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Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
26.04.2021 7.910
 
Hey ihr Lieben,
wie schön, dass ihr alle fleißig lest und über Feedback freu ich mich immer ganz besonders, egal in welcher Form. Sei es Kommentare, Sternchen oder Favoriteneinträge.
Ihr seid Super.
Nun Viel Spaß mit dem nächsten emotionalen Kapitel
Liebste Grüße Kitana


3.

Wie aus einem engen Kokon musste ich mich am nächsten Morgen schälen, um an Luft, Licht und das Wasserglas neben mir auf dem Schränkchen zu kommen. Mein Hals fühlte sich trocken an und ich fragte mich ernsthaft, wie ich geschlafen hatte um mich so eng zu verstricken. Erst im zweiten Anlauf des Wachwerdens kam mir die Erinnerung an den vergangenen Tag, die Nacht davor und unwillkürlich das Gefühl, meiner Hand in den Eingeweiden meines Bruders.
Ruckartig setzte ich mich auf, hätte am Liebsten aufgeschrien, denn das Bett neben mir war leer.
Fluchend krabbelte ich über Kakashis Seite hinaus, spürte eine leichte Wärme und atmete erleichtert aus, er war wohl eben erst aufgestanden. Ich beruhigte mich vollends, als die Toilettenspülung ging und mein Bruder leicht nach vorn gebeugt aus dem Bad trat. Leise fluchend, stützte er sich am Türrahmen ab, versuchte sich langsam aufzurichten, presste, als er es tatsächlich geschafft hatte, seine Hand fest auf seinen Wunde und kam zu mir herüber.
Wenn er mir nicht tatsächlich leid getan hätte, hätte ich mich wahrscheinlich ein wenig darüber amüsiert, dass er sich bewegte wie ein alter Mann. Doch ich hatte die Wunde gesehen und der Schreck, der letzten Stunden, saß mir noch immer in den Knochen.
Kakashi schien mich erst jetzt zu bemerken, straffte sich noch ein bisschen mehr und wollte ein Lächeln aufsetzen.
„Versuch es gar  nicht erst, ich hab alles gesehen...“ auf mein Kommentar hin wanderte seine Augenbraue nach oben, ich machte ihm Platz und er ließ sich mit einem leisen stöhnen wieder in die Laken fallen. Besorgt musterte ich ihn: „ Wie geht es dir?“
„Bin noch etwas wackelig auf den Beinen, aber sonst geht es..“ er lächelte nun doch, hob seine Hand und legte sie an meine Wange. Seine Berührung war so zärtlich, dass die Skepsis in mir wuchs, ich mich von ihm löste und nach dem Fieberthermometer angelte.
„Hier, du weißt wie das geht... ich hol dir was zum trinken, ,Mana-san sagte wenn du wach bist musst du viel trinken...“ Er stöhnte genervt, weshalb ich mich noch mal umdrehte und ihn fragend ansah. „Wenn ich so viel trinke, muss ich ständig zum pinkeln hoch...“ murrend legte er sich den Messfühler in den Mund.
Schmunzelnd über sein Kommentar verschwand ich in der Küche, kochte Tee und füllte eine Karaffe mit Wasser. Als ich zurück ins Zimmer kam, streckte er mir das Thermometer hin und griff den Becher den ich ihm reichte.
„Hm, das sieht besser aus als gestern, aber ganz fit bist du noch nicht...“ Er lachte, ein freies Lachen, ein Lachen was ich so selten von ihm hörte. Die Worte zwischen Mana und Kakashi von gestern Abend kamen mir in den Sinn, mein Herz wurde schwer, ich hatte wirklich keine Ahnung von meinem Bruder. Gestern noch hatte er mich gefragt was mein Bild von ihm war und ich dachte darüber nach.
„Mach dir nicht zu viel Sorgen, mir geht es wieder gut...“ abwesend nickte ich, sah dann doch noch mal zu ihm auf, bevor ich das Zimmer verließ, beobachtete wie er die Augen wieder schloss und fast augenblicklich im Land der Träume versank. Ja, Ja, dir geht es gut, meckerte ich in Gedanken, schnaubte leicht erbost und ließ mich mürrisch auf das Sofa fallen.
Das passte auf jeden Fall zu dem Bild was ich von meinem Bruder hatte. Er gestand sich einfach keine Schwäche ein. Oder wollte er vor mir stark wirken? Ja, irgendwie war er für mich wie eine Art super Held, Superman vielleicht, der einfach alles an sich abprallen ließ, nie zu Schaden kam und immer wieder aufstand. Ich schmunzelte, der Vergleich passte, er hatte sogar eine Art Laserblick, mit seinem Sharingan. Nun musste ich gestern erkennen, dass er natürlich kein Superman war, der unbeschadet aus allem heraus kam, er war ein Mensch wie ich und aus einem Grund heraus, fühlte sich das sehr komisch für mich an. Er war ein Mensch, mit menschlichen Gefühlen, die er sich, soweit ich es dem Gespräch gestern entnehmen konnte, aber selber absprach. Was musste ich erfahren? Was musste ich über meinen Bruder wissen, dass er mir nicht sagen wollte?
Unzufrieden schnaufte ich und starrte Löcher in die Luft. Mit zwölf war ich noch zu jung. Ich begann im Kopf zu überschlagen. Kakashi war 5 Jahre älter als ich und mir wurde erzählt, dass ich nicht ganz 1 Jahr alt war, als er mich aufnahm, dann war er... Ich überlegte kurz und stockte. Das konnte doch nicht stimmen, dann war er ja grade mal 6? Mana hatte gesagt er war alleine, klar Sakumo hatte sich ein Jahr zuvor das Leben genommen. Mir wurde kalt, weshalb ich meine Arme um mich schlang und kurz zitterte. Ok, ich wusste noch, dass Kakashi bereits Chunin war, das hieß kein Anfänger Ninja mehr und er bestritt unseren Lebensunterhalt. Wenn er weg war, kümmerte sich Mana und manchmal auch Onkel Minato um mich. Doch ich habe eigentlich nie erlebt, dass er Hilfe hatte, wenn wir zusammen waren. Ich schluckte, die Tragweite meines egoistischen Verhaltens wurde mir so langsam bewusst. Die Zeit, die er Zuhause verbrachte, setzte er dafür ein alles um mich herum zu ordnen, er bezog Betten, wusch Wäsche, kochte Stunden lang Essensportionen ein, damit ich mir was wärmen konnte, da Mana-San meist nur Abends kochte, putzte wie ein irrer und kümmerte sich ausschließlich um meine Belange. Das ganze machte er seit zwölf Jahren und er selber war noch nicht mal ganz 18. Wieso war mir diese Tatsache eigentlich bisher nicht aufgefallen? Bestand die Möglichkeit, dass die Kälte und Abweisende Art aus dem Resultierte, dass er unter enormen Druck stand?
Ich zog meine Knie an meinen Körper und schluchzte leise auf. Auch, wenn der Gedanke logisch klang, fühlte es sich an, als wäre ich eine einzige Bürde, ein Laster und es trug nicht zur Besserung meiner Laune bei.
