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Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
24.09.2021 7.507
 
So ihr Lieben,
hier geht es weiter. DAs Kapitel hat mir einiges abverlangt,
dennoch hoffe ich es gefällt euch.
Vielen Lieben Dank für euer Feedback, ich freue mich jedes mal,
wie ein kleines Kind über Reaktionen :)
Nun viel Spaß mit diesem Kapitel...Oh ach ja, es ist wieder ein kleiner Cliffhänger..
Es folgt noch der Teil 3 und dann ist diese Reise bald beendet.
Liebste Grüße Kitana

25.

Die nächste Stunde verbrachte Kakashi damit mir zu erklären, wie ich mein Chakra konzentrieren und bündeln konnte, dass ich beim Formen der Fingersiegel auf ein gleichmäßigen Chakrafluss achten musste und, welche Fingersiegel wofür standen. Er bemühte sich wirklich selber konzentriert zu bleiben, erklärte mir, als Anfängerin, alle Grundlagen im Schnelldurchlauf und reagierte dann doch gereizt, als ich es nicht hinbekam. „ Nein. Nein. Nein.. So geht das nicht und ich weiß ehrlich nicht was daran so schwer zu verstehen ist....Hira, ich habe es dir doch gerade erklärt...“ genervt rieb er sich die Stirn, seine Stimmlage war alles andere als freundlich und das verletzte mich.
„Tut mir ja wirklich leid, dass ich deinen Erwartungen nicht entspreche.. aber ich mache das zum ersten Mal.. vielleicht übst du dich in Geduld...“ beleidigt verschränkte ich die Arme vor der Brust und schnaubte wütend. Einige Sekunden sah er mich erschrocken an, bemerkte wohl selber, dass er sich im Ton vergriffen hatte und stieß müde die Luft aus: „ tut mir leid Hira... du hast recht...“ Mein Bruder sah allen ernstes geknickt aus, biss sich sogar auf die Lippe, das konnte ich unter seiner Maske erkennen und ich lenkte ein: „ Schon gut... Ich weiß wie müde du bist und wie anstrengend das alles sein muss.. aber bitte, ich möchte dir helfen, also erklär es mir noch ein mal...“
In der Küche saßen Tenzou und Yugao, ich konnte sie leise reden hören, sie wollten wohl unsere Konzentration nicht stören: „ Was glaubst du Tenzou, wird sie es schaffen?“ Mein Freund musterte mich einige Sekunden und lächelte dann: „ Das Jutsu in einer Stunde zu lernen, ist schier unmöglich... aber sie ist die Schwester von Kakashi-Senpai... da weiß man nie..“
Yugao grinste: „ Eindeutig ein Fall von schwer verliebt..“ sie fuhr sich über die Haare und zog ein Knie an ihren Körper: „ Die Fingerzeichen sind nicht sonderlich schwer, das macht sie schon echt gut.. doch sie benötigt ein enormes Gefühl für ihr Chakra, um es im richtigen Moment freizusetzen, das ist wirklich kaum zu bewältigen... doch die Kleine ist echt bemerkenswert..“ Sie zwinkerte Tenzou zu und grinste, seine Begeisterung für mich war ungebrochen und das ließ in mir die Schmetterlinge tanzen. Angespornt durch sein Zuspruch konzentrierte ich mein Chakra, befolgte die Anweisungen meines Bruders so genau wie möglich. Ließ eine Gleichmäßige Menge Chakra fließen während ich die ersten Siegel formte, erst beim letzten gab ich eine größere Menge frei und plötzlich veränderte sich meine Empfindungen. Alles wirkte schwammig auf mich, die feste Materie die mich umgeben hatte, war verschwunden. Ich bekam Angst, blickte mich hilfesuchend um und erkannte das stolze Lächeln von Kakashi. Er war von der Couch aufgesprungen und klatschte sich begeistert in die Hände: „ Du bist ein Naturtalent Hira... du hast es geschafft...“
Ich blickte an mir herunter, betrachtete meine Hände genauer und musste sagen, ich hatte es geschafft. Mein Körper bestand nur noch aus Chakrabahnen, durch die weiß mein Chakra pulsierte und kräftig strahlte, es war als wäre ich zu meinem eigenen Element geworden.
„Und was jetzt?..“ Ich dämpfte seine Begeisterung wohl und nahm ihm die eben aufgenommene Fahrt. Erschöpft ließ sich Kakashi wieder auf die Couch fallen: „ Jetzt, sagen wir Tsunade-Sama Bescheid, dass wir soweit wären...“
„Das ist nicht nötig glaube ich..“ Hikari, die bis eben nur still zugesehen hatte, deutete auf einen kleinen Vogel am Fenster und sie hatte recht. Wir konnten uns bereits zum Treffpunkt aufmachen.

Kaum waren wir vor das Haus getreten, fror Kakashi erbärmlich, es musste an seiner Müdigkeit liegen und an dem Fieber, dass er noch immer hatte, trotzdem besorgte es mich. Wie damals auf dem Rückweg aus der Schlucht bemühte er sich darum, sich nichts anmerken zu lassen und doch konnte er das Beben seines Körpers nicht unterdrücken. Hikari flüsterte ihm leise was zu, er lächelte sie an und nickte. Ich konnte nicht verstehen was sie gesagt hatte, doch schien es ihn motiviert zu haben. Tenzou und Yugao wichen nicht von seiner Seite, sie hatten wohl die selben Bedenken wie ich. Mein Bruder sah alles andere als gut aus, auch wenn er deutlich stabiler lief als noch auf dem Heimweg vom Krankenhaus, stand er völlig neben sich. Einige der anderen Shinobi, die wir auf dem Weg trafen sprachen ihn an, doch er lief einfach an ihnen vorbei, ob er sie ignorierte oder ihre Anwesenheit überhaupt nicht registrierte, wusste ich nicht, es war nur nicht seine Art. Tenzou und Yugao gaben den Anderen Shinobi irgendwelche Zeichen, diese nickten verstehend und gingen ihres Weges, hielten sich mit Fragen zurück.  
Weiter hinten konnte ich mit einem Mal drei Haarschopfe ausmachen, die auffällig direkt auf uns zu kamen. Ein blonder Junge, ein rosa haariges Mädchen und ein dunkelhaariger Junge. Erst beim zweiten Mal hinsehen viel mir die Ähnlichkeit des Blonden zu Onkel Minato auf und ich wurde ganz aufgeregt. Das musste Naruto sein.
Tenzou wirkte nicht so begeistert: „Ach scheiße..“ und auch mein Bruder verlangsamte seine Schritte, straffte sich dann. Ich verdrehte die Augen, wollte der seinen Schülern etwa weiß machen, dass es ihm gut ging? Wahrscheinlich, sehr sicher sogar.
Schmunzelnd betrachtete ich mir die jungen Menschen vor mir und grinste in mich hinein. Gerade die rosa Haarige schien sich von seinem Auftreten nicht täuschen zu lassen.
„Kakashi-Sensei? Sollten sie wirklich schon hier herum laufen?“ sie musterte ihn genauer: „ Sie sehen aus als gehörten sie dringend ins Bett..“ Wie richtig sie damit lag, konnte sie nicht wissen. Und wie gerne er würde, er aber nicht durfte, entzog sich ebenfalls ihrer Kenntnis.
„Schon gut Sakura, wir haben ein Termin bei Tsunade...“ Hikari meldete sich zu Wort und trat hinter meine Bruder hervor, augenblicklich wirkte das Mädchen nicht mehr streng sondern versöhnlich. „Ach, ok...“
Während die beiden sich unterhalten hatte, starrte Naruto mich völlig entgeistert an, blickte von mir zu Kakashi und zurück. Schritt für Schritt rückte er mir immer mehr auf die Pelle und langsam wurde mir das Gestarre echt unangenehm. Bevor ich jedoch meinem Unmut Luft machen konnte unterband mein Bruder weiteres eindringen in meine Privatsphäre.
„Naruto, hör auf zu starren und rück ihr nicht so nah auf...“ er wollte wohl kräftig und streng klingen, die Anstrengungen sprachen aber eher aus ihm und er fuhr sich über den Kopf.
„Aber Sensei, wer ist das.. sie hat die selben Haare wie sie...“ er deutete mit dem Finger auf mich, wedelte vor meiner Nase damit herum und erntete im nächsten Augenblick eine ordentliche Kopfnuss von Sakura. Ich grinste, ich mochte die Kleine.
„Maaaaahhh Sakura-Chan was sollte das?“ sie drohte noch immer mit der Faust.
„Das wird wohl Kakashi-Senseis Schwester sein, er hat uns von ihr erzählt... und er kann es uns ein anderes Mal erzählen, wir lassen ihn jetzt zu seinem Termin.. sonst erscheint er zu spät und bekommt ärger wegen uns...“
Der einzige, der bis hierher noch kein Wort gesagt hatte, mich aber nicht minder fragend musterte war der Junge mit den dunklen Haaren. Seufzend unterband ich weiter Streitereien: „Ich bin Hira Shinzen, freut mich sehr euch kennen zu lernen... ich beantworte gern eure Fragen, aber nicht mehr heute ok? Ich muss mich erst ein bisschen um mein Bruder kümmern...“ mit diesen Worten gab ich Kakashi ein kleinen Impuls, dass er sich wieder in Bewegung setzen sollte und er folgte.
Die Drei stellten eine Frage nach der anderen, weshalb Tenzou die Initiative ergriff und sich dem Team annahm.
„Hira, ich kümmere mich hier... pass du mir gut auf dich und deinen Bruder auf...“ Er hatte mich bei der Hand gepackt und zu sich herum gedreht, bevor er mich zärtlich küsste. Seine Stirn lehnte gegen meine: „ Bitte pass auf dich auf...Ich komme nach, so schnell ich kann..“
Lachend deutete ich auf die Kinder, die ihn mit großen Augen und offenen Mündern musterten: „ Du hast jetzt wohl erst mal einiges zu erklären...“ Damit blieb er zurück.

Weitere, für Kakashi, anstrengende Minuten später erreichten wir den Gefängnistrakt . Es war kalt, feucht und muffig, rief sofort die Erinnerung an Danzou in mir wach und ich zuckte zurück. Auch Hikari schien meine Assoziation zu teilen, sie wurde eine Spur blasser und krallte sich in ihre Unterarme. „Tut mir leid, dass ihr da durch müsst...“ Kakashi lächelte uns schwach an, blieb aber nicht stehen sondern folgte dem Gang weiter in die Tiefe.
Vor einer Zell, in einem kaum mehr beleuchteten Gang, stand Tsunade und wartete auf uns.
„Ich hab es dir mal gemütlich eingerichtet...“ ihrer Hand folgend sah ich in den Raum. Sie hatte sich wirklich mühe gegeben, ein Bett organisiert statt der unbequemen Pritsche, die ich in den anderen Zellen gesehen hatte, mehrere Decken und ein ordentliches Kissen. Im Hinteren Teil erkannte ich eine Beatmungsmaschine und stockte, sie hatten hier eine kleine Intensivstation eingerichtet und ich fragte mich auf was ich mich gefasst machen musste.
Für meinen Bruder musste das wirklich verlockend aussehen, so wie für mich ein Schokoladenpudding, denn er sank etwas in sich zusammen, widerstand nur noch schwach dem Drang sich einfach auf das Bett zu werfen und endlich zu schlafen.
Die Hokage stützte ihn an den Schultern: „ Am besten legst du dich direkt hin..“
„Lieber nicht...“ er grinste und sie lachte auf: „Du schläfst doch schon im Stehen fast ein..dann kannst du dich auch hinlegen...“
„Hira soll sich nicht unter Druck gesetzt fühlen, weil ich zu früh schlafe... Sie soll sich erst in Ruhe vorbereiten und wenn sie soweit ist, dann leg ich mich hin..“ schön das mein Bruder so zuversichtlich war, dass mich das weniger unter Druck setzte ihn weiter leiden zu sehen, ich behielt diesen Gedanken mal wieder für mich.
Hikari und Yugao hatte ich einige Momente aus den Augen verloren, suchend blickte ich mich um, er kannte, dass sie noch im Gang standen und sich mit einem weiteren ANBU-Team zu besprechen schien.
„Das soll dich nicht tangieren Hira.. konzentriere dich nur auf deine Aufgabe..“ Kakashi versuchte mich zu beruhigen, schon wieder, doch ich war nervös. Wenn das alles schief lief, würde Hikari ihn wirklich töten?  Was wenn ich das Portal nicht öffnen konnte? Was wenn ich Kakashi verletzen würde? Was wenn mich das Sharingan nicht akzeptierte und ich nicht die Kontrolle übernehmen könnte? Plötzlich spürte ich den warmen Körper meines Bruders an mir, er schloss mich fest in die Arme: „ Du schaffst das schon Hira... Vergiss den Gedanken daran, was schief gehen könnte.. lass die Zweifel...“ er flüsterte es mir ins Ohr, trotzdem entspannte ich mich etwas.
Gut, ich würde das jetzt durchziehen, auch wenn ich verdammt nochmal keine Ahnung hatte was ich wirklich tun sollte.
Tsunade sorgte für Ruhe, in dem sie die Tür schloss, ich blieb mit Hikari der Hokage und meinem Bruder alleine in dem dunklen Raum, das Team welches über das Portal zu Danzou gehen würde und ein Mediziner Team blieb vor der Tür. Es nahm mir den Druck zu funktionieren, eröffnete mir mich ausschließlich auf Kakashi zu fokussieren.
Er setzte sich an die Bettkante, ließ mir aber Zeit mich an die Fingerzeichen und Chakrakontrolle zu erinnern. Langsam sammelte ich mein Chakra, bündelte es und begann die ersten Fingerzeichen zu formen, erst beim letzten gab ich wieder mehr frei und hörte neben mir Kakashis Stimme: „ Du machst das sehr gut, noch etwas mehr Chakra..“ Es pulsierte aufgeregt in mir und ich hatte mühe den Chakrastrom konstant und flüssig zu halten, dennoch gelang es mir und ich spürte die Veränderung. Ich leuchtete wie ein Glühwürmchen in dem dunklen Raum, doch noch bevor ich mich wirklich über mein geglücktes Jutsu freuen konnte, lehnte Kakashi sich stöhnend zurück.
Das Medizinische Team wurde herein gerufen und mit geübten Fingern brachten sie Kabel an, legten Zugänge und bereiteten alles vor. Mein Bruder lag mit halb geöffneten Augen auf dem Bett und starrte stur an die Wand. Diesen Blick hatte ich schon mal gesehen und es lief mir eiskalt den Rücken herunter. Diesen Blick setzte er auf, wenn er zwischen dem Hier und Dämmerzustand stand, er sich nicht fügte und abdriftete, sondern krampfhaft am Hier festhielt. Seine Muskulatur war angespannt, er verhinderte noch immer mit aller Kraft, dass er einschlief.
Ich seufzte, freute mich darüber, dass Hikari hier war, denn sie stellte sich neben ihn, kraulte ihm sanft den Nacken. Das entspannte ihn immer und es verfehlte seine Wirkung nicht.
„Tsunade...-Sama..?“ er hielt es nicht mehr aus, vergewisserte sich dennoch noch einmal, ob es in Ordnung war und gab augenblicklich nach, als seine Vorgesetzte ihm das Zeichen gab.
Ich fühlte mich erleichtert, seine Augen geschlossen und Hikari an seiner Seite, das Bild wirkte richtig auf mich. So konnte ich mich nun darauf konzentrieren das zu tun, was auch immer ich in seinem Körper tun sollte.
„Hira kleines, bist du bereit?“ Die Hokage lächelte warm, die Ärzte waren bereit und sahen mich an. Und ich? Ich war alles andere als bereit, würde jetzt dennoch kein Rückzieher machen, schließlich ging es hier um Kakashi und Konoha.
Ich stellte mich zu ihm ans Bett, betrachtete mir noch einige Sekunden seinen friedlichen Ausdruck. Er schlief tief, das konnte ich erkennen, obwohl er noch keine Medikamente bekommen hatte.
„Du kümmerst dich nur um deinen Part.. alles drumherum ist unsere Aufgabe... Ich gehe davon aus, dass aufgrund seiner Erschöpfung sein Kreislauf instabil werden wird, er vielleicht sogar aufhören könnte zu atmen, wenn wir ihm die Medikamente spritzen....Sorge dich nicht darum, wir sind vorbereitet und übernehmen das...“ Tief durchatmend nickte ich, verstanden hatte ich das sie ihm helfen würden, egal was mit ihm passierte, angst machte es mir trotzdem.
Ich schloss die Augen und legte meine Hände auf seine Brust, spürte, wie ich langsam in ihn eindrang, mit ihm verschmolz. Es war heiß und sein Körper fühlte sich schwerer an als meiner, dennoch war das Gefühl ihn zu spüren vertraut. Seine Lider waren verschlossen, und vor meinen Augen in der Schwärze, die mich umgab, zeigte er sich mir kurz.
Sanft lächelnd hob er seine Hand, wie er es immer gemacht hatte, damals als ich noch klein war. Ich war dann mit ausgestreckten Armen auf ihn zugelaufen und hatte laut seinen Namen gerufen. Er war glücklich, wenn ich das tat. Ich war glücklich, wenn ich ihn so sah.
Ich wollte etwas sagen, ihn fragen was ich nun tun sollte, wo ich hin musste, es verließ nur kein Wort meine Kehle. Stumm bewegte ich meine Lippen, nichts kein Ton.
Er drehte sich um, schob eine Hand in seine Tasche und hob erneut die Andere, seine Verabschiedung. Wenige Momente später war er verschwunden, das tiefe Schwarz hatte ihn verschluckt. Unruhig sah ich mich um, versuchte eine Lichtquelle auszumachen, doch blieb die Schwärze, wie ein dichter Vorhang.
Super, dachte ich bei mir, jetzt stecke ich hier und weiß nicht was ich machen soll. Erneut schrie ich nach Kakashi: „ Zeig mir wenigstens wo ich hin muss, was ich machen soll...“ Der Schrei jedoch blieb Stumm, hallte nur in meinem Kopf umher. Frustriert hockte ich mich hin, spürte, wie sich Kakashis Körper bewegte, er sich auf die Seite drehte und die Beine anzog.
Jauchzend klatschte ich mir in die Hände, das war ein erster Anhalt, wie das ganze funktionierte. Ich übernahm die Kontrolle über ihn, war also wörtlich gemeint. Ich schloss meine beiden Augen, konzentrierte mich und öffnete mein linkes.
Die Welt veränderte sich, ein rötliches Licht zog sich vor meinem Auge, die Hokage erschien in meinem Sichtfeld, rief: „ Sie hat es geschafft, Phase zwei kann beginnen...wir warten nur darauf, dass sich das Portal öffnet..haltet euch bereit..“
Sie schoben den Körper meines Bruders wieder auf den Rücken, ich sah an die Decke, dann wurde mir komisch. Ich hörte die Unruhe um mich herum, mir wurde schwindelig und das Herz begann kräftig zu schlagen. Ich horchte in mich hinein und erkannte, dass es nicht mein Herz war, sondern das von Kakashi, das unruhig und viel zu schnell in seiner Brust schlug. Sein Kreislauf musste Probleme machen. Ich musste mich darauf besinnen, das Auge zu benutzen, durfte mich nicht von seinen vegetativen Symptomen beirren lassen. Mit zwei Fingern an meinen Lippen konzentrierte ich mich erneut, ließ mein Chakra in jede Zelle seines Körpers fließen um ihn zu schützen, wenn ich das Sharingan aktivierte. Sein Körper würde die Strapazen nicht mit machen können.
Mühsam, ächzte ich, sammelte noch mehr meines Chakras und bekam zum ersten Mal ein Eindruck davon, wie es sich anfühlen musste, dieses Auge aktivieren zu wollen. Es fühlte sich an, als würde man an einem Seil einen ganzen Berg versetzen wollen, ich zog und zerrte, pumpte Chakra durch seinen Körper und irgendwann war dann dieses verdammte Ding so gnädig, die Tomoe rotieren zu lassen. Es war aktiviert, doch wie sollte ich jetzt das Sharingan in das Mankegyou Sharingan verändern? Tsunade und die anderen Medinin schienen sich wie in Zeitlupe zu bewegen, ich konnte jedes Wort erkennen, obwohl ich sie nicht hören konnte. Das war schon verdammt cool. Sie stabilisierten meinen Bruder grade, hatten ihm Medikamente gespritzt, wenn ich das richtig verstanden hatte und Tsunade beruhigte Hikari, das sie alles im Griff hatten.
Unablässig strömte meine Energie in das Auge, die Tomoe drehten sich immer schneller und einem Impuls folgend schloss ich das Auge einige Sekunden.
Als ich es dann wieder öffnete wurde der Sog an meiner Energie um einiges stärker, ein Strudel entstand und kaum hatte sich ein konstant sich um sich selbst drehender Strudel gebildet, spürte ich mein Chakra auf der anderen Seite.
Es schien mich anzuziehen, wie ich es schon bei Kakashi gespürt hatte.
Ich hörte Danzou in meinem Kopf, er schrie auf, ging in die Knie und verlor augenblicklich das Bewusstsein. Offensichtlich war er nicht nur nicht in der Lage das Sharingan zu beherrschen sondern er schaffte es auch nicht mein Chakra zu kontrollieren. Es kontrollierte ihn und nahm ihm mit meiner Anwesenheit augenblicklich die Fähigkeit sich zu wehren.
Ich blieb in der Position, die Brücke war geschlagen, nun war es an den ANBU das Beste daraus zu machen. Es war vereinbart, dass ich mich sofort zurück ziehen sollte, wenn die beiden Teams dort angekommen waren und ich hielt mich daran. Ich schloss die Augen wieder und versuchte mich zurück zu ziehen.
Es wollte nicht. Mein Chakra ließ mich nicht gehen.
Kakashi erschien vor mir, er war klein noch sehr klein. Vielleicht gerade fünf und er rannte mit ausgestreckten Armen auf unseren Vater zu. Ich schluckte. Mein Vater, gesehen hatte ich ihn noch nie wirklich und er wirkte fremd auf mich. Der kleine schien dem Mann etwas ganz aufgeregt zu erzählen, doch der Mann reagierte kaum darauf. Traurig lächelnd nahm Kakashi die Arme wieder runter unterließ es auf ihn einzureden.
Kurz wurde es wieder schwarz um mich herum. Das Bild änderte sich.
Der kleine Kakashi betrat ein Haus, zog sich die Schuhe aus und legte eine Urkunde auf dem Tisch ab. Er rief in das Haus hinein, wahrscheinlich nach unserem Vater, doch dieser schien nicht zu antworten. Der junge suchte in sämtlichen Räumen des Hauses, fand ihn dann auf dem Boden des letzten Zimmers. Er schaltete das Licht an und ich erstarrte, schrie auf und begann unwillkürlich zu weinen. Unser Vater hatte sich eines seiner Katana durch den Körper gerammt und lag nun in einer Lake aus Blut zusammengekrümmt vor Kakashis Füßen. Zitternd ging mein Bruder neben ihm in die Knie, kein Ton entkam ihm, kein Laut der darauf hindeutete was er empfand.
Stunden lang, wie es mir vorkam, saß mein Bruder neben unserem toten Vater, das Blut klebte an ihm und ich konnte die Kälte spüren, die im Haus herrschte. Ich wünschte mir beistand für ihn, jemanden, der ihn daraus holte, ihm den Anblick nahm, ihn davor schützte. Doch auch viele weitere Stunden später war er alleine in dem kalten Haus.
Irgendwann brach der Morgen an, Kakashi kniete unverändert mit Schock starren Augen auf den Leichnam gerichtet da, als endlich hinter ihm die Tür aufging. Minato stürzte herein, erkannte die Situation sofort und schloss ihn in die Arme. Mein Bruder reagierte kaum, bis er mit einem Mal in den Armen des Mannes erschlaffte.
Es war schrecklich, ich konnte den Schmerz spüren, den er empfunden hatte, atmete hektisch und bemühte mich darum mich nicht zu übergeben. Ich wollte das nicht mehr, ich ertrug das nicht mehr, es sollte endlich aufhören für ihn. Die Bilder drehten sich vor meinen Augen, Kakashi kämpfte sich zurück, ich spürte den gegen Druck, er wollte mir das nicht zeigen, mein Chakra bohrte sich tief in seine Erinnerungen und riss sie ans Tageslicht. Dinge die im verborgenen bleiben sollten, sonst würde er erneut leiden und das wollte ich nicht. Ich zog so stark an meinem Chakra, dass die Verbindung abriss, wurde von ihm geschleudert und prallte gegen etwas hartes.

