wer mich gerettet hatte und was aus Ori-Sensei geworden war.
Ich horchte auf, als es an der Tür klopft, sie behutsam geöffnet und sorgfältig geschlossen wurde.
Der Hokage, gefolgt von drei Maskierten ANBU traten herein. Ich lachte hämisch auf: „ Glaubt ihr ich erkenne euch Affen nicht, wenn ihr die blöden Masken tragt? Ist das eine Art kranker Fetisch? Du solltest dir die Haare färben Bruder, dich erkennt man sogar wenn es dunkel ist...“
Der Hokage drehte sich zu meinem Bruder um, dieser nickte nur und verließ den Raum. Ich spürte sein Widerwillen, doch das brave Hündchen folgte jedem Befehl. Kaum hatte er den Raum verlassen, legte sich meine Wut, sie verpuffte quasi sofort und augenblicklich wurde ich mir meiner Worte bewusst. Erinnerte mich an das Bild von seinen Tränen in den Augen und mir wurde schlecht.
Der ältere Mann seufzte kurz setzte sich dann zu mir ans Bett und lächelte sanft. Er lächelte sanft, obwohl ich eben noch in einer mehr als Respektlosen Art, in seiner Gegenwart, mit den anderen gesprochen hatte. Yugao und Tenzou setzten ihre Masken ab und sahen mich mitfühlend an, auch die Beiden besaßen menschliche Gefühle, wie ich erkennen musste.
„Hallo kleine Hira, wie geht es dir?“ Ich traute mich nicht den Mund zu öffnen, ich hatte Angst Dinge von mir zu geben, die nicht angemessen waren.
„Ich verstehe, du möchtest lieber nicht sprechen...“ ich nickte.
„Dann erkläre ich dir erst mal einige Dinge ok? Du hörst zu und du ziehst deine Schlüsse daraus...“ Wieder nickte ich.
„Der Mann, der sich dir gegenüber als Ori-Sensei vorgestellt hatte, heißt eigentlich Orochimaru. Wer er war und was er getan hat, spielt erst mal keine Rolle. Wir haben es nicht für möglich gehalten, dass er sich in deiner Nähe befinden könnte, obwohl es Hinweise gab, dass er Interesse an dir hat. Er hat deinen Geist verwirrt, er hat dich dazu gebracht, für deinen Bruder Dinge zu empfinden, die so nicht in dir steckten. Du kannst nichts dafür, dass du all diese Dinge sagst und machst, allerdings müssen wir dein Bruder schützen. Verstehst du das?“ ich wollte nicken, schüttelte aber den Kopf, warum musste man mein Bruder vor mir schützen? Der Hokage lächelte erneut sanft: „ Hira, dein Bruder hat auch Gefühle... man sieht es ihm nicht immer an, gerade vor dir versucht er das zu verstecken, aber er leidet.“ Mir entkam ein zynischer Laut: „ Das ich nicht lache.. er leidet...ich bin ihm doch völlig egal..“
Nur eine Sekunde veränderte sich der Ausdruck im Gesicht der Anwesenden: „ Kleine Hira, dein Bruder hat dich im Wald gefunden und hätte er dir nicht etwas von seinem Chakra gegeben, wärst du nicht mehr bei uns....Er saß die letzten vier Tage an deinem Bett, hat nicht geschlafen, aus Angst dir könnte etwas passieren. Niemand konnte ihn dazu bringen dich alleine zu lassen...“
Es bedeutete mir nichts, die Worte gingen an mir vorbei, nur warum?
„Warum ist es mir egal, dass sie das sagen? Warum ist es mir egal, dass er das gemacht hat?“
Yugao verlor einige Sekunden die Fassung, ballte die Fäuste und hätte mir wahrscheinlich am Liebsten eine geknallt, doch der Hokage hob die Hand: „Die Ärzte versuchen noch herauszufinden, wie wir deine Verwirrten Gefühle normalisieren und die Aggressivität Kakashi gegenüber abbauen können, doch wie es scheint ist das ein langer Weg.“
Kurz überlegte ich: „ Wenn er also nicht in meiner Nähe ist, funktioniere ich normal?“ Der Hokage nickte: „ Ja, so ungefähr könnte man das sagen...“
„Dann schickt ihn doch auf Mission...“ Wieso nur sagte ich so etwas, ich hatte Angst, dass man ihn in den Kampf schickte und er nicht zurück kam, die Angst war schon als kleines Kind in mir.Und jetzt bat ich darum ihn zu schicken und zu riskieren, dass man ihn tötete?
„Hira, dein Bruder ist nicht einsatzfähig, ihn auf eine Mission zu schicken, könnte ihn sein Leben kosten....Er hat dir sehr viel Chakra geben müssen, sehr viel...“
Es klopft und Kakashi trat erneut in den Raum, versuchte so wenig wie möglich auf mich zu achten: „ Hokage-Sama verzeiht, wir haben eine Spur...“ der Mann neben mir nickte verstehend.
„Kakashi du und dein Team bleibt in ihrer Nähe, wenn die Ärzte das Ok geben, werdet ihr das Hatake-Anwesen beziehen und dort auf weitere Anweisungen warten.“
Mein Bruder hatte sich momentan nicht unter Kontrolle, wie mir schien, denn selbst ich bemerkte den kurzen Anflug Unglaube in seinem Blick, mit Sicherheit wollte er nicht das Kindermädchen spielen, er würde bestimmt lieber jagen. Sollte er nur, sollte er auf die Jagt gehen und sich selbst umbringen. Himmel, was dachte ich da nur wieder.
Ohne ein Wort nickte er, nahm den Befehl entgegen und würde ihn auch umsetzen, wie Pflichtbewusst er doch war.    
Ich musterte ihn von der Seite, er wirkte auf mich, als würde er jeden Moment umfallen, wahrscheinlich hatte der Hokage recht gehabt, er war nicht einsatzfähig.
