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Wars Of Wutai

von Yondu
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Angeal Hewley Cloud Strife Genesis Rhapsodos Kunsel Sephiroth Zack Fair
17.04.2021
14.09.2021
4
15.465
4
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14.09.2021 4.172
 
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Der gebrochene Krieger
Kapitel 4


❁ ShinRa-Lazarett ❁


Ein kühler Nebel kroch über die Tiekuai-Ebene und erschuf eine irgendwie unheimliche Atmosphäre. Zack hatte das Gefühl, als würde ihm der Geruch von Blut und Tod anhaften. Ihm wurde ein wenig übel, während er durch ihr notdürftiges Lager lief.
Eigentlich war nicht einmal das Notwendigste vorhanden. Im Grunde konnten ihre Truppen hier nur herumsitzen und darauf warten, dass die Lunaris-Krieger wieder angriffen. Zack biss sich auf die Lippe, als er daran dachte. Er hatte keine Lust darauf, das Kanonenfutter zu spielen, nur weil der Präsident den Ernst der Lage noch immer nicht erkennen wollte.

Zack beschleunigte seine Schritte, um seine unliebsamen Gedanken abzuschütteln. Jetzt hatte er erst einmal einen Auftrag zu verteilen und dafür musste er seinen auserkorenen Soldaten zunächst finden. Er hatte keine Ahnung, welcher Einheit er momentan zugeteilt war, aber er hatte ihn auf seinen Weg hierher flüchtig gesehen. Allerdings war Zack zu dem Zeitpunkt sehr in Eile gewesen, wegen Angeal und so hatte er nicht mit ihm reden können.

Es dauerte nicht lange, bis er den Gesuchten zwischen ein paar anderen Soldaten fand. Sie hatten sich an einer der wenigen Stationen versammelt, an denen es halbwegs warme Getränke gab. Der Winter hatte seine Arme bereits ausgestreckt und es würde nicht mehr lange dauern, bis er den kompletten, westlichen Kontinent fest im Griff hatte.
„Hey, lange nicht mehr gesehen, Cloud!“, sprach Zack ihn an, als er die kleine Gruppe erreicht hatte. Wie üblich bestand ihre Begrüßung aus einem festen, freundschaftlichen Händedruck.
Der Blondschopf sah reichlich überrascht aus, als er Zack gegenüberstand. „Hey“, erwiderte er seinerseits. „Naja, du hattest es bei unserer letzten Begegnung auch ziemlich eilig, oder?“
Zack versuchte nur unbeschwert abzuwinken, aber Cloud konnte er nicht wirklich etwas vormachen. „Ja, stimmt...“, gab er also zu. Sollte er ihm erzählen was passiert war? Eigentlich nahm er an, dass der Blonde längst davon wusste, es hatte sicherlich schon die Runde gemacht.

„Ist es wahr, was geredet wird?“, hakte Cloud allerdings schon nach, bevor Zack sich entscheiden konnte, ob er näher auf das Thema eingehen sollte. „Haben sie Angeal wirklich erwischt.“ Zack konnte in Clouds Worten denselben Unglauben hören, der auch ihn den ganzen Rückweg über begleitet hatte.
Zack nickte langsam und nachdenklich, während er die Arme vor der Brust verschränkte und legte dann den Kopf schief. „Ja, das haben sie. Aber ich bin mir sicher, dass er wieder wird.“
Wahrscheinlich klang er gerade nicht so überzeugend, wie er gerne wollte, aber das konnte er jetzt nicht ändern. Deshalb war er ja auch gar nicht hier.

