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Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.05.2021 6.556
 
Tadaaa...
Hier geht es weiter, mit einem Kapitel, dass mich gequält hat.
Ich hoffe es kommt rüber was ich damit rüberbringen wollte.
Der kleine "Cliffhänger" tut mir etwas leid, erhöht aber hoffentlich die Spannung :P
Ich freu mich über eure Reaktionen, Viel Spaß
Liebste Grüße Kitana

12.


Wir nahmen den steilen Bergpass weiter in die Höhe, allen voran, mein Bruder. Sein Auge leuchtete rot in dem Dunst, der sich nach dem Regen gebildet hatte und es, wie dichte Wolken, schier unmöglich machte den Weg vor den eigenen Füßen zu sehen. Wir mussten Kakashi vertrauen und so ungern ich es zugab, die Anderen schienen das mehr zu tun als ich. Sie liefen ohne ein Wort hinter ihm her, achteten auf seine Zeichen und schritten, folgsam in die Richtung in die er deutete.
Ich fühlte mich unsicher, tastete mich langsam vorwärts, immer in der Annahme, mein Fuß könnte jederzeit ins freie Treten, den Halt auf dem Boden verlieren oder über einen Stein stolpern.
Seufzend musste ich erneut eingestehen, dass ich meinem Bruder mit meinem Verhalten unrecht tat. Nach allem was er für mich getan hatte, würde er mich nicht in die Tiefe stürzen, das wusste ich und dennoch konnte ich es einfach nicht verhindern.
Mit einer Handbewegung zeigte Kakashi an, dass es nun an den Abstieg ging, erließ sich zu mir zurück fallen und betrachtete mich kurz eingehend, die anderen blieben stehen.
„Kannst du noch? Der Abstieg ist weiterhin steil, wir werden hin und wieder über Felsen klettern müssen...Traust du dir das zu?“ Meine Augenbraue wanderte nach oben, doch ich schluckte mein Kommentar zu seiner krächzenden Stimme herunter, nickte statt dessen artig.
„Tenzou? Bleib bei ihr...“ Der ANBU nickte ergeben, blieb stehen und wartete bis ich auf selber Höhe war.
„Warum macht er es nicht selbst..“ missmutig schoss ich ein Stein vor mir her.
„Kannst du dir das nicht denken? Er triggert dich noch immer, der Abstand tut euch beiden besser... das ist auch mit einer der Gründe, weshalb er sofort umkehren wird und nicht bei uns bleibt.“
Logisch, da hätte ich auch selber drauf kommen können. Verlegen lächelte ich, schluckte jeden weiteren Gedanken mit meinem Frust hinunter.
Wir marschierten Stunden, dem enger werdenden Pfad hinab, meine Knie schmerzten, bei jedem zweiten Schritt fing ich mein Gewicht unsanft ab, da ich noch immer nicht sah wo ich eigentlich hinlief. Dann hob Kakashi seine Hand, wir hielten und ich hatte die Hoffnung wir würden ein wenig pausieren, doch weit gefehlt.
Es musste einen Steinschlag gegeben haben, der Weg war unterbrochen und an der Stelle klaffte ein tiefes Loch.
„Maus...Rabe..Bär ihr klettert vor...“ die drei ANBU nickten, konzentrierten sich und krabbelten wie Spinnen an der Wand entlang. Ich war neidisch, das wollte ich auch. Meine Reisemethode würde allerdings etwas unelegant werden, wenn ich mir Tenzou und Kakashi so betrachtete.
„Wie weit in etwa..?“ schrie mein Bruder auf die andere Seite.
„Ca 8 Meter Senpai...“ die Antwort von Yugao.
„Tenzou?“ der angesprochene schüttelte den Kopf: „ Das ist zu weit und ich sehe nicht wo ich hin muss...“
„Dann bleibt nur die Variante sie zu werfen...“ Kakashi kratzte sich am Hinterkopf, während ich ein quietschen von mir gab.
„Bitte? Ihr wollt mich werfen?“
ehe ich mich versah, hatte Tenzou die Distanz hinter sich gebracht, Kakashi sein Sharingan auf ihn fixiert, mich gepackt und mit leicht schwingenden Bewegungen geworfen.
Mein Schrei hallte durch die Berge und ich beglückwünschte unser Glück, dass noch kein Schnee lag, ich hätte mit Sicherheit sonst eine Lawine ausgelöst. Tenzou hatte mich gefangen und ich fragte mich, wie oft die Beiden gemeinsam Leute durch die Gegend warfen, es fühlte sich seltsam eingespielt an. Zu dem erntete ich lautes Gelächter, mein Schrei war auch wirklich nicht zu überhören.
Mit einem Mal wurde es unruhig, Kakashi fehlte noch und die anderen schienen sich zu sorgen.
„Hat er es zu lange verwendet? Richtet Tenzou die leise Frage an Rabe. Yugao zuckte mit den Schultern: „ Er hat es die letzten Stunden konstant aktiv gehalten, vielleicht sollten wir nach ihm...“
Doch da kam er in Sichtweite und stieß erleichtert die Luft aus.
„Sorry, es...hatte.. sich Geröll gelöst...“ sein Atem ging stockend und er hustete heiser.
„Noch etwa ...200 Meter.. dann sollten wir bessere Sicht haben und euer Lager sehen können...“
Er sollte Recht behalten, die Sicht verbesserte sich und ich hatte ein guten Blick auf das Gefängnis, in das ich nun einziehen würde.
Gegen Abend erreichten wir es endlich, mir brannten die Füße und ich fühlte mich müde, trotzdem drehte ich mich einmal im Kreis. Staunend erkannte ich, dass das Gefängnis umgeben von den Hohen Bergen lag, eine Flucht von hier, wäre nicht leicht und bliebe mit Sicherheit nicht unbemerkt. Die einzelnen Zellen warn im hinteren Teil des Geländes direkt in den Felsen eingelassen, rein und raus kam man nur über die Zellentür. Das Hauptgebäude in dem wohl die Verwaltung und ein Aussichtsturm zur Überwachung eingerichtet worden war, ragte in der Mitte empor und wirkte wie eine Mahnung, sich an die Regeln zu halten.
„Ich werde dann umkehren...“ er sprach zu seinem Team, gab die letzten Befehle, bevor er sich zu mir drehte.
„Hira, ich werde jetzt wider gehen, wenn ich mich beeile, bin ich morgen Früh im Dorf..“ er sah mich an, lange und intensiv und ich war unfähig etwas zu erwidern. Ich wollte ihm sagen, dass er sich erst ausruhen sollte, ich mir Sorgen machte, weil er sein Sharingan so lange verwendet hatte und wenn er schon nicht ruhen wollte, dann sollte er wenigstens etwas essen. Doch er nickte noch einmal und verschwand in der Nebelwand durch die wir her gekommen waren.

