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Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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26.06.2021 4.453
 
16.

Ich spürte den Wind in meinen Haaren, die Sonne auf meiner Haut und lauschte den Vögeln, die sich laut über weite Strecken hinweg unterhielten. Starke Arme hielten mich im Flug, ich genoss das beinahe schwerelose Gefühl. Als ich auf sah sah ich in das lächelnde, unmaskierte Gesicht meines Bruders, ich hatte seinen Geruch in der Nase, dieser mir so vertraute Geruch, der mir immer das Gefühl von Heimat gab. Er hielt auf einem der Äste und ließ mich auf die Füße: „ Kannst du selber weiter?“ Verwirrt sah ich ihn an, ich konnte doch noch nie über die Äste springen, wie er und die anderen aus seinem Team. „Wie meinst du das? Ich ...“ er lachte leise, kehlig.
„Wie soll ich das schon meinen du bist eine ANBU du wirst den Weg über die Bäume schon schaffen...“ Er gab mir eine Maske, eine Fuchsmaske, ich drehte sie in meinen Fingern hin und her.
„Das wolltest du doch immer, nun hast du was du wolltest...“ Seine Stimme klang mit einem Mal dumpf an mein Ohr, er hatte sich seine Wolfsmaske aufgesetzt und wirkte plötzlich wieder so weit weg. „Lass mich nicht alleine...“ Ich streckte die Hand nach ihm aus, doch er wich zurück, dass ich ins Lehre griff.
„Den Weg hast du selber gewählt Hira, nun gibt es kein Zurück...“ er sprang ab, setzte sich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit in Bewegung. Drehte eine Runde um mich und kam dann mit gegenüber zum stehen. Blut trat aus zwei wunden an seinen Schultern, quoll aus einer tief klaffenden Wunde an seiner Flanke. Erst jetzt viel mein Blick auf seine Beine, auf sein Bein, denn das linke Fehlte, es war weg einfach so. Meine Hände wurden Feucht, klebrig und als ich sie anhob um sie mir anzusehen, klebte Blut an ihnen.
„Das hast du mir aus der Brust gerissen, es gehört dir...“Er legte mir sein noch leicht pulsierendes Herz in die Hände, während seine Stimme nah an meinem Ohr rasselte, bevor sie erstarb.

Mit einem erstickten Aufschrei schoss ich in die Höhe. Dunkelheit, die ich nun seit Jahren gewohnt war, umfing mich. Der Muffige, schwer feuchte Duft der unterirdischen Gewölbe vergewisserte mir, dass ich nun wieder erwacht war. Mein Traum war Ausdruck meines schlechten Gewissens, das war mir klar, doch fühlte es sich auch für mich so an. Ich hatte ihn min meinen bloßen Händen sein schlagendes Herz aus der Brust gerissen. Meine Tränen rannen heiß meinen Wangen entlang, tropften von meinem Kinn, ich spürte Schmerzen in meiner Brust, die nicht von meiner Unzulänglichkeit herrührten. Das starke Bedürfnis mich zu versichern, dass es Kakashi gut ging breitete sich zum wiederholten Male aus. Ich musste es einfach wissen, sonst würde es mich zermürben, mir alles nehmen für das ich lebte. So depressiv, wie sich diese Gedanken auch anhören mussten, breitete sich die Dunkelheit über meine Venen aus.
„Hime-Sama, du bist aufgewacht...“ Danzou trat in mein Sichtfeld, musterte mich skeptisch.
„Ich muss es wissen, ich muss wissen ob es ihm gut geht..all die Jahre, die vergangen sind...“ ich murmelte die Worte eher zu mir selber, starrte dabei wie in Trance auf meine zittrigen Hände.
„Vielleicht motiviert es dich...“Verwirrt sah ich auf.
„Wie bitte?“ Meine Stimme war eine Oktave zu hoch, meine Augenbrauen nach oben gerutscht und mir meine Irritation deutlich anzusehen.
„Mir erscheint es, als müssten wir dir einen Grund bieten, damit du dich weiter Entwickelst, du zeigst noch deutlich zu viele Emotionen...Vielleicht gelangst du über die Gewissheit, dass er am leben ist endlich Vollkommenheit. Meine Erwartungen an dich sind hoch...“Er verschränkte die Hände hinter seinem Rücken und lief neben meinem Bett auf und ab.
„Ich werde dir drei Tage gewähren, drei Tage, in denen du dich von ihm verabschieden kannst, solltest du nach diesen allerdings weiterhin ausschließlich deine Gedanken an ihn richten, wird er sterben... Bleibst du gehemmt, wird er sterben...und solltest du nach den drei Tagen nicht wieder hier her zurück kehren, werde ich das Dorf dem Erdboden gleichmachen bis ich dich gefunden habe, das Blut der Opfer wird an deinen Händen kleben.“
Ich zuckte zusammen, Blut an meinen Händen, wollte ich das riskieren? Nein, ich würde mich an die Regeln halten, für den Moment war es mir egal, dass ich ein Fahrschein ohne Wiederkehr gezogen hatte, es zählte nur, dass ich Kakashi sehen konnte.
„Ich werde mich daran halten Meister. Ich bedanke mich vielmals für diese Möglichkeit.“
Er ließ mich allein, allein in meinem Freudentaumel, allein in meiner Hoffnung, allein mit meinem Glücksgefühl. Ich würde ihn sehen können, ich würde ihn spüren, ihn anfassen, mich vergewissern, dass es ihm gut geht.

Am nächsten Tag begleitete mich eine der Wachen bis zum Ausgang, erklärte mir noch mal eindringlich, dass man mich in drei Tagen genau hier zurück erwarten würde.
Geblendet von der Sonne trat ich ins freie, es war warm, roch nach frischen Blumen, Gras. Der seichte Wind rauschte in den Blättern, weshalb ich meine Haare aus meinem Zopf entließ und den Wind mit ihnen spielen ließ. Seit langer Zeit hatte ich mich nicht mehr so lebendig gefühlt, unbeschwert, das Gefühl von Freiheit. Einige Minuten genoss ich es einfach nur an der Oberfläche zu sein, die Melodie des Waldes und der Natur auf mich wirken zu lassen, bevor ich dann doch mit wachsender Nervosität die Richtung unserer Wohnung ansteuerte.
Ich fragte mich was ich wohl machen würde, wenn Kakashi umgezogen war, lachte dann innerlich, das fiel mir verdammt früh ein.
Zu meinem Glück konnte ich unser Namensschild auf der Klingel erkennen, atmete erleichtert auf, er war also noch hier.
Der Bäckermeister öffnete gerade die Tür, als ich verträumt in der Gegend umher starrte, hielt in der Bewegung inne und ließ die Tüte fallen, die er in den Händen getragen hatte.
„Du...? Bist du nicht...“ plötzlich strahlte er: „ Wir haben alle so sehr gehofft... Dein Bruder ist noch nicht zu Hause..aber seine Freundin ist da...“Er verhinderte, dass die Tür ins Schoss fiel und ließ mich ein, erst vor unserer Wohnungstür, fühlte ich mich unschlüssig, ob ich ihm mit meinem Auftauchen und meinem Vorhaben wieder verschwinden zu wollen nicht mehr Schmerzen bereiten würde. Doch jetzt war ich hier.
Noch bevor ich klopfen konnte öffnete mir Hikari die Tür, erbleichte, wich ein Schritt zurück und stolperte über den Teppich hinter ihr, in den kleinen Flur zurück. Mit einem entsetzten Laut, ging sie zu Boden: „Das glaube ich nicht...“
„Hikari, tut mir leid, ich wollte nicht...“ beschwichtigend hob ich die Hände, unterließ es aber näher an sie heran zu treten sie schien verängstigt, weinte auf einmal.
„Hira, es zerstört ihn... Er gibt sich alle Mühe, doch wir hätten ihm nichts schlimmeres antun können...“ sie schlug sich die Hände vors Gesicht: „Doch du bist zurück...Ich kann es nicht glauben, jetzt wird alles gut, sag mir, dass alles gut wird...“ Sie stammelte vor sich hin, zwang sich dann selbst dazu sich zu beruhigen und erhob sich.
„Komm erst mal rein. Kakashi wird bald zurück sein, er war auf einer dreiwöchigen Mission...“
Bevor sie fortfahren konnte strahlte ich: „ Hat der Hokage ihm verziehen?“ Ihr Blick wurde traurig, sie wich mir aus. „ Alles zu seiner Zeit...möchtest du einen Tee?“
Sie trat beiseite, gab den Weg frei und ich folgte ihr ins Wohnzimmer. Es hatte sich nichts verändert, nichts, bis auf eine Stelle in der Wand, sie war offensichtlich repariert worden, notdürftig, für jeden noch sichtbar. Hikari folgte meinem Blick: „Er ist völlig zusammengebrochen, hat Tage lang nicht geschlafen oder gegessen... eine Woche nach unserer Flucht, hat er vor Wut ein Loch in die Wand geschlagen.. irgendwie hat ihm das geholfen..“ sie wandt sich ab, setzte Wasser auf, während ich unschlüssig stehen blieb und auf das Loch blickte.
„Du kannst dich gern umsehen, es hat sich kaum etwas verändert, er wollte alles so lassen, die Hoffnung begleitete ihn, dass du...“ Sie brach ab.
Mit einem Mulmigen Gefühl im Magen, schritt ich durch das Wohnzimmer, öffnete zaghaft die Tür zu seinem Schlafzimmer, sein Duft stieg mir in die Nase und augenblicklich fühlte ich mich angekommen. Ich erkannte, dass Hikari ihre Sachen ebenfalls in seinem Zimmer hatte, schmunzelte und hoffte, dass die Geschichte, die die beiden mir erzählen würden nicht nur ein einziges dunkles Kapitel hatte, sondern nach der Dunkelheit, Licht herrschte.
Mein Zimmer war unberührt, eine dicke Schicht Staub hatte sich auf die Möbel gelegt, selbst mein Bett war noch so wie vor 8 Jahren.
Mir kamen die Tränen, ich kannte Kakashi gut genug um zu wissen, dass ihn das betreten des Raumes wahrscheinlich zu viel Kraft gekostet hatte, er es nicht fertig gebracht hatte ihn auch nur zu betreten um Ordnung zu machen. Gedankenverloren strich ich mit meinen Fingern kleine Bahnen in die ebene Staubschicht, fuhr zärtlich über die Bilder, die mich min Mana-San und Onkel Minato zeigten und über ein Bild von Kakashi, eines der wenigen auf denen man ein Lächeln unter seiner Maske erkennen konnte. Noch währen dich es intensiv betrachtete, hörte ich seine Stimme aus dem Flur: „Hikari? Ich bin zurück..“
In der ersten Sekunde wollte ich los rennen ihm um den Hals fallen, ihn vor Freude lachen hören, doch der dicke Kloß, der sich aufgrund seiner Stimmlage gebildet hatte, verhinderte, dass ich mich von der Stelle rührte. Er klang müde, müde wie er nach einer Mission immer war, doch unterschwellig, des Lebens überdrüssig.
Wut staute sich an, er sollte Leben, ich hatte ihm gesagt er sollte Leben, doch das tat er nicht. Er vergeudete seine Kostbare Zeit damit in Depressionen zu versinken, zu vergessen was vor ihm liegen könnte und sich ausschließlich an die Vergangenheit klammernd.
Leise schlicht ich mich an den Eingang zum Wohnzimmer, spähte vorsichtig um die Ecke und stockte. Mein Bruder trug nicht seine ANBU Uniform, keine hölzerne Maske. Er trug eine Jounin-Weste. Wie es schien hatte er Hikari gegen die Wand gedrängt, lehnte mit dem Kopf an ihrer Schulter, während sie ihre Arme fest um ihn schlang.
„Wir haben sie wieder nicht finden können keine Spur, nichts...Ich habe gehofft dieses Mal würden wir ein Versteck von Orochimaru ausfindig machen...“
Ich konnte sehen wie sie ihn fester drückte: „ Kakashi, sie ist hier...“
Die Worte trafen meinen Bruder wie ein Hammerschlag, ungläubig starrte er sie an, begann dann zu zittern und verlor seine Farbe im Gesicht. Er schwankte, brachte kein Ton mehr über seine Lippen.