Ich grinste in mich hinein, das würde mir so einige Möglichkeiten eröffnen, sollte man mich wirklich entlassen. Es kribbelte freudig in mir, oh ja, ich würde ihn spüren lassen, dass es ein Fehler gewesen war, mich am Leben zu erhalten. Gleichzeitig fragte ich mich mal wieder, wo dieser abgrundtiefe Hass nur her kam, es fühlte sich auf der einen Seite erhebend an auf der andern Seite machte es mir Angst. Hass war eine Emotion, die ich so nie spüren wollte, ich hatte mich als Kind immer nach Harmonie gesehnt und war erschrocken über die Strenge meines Bruders. Was hatte Ori-Sensei mit mir gemacht, dass ich derartiges Empfinde konnte und mich gut fühlte damit.
Der Hokage verließ gefolgt von Yugao und Tenzou den Raum, Kakashi hingegen blieb und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand.
„Und du Schoßhund, musst du nicht auch deinem Herrchen schwanzwedelnd hinterher?..“ Ich grinste fies, biss mir dann auf die Lippe und versuchte mich zu beherrschen, eigentlich wollte ich etwas anderes sagen. „Kakashi, ich will das nicht... töte mich, setz dem ein Ende..“ schon im nächsten Moment lachte ich wieder finster: „ Oder noch viel besser, töte dich, so wie es unser Vater getan hat, tu es.. tu es.. tu es..“ ich zischte und lachte.
Im Grunde genommen war ich eine Außenstehende Person, die völlig hilflos mitansehen musste wie der eigene Körper sich selbstständig machte, ohne Möglichkeit Einfluss darauf zu nehmen. Ich fühlte mich, als wäre ich besessen, als wäre ein zweiter Person in mir, die hin und wieder die Führung über nahm, versuchte die absolute Kontrolle an sich zu reißen. Diese Person war mir überlegen und ich hatte Angst vor ihr, Angst ich würde meinen Bruder tatsächlich umbringen.
Er war einen Schritt näher ins Licht getreten, hatte seine Maske abgezogen und ich hatte einen eindrucksvollen Blick auf die Wirkung der Strapazen, die er durchlitten hatte. Kurz verspürte ich den Impuls ihn in die Arme nehmen zu wollen, er hatte mich früher, wenn ich krank war, häufig bei sich schlafen lassen, oder blieb Nächte lang an meinem Bett sitzen und wenn er nicht konnte, weil er arbeiten musste, kuschelte ich mich an Mana. Kakashi hatte immer dafür gesorgt, dass, wenn er mich alleine lassen musste, ich nie wirklich alleine war.
Ich seufzte in der Sequenz meiner normalen Gedanken, er war halt auch nur EIN Mensch, er konnte sich nicht Teilen und noch während ich ihn musterte, feststellte, wie erschreckend fertig er aussah, wendete sich mein Denken wieder auf die finstere Seite.
„Boah, wen willst du erschrecken, zieh die Maske wieder auf, da bekommt man ja das Kotzen...“ er zuckte zusammen, hielt in seiner Bewegung inne, er sagte kein Ton. Mit einer schnellen Bewegung setzte er die Maske wieder auf, Tenzou und Yugao traten herein und nickten ihm zu, ich verstand, dass war wohl das Zeichen, dass wir gehen durften. Mein Bruder verließ erneut den Raum, sie hatten verstanden, dass seine Anwesenheit den Zustand in meinem Kopf nicht besser machte und kaum war er verschwunden, klärte sich mein Denken ein wenig.
„Steh auf und zieh dir was über...“ es klang wie ein Befehl, der harsche Ton schmerzte mich, doch konnte ich ihn, in der derzeitigen Situation, auch verstehen. Tenzou löste die Fesseln und Yugao begleitete mich ins Badezimmer. Ich betrachtete mich im Spiegel. Meine weißen Haare hingen schlaff an meinem Kopf hinunter, meine Augen waren umrandet von dunklen Schatten und bei dem Blick auf die Würge-male am Hals wurde mir ganz anders. Ich hielt mich benommen am Waschbecken fest, spürte dann wie mich Yugao zur Toilette dirigierte und ich mich setzen konnte.
Sie half mir in die Hose, die mir Kakashi offenbar aus unserer Wohnung hatte bringen lassen, schob mir das Krankenhaushemd von den Schultern und streifte mir den Pullover über.
„Warum bist du noch nett zu mir...?“ sie schnaubte verächtlich, sah mich aber nicht an.
„Weil dein Bruder an dich glaubt.. Ich verstehe nicht, warum er nach allem, was du ihm angetan hast, noch hinter dir steht. Aber er ist unser Freund, unser Kamerad, wir verdanken ihm viel...Wir lassen ihn damit nicht alleine...Glaub nicht, dass ich das für dich tue...“ Ich zuckte zusammen, sie zeigte mir die kalte Schulter, ich bewunderte aber ihr Rückgrat. Sie war verdammt taff mir das ohne Fesseln, in meiner Momentanen Gemütsverfassung, zu sagen. Doch die Wut darüber blieb aus. Trauer packte mich, schuldbewusst sah ich zu ihr auf: „ Ich wollte das nicht...“ meine Stimme war brüchig geworden, kleinlaut und weinerlich. Sie hielt inne und sah mich an: „ Das ist auch die Meinung deines Bruders...“ sie öffnete die Tür und schritt voran.
Kakashi folgte uns mit einem Sicherheitsabstand, ich staunte, dass er, nach allem was mir erzählt wurde, genügend Kraft hatte über die Häuserdächer zu springen und dabei geschmeidig wie eine Katze zu wirken. Das Anwesen der Hatake-Familie stand etwas außerhalb der Stadt, wie es schien, als wir es betraten, war schon seit einiger Zeit niemand mehr hier gewesen und schon gar nicht, als hätte hier jemand in den letzten Jahren gewohnt. Mein Bruder reichte Tenzou einen Schlüssel, blieb aber auf Abstand und behielt mich die ganze Zeit im Auge. Sein Sharingan hielt er die gesamte Zeit über offen, er schwitzte, obwohl es kalt war und sein Blick glitt unruhig in der Gegend umher.
Ich wurde mit Nachdruck in den Hausflur geschoben und musste sofort leicht husten. Es war staubig und die Luft abgestanden, doch war ich die einzige, die sich daran zu stören schien.