Die nächsten Tage wurden schweigsam, meine einzigen Begleiter die Tagebücher von Kakashi und die wenigen Gespräche mit Yugao und Tenzou bei den Mahlzeiten. Ich kam mir vor wie ein Freak, denn ich vermisste tatsächlich die Schule.  
Die Zeilen in den Büchern wärmten mich, sie zeigten mir, dass ich geliebt wurde, wie sehr alle um mich bemüht gewesen waren und wie viel Sorge Kakashi damit hatte, mir ein Leben zu ermöglichen. Ein Besonders schöner Eintrag, wie ich fand, war der, in dem mein Bruder beschrieben hatte, wie er sich um mich kümmerte, als ich krank war.
Ich hatte Fieber, Tage lang, wollte nicht trinken und nicht essen. Er wich nicht eine Sekunde, blieb neben meinem Bett und hielt meine Hand.
Genau das wünschte ich mir, seine Nähe, die Ruhe die er ausstrahlte und die Verbundenheit, die ich empfand, wenn mein Ich nicht gerade verrückt spielte.
Seine Einträge gaben mir so unendlich viel von dem Zurück, was ich nicht mehr wusste und doch wirkte es so fremd auf mich, was darin stand. Der Bruder, der diese Aufzeichnung gesammelt hatte, hatte ich, nach meinem empfinden, nie kennen gelernt und würde ich wahrscheinlich auch nie.
Gedankenverloren blätterte ich durch eines der Bücher, blieb an einem Ereignis hängen, dass mir den Atem raubte. Rins Tod.

„Mein letzter Eintrag liegt nun mehrere Wochen zurück. Das liegt zum einem daran, dass unheimlich viel geschehen ist und ich einfach nicht die Kraft aufbringen konnte etwas zu schreiben. Zum anderen sind wir seit gut zwei Wochen getrennt. Du fehlst mir und wahrscheinlich wäre es besser gewesen, ich hätte bereits früher geschrieben, denn diese riesige Lücke muss auf dich wirken, als wärst du mir egal. Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Rin ist nicht mehr bei uns und das ist meine Schuld. Ihr Blut klebt an meinen Händen. Es ist kompliziert und ich kann mit niemandem darüber sprechen, nicht einmal mit dir. Bei Kami, du bist noch viel zu Klein und wenn du davon erfährst, wird sich deine Sichtweise mich betreffend wahrscheinlich ändern. Ich kann es nicht ungeschehen machen. Im Grunde wollte ich ihr nur helfen. Mir ist nicht einmal richtig bewusst wie das passieren konnte. Da war so viel Blut, mit einem Mal war da so viel Blut und meine Hand in ihrem Körper. Es wollte nicht abgehen, ich konnte es nicht abwaschen und ich spüre es immer noch. Was schreibe ich da eigentlich... Wichtig für dich zu wissen, ich habe dich in die Obhut von Minato gegeben, da er der Meinung war, das ich erst mal verarbeiten müsste. Irgendwo hat er recht. Doch ich vernachlässige dadurch alles und fühle mich nur schlechter, als besser. Du bist nicht hier und du fehlst..“

Ich schluckte, es tat weh, ich konnte den Schmerz spüren. Wahrscheinlich hätte ich nichts verstanden, wenn ich nicht ein Teil des Ganzen schon gehört hätte. Ich wusste, dass sie durch ihn gestorben war und seinen Albträumen nach, war es ein Unfall. Nur das sollte mal jemand versuchen meinem Bruder zu erklären. Resignierend seufzte ich, bevor ich das nächste dieses Mal wirklich schwer zu entziffernde Geschrieben las.

„Rins Tod ist vier Wochen her, ich habe meine „Therapie“ beendet und bin für einsatzfähig erklärt worden. Morgen werde ich meine erste Mission bestreiten, dich wieder alleine lassen und es ist mir schon lange nicht mehr so extrem schwer gefallen zu gehen. Wir haben uns gerade erst wieder und du bist so unsagbar glücklich gewesen. Mana-San hat versprochen gut auf dich zu achten, das tut sie immer, nur aus dem Grund lasse ich euch alleine. Aber sie ist halt nicht ich. Irgendwann wirst du mir mal vorwerfen, dass ich nie da gewesen bin für dich und Rückblickend mag es den Anschein haben. Durch die Sache mit Rin ist mir erst bewusst geworden, wie knapp doch unsere Zeit sein kann und ich habe Angst. Angst, dass dir jemand mal sagen muss, dass ich nicht nach Hause kommen werde, du den selben Schmerz durchleben musst. Doch ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um das zu verhindern. Wenn du  irgendwann erfährst, dass du der einzige Grund bist, warum ich überhaupt noch lebe, wirst du wahrscheinlich über mich lachen. Hira, ich hätte das nicht geschafft, wenn du nicht bei mir wärst.. “