„Sag mal, Cloud, du bist doch ein Meister darin, deine Aufträge unentdeckt auszuführen, oder nicht?“, sagte Zack nun und sah zu seiner Belustigung, dass Cloud sogleich ein bisschen verlegen wurde. Mit Komplimenten hatte es der Jüngere nicht so.
„Ähm... nun...“, begann Cloud zögerlich und kratzte sich am Hinterkopf, womit er Zack zum Lachen reizte. Kaum zu glauben, dass Cloud inzwischen auch schon ein paar Jahre dabei war. Er wirkte immer noch so schüchtern wie am Anfang.
„Hey, mach dich nicht kleiner als du bist“, witzelte Zack, denn im Vergleich zu ihm war der Blonde wirklich nicht sonderlich groß. „Ich hab da von Lazard und von deinen Einsatzleitern nur Gutes gehört und wir hatten ja auch schon ein paar Missionen zusammen, also kann ich das wohl beurteilen.“

In der Tat hatte Zack selbst festgestellt, dass Kampftechniken und Muskelkraft nicht eben Clouds Stärken waren, aber wenn es darum ging, sich irgendwo einzuschleichen, taktisch vorzugehen und aus dem Hinterhalt zu agieren, dann befand er sich schon auf einem ganz hohen Niveau.
Das konnte Zack von sich selbst leider nicht behaupten. Er polterte doch oft recht unbedacht irgendwo rein, aber bisher hatte sich diese Strategie auch wunderbar für ihn ausgezahlt.

„Danke...“, rang sich Cloud durch, weiter zu sprechen. „Aber warum fragst du danach?“
„Weil ich dich für einen Auftrag brauche“, erklärte Zack nun, worauf Cloud sofort interessiert zu ihm aufsah. „Wir haben hier nämlich nicht mehr genügend Medikamente für unsere ganzen Verwundeten. ShinRa schickt zwar immer mal wieder was her, aber seit Wutai sich mit AVALANCHE verbündet hat, legen diese nervigen Typen unsere Transporte lahm. Es ist seit Wochen nichts mehr angekommen.“
Jetzt sah Cloud wirklich besorgt aus. „Das klingt gar nicht gut“, nuschelte er. Auch das war eine seiner auffälligsten Eigenschaften. Schlechte Nachrichten zogen ihn meistens runter.
„Tja, also dachte ich mir, dass du dich mal darum kümmern solltest.“
„Ich?“
Zack zog fragend die Stirn in Falten. „Logisch du.“

Cloud ließ ein wenig die Schultern hängen.
„Meinst du wirklich, dass ich der Richtige dafür bin?“, hakte er unsicher nach.
Zack aber nickte bestätigend. „Ja, das meine ich wirklich. Also zieh nicht so ein Gesicht, Cloud. Ich weiß, dass du das hinbekommst. Die Transporttrupps legen immer gute 120 Kilometer von hier entfernt in der östlichen Region der Ebene an. Am besten du nimmst Sebastian und Essai mit. Ihr sollt nur dafür sorgen, dass diesmal möglichst viel hier ankommt. Entweder indem ihr die AVALANCHE-Leute schnell ausfindig macht und ausschaltet, bevor sie etwas tun können oder indem ihr die Route einfach ändert. Schaut euch die Umgebung genau an, dann wird's schon hinhauen.“

Wenn Zack das so sagte, dann klang das immer irgendwie ganz leicht. Cloud war sich da zwar noch nicht so sicher, aber wenn Zack so große Stücke auf ihn hielt, dann wollte er ihn selbstverständlich auch nicht enttäuschen.
Folgsam nickte der Blonde und meinte: „Geht klar. Wir werden sofort aufbrechen.“
Nichts anderes hatte Zack hören wollen. Zufrieden sah er Cloud hinterher, wie er sich rasch auf den Weg machte und drehte dann langsam wieder um. Er war sich sicher, dass alles gut gehen würde. Er wusste, dass er sich auf Cloud verlassen konnte.