„Wie lange hänge ich jetzt mich euch hier fest und muss mir das Kotzen verkneifen, beim Anblick meines Bruders?“ theatralisch ließ ich mich auf das staubige Sofa fallen. Kakashi war in den Raum getreten, wahrscheinlich zu nah, dass mir die ersten bissigen Kommentare wieder über die Lippen kamen. Er schloss die Tür hinter sich und ließ sich daneben an der Wand zu Boden sinken.
„Senpai?“ Yugao, kniete sich besorgt neben ihn, rüttelte leicht an seiner Schulter.
„Geht schon, alles gut..“ er unterließ es allerdings sich zu erheben.
„Das ist ja ekelhaft...“ ich rümpfte die Nase: „ Läuft da was zwischen euch..?“
Tenzou trat neben mich, band mir die Hände über dem Kopf zusammen und fixierte die Enden an den Füßen der Couch, das selbe machte er mit meinen Beinen.
Die Drei ignorierten mich, oder versuchten es, doch Kakashi war mir zu nah, viel zu nah. Es triggerte mich, mein Blut geriet in Wallungen.
„Mach mich los, dann mach ich es auch schnell Bruder, ich schlitze dir Kehle auf und lasse dich ausbluten, tut auch fast nicht weh..“ ich kicherte höhnisch.
„Senpai?“
„Senpai?“ äffte ich nach.
„Wie lange wollen wir uns das anhören?“
„Wie lange muss ich mir euer Gejammer antun?“ stellte ich die Frage.
„Darf ich ihr das Maul stopfen..?“
„Darf ich ihm die Kehle durchschneiden?“ ich versuchte meine Stimme noch etwas tiefer klingen zu lassen.
„Senpai?“
„Senpai, Senpai, Senpai, Senpai...“ ich wiederholte es im Sekundentakt und grinste fies, bei dem resignierenden Schnauben von Tenzou.
Mein Bruder jedoch erhob sich: „ Ich werde in die Küche gehen...dann wird es ihr gleich besser gehen...“ Er hatte recht. Kaum hatte er den Raum verlassen, spürte ich wie der Druck in mir nachließ: „ Tut mir leid...“

Die nächsten drei Stunden bis zum Abend sprach sie nur wenig und keiner bekam Kakashi zu Gesicht. Yugao und Tenzou hatten sich ein Kissen geschnappt und sich auf den Boden gelegt um ein wenig zu schlafen. Sie waren sich einig gewesen, dass sie eher mit einem Überfall in der Nacht rechnen mussten, also würden sie sich jetzt etwas ausruhen, um später bereit zu sein. Ich seufzte, beide schliefen und ich machte mir Sorgen um meinen Bruder.
Es war kalt im Haus geworden und entgegen der beiden ANBU trug ich keinen Mantel, den ich mir hätte über legen können, außerdem war ich noch immer festgebunden.
Irgendwann dämmerte ich wohl doch weg, spürte nur leicht entfernt, wie mir jemand eine Decke überlegte. „Danke, Kakashi...“ flüsterte ich schlaftrunken in den Raum, ich war der Meinung ihn gespürt zu haben. Erschrocken öffnete ich meine Augen, als sich zaghaft warme Lippen auf meine Stirn legten, ich sah die Haare meines Bruders über mir. Tränen liefen mir über das Gesicht, ich wollte den Moment genießen, da war er, mein Bruder und ich verspürte in diesem Moment so viel Liebe für ihn. „Ich hab dich Lieb..“ hauchte ich in den Raum und blickte in seine feuchten Augen.
„Wir kriegen das hin Hira...“ ich schüttelte den Kopf: „ Nein, dir wird nichts bleiben außer mich gehen zu lassen...töte mich, Kakashi...“ Kraftlos sank er vor mir in die Knie: „ Nein...ich gebe dich nicht auf...“
Dann war der Moment herum, mein Böses-Ich übernahm wieder die Führung: „ Du bist ein Weichei, töte mich, oder dich, oder uns Beide...nur mach einmal was in deinem Leben richtig.. aber das kannst du nicht... Du tötest deine Freunde und leidest darunter, es muss dir egal sein...so wie es mir egal wäre, wenn du verreckst...“
Er hatte sich wieder aufgerichtet und war in die Küche gegangen, ich konnte noch sehen wie sich seine Hände ballten und er zitterte, seine Schultern zitterten.
Die Beiden ANBU hatten sich aufgerichtet und blickte sich entsetzt an. Yugao nickte Tenzou zu. Welcher aufstand und seinem Kameraden hinterher eilte, während sie mich wütend an funkelte.
Aus der Küche hörte ich dumpf wie Tenzou auf Kakashi einsprach, er solle sich setzen und ausruhen. Ich hörte den dunkelhaarigen Mann schwer seufzen, dann ging etwas zu Bruch.
Wenige Sekunden später, kehrte Tenzou zurück und schüttelte den Kopf. Er ließ sich neben Yugao nieder und flüsterte: „ Ich glaube er hält das nicht mehr lange aus... das mit ihr und dann, dass wir uns ausgerechnet hier befinden...“ Mit einem Kopfnicken deutete der Mann auf mich und langsam verstand ich, dass mein Bruder in der Küche etwas zertrümmert haben musste.
„Kannst du mal nach seiner Hand sehen, sie blutet ziemlich stark..“ Yugao nickte, verschwand nun ihrerseits in der Küche.
Lauschend legte ich den Kopf schief, doch die Frau sprach einfach zu leise.
„Wenn ich dich fragen würde, was passiert ist und wie es ihm geht.. würde ich eine ehrliche Antwort bekommen?“ Ich sah ihn fragend an, doch Tenzou gab nur ein Schnauben von sich.
„Das hab ich mir schon gedacht...“ resignierend schloss ich meine Augen, öffnete sie jedoch sofort wieder, als Yugao aus der Küche kam.
„Als würde es dich wirklich interessieren was mit ihm ist....“ sie klang wütend.
„Yugao, lass gut sein...“ Tenzou hob beschwichtigend die Hände, ließ sie allerdings wieder sinken, als sich ihr böser Blick auf ihn legte.