Plötzlich stand Kakashi hinter mir, in seiner Uniform, hielt eine Schriftrolle in der Hand und machte ein komisches Gesicht. Ich wurde wütend, das konnte nicht sein ernst sein, er wollte gehen? In seinem Zustand?
„Bleib, geh nicht.. bitte...“ ich wollte ausrasten, ihn anschreien, doch es kam nur ein weinerliches Fiepsen aus mir heraus.
„Sei mir nicht böse... Ich muss mir das ansehen...“ damit ließ er mich zurück.
Einige Sekunden gab ich ihm Vorsprung, die Tatsache, dass er sich durch die Tür nach draußen begab und nicht durch das Fenster direkt auf die Dächer, ließen den Schluss zu, dass er, wie ich vorhin sagte, nicht fit war. Er würde also zu Fuß durch die Straßen genauso schnell sein wie ich.

Keuchend schlängelte ich mich die letzten Meter durch die dicht bevölkerte Straße, wünschte mir, nicht zum ersten Mal, auch einfach über die Dächer laufen zu können und mich nicht zwischen den Menschenmassen hindurch schieben zu müssen. Hechelnd, den Blick der Shinobi ignorierend rannte ich die Treppe, zwei Stufen auf einmal nehmend, hinauf und hielt in dem Gang mit den vielen Türen.
„WO...Büro..Hokage?“ ich konnte kaum sprechen, rang nach Luft und versuchte mich bei den beiden mit Aktenstapeln beladenen Shinobi zu erkundigen, die mich ein wenig perplex betrachteten.
„Da vorn..Aber Mädchen, da kannst du jetzt nicht rein...da sind...“
Doch ich rannte los, klopfte nicht sondern stürmte einfach hinein.
Die Drei Anwesenden Shinobi erkannte ich auch mit ihren Tiermasken, die Frau und der Mann von Gestern und natürlich mein Bruder. Ich hörte das leise Knurren aus seiner Kehle, spürte seinen bohrenden Blick auf mir und wusste noch bevor ich den Mund aufmachte, dass ich hier und heute mein Schicksal besiegelte.
„Hokage-Sama, Entschuldigung...“ mehr brachte ich nicht zu Stande, verneigte mich kurz, wand mich dann an meinen Bruder.
„Bitte...geh nicht..Ich weiß zwar nicht, was du überhaupt machst, warum ihr diese Masken tragt, aber bitte...“ mit einer überaus schnellen Bewegung hob er seine Hand und drückte meinen Kopf, dem Hokage zu gewandt nach unten. Ich spürte die Wärme die von ihm ausging, als er sich neben mich stellte und sich auf ein Knie begab.
„Hokage-Sama verzeiht ihr Verhalten, das wird nicht wieder vorkommen...“ er sah mich von unten Bitterböse an, der zornige Ausdruck, brachte mich dazu nach Luft zu schnappen.
Was mich aber am meisten irritierte, war das leise Lachen des Hokage.
„Kakashi, bitte.. nimm deine Maske ab...“ mein Bruder gehorchte.
„Richte dich auf und komm etwas näher...“ wieder kam er dem nach, was von ihm verlangt wurde.
„Du bist ein Pflichtbewusster junger Mann, einer meiner Besten... Ich kann es mir nicht leisten, dich zu verlieren... Du wirst dich einige Tage erholen, das ist ein Befehl...“ er kam ihm etwas näher und fuhr leiser fort.
„Du hast Schmerzen, das sehe ich dir an, deine Gesichtsfarbe spricht Bände...“ mein Bruder nickte, wich dann dem Blick seines Vorgesetzten aus.
„Du kannst gehen, gute Besserung...“ ohne ein Wort, ohne zu warten und ohne mich eines Blickes zu würdigen, rauschte er davon. Seiner Haltung war nicht zu entnehmen, wie es ihm ging, sie war gestrafft wie immer, doch ich wusste es, ich wusste, dass er vergangenen Nacht hohes Fieber hatte und vor Schmerzen kaum ein Augen zu gebracht hätte, wäre Mana nicht gewesen.
Ich ließ mich auf die Knie sinken Oder hatte ich doch einen Fehler gemacht?
„Hira, das war sehr mutig von dir, dich vor deinen Bruder zu stellen...“ Wie bitte? War ich hier gerade im falschen Film? Mein Bruder ist Wut schnaubend an mir vorbei, hat mich links liegen lassen und der Hokage findet das gut?
„Ich verstehe nicht ganz...“ der Mann lächelte wieder warm, zog an seiner Pfeife und blies den Rauch langsam wieder aus. Ein vanilliger, rauchiger Geruch legte sich in die Luft, irgendwie hatte der was beruhigendes.
„Nun, seine beiden Kollegen habe mir vor zwei Tagen bereits von der Verletzung berichtet... Dennoch hat er sich her begeben und wäre ohne zu zögern auf eine Mission gegangen. Sein Pflichtbewusst sein treibt ihn an, er ist sich selber dabei völlig egal. Du hingegen hast deutlich gezeigt, dass er dir nicht egal ist und das braucht er. Hira das mag jetzt etwas komisch klingen, aber Kakashi braucht ein wenig menschliche wärme, sonst erfriert er im Hochsommer.“ der Mann lachte leise und ich begann zu verstehen. Mein Bruder hatte behauptet ihm ginge es gut und darauf musste sich der Hokage verlassen, er hätte ihn wieder besseren Wissens schicken müssen. Der Hokage selber war froh, dass ich dazwischen gegangen war. Noch immer saß ich auf meinen Knien in dem Büro und fragte mich, ob meine Aktion nun richtig der falsch war.
Eine Hand schob sich auf meine Schulter und ich blickte in die Augen des Mannes, der meinen Bruder gestern Besucht hatte.
„Wir danken dir auch...Kakashi-Senpai muss man manchmal zu seinem Glück zwingen, niemand von uns hätte ein gutes Gefühl gehabt ihn mitzunehmen.“ Ich drehte mich zu den beiden ANBU um, lächelte den Mann hinter der Bärenmaske freundlich an und musterte im Augenwinkel die Frau mit der Rabenmaske. Sie zitterte leicht und ballte angestrengt die Fäuste, nur leise begann sie zu sprechen. „ Verzeih, kleine Hira... Wenn ich nicht ...dann hätte er sich die Verletzung nicht zugezogen...“ sie stockte etwas, doch ich verstand was sie mir sagen wollte.
„Ich bin froh, dass niemand ums leben gekommen ist... und ich schäme mich, dass ich anscheinend nicht im Ansatz eine Ahnung davon habe, was mein Bruder eigentlich macht.. Doch jetzt habe ich die Möglichkeit, das in Erfahrung zu bringen...Es ist an der Zeit..“ ich versuchte sie aufmunternd anzulächeln, erhob mich und klopfte mir leicht den Staub von den Klamotten. Ich hatte eine Entscheidung getroffen, wenn ich schon kein Talent hatte, dann würde ich ab sofort Kakashis Seelischer Anker sein. Die Gedanken an das was er bisher geleistet hat ließen mich einfach nicht los und ich wollte meinen Teil beitragen, vielleicht war das der Weg für mich.