Der letzte Teil wurde noch unleserlicher, er musste beim Schreiben gezittert haben, zumindest sah sein Schriftbild danach aus, er hatte gelitten. Ich freute mich, dass ich ihm einen Grund zum Leben geben konnte, einen Grund zum überleben, auch wenn es nur meine Anwesenheit war, gleichzeitig bereitete es mir Sorge. Was würde passieren, wenn ich meinen Plan in die Tat umsetzte und sterben würde, um meinen Bruder zu retten? Er würde zerbrechen? Würde er doch den Weg unseres Vaters gehen?
Diese Gedanken beschäftigten mich, verhinderten, das ich essen konnte und verhinderten, dass ich sprach. Ich spürte, dass sich die Anderen Sorgen um mich machten, nicht zu Letzt auch, weil sie Kakashi versprochen hatten, gut auf mich zu achten.
Zwei Tage vergingen, dann drei und dann vier.
„Hira, wenn du nicht bald isst oder zumindest mit uns sprichst..werden wir Kakashi benachrichtigen...“ Tenzou hatte eine Schale mit Reis neben mich gestellt, eigentlich hatte er sie mir reichen wollen, doch ich hatte direkt abgelehnt.
Seufzend wand er sich ab.
Wollte ich Kakashi das wirklich zumuten? Wollte ich ihm mit meinem Verhalten noch mehr Druck machen?
Auf der einen Seite wünschte ich mir ihn zu sehen, er sollte her kommen, sich um mich kümmern, wie er es den Büchern nach, immer getan hatte. Nur wusste ich auch nicht, wie beschäftigt er war. Er war gegangen, weil das Dorf ihn brauchte und ich wusste durch Erzählungen, dass es an einigen Grenzen zum Feuerreich Unruhen gab, bei denen die Anwesenheit der ANBU unabdingbar waren.
„Tenzou..geh nicht...bitte“ seine Augen weiteten sich und er lächelte, als er sich wieder zu mir drehte. „Hira, na endlich...“
„Sagt nichts meinem Bruder, er macht sich unnötig Druck wegen mir...“ nervös knetete ich meine Hände, ich hatte über alles wieder einmal nur an mich gedacht, wie sehr es mich mitnahm was er in den Büchern schrieb. Was hatte ich eigentlich erwartet? Hatte ich erwartet, dass darin ausschließlich zu finden war, wie ich Schmetterlingen hinterher gejagt war? Wie schön es gewesen sein musste, wenn ich mich über den Schnee freute ? Ja, irgendwie schon.
Stattdessen, gab das Buch wieder, wie dunkel Kakashis Leben gewesen war. Ich hatte es ja geahnt, doch es zu lesen und an seinem Schriftbild zu sehen, dass er so gelitten hatte schmerzte mich.
„Ich werde ihm nichts sagen, versprich mir nur etwas zu essen und rede mit mir...Was hat dich so verstört..?“ ich reichte ihm auf meine Frage hin eins der Bücher, jenes in welchem ich die Sache mit Rin gelesen hatte. Tenzou überflog die Zeilen, sah dann zu mir auf und schluckte. Einige Sekunden herrschten absolute Stille, ich konnte den ANBU beinahe Denken hören, dann setzte er wieder an.
„Hira, in der Geschichte deines Bruders wird es noch viele Dinge geben, von denen du nichts weißt bisher, Grenzsituationen, die ihm einiges abverlangt haben...“ er fuhr sich durch die Haare, überlegend, ob er seine Erklärungsversuche weiter ausführen sollte.
„Als ich damals deinen Bruder kennenlernte, befanden wir beide uns in einer ziemlich beschissenen Lage. Ich hatte den Auftrag ihn zu töten, von einem Mann Namens Danzou.“
Da war er wieder dieser Name, bei dem der Blick meines Bruders sich so unendlich verfinstert hatte. „Es war zwischen dem Tod seiner Kameradin und dem seines Senseis..eine ausgesprochen schwierige Zeit für ihn...“ Tenzou rieb sich die Stirn.
„Die Berührung mit Danzou hat in ihm einiges verändert. Danzou ist ein Meister der Manipulation, er hat deinen Bruder in einem der empfindlichsten Momente getroffen, diesen ausgenutzt und ihn dazu gebracht das Dorf zu verraten. Hiruzen-Sama war es damals, der die Situation erkannt hat und ihm die Chance gab, sein Fehler zu berichtigen. Seit dem kennt seine Loyalität keine Grenze mehr.
Unter der ausdrücklichen Befugnis von Hiruzen-Sama wurde er als Spion eingesetzt und ermittelte quasi im Alleingang einige der größten Geheimnisse. Meine Geschichte und die Experimente, von denen die Rede waren sind ein kleiner Teil von dem, was dein Bruder herausfand. Hira, Kakashi ist ein Genie, ein großartiger Stratege und das schon in seinem Alter damals. Natürlich hat er sich dadurch nicht nur Freunde gemacht und ohne das Eingreifen des Hokage, wäre die Geschichte für uns nicht so glimpflich verlaufen. Kakashi leitete alles in die Wege, um mich und einige der Anderen aus der Einheit unter Danzou heraus zu holen, nur...“
Ich biss mir vor Spannung auf der Lipper herum. Nur? Was war dann?“
„Verrat war etwas, was Danzou nur hinnahm, wenn man dafür mit dem Leben bezahlte. Um an Kakashi heran zu kommen, nahm er dich, damals nicht wissend was für eine Geschichte sich damit verband...Ohne zu zögern begab sich Kakashi in Danzous Hände, nicht aber ohne dafür Sorge zu tragen, dass uns geholfen wurde. Hokage-Sama persönlich schaffte uns und später auch ihn da heraus.“
Der ANBU wirkte, als würde ihn die Geschichte sehr belasten und mir wurde es ein wenig mulmig zu mute, bei dem Gedanke, dass diese Männer mich entführt hatten, um Kakashi nach dem Leben zu trachten.
„Der Hass auf Danzou sitzt tief Hira und nie im Leben würde dein Bruder noch einmal in seine Fänge geraten. Nie im Leben, so dachte ich zumindest...“
Ich zuckte zusammen, was sollte denn das heißen? Was wusste Tenzou, was sie nicht wusste?
„Tenzou nun rede mit mir..“ ich war alarmiert, von seinem Tonfall seiner Körpersprache, der Angerissenen Vergangenheit, der Tatsache, dass ich mit diesem Mann in Berührung gekommen war und meinem Instinkt, der Schrie, dass mein Bruder sich in Gefahr begeben würde.
„Hira, die Sache mit Orochimaru und Danzou geht tiefer, die Geschichte ist kompliziert...“
„Spann mich nicht auf die Folter, was weißt du, wer oder was bist du und was genau haben mein Bruder und ich damit zu tun....?“ Ich klang unnachgiebig, ich wollte die Wahrheit die ganze Geschichte und ich brachte Tenzou damit an seine Grenzen.
„Ich BIN eine Zucht, ich habe keine Biologischen Eltern so wie du, ich entstamme einem Inkubator, einem Genexperiment der schlimmsten Sorte. Orochimaru hat eine ganze lange Weile damit verbracht an genetisch verbesserten Menschen zu arbeiten. In der Anfangszeit haben sie sich ausschließlich mit Menschen wie dir befasst, sie haben versucht euren Genpool zu verbesser, so zu modifizieren, dass ihr von eurem Chakra Gebrauch machen könnte. Die Kinder wurden ihren Eltern entrissen und zu Forschungszwecken, an Orochimaru übergeben. Kakashi hat diesbezüglich einige Unterlagen in den Archiven des Hokage gefunden unter anderem gab es eine breite Forschung an sogenannten Hashirama-Zellen. Hashirama war einer der wenigen Menschen die das Mokuton Beherrschte und seine Zellen wiesen einige Besonderheiten auf. Die Nachforschungen, die dein Bruder anstellte, deuteten darauf hin, dass Ororchimaru mit den Zellen einen Mokuton-Nutzer kreieren wollte, um Kyuubi beherrschen zu können, aber dazu später mehr.
Den Kindern wurden eine Reihe Gen modifizierender Substanzen verabreicht, es sollte das Gen ersetzt werden, dass fehlte um Chakrakontrolle zu erlangen. Die Versuche schlugen Fehl, die Kinder veränderten sich, wurden zu Seeungeheuern, wurden von ihren eigenen Fähigkeiten zerfressen, oder verloren alles an menschenähnlichen Fertigkeiten. Später versuchten sie die besondere Eigenschaft der Hashirama-Zellen, die der Reproduktion, zu nutzen und die Kinder wurden zu Bäumen. Bis auf mich. Ich gehöre zu einer speziellen Sorte, ich bin zusammengebastelt aus einer viel Zahl an verschiedenen Genen, ein Sortiment aus einem zusammengefügten Genpool...“ Der ANBU öffnete seine Hand und ein kleiner Baum entwuchs seiner Handfläche. Staunend sah ich auf das kleine Gewächs, während mein Gehirn versuchte, die ganzen Informationen zu verarbeiten und in einen logischen Kontext zu bringen.
„Dein Bruder zerstörte in einem Alleingang eines der Labore, konnte allerdings nicht verhindern, dass Danzou mich mit sich nahm. Versteh mich nicht falsch, ich habe ihm das nie zur Last gelegt, dass er nicht verhinderte, was dann geschah.. doch dein Bruder macht sich Vorwürfe. Danzou trainierte uns Kindern sämtliche menschliche Emotionen ab, befahl uns gegeneinander zu kämpfen, nach dem Motto „nur der stärkst hat ein Recht zu überleben“. Wir töteten uns untereinander, wurden desozialisiert, isoliert und der Menschlichkeit immer fremder. Das Barbarische Verhalten Danzous war ein offenes Geheimnis, doch genoss Danzou unter dem Deckmantel „Der Rettung Alter Bräuche“ eine gewisse Immunität vor dem Ältestenrat und war daher unantastbar für den Hokage.
Kakashi war der einzige, der etwas ändern konnte und tat das mit einer unheimlichen Verbissenheit, nicht zu Letzt wegen des beinahe Verrats an seiner Heimat.“
Ich schluckte schwer, die Vergangenheit von Tenzou war genauso schmerzhaft, wie die von meinem Bruder, nur war ich mir nach seinen Erzählungen nicht sicher, was Tenzou selber in sich sah.
„Hira, dein Bruder hat mir gezeigt, dass ich ein Mensch bin, daran hatte ich nämlich Jahrelang gezweifelt...nicht unsere Entstehung macht uns dazu, sondern das hier drin..“ Er deutete auf seine Brust und ich gab meinem Drang nach ihn einfach zu umarmen. Mir liefen die Tränen:
„ Ja, das bist du...du bist ein Mensch und du hast das Herz am rechten Fleck... Ihr habt meinen Bruder immer wieder zu mir zurück gebracht und du bist ihm ein teurer Freund geworden...“ Er lachte verlegen, schaffte es aber die Umarmung zu erwidern.
Seufzend rieb er sich die Augen: „Danzou musste es von Anfang an gewusst haben, dass Kakashi für die Zerstörung des Laboratorium verantwortlich gewesen war, ließ ihn aber in dem Glauben er würde es nicht wissen. Er spielte den Märtyrer, ließ Kakashi an der langen Leine, hielt ihn am Haken und erschlich sich Informationen über ihn. Dein Bruder beging einen Fehler, was heißt einen Fehler. Er wurde gefoltert und verriet in einer Art Fieberdelirium deinen Namen und gab unbeabsichtigt fatale Informationen preis...“ Ich runzelte die Stirn.
„Warum? Warum wurde er gefoltert?“ Tenzou lachte.
„Weil Danzou herausgefunden hat, dass man aus deinem Bruder nur Informationen herausbekommt, wenn dieser unter Hohem Fieber litt...Also unterzog er ihm dem absoluten Schlafmangel, fügte ihm Verletzungen zu, die sich entzündeten und eine Vergiftung auslösten. Schmerzen steckt dein Bruder weg, wie kein Zweiter, aber auch er hat Grenzen...“
Nickend bestätigte ich, dass ich das bereits erleben musste und mir wünschte, es nie wieder erleben zu müssen.
„Sie stellten Recherchen über dich an, erkannten, dass du zu einer ganz speziellen Sorte Mensch gehörst. Du musst wissen, die Menschen, denen das Gen zur Chakrakontrolle fehlt, schöpfen aus einem Pool Unmengen Chakra, deutlich mehr als jemand schöpfen kann, der das Gen besitzt. Dein Chakra ist das seltenste, das es gibt und Orochimaru benötigt für seine Experimente immens viel Chakra. Nicht jede Sorte ist passend für jeden Körper, doch deines? Ist quasi universal anwendbar, das macht dich so interessant. Zu Orochimarus Leidwesen, ist dein Chakra allerdings nur frei einsetzbar, wenn du aufhörst zu existieren, aus dem Grund hat er dich manipuliert, entladen und töten wollen...“
Kurz drängten sich eine Menge Fragen auf: „ Wieso hat er es nicht damals schon? Warum hat er gewartet bis ich in der Pubertät bin? Und warum schürt er einen Hass auf meinen Bruder, den ich so nicht verspüre...“
Tenzou lachte: „ Damals, war dein Siegel noch stark, dein Chakralevel noch niedrig, sie mussten sich in Geduld üben, um möglichst viel Energie abgreifen zu können. Und was Kakashi betrifft...Kannst du dir das nicht denken? Sie hassen ihn, sie wollen das er leidet und sie warten darauf, ihn beseitigen zu können. Die sauberste Lösung für Orochimaru und Danzou wäre es, wenn ihr Geschwister euch gegenseitig ermordet.“ Er lachte kurz bitter auf, schüttelte den Kopf und fuhr fort: „ Kakashi steht unter einem besonderen Schutz des Hokage, er ist einer der talentiertesten und besten Shinobi des Dorfes, schon seit er klein ist, nicht nur seine Kampftechnik sondern auch das drumherum. Er hat es geschafft Ruhe in die Root zu bringen, ANBU aus der NE einzuführen, wird als strategischer Berater hinzugezogen und besitzt ausgeprägte diplomatische Fähigkeiten. Es ist also nicht leicht an ihn heran zu kommen.“
Wahnsinn, mein Kopf dröhnte und ich lehnte mich einige Sekunden an den Mann neben mir. Er war warm, wie mein Bruder, sein Herz schlug ruhig und kräftig, ich fühlte mich geborgen bei ihm.
Ich wurde träge: „ Ich wünschte Kakashi wäre hier...ich vermisse ihn...“ nuschelnd versuchte ich mich wach zu halten, hörte nur weit entfernt wie Tenzou mir beipflichtend zu brummte: „ Ja, er wäre bestimmt auch gern an deiner Seite...“
Er bewegte sich ein Stück zurück und mein Kopf sank in seinen Schoß, er ließ mich gewähren und wartete bis ich eingeschlafen war.

Weitere Tage vergingen, Wochen und niemand hörte etwas von Kakashi. Ich fragte mich langsam, ob er mich vergessen hatte, doch die Zuversicht, die Tenzou und auch Yugao ausstrahlten, ließen mir meine Überzeugung, dass er schon kommen würde, um uns wieder zu holen.
Yugao kam mir mit der Zeit immer näher, so etwas wie eine abstrakte Freundschaft entstand, wahrscheinlich, durch unser Schlüsselerlebnis.
Ich stieß einen verzweifelten Schrei aus, als nach Monaten der Gefangenschaft, mein Vorrat an Frauenhygieneartikeln aufgebraucht war. Was zum Henker sollte ich tun? Auf meinen Schrei hin, stand Yugao vor der Tür und ich konnte hören, wie sie die Männer davon überzeugte, dass man mich nicht überfiel, sonder die Möglichkeit eines durchaus menschlichen Problems bestand. Sie verhinderte, dass die Frauentoilette gestürmt und ich auf der Toilette überrascht wurde.
Himmel, ich war ihr so dankbar.
Zaghaft klopfte sie und fragte ob sie herein kommen durfte, schließlich befanden wir uns bei den Toiletten.
„Yugao..“ kläglich, verheult und erbarmungswürdig drang meine Stimme durch die Tür: „Ich hab ein Problem...“
Sie räusperte sich: „Ist es das erste Mal?“
„Nein, aber ich hab nichts mehr...Was mach ich denn jetzt?“
Erneut räusperte sich die Frau vor der Tür: „ Wenn du rauskommst, können wir da was machen ok?“ Sie sprach zärtlich, beruhigend und zum ersten Mal nahm ich sie als das wahr, was sie war. Eine Frau wie ich.  Sie schob mir unter der Tür eine Binde hindurch und wartete geduldig, bis ich mich versorgt hatte. Ich schämte mich etwas, als ich heraus trat, doch sie schloss mich tatsächlich in die Arme: „ Das ist ganz natürlich, da müssen wir Frauen alle durch...“ sie schob mich etwas weg und sah mir lächelnd in die Augen, bevor sie zwinkerte: „ Ich hab da allerdings einen kleinen Trick...“ Sie formte Fingerzeichen, ließ ihr Chakra aufleuchten und berührte meinen Unterbauch.
„Das dürfen wir nicht zu oft machen, aber das sollte für die nächsten 8 Wochen halten...“
Auf meinen Fragenden Blick zuckte sie mit den Schultern: „ Glaubst du, ich möchte mit Kakashi und Tenzou auf Missionen auch noch meine Periode haben? Das wäre mir wirklich zu peinlich..Zumal wir nicht immer die Gelegenheit haben entsprechende Örtlichkeiten aufzusuchen...“
Plötzlich klopfte es erneut an der Tür, die besorgte Stimme von Tenzou war zu hören:
„ Ist alles Ok, da drinnen?“
„Was genau verstehen die Männer nicht daran, dass es Dinge gibt, die wir unter uns Frauen klären...?“ Die Frau vor mir zuckte resignierend mit den Schultern und seufzte, grinste freudig, als ich in schallendes Gelächter ausbrach.
„Vielen Dank Yugao..“

Von diesem Tag an verstanden wir uns wirklich besser, ich bekam das Gefühl dazu zu gehören. Tenzou trainierte mich, gab mir Tipps zur Selbstverteidigung, erklärte mir den Umgang mit einem Kunai und wie ich jemandem die Waffe entnehmen konnte. Ich freute mich sehr darüber, ich würde damit etwas an der Hand haben, dass mich nicht mehr Schutzlos, auf Hilfe angewiesen, zurück ließ und Kakashi davon abhielt, seine Deckung fallen zu lassen, um mich zu schützen.
Die Abende verbrachte ich mit Yugao in der Küche, sie erzählte mir Geschichten von Missionen, aufregende Abenteuer, die sie mit meinem Bruder erlebten und schwärmte, dass sie sich kein besseren Taichou wünschen konnte.
Ich hielt inne und schaute sie eindringlich an: „ Sei mir bitte nicht böse, aber magst du meinen Bruder?“
Sie ließ ihre Hände sinken und schaute einige Sekunden auf ihre Hände, dann lachte sie: „ Natürlich mag ich ihn, aber nicht so wie du denkst...Er ist ein Mann mit dem man Pferde stehlen kann, allerdings gehört mein Herz einem Anderen. Hayate hat ein Auge auf dein Bruder, er würde ihm den Kopf abreißen, wenn mir was passiert...“ Ihr Ausdruck bei der Erwähnung des Namens hatte sich verändert, sie lächelte verliebt und strich siech eine ihrer langen Strähnen hinter die Ohren. Ich war im Bilde, Hayate war ihr Freund und ich freute mich sehr für sie. Auf der anderen Seite machte es mich traurig: „ Glaubst du Kakashi findet auch mal jemanden wie dich?“
Yugao stutzte, auf ihrem Gesicht stand Trauer und Ratlosigkeit: „ Hira, kleines...Du wünscht dir, dass er glücklich wird oder?“ Ich nickte: „ Wenigstens ein bisschen Glück hat er doch verdient...Nach dem was ich alles gelesen habe, was mir erzählt wurde und wie er sich mir gegenüber Verhält, wünsche ich mir, dass er Spaß hat und lernt das Leben zu genießen...“
Leise lachte sie, bevor sie ihre Arbeit wieder aufnahm: „ Wow, das klang richtig erwachsen... Dein Bruder muss es wirklich lernen Hira, er hat für alles eine Strategie, einen Plan, den er seinem Belieben nach ändert und es funktioniert...Doch für das Zwischenmenschliche, da fehlt ihm jeder Plan, er kann es kaum zulassen, erträgt es nicht, wenn man ihm nahe kommt...Selbst wir, als sein Team, kommen da an unsere Grenzen... In ihm lebt die Angst...“