Viel Schlaf konnte er hier nicht finden, obwohl er wirklich unglaublich müde war. Er hatte jetzt mehr als zwei Tage kaum mal ein Auge zubekommen, aber seine innere Unruhe verhinderte, dass er sich wirklich ausreichend erholen konnte. Sein Herz schlug die ganze Zeit viel zu schnell und Zack fand einfach keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern.
Er hatte von den blutigen Schlachten geträumt, die sie auf der Ebene geführt hatten. Manchmal sah er diese schrecklichen Bilder selbst mit wachen Augen vor sich. Es waren nicht seine ersten, schwierigen Kämpfe, aber diesmal war es irgendwie anders. Diesmal starben Freunde, diesmal war die Gesamtsituation eine deutlich schlechtere und... diesmal hatten sie Angeal erwischt...

Zack schreckte einmal mehr aus seinem Schlaf auf, als sich ein Bild seines Mentors vor seinen Augen bildete, dass er nur zu gerne verdrängt hätte. Bis vor kurzem hätte er sich das niemals vorstellen können. Aber in den vergangenen Tagen war es zur bitteren Realität geworden. Er hätte nicht für möglich gehalten, dass es ihm so nahe gehen würde. Er hatte immer angenommen, dass er gut abgehärtet war, aber wenn er ganz ehrlich zu sich war, dann machte ihm Angeals Kampf doch mehr zu schaffen, als er zugeben mochte.
Dass jemand solche Qualen überhaupt ansatzweise durchstehen konnte, hatte er nicht gedacht. Vielleicht hatten Genesis und Sephiroth ja doch recht gehabt. Vielleicht wäre es wirklich das Beste gewesen, Angeal festzuhalten und Relm und dessen Team ihre Arbeit machen zu lassen. Vielleicht müsste Angeal dann nicht so sehr leiden.

Als Zack bemerkte, was ihm da gerade eigentlich durch den Kopf ging, schüttelte er selbigen mit aller Entschlossenheit. Wie konnte er nur so etwas denken? Wie konnte ihm so etwas nur in den Sinn kommen? Angeal hatte ihn doch selbst darum gebeten, dass er sie aufhalten sollte, oder etwa nicht? Er wollte seine Ehre bewahren und diesen Wunsch musste man doch auch respektieren, war es nicht so?
Langsam richtete Zack sich auf und zog sich wieder an. Eine Prozedur, die immer ein bisschen zeitaufwendig war. Besonders den zweiten Schulterpanzer anzulegen, war alleine schon eine echte Herausforderung. Nach ein paar Anläufen aber, war auch das geschafft und so stellte sich Zack bloß noch die Frage, was er jetzt am besten tun sollte.
Direktor Lazard hatte ihnen – SOLDIER – noch keine weiteren Befehle erteilt. Das hieß, dass sie wohl nur abwarten konnten und es gab nichts, das Zack mehr hasste, als auf etwas zu warten. Besonders jetzt, wo alles so ungewiss war.
Er wollte etwas tun. Vor allem wollte er die fiesen Typen platt machen, die Angeal so zugerichtet hatten. Auch, wenn er Zack immer beigebracht hatte, dass Rache eine ganz schlechte Motivation im Kampf war. Auf jeden Fall würde Zack seine unfreiwillige Wartezeit noch dazu nutzen, wieder nach ihm zu sehen. Zum einen gab es gerade wirklich nicht viel anderes zu tun und zum anderen hegte er die leise Hoffnung, dass es ihm inzwischen ein bisschen besser gehen könnte.

Zack wollte sich gerade auf den Weg machen, als ihn ein vernehmliches Magenknurren dazu bewog, seine Meinung doch noch einmal zu ändern. Er hatte schon eine Ewigkeit nichts mehr gegessen. Bei den Ereignissen hätte er auch ganz sicher nichts runter bekommen, aber jetzt hatte er wirklich einen riesigen Hunger. Zack bemerkte erst jetzt das unangenehme Stechen in seinem Bauch.
Rasch machte er sich nun erst auf den Weg, um sich etwas Essbares zu beschaffen. Besonders groß war die Auswahl zwar nicht, aber der Hunger trieb es schon irgendwie rein. Zack hatte schnell gelernt, dass man in Kriegsgebieten wahrlich andere Sorgen hatte, als sich über die fehlende „Fünf-Sterne-Küche“ zu beklagen.
Mit einer Schüssel voll undefinierbarer Pampe, setzte er sich vor dem großen Zelt auf die Holzstufen und begann die braune Schlotze in sich hinein zu löffeln.
‚Mmmhh... fast wie zu Hause...‘