„ Du bist erwachsen geworden Hira, dein Bruder wird stolz sein auf dich...“ ich drehte mich mit einem zynischen Lächeln noch einmal zum Hokage um: „ Bei allem Respekt, das glaube ich eher nicht... Momentan ist er eher stinksauer und ich kann es ihm nicht einmal verübeln...“ ich verbeugte mich erneut und verließ den Raum, so leise wie es mir möglich war.  
Ich ließ mir Zeit mit dem Weg nach Hause, je näher ich unserer Wohnung kam, desto mulmiger wurde mir. Im Grunde wusste ich, dass ich meinem Bruder damit etwas schlimmes angetan hatte, zumindest aus seiner Sicht. Ich hatte ihn vor seinem Team und dem Hokage bloß gestellt, ihn gezwungen Schwäche zu zeigen, ich hätte ihm auch diese Komische Maske zerbrechen können, auf die er so stolz war, wahrscheinlich wäre es für ihn ähnlich gewesen.
Ich seufzte bevor ich den Schlüssel ins Schlüsselloch führte, in herum drehte als würde ich hinter dem Schutz des Holzes ein Tornado erwarten. Mein Bruder saß am Küchentisch, selbst aus meiner Perspektive konnte ich sehen, dass ihm Schweiß von der Stirn lief. Er erblickte mich und verließ den Raum. Ich setzte an, wollte etwas sagen, doch er hob die Hand. Kurz stockte ich, erst als seine Zimmertür ins Schloss fiel, lehnte ich mich dagegen und fing an zu weinen.
„Es tut mir leid Kakashi, bitte rede mit mir... Ich hab es gut gemeint...ehrlich, ich hatte Angst um dich..“ ich hörte etwas gegen die Tür knallen, Glas splitterte und ich ging davon aus, dass er wohl mein Wasserglas geworfen hatte. Ich erschrak, faste mich aber wieder und setzte erneut an: „ Kakashi, schrei mich an sag mir was für eine blöde Kuh ich bin....Erzähl mir endlich was du eigentlich machst... Warum nur schließt du mich immer aus allem aus was dich betrifft..? Bin ich dir vielleicht doch peinlich, schämst du dich für mich?“
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen, mein Bruder atmete schwer, beide Augen waren offen und zum ersten Mal hatte ich einen außergewöhnlich guten Blick auf das Sharingan. Die schwarzen Tropfen in dem Roten Augen tanzten im Kreis und mir wurde schwindelig, er machte zwei schnelle Schritte auf mich zu und presste mich gegen die Wand.
„Du willst wissen wer ich bin? Was ich bin?..glaub mir das erträgst du nicht...Halte dich aus meinen Angelegenheiten raus, oder es frisst dich auf...“ er zischte es in mein Ohr, er schrie nicht, doch der Ton war so scharf, dass mir kalt wurde und sich meine feinen Härchen im Nacken und an den Armen aufstellten. Er wollte sich zurückziehen, doch hielt ich ihn auf: „ Ich muss es wissen...“
Ein zorniges Knurren entfuhr ihm, er schlug mit der flachen Hand neben meinem Kopf und ich spürte seinen heißen, schnellen Atem an meinem Hals.
„Du hast es so gewollt... Ich bin ein Auftragskiller, ich schleiche mich Nachts in andere Häuser, durch andere Gärten und ermorde Menschen, das Blut von unzähligen klebt an meine Händen. Meine Missionen sind streng geheim, hoch gefährlich, mit den Morden sichere ich und mein Team den Frieden in Konoha. Wir machen vor niemandem halt Frauen, Kinder, Männer egal. Wir bekommen den Auftrag und wir richten uns danach.“ Ich nickte stumm, versuchte das Gesagte vor erst hinunter zu schlucken. Die Bilder von Unmengen Blut aus meinem Kopf zu verbannen.
„Was ist mit den Gerüchten um Rin und diesen Obito...“ er zuckte merklich zusammen, seine Haltung verspannte sich weiter und im nächsten Moment war ich mir sicher, falsche Frage zur Falschen Zeit.
„Obitos Tod ist meine Schuld und Rin tötete ich mit meinen Eigenen Händen...“ er stieß sich von der Wand ab und der Ausdruck auf seinem Gesicht war mir Fremd unendlich fremd. Eiskalt, keinerlei Emotionen, wirklich null und ich verstand, dass das was ich von ihm bekam, mehr Liebe war, als ich verlangen konnte. Meine Lippen bewegten sich, als ich zum sprechen ansetzen wollte doch er hob erneut die Hand: „ Wag es nicht noch ein Ton zu sagen... geh mir aus den Augen...“
Ich konnte meinen Schnabel nicht halten: „ Aber Kakashi..“ Er stöhnte schmerzerfüllt auf, griff sich an den Kopf: „ Hör auf..“ war das eine Bitte?
„Kakashi bitte, ich..“
„Hör auf...“ er lehnte sich mit dem Rücken an die Wand.
„Was ist mit dir, bitte sag mir, wie ich dir Helfen kann...?“ meine Hand wollte ihn berühren, doch er schlug sie fort. Das erste Mal, dass er nach mir schlug.
„Ich habe dir gesagt...hör auf, verschwinde...“ Meine Brust zog sich zusammen, Tränen stiegen in mir auf, ein ersticktes Schluchzen entkam mir, bevor der Trotz die Oberhand gewann.
„Ich hasse dich...“ ich schrie es ihm entgegen, so laut, dass es draußen auf der Straße noch hörbar hätte sein müssen. Dann machte ich kehrt und rannte aus der Wohnung, ich rannte durch den Park in den Wald, bis ich irgendwann nicht mehr konnte.
Mit schmerzenden Beinen hockte ich mich hin, griff nach dem Stock neben mir und stocherte in der Erde herum. Das hatte ich ja wieder prima hinbekommen, nur wie hätte ich darauf reagieren sollen? Mit meinen zwölf Jahren, in der Pubertät, war es auch für mich nicht leicht mich zu kontrollieren. Ich starrte auf meine Finger, an ihnen klebte sein Blut, wie es sich wohl anfühlen musste, das Blut eines Menschen an den Händen kleben zu haben, dem man gerade das Leben genommen hatte? Ich war mir nicht sicher, ob es für meinen Bruder normal war. Oder hatte er ein schlechtes Gewissen? Ich alleine hatte schon Hemmungen meine Hand auf seine Wunde zu legen, wäre fast Ohnmächtig geworden bei dem Gedanken, dass er sterben könnte, während ich ihn berührte. Wie musste es dann sein, schuldig an dem Tod eines Menschen zu sein. Ich konnte in seinen Augen nichts lesen wirklich nichts, keine Reue, kein Leid, da war überhaupt nichts. Er war in diesem einen Moment wie eine Seelenlose Maschine und ja es hatte mir Angst gemacht. Einen kurzen Moment erinnerte ich mich an die Jungs, die hätten sich bei seinem Anblick auch fast in die Hosen gemacht. Ob sie wussten was er eigentlich machte? War jeder Shinobi ein Mörder? Warum war ausgerechnet mein Bruder ein Mörder? Hat er damit angefangen, nachdem er seine Freunde getötet hatte? Wie sind seine Freunde ums Leben gekommen und wie können Mana und der Hokage mit dem Wissen was sie haben, ihn noch mit so viel Wärme und Güte ansehen. Er war doch ein Monster auf zwei Beinen, zumindest stellte er sich selber so dar. Ich horchte auf, wollte er das vielleicht erreichen? Hat er gewollte, dass ich ihn als Monster sehe, weil er sich selber für eins hält? Das konnte nicht sein, nicht nach allem was der Hokage, Onkel Minato und Mana ihm gegenüber gebracht hatten. Ich raffte mich auf und wollte den Heimweg antrete, als ich selber bemerkte, dass es dunkel wurde. Wie lange ich hier gesessen hatte und grübelte wusste ich nicht, aber es mussten Stunden gewesen sein. Ich sah mich um und erschrak, in der aufkommenden Dunkelheit, zog sich Nebel durch den Wald und ich wusste nicht mehr aus welcher Richtung ich gekommen war.  Panik ergriff Besitz von mir, ich musste mich besinnen und versuchen den Weg zu finden, doch wie? Ich drehte mich im Kreis, jeder Weg den ich hätte nehmen können, sah aus wie der Andere, nichts kam mir bekannt vor, mir blieb also nichts weiter übrig, als einfach einen auszuwählen und zu hoffen, dass es der Richtige war.
Blöderweise lief ich schon mit dem Gefühl los, den falschen gewählt zu haben. Spätestens aber, als sich mehrere Augenpaare im Dickicht zeigten, wusste ich es mit Sicherheit.
Knurrend manifestierten sich Hundeähnliche Körper aus dem Schatten der Bäume, weshalb ich mich langsam, bedacht, rückwärts in die Richtung zurück machte, aus der ich gekommen war.
Das knurren wurde bedrohlicher, ich konnte hören wie sich das vorderste Tier zum Sprung bereit machte und schloss in Erwartung des ersten Bisses die Augen.
Das Aufjaulen jedoch, ließ mich die Augen wieder aufreißen, ein Schwert blitzte vor mir auf, sauste auf den Wolf nieder, wurde mit Schwung wieder hoch gerissen und erneut auf das nächste Tier gerichtet. Selbst in der Dunkelheit konnte ich die grauen Haare erkennen, seine Bewegungen waren geschmeidig, nicht eine zu viel, routiniert sauste die Klinge durch die Luft. Beeindruckt, schließlich sah ich ihn zum ersten Mal kämpfen, wenn auch gegen ein Tier, stand mir der Mund offen, weshalb ich nicht bemerkte, wie die verbliebenen Vierbeiner das Weite suchten.
„Wir gehen...“ seine Stimme klang gedämpft durch die Maske und es war ungewohnt ihn damit zu sehen, dennoch erkannte ich, dass Sorge mit schwang. Erst wollte ich ihm einfach folgen, doch ich blieb stehen: „ Kakashi...“ wieder hob er die Hand doch dieses Mal gehorchte ich und hielt die Luft an. „ Hira, es tut mir leid wegen vorhin...das hätte so nicht..“ er schüttelte den Kopf.
„Ich kann es nicht Rückgängig machen, aber ich werde dir alles in Ruhe erklären... Deine Fragen beantworten... gib mir nur etwas Zeit, bitte...“ Meine Augen weiteten sich, er hatte mich gebeten, nicht befohlen, er hatte darum gebeten.
„Ja, ist gut...“ noch immer rührte ich mich nicht, versank erneut in meiner Grübelei.
„Hira, lass uns gehen.... Mir ist kalt...“ erst jetzt bemerkte ich das leichte Zittern.
„Du solltest ja eigentlich auch im Bett liegen und dich schonen... das war der einzige Pan für heute gewesen, ich wollte kochen und du bleibst einfach liegen.. Doch der Herr Hatake...“
„Hira, du kannst gerne weiter zetern.. aber setz dich in Bewegung, oder ich lass dich im Wald.. ich meine das Ernst...“ ich schmunzelte, folgte dann jedoch.

Zu Hause angekommen, legte er die Maske ab, entfernte die Rüstung und steuerte direkt auf sein Zimmer zu. Ein Eindruck davon, wie ernst er seine Worte im Wald gemeint hatte. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten und während ich ihm gefolgt war konnte ich hören wie er sich stöhnend auf sein Bett schaffte. Ich beobachtete das jämmerliche Häufchen meines Bruders, bis er resignierend seufzte: „ Könntest du mit anpacken?“ Ich lachte, hob das zweite Bein mit an und zog ihm die Schuhe von den Füßen.
„Seit wann stellst du dich denn so an?“ ich grinste fies.
„Bringt doch eh nichts den Helden zu spielen... du hast gesagt du willst die Wahrheit.. so, das ist die hässliche Realität...“ er wälzte sich auf die Seite, mir den Rücken zu. Seine Verletzung lag dabei nach oben, ich kam hinzu und schob sein Shirt ein Stück hinauf. Ein abschätzendes Zischen kam mir über die Lippen: „ Das ist wieder leicht aufgegangen, wenn das nach der wenigen Belastung schon so aussieht, was wäre..“ ich stoppte, verband die Wunde wieder und sah ihm ins Gesicht.
„Ich hab nicht behauptet, dass deine Aktion heute nicht richtig war... manchmal tut die Wahrheit weh Hira und nicht immer kann ich das gut wegstecken.“ er seufzte erneut und strich sich über die Stirn. „Und schon gar nicht wenn es um meine Arbeit geht...“ kurz herrschte Stille zwischen uns, bis er leise anfing: „ Das was ich da vorhin gesagt habe... was meine Aufgaben sind, womit ich unser Geld verdiene... Es stimmt, wir machen Jagd auf Menschen...Sie alle haben ebenfalls keine reine Weste, aber das spielt soweit erst mal keine Rolle. Ich weiß nicht wie es dir damit ging, aber es ist unheimlich schwer Fremdes Blut von den Händen zu waschen..“ einige Sekunden hob er seine Hände, als wollte er mir zeigen, wie Schmutzig sie waren. Ich legte meine Finger in seine Hände und versuchte mich an einem Lächeln: „ Wir können das auch gern Morgen besprechen, dir geht es nicht gut...“ doch er schüttelte sofort den Kopf.
„Ich schiebe das schon so lange vor mir her und nachdem was du die letzten Tage erfahren und gesehen hast....Naja vielleicht hat Mana-San recht, vielleicht fällt es dir leichter einige Dinge zu akzeptieren? Das mit Rin und Obito... ich bin einfach noch nicht soweit dir davon zu erzählen...Ich ...kann einfach...nicht..“ er geriet ins stocken und ich wusste, dass ich seine momentan vorherrschende Emotionalität auf sein Fieber schieben musste. Nickte aber als Zeichen, dass ich es verstehen würde.
„Meine Arbeit besteht aber nicht ausschließlich aus der Jagd... es ist nur nachdem was geschehen ist, einer der Punkte, die ich mich am meisten schäme vor dir zu erzählen...“
Wie sollte ich das verstehen? Mein Perfekter Bruder schämte sich vor mir? Aus irgendeinem verdrehten Grund machte mich diese Aussage wütend, es fühlte sich an, als würde er mich damit verhöhnen wollen.
„Wenn du mich damit auf den Arm nehmen willst, muss ich sagen, dass ist nicht witzig...“ verwundert sah er mich an, verstand meinen Tonfall wohl nicht und doch brach einmal wieder alles unüberlegt aus mir heraus.
„Ich werde verspottet, dass ich nicht so bin wie du....Ich werde verprügelt, weil ich nicht so bin wie du... und die Leute sagen mir, dass du dich FÜR MICH SCHÄMEN musst... und dann sagst du so was?“ Ich brachte Abstand zwischen ihn und mich, funkelte wütend und zeigte ihm ein Vogel.
„Du schämst dich mir zu erzählen was deine Arbeit ist....die Leute sehen alle zu dir auf, die Frauen himmeln dich an... hör auf mich zu VERARSCHEN...“ Und noch bevor die Tür geräuschvoll ins Schloss fiel, konnte ich erkennen, wie er versuchte sich zu erheben, zurück sackte und sich keuchend die Flanke hielt. Mein Stolz war es, der mir verbat zurück zu gehen und nach ihm zu sehen, auch verbrachte ich diese Nacht in meinem Zimmer. Schlaf fand ich allerdings keinen, ich hörte meinen Bruder, er stöhnte unruhig vor sich hin, wahrscheinlich hatte er Albträume.
Früher waren seine Albträume das einzige an ihm, was ihn für mich menschlich gemacht hatte, ich hatte es hingenommen und mich manchmal nur dann sicher gefühlt, wenn ich die Geräusche aus seinem Zimmer wahrgenommen hatte. Doch jetzt, heute, zerriss es mich innerlich.
Gegen Morgen schlich ich mich leise zum ihm hinüber, erkannte, dass ich recht gehabt hatte, er sprach sogar im Schlaf, wiederholte immer wieder drei Namen Rin, Obito, Minato.
Richtig furchtbar wurde es für allerdings erst bei dem Satz „Hira geh nicht...nicht du..“ wieder und wieder sagte er die Worte.
Mit Tränen in den Augen kletterte ich neben ihn auf die Matratze, strich ihm so sanft wie möglich über die noch immer heiße Haut und ergriff seine Hand. Für den Moment war es mir egal was er davon halten würde, es war mir egal ob ich ihm damit zu nahe treten würde, ich wollte ihm zeigen, dass ich da war. Tatsächlich half es: „ Ich bin hier, ich geh nicht weg...“ flüsterte ich legte mich hin und wartete darauf, dass sich seine Züge entspannten. Noch ein letztes Mal stieß er die Luft Geräuschvoll aus, dann öffneten sich seine Augen ein Spalt.
„Hab ich dich geweckt?“ Ich zuckte beiläufig mit den Achseln, was ihm als Antwort zu reichen schien.
„Ich hab wohl etwas lebhaft geträumt...“ verlegen rieb er sich den Nacken und ich fragte mich wann eine Situation das letzte Mal so intensiv zwischen uns gewesen ist, wie die letzten Tage.
„Kannst du dich daran erinnern?“ er nickte, drehte sich dann aber auf den Rücken und starrte an die Decke.
„Willst du darüber reden?“ ich kannte die Antwort, ich konnte es ihm nicht verdenken, es schien ihn wirklich sehr mitzunehmen und ich war mir nicht sicher, ob ich das wirklich ertragen würde.
Er schüttelte den Kopf, wälzte sich dann über die Seite und stand auf. Ich unterließ es ihn darauf hinzuweisen, dass er noch immer beschissen aussah, zum Teil war es meiner Dummheit zu verdanken, dass er mir nacheilen und mich retten musste.
Seufzend richtete ich mich selber auf und verließ sein Zimmer. Als ich am Bad vorbei lief, hatte er sein Shirt ausgezogen und versorgte seine Wunde. Alleine bei dem Anblick lief es mir kalt den Rücken herunter, um das gesamte Wundgebiet drumherum war es blau- lila verfärbt und die Wundränder selbst waren rötlich verändert. Ich schluckte, während er ohne die Miene zu verziehen das Desinfektionsmittel darüber kippte, die Wunde säuberte und einen neuen Verband anlegte. Unfähig irgendwie zu helfen starrte ich auf das Bild, erinnerte mich an die Tatsache, dass ich meine Hände in seinem Körper hatte und versuchte die aufkeimende Übelkeit zurück zu drängen.
„Geht es dir gut?“ erst jetzt registrierte ich, dass Kakashi sich direkt vor mich gestellt hatte und mich besorgt musterte.
„Du bist kreidebleich...“ Das war das letzte,was bei mir ankam, was dann passiert war, kann ich nicht wirklich sagen. Ich erwachte auf der Couch, Kakashi kniete neben mir und lächelte erleichtert.
„Na, alles wieder klar?“ Er reichte mir ein Teller mit Essen und ich musste zugeben, dass er mir damit genau das Gab was ich brauchte.

Nach weiteren drei Tagen, die Kakashi dazu verdonnert wurde zu Hause zu bleiben, sah er mich an: „Ab Morgen gehe ich wieder auf Mission Hira, Yugao hat ihr Einverständnis gegeben..Was meinst du?“ Erst stutzte ich, dann setzte ich den kritischsten Blick auf, den ich auf Lager hatte und musterte ihn mit in Falten gelegter Stirn. Mit meinen Fingern an meinem Kinn lief ich einmal um ihn herum, nickte dann zufrieden: „ Na gut, du siehst aus, als könne man dich wieder los lassen.. auf was auch immer...“
Mit einem Schlag hatte ich die heitere Stimmung verdorben, seine Züge wurden sonderbar ernst, fast wie versteinert. Kakashi ließ die Arme, die er bis eben noch in der Luft gehalten hatte wieder sinken: „ Du hast mit mir bisher noch nicht über das alles gesprochen und ich habe es ehrlich gesagt vermieden, es noch mal anzusprechen...Kommst du damit klar?“
Frustriert seufzend wich ich seinem Blick aus: „ Ich muss da erst noch drüber nachdenken glaube ich... aber mach dir keine Sorgen, ich bin hier wenn du zurück kommst..“ Es war mit Sicherheit nicht das was er hören wollte, obwohl ich nicht wusste ob er eine Erwartung gehabt hatte, doch wie fast immer, setzte er eine Maske auf und ließ nicht durchblicken was er empfand. Auch wenn ich es die letzten Tage nicht so empfunden hatte, wurde es mit einem Mal kalt zwischen uns, ich spürte wie er sich wieder entfernte, unerreichbar und es schmerzte mich.
Von mir würde er es nicht hören aber ich habe die letzten Tage mit ihm genossen.
Am nächsten Morgen hörte ich seinen Wecker, ich hatte Angst davor, wieder alleine zu sein, mit mir meinen Zweifeln und dem was er mir erzählt hatte. Das Geräusch wurde beinahe sofort abgeschaltet und ich hörte wie er sich im Bad fertig machte. Er werkelte eine Weile in der Küche, dann irgendwann klapperte der Schlüssel und er war gegangen.
In der Küche lag ein Brief von ihm:

„Hey Hira,
Ich werde etwa vier Tage weg sein, Mana-San weiß Bescheid.
Bis Bald.“

Und verdammt ich vermisste ihn, das erste mal seit langem vermisste ich ihn wirklich.


Auf dem Heimweg von der Schule allerdings drohte ich wieder in diese Abwärtsspirale zu rutschen, welche die verklärte Sicht auf meinen Bruder, die ich die letzten Tage gewonnen hatte beinahe gänzlich auslöschte. So, als hätte es diese Ereignisse nicht wirklich gegeben.
Ich hörte die Menschen hinter meinem Rücken tuscheln, hörte meinen Namen im Zusammenhang mit seinem und reimte mir wie immer selber etwas zusammen, bis ich etwas hörte was mich stutzen ließ.
Ein Mann hatte sich zu einer Frau in über gelehnt und meinte: „ Schaumal, das ist die Schwester von diesem Dämon...nach der Sache mit dem Uchiha hätte man die Konsequenzen ziehen müssen, dann das mit der kleinen Nohara tragisch. Minato-Sama war einfach zu weich mit dem Jungen...Vielleicht sollte er das selbe tun wie sein Vater, dann hätten wir ein Problem weniger...“ Die Frau nickte bestätigend, eifrig ergriff sie das Wort: „ Um die Kleine kann es einem leid tun...Sie ist ja nur seine Halbschwester und wenn man den Gerüchten glauben darf, dann hat sie nichts von den Hatake-Dämonen geerbt...“
Ich war wie erstarrt. Das waren ganz andere Töne, als ich bisher vernommen hatte. Meine Welt geriet ins Schwanken, hatte ich die ganze zeit nicht mit bekommen wie man über meinen Bruder dachte? Hatte ich da was in die Blicke und Gesten hineininterpretiert was nicht dagewesen war?
Die Kälte meines Bruders, die ich in seinen Blicken las, galt vielleicht nicht mir, sondern den Menschen um uns herum, den Menschen, für die er ohne zu zögern sein Leben gab.
Eine Welle an Wut durchfuhr mich, meine Fäuste ballten sich und gerade als ich los stürmen wollte, wurde ich am Arm gepackt.
„Kindchen, das ist es nicht Wert und würde genau das Licht auf dein Bruder werfen was du versuchst von ihm fern zu halten....“
Ich drehte mich hastig in dem Griff und blicke in Mana-Sans lächelndes Gesicht. Der warme Ausdruck in ihren Augen, ließ mich zur Ruhe kommen. Mit einer Geste bedeutete sie mir ihr mit den Einkäufen zu helfen und ihr zu folgen. Ich tat es.
Bei Mana-San angekommen bedachte sie mich mit einem seltsamen Ausdruck in den Augen, sie wirkte nachdenklich und ein wenig traurig.
„Ach Kindchen, dass du das mit anhören musstest.. es ist eine Schande was die Leute da von sich geben..“ Sie gab einen zischenden Laut von sich und sah mich ernst an: „ Hat dein Bruder dir schon etwas erzählt? Oder bleibt er weiterhin stur...?“ In mir begann es zu Kribbeln, es schien mir als würde ein Jahrhunderte gehütetes Geheimnis offenbart und ich wäre die Erste die davon erfährt.
„Ich weiß nicht so recht, wir hatten gestritten und er hatte Fieber...Es war wahrscheinlich nicht geschickt von mir ...“ Obwohl ich mich selbst in meinen Ohren sehr kryptisch anhörte, Mana verstand mich trotzdem.
„Am besten fangen wir bei dem an, was du weißt.. dann schauen wir ob ich was ergänzen muss..“
Verwirrt Blinzelte ich sie an, während sie uns Tee aufgoss und mir eine Tasse reichte.
„Er hat nicht viel gesagt.. Er sei ein Mörder, seine Aufgaben würden darin bestehen andere Menschen zu jagen und zu töten. Zu Rin und Obito wollte er nichts sagen, er sei Schuld an ihrem Tod, das war alles...“ Ich starrte auf die grüne Flüssigkeit in meiner Tasse, blicke dann zu Mana herüber und erschrak. Zornig hatte sich ihr Gesicht verzogen, ihre Stirn sich in Falten gelegt und sie schnaubte entrüstet.
„Er hat dir bitte was erzählt?“ Ich nickte zur Bestätigung, dass er das gesagt hatte.
„ Ich glaub es ja nicht..“ sie seufzte schwer, während sie verzweifelt nach Worten suchte.
„Seine Geschichte begann mit dem Tod eures Vaters. Er nahm sich bei sich zu Hause das Leben und Kakashi fand ihn. Er war damals gerade 5 Jahre alt und von heute auf Morgen auf sich alleine gestellt. Sein Vater wurde von den Dorfbewohnern in den Selbstmord getrieben, für etwas, was anstelle von der Mission an erster Stelle stehen sollte. Euer Vater hat sehr ehrenwert gehandelt, er hat Menschenleben gerettet, da ist nichts verwerfliches dran. ...Leider verstand Kakashi das erst nach dem tragischen Unfall von Obito...“ Ich wollte etwas sagen, doch Mana unterbrach meinen Einwand sofort.
„Egal was Kakashi dir gesagt hat, der Junge trägt keine wirkliche Schuld an dem Tod seines Kameraden … Auf der Mission damals hatte Kakashi als Teamführer beschlossen sich an die Regeln zu halten und wollte Rin, die gefangen genommen wurde, zurück lassen. Obito jedoch wusch ihm den Kopf und gemeinsam machten sie sich auf um Rin zu retten. Sie mussten sich unter Gefecht zurückziehen, die Schlucht durch die sie kamen wurde über ihren Köpfen zum Einsturz gebracht. Kakashi wurde von einem Stein getroffen und ging zu Boden.... Obito...Rettete ihm das Leben und verlor dabei seines.“ Einige Sekunden herrschte Stille, die Informationen hatten so ziemlich nichts mit dem zu tun, was Kakashi angedeutet hatte und so wie sich das anhörte, waren es grob umrissen die Ereignisse, die sich zugetragen hatten.
„Aber dann...“ Mana nickte.
„Ganz genau, er hat Obito nicht getötet, allerdings ist er der festen Überzeugung, dass wenn er sich von Anfang an anders verhalten hätte, dann wäre das Unglück vielleicht nicht geschehen und Obito noch am Leben.... Damals versprach er Obito an der Unfallstelle, Rin zu beschützen.. Doch das Schicksal hatte einen anderen Plan.“ Ein dunkler Schatten legte sich über ihre Augen und wieder verzog ihr Mund sich seltsam, schmerzhaft.
„Rin wurden einige abscheuliche Dinge angetan, weshalb sie selber keinen Sinn mehr darin sah weiter zu Leben. Sie wusste, dass es für sie keine Rettung geben würde. Kakashi jedoch versuchte alles in seiner Machtstehende, um sie nach Hause zu bringen und eine Möglichkeit zu helfen, sie gerieten in einen Hinterhalt. Rin warf sich in Kakashis Angriff, welcher eigentlich für einen der Feinde bestimmt war und starb durch seine Hand.“ Mir stellten sich die Nackenhaare auf, er hatte sie also doch mit eigenen Händen getötet, aber nicht so richtig. Verwirrt schüttelte ich den Kopf, versuchte mich zu sortieren, kam aber einfach nicht ganz klar mit meinen eigenen abstrusen Gedanken.
„Dein Bruder war vorher schon sehr verschlossen, nach eurem Vater fing es an und mit jedem weiteren Schnitt auf seinem Herzen wurde es schlimmer. Doch er rastete nicht, er versuchte sich nicht davon zu erholen, gönnte sich keine Pausen. Versteh das bitte nicht falsch, aber ich glaube du warst der einzige Faktor, der ihn noch am Leben gehalten hat. Durch deine Existenz, schaffte er es irgendwie weiter zu machen... Ich würde es nicht als Leben bezeichnen, weil das tut er nicht. Aus Reue und Schuldgefühlen verwehrt er sich alles, verschließt sich. Und aus Angst noch jemanden verlieren zu können der ihm nahe steht, lässt er nicht einmal dich richtig an sich heran. Hira du bist die einzige, die auf lange Sicht deinen Bruder am Leben hält.“
Fassungslos öffnete ich den Mund, diese Sätze, diese Erkenntnis änderte einfach alles. Ich sank auf meinem Platz noch etwas weiter zurück und starrte Mana weiterhin an.
Sie lachte, anscheinend muss ich genauso ungläubig ausgesehen haben wie ich mich gefühlt hatte.
„Glaub es nur Kindchen, er würde es nicht zugeben, aber du bist ihm unendlich viel Wert und ehrlich er ist mit seinen eigenen Gefühlen überfordert. Sie sind da und drängend, aber er will sie nicht zu lassen.... Als dann Minato- Sama von uns ging, verlor er das letzte bisschen was ihn emotional und beruflich in der Spur hielt. Zum Glück appellierte Hirozen-Sama an seine Vernunft, sonst wäre er vom Rechtenweg abgekommen und mit der Erwähnung deines Namens, sah er wieder nach vorn.“ Sie rieb sich die Stirn, trank einige Schlucke von ihrem Tee und ließ die Worte schwer in der Luft hängen.
„Es ist so kompliziert und noch lange nicht alles...“
„Mana-San, verzeiht aber woher wissen sie das alles...? Und warum denken sie, dass Onkel Minato der letzte Mensch war, den Kakashi an sich heran ließ? Ich hab sie mit ihm gesehen und ich kenne niemanden, der ihn so berühren durfte wie sie...“
Wieder lachte Mana herzlich: „ Uns beide verbindet eine gemeinsame Geschichte.. ich verdanke ihm mein Leben, aber das ist eine andere Geschichte...“ Ich rollte kurz mit den Augen und erntete ein amüsiertes Schnauben.
„Wo ist mein Platz in dem Ganzen, ich meine abgesehen davon, dass sich Kakashi verpflichtet fühlt wegen mir am leben zu bleiben..?“  Nun war es an Mana verwirrt auszusehen, sie verstand wahrscheinlich nicht wie ich meine Beziehung zu Kakashi so herab werten konnte und wenn ich ehrlich war, nach alle dem was ich bisher gehört hatte und die letzten Tage gesehen hatte, verstand ich mich selber nicht. Doch diese Gefühle waren irgendwie tief verwurzelt in mir, ich verspürte immer mal einen kleinen Anflug von Hass. Nur warum?
„Wieso nur meinst du er fühlt sich verpflichtet das alles für dich zu tun?“ Meine Stimmung sank, wie sollte ich Mana erklären, dass ich meinen Bruder Grundlos zu hassen schien und mich das selbst verunsicherte. Wie sollte ich ihr sagen, dass meiner Wahrnehmung nach, ich in den Augen des ganzen Dorfes nicht bestand und im Grunde alles, was ich bisher zu wissen glaubte, ein Trugschluss war? Doch ich wollte Antworten und die Frau vor mir schien sie zu kennen.
„Ich kann es nicht beschreiben, aber in meinem tiefsten inneren gibt es ein Teil der mir sagt ich müssten meinen Bruder hassen...Ich hasse ihn... Nur warum? Warum ist das so? Er hat mir doch nichts getan oder? Mana-San wenn sie etwas wissen, dann sagen sie es mir, ich flehe sie an...Warum hasse ich meinen Bruder?“  Erschrocken musste ich mit ansehen, wie Mana die gesamte Farbe aus dem Gesicht wich, sie schnappte hektisch nach Luft und sah mich an. Ihre Reaktion machte mir deutlich, dass sie etwas wusste und hier, jetzt und heute würde ich mir diese Antwort auf meine Frage einfordern. Der Körper der älteren Dame sank schwach in ihren Sessel, weiß wie die Wand und doch setzte sie langsam zu einer Antwort an.
„ Er hat es dir noch nicht gesagt... Oh Kindchen, du solltest ihn nicht hassen. Er trägt so viel Liebe für dich in sich und alles was er tat, tat er zu deinem Wohl...Wenn er aus deinem Mund hören würde, dass du ihn hasst, wird es ihn vernichten“
Mein Blick wurde drängender, fordernder, ich würde so kurz vor einer Antwort nicht halt machen.
„Was, was hat er getan..?“ Sie wich mir aus, wahrscheinlich wog sie ab. Sie hatte mir deutlich gemacht wie wichtig ich für meinen Bruder war und wahrscheinlich könnte die Information, die sie mir geben konnte alles zerstören. Doch das war mir egal.
„Du warst so ein fröhliches, glückliches Kind, bis zu dem Tag, an dem sich dein Chakra freisetzte. Du musst wissen, dass weiße Chakra des Hatake-Clan aktiviert sich erst mit enormen Emotionalen Stress und du träumtest in der Nacht damals wohl von deiner Mutter. Ein Fiebertraum, dein Bruder saß Nächte lang an seinem Bett und hat über dich gewacht. Die ersten Chakrablitze waren mit wenig Energie geladen, doch sie wurden stärker, bis einer von ihnen Kakashis Schulter durchschlug. Minato-Sama war durch Zufall in der Nähe und schaffte es gemeinsam mit Kakashi dich zu beruhigen.... Die Ausbrüche häuften sich und wurden unglaublich stark...Keiner von Beiden wusste sich zu helfen und als schließlich Kakashi dich nicht mehr erreichen konnte, versiegelten sie dein Chakra...“
Ich stieß einen Wütenden Laut aus, rieb mir die Arme und versuchte meine Emotionen unter Kontrolle zu bringen. Ich fühlte mich verraten, von meinem Bruder, von Mana, von Onkel Minato, eigentlich von allen, von denen ich glaubte, ich könnte ihnen vertrauen.
„Wieso haben sie mir das angetan...wieso??“ meine Stimme klang hysterisch und merkwürdig verzerrt in meinen Ohren, ich erkannte mich selber nicht und auch Mana-San zuckte zusammen.
„Du hättest dich selber zerstört, hätten sie dich nicht unter Kontrolle gebracht...Du warst damals erst drei und lange nicht so weit wie dein Bruder in dem alter...“
Ich lachte bitter und krallte meine Fingernägel in meine Arme.
„Mein ach so toller großartiger Bruder, der mir mein ganzes Leben etwas vor gelogen hat, damit er selber besser dasteht...Mein Bruder, der sich als Held aufspielt und eigentlich nichts weiter ist als ein ekelhaft mordendes Monster....Mein Bruder, der gar nicht angesehen, sondern gefürchtet wird...Nichts von allem was sich bisher dachte entspricht der Wahrheit...nichts rein gar nichts...“  Ich war aufgesprungen und zischte die Worte in den Raum.
„Hira, dein Bruder musste einen Weg gehen, der Steiniger nicht hätte sein können, er trägt so viel Ballast mit sich, dass er unter dem Druck irgendwann zerbrechen wird... Er war 8 Jahre alt, als er diese Entscheidung treffen musste, er war 8.“ Ich erstarrte, immer wieder vergaß ich wie alt mein Bruder eigentlich gewesen war und für den Moment verrauchte meine Wut, ich schaffte es mich zu beruhigen. Mana-San liefen die Tränen über ihre Wangen.
„Es ist ungerecht, dass du Hass für ihn in dir trägst... Es tut mir so unendlich leid für dich. Hass ist ein furchtbares Gefühl.“ sie weinte bitterlich und ich war einfach überfordert. Ich spürte, dass diese Tatsache die Ursache für mein Hass war, doch warum konnte ich ihn nicht ablegen? Ich verstand meinen Bruder, ich verstand warum er so entschieden hatte und ich akzeptierte, dass er es gut meinte, aber ich hasste ihn dafür, dass er es getan hatte. Das Gleichgewicht in mir war die letzten Jahre ins Wanken geraten, je älter ich wurde, desto mehr überwog der Hass und die Unruhe wenn ich meinen Bruder sah. Ich war im Umgang mit ihm überfordert, ich wusste er würde mir etwas verheimlichen. Auf der anderen Seite war er mein Bruder, er tat alles für mich und genau da schmeckte ich den Bitteren Beigeschmack seines schlechten Gewissens. Ohne ein weiteres Wort ging ich einfach. Die nächsten Tage unterließ ich es Mana-San zu besuchen, blieb für mich und versuchte selbst herauszufinden, wer ich eigentlich war. Ich machte lange Spaziergänge und vergaß die Zeit.
Als ich an diesem Abend von meinem Rundgang durchs Dorf, weit nach Einbruch der Dunkelheit zurück kehrte, erblickte ich die verdreckten Schuhe meines Bruders im Gang. Zu meiner Verwunderung, lag daneben sein Brustpanzer. Meine Augen weiteten sich, es klebte Blut daran, nicht nur da, sein Umhang wies einen großen Fleck auf und egal welche Emotionen ich für ihn empfunden hatte, für den Moment überwog die Angst, dass er erneut verletzt wurde.
Ich beeilte mich meine Schuhe abzuziehen, rannte ins Wohnzimmer und suchte nach einem Anhalt für seinen Verbleib, es wurde aufgeräumt, dass konnte ich sehen und ich musste zugeben, es beruhigte mich etwas. Weiter hinten bog ich auf den Kleinen Flur zu unseren Zimmern ab und erkannte, dass seine Tür etwas offen stand, ich schob sie auf und betrat den Raum. Da lag er, auf dem Bauch und schlief wie es den Anschein machte. Eine Flut an Gefühlen durchströmte mich, Erleichterung, Zorn, Trauer und der allgegenwärtige Funken Hass.
„Wo warst du...“ seine schlaftrunkene Stimme riss mich aus der Flut und beförderte mich wieder in die Realität. Er klang besorgt, weniger Vorwurfsvoll und richtete sich augenblicklich auf.
„Spazieren...“ Seine Hand glitt durch seine Haare, ich musterte ihn und musste wie so häufig feststellen, dass er aussah als hätte er seit Tagen nicht geschlafen, wahrscheinlich hatte er das auch nicht, doch ich ahnte, dass wir heute etwas klären mussten.
„Ich hab dich bei Mana-San gesucht...Sie hat mir gebeichtet, dass sie dir alles erzählt hat...Ich hab auf dich gewartet...“
Ich nickte Stumm, was sollte oder wollte ich schon dazu sagen.
„Rede mit mir...“ leise, verzweifelt, unendlich müde gab er mir die Freigabe und ich ließ meinen Gefühlen freien lauf.
„Kakashi ich hasse dich....Ich hasse dich dafür, dass du mich zu dem gemacht hast was ich geworden bin... Ich bin normal und werde als Normaler Mensch neben meinem besonderen Bruder nicht einmal als Individuum wahrgenommen. Weißt du eigentlich, dass dich das ganze Dorf hasst? Dafür, dass du mordest, dass du Rin auf dem Gewissen hast und dafür, was mit Obito passiert ist. Und ich hasse dich für das was du mir angetan hast...“ Alles sprudelte aus mir heraus, alles was sich die letzten Monate angestaut hatte.
Kakashi schwieg, er ließ mich reden und obwohl ich wusste, wie sich das Anfühlen musste und vor allem aber, was es für ihn bedeuten würde, fühlte es sich unendlich befreiend an, ihm genau das sagen zu können. Ich schrie nicht, ein unheimliches Knurren hatte sich in meine Stimme gelegt, meine Haut kribbelte und ich fühlte mich für den Moment unheimlich erhaben. Mein Bruder verzog keine Miene, erhob sich und verließ den Raum.
Von diesem Tag an, spürte ich wie es sich anfühlte niemanden mehr zu haben. Kakashi sprach kein Wort mehr mit mir, er kaufte nicht mehr ein, er wusch meine Wäsche nicht mehr und er kümmerte sich um nichts was mich betraf. Jeden Monat, legte er mir Geld hin, sicherte so mein Überleben, doch seine gesamte Fürsorge war verschwunden.
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