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Bluthexe

von Shanjahvy
GeschichteFantasy / P16 / Gen
16.04.2021
17.05.2021
32
84.350
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04.05.2021 3.006
 
Deryn lauschte auf die Schritte, die sich entfernten. Er hätte nicht gedacht, dass der Vampir so schnell aufgeben würde. Aber wenn er ehrlich zu sich war wusste er, dass er so leicht nicht zu überzeugen gewesen wäre. Und das lag nicht nur daran, dass er sich lebhaft vorstellen konnte, was Varon von so einem Handel gehalten hätte. Gewiss. Der Dämon handelte im Gegensatz zu anderen seiner Art durchaus. Häufig löste er Dinge sogar lieber durch Handel als durch Gewalt. Diesen Spaß hob er sich lieber für seine Untergebenen auf. Deryn lachte bitter. Er hatte schon mehr als einmal dafür herhalten müssen und seine Vorstellungskraft Gewalt betreffend, die nicht tötete hatte sich stark erweitert.

Er dachte wieder an die Steine. Varon würde es nicht billigen, wenn er selbst eine Entscheidung traf. Doch Varon selbst würde in jedem Fall ablehnen und Deryn konnte das sogar verstehen. Egal was der Vampir für die Steine wollte. Es war ein schlechter Handel. Er bot etwas, das ohnehin den Dieben gehörte. Deryn rieb sich stöhnend die Schläfen. Sein Kopf dröhnte. Er hatte nicht geschlafen, weil er die letzten Stunden nur damit zugebracht hatte, eine Fluchtmöglichkeit zu finden. Doch das hier war aussichtslos. Mehr als fünf Meter hatte er es nie hinaufgeschafft, ehe er entweder abgerutscht war oder seine Kräfte versagt hatten.

Erschöpft streckte er sich auf dem Boden aus. Das Seil, was er von seinem Bauch gelöst und zusammengerollt hatte als Kopfkissen benutzend beschloss er zu schlafen. Wie die Sache stand würde er noch einige Stunden hier zubringen müssen und noch einige mehr, wenn er bis zur nächsten Nacht keine Entscheidung getroffen hatte.



Besonders weit konnten die Werwölfe nicht sein. Adryan ließ seinen Blick über die Lichtung wandern und deutete plötzlich auf eine Stelle am Rand, wo Äste und Zweige abgebrochen und Gräser niedergedrückt waren. Außerdem zeichneten sich im weichen Moos Fußabdrücke ab.

"Das sieht danach aus, als wären sie nach Lindow zurückgekehrt." Meinte Adryan.

Neandra ging zu der Stelle hinüber und betrachtete einen Busch genauer. Sie befreite etwas von einem Ast und hielt es Adryan hin. Es war ein kleines Büschel roter Haare. Lange, rote Haare. Adryan nahm ihr das Büschel aus der Hand und betrachtete es einen Moment. "Scheint, als wäre es eine Werwölfin." Nachdenklich folgte er den Fußspuren mit den Augen. "Ich denke wir können das Risiko eingehen, einen schnelleren Weg nach Lindow zu gehen. Ich glaube nicht, dass sie fliehen werden. Schließlich ist der Dritte noch hier. Gadriel erkenne ich in jedem Fall wieder. Und eine Frau mit langen, roten Haaren fällt auf."

"Und wenn wir sie nicht finden?" Fragte Neandra unsicher.

"Dann kehren wir zum Brunnen zurück. Ich vermute, dass Gadriel der Werwölfin ohnehin zeigen wird, wo ich ihn und Deryn Gestern überrascht habe. Und dann ist es nicht besonders schwierig für sie, dieser Spur zu folgen."



Es war tatsächlich nicht weit bis zum Rand von Lindow. Neandra hatte nicht bemerkt, dass sie dem Ort während sie zu der Hütte gegangen waren wieder so nahegekommen waren. Adryan hatte den Weg zum Marktplatz eingeschlagen, da es der Ort war, an dem die Werwölfe ziemlich sicher auftauchen würden. Neandra folgte ihm gedankenverloren und zuckte plötzlich zusammen, als sie aus einer Gasse zu ihrer Linken Stimmen vernahm. Viele Worte verstand sie nicht, da sie zu abgelenkt gewesen war. Doch was sie hörte ließ sie zusammenfahren.

"... Deryn finden... Dreckige Blutsauger..." Eindeutig eine Frauenstimme. Neandra schloss zu Adryan auf und griff nach seinem Arm. Die Stimmen hatten sich eindeutig auf sie zubewegt. Es würde also nicht lange dauern, bis - wer auch immer gesprochen hatte - in dieser Straße auftauchen würden. Überrascht und fragend musterte Adryan sie. Neandra deutete mit einem zitternden Finger auf die Gasse. Er starrte sie einen Moment verwirrt an, ehe er begriff, sie mit einem Mal packte, an sich zog und nur einen Augenblick später mit ihr auf dem Hausdach zu ihrer Linken landete. Es war so schnell gegangen, dass Neandra für Schreck oder Empörung keine Zeit blieb. Langsam löste er seinen Griff.

"Sei so gut und verfluch mich später." Zischte er ihr zu, bevor er so schnell an der Dachseite war, die zu der Gasse lag, dass Neandra ihn kurz aus ihrem Blick verlor. Bevor sie ihm folgen konnte stand er auch schon wieder neben ihr.

"Sie sind es. Wir folgen ihnen hier oben."

Sie nickte, war von diesem Vorschlag aber überhaupt nicht begeistert. Sie konnte sich noch gut an ihren Weg über die Dächer von Themar erinnern und wie kläglich sie gescheitert war. Und Adryan wirkte nicht, als würde er im Moment darauf Rücksicht nehmen.

Die Werwölfe waren mittlerweile auf die Straße eingebogen, auf der sie kurz zuvor noch gelaufen waren und Neandra riskierte einen vorsichtigen blick. Sie erkannte einen schlanken, nicht übermäßig großen, blonden Mann und eine etwas kleinere Frau mit gelockten, roten Haaren. Die Frau hielt einigen Abstand zu dem Mann und drehte immer wieder den Kopf weg, als würde sie sich vor ihm ekeln. Neandra konnte es ihr nicht verdenken. Der penetrante Geruch nach Angst und anderen Dingen, den sie auf der Lichtung wahrgenommen hatte, war ja bereits für sie unangenehm gewesen, die nicht so eine feine Nase wie die Werwölfe hatten. Sie zog sich vom Rand zurück und ging zu Adryan, der bereits an der Dachkante zum nächsten Haus stand und anscheinend nur darauf wartete, dass die Werwölfe diese Stelle passieren würden. Er spürte ihre Unsicherheit. Ohne sie anzusehen meinte er leise.

"Ich werde dich dieses Mal nicht tragen. Wenn du dir das hier..." Er deutete auf den Spalt vor ihnen. "...nicht zutraust, dann geh zurück zum Marktplatz. Ich nehme an, dass sie früher oder später dorthin gehen werden."

Neandra nickte und schüttelte gleich darauf den Kopf. Sie hatte nicht vor hierzubleiben. Sie versuchte sich damit zu beruhigen, dass sie in den letzten Nächten sehr viel sicherer im Umgang mit ihren neuerworbenen Kräften geworden war. Als die Werwölfe die nächste Gasse passiert hatten und einige Meter Vorsprung hatten sprang Adryan auf das nächste Dach hinüber und sah sich zu ihr um. Neandra wagte es nicht, den Sprung ohne Anlauf zu versuchen und ging einige Schritte zurück. Sie rief ihre Macht hervor, lief los und sprang. Sie schaffte es, auf das andere Dach, stolperte jedoch noch einige Schritte vorwärts, bevor sie sich wieder im Griff hatte. Adryan nickte anerkennend.

"Geht doch." Meinte er knapp, bevor er sich wieder dem Geschehen unten auf der Straße zuwandte.

Sie folgten den Werwölfen eine ganze Weile durch Lindow. Von Mal zu Mal fiel es Neandra leichter, die Sprünge zu bewältigen. Plötzlich blieb Adryan stehen, der stets einige Meter vor ihr gewesen war und wartete auf sie.

"Ich frage mich ja, wo sie hinwollen. Zum Marktplatz jedenfalls nicht."

Neandra zuckte mit den Schultern. Immerhin kannte sie sich in diesem Ort überhaupt nicht aus. "Sie biegen grad dort nach rechts ab." Sagte sie plötzlich. Adryan folgte ihrem Blick und sprang mühelos über die recht breite Straße, der sie das letzte Stück gefolgt waren. Neandra betrachtete die Entfernung mit Unbehagen. Das waren sicherlich acht Meter. keine der anderen Straßen oder Gassen waren bisher so breit gewesen. Sie schloss kurz die Augen, konzentrierte sich und lief los. Aus Angst, den Sprung nicht zu schaffen ließ sie so viel ihrer Macht hineinfließen, dass sie noch ein gutes Stück über die Dachkante des anderen Hauses hinausschoss. Adryan fing sie ab, ehe sie von ihrem Schwung getragen noch über das gesamte Dach stolpern konnte.

"Das war ein bisschen zu viel des Guten." Meinte er nur und deutete dann auf einen breiten Eingang an einem der ihnen gegenüberliegenden Häuser. Die beiden Werwölfe waren soeben im Begriff, das Haus zu betreten. Neandra las den Schriftzug, der über der Tür Stand. 'Badehaus'. Sie stöhnte. Das war also der Ort, den Adryan ihr in der letzten Nacht vorgeschlagen hatte.

"Und jetzt?" Fragte sie.

Adryan überlegte kurz. "Wir warten noch einen Moment. Dann gehen wir hinein."

"Und was, wenn sie uns erkennen? Die Frau nicht, aber Gadriel hat uns bereits gesehen." Bemerkte Neandra zweifelnd.

"Deswegen warten wir noch. Die Badezuber sind vermutlich durch dünne Trennwände voneinander getrennt. Die beiden werden wohl also schon jeweils eine Kabine zugewiesen bekommen haben. Vielleicht können wir so etwas belauschen."

Neandra wurde stutzig. Hatte er ihr nicht gestern gesagt, dass sie die Badehäuser nicht mögen würde, weil es 'kein exklusiver Ort' wäre? Und jetzt sagte er, dass die Badezuber voneinander abgetrennt wären? Sie funkelte ihn an. "Ich dachte, dass hier ist kein exklusiver Ort."

Wenn es ihm unangenehm war, dann zeigte er es nicht. Im Gegenteil. Er grinste sie ziemlich verschlagen an. "Nun. Das ist es ja auch nicht. Es sind keine extra Räume. Das meiste ist nur durch Vorhänge abgetrennt."

Sie fühlte, wie die Wut in ihr hochkochte. Das hatte er mit Absicht gemacht und sie war darauf hereingefallen. Sie kam jedoch nicht mehr dazu die Flut an Beschimpfungen, die ihr durch den Kopf schossen loszuwerden, da Adryan soeben seinen Beobachtungsposten auf dem Dach aufgegeben hatte und hinunter auf die Straße gesprungen war. Er winkte ihr ihm zu folgen und ging zielstrebig in Richtung Badehaus. Auch Neandra sprang von dem Dach hinunter, folgte ihm jedoch nur äußerst wiederwillig. Ihm das zu verzeihen würde dauern.



Sie betraten eine geflieste Eingangshalle. Zwei Gänge führten in unterschiedliche Bereiche des Badehauses. Fackeln spendeten ein angenehmes Licht und hinter einem Tresen stand eine junge blonde Frau und lächelte ihnen freundlich entgegen.

"Ein Bad?" Fragte sie

Adryan nickte.

"Vier Kupfermünzen pro Person."

Adryan zählte die Münzen ab und reichte sie der Frau. Diese musterte ihn interessiert und schenkte ihm noch ein extra breites Lächeln. Die Frau verschwand kurz und kam in Begleitung einer etwas älteren Frau zurück, deren schwarze Haare bereits zu ergrauen begannen.

"Das ist Mija." Stellte sie die schwarzhaarige vor. "Sie wird Euch begleiten." Meinte sie mit einem Blick zu Neandra. "Mein Name ist Lysell. