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Hira

von Kitana02
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kakashi Hatake OC (Own Character) Yamato (Tenzo)
20.04.2021
14.01.2022
32
206.754
14
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.05.2021 6.999
 
Hey ihr Lieben,
hier ist der Zweite Teil des Fillers, wir nehmen wieder etwas Fahrt auf.
Ich hoffe ihr habt noch Spaß
Liebste Grüße Kitana


10.

Mit gehörigen Startschwierigkeiten, hämmernden Kopfschmerzen und verklebten Augen erwachte ich nach einer mir absolut unbekannten Zeit. Die Träume, die ich hatte, waren alles anders als schön und das erste was mir in den Sinn kam, war es, meine Beine zu kontrollieren. Erleichtert stellte ich fest, dass sie nicht zusammen gewachsen war und ich sie ungehindert bewegen konnte.
Bei dem Thema Beine fiel mir mein Bruder ein, weshalb ich mit angehaltener Luft lauschte, aber nichts hören konnte. Ich stemmte mich in die Höhe und erblickte zusammengesunken auf dem Sessel mir gegenüber Tenzou. Er war eingeschlafen, also mussten sie die gesamte Nacht hier gewesen sein, denn, bei meinem Blick aus dem Fenster, hatte der Tag bereits begonnen.
Leise schlich ich mich an ihm vorbei, zum Schlafzimmer hinüber und spähte in den Raum.
Yugao lag neben meinem Bruder, ebenfalls tief schlafend, weshalb ich mich nur auf Zehenspitzen näherte. Kakashi wirkte entspannt, eine Nadel führte in seinen Arm und ein Schlauch war daran angeschlossen, dennoch war er unheimlich blass. Meine Zähne bohrten sich fest in meine Lippe, obwohl er etwas besser aussah als gestern, besorgte mich sein Äußeres.
Ich hatte mich zum gehen gewendet, als ich seine raue Stimme hörte: „ Ich hab alles versucht Hira...sie wollte dich nicht allein lassen und ich wollte nicht, dass sie geht... doch weder ihr noch mir blieb eine Wahl...ich konnte nichts mehr tun...“
Mein Körper versteifte sich, ich wollte das nicht hören, ich wollte Mana-San zurück und ich war wütend auf meinen Bruder, dass er unfähig war es zu verhindern, dass sie starb. Ja, es war ungerecht und ich wusste, dass er nichts dafür konnte, doch war er die einzige Person an der ich, meinen Frust und meine Trauer über den Verlust, auslassen konnte. Durch die Verantwortung die ich an ihn abgab, konnte ich meinen Zorn über die Situation kanalisieren und es machte es für mich erträglicher.
„Ich weiß...trotzdem, trotzdem fühlt es sich so an als wäre es deine Schuld.. ich kann es nicht ändern...“ ich klang monoton, abgeklärt und mein Bruder griff sich an die Stirn.
„Hira, mich fordert das alles genauso wie dich.... Doch wir müssen zusammen halten, damit es funktioniert... Ich schaff das nicht alleine, ich kann nicht bei dir bleiben und gleichzeitig Geld verdienen... Und momentan brauch ich  Dich...Du bist langsam in einem Alter, in dem ich dir eine gewisse Mitverantwortung einräumen kann und das muss ich, ob ich das will oder nicht...“ Er wollte noch was sagen, doch ich unterbrach ihn: „ Und was ist mit mir? Was ist wenn ich keine Verantwortung übernehmen will? Das Leben was du führst, hinter meinem Rücken, ohne, dass ich bisher Einblick hatte, ist mir Fremd...Und mit deiner Entscheidung, mich nicht der Genmanipulation unterziehen zu wollen, wird sie mir auch auf ewig fremd bleiben...Kakashi ich bin nur ein einfacher Mensch... ohne Fähigkeiten und ohne Talent...Es sieht also so aus, als müsstest du eine Lösung finden...“ Kalt blickte ich auf ihn nieder, mein Nacken schmerzte und ich fühlte mich verändert. Waren das wirklich meine Gedanken? War es das, was ich wollte?
Mein Bruder begann zu zittern, sein Gesicht verzog sich und Tränen lösten sich aus seinen Augen.
Erschrocken blickte ich ihn an. Was hatte ich gesagt, das ihn der Art aus der Fassung brachte?
Doch schon im nächsten Moment schluckte er die Emotionen herunter und blickte mich fest an: „ Dann wird man dich mir weg nehmen...Du wirst ins Kinderheim geschickt, damit du dort unter geordneten Verhältnissen aufwachsen kannst...fern von der Welt, die ich vor dir Verborgen halte und fern von allem, was mit mir zu tun hat. Hira... Du musst mich vergessen....“
Ich riss die Augen auf, starrte ihn an, bevor ich wütend meine Hände ballte: „ Du schickst mich weg? Gibst du jetzt doch auf?“ Ich lachte gehässig auf: „ Das hättest du schon früher haben können...dann packe ich mal...“ Über seine Lippen kam kein Ton mehr, er ließ mich gehen und der Schock fraß sich tief in mein Innerstes. Ich wusste, das Yugao bereits nach dem ersten Wortwechsel nicht mehr geschlafen hatte, doch sie regte sich nicht, wahrscheinlich würde sie erst jetzt mit ihm sprechen.
„Machst du es dir nicht verdammt einfach?“ verwundert fuhr ich herum, hatte ich doch erwartet, dass sie bei Kakashi bleiben würde, doch sie stand hinter mir in der Tür zu meinem Zimmer.
„Einfach?...was weißt du schon..“ ich zischte abschätzend, ich wollte alles nur keine Moralpredigt.
Sie lachte leicht: „ Ich weiß nicht viel, wahrscheinlich ist Tenzou tiefer in der Materie...aber ich kenne dein Bruder jetzt schon eine Weile... weißt du wie oft er dafür gekämpft hat, dich behalten zu können? Weißt du wie viel Kraft er in eure Lebenssituation investiert hat? Und glaube mir, einen treueren Gefährten kannst du nicht finden...“ Sie machte ein Schritt auf mich zu, ich wich zurück und musste mich automatisch auf mein Bett setzen. Der Plüschhase, der immer bei mir war, fiel mir in die Hände und ich schluckte hart. Die Geschichte wie ich zu diesem gekommen war, hatte ich bereits gelesen und es gab noch so viel, was ich nicht wusste. Ich tat ihm unrecht, doch genau aus dem Grund, war es wahrscheinlich auch für ihn eine Erleichterung.
„Kennst du die Geschichte um Mana-San?“ verwirrt blinzelte ich, was zum Henker wusste Yugao über Mana? Wieder lachte sie leicht: „ Deiner Verwirrung nach zu Urteilen wohl nicht...“
Wie selbstverständlich setzte sie sich neben mich auf das Bett und begann: „ Mana-San und Kakashi-Senpai verbindet eine gemeinsame Geschichte. Den ersten Mord in seinem Leben beging er, um sie zu schützen. Sie waren als Team unter Minato-Sama unterwegs, eigentlich eine denkbar einfache Aufgabe. Sie sollten die Alte Kräuterhexe in den Wald begleiten, sie wollte einige Kräuter sammeln um einen Heiltrank zu brauen. Der Mann für den dieser bestimmt war, war auf der schwarzen Liste, dem Bingobuch, einiger Kopfgeldjäger. Mana machte da kein Unterschied, für sie zählte jedes Leben. Sie wurden im Wald überfallen, das Team getrennt und Mana entführt.
Kakashi-Senpai war vollkommen auf sich allein gestellt. Während Minato-Sama und der Rest des Teams nach ihnen suchte, fand Kakahsi den Eingang in das unterirdische Versteck. Mit gezogenem Kurzschwert stellte er sich mutig vor die Entführer, schlug einem die Hand ab, als dieser nach seinen Haaren greifen und ihn wie ein Insekt beseitigen wollte. Der zweite hingegen, sah seine Chance und wollte Mana das Leben nehmen. Dein Bruder zögerte nicht. Keine Sekunde, stach mit dem Schwert in den Rücken des Mannes, welcher sich zu ihm drehte und die Waffe gegen ihn richtete. Kakashi hatte sein Schwert stecken lassen, zog ein Kunai und tötete den Mann schneller als dieser gucken konnte. Der zweite Mann flüchtet und verbreitete die Geschichte von dem Dämonen Kind mit den weißen Haaren. Kaum einer weiß, dass die Geschichte, die sich immer wieder erzählt wird, Teil seiner Geschichte ist und ihm war es auch ganz recht. Einmal erzählte uns Mana die Geschichte, wie schlimm es für deinen Bruder gewesen war, das viele Blut hatte ihn an den Tod eures Vaters erinnert, das Schwert in der Brust und er brach zusammen. Sie hielt ihn, bis Minato-Sam bei ihnen angekommen war. Er erzählte eure Geschichte und Mana-San war berührt von der Güte deines Bruders und das in seinem damaligen Alter. Sie machte es sich zur Aufgabe ihn zu unterstützen. Die erste Zeit lief sie gegen eine Wand, er blockte jeden Versuch ihm zu helfen ab. Nicht weil er sich für so großartig hielt, dass er alles alleine packte, sondern aus Angst, er hatte Angst dass man euch beide trennte, schließlich hattest du nur noch ihn und er dich. Er ist verdammt intelligent und wusste, dass man ihm seine Jugend in solch einem Fall zu lasten legen würde, das machte die Sache nicht leichter.“
Sie sah mich an, die Geschichte war also das Kennenlernen von Kakashi und Mana-San, sie hatte ja gesagt, sie verdankte ihm ihr Leben.
„Weißt du was Mana-San in deinem Bruder sah? Kein Krieger, so wie einige andere, keine Waffe, so wie die Oberen und kein Monster, wie die Menschen im Dorf...Sie sah das was er war, ein Kind. Es machte sie traurig und gleichzeitig wütend, dass man die gesamte Last auf seinen Schultern ließ, ihm nicht erklärte, dass er ein Recht darauf hatte Hilfe zu bekommen und nicht auf sich allein gestellt war. Doch die Menschen im Dorf waren grausam. Eines Tages kam er schwer verletzt von einer Mission und er war sich im Klaren darüber, dass er so nicht in der Lage sein würde, sich um dich zu kümmern. Er musste jemanden finden, der nach dir sah. Niemand war greifbar, bis auf Mana-San. In seiner Verzweiflung klopfte er bei ihr, fand sich damit ab, dass man ihn für unfähig halten würde und er die Konsequenz zu spüren bekam, doch er konnte nicht riskieren, dass dir etwas geschah. Sie kümmerte sich um euch beide, versorgte seine Wunden, beschäftigte dich während er seiner Erschöpfung nachgeben musste. Sie versicherte ihm, dass sie sich gern um dich kümmern würde, wenn er auf Mission war und so entstand langsam aber sicher eine Vertrauensbasis. Es wurde einfacher für euren Unterhalt aufzukommen, er musste sich weniger sorgen und als dann die Wohnung neben Manas- Sans Haus frei wurde, schien eine Last von ihm abzufallen. Kakashi kümmerte sich um Mana-San, wie ein Enkel um seine Großmutter, begleitete sie zu Arztterminen, kaufte für sie ein, half ihr bei Arbeiten, die ihr in ihrem Alter nicht mehr leicht fielen. Das wichtigste aber war, er hatte in ihr eine Person, die ihn aufbaute, ihm sagte, dass er ein toller Mensch war und das Herz am rechten Fleck trug. Weißt du, er konnte das Gerede der Leute von dir fernhalten, aber wer hielt es von ihm fern? Neben Minato-Sama war Mana seine einzige Vertraute, ein erwachsener Mensch, der in ihm das sah, was er war ein Kind und ihm die Chance gab, zumindest hin und wieder ein wenig Verantwortung abzugeben....“
Mein Herz verkrampfte sich, Mana-San und Onkel Minato waren die einzigen, die in der Lage waren ihm zu sagen, dass er die Dinge gut machte. Wie schwer das alles sein musste?
„Die Verantwortung, die er für dich übernommen hatte, für deine Situation und dein Schicksal, wog schwer...schwerer noch, als das mit Obito und Rin. Er ist gut in seinem Job, einer der Besten und wir alle verdanken ihm viel. Doch woher soll er wissen worauf es bei der Kindererziehung ankommt? Woher Hira, er war doch selber noch ein Kind, eins, dass nie etwas anderes erfahren hat, als den Krieg. Niemand von uns wird die Chance bekommen, das zurück zu zahlen, was er für uns getan hat, deshalb sind wir gestern gekommen, zumindest so könne wir ein Teil der Schuld begleichen. Doch du Hira, du kannst ihm etwas bieten, was wir nicht können, du kannst ein Teil der Wunden auf seiner Seele heilen...“
Ich lachte bitter: „ Ach ja? Und wie? Er ist für mich doch genauso fremd, wie für jeden anderen, er ist so fern, dass ich ihn kaum erreichen kann...“
Wütend verengten sich die Augen von Yugao: „ Ist das dein Ernst? Niemand hat behauptet, dass es einfach ist, doch das war es für ihn auch nie... Der Druck dem er ausgesetzt ist, hätte jeden anderen bereits zerrissen, doch er hält dem stoisch stand...für dich... Ich arbeite nun schon seit einigen Jahren gemeinsam mit deinem Bruder und seine Priorität liegt stets bei dir. Egal wie erschöpft er ist, er nimmt immer den direkten Weg nach Hause, treibt sich an, damit du kein Kummer hast und auf ihn warten musst...“
Ich schüttelte unwirsch den Kopf: „ Ja und? Ist es dann nicht besser für ihn, wenn ich nicht mehr da bin? Er hat kein Stress und kein Druck, dann habt ihr es alle schön für euren Kakashi-Senpai..Happy Ende für mein Bruder...“ mein Ton war so gehässig und abschätzig, dass Yugao ausholte und mit ihre flache Hand in mein Gesicht traf. „Du hast nichts verstanden Mädchen, rein gar nichts...Woher kommt nur dieses Verhalten deinem Bruder gegen über...?“
Die Frage bewegte etwas in mir, einige Sekunden empfand ich wieder diese tiefe Liebe zu ihm, doch schon im nächsten Moment setzte der Schmerz in meinem Nacken wieder ein: „Ich weiß es nicht.. ich Liebe ihn eigentlich, ich kann nichts dagegen tun...es kommt wie von selbst....“ ich presste es zwischen zusammen gebissenen Zähnen hindurch und griff mir an die Schmerzende Stelle. Minuten lang verweilte ich in der Position, hoffte das der Schmerz ein ende finden würde.
Erleichtert stieß ich die Luft aus, als es nach ließ: „ Was ist bloß mit mir los...?“
Ich blickte auf meine Hände, ich fühlte mich seltsam, aus dem Gleichgewicht und wollte doch nur wieder ich selbst sein. So viel ich selbst, wie in den letzten zwei Wochen.
Plötzlich erschien Tenzou in der Tür: „ Yugao...ich brauch dich nebenan ..“ Ich zuckte zusammen, das hieß es stimmte was mit Kakashi nicht? Doch hatte ich mein Recht nach ihm zusehen bereits verwirkt, oder? Ich war unsicher, ich wusste nicht mehr wer ich war, die Klarheit, der letzten Wochen, ging verloren. Die Wellen aus Wut kehrten zurück und ich hatte Angst vor mir selber.
Als ich wieder alleine in meinem Zimmer war, legte ich mich auf mein Bett zurück und umklammerte den Hasen aus Stoff. Kakahsi hatte ihn mir geschenkt, damit ich mich nicht alleine fühlte, damit es mir gut ging und damit ich wusste wo ich hin gehörte. Kurze Sequenzen funktionierte das, dann griffen die Zweifel mit ihren langen Klauen nach mir, zogen mich in die Dunkelheit und verleiteten mich mit ihrem Gewisper dazu, die Liebe zu Kakashi in Hass umzukehren. Wieso nur Zweifelte ich an der einzigen Konstante in meinem Leben? Weil er derjenige gewesen war, der mir genommen hatte, was mich vor dem Gespött der Leute hätte bewahren können. Mein Chakra.
Ich war zumindest halb eine Hatake, die weißen Haare waren der Beweis und aus welchen Gründen auch immer, wollte ich es nicht auf sich beruhen lassen, ich wollte es einfach nicht. Lieber würde ich sterben. Meine Entschlossenheit trieb mich an und ich folgte den Anderen zu meinem Bruder.
Kakashi saß benommen wirkend in seinem Bett, lehnte mit dem Rücken an der Wand, während Yugao und Tenzou sich über sein Bein beugten.
„Senpai, das sieht immer noch nicht besser aus...wir sollten einen Arzt kommen lassen..“ Yugao sah zu ihm auf, doch er reagierte nicht. Stur starrte er an die Wand, gab keinen Laut von sich, als die beiden ANBU sein Bein mit einem Mitfühlenden Ausdruck leicht anhoben und neu einbanden.
„Du solltest etwas essen Kakashi-Senpai...“ sie wollten ihm ein Teller mit Reis reichen, doch er lehnte es ab.
„Danke für eure Mühe...Ihr solltet jetzt gehen...“ betreten sahen beide zu Boden, seine Stimme war nicht kräftig, doch konnten sie genau hören, dass es ein Befehl war.

„Wartet...“ ich stieß mich vom Türrahm ab und trat näher heran: „ ..Kakashi, wir brauchen die Beiden, damit es dir besser gehen kann...“ behutsam setzte ich mich zu ihm an die Bettkante.
„Wofür Hira? Ich bin müde... vielleicht hast du recht, ich sollte aufgeben...lassen wir den Dingen ihren Lauf...“ Meine Augenbraue wanderte nach oben, ich wollte ihm an die Stirn fassen, doch er schlug meine Hand beiseite. Das zweite Mal in meinem Leben, dass er mich so von sich stieß.
Verflucht noch mal, ich hatte es verdient, ich trat ihn mit Füßen und wusste es eigentlich besser. Nur aus irgendeinem Grund, war ich eine wandelnde Katastrophe. Seufzend kletterte ich über ihn drüber, auf die andere Seite des Bettes: „ Ich hab dir weh getan, schon wieder und es tut mir leid...Ich verstehe das selber nicht... ich bin nicht ich selbst... Das ist nicht das was ich denke Kakashi, das was ich von mir gebe, ist nicht das, was ich eigentlich sagen möchte...“
Er schloss in einer Erschöpften Geste die Augen: „ Hira, wenn du das alles nicht willst, dann muss ich das akzeptieren, ich habe in der Vergangenheit schon so viele Entscheidungen für dich getroffen.. vielleicht ist es an der Zeit, dass du deine Entscheidungen selber triffst...“
Ich stöhnte genervt, besorgt, wütend: „ Glaubst du, das ist der richtige Weg?“
Sein Kopf drehte sich in meine Richtung und ein Auge öffnete sich ein Spalt: „ Was ist ab diesem Punkt noch richtig und was ist falsch...Du hast ein Vorhaben im Kopf und ich werde dich davon nicht abbringen können. Egal was ich mache oder sage... Ich bin verzweifelt, überfordert, geschafft...“
Yugao und Tenzou deuteten mir an, dass sie ins Wohnzimmer gehen würden und dort warteten, wir sollten uns Zeit nehmen.
Meinem Bruder ging es offensichtlich nicht viel besser als gestern, etwas, doch es reichte nicht, um seine Standhaftigkeit zu halten, er hatte recht, er war fertig. Selbst in der Schlucht hatte er bewiesen, wie gut er im Überleben war, wenn es etwas gab, für das es sich zu leben lohnte, doch das hatte ich ihm eben, einige Minuten vorher, genommen.
„Ich möchte nicht weg von dir Kakashi.. ich möchte nicht, bitte zwing mich nicht zu gehen..“ heulend biss ich mir auf die Unterlippe: „..Ich wünsche mir, dass du mir hilfst.. es muss doch einen Weg geben... Mein Chakra will raus es pulsiert, das Siegel schmerzt und ich fühle mich, als würde das schwanken des Chakrastroms aus mir zwei Menschen machen. Ich glaube das ist in mir, Ori-Sensei hat es nur begünstigt....Ich muss lernen es zu kontrollieren oder du musst mich sterben lassen Kakashi, aber so, so geht es nicht weiter...“ ich starrte auf meine Hände.
„Ich weiß...dein Hormonelles Ungleichgewicht, verstärkt dieses Gefühl...Orochimaru hat dich manipuliert, deinen Zorn kanalisiert und an das Chakragedächnis gebunden...deshalb verspürst du noch immer diesen Hass gegen mich... nur schaffe ich es nicht dem stand zu halten.. ich kann nicht mehr dagegen an.. nicht im Moment, nicht so...“ Ihm fielen die Augen zu, schwach wehrte er sich dagegen, doch ich wollt nicht, dass er sich wehrte: „ Lass es zu Kakashi.. ruhe dich aus, wir reden später weiter...“ ich zog ihn zu mir und platzierte ihn in meinem Schoß, sein Körper folgte ohne Gegenwehr, ein komisches Gefühl. Die Apathie, die ich in den letzten Minuten gesehen hatte, war absolut untypisch für ihn, mein Bruder gab nicht auf, niemals, nicht als ich ihm einfach in die Arme gegeben wurde, nicht als Obito, Rin und Onkel Minato starben und nicht vor einigen Wochen in der Schlucht. Doch er erreichte seine Grenzen auf Grund meines Psychoterrors.
„Hira...ich werde dir helfen...“ Kakashi stöhnte, drehte sich auf den Rücken und rutschte auf sein Kissen. „Ich werde versuchen herauszufinden, welche Möglichkeiten es für dich gibt...aber auf keinen Fall, werde ich dich sterben lassen... hast du das verstanden...“ kaum Kraft zum sprechen brachte er auf, weshalb meine Hand nun doch seine Stirn fand und dort einige Sekunden verweilte.
„Lass es gut sein Kakashi, du glühst immer noch... du musst erst mal fit werden.“ Trotz der Besorgnis, erschien ein Lächeln auf meinen Lippen, Hoffnung und ein klein bisschen Glück durchflutete mich.
„Mana-San meinte ich soll das vergessen...doch ich habe keine Wahl, ich habe doch keine Wahl..“ leise keuchend bewegte er sein Bein etwas, ließ es dann mit einem resignierenden Geräusch.
„Kakashi, was war Mana-San für dich?“ Unter der Frage zuckte er zusammen, griff sich an den Kopf und verzog gequält das Gesicht.
„Ich verdanke ihr so viel... wären sie und Minato nicht gewesen... Sie war eine Freundin, eine Vertraute, ein Stück Familie... Sie war gut zu uns Hira...sie war so gut zu uns und jetzt...“ Er war nicht klar, das konnte ich hören, doch ich verstand was er meinte. Ich wollte ihm seine Ruhe lassen, er brauchte sie dringend, sein Bein und sein Fieber mussten auskuriert werden. Dennoch brannte mir eine Sache unter den Nägeln: „ Warum, kocht es wieder und wieder so hoch bei mir...Warum tue ich dir so weh, obwohl ich das nicht möchte, was ist mit mir?“
Er seufzte schwer, bemühte sich die Augen zu öffnen, um mich anzusehen: „ Dein Chakra wird unterdrückt, es staut sich an und versucht auszubrechen. Durch deine ohnehin angeschlagene psychische und hormonelle Balance werden Stimmungsschwankungen verstärkt...Orochimaru wusste das und hat es für sich genutzt...in den Phasen vor einem Ausbruch lockert sich mein Siegel, das Angestaute Chakra zerfrisst es quasi, bisher hat es immer gehalten.... Hira es ist so furchtbar anstrengend, ich kann nicht klar denken...“ Vor schlechtem Gewissen biss ich mir wieder auf meinen Lippen herum, ich quälte ihn mit meiner Fragerei, mit meiner Ungeduld, mit allem und auch wenn ich nun wusste, dass ich nichts für mein Verhalten konnte, ahnte ich wie furchtbar das sein musste: „ Natürlich, ich sag Yugao, sie soll noch mal nach dir sehen...ruhe dich aus...“  
„nicht schlimm.... nur Kopfschmerzen..“ er nuschelte leicht benommen. Auch wenn seine Lage alles andere als witzig war, brachte das hohe Fieber ihn dazu sich gehen zu lassen und ich musste leicht grinsen. Fahrig vergrub er seinen Kopf im Kissen, stieß die Luft geräuschvoll aus und rutschte unzufrieden hin und her.
Ich gab Yugao ein Zeichen und sie eilte verstehend herbei. Beeindruckt von ihrer routinierten Art, sah ich dabei zu, wie sie ihm einige Medikamente über die Nadel gab, die seit der Nacht in seinem Arm steckte, kleine Flaschen mit Flüssigkeit anhing und er sich tatsächlich relativ schnell entspannte.

Die nächsten 24 Stunden bekam mein Bruder wahrscheinlich überhaupt nicht mit. Wir ließen sein Zimmer dauerhaft im Dunkeln und spritzten ihm immer wieder, in regelmäßigen Abständen, die Schmerzmittel. Da er beinahe dauerhaft schlief, konnten wir ihm seine Antibiotika nicht verabreichen, weshalb Yugao ihre Beziehungen für uns spielen ließ und einen befreundeten Arzt dazu brachte, ihr die Medikamente als Infusion mitzugeben. Sie meinte, so würde das ohnehin deutlich besser wirken.
Der nächste Morgen war der erste Tag, an dem das Fieber gesunken war und ich hatte die leise Hoffnung, dass er nun endlich das Schlimmste überstanden hatte. Yugao selbst wirkte vorsichtig optimistisch, ließ ihn allerdings nicht eine Sekunde aus den Augen.
Tenzou hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mich in die hohe Kunst des Kochens einzuweihen und ich musste gestehen, ich war deutlich beeindruckt, dass anscheinend jeder Anwesende, außer mir, kochen konnte.

„Ich glaube ich fantasiere noch...“ die belustigte, leicht ungläubige Stimme meines Bruders ließ mich erschrocken herumfahren. Ich hatte hoch konzentriert in einer Pfanne gerührt, während Tenzou neben mir angespannt zugesehen hatte. Yugao trat gerade hinter Kakashi aus dem Bad: „Komm Senpai, du solltest dich setzen...“ er nickte gehorsam und ließ sich von ihr zur Couch bringen.
„Yugao, was waren das für Medikamente, die du mir verabreicht hast? Ich Halluziniere, glaube ich... Für mich sieht es so aus, als würde Tenzou versuchen meiner Schwester das Kochen beizubringen...Und sie lässt es sich zeigen?“ Beleidigt schmollte ich, seine Stichelei brachte mich tatsächlich dazu, dass ich rot anlief. Es war mir wirklich peinlich.
„Ach sei still...Essen ist gleich fertig...“ Man konnte meiner Stimme deutlich entnehmen, dass ich schmollte, doch den Sieg gönnte ich ihm jetzt einfach mal. Er lachte, mein Bruder lachte und es tat wieder einmal so unheimlich gut, es bei ihm zu hören.
„Senpai, sollen wir dir das Essen zur Couch bringen?“ Kakashi hatte sich lachend zurück gelehnt und wirkte nicht, als wolle er sich weiter groß bewegen.
„Nein, danke...Ich komme mit an den Tisch...“ erstaunt wechselte ich mit Tenzou einen Blick, nicht nur, dass er mein Essen tatsächlich essen wollte, nein, er würde sich zu uns setzen. Ich freute mich sehr darüber, während mir Tenzou seine Hand aufmunternd auf die Schulter legte.
„Wir werden dein Bein aber vorher neu einbinden...leg es mir mal hier auf das Kissen...“ Yugao hatte bereits die Verbandsmaterialien zusammen gesucht und kniete sich neben die Couch, mein Bruder folgte den Anweisungen ohne zu murren.
„Geht es dir wirklich besser? Du gehorchst?“ wieder lachte er über mein Unglaube, ließ es dann allerdings so stehen.
Die ANBU hatte den Verband abgewickelt, zog, mit einem prüfenden Blick, die Augenbrauen zusammen: „ Wie sind die Schmerzen?“
Noch bevor er antworten konnte, stellte ich mich so zu ihnen, dass ich das Bein sehen konnte, ich hatte auf die Frage hin angenommen, dass es noch immer furchtbar aussehen musste, doch es war deutlich abgeschwollen und kaum noch gerötet.
„Mir geht es deutlich besser...wirklich...“ er lächelte dankbar und mir schossen die Tränen in die Augen, wir hatten es jetzt hoffentlich wirklich endlich geschafft.

Gemeinsam setzten wir uns an den Tisch und aufgeregt beobachtet ich meinen Bruder dabei wir er sich den ersten Bissen Gemüsereis in den Mund schob. Ich war so nervös, dass ich ganz vergaß zu atmen. Mit den Stäbchen in meinen Händen starrte ich ihn an, wartete auf ein Resümee und verdammt noch mal, er ließ sich absichtlich Zeit.
„Das schmeckt wirklich gut...prima..“ er grinste mich breit an und die anderen am Tisch lachten, als ich vor Freude in die Hände klatschte.
Die Stimmung war ausgelassen und heiter, wir erzählten meinem Bruder, dass er einen ganzen Tag verschlafen hatte, worauf hin er sich peinlich berührt hinter seinem Kopf kratzte.
Erst gegen Abend wurde Kakashi ernster. Yugao und Tenzou hatten sich verabschiedet, nachdem Kakashi sich bedankte und versicherte, dass er sich wirklich besser fühlte.
Nun saß er vor mir auf der Couch, hatte sich zurück gelehnt und sein Bein hoch gelagert.
„Hira, Mana-San war mehr für uns als nur eine Bekannte oder Freundin. Sie war unser Sicherheitsanker.“ er rieb sich die Stirn und schien nach den passenden Worten zu suchen.
„Nach dem du damals im Krankenhaus diesen Ausbruch hattest, gerieten wir ins Kreuzfeuer des Dorfes. Erst da waren die meisten darauf aufmerksam geworden, dass wir beide alleine waren. Wir standen unter Minatos Schutz, doch entschied der Ältestenrat, dass ich zu Jung sei um für dich zu sorgen, um für mich alleine zu sorgen und ich lief Gefahr dich zu verlieren. Minato setzte alles daran, das zu verhindern, doch hatte er auf Grund emotionaler Befangenheit, wie sie es damals nannten, kein Mitspracherecht. Es wurde entschieden, dass ein Vormund, im Sinne einer Patenschaft eingerichtet werden müsse, damit wir zusammen bleiben durften. Mana-San meldete sich sofort, ohne weiteres übernahm sie die Verantwortung. Wir kannten uns da schon beinahe zwei Jahre, sie war immer gut zu uns, doch so etwas hatte neben Minato, noch nie einer für mich getan.
Verstehst du jetzt, wie viel ich ihr verdanke?“
Betroffen nickte ich, es war alles also doch noch schwieriger uns zusammen zu halten als ich dachte.
„Neben der Trauer über ihren Verlust Hira, wird sich in naher Zukunft noch einiges an Problemen für uns ergeben. „
Ich blinzelte verwirrt, was meinte er?
„Ich bin noch nicht Volljährig...Wir haben kein Vormund mehr...Sie haben die Möglichkeit dich von hier weg zu holen.“
Wütend starrte ich ihn an: „ Ich will aber nicht weg von dir..“
„Das spielt keine Rolle, ob du es willst oder nicht.. rein rechtlich dürfen sie das...“ er klang streng und ich verstand, es würden weder er, noch ich gefragt werden, sie würden es einfach machen.
„Es ist wichtig, das du dich so unauffällig wie möglich verhältst in der nächsten Zeit... Du wirst artig regelmäßig zur Schule gehen, deine Hausaufgaben erledigen und keinen Streit anfangen....Ich werde mich ab nächster Woche zur Wachtruppe versetzen lassen, so muss ich das Dorf nicht verlassen und wir haben ein regelmäßiges Einkommen...In dem Rahmen werde ich den Hokage von unserer Lage berichten und ihn um Rat bitten. Ich weiß nicht weiter...“
Mir klappte der Mund auf und zu, wir waren dem ausgeliefert, einfach so und mein entsetzen wich nicht, als ich mich an unsere Gespräche, während seines Fiebers erinnerte. Die ganze Zeit verfolgten ihn diese Gedanken und ihm blieb auch keine Möglichkeit sich richtig zu erholen. Wenn er nicht bald wieder arbeiten würde, hätten wir kein Einkommen, unsere Ersparnisse würden aufgebraucht sein und nicht zuletzt, weil ich blöde Kuh, in der Vergangenheit soviel unnütze Sachen gekauft hatte. Verzweifelt ließ ich mich auf die Knie sinken, langsam ergab alles einen Sinn, einen verflucht dramatischen Sinn und er hatte mich die ganze Zeit davor bewahrt es zu sehen. Damit ich mich ungezwungen entfalten konnte.
„Ich bitte dich daher mir Zeit einzuräumen...Ich habe versprochen dir zu helfen und das werde ich auch umsetzen. Zu meinem Leidwesen werde ich das vorher mit dem Hokage besprechen müssen, sollte ich das nicht, kostet es ich meine Stellung und ohne festen Job, kein Wohnsitz ohne Wohnsitz trennen sich unsere Wege...Ich sage dir das in aller Klarheit, damit du verstehst worum es geht...Mana hat mir des häufigeren gesagt ich solle mit dir Reden dir alles erklären, doch ich war der Meinung du bist noch zu Jung. Vielleicht hatte sie recht, wahrscheinlich hätte es mir einige Dinge vereinfacht, doch ich wollte um alles in der Welt ein normales Leben für dich...“ Er fuhr sich über die Haare und ich sah zu ihm auf.
„Du hast recht, es war egoistisch, es war egoistisch dir ein normales Leben zu wünschen und ermöglichen zu wollen, ohne dich zu fragen, was du dir wünscht...Zu entscheiden, dass es besser wäre...“
„Ich werde mich ruhig verhalten, versprochen...“ Kleinlaut gab ich zu verstehen, dass ich gehorchen würde, woraufhin mein Bruder kurz die Augen schloss, wahrscheinlich war er wieder müde und ich seufzte.
„Was dich betrifft Hira, gibt es eine Menge, das du nicht weißt...Nicht nur über deine Vergangenheit sondern auch über deine Abstammung. Deine Mutter besaß meinen Nachforschungen nach keinerlei Chakra, es wurde in ihrer Familie nicht weiter vererbt. Dennoch ist es gerade aus dem Grund faszinierend, dass du so eine enorme Menge an Chakra geerbt hast. Unser Vater war zweifelsohne sehr stark, dennoch dürftest du nicht so viel Chakra freisetzen dürfen. In den Vergangenen Jahren musste ich dein Siegel mehrere Male erneuern, damit es den Belastungen stand hält und wenn ich an deinen Ausbruch in der Höhle denke, steigt dein Chakralevel unaufhörlich. Der Ausbruch an der Hütte jedoch war um einiges milder, weshalb ich mir vorstellen könnte, dass wir für dich eine Möglichkeit finden müssen regelmäßig gezielt zu entladen. Wir brauchen einen dauerhaften Verbraucher, bis wir herausgefunden haben, wie wir dir eine Chakrakontrolle beibringen können.“
Scheinbar beiläufig berührte er sein Auge, das hinter dem sein Sharingan saß, fuhr dann fort: „ Obitos Geschenk entzieht mir dauerhaft Chakra, wenn ich es einsetze, bin ich innerhalb kürzester Zeit nicht mehr in der Lage Chakra zu schmieden...Wir bräuchten eine Möglichkeit wie diese...“
Angeekelt verzog ich das Gesicht: „ Ist das dein Ernst? Ich soll mir das Auge eines anderen einpflanzen lassen?“
Kakashi lachte leise: „ Nein, das nicht unbedingt...Es war Glück, dass es sich an mein Körper angepasst hat... es gab vor mir einige Shinobi, die versucht haben an die Augen der Uchiha zu gelangen und bei dem Versuch ihr Leben ließen. Die Augen starben ab, oder entzogen den Trägern ihre gesamte Energie... Ich bin bisher eine Ausnahme, was das betrifft..zumindest soweit wir wissen..“
Ein klein bisschen beruhigte mich das, auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, dass es Leute gab die es anstrebten sich fremde Organe einpflanzen zu lassen. Ohne medizinischen Grund.  
Mit furchtbar ernstem Gesicht richtete Kakashi sich auf, griff sich an den Kopf: „ Entschuldige, ich bin noch etwas durcheinander... worauf ich eigentlich hinaus wollte...Ich habe vor kurzem etwas erfahren, von dem ich bis zu dem Moment nichts wusste und bevor wir darüber reden konnten, ist so unheimlich viel passiert. Mana-San wurde nicht ohne Grund dein Vormund, sie hatte ein Geheimnis, warum sie es uns nie gesagt hat weiß ich nicht.. Hira, Mana-Sans Nachname war Shinzen. Sie ist deine leibliche Großmutter gewesen, die Mutter deiner Mutter...“
Der Hammerschlag traf mich, weinend schlang ich mir die Arme um meinen Körper und versuchte für den Moment auszublenden, dass mein Bruder mich so sah.
„Warum, hat sie nie was gesagt....? Das ist gemein...“
seufzend ließ Kakashi sich neben mir auf den Boden, zischte leicht bis sein Bein einigermaßen bequem lag und nahm mich in die Arme.
„Ich glaube, sie hat einfach nicht gewusst, wie sie es hätte sagen sollen...Aber glaube mir, sie war glücklich..Sie hat immer wieder betont, wie schön sie es findet, die Chance zu haben dich aufwachsen zu sehen. Und du hast ihr immer das Gefühl gegeben, dass du in ihr deine Großmutter siehst...Sie war glücklich...“ Ich heulte lauter, drängte mich an seine Brust und ließ mich trösten, ich vermisste Mana.
„Sie war für mich wie eine Großmutter.. ich war nur in den letzten Wochen so gemein zu ihr... ich habe euch alle weg gestoßen und nun kann ich mich nicht einmal dafür entschuldigen...Ich hatte sie doch so lieb...“ Kakashi zog mich noch enger an sich, strich mir über den Kopf und den Rücken und wisperte leise: „ Sie hat es gewusst Hira...Sie wusste wie sehr du sie geliebt hast...“
Minuten lang weinte ich, bis ich irgendwann keine Tränen mehr hatte und mich leicht von meinem Bruder weg schob. Er hatte sein Kopf bis dahin auf meinem gebettet gehabt, löste sich nun aber ebenfalls und sah mich an.
„Darf ich noch eine Sache fragen Kakashi?“ Nervös biss ich mir wieder auf die Unterlippe und er verzog gequält das Gesicht: „ Ich ahne in welche Richtung deine Frage gehen wird...Ich hab wohl ziemlichen Blödsinn geredet...“
Entrüstet starrte ich ihn an: „ Blödsinn? Geredet? Du hast fantasiert und ich hatte eine scheiß Angst..“ Lachend lehnte er sich zurück: „ Das tut mir leid...“
„Ich würde gern wissen, was es mit Tenzou auf sich hat und wer Danzou ist...“
Kakashi rieb sich die Augen: „ Das hab ich mir gedacht...Bevor ich dir darauf antworte, würde ich gern erst mit Tenzou sprechen...Ich brauche sein OK...“
Ich beließ es dabei, meinen Bruder schien eine tiefe Freundschaft zu dem ANBU zu pflegen und sah sie gefährdet, wenn er ohne dessen Zustimmung einfach Dinge preisgab, die diesen betrafen. Oder aber, die Informationen waren der Art delikat, dass ein anders Licht auf den Mann werfen würde.
„Tut mir leid Hira, aber ich glaube ich leg mich wieder hin.. und du solltest dich auch schlafen legen, morgen ist Schule..“
Ich beobachtete dabei, wie er sich mühsam hoch stemmte und dann artig seine Medikamente schluckte, bevor er im nächsten Moment zu seinem Zimmer humpelte. Mich stimmte es wirklich zufrieden, dass er dabei sein Bein leicht belastete, er trat auf seinen Fuß und mir kam der Gedanke, dass er wirklich weniger Schmerzen hatte.

Am nächsten Morgen gratulierte ich mir für meine Dummheit. Ich Hohle-Nuss hatte tatsächlich vergessen mir ein Wecker zu stellen und das, obwohl ich versprochen hatte mich unauffällig zu verhalten. Lauschend schlich ich mich aus meinem Zimmer, stellte erleichtert fest, dass Kakashi wohl noch nicht aufgestanden war und schlich mich, kurz in sein Zimmer spähend, weiter ins Bad.
Grinsend erkannte ich, dass er wirklich noch tief schlief, die Medikamente wirkten wahre Wunder, so lange und so viel hatte er wahrscheinlich noch nie in seinem Leben geschlafen.
Im Eiltempo wusch ich mich, richtete meine Haare und rannte auf Zehenspitzen in die Küche. Während ich mir ein Brot in den Mund schob, schmierte ich zwei weitere, eins steckte ich in meine Schultasche und eins stellte ich meinem Bruder hin.
Erschrocken fuhr ich zusammen, als es an der Tür klingelte. „Mist...“ fluchte ich, bevor ich öffnete.
Mir wurde heiß und kalt, Akeno-Sensei, der Schulpsychologe, stand vor der Tür und lächelte mich an. „Guten Morgen Hira- Chan, darf ich vielleicht ein paar Minuten herein kommen..?“
Prüfend sah er sich um. Es war mir sehr unangenehm, mein Bruder war seit drei Tagen komplett außer Gefecht gesetzt und dementsprechend war es hier nicht so ordentlich und sauber wie sonst.
Ich räusperte mich: „ Wollen sie sich vielleicht setzten Akeno-Sensei?“ verunsichert versuchte ich mich an einem Lächeln, Souveränität war das, was ich mir gerade wünschte.
„Danke, gern..“ noch immer ging sein Blick suchend durch den Raum. „Sag mal Hira, wir machen uns ein wenig sorgen um dich...erst kommst du Wochenlang nicht in die Schule, dann erscheinst du einen Tag und bist wieder Tagelang nicht anzutreffen... Kümmerst du dich ganz alleine um alles hier? Ich meine um die Schule, den Haushalt und deine anderen Termine? Gibt es da niemanden, der dich ein Stück begleitet, dich unterstützt?“
Himmel, was für eine Frage. Ich bekam mehr Fürsorge, als der Mann vor mir sich dachte und das, obwohl mein Bruder selber noch so jung war und nebenbei noch auf unheimlich anstrengenden Missionen unseren Unterhalt verdiente. Mein Schlechtes Gewissen pikste mir unfair in den Magen, mir wich die Farbe und leise Übelkeit kündigte sich an. Meine Reaktion nahm er wohl als Bestätigung, denn er seufzte und schob sich seine Brille zurecht. „Das haben wir uns schon gedacht...“ Ich unter brach ihn, hob abwehrend die Hände: „ Nein nein, es ist nicht so wie es aussieht...Mein Bruder ist neben an...Er..“
Nun fuhr er mir über den Mund: „ Du kannst nicht offen sprechen?...Kleines hast du Angst vor deinem Bruder?“ verwirrt blickte ich ihn an, schlug mir dann gegen die Stirn, als ich verstand.
„Himmel nein, mein Bruder ist der liebste Mensch der Welt... Er ist nur ziemlich krank gewesen und...“ Missmutig sah ich auf, als ich Schritte hörte, freute mich ein bisschen, dass mein Bruder noch immer blass aussah, da es meine Aussage von eben untermauerte.
„Verzeihen sie die Unhöflichkeit, sie nicht begrüßt zu haben... Ich bin noch etwas langsam...“ Wie um seine Aussage selber zu bekräftigen, stützte sich Kakashi an der Wand ab, ich eilte zu ihm herüber und er ließ sich helfen.
„Leider habe ich mich auf meiner letzten Mission schwerer verletzt, als zu nächst angenommen und war auf Hilfe angewiesen... Da sich unser Vormund aber derzeit außerhalb des Dorfes aufhält und erst in einigen Tagen zurück sein wird, war es uns nur möglich, nach der ärztlichen Versorgung, von einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus abzusehen...“
Erneut schob Akeno- Sensei seine Brille zurecht: „ Hatake-San, wie alt sind sie?“ augenblicklich spannten sich Kakashis Kiefermuskeln an, die Frage hatte er befürchtet.
„ 18 Jahre..“ er sagte es selbstbewusst, vertuschte seine Unsicherheit, die er mir gegenüber noch gestern geäußert hatte.
„Sehen sie, sie sind noch nicht einmal im Ansatz Volljährig... fühlen sie sich überhaupt in der Lage ihre Schwester zu betreuen? Haben sie ausreichend Einfluss auf sie, um ihr stabile Umstände bieten zu können...Ein Kind braucht Kontinuität, Regelmäßigkeiten... können sie das Gewährleisten?“
Mein ganzer Körper versteifte sich, mein Sensei, behauptete gerade, dass Kakashi nicht in der Lage war sich gut um mich zu kümmern? Wäre er nicht gewesen, wäre ich bereits Tod und das schon seit fast 10 Jahren. Niemand sonst versuchte so hingebungsvoll, wie er, alles am laufen zu halten. Ich schrie innerlich, doch wenn ich jetzt platzen würde, dann würde Akeno-Sensei erst recht annehmen, Kakashi könnte mich nicht erziehen.
„ Ich weiß ihre Fürsorge zu schätzen, bin mir allerdings nicht sicher, in wie weit sie über unsere familiären Belange informiert sind.“ Fragend wanderte die graue Augenbraue meines Bruders in die Höhe, betrachtete meinen Sensei mit Skepsis.
„Hatake-San ich weiß wer sie sind und ich weiß welchen Beruf sie ausüben... Ihr Ruf eilt ihnen voraus, das sollten sie wissen... Aus dem Grund sind wir uns auch m Klaren darüber, dass Hira häufiger für längere Zeit alleine ist und das schon seit sie sehr Klein war. Wir sehen es als erwiesen, dass sie so nicht im Stande sein können, ein Kind groß zuziehen, dass nicht die Shinobi-Laufbahn einschlagen wird. Wie lange sind sie schon Shinobi? Seit ihrem 5 Lebensjahr?“
Nun grinste mein Bruder unter seiner Maske, ich sah ihn von der Seite und konnte es beobachten, wie sich sein Mund bewegte. „Ja, seit meinem 5 Lebensjahr... Ich sage ihnen nun genau das selbe, wie ich damals Hokage-Sama gesagt habe, als ich meine Schwester bei mir aufnahm...Ich bin alt genug, dass man aus mir ein Werkzeug für das Dorf macht...soll aber nicht alt genug sein, um meine Familie zusammen zuhalten? Ich verdiene unseren Unterhalt, meine Schwester macht sich in der Schule und wir verhalten uns anständig in der Öffentlichkeit... Geben sie mir ein Grund, warum es nicht funktioniert?“
Kurz stutzte Akeno-Sensei, sammelte sich und gab zu bedenken: „ Weil sie vor dem Gesetz unseres Dorfes nicht Volljährig sind...“
„Nach dem Gestzt der Shinobi, bin ich das mit Abschluss von der Akademie.... Ich bin Hauptmann einer Spezialeinheit und soll nicht für meine Schwester sorgen können? Des weiteren ist sie langsam in einem Alter, in dem ich ihr ein wenig Verantwortung anvertrauen kann, sie wird auf eigenen Beinen stehen und ihren Weg gehen...“
Gereizt fuhr Akeno-Sensei dazwischen: „ Sie ist noch ein Kind...kein Shinobi, wie sie...“
Meine Fäuste ballten sich, nein ich war kein Shinobi wie mein Bruder: „Akeno-Sensei, bei allem nötigen und von mir aufzubringenden Respekt... Es ist immens wichtig, dass man mir langsam auch ein wenig was zutraut. Ich sehe zu meinem Bruder auf, er hat alles für mich getan, alles und ich möchte ihn unterstützen....Wir sind eine Familie, da macht man das...Ich bin alt genug um zu entscheiden, was ich lernen möchte. Es ist richtig, ich bin kein Shinobi, ich werde auch nie einer sein...dennoch ist es wichtig, dass ich mich alleine zurecht finde und meinen Weg gehe...wann soll ich denn damit anfangen? Wenn ich 30 bin?“
Mit meiner Äußerung schien ich meinem Sensei die Fahrt aus den Segeln genommen zu haben, er schnappte kurz nach Luft, unterließ es dann jedoch etwas zu sagen.
„Ich werde ein Termin beim Ältestenrat, mit Hokage-Sama und ihnen machen...das Kind wird während dessen in der Schule sein....Ich habe sie unter Beobachtung Hatake-San...“
Er erhob sich und verließ unsere Wohnung. Kaum war die Tür ins Schloss gefallen fluchte Kakashi: „ So eine Scheiße...“ Ohne ein weiteres Wort begab er sich ins Badezimmer, erschien dann in voller Montur und öffnete das Fenster.
„Was bei Kamisama hast du vor?“ doch eine Antwort auf meine Frage erhielt ich nicht, er sprang ab und war verschwunden. „Dein Bein?!!“ rief ich ihm nach, rannte zum Fenster und versuchte auszumachen ob er abgestürzt war, doch ich konnte den Schatten sehen, der sich zum Hokage-Turm aufmachte.
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