„Ich bin nicht der Meinung, dass man sie mit Samthandschuhen anfassen müsste... Du willst wissen wie es ihm geht? Hast du ihn dir mal angesehen? Hast du eine Ahnung, was es für ihn bedeutet hätte, dich zu verlieren? Er ist nicht gut darin Gefühle zu zeigen, das steht ihm nach dem was er erlebt hat aber auch zu, oder? Ich glaube Mädchen, du hast in deinem ganzen Zorn vergessen, dass er ein Mensch ist..Und du vergisst, dass er sein ganzes Leben nach dir ausgerichtet hat... Hast du ihn jemals gefragt, was er möchte? Hast du versucht, dich in ihn hinein zu versetzen und zu verstehen, was in ihm vor sich geht? Vorwürfe tun weh oder? Sich damit zu beschäftigen tut weh..Und das sollte es auch...“ sie fauchte mich an, legte ein tiefes Knurren in ihre Stimme und sie traf mich tief.
Meine Lippe bebte, Tränen bahnten sich ihren Weg über meine Wangen: „ Ich weiß.. und es tut mir leid...Ich bin furchtbar...“ die Frau vor mir seufzte: „ Nein, du bist nicht furchtbar, nur Gedankenlos und verloren in deiner eigenen Welt...Du hast ihn überhaupt nicht wahrgenommen, nicht mit dem, was er für dich getan hat, noch was ihn betraf... Doch du bist ein Kind, kann man das wirklich erwarten? Kakashi übrigens hat sich darüber nie beschwert, ihm war es wichtig, dass du glücklich bist und es dir an nichts fehlt. Er ist in allen Belangen so ziemlich der selbst loseste Mensch den es gibt. Ich sage dir das nicht, damit du dich selbst noch schlechter fühlst... es soll dich wachrütteln, ihm wieder zu vertrauen, er ist derjenige der es gut mit dir meint...“
Müde rieb ich mir die Augen, mein letzter Gedanke bevor ich einschlief, galt meinem Bruder.

Die Sonne stand hoch am Himmel, als ich erwachte und ich wunderte mich, dass ich auf der Seite lag,  Arme und Beine fest an meinen Körper gepresst hielt. Sie hatten mir die Fessel abgenommen. Mein Blick ging noch leicht schläfrig in dem Raum umher und blieb an dem Sessel mir gegenüber hängen. Dort saß mein Bruder, der Kopf war ihm auf die Brust gesunken, die Augen geschlossen. Ich fühlte mich ausgeglichen, weshalb ich mich traute, mir die Deck wegschob und ihn vorsichtig an der Schulter berührte. Er erwachte nicht, zuckte nur zusammen und sein Kopf sank nach hinten auf die Rückenlehne, bevor er leicht zur Seite rollte. Ich grinste schief, er musste wirklich völlig fertig sein. So behutsam, wie es mir möglich war, legte ich meine Decke über ihn und zog sie bis zu seinen Schultern nach oben. Freute mich, dass ich ihn nicht geweckt hatte und suchte, nun doch reichlich dringend, nach dem Badezimmer.
Nachdem ich meine Notdurft erledigt hatte, wusch ich mir die Hände, schaute nur beiläufig, im Augenwinkel in den Spiegel.
Statt meines eigenen Spiegelbildes, grinste mir Ori-Sensei entgegen, raunte in mein Ohr, dass es kein Entkommen gab und mein Bruder bereits Tod war. Ich schrie auf vor Entsetzen.
Mein Ich im Spiegelbild erschien, eine Schlange um den Hals, die sich züngelnd immer enger wickelte. Ich schnappte nach Luft, spürte den Druck um meinen Hals und schrie erneut so laut ich konnte. Hektisch wurde die Tür geöffnet, Kakashi stand im Rahmen und blick nur eine Sekunde fragend in meine Richtung. Innerhalb dieser Sekunde, griff er nach meinem Arm, riss mich auf die Füße und schubste mich aus dem Badezimmer. Mit der bandagierten Hand schlug er in den Spiegel. Augenblicklich löste sich der Druck, gab die Atemwege wieder frei und ich sog gierig die Luft ein.
Gerade als ich ansetzen wollte etwas zu sagen, gebot Kakashi mir zu schweigen. Sein rotes Auge suchte den Raum ab, dann schüttelte er sachte den Kopf und schloss es: „ Verhalte dich ruhig, er ist in der Nähe...Er will mit Sicherheit das zu Ende bringen, was er begonnen hat..“ Mein Bruder wollte sich schwungvoll zu mir herum drehen, doch schien ihm schwindelig zu werden und er musste sich an der Wand abstützen. „Was ist mit dir?“ besorgt musterte ich ihn, schallte mich in Gedanken selber dämlich, was sollte schon sein. Er hatte seit Tagen nicht wirklich geschlafen.
„Schon gut, kein Grund zur Sorge... ich hatte noch keine Zeit mein Chakra aufzuladen...Deshalb sind auch Yugao und Tenzou draußen und durchsuchen das Grundstück nach Hinweisen, auf ein mögliches Eindringen.“
Erst jetzt wurde mir eine Tatsache bewusst. Ich klatschte freudig in die Hände: „ Ich kann normal mit dir reden...“ Ich fiel ihm um den Hals und drückte ihn unbeabsichtigt fest gegen die Wand hinter ihm. Er lachte kurz auf: „ Dass du dich mal so darüber freuen würdest...“ Ich schmollte, konnte ihn aber noch nicht los lassen: „ Hör bloß auf...“ Mein Gesicht schmiegte sich an seine Brust, Kakashi roch nach Schweiß und Blut, was mich kurz stutzig werden ließ: „ Du hast wohl nicht nur, kein Schlaf bekommen, sondern auch keine Dusche..hm?“ Erneut lachte er, was ein wunderschöner Klang in meinen Ohren, ich genoss es, diesen seltenen Moment: „ Tut mir leid...frisch geduscht wäre mir eine Umarmung auch angenehmer..“ Ich löste mich grinsend: „ Schon ok. In Anbetracht der Situation, nehme ich dich auch ungeduscht..“ Mit raus gestreckter Zunge half ich ihm auf die Füße.
„Wie kommt es, dass ich mich so friedlich Verhalte..?“ Kakashi tippte sich gegen sein Auge.