„Kakashi?...Hey, hörst du mich? Es ist alles gut Kakashi..?“ sei sprach auf ihn ein und ich ahnte was folgen würde. Mit schnellen Schritten überbrückte ich die Distanz, half Hikari den fallenden Körper aufzufangen, bettet seinen Kopf auf meinem Schoß und strich ihm behutsam über die Haare.
„Ich hab dich so vermisst Bruder...so sehr..“ Tränen tropften auf seine Stirn, ich beugte mich vor und umarmte seinen Kopf, löste mich erst, als er sich wieder regte.
„Das hab ich nicht kommen sehen....“ er blinzelte, klärte sein Sichtfeld, bevor er eine zittrige Hand nach mir ausstreckte: „ Sag mir, dass du wirklich hier bist.. sag mir, das ich nicht träume...Hira“ Mit erstickter Stimme, legten sich seine zittrigen Finger an meine Wange. Tränen sammelten sich in seinen Augen, ungehalten liefen sie ihm die Wangen entlang, wir weinten gemeinsam. Nach Minuten des Schweigens rieb er sich die Augen: „ Verdammt, du schaffst mich wirklich...“ er erhob sich ächzend, gab Hikari zu seiner Rechten einen flüchtigen Kuss bevor er auf die Füße kam und in seinem Zimmer verschwand. Weiter Minuten vergingen in denen Hikari und ich da saßen und nicht wussten ob wir uns wieder bewegen konnten, bis mir die Tatsache bewusst wurde, dass auch Kakashi nicht wieder kehrte. „Vielleicht siehst du mal nach ihm Hikari...Ich mach uns in der Zeit den Tee fertig ok?“ Erst jetzt schien sie aus ihrer Trance befreit, nickte und folgte meinem Bruder leise.
Leicht vor mich hin grinsend nahm ich zwei Becher zur Hand, ich war mir sicher, dass mein Bruder seine Ruhe brauchte, er wahrscheinlich nicht zu uns kommen würde und sah mich bestätigt als Hikari die Tür nur anlehnte, um keine Geräusche zu verursachen.
Sie erklärte ihn nicht weiter, das musste sie auch nicht. Nach allem was ich gesehen hatte, konnte ich mir alles weiter selber erklären.
Es dauerte zwei Stunden, zwei Stunden in denen Hikari und ich uns über alle unterhielten, was nicht mit Kakashi zu tun hatte. Ich wollte wissen wie es Hikari ergangen war, ließ sie ausgiebig erzählen, hörte zu und freute mich über ihren positiven Glanz in den Augen.
Irgendwann stand dann mein Bruder im Türrahmen, er wirkte verschlafen, seine Haare standen noch mehr ab als sonst und ich grinste breit, er schien die kurze Auszeit gebraucht zu haben. Seine Bewegungen wirkten noch etwas steif, fahrig, während er sich räusperte und auf die Couch neben Hikari setzte. Scheinbar beiläufig, trafen sich ihre Finger, ihre Blicken trafen sich, bevor sie ihn fragte: „ Geht es dir besser?“
Sanft lächelte er sie an: „ Tut mir leid, ich war etwas überfordert...Es hat mir irgendwie den Boden unter den Füßen weggerissen..“ Verlegen kratzte er sich am Hinterkopf,eine Geste, die er schon früher immer gemacht hatte, wenn ihm etwas unangenehm war.
„Das haben wir gesehen Kakashi...“ ich versuchte locker und beherrscht zu wirken, allerdings musste ich noch immer den Drang zurückhalten ihm um den Hals zu fallen und ihn an mich zu drücken. Durch meine Bemerkung lenkte ich seine Aufmerksamkeit auf mich, mit einem eindringlichen Blick musterte er mich.
„Du hast dich unheimlich verändert...du bist eine bildhübsche junge Frau geworden...Wie ist es dir ergangen? Wie kommt es, dass du hier bist?..tut mir leid, ich bin etwas durcheinander...“ erneut die Verlegenheitsgeste und ein leichtes Lächeln. Ich wusste wie sehr ich ihn mit meiner plötzlichen Anwesenheit überforderte. 8 Jahre lang hatte er nach einem Lebenszeichen von mir gesucht, darauf gehofft mich zu finden und genauso wie ich sicher zu gehen, dass der andere noch am Leben war. Obwohl wir es spüren konnten, die gesamten Ereignisse hatten uns fest zusammengeschweißt, was beeindruckend war, denn eigentlich hätte uns das alles entzweien sollen.
Seufzend fuhr ich mir über die Haare: „ eigentlich würde mich mehr interessieren wie es euch ergangen ist...Kakashi ich konnte an nichts anderes mehr denken... Ich hatte Angst um euch, um dich...Würde der Hokage dich zur Rechenschaft ziehen, würdest du dein Job verlieren...Deine Verletzungen überstehen und dein gebrochenes Herz.“ Zum Schluss wurde ich immer leiser, meine Worte trafen ihn aber, man sah ihm seine Verletzlichkeit noch immer unheimlich an. Mein Bruder knetete seine Hände, bis Hikari ihn stoppte und er zu ihr aufsah. Sie gab ihm halt, strahlte eine Wärme aus, die ihn beruhigte und brachte ihn dazu sich ein wenig zu entspannen.
„ Es war kompliziert...Die Ältesten waren der Ansicht, ich hätte meine Position als ANBU-Käpten missbraucht, das Dorf verraten und alle gefährdet. Sie forderten eine harte Strafe, die ich antrat, nachdem meine Wunden ausreichend versorgt waren...“ Ich schluckte leer, etwas in diese Richtung hatte ich ja befürchtet, doch es zu hören verunsicherte mich dennoch.
„Was haben sie mit dir gemacht..?“ Mein Bruder lachte auf, bitter, zynisch, erschöpft.
„Sie haben mich degradiert, mich meines Posten enthoben und aus mir einen Chuunin gemacht...Doch, das ist nicht alles...“ Mit einer fahrigen Bewegung schob er sein Stirnband nach oben und öffnete sein linkes Auge. Entsetzen packte mich, Zorn auf die Menschen die nicht verstanden, was dieser Mann alles geleistet hatte und alles dafür getan hat, dass jeder zu seinem Recht kam bis auf ihn selbst. Das Auge war trüb, deutlich konnte man die Erblindung erkennen und ich brauchte nicht fragen, ob die Funktion noch vorhanden war, eindeutiger hätte man es nicht sehen können.
„Mach nicht so ein Gesicht, das Auge an sich ist intakt... Sie haben es mit einem Siegel Einsatz unfähig gemacht, bis ich mich wieder ausreichend bewährt habe... Zu meinem Leidwesen und zu meinem großen Problem haben sie einiges von meinem Chakra mit versiegelt, damit mein Körper sich nicht selbst helfen kann... Meine Kräfte sind rar...“ Ich stutzte, er brachte es so selbstverständlich rüber: „ Bist du damit einverstanden?“ Man konnte meiner Stimme die Wut entnehmen die ich empfand, weshalb er erneut trocken auflachte: „ Ich habe mich auch ohne auf mein gesamtes Chakra und alle meine Fähigkeiten zugreifen zu können wieder hoch gearbeitet...Ich habe jetzt ein eigenes Team...Und du hattest recht mit der Rolle als Lehrer kann ich mich zumindest bis zu einem gewissen Prozentsatz arrangieren.“
Mir stand der Mund offen, der Mann, der da vor mir saß, war das wirklich mein Bruder?
Mit einem Mal wirkte er apathisch auf mich, als hätte man ihn einer Gehirnwäsche unterzogen und ihn neu gepolt. Hilfesuchend sah ich zu Hikari, sie biss sich auf die Lippen und schüttelte traurig den Kopf. Das lief schief, das alles war nicht richtig, warum wurde er so bestraft? Bei Kami, Was hatte er in seinem früheren Leben verbrochen, dass er jetzt so leiden musste?
„Es tut mir so leid... Ich...“ mühsam suchte ich in meinem verwirrten Verstand nach den richtigen Worten, wurde von Kakashi jäh unterbrochen, als er um Fassung ringend, zwischen seinen Zähnen hervor presste: „ Lass es einfach, ich will das nicht hören..Ich KANN das nicht hören...“ Sein gesamter Körper hatte sich angespannt, zischend stieß er die Luft aus und ich wagte es nicht etwas zu sagen. Müde lehnte er sich zurück, schloss die Augen und sankt etwas in sich zusammen, ihm verlangte es alles ab, das konnte ich deutlich sehen.
Hikari schwieg die ganze Zeit, betrachtete mit besorgter Mine meinen Bruder und ich wünschte sie würde mir erzählen, was in ihr vorging. Weitere zähe Minuten, in denen das Ticken der Uhr mir viel zu laut erschien, hörte ich sie leise sprechen.
„Hira, die letzten Jahre waren für Kakashi, für uns eine Bewährungsprobe...“ Mein Bruder erhob sich und verschwand leise im Badezimmer, Hikari setzte erst wieder an, als sie das Rauschen der Dusche hörte.
„Er hat alles verloren geglaubt. Wir wissen nicht wann er sein Auge wieder bekommt und wir wissen nicht, wann sie ihn wieder normal behandeln. Es war furchtbar Hira. Ein paar wenige halten zu ihm, andere behandeln ihn wie ein Monster, das Dorf spricht über ihn und ich weiß nicht wie lange er das noch ertragen kann...“ Ich schluckte musste an unseren Vater denken und spürte wieder diese unbändige Wut auf meinen Bruder, bei dem Gedanken er könnte sich etwas antun. Schwach flackerte der Gedanke, warum sollte er auch nicht, nach allem was er erlitten hatte, erschien es mir beinahe sogar logisch, dass er das tat. Suizid war der einzige Weg sein Leiden zu beenden.
Das tief schwarze Gefühl in mir breitete sich aus, nahm mir die Luft zum atmen und ließ mich einige Sekunden nachempfinden wie es meinem Bruder die ganze zeit gehen musste.
Er war so stark, für andere und ich war unendlich froh, dass Hikari ein Grund für ihn war zu Leben.
„Was ist das mit seinen Schülern..?“ Ein lächeln erschien auf den Zügen der dunkelhaarigen Frau mir gegenüber: „Sie geben ihm Aufwind und gleichzeitig zweifelt er an sich wie noch nie zuvor. Der Hokage ist die Güte in Person und ich hatte ein sehr langes Gespräch mit ihm über Kakashi und die ganzen Ereignisse geführt. Er ist nicht zufrieden mit der Art wie mit Kakashi umgegangen wird, doch sind ihm die Hände gebunden. Allerdings ist er froh, dass Kakashi aus der ANBU raus ist, auch wenn sie dadurch eine große Stütze verlieren, hat es Kakashi aufgefressen.“ Sie lachte kurz.
„Ich klinge etwas wirr, glaube ich.“ Ich schüttelte lediglich den Kopf, verstand was sie sagen wollte und insgeheim war es ja immer mein Wunsch gewesen, dass er damit aufhört.
Ein Poltern aus dem Bad ließ uns aufschrecken, Hikari war sofort auf den Füßen, rannte alarmiert hinüber. Lauschend beschloss ich zu warten, wusste nicht ob er mich im Moment ertrug.
„Bist du OK?“ Sanft sprach sie auf ihn ein, ihre Stimme klang angestrengt, ich schloss daraus, dass sie ihm aufhelfen musste.
„Ja, entschuldige... Die Mission hat mich viel Chakra gekostet..“ Ich stutzte seid wann ging er so offen mit seiner Schwäche um?
„Hast du wieder Schmerzen..? Soll ich..?“ Kakashi unterbrach sie, bevor sie die Frage beenden konnte.
„Mach dir bitte nicht zu viele Gedanken Hikari...Ich bin nur etwas müde...“ Einige Sekunden hörte ich nichts, weshalb ich mich leise anschlich und einen kurzen Blick auf die Szene im Bad erhaschte.
Mein Bruder hatte sich auf den Toilettendeckel gesetzt und Hikari kniete vor ihm. Ihre Köpfe waren nah bei einander und sie..Sie küssten sich.
Erschrocken fuhr ich herum, mein Bruder küsste eine Frau. Meine Gedanken standen Kopf. Ich freute mich, gleichzeitig war ich überfordert. Kakashi so intim mit einer anderen Frau zu sehen, versetzte mir ein kräftigen Stich ins Herz, ich wusste nicht wieso, doch verspürte ich wieder diese Eifersucht. Hikari durfte in seinen Armen liegen, obwohl dieser Platz bis vor einigen Jahren nur mir allein gehört hatte.
Augenblicklich biss ich mir auf die Lippen. Ich war selbstsüchtig und ich hasste mich für diesen Gedanken. Er sollte Leben, sie sollte ihm dabei helfen, beide taten das, was ich mir gewünscht hatte, warum also fiel es mir so schwer, das mit anzusehen?
Meine Gesichtsfarbe glich einer Tomate, als das Pärchen, aus dem Badezimmer zurück ins Wohnzimmer gefunden hatte und ich wich ihrem und seinem Blick aus.
„Ähm..Ist alles in Ordnung bei dir Hira?“ besorgt legte Hiakri mir eine Hand auf die Schulter, während mein Kopf Schuldbewusst eine Etage tiefer rutschte: „ Tut mir leid, ich wollte schauen ob ich helfen kann und...“ Ich ließ den Satz offen stehen und Kakashi schnaubte belustigt, nachdem er sich in den Sessel hatte fallen lassen. Mühsam sah ich ihn an, erkannte aber kein Zorn nur Belustigung über meine Verlegenheit.
„Entschuldige, das ist neu für dich...Wir haben nicht darüber nachgedacht...“ Müde fuhr sich Kakashi über die Haare, lächelte dann sanft die beiden Frauen vor sich an: „Hikari und ich sind nun schon einige Jahre zusammen, dass es für uns völlig normal geworden ist..“
„Du musst dich nicht entschuldigen.. Ich freue mich für euch.. ich war nur so überrascht, wollte euch auch nicht stören...“Mit einem Mal kam ich mir völlig unwichtig vor, ich war fehl am Platz. Auf der einen Seite erleichterte es mich ungemein, er würde nicht so leiden, wenn ich in drei Tagen gehen musste und auf der anderen Seite wollte ich hier weg, dieses Glück, was er sich aufbauen konnte, während ich verschwunden war, nicht zerstören.
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als es an der Tür klingelte, Hikari gab das Zeichen an Kakashi, dass er sitzenbleiben sollte und öffnete.
„Hey Kakashi-Senpai wir haben gehört, dass du zurück bist und...“ Tenzou stockte, wurde blass und wich zurück. Er hatte mich sofort erkannt, obwohl ich mich so verändert hatte. Unsicher wanderte sein Blick zu den anderen, keiner sagte ein Ton und es war eindeutig, dass Tenzou mit der Fassung rang.
„Ich glaube ich träume...Senpai?“ Der Angesprochene hatte sich in seinem Sessel zurück gelehnt, rieb sich die Augen und schmunzelte über die Reaktion seines Kohai.
„Sie ist wirklich hier.. meine Reaktion, als sie vorhin einfach aufgetauchte, war deiner sehr ähnlich.“ Die zwei Jounin neben Tenzou kannte ich nicht, doch schienen die genauso verwirrt. Mir fehlte nur Yugao. Ich räusperte mich: „ Wo ist Yugao, ihr seid doch sonst immer überall zusammen aufgetaucht...?“ Kakashi und Tenzou zuckten zusammen, der Rest sah betreten auf den Boden.
„Hayate ist verstorben, sie ist in einem anderen Team untergekommen.“ Mein Bruder wie er war, haute das einfach so trocken raus, da hätte er mir auch gleich eine Ohrfeige verpassen können.
„Wie ist das passiert?“ es rutschte mir so raus, weshalb die Reaktion meines Bruders ein genervtes Stöhnen war. „Ich..“ er setzte an, wurde aber harsch von Tenzou unterbrochen.
„Nein es war nicht deine Schuld... Hayate war mit dem ANBU Team als Rückendeckung auf einer Mission unterwegs. Kakashi-Senpai als Chuunin in einem Jounin Team unterwegs. Das Kommando hatte einer der Jounin und sie sind geradewegs ins eine Falle getappt. Kakashi-Senpai hatte darauf hingewiesen, die anderen wollten nicht hören. Das ANBU-Team konnte mit Hilfe von Kakashi das Schlimmste verhindern. Hayate wurde jedoch schwer verletzt und erlag seinen Verletzungen wenige Stunden später im Krankenhaus. Kakashi-Senpai wurde ein Disziplinarverfahren angehängt, im Anschluss blockierten sie sein Auge. Nicht nur das, die Sehfähigkeit hat sich dadurch rapide verschlechtert, er hat bei körperlicher Anstrengung wahnsinnige Kopfschmerzen und sein Chakralevel hat sich halbiert..“ Alle anwesenden verzogen zornig das Gesicht, zischten oder brummten vor sich hin.
„Wie dem auch sei... Es ist so, wie es ist...“ kalt, streng unterbrach mein Bruder die Diskussion um seine Person, rieb sich aber, wie zur Bestätigung für sein Befinden, beiläufig die Stirn.
„Wieso machen sie das alles mit dir? Du hast doch nichts verbrochen..“ Ok, schon bei dem Blick, den Kakashi mir zu warf, wusste ich, dass diese Fragen nicht mehr als Naiv sondern als Dumm gewertet werden musste. Ich schallte mich in Gedanken einen Narren, anzunehmen, dass andere die Bemühungen um mich, die mein Bruder Jahre lang ein Spagat zwischen legitim und verboten eingebracht hatte, genauso wundervoll finden würden.
„Hira...Ich habe das Wohl meiner Schwester über das Wohl des Dorfes gestellt...Ich bin in dem Punkt zurecht bestraft worden. Wieder besseren Wissens habe ich mich an einen höchst gefährlichen Mann gewandt, ihm eine Waffe an die Hand gegeben, die das Dorf zerstören kann und die er einzusetzen weiß. Ich habe in seinem Auftrag meine Leute verletzt, den Hokage belogen und betrogen und alles verraten woran ich geglaubt habe. Ich habe einiges VERBROCHEN.“ Wo er am Anfang des Satzes noch erschreckend ruhig gewirkt hatte, knurrte er zum Ende hin wütend und ich konnte ihn verstehen.
„Verzeih also bitte, dass sich meine Begeisterungsstürme über deine Rückkehr in Grenzen halten...“ Das zynische Kommentar aus seinem Mund verletzte mich zu tiefst und ich kämpfte mit den Tränen, als wäre ich erst fünf Jahre alt. Doch auch damit hatte er recht, wie konnte ich erwarten, dass er mich nach alle dem mit offenen Armen empfing? Wie konnte ich annehmen, dass alles vergessen war, wenn wir uns wieder sahen? Ich starrte auf meine Hände, sie hatten sich ineinander verkrallt, die Knöchel traten bereits weiß hervor und noch immer versuchte ich zu verhindern, dass die salzigen Perlen aus meinen Augen den Weg hinab antraten.  
Mit einem mal waren die Blicke aller anwesenden mir gegenüber weniger freundlich gesinnt, sie verstärkten meine Schuldgefühle und machten mich schwindelig. Meine Sicht verschwamm, mein Verstand konnte nicht begreifen warum alles so eine Wendung genommen hatte. Hatte Danzou das geahnt? Wollte er mir zeigen wie unwillkommen und unwichtig ich noch in dem Leben aller war? Nur warum die Reaktion meines Bruders vorhin?
Mir wurde Schlecht, die altbekannte Übelkeit die sich kurz vor einer Bewusstlosigkeit einstellte und für den Moment empfand ich es als tröstlich, u wissen, dass ich mich für einige Minuten ausschalten würde. Vielleicht, mit ein ganz bisschen Glück, würde meine Welt beim Erwachen ein Stück einfacher.
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