„Wer hat Angst?“
Erschrocken fuhren wir herum, meine Augen weiteten sich. In der Tür stand Kakashi, in seiner gesamten Ausrüstung, nur seine Maske hatte er abgenommen und trug sie in der Hand.
Er war hier, vor mir und mir fehlten wirklich die Worte. Mit einem freudigen Aufschrei sprang ich ihn an, quietschte und umarmte ihn fest.
„Ich hab dich so vermisst...“ erst jetzt musterte ich ihn genauer. Er starrte vor Dreck und wirkte müde, lockerte jetzt seinerseits die Umarmung, in die ich ihn verwickelt hatte.
„Wir sind leider nur auf dem Durchmarsch, habe mir aber gedacht ich schau mal nach euch, wenn ich schon in der Nähe bin...“ er fuhr sich durch die Haare.
„Bleibt ihr über Nacht?... Wollt ihr essen?“ Kakashi schenkte Yugao seine Aufmerksamkeit, grinste dann breit: „ Wir bleiben für ein paar Stunden und du solltest raus gehen, da wartet jemand auf dich...“ Ihre Augen begannen zu strahlen: „ Du bist mit Hayate unterwegs?“ mein Bruder nickte und lächelte: „ Na lauf schon, das ist ein Befehl...“
Yugao eilte vor, wir folgten etwas gemütlicher und ich strahlte über beide Backen, als Hayate seine Freundin hoch hob und sich mit ihr im Kreis drehte. Himmel war das kitschig, doch es erfüllte mich mit einer Wärme, die ich so nicht kannte.
„Kakashi-Taichou, bleiben wir ?“ Die drei Männer sahen fragend zu ihrem Hauptmann herüber.
„Ja, ruht euch aus, wir bleiben die Nacht...“ Mein Herz machte ein freudigen Sprung, sie würden heute Nacht bleiben.

Eine Stunde später saßen wir alle gemeinsam um ein kleines Lagerfeuer herum, die Stimmung war gut, nur mein Bruder war für meinen Geschmack zu schweigsam. „Du bist so still?“ Er sah auf.
„Ich glaub ich bin nur etwas müde...Die Mission, von der wir kommen, hat länger gedauert als gedacht.. wir sind einfach schon einige Wochen unterwegs“ Kakashi versuchte sich an einem Lächeln, es misslang.
„Ok, dann komm...wenn ihr schon hier bleibt, kannst du dich zumindest ausruhen...“ Yugao und Tenzou grinsten, als ich ihm meine Hand hinstreckte und ihn auf die Füße zog. Er folgte mir ohne zu murren und ich zeigte ihm, wo ich mich eingerichtet hatte.
„Setz dich ruhig auf mein Bett...“ Ich deutete auf die Pritsche, auf der ich seit etwa drei Monaten schlief und er nahm platz. Sein Blick glitt durch die Zelle. Ich hatte sie etwas hergerichtet, hier und da kleine Fotos, die ich eingesteckt hatte, befestigt und mit Kreide, die wir gefunden hatten, Blumen und Wolken an die Wände gemalt.
„Sieht ja fast gemütlich aus...“ er wirkte traurig: „Tut mir leid, dass ihr hier festsitzt...“ Er rieb sich die Stirn, erschien mir noch müder als einige Sekunden zu vor. „Ich hab bisher noch keine Möglichkeit gefunden..aber ich gebe nicht auf Hira...“ Ich machte ein Schritt auf ihn zu, umarmte ihn fest, spürte wie er sein Kopf auf meiner Schulter ablegte und erschöpft seufzte.
„Mir geht es soweit gut hier...Yugao und Tenzou sind mir so ans Herz gewachsen...Ich lerne eine Menge von ihnen, Dinge, die du mir schon lange zeigen wolltest, die ich aber immer verweigert hatte...“ Das Gewicht an meiner Schulter nahm zu: „ Kakashi?“ Ich lugte an mir hinunter und stellte fest, dass er eingeschlafen war. Nun saß ich hier mit meinem Glück, wusste nicht, wie ich ihn aufs Bett bekommen sollte, ohne, dass er mir abrutschte.
„Na das haben wir uns schon gedacht...pack mal mit an Hayate...“ Tenzous Stimme hinter mir, klang amüsiert, ließ mich erleichtert schnauben.
Gemeinsam nahmen sie ihn mir ab und hievten ihn auf das Bett.
„Tja, für ihn ist der Abend wohl gelaufen...“Hayate grinste, fügte auf meinen besorgten Ausdruck hin an: „ Er hat sein Sharingan sehr beansprucht und sich bisher keine Pause gegönnt, weil zu dir  wollte, bevor wir nach Hause gehen...Wir sind ohnehin schon spät dran, doch es war ihm unendlich wichtig...und mir auch...“ er legte den Arm um Yugao und gab ihr einen sanften Kuss. Mein Bruder hatte ihnen und uns zumindest ein paar Stunden verschaffen wollen.
„Geht ihr ruhig zu den anderen, ich bleibe bei ihm..“ Tenzou betrachtete mich einige Sekunden schweigend, nickte dann jedoch verstehend, trotzdem konnte ich eine gewisse Enttäuschung sehen.
Ich schlüpfte zu meinem Bruder, er lag auf der Seite, weshalb ich mich an seine Brust kuscheln konnte und zog die Decke über uns. Seine Körperwärme stimmte mich ebenfalls müde, ich entspannte mich seit langem wieder richtig und genoss es einfach, dass er bei mir war. Ich lauschte seiner tiefen regelmäßigen Atmung und folgte ihm in die Traumwelt.

Kälte umgab mich, als ich die Augen aufschlug, die Dunkelheit zog sich durch unsere Lagerstätte und ich fragte mich wohin mein Bruder gegangen sein konnte. Mein Blick schweifte durch die Dunkelheit, während ein leises knisterndes, züngelndes Geräusch meine Aufmerksamkeit erregte. Ich dachte erst es würde wieder regnen, so wie die vergangenen Tage und das Wasser, in kleinen Strömen, von den Steinen in verschiedenen Richtungen abgelenkt, vor der Zelle herabfließen.
Doch dem war nicht so. Ich ließ meine Beine über den Rand meiner Pritsche baumeln und hätte am liebsten laut aufgeschrien. Tausende von Schlangen schlängelten sich über den Boden. Die Geräuschkulisse nahm zu und aus der Masse an Reptil entwuchsen die Umrisse eines Mannes.
„Hira, wir sind bereit für dich...dein Bruder wird dich zu uns bringen, es ist an der Zeit..“
Hinter Ori-Sensei erschien ein rot glühendes Auge, das Sharingan meines Bruders. Ängstlich wich ich zurück, wollte er mich wirklich ausliefern? Ich schrie: „ Lass mich in Ruhe..verschwinde...faß mich nicht an...“  Meine Knie hielt ich dabei nah an meinem Körper, aus Angst das Getier könnte sich um meine Gliedmaßen schlingen und mich in die Imaginären Tiefen ziehen, aus denen mein Sensei entwachsen war.
„Du wolltest eine Lösung Hira...das ist der einzige Weg, deine Entscheidung...die Konsequenz, die du dafür tragen musst...“ Erneut schrie ich auf, stieß meinen Bruder von mir, als er mich berühren wollte und saß im nächsten Moment keuchend in meinem Bett.

Mir entging, im Moment meiner Panik, das Detail des kleinen Chakrafadens, der sich um Kakashis Kopf gewunden hatte und sein Sharingan offen hielt. Und mir entging, über dem Gedanken, dass es seit Wochen das erste mal gewesen war, dass ich wieder ein Traum dieser Art hatte, wie erschreckend still er war. Sein Chakra musste seit Stunden aus ihm heraus strömen und es hinterließ ihn vollkommen entkräftet. Er stöhnte nicht einmal mehr.
Das rote Auge starrte, es schien mich anzuflehen aufzuhören, wo es der Träger nicht mehr konnte und im nächsten Augenblick traf mich die Erkenntnis, dass es sich langsam trübte.
Mein lauter spitzer Schrei hallte durch die steinernen Höhlen, welche als Resonanzkörper, meine Stimme um ein vielfaches lauter erscheinen ließen und mir in den Ohren schmerzte.
Unruhe kam auf, schnelle Schritte und im nächsten Moment riss mich jemand von der Pritsche, ich gab mir keine Mühe zu erkennen wer es war.
„Tut mir leid Hira..“ etwas hartes traf mich am Kopf und im nächsten Moment wurde es wieder einmal Schwarz um mich herum.

Meine Sinn kämpften sich zurück, mein Kopf schmerzte und es dauerte einige Sekunden bis ich klar sehen konnte.
Als ich versuchte mich aufzusetzen wurde ich von hinten gestützt und ich erkannte Yugao: „ Geht es dir gut ?“ sie sprach sanft mit mir und für den Moment hätte ich mir gewünscht, sie würde mich anschreien, vielleicht hätte es verhindert, dass ich sofort vor der gesamten ANBU Einheit in Tränen ausbrach.
„Nein...Was hab ich nur wieder getan...“ einige Sekunden starrte ich auf meine Hände: „ Wo ist er? Hab ich ihn...?“ ich schluchzte laut, Angst sprach aus mir, dann hörte ich seine Stimme.
„Ich bin hier, es ist alles in Ordnung...“ er hielt Abstand, kam nicht näher und erst als Tenzou ein Schritt beiseite trat konnte ich sehen, dass er am Boden saß, angelehnt an einen Stein. Sein Auge war mit einem Verband verbunden, genau wie sein Kopf und ich ahnte, dass die kleinen Chakrablitze Verbrennungen auf seiner Haut erzeugt haben mussten.
Ich wollte zu ihm hinüber, doch er hob die Hand: „ Bleib zurück...das Siegel ist nicht mehr sonderlich stabil, ich habe es geahnt und bin dennoch her gekommen...Es tut mir leid...“
„Was? Was tut dir leid?“ ich fauchte ihn an: „ Tut es dir leid mich zu sehen?“ ich wollte noch was anfügen, doch schon beim Luftholen, schnitt er mir das Wort ab.
„Mir tut es leid, dass ich dich in diese Situation gebracht habe...Wenn mir etwas passiert, fühlst du dich schuldig... ich wusste, dass das Sigel dein Chakra nur noch schwach zurückhält, bin das Risiko aber eingegangen...“  
Ich empfand es als unfair, ich wollte ihn in den Arm nehmen, seine Nähe spüren und es war mir nicht erlaubt. Menschliche Nähe war das einzige, was die Kälte in mir für einige Sekunden zurück drängen konnte, die wurde mir jedoch verwehrt. Mein Bruder verwehrte sie mir und es machte mich wütend. Wütend auf mich selbst, auf sein und mein Schicksal, irgendwie auf die gesamte verdammte Welt. Die Wut kochte in mir und ich spürte wie sich mein Innerstes verkrampfte. Erschrocken weiteten sich meine Augen.
„Kakashi?..“ mein Flehen in der Stimme machte ihm sofort klar, worum es ging, er stöhnte frustriert, erhob sich schwankend und vergrößerte die Distanz zwischen uns.
Ich wollte es nicht, ich wollte nicht wieder so furchtbare Dinge zu ihm sagen, weshalb ich mir mit voller Kraft in die Hand biss.
„Wir brechen auf...“ das Signal meines Bruders, dass sie nach Konoha zurück gehen würden, obwohl es noch mitten in der Nacht war.
„Hira, halte noch ein bisschen durch...“ unsere Blicke trafen sich und ich las unendlich viel Schmerz in seinen Augen. Er litt genauso wie ich.

Einige Minuten später war das Team verschwunden und ich fühlte mich schlecht. Nicht nur weil mein Bruder gegangen war, sondern auch weil Yugao ihren Freund nur kurz in den Armen halten durfte, sie es wahrscheinlich genauso brauchte wie ich. Sie versicherte mir, dass sie es gewohnt sein sich nur kurz zusehen, die Zeit um so intensiver genossen, doch auch in ihren Augen lag der Trennungsschmerz.
Die nächsten Tage verliefen ruhig, ich hing meinen Gedanken nach, war schweigsam und beunruhigte Tenzou damit.
„Hira, rede mit mir...mit uns, verfalle nicht wieder in deine Ich - esse - und rede - nicht – Phase“
Über seine Beschreibung musste ich schmunzeln, seufzte dann jedoch ergeben: „ Nein, das ist es nicht...Er hätte sterben können, schon wieder...“ ich zog die Knie an meine Brust und bettete mein Kopf darauf.
„Hira, es waren nur einige Minuten, du hast gesehen, wie schnell er wieder auf den Beinen war und das, obwohl er zuvor schon erschöpft ankam. Er hätte wahrscheinlich höchstens das Bewusstsein verloren...“ Es sollte wohl aufbauend klingen, doch wirkte es auf mich, wie eine Beschönigung der Tatsache, dass ich ihm Gewalt antat.
„Tenzou, glaubst du an eine Möglichkeit das Ganze zu beenden?“ der junge Mann neben mir zuckte zusammen, ertappt, beunruhigt, unwillig auf die Frage zu antworten. Nervös rieb er sich die Hände: „Mir fällt nur eine Möglichkeit ein und ich weiß nicht was ich denken soll...“ er vergrub einige Sekunden sein Gesicht in seinen Händen: „ Ich will nicht, dass er diese Möglichkeit in Betracht zieht, aber die Alternative gefällt mir auch nicht...“ Tenzous Zwiespalt war offen sichtlich, dennoch nervte es mich, dass er um den heißen Brei herum redete und mich nachfragen ließ.
„Tenzou, was ist das für eine Möglichkeit...Sag es mir..“
Er sah mich eindringlich an: „ Kakashi müsste sich dafür Danzou anschließen, alles verraten was ihm teuer ist und seine Laufbahn als Konoha Shinobi beenden...er würde als Verräter gejagt werden ….  Die Alternative ist, dass du stirbst...verstehst du? Er ist nicht bereit dich sterben zu lassen und er hat gesehen, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, er wird alle Hebel in Bewegung setzen...“
Zornig verzog er das Gesicht, schlug mit der Faust gegen die Wand, dass der Fels leicht bröckelte, bevor er sie danach verzweifelt sinken ließ.
Unruhig biss ich auf meiner Lippe herum, ich musste etwas tun, ich musste ihn aufhalten. Ich raufte mir meine weißen Haare, wir mussten zurück, das konnte ich doch nicht zulassen und doch fühlte ich mich machtlos. Wie immer Unfähig und Dumm.
Wie um alles in der Welt konnte ich nur so etwas verlangen? Wie konnte ich ihm sagen, dass er eine Möglichkeit finden muss, mir meine Fähigkeiten zu geben, oder mich sterben zu lassen? Wie konnte ich, wie konnte ich, wie konnte ich?
Ich stieß einen wütenden Schrei aus, bei dem es mir egal wr, dass die beiden ANBU, die unser Lager sicherten, mit ihren gezogenen Waffen vor mir standen.
„Wir gehen zurück Tenzou.. wir müssen ihn aufhalten...“ Ich wollte mich erheben und meine Sachen packen, als eine Stimme hinter mir, mich zum innehalten brachte.
„Dafür ist es zu spät....“
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