„Ich habe die Vergangene Nacht damit verbracht, mir deine Chakrabahnen anzusehen und einige Anomalien festgestellt...Orochimaru oder Ori-Sensei, wie du ihn kennst, scheint das Siegel gelockert zu haben und hat mit Hilfe von Chakramanipulation, langsam aber sicher diese Anomalie hervor gerufen. Leider ist zu befürchten, dass mit zunehmendem Chakra die Anomalien wieder auftreten werde. Wir haben den Grund dafür noch nicht gefunden. Das hat ihn Jahre gekostet, nah genug an dich heran zu kommen und ich wähnte dich in Sicherheit...Hätte ich das geahnt, wäre ich nicht mehr von deiner Seite gewichen.“ Er senkte den Blick, zeigte mir deutlich, dass er sich schuldig fühlte.
„Warum ist er immer noch hinter mir her, das Siegel ist weg und er hat mein Chakra ...“ Kakashi lachte bitter: „ In einem Punkt hattest du recht, es ist erst zu Ende, wenn du gestorben bist. Dein Chakra wird sich regenerieren, doch da du keinerlei Kontrollmechanismen besitzt wird es wiederholt unkontrollierbar aus dir herausbrechen und könnte großen Schaden anrichten.“
Panisch griff ich nach seiner Hand, legte sie mir auf die Brust: „ Dann tu du es wenigstens, dann sei bitte du derjenige...“
Meinem Bruder wich die Farbe, er taumelte leicht rückwärts und stürzte: „ Weißt du was du da verlangst?“ Seine Augen hatten sich entsetzt geweitet, sein Körper zitterte unkontrolliert.
„Was ist dann der Weg? Ich lass mich gefangen nehmen und Ori-Sensei tötet mich?“ Mit wachsender Furcht, leicht hysterisch, ließ ich mich zu ihm auf die Knie sinken: „ Sag es mir Kakashi, was ist der Weg, wenn du es nicht kannst? Versprich mir, dass egal was passiert, niemand anderer als du es sein wird..“ Ich ahnte nicht was für eine Bürde es für mein Bruder sein würde, doch er riss sich zusammen und gab mir das Versprechen.
„Gemeinsam mit Hokage-Sama werden wir ein neues Siegel anbringen, dass ist allerdings erst dann möglich, wenn dein Chakra erneut ausbricht... so lange werden wir dich versteckt halten.“
In geducktem Galopp stürmten Yugao und Tenzou zu uns zurück ins Haus: „ Es gibt keinerlei Hinweise auf ein Eindringen...Allerdings wurde Ororchimaru in der Nähe gesehen, die ANBU verfolgen ihn Dorf auswärts in Östliche Richtung..“
Kakashi stieß die Luft geräuschvoll aus: „ Das bedeutet er ist noch ganz in unserer Nähe..“
Alarmiert drehten sich alle zu ihm um: „ Wie meinst du das Senpai?“
„Ich gehe davon aus, dass er versucht die ANBU aus dem Dorf zu locken, um an Hira heran zu kommen....“ einige Sekunden blieb er ruhig, schien zu überlegen, wie es weitergehen könnte. Seufzend rieb er sich die Stirn: „ Wir müssen raus aus Konoha, zum einen gefällt es mir nicht, dass Orochimaru frei auf unseren Straßen herum läuft, im Moment haben wir keine Ahnung was er mit dem Chakra, dass er sich angeeignet hat überhaupt vor hat. Zum anderen könnte auf Grund der Psychischen Belastung von Hira, ihr bereits regeneriertes Chakra ausbrechen und dann wird es hier ungemütlich...“ einige Atemzüge lang starrte ich meinen Bruder zweifelnd an. Wie um alles in der Welt analysierte er unsere Situation so erschreckend präzise, wog das für und wieder ab und entwarf einen Plan? Ich hoffe er hatte einen, doch so wie ich ihn bisher kannte, das bisschen was ich von seiner Arbeit wusste, dann stürzte er nicht Kopflos los, sondern bedacht und mit Plan. Kakashi war aufgestanden und in einem der angrenzenden Räume verschwunden, kehrte mit einer Karte zurück und breitete sie aus.
„Wir werden etwa 30 Kilometer nördlich von hier in einer kleinen Berghütte Unterschlupf finden...Wir können mit Hira nicht einfach im Wald übernachten...“ Ich schnaubte beleidigt, dennoch insgeheim froh, nicht bei der Kälte und dem unberechenbaren Wetter irgendwo unter freiem Himmel nächtigen zu müssen.
„Mit dem Tempo, das wir mit ihr einschlagen müssen, werden wir wahrscheinlich zwei Tage brauchen bis wir dort hingelangen und das ist schon sehr positiv kalkuliert...“ Ich verschränkte die Arme vor der Brust: „ Na hör mal..“
Kakashi verdrehte kurz die Augen: „ Tut mir leid, das sind die Fakten, es bringt uns leider nicht die Gegebenheiten zu beschönigen Hira...Du bist das schwächste Glied in unserer Kette.“
Es war verletzend, erniedrigend und traf den Nagel auf den Kopf. Ich schluckte meinen verletzten Stolz herunter, wusste, dass ich mir die letzten Wochen und Monate genug geleistet hatte und die Drei vor mir einen Ausweg für mich versuchten zu finden, also würde ich mich soweit fügen wie es mir möglich war.
„Wir werden bei unserem Weg raus, so viel Spuren hinterlassen, dass Orochimaru klar erkennen kann, dass wir das Dorf verlassen haben. Wir werden einige Kilometer in die falsche Richtung laufen, um ihn von unserer Fährte abzulenken und dann auf unsere eigentliche Route zur Hütte gelangen. Hira, du wirst alleine durch das Dorf müssen, wir werden dir mit etwas Abstand über die Dächer folgen. Du darfst rennen, es soll aussehen, als wärst du geflohen.“
Ich nickte, zumindest das würde ich hin bekommen. Mulmig wurde mir allerdings schon, mir wurde kalt bei dem Gedanken alleine zu sein.
„Keine Sorge, du wirst uns nicht sehen, aber wir sind in deiner Nähe. Konzentriere dich auf den Weg, das was wir besprochen haben...“ In diesem Moment faszinierte mich mein Bruder. Er wirkte Befehlsgewohnt, als wäre er ganz in seinem Element. Mir musste leicht der Mund offen gestanden haben, denn Tenzou neben mir schnaubte amüsiert.
„Tja Hira, das ist dein Bruder... er ist ein hervorragender Stratege und ein verlässlicher Anführer...“
„Das ist genug..“ sofort unterband Kakashi unser Gespräch, wir wurden wieder auf das wichtige fokussiert, auf das was vor uns und vor allem vor mir lag.  
„Wir werden außerhalb des Dorfes wieder in dein Blickfeld kommen, uns allerdings in den Bäumen halten...Du brauchst keine Angst haben, aus der Position wäre es uns zu jeder Zeit möglich Einzugreifen, sollte dir Gefahr drohen...“ Ich schluckte schwer und nickte zum wiederholten Male knapp.  

Missmutig starrte ich zum Himmel, die Sonne, die sich heute Morgen so wunderbar gezeigt hatte, wurde durch dicke graue Wolken verdeckt und mir schwante, unsere Reise würde nass werden.
Kakashi, Tenzou und Yugao waren abmarschbereit, hoben die Hand als Zeichen, dass sie sich nun auf die Dächer begaben und ließen mich allein.
Noch einmal atmete ich durch, Nervosität machte sich in mir breit, ich wusste zwar, dass sie in der Nähe waren, doch ich fühlte mich einsam. Dann setzte ich mich in Bewegung, erst langsam, irgendwann wurde ich schneller und auf der Hauptstraße bekam ich tatsächlich mit der Angst zu tun. Ich fühlte mich verfolgt, mein Herz raste und ich begann zu rennen.
Schon nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass ich vor lauter Panik, die ich in mir trug, falsch atmete, ich bekam Seitenstiche und meine Muskeln schmerzten. Das Gefühl von einem Schatten verfolgt zu werden, der sich durch die Straßen schlängelte, der kalte Atem des Todes, in meinem Nacken, trieb mich, während das noch gut sichtbare Würge-Mal an meinem Hals anfing zu brennen.
Ich hielt nicht an, statt dessen zählte ich in Gedanken beim ein und ausatmen jeweils bis fünf, versuchte mich zu beruhigen und es funktionierte. Die Seitenstiche ließen nach, meine Atmung wurde regelmäßiger und nur einmal wagte ich es, über meine Schulter hinter mich zu sehen. Doch da war nichts, kein Schatten, keine Schlangen die zischend und züngelnd in meine Richtung hasteten und kein Mann mit langen schwarzen Haaren.  
Nach einigen Minuten lief ich auf das Tor zu, rannte schneller, ignorierte die Rufe der Torwachen und beschleunigte noch einmal, als ich mich ins Dickicht stürzte.
Wie versprochen zeigte sich mein Bruder einige Sekunden, suchte meinen Blick und nickte. Er schien zufrieden mit mir zu sein, die Flucht aus dem Dorf war gelungen.
Der Untergrund war rutschig, aufgeweicht durch die Regenfälle der letzten Tage und obwohl ich mich im Dorf noch umgesehen hatte, drängte mich die Angst verfolgt zu werden.
Ich stolperte über eine Baumwurzel, fand gerade noch Halt, rutschte mit meinen Schuhen, zwang mich aber dennoch weiter.
Der erste Donner grollte, der Himmel verfinsterte sich weiter und wie auf das Stichwort des Gewitters wartend, lösten sich im Anschluss die ersten schweren Tropfen aus der dichten Wolkendecke. Wie Bindfäden schoss das Himmelswasser auf mich nieder, ich konnte kaum die Hand vor Augen sehen, weshalb ich meinen Schritt verlangsamte und mich fragte wie meine Drei Begleiter es schafften sich auf den rutschigen Bäumen zu halten. Ich richtete meinen Blick in die Bäume und versuchte meinen Bruder auszumachen, übersah dabei eine erneute Baumwurzel, an der ich mit dem Fuß hängen blieb. Durch den weiter aufgeweichten, matschigen Waldboden verlor ich den Halt, ruderte noch einige Augenblicke mit den Armen, stürzte dann jedoch trotzdem. Ich schloss die Augen, verhindern konnte ich den Aufprall nicht mehr.
Mein Fall wurde sanft abgefedert. Mein Bruder kniete vor mir, hatte verhindern können, dass ich mir den Kopf an einem spitzen Stein anschlug und zog mich auf die Beine. Ich zitterte, vor Kälte, durch die nasse Kleidung und die Anstrengung, bis eben war ich gerannt.
„Bis du in Ordnung?“ Ich runzelte die Stirn, mein Bruder war nicht einmal außer Atem, er wirkte nicht, als ob er die letzte Stunde über die Bäume gesprungen wäre. Wie unfair, dachte ich mir und schmollte wiedereinmal, dass ich meine Fähigkeiten nicht so einsetzen konnte wie die Anderen. Bockig trat ich gegen ein Stein, durch den Untergrund jedoch wurde die Flugbahn abgelenkt und traf meinen Bruder direkt gegen das Schienbein. Mist, dachte ich, das musste wehgetan haben, doch er regte sich nicht. Und anstatt mit mir zu meckern, was ich lauthals getan hätte, zog er seinen Umhang ab und legte ihn mir über die Schultern.
„Wir gönnen dir ein wenig Pause, durch den Regen verwischen deine Spuren ohnehin...“ Fragend sah ich ihn an, wurde dann jedoch im nächsten Moment auf Kakashis Rücken geladen und musste mir ein erschrockenen, spitzen Schrei verkneifen, als er absprang und wir den Weg über die Bäume fortsetzen.  
„Ok, jetzt bin ich definitiv neidisch, das ist ja fast wie fliegen..“ Ich klang begeisterter als ich wollte, doch das Gefühl war berauschend, so frei hatte ich mich noch nie gefühlt, das wünschte ich mir auch. Mit der Leichtigkeit, die mein Bruder und die Anderen ausstrahlten, über die Dächer und Bäume springen. Es schienen keinerlei Naturgesetze zu gelten, sie trotzten der Schwerkraft.
„Das ist toll...“ ich jubelte kurz, lehnte mich dann nach vorn an den Rücken von Kakashi, spürte seine Wärme und mit einem Mal kehrte die Erschöpfung zurück.
