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Was Nachts geschieht

OneshotFantasy / P12 / Gen
17.04.2021
17.04.2021
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17.04.2021 601
 
Leise schlich sich Fine aus ihrem Zimmer. Es war mitten in der Nacht und ihre Eltern schliefen bereits. Nur Fine nicht. Ihre Eltern schickten sie immer zeitig zu Bett, weil sie der Meinung waren, ein sechs Jahre altes Mädchen müsse viel schlafen. Pah, von wegen! Wie jede Nacht tappste sie auf nackten Füßen durch den Flur ihres Hauses, um sich nach draußen zu schleichen. Wie sollte sie schlafen, wenn dort draußen so viele Dinge passierten? Es war viel zu laut um schlafen können. Das Gras raschelte unaufhörlich in einer leichten Brise, manchmal kam auch das Rauschen der Baumwipfel des nahe gelegenen Waldes hinzu, wenn der Wind auffrischte. Von überallher war das Zirpen der Grillen zu hören und Fine bildete sich sogar ein, die in der Dunkelheit umher tanzenden Lichter, die durch ihr Zimmerfenster schimmerten, wären tanzende und singende Elfen und nicht Glühwürmchen, wie ihre Eltern immer behaupteten. Der Mond schien hell durch das Fenster der Eingangstür und Fine schlich sich langsam nach draußen.

Freudestrahlend blickte sie auf die Wunderwelt, die sich vor ihr erstreckte. Endlich konnte sie auch sehen, was hier draußen alles los war, und musste es nicht mehr nur hören. Es war ziemlich kalt, da der Frühling gerade erst begonnen hatte, und so funkelten zwischen den ersten Blüten des Jahres auch noch vereinzelte Schneehaufen im Mondlicht um die Wette. Doch Fine spürte die Kälte nicht. Sie war es gewohnt, nachts draußen zu sein, egal bei welchem Wetter. Verzaubert von dem Geschehen um sie herum lief sie durch den Garten, der das Haus umgab, in Richtung des Waldes. Die dunklen Fichten und Tannen machten Fine nichts aus. Sie wusste ja, dass ihr keine Gefahr drohte. Sie verstand auch nicht, warum ihre Eltern sie immer davor warnten, allein in den Wald zu gehen. Wilde, gefährliche Tiere waren ihr hier noch nie begegnet und verlaufen würde sie sich ganz sicher auch nicht, so oft, wie sie bereits hier gewesen war. Überhaupt war es dem kleinen Mädchen unverständlich, wovor ihre Eltern alles Angst hatten. Ständig verboten sie ihr Dinge, nur weil sie Angst hatten, dass Fine sich verletzen konnte. Oder sie waren der Meinung, dass sie für manche Dinge einfach noch zu klein war. Aber mit sechs Jahren war sie doch kein kleines Baby mehr, das nichts, aber auch gar nichts, allein machen konnte, außer die ganze Zeit zu schreien oder zu schlafen. Wenn sie herausfinden würde, dass Fine sich nichts aus dem Haus schlich, um die Gegend zu erkunden, mit den Geschöpfen der Nacht zu spielen, oder sich mit dem Mann im Mond zu unterhalten, würden sie sie als verrückt abstempeln und die Haustüre abschließen, damit sie nicht mehr nach draußen konnte. Das durfte auf keinen Fall passieren! Immerhin war nachts die einzige Zeit, zu der sie die Möglichkeit hatte, ihre Freunde zu treffen und sie selbst zu sein.

Am nächsten Morgen wachte Fine früh auf, schon vor ihren Eltern. Sie freute sich auf diesen Tag, denn heute würde sie zum ersten Mal in die Schule gehen. Dann konnte sie ihren heimlichen Freunden wieder ganz viel neues erzählen. Sie rannte ins Schlafzimmer ihre Eltern und hüpfte auf ihrem Bett herum, um sie aufzuwecken. Ja wirklich, sie würde unglaublich viel zu erzählen haben in den nächsten Nächten.


"Für andere unsichtbar", das war der Schreibanstoß für diese kleine Geschichte. Ich habe versucht dieses Thema auf zwei Ebenen umzusetzen: Einmal bleibt einigen Figuren in der Geschichte etwas verborgen, zum anderen bleibt es für den Leser letzten Endes verborgen, was genau die kleine Fine bei ihren nächtlichen Ausflügen erlebt. Dennoch glaube ich, dass jeder eine ganz gute Vorstellung davon bekommt, was passieren könnte.
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