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Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
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Dieses Kapitel
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20.04.2021 3.691
 
1.

Es hatte mich rasend gemacht, meinen Bruder, in seiner verdreckten Rüstung, auf der Couch anzutreffen. Nicht nur, dass ich mir im Umgekehrten Fall hätte sonst was anhören müssen, wenn ich nur mal mit schmutzigen Schuhen in die Wohnung trat, sondern auch, weil er, verdammt noch mal, auf meinen neuen Hosen lag.
„Komm schon, wach endlich auf...“ ich rüttelte fest an seiner Schulter, erbost darüber, dass er nicht einmal reagierte. „Verdammt Kakashi, du liegst mit deiner schmutzigen Ausrüstung auf meinen Hosen...“ nun wagte er es doch, zumindest seine Augen einen kleinen Spalt zu öffnen, gütig, wie ich fand. Ächzend setzte er sich in Bewegung und mit jedem Zentimeter, den er sich bewegte, wuchs mein Entsetzen. Zu meinem Leidwesen, hatte sich in Höhe des Schritts ein roter Fleck gebildet, ein Blutfleck, um genau zu sein, auf meiner neuen Hose.
„Was zum...weißt du eigentlich, wie teuer die war?“ mit weit aufgerissenen, zornigen Augen starrte ich ihn völlig entgeistert an.
„Nein, aber sag es mir doch...“ ein gewisses Lauern lag in seiner Stimme, noch versuchte er ruhig zu bleiben. Ich ignorierte das: „ Hast du überhaupt eine Ahnung von Mode? Dafür zahlt man eine Menge Geld...Aber wem erzähle ich das, du trägst ja außer deiner Rüstung und hin und wieder deiner Sportkleidung nichts weiter...“ ich giftete, was das Zeug hielt, doch mein Bruder, die Beherrschtheit in Person, zuckte nur mit der Augenbraue.
„Wie viel hast du für Diese eine Hose ausgegeben und wie viele andere Kleidungsstücke hast du für viel Geld, der Mode entsprechend, angeschafft...?“ ich nahm seinen schärferen Ton wahr, aber es war mir egal, erneut ignorierte ich es.
„Eine Menge...“ seine Augen hatten sich verengt und zum ersten Mal wurde ich mir bewusst, in welcher Situation ich mich befand, was für ein Blödsinn ich da von mir gab, doch ich konnte nicht aufhören.
„Was meinst du woher das ganze Geld kommt, was wir zum LEBEN haben..?“ er knurrte, versuchte sich noch immer zu beherrschen: „..Und meinst du nicht, dass es ein bisschen egoistisch ist, das ganze Geld für Kleidung auszugeben, obwohl andere Dinge wichtiger wären?“
Empört schnappte ich nach Luft, es ging mir auch weniger um die verdammte Mode, als viel mehr darum akzeptiert zu werden: „ Die selbe Kleidung zu tragen, wie die Anderen ist wichtig.. aber davon hast du ja keine Ahnung.. Du bist ja nie da...“ Ich warf frustriert meine Arme in die Luft.
Er Stockte, seine Augen weiteten sich, anscheinend begriff er jetzt, dass er die letzten Wochen einiges nicht mitbekommen hatte. Er griff sich an den Kopf, der Vorwurf hat gesessen. Doch weitere Gefühlsregungen seinerseits bekam ich nicht zu Gesicht. Der Shinobi vor mir gewann die Oberhand und ich konnte nicht erkennen, ob er sich überhaupt mehr daraus machte, was ich sagte, oder ob ihm nur das Geld wichtig war.
„Hira, wenn ich nicht auf Missionen gehe, dann haben wir überhaupt kein Geld...Ich weiß, wie schwer das für dich ist...“
In meiner Rage ließ ich ihn nicht ausreden: „ Gar nichts weißt du und du interessierst dich auch nicht dafür...Du treibst dich in der Gegend herum, während ich hier mit meinen Problemen kämpfe, ganz alleine und dann sagst du noch, ich wäre egoistisch...“ Wut schnaubend stapfte ich davon, knallte die Tür zu meinem Zimmer zu und hörte noch am Rande, wie er aufstöhnte. Fein, sollte er genervt von mir sein, war mir doch egal.