Das rhythmische auf und ab unseres „Fluges“ schaukelte mich in den Schlaf, weshalb ich kaum mitbekam, wie lange wir uns durch den Wald bewegten.

Irgendwann wurde ich meinem Bruder wohl abgenommen, jedenfalls griffen von hinten Hände nach mir. Träge und verschlafen öffnete ich die Augen, wir befanden uns an einer relativ Regen geschützten Stelle und Yugao lehnte sich mit dem Rücken an einen der Baumstämme.
„Wir werden hier rasten...“ mein Bruder klang müde, wie ich fand, er strich sich die nassen Strähnen aus dem Gesicht und ließ sich nieder. Natürlich waren alle müde außer mir, ich hatte mich tragen lassen und war eingeschlafen. Kakashi hatte mich die letzten Stunden getragen, Yugao und Tenzou waren wie er die ganze Zeit gelaufen und es ärgerte mich. Entschloss nahm ich mir den Mantel von den Schultern und reichte ihn meinem Bruder zurück. „Hier, nimm ihn bitte zurück, du frierst doch auch sicherlich...“ verwundert sah er zu mir auf, er hatte eben aus einer seiner Taschen einige Pillen hervor gekramt und reichte sie in die Runde.
„Was ist das?“ Tenzou hatte seine Maske abgenommen und lächelte sanft.
„Das kennst du nicht.. das sind Nahrungspillen, unsere Ration für heute.“ Nun hielt Kakashi auch mir eine hin: „ Das ist nicht wie richtiges Essen, aber dein Körper erhält so zumindest alle wichtigen Nährstoffe...“ Ich biss mir auf die Zunge, auf keinen Fall würde ich mich jetzt darüber beschweren, dass es nichts vernünftiges zu Essen gab. Alle schluckten die Pille und ich tat es ihnen gleich.
Unschlüssig stand ich einige Augenblicke in der Gegend herum, während Tenzou und Yugao die Augen schlossen. Leise hockte ich mich neben meinen Bruder, der sein Sharingan freigelegt hatte und in den Wald hinaus blickte.
Inzwischen war es absolut dunkel geworden, der Regen hatte nicht nachgelassen und das Tropfen und rascheln in den Bäumen und Büschen machte mich nervös.
„ Mach dir keine Gedanken bisher gibt es keinen Anhalt dafür, dass er uns gefolgt ist...wahrscheinlich wird er erst in den nächsten Stunden bemerken, dass du das Dorf verlassen hast, wir haben also Vorsprung...“ Mein Bruder wirkte absolut ruhig und abgeklärt, weshalb ich mich in seine Nähe setzte, noch immer mit seinem Mantel in der Hand.
Ich fror, klapperte leicht mit den Zähnen, wollte mir es aber so wenig wie möglich anmerken lassen. Trotzdem seufzte Kakashi irgendwann: „ Komm her...“ Zögernd rutschte ich zu ihm hin, er zog mich an sich heran und lehnte meinen Kopf an seine Brust, dann breitete er den Mantel über mir aus: „ Wenn du dich erkältest, wird das alles nicht einfacher für uns...du musst bei Kräften bleiben, also ruhe dich aus...“ mir wurde wärmer, ich entspannte mich und genoss seine Nähe. So furchtbar die letzten Wochen und Monate für uns auch gewesen waren, diese kurzen Momente zwischen uns waren so intensiv, wie lange nicht.
„Was ist mit dir? Schläfst du nicht?“ ich klang schon wieder schlaftrunken, Himmel, es war aber auch alles anstrengend.
„Ich bin später dran, ruhe dich aus...“ Wie auch immer das gemeint war, mein Bruder würde wissen was er sagte. Mir fielen erneut die Augen zu und ich schlief ein.

Schon als ich die Augen wieder öffnete war mir klar, dass etwas anders war. Der unangenehme Druck in meinem Inneren war zurück gekehrt, das ausgeglichene Gefühl, wie weg.
Ich war erregt, wütend, einfach so ohne Grund. Mit meinem Ellenbogen stieß ich meinem Bruder unbeabsichtigt in die Seite, er musste eingenickt sein, denn er gab einen schlaftrunkenen Laut von sich, bevor er verwirrt in meine Richtung sah.
Panisch versuchte ich von ihm wegzurutschen, krabbelte, wie ein Krebs, einige Meter rückwärts.
„Es geht wieder los.. Kakashi....Ich spüre es... verschwinde bring dich weg von mir...“ ich rieb mir die Arme, wippte leicht vor und zurück, versuchte nicht daran zu denken was hätte passieren können. Mein Bruder verstand, reagierte allerdings anders als gedacht.
„Haltet sie fest, drückt sie auf den Boden...“ Ehe ich mich versah, sprangen mich Yugao und Tenzou an, griffen sich jeweils ein Bein und ein Arm und spickten mich fest auf den Boden, ich hatte keine Möglichkeit mich auch nur ein Zentimeter zu rühren.
Kakashi legte sein Sharingan frei, formte einige Fingerzeichen und legte dann seine weiß leuchtende Hand auf meinen Kopf.
„Wage es nicht mich zu berühren, du Monster...“ Ich zischte ihn wütend an: „ Wohin verschleppst du mich... willst du mich aussetzen und verhungern lassen?“ Ich wehrte mich soweit ich konnte, durch mein rasendes Inneres, brachte ich die Beiden auf mir sitzenden ins schwitzen.
Kakashi versuchte sich zu konzentrieren, während ich mich wild fauchend hin und her warf, sah mich dann plötzlich mit dem rotglühenden Auge an. Er fing mich mit dem Anblick, tauchte tief in mein Bewusstsein ein und ließ dann langsam das warme, weiße Chakra aus seiner Hand in meinen Kopf fließen. Minuten verstrichen bis ich spürte, dass mein aufgewühltes Innenleben sich zu beruhigen schien.
Wann ich die Augen geschlossen hatte wusste ich nicht, doch ich musste sie öffnen, um Kakashi ansehen zu können. Ihm standen die Schweißperlen auf der Stirn und er keuchte leicht vor Anstrengung: „ Das war schwieriger als beim letzten Mal...“ mühsam löste er sich von mir, schwankte einige Schritte zurück, bevor er sich fahrig den Schweiß von der Stirn wischte.
„Fühlst du dich besser?“ seine Stimme klang dünn, weshalb ich mich aufrappelte, nachdem mich Yugao und Tenzou wieder losgelassen hatten .
„Ja, aber was ist mit dir? Bitte, sag mir was ich machen kann...“ er stützte sich an dem Baum ab, an dem er eben noch gelehnt hatte und schüttelte seinen Kopf.
„Gib mir eine Sekunde...“
Tenzou legte seine Hand auf meine Schulter bedeutete mir, es gut sein zu lassen.
„Lass ihn ein Moment verschnaufen...“
Es dauerte gute 10 Minuten, bis sich die verkrampfte Haltung meines Bruders wieder etwas entspannte. Tenzou hatte mir gesagt, dass der Chakramangel bei Kakashi starke Übelkeit und Schwindel verursachte und ich war ehrlich, ich wollte dem nicht beiwohnen, wenn mein Bruder sich erbrechen musste, also ließ ich ihn.
Er atmete noch einmal tief durch, dann stieß er sich von dem Baum ab: „Wir brechen auf...“
Keiner seiner Kameraden gab Widerworte und ich fragte mich, ob keiner der Anderen sah, dass es meinem Bruder nicht gut ging. Ich biss mir auf die Lippe, das war meine Schuld.

Die weitere Reise setzten wir ein gemütliches Tempo an, meine Maskierten Begleiter blieben am Boden, dicht bei mir, passten sich meiner Geschwindigkeit an. Während Kakashi vorneweg schritt, blieb Yugao an meiner Seite und Tenzou leicht hinter uns, ich fühlte mich sicher.
Das Wetter war uns gnädiger gesonnen als noch gestern, der Regen hatte nach gelassen und die Sonne brach hier und dort durch die Wolkendecke. Dicke Dunstschwaden waberten über den Waldboden, tauchten alles in eine mystische Atmosphäre.
Der Weg wurde steiler, die Steigung erschwerte das Vorankommen und der rutschige Untergrund brachte mich immer wieder leicht aus dem Tritt.
„Komm ich helfe dir...“ Kakashi hatte sich zu mir umgedreht und streckte mir die Hand entgegen.
„Nein, vielen Dank.. Ich schaffe das schon...“ Ich würde ihm auf keinen Fall noch mehr zur Last fallen, außerdem konnte ich schon das kleine Dach der Hütte entdecken.
Es war Nachmittag, als wir an dem kleinen Häuschen ankamen. Mit einigen Mühen brachten wir die Tür auf, sie hatte sich durch die Feuchtigkeit verzogen und missmutig stellte ich fest, dass es nur einen Raum gab, wenig Möglichkeit sich aus dem Weg zu gehen. Die Einrichtung war eher spartanisch, nur ein Sofa, einige Kissen, ein Tisch und vier Stühle.  
Mein Bruder trat an mir vorbei, machte sich an dem Kamin zu schaffen und heizte ein. Binnen weniger Minuten wurde es herrlich warm, mit einem seichten Lächeln streckte ich mich auf dem Sofa aus, auf das ich mich gesetzt hatte. Yugao war in dem kleinen Bad verschwunden, während Tenzou an der kleinen Küchenzeile hantierte, eine zweite Feuerstelle entzündete und Wasser kochte.
Meinen Bruder hatte ich aus den Augen verloren, ich richtete mich auf und drehte meinen Kopf suchend, doch war er nirgends zu sehen. Wahrscheinlich war er nach draußen gegangen um Holz zu holen und tatsächlich dauerte es nicht lange, da erschien er wieder in der Tür.
„Mist Wetter...“ er schüttelte sich fluchend, es regnete wohl wieder. Ich grinste leicht, fühlte mich wohl für den Moment. Als Yugao aus dem Bad trat huschte ich hinein, es gab kein fließendes Wasser aber immerhin eine Regentonne vor dem Fenster die gut gefüllt war. Ich zuckte mit den Schultern, als Spülung würde es reichen.
Seufzend fuhr ich mir durch meine weißen Haare, sie waren durch den Regen und die hohe Luftfeuchtigkeit leicht kraus, standen noch mehr ab als sonst. Mein Spiegelbild war nicht sonderlich gnädig mit mir, wie ich fand, die Augenringe waren deutlich zusehen und auch die Male an meinem Hals, ließen mich nicht gesünder wirken. Doch ich würde mich nicht beschweren, mein Bruder tat das auch nicht und ich wusste, wie müde er sein musste. Ich bewunderte ihn.
Frustriert über meine Schwäche, ballte ich die Fäuste, wie sollte es nur weitergehen. Erneut stieß ich die Luft zwischen meinen Zähnen hindurch aus, sah dann noch mal zum Spiegel und versuchte ein fröhliches Gesicht zu machen. Die grinsende Fratze, die mir entgegen starrte, stimmte mich nicht wirklich heiter und ich beschloss es einfach zu lassen. Wahrscheinlich würde mir ohnehin niemand glauben, dass ich glücklich war.
Ich kehrte zurück in den Wohnraum und entdeckte Yugao und Tenzou über zwei Dampfenden Tassen Tee, mein Bruder hingegen brütete über der Karte. Er hatte sie wohl zum trocknen, auf seinen ausgestreckten Beinen, vor den Kamin gelegt, während er mit dem Rücken an der Wand lehnte. Ich ließ mich neben ihm nieder: „ Was macht dein Kreislauf?“ Verwundert wanderte seine Augenbraue nach oben: „ Geht schon...“
Etwas enttäuscht, dass er mich irgendwie abwies, zog ich die Knie nah an meine Brust und bettete mein Kinn auf meinen verschränkten Armen. Ich schwieg, er wollte nicht reden, also genoss ich seine Nähe solange wir sie hatten.
Plötzlich spürte ich ein Gewicht, dass sich gegen mich lehnte, weshalb ich erschrocken aufsah.
„Kakashi?“ erst im zweiten Moment sah ich, dass ihm die Augen zugefallen waren. Sanft lächelte ich, bewegte mich keinen Millimeter und ließ ihn einfach ruhen. Tja, sogar ein Superman, braucht wohl mal eine Pause.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast