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Wash off

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P16 / MaleSlash
19.04.2021
11.06.2021
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2.189
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11.06.2021 583
 
„Mein Sohn braucht keinen Therapeuten!“, erwidert sie forsch. Thomas sitzt wie es scheint gerade der unnachgiebigsten Frau der ganzen Stadt gegenüber. Florian neben ihn hat bis jetzt kein Wort gesprochen, sondern kauert sich unwohl auf der breiten Couch.

„Frau Slivinsky, ich bitte sie. Denken Sie mal an ihren Sohn, er-“
„Ich denke oft an ihn“, giftet sie zurück. „Sehr oft sogar. Was für eine Enttäuschung er für mich ist. Wie mich die anderen Mütter mitleidig ansehen, als wäre er behindert“ – >>Sie hätte es auch nicht jedem erzählen müssen<< - „Und das nur weil er sich solche Sorgen um sein Aussehen macht. Das hast du alles von deinem Vater!“, wendet sie sich mit strengen Blick an Florian, „Der war auch so egoistisch!“

>>Das sagt sie nur, weil der hier ist und nicht er<<
„Hier geht es nicht um Egoismus“, versucht Thomas sie erneut zu überzeugen, „Ihr Sohn hat eine heftige Zwangsstörung, er kann sie nicht mehr unter Kontrolle halten!“
„So ein Unsinn“, zetert sie und wird von Minute zu Minute wütender. „Er muss sich endlich mal zusammenreißen! Außerdem haben wir kein Geld für eine Therapie. Er braucht ständig neue Klamotten, hockt seit dem Schulabschluss zu Hause. Noch dazu bin ich Alleinverdienerin. Glaubst du da bleibt genug Geld beiseite?“
„Ja, denn so viel ich weiß, bekommen sie von seinem Vater alle zwei Monate Unterhalt, aber verschwenden dies für Partys oder Nagelstudio-Besuche“, kontert Thomas und hat Mühe nicht laut zu werden. Seine Geduld ist bald am Ende. Auch Florian sieht man an, dass er sich schrecklich unwohl fühlt.

„Natürlich“ entgegnet Florians Mutter, mit einem Gesichtsausdruck, als wäre es das Normalste auf der Welt. Und mit der Einstellung sie wäre das eigentliche Opfer. „Ich muss mir schließlich auch mal etwas gönnen“, argumentiert sie seelenruhig weiter. „Ich bin die Einzige, die hier den Haushalt führt. Er krümmt keinen Finger!“

>>Weil er Angst vor Ihnen hat, ist doch klar<<

Plötzlich springt Florian auf. „Tut mir leid Thomas. Ich kann mir das nicht mehr länger mit anhören“, erklärt er zittrig und ehe Thomas ihn aufhalten kann, erklimmt Florian die Treppenstufen und man hört deutlich wie die Zimmertür zu geschlagen wird.


„Pack seine Sachen“, befiehlt Florians Mutter ihm plötzlich und erhebt sich wie eine strenge Königin. >>Die nicht sieht, dass ihr Königreich in Stücke zerfällt<< „Ich will euch beide nicht mehr länger in meinem Haus sehen.“


„Du kannst mich doch nicht einfach rauswerfen!?“, tönt es auf einmal aus Richtung Treppe. Florian steht auf dem ersten Treppenabsatz und blickt sie beide unverständlich an. Er hat sich zwar in Sicherheit gebracht, konnte aber nicht vermeiden zu lauschen.
„Und ob ich das kann! Entweder du bleibst, suchst dir einen Job und zahlst gefälligst Miete oder haust ab. Ich kann das nicht mehr länger! “
„Das kann nicht ihr Ernst sein!“, mischt sich Thomas sofort ein, allerdings wird er etwas grob von der alten Hexe beiseitegeschoben.
„Aber ich habe-“, betont Florian, wird jedoch ebenfalls unterbrochen.

„Mir egal, dass du zig Stunden im Bad vergeudest. Du bist kerngesund und körperlich fit. Kann ja nicht so schwer sein?! Das wird schon gehen...“
„Mag sein, doch seine Psyche ist gewiss instabil!“ Mit konservativem Zurückhalten kommen sie nicht mehr weiter.

„Und wo soll ich wohnen?“, stellt Florian die eigentlich viel wichtigere Frage.
„Na angeblich ist dir dein toller Freund Thomas wesentlich wichtiger als deine eigene Mutter! Er wird schon kein Problem damit haben.“

„Mama…“

Nenn – mich – nie – wieder – so! Und jetzt verschwinde!
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