Ich war wütend, so richtig wütend, mein Bruder spielte sich immer, wie der große Held für alle auf, nur nicht für mich. Irgendwie war ich und alles um mich herum für ihn nicht relevant. Jeder Himmelte ihn an. Ja verdammt, für seine fast 18 sah er ziemlich gut aus. Die Frauen hechelten ihm scharenweise hinterher und auch die Mädels aus meiner Klasse schwärmten von dem großen Hatake. Ich war neben ihm nur die kleine Hatake, dabei war ich nicht mal eine. Die, die irgendwie die Schwester von dem großen Hatake war, die, die keine Fähigkeiten besaß und es traf leider zu, ich hatte keinerlei Talent geerbt. Beim Blick in den Spiegel fand ich mich nicht einmal schön. Meine Haare standen immer wild ab, sie zu bändigen war eine Qual, ich war nicht so zierlich gebaut, eher etwas kurviger und es wurde, während der gerade stattfindenden Pubertät, tatsächlich alles nicht besser. Weder meine Kurven, noch meine Stimmungslage, noch die Tatsache, dass ich eine Frau wurde. Ich würde meinem Bruder nicht auf die Nase binden, dass der Blutfleck, den er auf meiner Hose hinterlassen hatte, an einer Stelle saß, die darauf hindeutete, dass ich bereits meine Periode hatte. Und die hatte ich, seit zwei Tagen. Ich war erschrocken, natürlich hatte ich darüber gelesen, aber wenn es dann soweit war, war es absolut, komisch. Es ärgerte mich, dass ich damit alleine gewesen war, ich hätte vielleicht seine Schulter zum anlehnen gebraucht, doch er war, wie so häufig in den letzten Jahren, einfach irgendwo. Einmal hatte ich deswegen ein langes Gespräch mit Mana-San von gegenüber, sie meinte ich solle versuchen meinen Bruder zu verstehen, doch da gab es nicht viel, was ich verstehen konnte. Ich hatte das Gefühl, er würde mich nicht lieben, ich wäre ihm zu viel, irgendwie gab es einfach keinen Platz für mich in seinem Leben. Mana hatte gelacht und gesagt, dass er das alles für mich auf sich nehmen würde, auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlte.
Plötzlich kam mir der Gedanke an den Fleck auf meiner Hose, es war Blut gewesen, ohne Zweifel und es sah frisch aus. Ich versuchte mir das Bild meines Bruders von eben ins Gedächtnis zu rufen und stockte etwas. Er hatte müde ausgesehen, war schmutzig und bleich gewesen.
Alarmiert eilte ich zurück ins Wohnzimmer, doch traf ich ihn da nicht mehr an, ich lauschte und hörte Geräusche aus dem Bad.
„Kakashi?“  die Tür wurde beinahe aufgerissen und er sah mich finster an.
„Gib mir wenigstens ein paar Minuten, ich mach dir gleich das Bad frei...“ Schuldbewusst schüttelte ich den Kopf, machte ein Schritt auf ihn zu und betrachtete den langen Kratzer, der sich oberhalb seines Handtuchs, welches er umgebunden hatte, abzeichnete. Verwirrt, über meine offensichtliche Stimmungsschwankung in Richtung besorgt, blickte er mich an.
„Ist das Schlimm?“ Kleinlaut, reuevoll und ein bisschen traurig sah ich zu ihm auf. Ja, verdammt ich war egoistisch und genau jetzt, in diesem Moment, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Mein Bruder sah völlig fertig aus, seit Wochen hatte er eine Mission nach der Anderen, er hatte recht, wenn er das nicht tat, dann hätte wir kein Geld zum Leben und ich gab es aus, als wäre es meins.
„Nicht der Rede wert...“ ich biss mir auf die Lippe, seine Stimme klang matt, nicht mehr so angespannt, wie noch eben und ich machte mir Sorgen.
„OK“ ich ließ von ihm ab und klaubte mir, während er sich im Bad fertig machte, aus dem Wäschekorb eine neue Hose. In diesem Moment stellte ich erschrocken fest, dass ich die Wäsche nicht gewaschen hatte, ich sah mich um. So war es eigentlich immer. Ich hatte zu essen, ohne eingekauft zu haben, ich hatte Geld, um mir etwas zu kaufen und ich hatte ein sauberes Zuhause, sowie saubere Wäsche. Mein Kopf drehte sich erneut zu meinem Bruder, doch das Badezimmer war wieder verschlossen. Ich wurde nachdenklich.
„Hira, ich bin fertig im Bad...Ich mach dir schnell was zum essen, du musst dich beeilen, für Frühstück hast du keine Zeit mehr..“ nickend schlurfte ich Richtung Bad. Während ich mir die Zähne putzte, dachte ich an die Schule. Die Schule für Normalos, wie sie von den Akademie Kindern genannt wurde.
Wir waren Normalos, Ich war ein Normalo und es fühlte sich an, wie ein Schimpfwort.
„Wie kann jemand mit absolut null Talent die Schwester von einem Genie sein..?“ Auch das würde ich mir heute wieder anhören müssen. Ich seufzte und ließ die Bürste sinken, ist ja nicht so, dass ich mir die selbe Frage nicht auch immer wieder stellen würde. Wie kommt es, dass ich absolut kein Talent für irgendwas habe. Ob ich Kakashi danach fragen sollte? Mit Kleidung am Leib trat ich zu ihm in die Küche, das Bento, welches er für mich gezaubert hatte, stand auf dem Tisch und ich musste schlucken. Wie immer steckte er nur für mich so viel Liebe dahinein. Es machte mich wütend, Ich machte mich wütend, mein Egoismus machte mich wütend und doch fühlte ich mich unheimlich allein gelassen. Kurz fragte ich mich, ob es mit einer großen Schwester vielleicht anders wäre, lag es vielleicht nur daran, dass er als fast Mann, von gewissen Dingen keine Ahnung hatte?
Die Wut die ich noch verspürt hatte, als er auf meiner neuen Hose lag, war verraucht, der Gedanke, dass er versuchte alles richtig zu machen, überkam mich und ich beschloss zumindest etwas gütiger mit meiner Kritik ihm gegenüber zu sein.
Während ich mir meine Schuhe überzog, blickte ich im Augenwinkel zurück zum Küchentisch an den sich Kakashi gesetzt hatte, sein Kopf ruhte auf seinen abgestützten Händen und er tat mir leid.
„Willst du dich nicht etwas hinlegen? Du siehst aus, als hättest du das eine Weile nicht gemacht...“ Ich versuchte milder zu klingen, ich wusste, dass er es nicht mochte bevormundet zu werden, doch entgegen meiner Befürchtungen erhob er sich schweigend. Einige Sekunden später hörte ich das leise schließen seiner Zimmertür.
Ein wenig mehr im Reinen mit mir selber, trat ich einige Minuten später auf die Straßen von Konoha. Mein Weg zur Schule führte mich einmal quer durch das Dorf, an der Akademie vorbei und prompt in die Arme der Jungs, die ich heute am aller wenigsten sehen wollte.
„Hey, Nicht- Hatake... du trägst ja die selben schäbigen Kleider wie gestern...wäscht du die auch mal?“ die anderen drei Jungs lachten fies.
„Schämt sich dein Bruder eigentlich gar nicht für dich? Ich glaube ich hätte mich schon lange selber umgebracht, wenn ich so eine Schwester hätte...“
Ich schluckte, würde sich Kakashi wirklich für mich schämen?
„Vielleicht ist er deswegen ständig auf den gefährlichsten Missionen.. in der Hoffnung, er muss nicht mehr zu dir nach Hause...“
Tränen bildeten sich in meinen Augen, ich war mir zwar bewusst darüber, die Möglichkeit bestand, dass er eines Tages von einer Mission nicht zurück kehren würde,  doch dass er es hoffte und absichtlich solche Missionen annahm, konnte ich nicht glauben.
„Wusstest du eigentlich, dass dein Bruder sich vor vier Jahr wirklich beinahe umgebracht hätte?“ Nun wurde ich wütend.
„Du lügst...“
„Nein ehrlich, das hat mir mein Papa erzählt, er war damals bei den Torwachen... sie haben ihn im Wald gefunden, neben der Leiche seiner Kameradin. Es wurde erzählt, dass dein Bruder seine Kameradin getötet hat.. er muss zu dem Zeitpunkt völlig unberechenbar gewesen sein, die ANBU konnten ihn nur mit Mühe davon abhalten sich selbst zu schaden...“
Die Erzählungen stimmten, zumindest zum Teil, ich erinnerte mich daran, wie man meinen Bruder ins Krankenhaus gebracht hatte. Er war Tage lang nicht ansprechbar, sprach nicht und aß nicht. Erst der Besuch von Onkel Minato änderte einiges. Wie sehr ich mir im Moment Onkel Minatos herzliche Art wünschte. Von Kakashi konnte ich das nicht erwarten und auch wenn er sich anstrengte, richtig warm fühlte es sich bei ihm einfach nicht an. Seufzend hob ich meinen Blick und starrte auf die drei Jungs, die noch immer hämisch grinsend vor mir standen.
„So Normalo vielleicht überlegst du mal, ob es nicht egoistisch von dir ist, deinem Bruder so zur Last zu fallen...schließlich muss er sich ja um alles kümmern.. ohne Fähigkeiten, ohne Talent wird das wohl auch so bleiben...“
Ich sank in die Knie, ich war egoistisch zu glauben, dass es ihm nichts ausmachte. Vielleicht hatten die Anderen Recht, schließlich hatte er mit mir noch jemanden durchzufütter.
„Ist schon Scheiße, wenn man so unnütz ist ..hm..?“ die Stimme, nah an meinem Ohr, gab mir den Rest, meine ohnehin schon angeschlagene Verfassung fühlte sich nicht im Stande, dem etwas entgegen zu bringen. Die Logik dahinter fühlte sich viel zu wahrhaftig an, als dass ich mir noch Gedanken machen könnte, ob es anders war. Das Verhalten meines Bruders dazu genommen, ergab es Sinn. Er schämte sich für mich, deshalb traf man uns auch sehr selten zusammen an. Er musste viel Arbeiten, um mich durch zu bringen und das ging zu Lasten seiner Freizeit, wann hatte ich ihn überhaupt mal aktiv Freizeit genießen sehen. Alles in Allem war ich eine riesige Bürde. Kakashi hatte sich jedoch nie beklagt, oder hatte ich das in meiner egozentrischen Anschauung verdrängt? Hatte er mir vielleicht doch zum Verstehen gegeben, dass es ihm mit mir über den Kopf wuchs?
In Gedanken versunken saß ich auch noch immer auf meinen Knien, als einer der Drei ausholte und mich zu Boden bringen wollte. Ich erwartete den Schlag, doch er kam nicht.
Es gab ein klatschendes Geräusch, als die Faust abgefangen wurde, ein Knacken, als die Finger an der Hand brachen und einen Lauten Schrei, als trotz der berstenden Knochen, nicht locker gelassen wurde.
„Ist das der Weg des Shinobi, den ihr einschlagen wollt? Ihr werdet dafür ausgebildet euch für schwächere einzusetzen, nicht um euch an ihnen zu vergreifen...“
Kakashi stieß den Jungen von sich, baute sich dann erneut vor ihnen auf: „ Und schon gar nicht, an meiner Schwester...“ er hatte seine Augen gefährlich verengt und selbst ich konnte den kalten Windhauch spüren, der von ihm ausging.    
Erst dann drehte er sich zu mir, ging in die Hocke und nahm mich in die Arme. „Ich glaube wir beide unterhalten uns heute Abend darüber, was hier, in meiner Abwesenheit, vor sich geht...“
Er war hier, einfach so, ich konnte es nicht glauben. Verwunderung und Erstaunen machten sich breit, woher hatte er gewusst, dass ich Hilfe brauchte? Mit einem Mal waren die eben entstandenen Zweifel, die eingeredeten Ängste, in den Hintergrund getreten. Mein Bruder hatte mich beschützt, mich in der Öffentlichkeit in die Arme geschlossen und hielt mich noch immer. Ich blickte in sein Gesicht, außer der Müdigkeit konnte ich Reue erkennen, mein Bruder fühlte sich Schuldig.
„Wie, woher..?“ ich schluckte trocken, löste mich etwas von ihm, weshalb er sich erhob und mir eine Hand hinstreckte. Geschickt griff er in seine Tasche und reichte mir die Bento Box, die er vorhin für mich gemacht hatte.
„Sie stand noch auf dem Tisch, ich dachte mir, du wirst bestimmt hungrig werden...“ ein leichtes, wenn auch verkniffenes Lächeln erschien unter seiner Maske, doch irgendwie machte es mich für den Moment glücklich.
„Danke, du bist der Beste...“ Ich lachte laut über seinen verwirrten Ausdruck im Gesicht, gab ihm ein Kuss auf die Wange und schickte ihn zurück nach Hause.

Es ging mir tatsächlich um einiges besser, als ich mich nach der Schule auf den Heimweg machte. Beschwingt ging ich meinen Weg, störte mich nicht an den Leuten, die mich wegen meiner Haare komisch ansahen, verkniff mir meine Kommentare, die ich ihnen an anderen Tagen an den Kopf geworfen hätte und wollte schnell zu meinem Bruder nach Hause. Ich hatte beschlossen heute mal für ihn zu kochen, ich würde seine Wäsche waschen und für ihn einkaufen gehen, damit er sich heute einfach mal ausruhen konnte. Die Idee fand ich so gut, dass ich erst im zweiten Augenblick die grauen Haare erkannte, die vor einem Wohnhaus standen und sich leicht nach vorn gebeugt unterhielten. Der Mann vor meinem Bruder gestikulierte wie wild, der Kopf hochrot angelaufen und Kakashi hielt sich in seiner Position. Hinter ihm stand der Hokage und einer der Lehrer, ich kannte ihn vom sehen, Iruka-Sensei hieß er glaube ich.
Mit einem Mal sah ich Rot, was machten die denn da? Neben dem Mann, der sich anscheinend über etwas sehr aufzuregen schien, stand der Junge, der mich heute Morgen schlagen wollten und mit einem Mal viel bei mir der Groschen. Wie eine Wilde stürmte ich auf die Versammlung zu, hatte mir schon das ein oder andere im Kopf zusammengelegt und holte tief Luft, als mein Bruder, ohne mich anzusehen, mich leise zurecht wies.
„Hira, wenn du nicht möchtest, dass ich mich noch weiter Entschuldigen muss, dann hältst du dich jetzt zurück.“ Ich stockte, während einige Sekunden alles in mir aus den Fugen geriet. Heiße und Kalte Schauer überkamen mich, schmerzhaft biss ich mir auf die Lippe, bevor ich genauso leise erwiderte: „ Ich wollte dir nur helfen..“ Kakashi stand noch immer in der devoten Haltung vor dem Mann, wartete anscheinend darauf entlassen zu werden.
„So hilfst du mir aber nicht Hira...“ Mit Schwung machte ich auf dem Absatz kehrt und rannte in die Richtung aus der ich gekommen war. Hörte noch, wie der Mann einen Abschätzenden Laut von sich gab und Kakashi zurecht wies: „ Sie haben das Mädchen nicht im Griff Hatake-San, sie entgleitet ihnen und das haben sie sich selbst zu zu schreiben...“ Kein Ton, mein Bruder sagte kein Ton dazu, nahm die Anschuldigungen einfach so hin. Mir reichte es, so schnell ich konnte rannte ich, wohin war egal, Hauptsache weg von dem ekelhaften Schauspiel, welches sich da eben zugetragen hatte.
Es dunkelte bereits ein, als ich die Tür zu unserer Wohnung aufschloss. Es roch nach Essen, wahrscheinlich hatte mein Bruder gekocht, mir war ohnehin nicht mehr danach gewesen. Innerhalb von Sekunden war meine gute Laune hinfort geblasen worden, dennoch machte mich stutzig, dass ich keine Geräusche hören konnte. Mit geübten griffen schob ich meine Schuhe von den Füßen und betrat das Wohnzimmer. Kakashi saß auf der Couch, den Kopf auf die Rücken lehne gelegt und während ich um das Möbel herum lief, stieg der Zorn in mir auf.
„Wie zum Henker kannst du nach alle dem einfach so schlafen?“ ich hatte geschrien und er anscheinend so tief geschlafen, dass er zusammen zuckte, als meine Stimme erklang.
„Wo bist du gewesen?“ er rieb sich die Augen und sah mich abwartend an.
„Was spielt das für eine Rolle..?“ Kakashi setzte sich auf, ich spürte plötzlich, wie zornig er wurde und wich ein wenig zurück, als er sich tief durchatmend durch die Haare fuhr.
„Ich habe heute erfahren, dass du häufiger von anderen Menschen im Dorf unschön angesprochen wirst. Ich musste mit ansehen, wie man dich angreift und versucht uns gegeneinander auszuspielen. Und dann darf ich nicht besorgt sein, wenn du Stunden lang nicht nach Hause kommst..?“ er war zum Ende des Satzes tatsächlich etwas lauter geworden. Wahnsinn, ich hatte den Hatake Kakashi fast soweit gehabt, dass er seine stoische Beherrschung verlor, naja zumindest etwas davon einbüßte.
„Was interessiert es dich? Du bist ohnehin nie da...Ich könnte, wenn du auf Mission bist, Stunden lang alleine durch Konoha ziehen, mitten in der Nacht...Es würde niemanden kümmern...“
„Glaubst du das ernsthaft? Glaubst du, ich lasse dich einfach ohne Schutz zurück? ...Meine Hunde sind draußen vorm Haus, Mana-San hat ein Auge auf dich, deshalb kocht sie auch regelmäßig für dich, wenn ich nicht da bin und eine ANBU-Einheit ist in der Nähe Stationiert...“ Ich lachte hysterisch auf: „ Du lässt mich überwachen?“
„Nein, du hast Nachts den Schutz, den ich mir für dich wünsche, du bist 12 Jahre alt..“er brach ab, alles was er jetzt sagen würde, wäre falsch und das was er gesagt hatte, reichte bereits, um mich zum explodieren zu bringen.
„UND ABSOLUT NUTZLOS...sag es ruhig...du wärst nicht der Erste...“ er griff sich wieder stöhnend an den Kopf: „ Das habe ich nicht sagen wollen..“ er wirkte verzweifelt und eigentlich hätte ich mich stoppen müssen, doch wie so oft, konnte ich einfach nicht aufhören.
„Aber gedacht Kakashi und das ist fast noch schlimmer...“ entsetzt weiteten sich seine Augen und noch während ich an ihm vorbei ging, tat es mir schon wieder leid. Wahrscheinlich war er kein schlechter Kerl, was hieß wahrscheinlich, er war kein schlechter Kerl und beim Betreten meines Zimmers wurde mir genau das vor Augen geführt. Auf meinem Bett lag meine Hose, gewaschen, der Fleck war nicht mehr zu sehen. Tränen liefen über mein Gesicht, mein Bruder hatte sich nicht schlafen gelegt, sondern, als ich weg war, begonnen das Blut auszuwaschen, welches er unbeabsichtigt auf meiner Kleidung hinterlassen hatte. Deshalb war er auch eingenickt, während er darauf gewartet hatte, dass ich zurück kam. Ich heulte kurz, fragte mich selbst, was eigentlich los war mit mir und beschloss dann noch mal zu Kakashi zu gehen. Ich hörte, wie die Wohnungstür ins Schloss fiel und erstarrte in meiner Bewegung, bevor ich mich beeilte raus zu kommen.
Auf dem Tisch im Wohnzimmer lag ein Zettel:

„Bin noch trainieren, wird spät, warte nicht auf mich.
Hab für dich etwas gekocht, mach es dir bitte warm.
Bis dann...“

Missmutig ließ ich den Zettel sinken, schlurfte in die Küche und schaute in die Pfanne. Er hatte Gemüsereis mit Hähnchen gemacht, das aß ich wirklich gern und gleichzeitig erkannte ich, dass er davon wohl noch nicht gegessen hatte, er hatte gewartet.
Auch wenn mir nicht mehr danach war, wollte ich ihm zumindest den Gefallen tun, wahrscheinlich würde es ihm noch schlechter damit gehen, wenn ich sein Essen stehen lassen würde. Ich rang mich danach noch durch, ihm ebenfalls eine Nachricht zu hinterlassen, bevor ich schlafen ging.

„Dein Essen war sehr lecker, habe dir etwas auf einen Teller gemacht, iss was.
Lass uns bitte morgen reden, ok?
Schlaf gut“

Dann ging ich in mein Zimmer, um mich schlafen zu legen.
Mitten in der Nacht hörte ich schwere Schritte vor meiner Zimmertür, einige Sekunden hielt ich vor Angst die Luft an. Kakashi hörte man kaum beim laufen, weshalb ich mir in Gedanken ausmalte, wie ich im Hechtsprung durch das Fenster in Mana-Sans Busch landete und traute mich dann doch nicht, mich zu bewegen, als sich die Tür leise öffnete.
Zu meiner Verwunderung tauschten Haare in der Tür auf, Kakashi dachte ich schlafe und schlich sich, dieses Mal bemüht leise, an meine Bett.
Zärtlich strich er mir eine Strähne aus dem Gesicht, ich spürte seinen Blick auf mir und hörte wie er leise seufzend flüsterte: „ Wenn ich nur wüsste, dass ich überhaupt was richtig mache...Du bist so unglücklich...“
Beinahe hätte ich verstört auf gekeucht. War das da neben mir tatsächlich mein Bruder? Solche Worte hörte ich sonst nie von ihm, oder lag es daran, dass ich ihn nie zu Wort kommen ließ, dass ich, aus irgendeinem Grund heraus, einen Groll gegen ihn hegte und ihm keine Chance ließ? Und stimmte es wirklich, war ich unglücklich?“
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