Er konnte nicht verhindern, dass er etwas angewidert das Gesicht verzog, als ihn plötzlich irgendwer mit einem „Hey Zack!“ anrempelte und ihn dazu brachte, sich augenblicklich zu verschlucken. Heftig hustend spuckte er aus, was er noch im Mund hatte, als ihm bereits entschuldigend auf den Rücken geklopft wurde.
„Tut mir leid. Ich vergesse immer wieder, wie gerne du inhalierst“, sagte eine Stimme, die für Zacks Geschmack viel zu belustigt klang. Aber es kam auch nicht eben selten vor, dass sein Kumpel sich auf seine Kosten amüsierte, das kannte er schon.
„Geschenkt“, würgte Zack erstickt hervor, als Kunsel sich neben ihn auf die Bretter setzte.

Einen Moment sah Kunsel ihm noch – mit einem viel zu breiten Grinsen im Gesicht – dabei zu, wie er versuchte nicht mehr zu ersticken. Es dauerte etwas, bis Zack wieder halbwegs zu Atem gekommen war.
„Was gibt‘s denn?“, fragte er seinen langjährigen Freund und widmete sich, immer noch nicht sonderlich begeistert, seinem Teller schleimigen Irgendwas.
Kunsel holte tief Luft, schien nun tatsächlich ein bisschen ernst zu werden. „Nichts gibt‘s. Das ist ja das Problem. Ich hab mich grade mit Genesis und Sephiroth unterhalten und die haben gemeint, dass es an der Front gerade ziemlich ruhig ist. Unsere Truppen haben sich alle zurückgezogen und Wutai macht keine Anstalten uns anzugreifen.“
Zack kaute gerade auf einem großen, runden Gemüseteil, das wie irgendwas zwischen Kohl und Rübe schmeckte. Er mochte weder das eine noch das andere besonders und ließ sich Kunsels Worte durch den Kopf gehen.
„Sieht übel aus, hm?“, meinte er, denn er wusste nicht wirklich, was er dazu sagen sollte.
Sie würden keinen Angriff mehr auf die Wutai-Truppen starten können. Sie würden verlieren, denn zahlenmäßig waren sie ihrem Feind nun unterlegen. Aber sie würden auch nichts gewinnen, wenn sie bloß hier herumsaßen und darauf warteten, dass man sie angriff. Die Ausgangsposition würde allerdings dieselbe bleiben. Sie hatten nicht den Hauch einer Chance und Verstärkung gab es nicht. Alle Kämpfer, die sie aufbringen konnten, waren hier und solange der Präsident nicht auch noch die Turks auf den Plan rief, sah es düster für sie aus.

Kunsel nickte stumm, ließ den Blick nachdenklich über ihr sporadisches Lager schweifen. Es war selten, dass Kunsel so still blieb. Nach einer Weile hatte er sich aber wieder gefangen und klopfte Zack aufmunternd auf die Schulter. „Na, noch sind wir ja hier und noch sind wir nicht besiegt. Vielleicht fällt unserem Superstrategen Lazard doch was ein, wie wir den Wutaianern noch in den Arsch treten können!“
Zack konnte nicht verhindern, dass er darüber schmunzelte. Kunsel war genau wie er nahezu immer zuversichtlich und ließ sich nicht so schnell unterkriegen. Manchmal wussten sie selbst nicht, wo sie so viel Hoffnung und Vertrauen auf einen guten Ausgang hernahmen.