Was dann geschah weiß ich nicht, als ich endlich wieder fähig war meine Augen zu öffnen lag ich im Krankenhaus, neben mir an meinem Bett saß Tenzou. Er war neben mich gesunken, schien fest zu schlafen und sofort drängte sich mir die Frage auf, wie lange ich schon hier sein musste. Zärtlich strich ich ihm durch die Haare: „ Tenzou? Vielleicht solltest du nach Hause gehen und dich ausruhen..“ er murrte verschlafen: „Kommt nicht in Frage.. ich warte hier bis du aufwachst und mir sagst, dass es dir gut geht...“ er ließ sich erneut auf seinem Arm nieder.
„Mir geht es gut...Wie geht es den anderen?...Was ist mit Kakashi?“ Erschrocken fuhr er hoch, sah mich einige Sekunden fassungslos an. Langsam schien er zu verstehen, das ich wach war und seine Züge erhellten sich: „ Verdammt ich hab mir sorgen gemacht..“ Seine Arme umschlossen mich und drückten mich an seine starke Brust.
„Tenzou, was ist mit Kakashi und den anderen..?“ Sanft schob er mich auf meine Frage hin von sich. Blickte mich einige Sekunden mit einem undefinierbaren Ausdruck an.
„Die anderen habe den Weg zurück gut geschafft... das Sharingan ist zerstört, aber Danzou konnte nach einem längeren Kampf leider entkommen. Er wird für Kakashi oder dich keine Gefahr mehr darstellen...“ er pausierte und ich wurde nervös, sein Ausdruck war seltsam, irgendwas stimmte nicht.
„Tenzou, was ist mit Kakashi, wo ist er...Ich muss zu ihm..“ er hielt mich zurück: „ Hira, du kannst im Moment nicht zu ihm... Es gab Komplikationen...“
Entsetzt starrte ich ihn an, was wollte er mir hier sagen? Heiße und Kalte Wellen schlugen durch meinen Körper, mir wurde schlecht. Ich atmete erneut hektisch und schnaufte angestrengt, unterdrückte meine Tränen. Ich wollte den Gedanken nicht zu lassen, dass er vielleicht starb, während ich nicht bei Bewusstsein gewesen war.
„Sag mir nicht, dass er....Tenzou das ertrag ich nicht..“ Ich zitterte, Panik in mir verhinderte, dass ich seine Hände auf mir ertrug, ich schlug sie weg und er seufzte: „Sieh mich bitte an...“ ich gehorchte und er lächelte sanft: „ Er lebt... allerdings liegt er seit drei Tagen im Koma....Als die Chakraverbindung zwischen ihm und dir riss, gab es ein Chakrarückstrom. Er verlor das meiste, es reichte gerade um seine Lebenswichtigen Organe zu versorgen...“ Er fuhr sich über die Haare: „ Du warst jetzt drei Tage ohne Bewusstsein und ich habe echt gedacht, dir ist etwas ähnliches passiert...“ Er flüsterte es leise, sah mich mit so viel Liebe in den Augen an, dass ich nicht an mich halten konnte und mich an ihn warf: „ Tut mir leid...“

Zwei Stunden später hatte ich meinen Freund überredet mir einen Rollstuhl zu besorgen und mit mir zur Intensivstation zu gehen. Zu seiner Verwunderung wurden wir eingelassen und direkt zu Kakashi gebracht.
Mein Bruder lag blasser denn je in einem Bett, ein Schlauch führte aus seinem Mund zu einem der Beatmungsgeräte und das unablässige regelmäßige Pumpen der Maschine erfüllte den Raum. Medikamente führten, wie schon bei seinem letzten Aufenthalt hier, in einen Zugang an seinem Hals. Zerbrechlich, war das einzige was mir zu diesem Bild einfiel. Fragil, zwischen Leben und Tod waberte der Körper meines Bruders.
Ok, ich gebe es zu. Ich heulte was das Zeug hielt. Er lebte und dann doch wieder nicht. Er war hier und war doch nicht bei uns. Und ich ertrug es nicht mehr mich so um ihn zu sorgen.
Diese Sorge um ihn, war der einzige Grund warum ich ihn hasste. Ich hasste ihn so sehr dafür, dass er mich nicht anlächeln konnte, mir nicht seine große schützende Hand auf den Kopf legte und ich hasste ihn dafür, dass ich wusste, wie sehr er unter allem litt und er sich einfach nicht helfen ließ.
Heulend umfasste ich seine kalte Hand: „ Du bist so ein Arsch...weißt du eigentlich, dass ich die meiste Zeit wegen dir heule? Nie lässt du mich helfen...erst, wenn es eigentlich zu spät ist und du keine Wahl hast.. aber muss es immer erst soweit kommen?“ Noch während ich sprach bemerkte ich wie seine Hand zuckte, seine Züge verkrampften sich, Tränen lösten sich aus seinen Augen. Verzweifelt starrte ich auf das Bild.
Mit einem Mal riss ich mein Arm weg, kleine elektrische Impulse schossen von seiner Hand über meine Haut, mein Arm begann zu brennen, kleinere bläuliche Blitze züngelten an ihm entlang.
Ich betrachtete mir die Stelle genauer und schrie auf: „ Kakashi...“ ich sprang aus dem Stuhl und sah hilfesuchend zu Tenzou: „ Tenzou er ruft um Hilfe....“ Mit meinem Arm vor seiner Nase machte ich ihm deutlich was ich meinte, dort stand „Hilf mir“  Genauso hektisch wie ich, stürmte er nach draußen, veranlasste, dass man der Hokage Bescheid gab.
Ich blieb bei Kakashi, versicherte ihm leise flüsternd, das wir ihm helfen würde, dass er durchhalten sollte und ich das mit dem Arsch natürlich zurück nahm.

Für meinen Geschmack dauerte das alles zu lange, es zog sich wie Kaugummi, bis ich die schnellen, klappernden Schritte der Hokage hörte und sie leicht außer Atem das Zimmer stürmte. Sie wirkte im ersten Moment verwirrt darüber, dass sich an seinen Werten, seiner Verfassung nichts geändert hatte, weshalb ich ihr ohne große Erklärungen meinen Arm zeigte.
„Er hat mir eine Botschaft geschickt... Ich weiß nur nicht, wie das sein kann...“ Fragend sah ich sie an, ich erhoffte mir wirklich eine Antwort und wirkte dementsprechend unruhig und ungeduldig. Sie überlegte: „ Kannst du mir noch mal ganz genau erklären, was als letztes passiert ist, bevor du dich von ihm gelöst hast?“
Krampfhaft versuchte ich mich zu erinnern, da war der Sog meines Chakras, der sich nicht trennen wollte, der Bilder aus seiner Vergangenheit herauf befördert hat, die Kakashi vor mir weder angesprochen noch preisgegeben hat. Er hat über den Tod von Obito und Rin gesprochen, Onkel Minato, doch unseren Vater hat er nie erwähnt, nie. Und ich hatte es immer vermieden, das Thema anzusprechen. „Ich hab den Tod unseres Vater gesehen... dann hat er sich gewehrt, der Chakrastrom riss ab...“ wie in Trance erzählte ich, war mir nicht sicher, ob das wichtig war.
„Das ist es...Ich weiß das ist schwierig für euch beide...an welchem Punkt war das?“ Die Hokage fixierte mich intensiv, sie schien zu wissen, was das Problem war.
„In dem Moment wo Onkel Minato ihn fand und in die Arme schloss...Ich glaube er ist in seinen Armen eingeschlafen...“ Vehement schüttelte die Hokage den Kopf: „ Nein, er schlief damals nicht ein... Er hatte einen Schock, der dazu führte, dass er einig Tage Bewusstlos war...Sein Körper hat einfach aufgehört zu funktionieren....Und dieses Phänomen, haben wir jetzt wieder... Dieser tiefsitzende Schock hat sich in seinem Unterbewusstsein ausgebreitet und verhindert, dass er sich zurück kämpfen kann....Er ist gefangen in einer Art Dauerschleife.“
Meine Schuld, schoss es mir durch den Kopf, das war meine Schuld. Verzweifelt mit weit aufgerissenen Augen krallte ich meine Finger in meine Haare. Wippte, wie so häufig in solchen Situationen vor und zurück, bis sich die Arme von Tenzou um mich legten und ich hemmungslos an seiner Brust heulte. „Das ist meine Schuld... Ich hab ihm das angetan....“
Ich spürte, dass mein Freund über mir zur Hokage aufsah, wahrscheinlich fragten beide sich, was ich damit meinte. Im Grunde war es auch egal, wir brauchten eine Möglichkeit ihm zu helfen, nur war ich mit meinem verstörten Hirn gerade nicht in der Lage klar zu denken. Unser genialer Stratege war außer Gefecht und brauchte unsere Unterstützung. Verfahrene Situation.
Während ich dem starken Herzschlag von Tenzou in den Ohren hatte, flaute meine Panikattacke wieder ab, ich konnte wieder durchatmen und fühlte mich etwas klarer.
Gedankenverloren strich ich mir über den Arm, sah Tsunade dabei zu, wie sie meinen Bruder untersuchte, die Einstellungen an den Geräten veränderte und einige Dinge notierte.
„Wie hat er es eigentlich gemacht mir diese Nachricht zu schicken..?“ Ich durchbrach die Stille so plötzlich, dass beide zusammenzuckten und verwundert zu mir herunter sahen.
Die Augen der Hokage weiteten sich: „ Hira du bist genauso genial wie dein Bruder...“
Ich verschluckte mich kräftig an meinem Speichel und hatte wirklich keine Ahnung wovon Tsunade sprach, freute mich aber, dass sie anscheinend einen Einfall hatte.
„Kannst du dein Jutsu noch mal anwenden? Kannst du zu ihm gehen? Du bist mit ihm verbunden, deshalb konnte er dir auch diese Nachricht schicken, du trägst doch immer noch das Siegel...“
Ich verstand langsam. Mein Bruder war irgendwo gefangen in sich selbst, die einzige die ihn finden konnte war ich, da ich eine Art heißen Draht zu ihm besaß, der nur bestand, weil ich noch immer das von meinem Bruder kreierte Siegel trug.
„Ich weiß nicht ob ich das alleine schaffe...Kakashi hat mich die letzten Male angeleitet...“ Ich wippte wieder leicht, wurde dann von Tenzou gestoppt: „ Hör auf damit, vertrau dir selber ein bisschen.. es erwartet keiner Wunder...“
Ich zischte leise, als mein Arm wieder brannte, erinnerte mich dann erneut daran, dass Kakashi so mit mir kommunizierte.
„Du schaffst das...Ich brauche dich...“
„Oh Man...“ Ich heulte los, schon wieder, wie so oft und es nervte mich. Ich war eine Wandelnde Tränendrüse, doch wenn er mir auch solche Sachen schrieb. Auf die Fragenden Gesichter hin, hielt ich meinen Arm hoch, damit sie sehen konnten und auch Tenzou schluckte hart.
„Was ist denn hier los?...“ Hikari kam zur Tür herein, sah in die Runde und strahlte mit einem Mal: „ Hira, Kleines... wie schön, dir geht es besser...“ Sie ließ sich schwerfällig auf dem Stuhl neben Kakashis Bett sinken: „Ich hab mir solche Sorgen gemacht...“ Sie griff nach seiner Hand: „Sie ist wieder wach...“ murmelte sie ihm zu, während einige wässrige Perlen neben seinem Kopf ins Laken tropften. Entschlossen richtete ich mich auf: „ Ja, jetzt bin ich wieder wach, nun kümmern wir uns um Kakashi...“ Ich hielt ihr meinen Arm hin, blickte dann zu Kakashi: „ Sag ihr was du möchtest, ich lese es auch nicht... danach fangen wir an...“
Mein Arm brannte, die Zeichen veränderten sich und ich hörte, wie die Frau neben mir einen erstickten Laut von sich gab, lachte und weinte gleichzeitig: „ Es ist ihm nicht peinlich...“
Breit grinsend las ich die Schriftzeichen auf meinem Arm. „Es soll jeder wissen....Ich liebe dich..“
„ Boah kitschig....Ok, genug der Gefühle...“ ich klatschte mir in die Hände, rieb kräftig: „ In die Welt hinaustragen kann er das selber, wenn wir ihn wieder haben...“
Erstmal atmete ich tief durch, konzentrierte mich, spürte relativ schnell, dass ich nicht so viel Chakra zur Verfügung hatte, wie beim ersten Mal. Nervös biss ich auf meiner Unterlippe herum, meine Gedanken schweiften ab, was wenn es nicht reichte? Was wenn ich nicht bis zu ihm vordringen konnte? Was wenn ich zwar hinein kam, aber ihn nicht mit raus bringen konnte?
Erneut schmerzte mein Arm und ich verdrehte die Augen, da stand „Beruhige dich, hör auf zu zweifeln..“ Ich sah zu meinem Bruder auf und streckte ihm die Zunge raus: „ Hör jetzt auf damit, sonst kann ich mich nicht konzentrieren.“
Minuten lang schloss ich die Augen, ich würde das jetzt meinem Tempo nach machen und wenn es eben etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, wäre das auch egal.
Langsam mit bedacht vollzog ich die ersten Fingerzeichen, versuchte mir penibel genau die Worte von Kakashi ins Gedächtnis zu rufen und das zu befolgen, was er mir die ersten Mal gesagt hatte.
Gleichmäßig atmen, gleichmäßiger Chakrastrom, nicht zu stark, erst mit dem letzten Siegel mehr zuführen und halten. Einfach, ganz einfach, immerhin hatte ich das ja schon zwei Mal gemacht und nach dem zweiten Mal lag mein Bruder im Koma, was soll also noch schlimmeres passieren.
Ja, ich war zynisch, irgendwie musste ich meine Angst ja kompensieren.
Das letzte Siegel folgte und ich merkte schon beim Formen, dass ich nicht genügend Chakra hinzu gegeben hatte. Ich begann zu zittern, ich würde versagen, ich würde, jetzt wo es auf mich ankam versagen.
„Schon gut nicht schlimm versuch es einfach noch mal...du bist aufgeregt, das wissen wir...“ Tenzou küsste mich auf den Kopf und ich versuchte mich in den Griff zu bekommen. Mein Herz raste und ich fühlte mich steif. Lockernd ließ ich meine Schultern kreisen, jetzt aber, sagte ich mir in Gedanken und vollzog das Ganze erneut.
Wenn ich mich nicht hätte weiter konzentrieren müssen, um es aufrecht zu erhalten, hätte ich einen Luftsprung gemacht, ich hatte es doch tatsächlich geschafft. Meine physische Gestalt hatte sich verändert, ich bestand nur noch aus Chakra und würde mich nun daran machen, meinem Bruder zu helfen. Ich legte meine Hände auf seine Brust, wollte, wie beim ersten Mal, in ihn gleiten, als ein Ruck durch seinen Körper ging und ich durch einen Chakra Impuls von ihm geschleudert wurde.
Sein Herz begann zu rasen, die Geräte alarmierten, seine Körpertemperatur sank und mit ihr wich die Farbe von seinen Lippen, die bis eben noch vorhanden gewesen war.
„Was passiert hier..?“ die Hokage hantierte hektisch an den Geräten, verabreichte Medikamente und sah mich fragend an.
„Ich weiß es nicht, wir haben es doch beim letzten Mal genauso gemacht...Ich weiß nicht was jetzt anders ist...“ Ich hockte mich vor das Bett und hielt mir die Ohren zu, die Geräusche waren furchtbar, sie signalisierten, dass mein Bruder sterben könnte. Wut durchströmte mich, wieder sorgte ich mich um ihn: „ Verdammt noch mal Kakashi, lass mich zu dir...egal was du da gerade durchlebst, wir sind doch eine Familie, das geht mich auch was an...lass dir endlich helfen...“ zornig schrie ich ihn an und mit einem Mal normalisierten sich die Werte wieder.
„Gut und jetzt komme ich zu dir...“ erneut legte ich meine weiß glühenden Hände auf ihn, glitt langsam in ihn hinein und wurde von der Schwärze empfangen.
Es war eiskalt, nicht warm wie beim letzten Mal. Ich stieß kleine weiße Dampfwolken aus, während ich mich suchend umsah. Stimmen drangen an mein Ohr, dazwischen das weinen eines Kindes.

„Seht da nicht so hin, aber das ist der Junge dessen Vater Selbstmord begangen hat...“
„Das wird schon ein Grund gehabt haben, der Vater hat es bestimmt nicht mehr ertragen...wahrscheinlich hat er ihm deshalb auch eine Maske aufgezwungen...“
„Das Kind soll schon gemordet haben, der ist blutrünstig wie ein Dämon...“
„Wir müssen die anderen Kinder vor ihm schützen...jetzt ist nicht mal mehr der Vater da, der ihn kontrollieren kann...am besten wäre es, wenn man ihn aus dem Dorf verbannt.“
„Man hat ihn wohl neben der Leiche seines Vater gefunden...wer weiß vielleicht war das kein Selbstmord, sondern der Kleine hat ihn umgebracht.. er soll über und über voll gewesen sein mit dem Blut...“

Das Weinen wurde lauter, es klang verletzt, verzweifelt und einsam.

„Er ist schon wieder nicht zur Schule gekommen, wer weiß, vielleicht hält er sich für was besseres..“
„Obito, du bist gemein... vielleicht ist er auch krank, wir sollten nach dem Training mal nach ihm sehen...“
„Du bist viel zu mitfühlend Rin...Er hat doch seinen Papa, den weißen Reißzahn von Konoha, wen braucht er schon weiter...“
Das Mädchen schien zu seufzen: „ Sieh mal da kommt Minato-Sensei...“ das Mädchen brach ab, stutzte: „ er sieht blass aus...“
„Sensei? Ist was passiert?“
Der Angesprochene schluckte hörbar: „ Es geht um Kakashi... sein Vater hat sich vor zwei Tagen in ihrem Haus das Leben genommen...Kakashi hat ihn gefunden und die letzten zwei Tage neben ihm verbracht...Wir haben ihn eben ins Krankenhaus eingeliefert....“ der Mann pausierte: „ Wir werden das Training heute ausfallen lassen...Ich werde mich gleich ins Krankenhaus begeben und nach seinem Zustand fragen.. ich gebe euch dann Bescheid, bitte seht davon ab ihn zu besuchen, bis ich euch das OK gebe.. Ja?“

Das Kind weinte und weinte, niemand hörte es und ich konnte es nicht sehen.

„habt ihr schon gehört, der Dämon hat das nächste Opfer auf dem Gewissen, seinen Teamkameraden...“
„Wie furchtbar, er hat sich sogar das Auge gestohlen...Er kennt wirklich keine Grenzen..“
„Der weiße Dämon von Konoha, wenn das so weiter geht kann man sich nicht mehr trauen die Kinder auf die Straße zu lassen..“
„Wahrscheinlich braucht er Blut um das Auge behalten zu können. Ich habe gehört, er soll zur ANBU wechseln, damit er genügend Auftragsmorde verüben kann und an ausreichend Blut kommt...“
„Viel schlimmer noch, man hat ihm ein kleines Mädchen anvertraut, das Kind ist gerade 1 Jahr alt.. was denkt sich der Hokage dabei nur?“
„Sie sieht aus wie er, vielleicht ist sie auch ein Dämon....“
„Nein, ich habe gehört, dass sie keine Fähigkeiten hat und solange das so ist... kann sie auch kein Dämon sein...viel mehr müssen wir uns um sie sorgen, dass er ihr nichts antut..“
„Der weiße Dämon übernimmt die Verantwortung für ein Kind...“

Gequälte Laute, ein Herzzerreißender Schrei aus der Kehle eines Kindes.

„Kakashi? Wo ist Rin?“
„Tot..“
„Was sagst du da?..Wie..“
„Tot..“
„Das hab ich verstanden.. aber wie ist das passiert?“
„Tot...“
„Hörst du mich? Kakahsi? Sieh mich an..“ hektisches treiben war zu hören, einige Männer eilten herbei laute Rufe: „ Wir brauchen ein medizinisches Team am Haupttor.“
„Bleib jetzt bei mir.. Kakashi, sag mir was passiert ist...“
„Chidori...tot...“
„Du hast Rin..? Bei Kami, Kakashi...!“
„Den Berichten zu folge, die wir vom Unglücksort haben, hat sich Rin in den Angriff geworfen, sie wurde von dem Chidori durchbohrt und war sofort tot. Die genauen Umstände sind uns nicht bekannt, die Untersuchungen laufen...“

Der Schrei wurde von erneutem weinen  abgelöst, bitterlich, flehend.

„Wie willst du dich in deinem Zustand um ein Kind kümmern? Verdammt noch mal Kakashi... denkst du eigentlich auch mal nach?“
„Was soll ich denn machen? Ich weiß nicht was ich machen soll...“ Kleinlaut drang die Stimme meines Bruders durch die Dunkelheit.
„Kushina und ich sind doch da Kakashi.. komm erst mal wieder klar, finde zu dir selbst...Wie lange hast du nicht mehr geschlafen, oder gegessen... hast du mal in den Spiegel gesehen...?“
„Ich weiß wie scheiße ich aussehe... doch wenn ich mich nicht um sie kümmere, dann wird sie mir genommen und wenigstens Sie soll Familie haben ... Ich bin ihre Familie.. Ich...“
„Kakashi? Hey, was ist mit dir?...Kushina, ruf einen Arzt...“

Wimmernde Laute, kläglich, erschöpft kurz vorm versiegen.
Ich begann in die Dunkelheit zu Rufen: „Kakashi? Wo bist du?“
eine kurze Sequenz erhellte sich weiter hinten. Dort Lag ein Körper und daneben saß ein Kind.
Das Weinen kam von meinem Bruder, das hatte ich begriffen, ich rief erneut nach ihm.
„Kakashi zeig dich, ich bin hier... du bist nicht mehr alleine...“ kurzes aufleuchten, schwach pulsierendes Chakra, dann Kälte.
Ich rannte los, in die Richtung, in der ich ihn vermutete. Rief immer wieder, sprach mit ihm, flehte ihn an sich zu siegen und schaffte es irgendwann, das weinende Kind zu erreichen.
Verstört starrte der kleine grauhaarige Junge auf den leblosen Körper unseres Vaters. Ich musste den drang widerstehen mich zu erbrechen, das viele Blut brachte mich an meine Grenzen.
Gerade als ich mich etwas gefasst hatte und mich zu dem kleinen hinunter beugen wollte, trat ein weiterer Kakashi in das Licht. Sein linkes Auge blutete stark, seine Hände waren getränkt und er streckte sie mir entgegen. Wieder kämpfte ich enorm gegen den Brechreiz, als hinter mir blaue Blitze züngelten. Wie ein Schatten wankte der Kakashi auf mich zu, seine Rüstung und sein Arm waren ebenfalls voll von dem roten Lebenssaft.
Kurz stellte ich mir die Frage, ob es schlimm wäre in Kakashis Unterbewusstsein zu kotzen, doch noch schaffte ich es mich zu beherrschen.
„Hira...“ die unverwechselbare Stimme meines Bruders erklang und ich drehte mich einmal um die eigene Achse.
„Da bist du ja...“ ich strahlte ihn an, erkannte dann die vielen Hände an seinem Körper, die Blutspuren in den verschiedenen Handgrößen. Sie hatten sich in seine Kleidung gekrallt, ihn daran gehindert zu gehen, ihn gezwungen die Geschichte wieder und wieder zu erleben.
„Ich kann nicht gehen... wer kümmert sich denn um sie?“  er lachte leise, verzweifelt.
Ich verstand, sie ließen ihn nicht gehen, seine Vergangenheit ließ ihn nicht gehen.
„Erinnerst du dich denn nicht Kakashi? Onkel Minato war doch da.. die ganze Zeit hat er sich um dich gekümmert... das tut er noch, ich hab es gesehen...“
Mein Bruder schien zu überlegen: „Ich kann ihm das nicht aufbürden...“
Seufzend strich ich mir die Haare aus der Stirn: „ Das ist nie eine Bürde für jemanden von uns gewesen, weißt du warum? Weil wir dich gern haben, ob du es glaubst oder nicht...“
Seine Augen weiteten sich: „ Das hast du mir schon mal gesagt, oder?“
Nickend bestätigte ich: „ Nicht nur einmal Kakashi... ich habe über die Jahre so viele furchtbare Dinge zu dir gesagt und nach dem was ich gehört habe, war ich nicht die einzige...“ betreten sah ich zu Boden, ich schämte mich so sehr, dass ich nie gesehen oder verstanden hatte.
„Hira? Ich weiß nicht ob ich zurück kann... ich bin müde...“ er ließ sich auf die Knie sinken.
„Was meinst du? Ich bin hier um dich zu holen...ich helfe dir hier raus....“ ich lächelte aufmunternd und streckte ihm meine Hand entgegen.
„Nein, Hira... Ich bleibe hier bei den Anderen... dann ist niemand hier unten alleine.“
Zornig raufte ich mir die Haare, was sollte das nun? Ich war doch hier um ihm zu helfen, wieso wollte er dann plötzlich nicht mehr?
„Du hast mich doch gerufen...Du hast mich um Hilfe gebeten und jetzt bin ich hier...“ erneut lächelte ich ihn an. Ich musste zugeben, er sah schlecht aus, sehr schlecht sogar, doch sein körperlicher Zustand war ja auch derzeit nicht der beste.
„Ich kann nicht...“ Meine Augenbraue wandert nach oben, langsam begriff ich, dass es hier nicht um den erwachsenen Kakashi ging. Es war ja das Unterbewusstsein des Mannes und der war bis über alle Maßen erschöpft.
Ich hockte mich vor ihn hin: „ Hey, du hast recht... zieh mal deine Weste aus...“ Er folgte meiner Anweisung, ich griff mit zu und zog sie ihm von den Schultern. Zwei Mal faltete ich sie und platzierte sie vor ihm auf den Boden: „ Hier leg dich da hin....“ Wieder gehorchte er, schloss sofort die Augen, als er lag. Zärtlich kraulte ich ihm den Nacken: „ Du musst nicht mehr wach bleiben, du darfst jetzt schlafen... du hast lange genug dagegen an gekämpft...“
„Wirklich?“ murmelte er schlaftrunken, bevor er tief und fest eingeschlafen war.
Lächelnd richtete ich mich wieder auf, schritt auf den Kakashi mit seinem Chidori zu.
Ich ignorierte die blauen Blitze und nahm ihn einfach in den Arm: „ Es ist so furchtbar was passiert ist... doch du bist nicht alleine.... Ich bin da, ich bin deine Familie...“ die Blitze erloschen und der Körper sackte in meinen Armen zusammen. Sanft brachte ich ihn zu Boden, legte ihm sein Arm unter den Kopf und  hauchte ihm ein Kuss auf.
Im Anschluss begutachtete ich das Auge meines Bruders: „ Was für ein wundervolles Geschenk.... du wirst in deiner Laufbahn so viel gutes damit vollbringen und immer wieder Grenzen aushebeln.... So viele Menschen werden damit gerettet....“ Der Junge begann zu zittern, auch ihn schloss ich in die Arme, brachte ihn in den Schlaf und legte ihn behutsam am Boden ab.
Langsam trat ich neben den kleinen Jungen, die Augen auf den toten gerichtete, weit aufgerissen, schock starr. „Hey, Kakashi? Erzählst du mir deine liebste Geschichte? Vielleicht eine Geschichte, die unser Papa dir immer erzählt hat?“ er zuckte zusammen, drehte seinen Kopf mit den weit aufgerissenen Augen zu mir. Im ersten Moment erschrak ich regelrecht, doch der Junge nickte. Seine Unterlippe begann zu beben, Tränen lösten sich, bevor er bitterlich begann zu weinen.
„Du bist nicht mehr alleine Kakashi.. du bist nie wieder alleine, das verspreche ich dir...“ Minuten Lang ließ ich ihn weinen, er schrie den Schmerz hinaus, den er all die Jahre angesammelt hatte, bis er erschöpft zusammen sackte. „Deine Freunde warten auf dich, Hikari und ich...“
Ich erhob mich und reichte ihm die Hand: „ Kommst du?“ Ein lächeln zierte seine Züge, nickend ergriff er meine Hand. Ich begann intensiver zu leuchten, zog meine Chakra aus ihm zurück und sackte neben seinem Bett in der Zelle zusammen.

Ich konnte nur einige Minuten Ohnmächtig gewesen sein, denn als ich meine Augen aufschlug, beugte sich die Hokage über Kakashi, die Anzeigen am Monitor spielten verrückt und einige Schwester sowie zwei weitere Ärzte stürmten herein.
Ich war noch nicht ganz Herr der Lage, als das Schauspiel sich dem ende neigte und die Hokage sich erleichtert Seufzend zu mir herum drehte: „ Er ist wieder bei uns...“
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