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Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
28.04.2021 5.113
 
Hey ihr Lieben,
vielen Dank für eure tollen Feedbacks, ihr macht mich wirklich glücklich.
Nur weiter so :P
Ich hoffe ihr habt trotz allem weiterhin spaß beim Lesen und verzeiht mir, die gratis enthaltenen Fehler *hust* XD
Liebste Grüße Kitana


4.

Die Witterungsverhältnisse wurden kühler, man konnte den nahenden Winter förmlich riechen, doch so kalt, wie es bei mir zu Hause war, konnte es draußen gar nicht werden.
Ich wusste, wie sehr ich Kakashi verletzt haben musste, schließlich hat mir Mana erzählt, wie sehr Kakashi mich brauchte. Nicht nur das, auch der Hokage beschwor mich meinem Bruder Wärme zu geben, Nähe zu zeigen. Das ich nicht lachte. Mein Bruder war ein Eisklotz, keiner der Anderen machte sich ein Bild davon, wie es war, mit einem gefrorenen Klumpen Herz auf Tuchfühlung gehen zu wollen. Langsam aber sicher wurde es mir alles zu anstrengend, schließlich war ich auch erst 12 Jahre alt, warum lag es in meiner Verantwortung, was aus meinem Bruder wurde? Mit Schwung holte ich aus und warf einen Stein, über das Brückengeländer vor dem ich saß, in den Fluss, der sich an Konoha vorbei schlängelte. Die Brückenbretter, unter mir, gerieten leicht in Schwingung, wenn jemand darüber lief. Bei jedem Passanten hoffte ich irgendwie, das mein Bruder hinter mir auftauchen würde, so wie früher, doch er tat es nicht. Warum sollte er auch, der kalte Hatake Kakashi war tatsächlich beleidigt. Ich biss mir auf die Lippen, warum nur konnte ich mich nicht zügeln.
Es waren seit meiner „Ich hasse dich“ Offenbarung vier Monate vergangen, in denen er nicht ein Wort mit mir gewechselt hatte. Zwei Mal hatte er eingegriffen, als ich kurz davor gewesen bin mich wirklich schwer zu verletzen, weshalb ich gerade jetzt kurzzeitig an dem Gedanken festhielt, mich in die Fluten zu stürzen, nur damit er mich umarmt. Wenn ich früher angenommen hatte, es wäre kalt zwischen uns, verstehe ich erst jetzt was Kälte eigentlich bedeutete. Es tat weh, furchtbar weh. Mein Herz zog sich zusammen, ich war dumm, so furchtbar dumm. Doch jedes Mal wenn ich ein funkeln Liebe für meinen Bruder tief in mir verspürte, wuchs der Hass auf ihn ein Stück mehr. Ich konnte fühlen, wie der Hass sich durch meine Adern zog, mir kraft verlieh, die ich so nicht kannte und mich davon überzeugte, etwas anderes sein zu können, als das, was Kakashi aus mir gemacht hatte. Und ich wollte es, ich wollte es so sehr, dass ich mein schlechtes Gewissen vergaß. Alles um mich herum verschwamm, verlor an Bedeutung. Seine Gefühle, sein Leben, unsere Gemeinsamkeit, nichts hatte mehr Gewicht, es zählte einzig die Macht, die mir der Hass bot.
Erneut bebte der Untergrund auf dem ich saß und ein Schatten baute sich hinter mir auf.
„Was bläst du denn hier so Trübsal Hira..?“
Ich drehte mich um und sah gegen die untergehende Sonne, nur dunkel, die Umrisse einer mir bekannten Person.
„Guten Abend Ori-Sensei... Ach, es gab Streit zu Hause und ich bin Schuld daran...Ich glaube ich habe jemanden sehr verletzt“  Mein Sensei war in den letzten Jahren der einzige gewesen, bei dem ich das Gefühl hatte wirklich verstanden zu werden. Und gerade in den vergangenen zwei Jahren, wuchs die Vertrautheit zwischen uns. Seine Stimme in meinen Ohren löste ein Wirbel an befreienden Gefühlen in mir aus.
Er trat näher an mich heran, die Wut in mir wuchs, der Hass kehrte zurück und ich schüttelte den Kopf, obwohl ich das kribbelnde pulsieren des Adrenalins genoss.
„Meinst du nicht, dass der Andere seinen Teil dazu beigetragen hat? Man ist doch an einem Streit nie nur alleine Schuld...“
Beruhigend, leicht säuselnd sprach er mit mir und ich empfand seine Worte als richtig. Kakashi hatte mich verraten, mir meine Kräfte genommen und mich nun auch noch schutzlos zurück gelassen. Wieder schüttelte ich den Kopf, nein ich wollte meinen Bruder zurück, ich versuchte mich daran zu erinnern, dass er es immer gut mit mir meinte. Bilder flackerten vor meinem Inneren Auge umher. Mein Bruder, wie er sich bemühte zu kochen und die Wäsche zu machen, Nachts wenn ich schon schlief, obwohl er zum umfallen müde gewesen sein musste. Im nächsten Moment jedoch sah ich ihn mit erhobenen Schwert in einer Lake aus Blut, welches aus dem verendeten Körper vor seinen Füßen floss. Ein Lachen unter seiner Maske deutlich zu erkennen, die Augen blitzten vor Mordlust und Blutdurst, er hatte etwas monströses, dass ich nicht abschütteln konnte. Ein Kälteschauer durchfuhr mich und ich zitterte kurz.
Der Mann hinter mir, stellte sich neben mich und lehnte sich an die Brüstung.
„Ich weiß wie schwierig es in deinem Alter sein muss, zu akzeptieren, dass einige Dinge nicht so gelaufen sind wie sie sollten...Wenn dann auch noch die engsten Leute etwas damit zu tun haben, das zerreißt einen..“ Mein Sensei wirkte verständnisvoll, blickte mitfühlend auf mich hinab.
Er hatte recht, Ori-Sensei, sprach das aus, was ich empfand und für einen kurzen Moment schwappte die Dunkle Welle des Hasses über mich hinweg. Ich fühlte mich stark und selbstsicher wie noch nie, der Weg, der vor mir lag, schien klarer zu werden und schon in der nächsten Sekunde war der Moment vorbei.
„Hira, ich nehme mich gern deiner an...Ich bringe dir bei, wie man sich verteidigt und wie es dir möglich ist, an deine verborgenen Kräfte zu gelangen.“
Vor Ori-Sensei hatte ich keine Angst, ich kannte ihn schon fünf Jahre, in seiner Gegenwart erlangte ich eine Klarheit, die mir niemand sonst geben konnte. Ich richtete mich auf und lächelte ihn an.
„Ja, das würde ich gut finden...“
Er lächelte mich an, nickte stumm und ging seines Weges. Während ich ihm nachsah wirbelte der Wind seine langen schwarzen Haare auf, er kam mir vor wie ein Engel, ein dunkler Engel, der nur für mich da war.

Erst als er vollständig verschwunden war, bewegte ich mich nach Hause, in der Erwartung alleine zu sein, wie die letzten Wochen eigentlich fast immer. Kakashi kam, wenn überhaupt, nur zum duschen nach Hause. Ich sah ihn nicht mehr essen, kaum schlafen und genau so wirkte er wohl auch auf Mana-San. Vor zwei Tagen war sie auf mich zu gekommen, hatte das Gespräch gesucht, doch ich hatte sie abgewiesen. Sie wollte mir wieder erzählen, wie gut mein Bruder war und dass ich mir doch überlegen sollte mit ihm zu sprechen, ich ließ es an mir abprallen.
Meine Sicht schränkte sich ein und ich gewann die Überzeugung, dass mein Bruder und ich keine gemeinsame Zukunft mehr haben würden.
Zu Hause angekommen, bot sich mir ein äußerst seltenes Bild, weshalb ich mir die Augen rieb und versuchte es zu vertreiben. Mein Bruder lag mit einem Buch in der Hand auf der Couch und las.
„Was wird denn das, wenn es fertig ist?“ schnippisch warf ich ihm die Worte an den Kopf ohne „Hallo“ oder „Schön dich zu sehen“. Im Grunde freute ich mich nicht darüber ihn zu sehen, es wurde mir immer unerträglicher in seiner Nähe. Er ließ das Buch sinken, blickte mich an, bevor er sich seufzend aufrichtete und schwerfällig zum stehen kam. Wieder gab er kein Ton von sich, stellte das Buch ins Regal und verließ den Raum.
„Das kannst du prima, davon laufen und dich um nichts mehr kümmern, wenn es schwierig wird...“ ich gab ein abwertendes Schnauben von mir, sein Verhalten war mir zuwider und ich verstand nicht, warum er nicht mit mir in die Konfrontation ging.
Er war noch nicht ganz aus dem Raum, drehte sich zu mir um und ich fragte mich plötzlich ob der Ausdruck in seinem Gesicht schon die ganze Zeit so unglaublich verletzt gewesen war.
Mein Kopf begann zu brummen, zu dem Hass und der Abneigung, die ich empfand, gesellte sich wieder ein Warmer Hauch Liebe. Meine Brust schmerzte, ich fühlte mich benommen, die letzten Wochen wirkten so weit weg. Leise ächzend setzte ich mich auf das Sofa, kurze Sequenzen erschienen vor meinem Inneren Auge, Szenen aus den vergangenen Wochen, die ich anscheinend verdrängt hatte. Kakashi hatte versucht mit mir das Gespräch zu suchen, ähnlich wie Mana. Er hatte es versucht und ich hatte ihn auf die übelste Art abblitzen lassen.

„Du bist doch das letzte, dich jetzt noch so ein schleimen zu wollen..“ hatte ich zu ihm gesagt, als er mir Essen kochte und hinstellte. „Ich will zumindest hoffen, dass ich mir beim Essen nicht auch noch dein Gesicht angucken muss.. davon wird mir schlecht..“ seine Augen hatten sich geweitet, sein Essen blieb unangetastet an Ort und Stelle.
An einem anderen Tag, war er müde von einer Mission gekommen, legte sich auf die Couch und schloss die Augen für einen moment, als ich ihn anfuhr: „ Ist das dein Ernst? Verlangst du jetzt wirklich, dass ich um zwölf Uhr Mittags Muchs- Mäuschen- Still durch die Wohnung schleiche...geh in dein Zimmer...“
Einmal hatte ich ihm seine dreckige, Blut durchtränkte Wäsche in sein Zimmer geworfen: „ Ehhh, das ist ja ekelhaft...“ Ich hatte ihm nicht mal die Möglichkeit gegeben, richtig anzukommen, sich saubere Kleidung zu nehmen. Ich hatte nicht hinterfragt ob das ganze Blut an seiner Kleidung vielleicht sogar zum Teil von ihm stammte, es war mir egal.

Die Erinnerungen brachen über mich herein, wie konnte ich das die letzten Wochen von mir schieben und bei Kami, was war nur los mit mir? Nur verschwommen nahm ich wahr, wie er zu mir herüber kam, ich sah wie sich seine Lippen bewegten, doch konnte ich nicht verstehen was er sagte.
Mir wurde schlecht, die Kopfschmerzen nahmen zu und mir wurde schwindelig. Verzweifelt griff ich nach ihm, klammerte mich krampfhaft an seinen Schultern fest.
Wenige Sekunden später durchfuhr mich die nächste Welle meiner Hassgefühle, stärker als jemals zuvor. Ich holte aus und traf meinen Bruder, völlig unvorbereitet, in der Magengegend.
Er keucht auf. Der zweite Schlag ging gegen seinen Brustkorb, versetzte ihm einen solchen Stoß, dass er zurück taumelte und benommen an der Wand zu Boden glitt.
„Glaubst du wirklich, dass deine Anwesenheit ausreicht, um mich von meinen Plänen abzuhalten?“ Der kalte Tonfall, ließ mich selbst zusammen zucken. Die seltsam verzerrte Stimme aus meinem Mund wirkte so unendlich fremd und ich fühlte mich, als hätte ich weder Kontrolle über das was ich sagte, noch über das was ich tat. Wie ferngesteuert musste ich dabei zusehen, wie mein Körper sich in Bewegung setzte, meinen Bruder bei den Haaren packte und seinen Kopf zurück riss.
„Das weiße Chakra, kann nicht auf Dauer zurück gehalten werden. Ich werde es befreien und dann werde ich dir zeigen wozu ich im Stande bin Bruder...“ Mein Körper kniete sich hin, holte erneut aus, schlug einige weitere Male zu, bis Kakashi erschlaffte.

Am nächsten Morgen erwachte ich in meinem Bett und hatte den bitteren Wunsch, dass alles was gestern geschehen war, nur in meinem Traum passierte. Ich erhob mich und begab mich ins Bad. Die Tür von Kakashis Zimmer stand offen, doch waren keine Geräusche zu hören, weshalb ich davon ausging, dass er sich wohl wieder aufgemacht hatte die Welt zu retten. Meine Gedanken waren heute außergewöhnlich friedlich angelegt und ich fühlte mich ausgeglichener, als noch gestern. Das Wasser der Dusche machte mich beschwingt und ich hoffte, der Tag würde einen ruhigen Verlauf nehmen.
Ich stieg gerade aus der Dusche, als es an der Tür klingelte. Mit eiligen Schritten lief ich zur Tür, versicherte gleich zu öffnen, legte Kleidung an und tat was ich versprach.
„Hokage-Sama...? Was verschafft mir die Ehre?“ ich verneigte mich und sah in das ernste Gesicht von Kakashis Vorgesetzten.
„Nun kleine Hira, ich bin auf der Suche nach deinem Bruder...Er hätte sich bereits vor drei Stunden bei mir melden sollen...“ irritiert musterte ich den älteren Herren, typischerweise hatte er seine Pfeife in der Hand und ließ seine wachen Augen durch die Wohnung streifen.
„Vielleicht kommen sie erst einmal rein?“ mein Herz begann schneller zu schlagen, wieso musste der Hokage nach Kakashi suchen? Wo war er? Der gestrige Abend erschien vor mir und langsam Dämmerte es mir, dass das alles vielleicht kein Traum gewesen war. Nur was war passiert, nachdem Kakashi bewusstlos wurde? Ich war in meinem Bett wieder aufgewacht. Mir wurde heiß und kalt.
„Nein, das ist nicht nötig...wenn du ihn siehst, sag ihm bitte, dass wir nach ihm suchen...Es ist äußerst ungewöhnlich für ihn, einfach so zu verschwinden...“ Ich nickte bestätigend, das empfand ich genau so. Im Moment war einfach alles äußerst merkwürdig.
Ich versuchte mich zu beruhigen, als die Tür sich geschlossen hatte und ging zurück ins Bad, um die Handtücher aufzuhängen. Mit ein wenig Schwung drehte ich mich zum Waschbecken und stieß mit meinem Fuß gegen etwas schweres am Boden. Ein merkwürdig saurer Geruch kroch in meine Nase, den hatte ich vorhin nicht gerochen und noch während ich meine Blick nach unten senkte, um zu schauen gegen was ich da getreten hatte, durchfuhr es mich wie ein Blitz.
Vor meinen Füßen lag Kakashi, zusammen gekauert. Offensichtlich hatte er sich mehrfach erbrochen, was wohl den doch stattgefundenen Schlägen in die Magengrube zuzuschreiben war und rührte sich nicht. Mir entkam ein Schrei, ich hatte mich beinahe eine Stunde in dem Badezimmer aufgehalten, musste mehrfach einfach über den am Boden liegenden Körper hinweg gestiegen sein, ohne Notiz davon zu nehmen. Ich ging neben ihm in die Knie: „ Kakashi? Bitte, hörst du mich?“ ich rüttelte so fest wie ich konnte an ihm.
Es dauerte, für meinen Geschmack viel zu lange, bis ein gequälter Laut aus seiner Kehle zu hören war, er die Augen öffnete und sich aufrappelte.
„Langsam fange ich an zu verstehen...“ er sah mich durchdringend an, sein Sharigan fixierte mich und ich erinnerte mich daran, dass auch gestern sein Auge freigelegt gewesen war.
„Sag mir wie lange du ihn schon kennst?“ ich blinzelte einige Male, überlegte kurz was er meinen könnte. „Wen meinst du?“
„Den Mann mit den langen schwarzen Haaren...“ Das rote Auge meines Bruders starrte mich an, die tropfenförmigen schwarzen Punkte tanzten um seine Pupille, weshalb meine Augen sich vor Wut verengten.
„Was geht dich das an?“ die Kälte in meiner Stimme war zurück, beton lässig setzte ich mich in Bewegung und lehnte mich in den Türrahmen.
„Er manipuliert dich..“ Ich lachte schrill auf und musterte ihn abschätzend, das sagte ausgerechnet der, der mich mit diesem komischen hypnotisierenden Dings-Bums Auge fixierte?
„Das was du die ganzen Jahre getan hast war Manipulation, du hast mir etwas vorgespielt, um dein Gewissen zu beruhigen. Du hast mir Dinge vorenthalten aus Angst, ich könnte dich abweisen und du biederst dich an, mit allem was du angeblich für mich tust.“ ich spie die Worte regelrecht und erneut war ich mir selber fremd, ich ritt auf einer Welle aus negativen Emotionen, bündelte allen Hass den ich in mir trug und ließ ihn an Kakashi aus.
Wie von selbst bewegte sich meine Hand auf den Knopf der Spülung: „ Dein Leben geht genauso den Bach runter Kakashi, wie deine Kotze.“ Ich schmiss die Tür vor seiner Nase zu und schloss ab.

Das nächste woran ich mich erinnerte, war wie ich zusammengekauert, schweißgebadet in der Küche auf dem Boden saß und wie eine Irre vor und zurück wippte.
Was war passiert, nachdem ich die Tür abgeschlossen hatte? Wo war der Schlüssel? Wie es Kakashi wohl ging? Doch ich traute mich nicht näher an ihn heran, er schien, wie eine Art Trigger, der Auslöser für meinen „Anfälle“ zu sein. Jedes Mal in seiner Nähe verlor ich die Kontrolle über mich, die Auswüchse wurden immer unbeherrschter und ich fürchtete mich davor ihm wirklich etwas anzutun, mehr als ich ohnehin schon hatte. Kakashi hingegen schien die Situation durchschaut zu haben, nur warum wollte er Ori-Sensei von mir fern halten?
Erschrocken fuhr ich zusammen, als ich das klicken eines Schlosses hörte und im Anschluss wie sich die Badezimmertür, mit diesem typischen leisen Pfeifen, öffnete. Mein Bruder hatte wohl das Schloss geknackt und sich selbst befreit, als ich aufblickte, stand er blass und ziemlich mitgenommen vor mir. Ich konnte sehen, dass er schmerzen hatte, vielleicht hatte ich ihm eine Rippe gebrochen, wer wusste das schon wirklich, wo zu ich in der Lage war.
„Wie lange Hira?.. Wie lange stehst du schon in Kontakt mit ihm..?“ er bemühte sich wirklich eine feste Stimme zustande zubringen, doch man hörte, Erschöpfung, Schmerz und Zorn.
Ich schnaubte: „ Er ist mein Lehrer Kakashi...rechne es dir aus...“ ich warf die Hände in die Luft und wich seinem Blick aus, sein rotes Auge machte mir Angst. Ich fühlte mich unwohl, wenn er mich damit ansah, weil ich das Gefühl hatte, dass er in mein tiefstes Inneres sehen könnte damit. Kakashi trat etwas mehr ins Licht, die herein strahlende Morgensonne legte ungünstige Schatten auf sein Gesicht, er wirkte kränklich und ausgemergelt. Wahrscheinlich lag es an mir, die letzten vier Monate waren schlimmer, als alle Streitereien, die ich sonst mit ihm angefangen hatte. Und was waren das alles für Gründe. Er hatte mir nicht die Lieblings Kleidung gewaschen, das falsche Essen gekocht. Ich fühlte mich häufig alleine, weil er, wie ich fand, ständig weg war und er in meinen Augen einfach nie das machte was ich gerade brauchte.
Ich spürte wie bei meinen Überlegungen die Wut wieder aufkeimte, die Wut auf ihn, dass ich ein schlechtes Gewissen hatte. Wie oft, hatte mein Bruder einfach mal das gemacht wonach ihm war? Wie viele Nächte schlug er sich meinetwegen um die Ohren, um nach seinen Missionen zu Hause wieder für geordnete Verhältnisse zu sorgen?
Boah, ich hasste es wenn es soweit kam, ich zermarterte mir das Hirn. Fragen über Fragen, die ich mir selber einfach nicht beantworten wollte. Die Antworten wogen schwer und es tat weh.
Einige weitere Sekunden starrte er stumm auf mich nieder, dann setzte er wieder an: „Wir werden ihn in Zukunft von dir fern halten, bis auf weiteres wirst du die Wohnung nicht verlassen und ich werde mein Team darauf ansetzen...“
Fassungslos wanderten meine Augenbrauen nach oben: „ Bitte Was??“
„Ich werde mir das nicht länger mit ansehen... Das bist doch nicht du Hira...Oder hasst du mich wirklich so sehr?“ Ich erstarrte, spürte wie der Hass hoch kochte, doch im Grunde hatte mein Bruder recht, das war nicht ich. Egal wie wütend ich auf mein Bruder war, wegen dem was er damals in mir versiegelt hatte, Hass gehörte nicht zu mir.
Ein animalischer Schrei entfuhr mir, während ich meine Finger zu Krallen bog und meinen Bruder ansprang: „ Nichts und Niemand wird mich von ihm fern halten...“
Mit einer flinken Bewegung griff ich in seinen Beinbeutel, zog eine seiner Waffen hervor und rammte sie ihm in die Schulter. Sein Gesicht blieb Ausdruckslos, kein Schmerzenslaut entkam ihm und ich fragte mich warum das so war. Kakashi hingegen nutzte den kurzen Moment meiner Verwirrung, drehte sich über mich und schlug mir so fest ins Gesicht, dass mir schwarz vor Augen wurde.

Meine Erinnerungen setzten an dem Punkt wieder ein, an dem ich wie eine wild gewordene Katze mit den Fingernägeln an meiner Zimmertür kratzte. Blutige Streifen waren bereits an dem Holz zu entdecken, doch wusste ich nicht mehr wirklich, wie lange ich das bereits machte.
Stimmen drangen dumpf durch das Holz an mein Ohr, da war mein Bruder.
„Mir blieb nichts anderes über, als sie vorerst einzusperren, das ist jedoch keine Dauerlösung...“
Dann hörte ich die Stimme von Yugao: „ Senpai, sie hat sie ordentlich erwischt, ein Stück weiter unten und ihre Lungen währen in Mitleidenschaft gezogen worden.“
Ich atmete erleichtert aus, ich hatte ihn zumindest nicht lebensgefährlich verletzt.
„Senpai sie sehen verdammt scheiße aus, was geht hier vor sich? Und wann haben sie das letzte Mal geschlafen?“ die verboten ehrliche Einschätzung Tenzous brachte mich zum schmunzeln und machte mich gleichzeitig traurig. Mein Bruder litt wegen mir und ich wusste nicht mal, was genau ich da eigentlich tat, oder warum.
„Ich werde zu ihr rein gehen und mit ihr sprechen, Kakashi du ziehst dich bitte zurück..Es ist momentan wohl nicht gut, wenn ihr beide aufeinander trefft.“
Ich biss mir auf die Unterlippe, das war eindeutig der Hokage.
„Einverstanden, ich glaube ich lege mich etwas hin. Wenn ihr mich braucht...?“
Kakashi ließ den Satz offen und schien sich zu entfernen. Er musste sich wirklich schieße fühlen, wenn er ohne weitere Widerworte das Feld räumte und anderen die Angelegenheit überließ.
„Das ist eine Gute Idee Kakashi.. wenn etwas sein sollte geben wir dir Bescheid...“
Ich konnte den Hokage förmlich warm lächeln sehen, während er sprach und meinen Bruder entließ. Und ich spürte wie der Druck von mir abfiel, als ein bisschen mehr Abstand zwischen Kakashi und mir entstand. Er war also ins Wohnzimmer gegangen, nicht in sein Zimmer und ich hörte wie die Tür geschlossen wurde. Eigentlich war sie immer offen, doch er schaffte so viel Barriere zwischen uns, wie ihm in der Wohnung zur Verfügung stand und es beruhigte mich.
Ich zuckte zusammen, als es leise klopfte und die gedämpfte Stimme des Hokage durch die Tür drang.
„Hira, kann ich rein kommen?“ anstatt zu antworten öffnete ich zaghaft die Tür einen Spalt breit.
„Ich weiß nicht ob das gut ist... ich bin momentan nicht ich selbst...ich möchte niemanden verletzen...“ Meine Stimme war weit entfernt von fest, sie bebte und ich musste mir das Schluchzen verkneifen, am Liebsten hätte ich die Tür aufgerissen und wäre dem alten Mann heulend in die Arme gefallen. Der Hokage nickte lächelnd: „ Wenn es dir sicherer erscheint, können wir uns gern erst mal so unterhalten...“
„Ist Kakashi schlimm verletzt?“ Einige Sekunden verzog sich das Gesicht des Hokage, dann seufzte er: „ Möchtest du die Wahrheit wissen?“ Ich nickte.
„Er hat ziemliches Glück gehabt, wenn du ihn schlimmer getroffen hättest, hätte er den Weg zu uns nicht geschafft... dann hätte man ihm wahrscheinlich nicht mehr helfen können....“
Ich begann zu zittern, mal wieder, fühlte mich schwach und hilflos, die Fragen nach dem Warum schwirrten mir im Kopf umher und langsam aber sicher spürte ich wieder Wut in mir.
„Bitte, ich will das alles nicht....Warum geschieht das?...Ich werde schon wieder wütend, ich kann es nicht unterdrücken...“ Ich sah hilfesuchend zu den Dreien vor meiner Tür, ich flehte min meinem Blick, doch keiner von ihnen schien etwas unternehmen zu können.
„Kleines, versuch ruhig zu bleiben, wir lassen euch damit nicht alleine...Doch vorerst musst du in deinem Zimmer bleiben, bevor noch schlimmeres passiert ok?“ Ich wollte nicken, ihm sagen, dass es ok war, dass ich nicht wollte, dass Kakashi etwas passierte, doch aus meinem Mund kam nur ein hämisches Lachen: „ Glaubt ihr wirklich ihr könnt mich hier fest halten? Denkt ihr wirklich eine Hölzerne Tür wird mich in Schach halten? Ich werde meinen Bruder bluten lassen für das was er mir angetan hat, er wird leiden, so wie ich gelitten habe und er wird sterben, qualvoll und langsam...Immer ein Stückchen mehr...“ Mein Körper wollte die Tür aufreißen, sich auf den Hokage stürzen und ihm den Hals, um den ich eben noch fallen wollte, zerbrechen wie ein Streichholz.
Ein Windstoß hielt mich davon ab, ich wurde ins Zimmer geschleudert, keine Sekunde später wurde die Tür verschlossen und wenn ich das richtig hörte verbarrikadiert.
Im Augenwinkel hatte ich meinen Bruder erkannt, sein rotes Auge lag auf mir, wahrscheinlich hatte er erkannt, was als nächstes hätte passieren können und ich war dankbar, dass er mich aufgehalten hatte.
Vor der Tür wurde es unruhig, ich hörte wie sie mehrfach den Namen meines Bruders riefen, dieser aber nicht antwortete. Ich sank in die Knie und wippte erneut vor und zurück, versuchte mich zu beruhigen, an alles zu denken nur nicht an meinen Bruder.

Es war bereits dunkel, als die Tür vorsichtig aufgeschlossen wurde. Ich kauerte noch immer auf dem Boden in einer Ecke, sah nicht auf, wusste aber, dass Mana-San neben mir stand. Mir wurde langsam kalt hier unten dennoch traute ich mich nicht mich auch nur einen Zentimeter zu bewegen.  
„Hira Kindchen, geht es dir gut?“ Sie griff nach meinen Händen. Das Blut an meinen Fingern war inzwischen geronnen, sie schmerzten, doch war es ein Klacks zu dem Schmerz, den mir mein Herz verursachte.
„Mana-San?“ sie horchte auf, anscheinend glücklich, dass ich normal mit ihr sprach, dass ich überhaupt sprach.
„Ja Kleines, wir sind da, wir sind alle da... keiner lässt dich allein...“ Ihre Arme schlossen sich um mich und ich weinte bitterlich. „Bin ich ein Monster?“
Sie schüttelte vehement den Kopf ich konnte ihre Bewegungen an meinem Kopf spüren.
„Nein, du bist kein Monster...Ka..Wir gehen davon aus, dass der Mann mit dem du dich getroffen hast, dein Lehrer, etwas in dir auslöst. Wir wissen nur noch nicht warum das geschieht...“ Ich nickte erschöpft, das Heulen machte mich träge und müde.
„Wie geht es ihm..?“ Mana-San lachte leise, das kehlige Geräusch aus ihrer Brust ließ mich schmunzeln. „Keine Sorge, er ist ziemlich hart im nehmen... Seine Kameradin hat ihn zum Ausruhen verdonnert.. Und das solltest du auch tun...hier“ Sie stellte mir ein Tablett mit etwas zu Essen und trinken hin.
„Stärk dich ein bisschen und dann versuch zu schlafen...“  Ich lehnte mich erneut an ihre Brust, genoss die menschliche Nähe, atmete tief durch und versuchte mich zu entspannen.
„Kann ich nach ihm sehen? Ich muss wissen, dass es ihm gut geht...“ Einige Sekunden blieb es still und ich befürchtete, Mana würde das für keine gute Idee halten und ablehnen, vielleicht war es auch töricht zu glauben ich könnte mich für den Moment kontrollieren. Nur egal wie, ich musste mich davon überzeugen, dass er atmete und lebte, dass ich ihn nicht so schwer verletzt hatte, dass er starb.  Dieses ewige hin und her in mir, zermürbte mich, ich spürte wie ich Stück für Stück daran zerbrach. Auf der einen Seite liebte ich meinen Bruder, wusste was für ein guter Kerl er war und schätzte ihn für das was er all die Jahre auf sich genommen hatte. Doch die Andere Seite, die dunkle Seite in mir dürstete nach seinem Blut, forderte Rache.
Mana nahm mich bei der Hand: „ Wenn du ganz fest hältst und nicht los lässt, sehen wir kurz nach ihm...“ Dankbar lächelte ich sie an, während sie mich aus dem Zimmer führte und mit mir das Wohnzimmer betrat. Yugao und Tenzou hatte es sich auf jeweils einem Sessel gemütlich gemacht, spannten sich augenblicklich an, als ich hinter Mana erschien. Mein Bruder lag ausgestreckt auf der Couch, die Augen hielt er geschlossen und er atmete. Einige Sekunden betrachtete ich das friedliche Bild, lächelte sanft und spürte die Wärme in mir für ihn. Doch genauso schnell wie die Wärme aufkam, drängte sich die Kälte hinzu.
„Bring mich weg....“ ich machte auf dem Absatz kehrt, rannte förmlich in mein Zimmer: „ Schließ mich ein..“ schrie ich panisch, keinen Augenblick zu spät hörte ich das Klicken des Schlosses, denn in der nächsten Sekunde sprang ich gegen die Tür, riss an ihr, warf mich immer wieder da gegen.
„Ich bringe dich um, aber nicht im Schlaf, ich will dein Gesicht sehen, sehen wie du leidest...Jede Sekunde davon auskosten...Fühl dich nur in Sicherheit, doch niemand von euch wird mir das Wasserreichen können....“ Mein Tobsuchtsanfall dauerte für mich Stunden, es fühlte sich an, als würde es nie enden und mir kam es so vor, als würde es jedes Mal länger dauern, bis ich zumindest ein Teil meiner Kontrolle zurück gewann. Jedes mal ein Stückchen weniger.
Langsam kam mein innerer Dämon zur Ruhe und ließ mich verschnaufen, ich beruhigte mich selber mit dem Gedanken, dass ich meinen Bruder gesehen hatte. Mit bebenden Muskeln kroch ich in mein Bett, freute mich über die Tatsache, dass der Tag endlich ein Ende genommen hatte und ich nun endlich schlafen durfte.

Frierend erwachte ich in einer dunklen Höhle. Es regnet in strömen, meine nackten Füße waren matschig und fühlten sich an, als wäre ich Kilometer auf ihnen durch den Wald gelaufen. Ich blinzelte, musste feststellen, dass das wahrscheinlich nicht so weit hergeholt war. Mein Körper hatte sich, während ich wohl schlief, alleine auf den Weg gemacht, mich an diesen Ort gebracht.
Ich hatte Angst, sie raubte mir beinahe den Atem, weshalb ich mich leicht hechelnd auf den Boden hockte, von dem ich mich eben erst erhoben hatte und wartete bis die Panikattacke vorüber war. Sie wollte und wollte einfach nicht aufhören, mein Sichtfeld schränkte sich bereits ein, ich spürte, dass ich durch meine Hyperventilation gleich Bewusstlos werden würde, nur das würde bedeuten erneut die Kontrolle über mich zu verlieren. Ich biss mir mit aller Kraft in die Hand, fest genug um den metallischen Geschmack nach Blut auf meiner Zunge zu spüren, fest genug um einen Abdruck zu hinterlassen und fest genug, um endlich wieder ruhiger Atmen zu können. Meine silbrigen Haare hingen in langen dunkelgrauen Strähnen an meinem Kopf herab, mein dunkelblaues Nachthemd klebte an meinem Körper und mit jeder verstreichenden Sekunde fühlte ich mich elender. Die Kälte aus dem Boden kroch über meine Füße, meine Beine hinauf, sammelte sich in meinem Bauch, bevor sie sich langsam aufmachte, meinen Rücken entlangzuziehen und mir einen Schauer nach dem Anderen zu verpassen. Ich spürte, wie sie sich in meinem Nacken bündelte, brennend wie Feuer, sich auf einem Punkt in meiner Wirbelsäule konzentrierte und ein gleißenden Schmerz auslöste. Ich schrie auf, der Schmerz trieb mir die Tränen in die Augen, verhinderte, dass ich klar denken konnte. Blitzartige Lichtpunkte zuckten vor meinen Augen, sprühten aus meinem Körper, tauchten alles um mich herum in ein helles weißes Licht. Einige Sekunden kam ich nicht drumherum das Schauspiel als schön zu befinden , bevor der gleißende Schmerz zurück kehrte und ich erneut nach Luft schnappend, krampfhaft versuchte an Sauerstoff zu gelangen.
Die Atmosphäre knisterte, die elektrische Spannung schien darauf zu warten, dass sie entladen wurde und für den Bruchteil einer Sekunde schien alles in meiner unmittelbaren Umgebung eingefroren zu sein. Die Tropfen des Regens hingen schwer in der Luft, als hätte man sie aufgefädelt und als Dekoration dort platziert. Es war absolut still.
Plötzlich setzten die Geräusche wieder ein, die Spannung in der Luft entlud sich mit einem Ohrenbetäubenden Knall und der Donner grollte weit in den Wald hinaus.

Leise lachend löste sich eine Gestalt hinter mir aus den Schatten, sie applaudierte und mir stellten sich die Nackenhaare auf. Ori-Sensei grinste hämisch und sah mich aus seinen kalten Augen an: „Das war beeindruckend, wie eine Naturgewalt die entfesselt werden möchte und von niemandem mehr aufzuhalten ist...“ er raunte mir ins Ohr, die Wellen meines Hasses breiteten sich aus, schlugen gegen alles und jeden und ich spürte wie es sich in seiner Gegenwart verstärkte. Mein Körper zitterte, die Energie, die aus mir strömte, ließen jeden einzelnen meiner Muskeln bis zum bersten gespannt zurück und es schmerzte, jede Faser meines Körpers brannte.
Die kühlen, langen Finger legten sich schlangenartig um meinen Nacken, pressten sich fest hinein und ich fühlte wie etwas aus mir gezogen wurde, etwas was mir im Nachhinein wie ein rettender Anker vor kam. Ich schrie erneut auf, während mir der letzten Funken Kontrolle gewaltsam entrissen wurde.
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