Die beiden blieben eine Weile schweigend nebeneinander sitzen. Auch das war eher untypisch für sie. Normalerweise blieb es nie lange ruhig, wenn sie beisammen waren. Aber hier in Wutai war vieles anders, als sie es kannten.
„Hey, vielleicht interessiert‘s dich ja“, wandte Kunsel sich dann erneut an Zack, der mit seiner nicht gerade genießbaren Essensaufnahme inzwischen fertig war und sogleich neugierig den Kopf hob. „Einer dieser Typen, die sich Angeals Schwert gegriffen haben müssen, heißt Benkei. Der Kerl ist ein echter Riese, über zwei Meter groß. An Azul kommt der wohl nicht ran, aber der hat echt übermenschliche Kraft. Wird zumindest so geredet.“
Jetzt bekam Zack große, fast leuchtende Augen. „Echt? Du hast nicht zufällig noch 'ne Ahnung, wo der gerade abhängt?“ Wäre wahrscheinlich zu schön um wahr zu sein, aber man konnte ja wenigstens mal danach fragen.
Doch Kunsel schüttelte den Kopf. „Nee, keine Ahnung. Aber um den kleinzukriegen braucht‘s schon unsere Besten. Ich meine, wer kommt schon gegen Angeal an?“
Das stimmte natürlich. In all den Trainings hatte Zack es nie geschafft, seinen Mentor zu schlagen und selbst Sephiroth und Genesis, die ihm ebenbürtig waren, hatten es schwer gegen ihn. Nicht umsonst erzählte man sich unter den Third- und Second-Class, dass Angeal unzerstörbar sei.

„Schade... ich hätte mir den zu gerne vorgenommen“, antwortete Zack und ließ dabei ein wenig den Kopf hängen. Allerdings wunderte er sich auch wieder einmal über seinen Kumpel. „Sag mal, woher weißt du das alles eigentlich schon wieder?“
Kunsel aber schmunzelte nur und meinte: „Ach, Zack! Du weißt doch, ich hab meine Augen und Ohren überall – ich höre alles, ich sehe alles. Mir entgeht nichts und meine Quellen sind einfach unschlagbar.“
Argwöhnisch bedachte Zack ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue. Der hatte doch bestimmt wieder einen Spion in die Wutai-Truppen eingeschleust oder so etwas in der Art. Aber er hatte wirklich keine Ahnung, wie Kunsel das jedes Mal hinbekam. Er konnte nur froh sein, dass er einen so gut informierten Soldaten seinen Freund nennen durfte. Ohne Kunsels hilfreiche Informationen, wäre er schon so manches Mal aufgeschmissen gewesen.


Sie sprachen noch eine Weile über dies und das, bevor Zack beschloss, dass er mal nachsehen sollte, wie es Angeal inzwischen ging. Er verabschiedete sich von Kunsel und ließ ihn vor dem Zelt sitzen. Sie würden sich später bestimmt noch sehen, jetzt, wo sie zum einen zu viel und zum anderen zu wenig Zeit hatten.
Es war alles irgendwie... Zack konnte es gar nicht richtig beschreiben. Ihm ging eine Menge im Kopf herum und doch wusste er hinterher nicht mehr so genau, was es war. Vielleicht war dies der berühmte Lagerkoller, der sich nach einer gewissen Zeit in ihrer Truppe einstellte.

Seine Hoffnungen, dass es Angeal inzwischen besser ging, erfüllten sich nur so halb.
Als er zu ihm kam, wurde er gerade Zeuge davon, wie sein Mentor sich einen der unliebsamen Heiler vornahm und ihm mit lauter Stimme zu verstehen gab, dass er von ihm und seinen Kollegen in Ruhe gelassen werden wollte. Es kam selten – eigentlich nie – vor, dass Angeal so harsch wurde. Aber Zack hörte auch, dass es nicht reine Wut war, die aus ihm sprach. Er war auch zu einem Gutteil verzweifelt.

„Bitte, es ist immens wichtig, dass Sie...“, setzte der Heiler noch einmal an und wenn er Zack vorher danach gefragt hätte, dann hätte dieser ihm sagen können, dass das keine besonders gute Idee war. Die Stimme des Mannes zitterte und der Blick, den Angeal ihm zuwarf unterband jede weitere Ausführung.
Zack wusste nur zu gut, wie böse Angeal gucken konnte. Er konnte nicht bestreiten, dass selbst er dann Angst bekam und sogar auf einen Krieger wie Sephiroth, hatte das eine ganz spezielle Wirkung.

„Erzähl mir nicht, was ich tun soll!“, presste Angeal irgendwo zwischen unbändigem Zorn und elendigen Schmerzen hervor und ließ keinen Zweifel daran, dass er einen Weg finden würde, ihm eine reinzuhauen, falls er ihn nicht zufriedenließ.
Jeder, der es schon einmal gewagt hatte, den Älteren herauszufordern wusste, dass man sich von einem seiner Schläge so schnell auch nicht mehr erholte.

Resigniert zog sich der Heiler zurück und ließ Zack und Angeal ohne einen weiteren Kommentar alleine. Einerseits war es ja gut, dass Angeal seinen Kampfwillen offenbar nicht verloren hatte, die Art und Weise jedoch stimmte Zack nachdenklich. Er traute sich kaum näher zu kommen. Er konnte die Aggression seines Mentors ganz deutlich spüren. So war er nie gewesen. Er war mal wütend und auch Angeal hatte mal einen schlechten Tag, aber das war eine völlig andere Größenordnung, mit der er es hier zu tun bekam.


Zack wartete einen Augenblick, bevor er sich ihm näherte.
Angeal sah wirklich mitgenommen aus. Seine Haut hatte deutlich an Farbe verloren, seine Augen waren rot unterlaufen und das fortwährende Zittern hatte sich auch noch nicht wieder eingestellt. Zack wusste nicht genau weshalb, aber er fühlte sich selbst elend, wenn er ihn – eine lebende Legende in ihren Reihen – so ansah.
Vorsichtig setzte er sich wieder zu ihm, versuchte seine manchmal etwas nervigen hibbeligen Bewegungen zu vermeiden, jetzt da er wusste, dass Angeal zumindest wieder ein bisschen austeilen konnte. Zack war sich nicht sicher, ob er ihn bemerkte und ob es klug war, sich in seine Reichweite zu begeben. Normalerweise wusste sein Angeal zwar immer, was um ihn herum passierte, doch er wandte den Blick nicht zu ihm, als er sich gesetzt hatte.

„Die können echt nerven, was?“, spielte Zack nun auf den Heiler an, den Angeal ebenso angegangen hatte. Vielleicht war es nicht die beste Eröffnung, aber er war sich auch nicht sicher, was er sagen sollte. Es war alles so anders, als er es gewohnt war.
Angeal brummte unwillig und presste die Lippen aufeinander, wich Zacks Blick regelrecht aus. Auch das war eher ungewöhnlich. Angeal war niemand, der auswich, sondern der den Dingen entgegentrat und jede unvermeidliche Konfrontation annahm. Er wirkte irgendwie beschämt und das brachte Zack dazu, schwer zu schlucken.
Es war vielleicht das aller erste Mal, seit sie einander begegnet waren, dass Zack ihn kein Stück einschätzen konnte.

Zack wusste nicht recht, was er tun sollte. Würde es Angeal interessieren, wie die Lage gerade aussah? Würde es ihn interessieren, wenn er ihm erzählte, auf was für eine Mission er Cloud geschickt hatte? Sollte er ihm irgendwas Banales erzählen oder würde ihm das nur auf die angespannten Nerven gehen? Konnte er ihm Fragen stellen oder hatte er überhaupt keine Lust in irgendeiner Form mit ihm zu kommunizieren?
Er hatte einfach keine Ahnung. Aber ihm schweigend beim Leiden zuzusehen war eben auch nicht Zacks Art. Er seufzte tief, lehnte sich auf seinem Platz zurück, während er überlegte, was er als nächstes sagen könnte.

„Du musst nicht hier sein“, sagte Angeal plötzlich und riss Zack damit vollkommen aus den Gedanken. Er sah ihn dabei nicht an, hatte den Kopf nur leicht in die andere Richtung gedreht, sodass Zack seine Augen durchaus sehen konnte. Angeals Blick schien in ganz weite Ferne gerichtet zu sein.
Ein bisschen ratlos kratzte Zack sich am Hinterkopf, während er nach einer Entgegnung suchte. „Ähm... ja, stimmt. Aber ich wollte halt mal sehen, wie es dir so geht und...“
Im Nachhinein hätte er sich für seine Antwort die Zunge abbeißen können. War doch irgendwie klar, dass es Angeal gerade scheiße ging.

Mit einem Mal richtete sich Angeals Blick auf ihn. Er sah wirklich verletzt aus und es tat Zack leid. Er hatte nicht großartig darüber nachgedacht, aber das tat er in der Regel auch nie. Normalerweise verzieh Angeal ihm, wenn er nicht die richtigen Worte fand.
„Wie soll es mir denn deiner Meinung nach gehen?“, fuhr Angeal ihn an. Zack hätte ihn gerne beruhigt, aber er kam gar nicht erst dazu, auch nur das Wort zu ergreifen. „Wie würde es dir gehen, ohne Stolz, ohne Ehre, ohne Schwert? Was denkst du, wie man sich fühlt, wenn einem der Sinn der eigenen Existenz entrissen wird?“

Zack richtete schuldbewusst den Blick zu Boden. Das war wohl ein weiteres, erstes Mal, denn er konnte sich nicht erinnern, dass Angeal jemals so deutliche Worte für seine Gefühle gefunden hatte.
Er erinnerte sich, dass einige ihrer Soldaten vor ihrem Aufbruch aus Midgar gemeint hatten, dass der Krieg einen verändern würde. Zack war niemand, der bei solchen Floskeln genauer hinhörte, aber langsam ging ihm dennoch auf, was damit gemeint war.
Langsam begriff Zack, dass hier nichts war, wie er es aus seiner Ausbildung bei SOLDIER kannte. Er begriff, dass es ein Unterschied war, ob man theoretisch ein guter und ehrbarer Kämpfer war oder ob man zu diesen Leistungen auch im Ernstfall fähig war.

Vor ein paar Tagen auf dem Schlachtfeld, da hatte er einige ihrer Leute vor Schreck erstarren oder die Flucht ergreifen sehen, von denen er stets überzeugt gewesen war, dass sie zu den standhaftesten und größten Kriegern zählten, die ihre Einheit jemals gesehen hatte.
Sie alle hatten bereits gekämpft. Sie alle hatten mehr oder weniger schwierige Missionen für ShinRa ausgeführt. Aber das alles war nichts im Vergleich zu dieser Bluthölle, die sie hier in Wutai erfahren mussten.


„Es tut mir leid“, sagte Zack nach einigen Minuten des Schweigens und des Nachdenkens. „Ich will dich nicht stressen oder so. Aber ich werde dich auch ganz bestimmt noch nicht aufgeben. Nicht mal, wenn du das bereits getan hast.“
Angeal sah ihn zwar noch immer nicht an, aber er machte auch keine Anstalten, noch einmal laut zu werden. Zack konnte sehen, wie er kurz die Augen schloss. Es war, als könne er einen Teil von Angeals Schmerz fühlen, wenn er ihn nur ansah.
„Ich verstehe, dass es dir gerade wirklich scheiße geht. Ich verstehe, dass dir alle um dich herum auf die Nerven gehen. Das steht dir zu. Aber das ist doch noch lange kein Grund, jetzt schon aufzugeben“, versuchte Zack zu erklären und kaum bemerkte er seinen letzten Satz, rechnete er schon damit, dass Angeal wieder wütend werden würde.
Wurde er aber nicht...

Zack konnte sehen, wie sich Angeals Körper anspannte, bevor er mit brüchiger Stimme sagte: „Worauf soll ich denn hoffen? Darauf, dass Wutai plötzlich keine Lust mehr hat gegen uns zu kämpfen? Darauf, dass SOLDIER Invaliden auch noch eine Chance gibt? Oder darauf, dass mein Schwert zurück geflogen kommt? Zack, im Ernst, in was für einer Welt lebst du eigentlich?“
Er hatte schon geahnt, dass Angeal etwas in der Art sagen würde. Er konnte nicht verhindern, dass er leicht lächelte. „In meiner eigenen, wie dir bekannt ist und das ist auch ganz gut so. Ich verlange nicht, dass du auf Wunder hoffst. Damit hattest du es ja noch nie so“, erklärte er ihm in gutmütigem Ton. „Alles was ich will ist, dass du mir mal ein bisschen vertraust. Bisher habe ich doch immer für alles einen Weg gefunden, oder etwa nicht?“

Das konnte Angeal nun wirklich nicht abstreiten. Diesmal sah er Zack wirklich an, doch sein Blick war vollkommen leer. Es war so, als würde Angeal ihn gar nicht richtig ansehen, sondern vielmehr durch ihn hindurch.
Zack spürte, wie sein Mund augenblicklich trocken wurde.
Er sah, wie Angeal mit sich kämpfte, wie er ihm einerseits glauben wollte, andererseits aber nicht die Kraft hatte, wirklich daran zu glauben. Zack war sich sicher, dass er sich an vieles gewöhnen könnte, aber niemals an einen kraftlosen Angeal.

„In Ordnung... ich... ich werde es versuchen. Aber ich kann dir nichts versprechen“, sagte Angeal schließlich erschöpft und reizte Zack zu einem halb zufriedenen Lächeln.
Das war noch nicht ganz der Angeal, den er hatte hören wollen, aber ein guter Anfang. Er schien sich langsam wieder ein bisschen zu beruhigen, sich wieder auf seine eigentlichen Eigenschaften zu besinnen.
Es würde noch schwer werden. Besonders, wenn es wirklich dazu kam, dass er nicht mehr weiter kämpfen konnte, aber Zack sah gar nicht ein, jetzt schon darüber nachzudenken. Solange es auch nur den winzigsten Funken Hoffnung gab, würde er daran glauben.

„Gut. Mehr verlange ich auch gar nicht“, sagte Zack, ehe er versuchte Angeal davon zu überzeugen, sich weiterhin auszuruhen. Sein Wutausbruch hatte ihn wieder einmal genug Kraft gekostet. Wenn er so weiter machte, dann würde er sich seinen eigenen Kampf schwerer machen, als notwendig.
Eine Weile blieb Zack noch schweigend bei seinem Mentor sitzen. Er musste etwas unternehmen. Er durfte nicht zulassen, dass Angeal so wurde, dass er dermaßen zerbrach. Er würde etwas tun müssen und er wusste auch schon, wie er das anstellen würde.
Zumindest ansatzweise...


❈❈❈


TBC

Nachwort

Es fällt mir als großer Angeal-Fan wirklich schwer, ihn so leiden zu lassen, aber ich denke, eine solche Niederlage steckt kein Kämpfer wie er einer ist so gut weg. Ich hoffe, die Auftritte von Cloud und Kunsel waren halbwegs okay. Aber ich wollte sie gerne auch mit in diese Geschichte einbringen, da ich sie sehr gerne mag. Tja… Und welchen Plan der gute Zack da wohl gefasst hat? Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr schaut auch im nächsten Kapitel wieder vorbei. :)
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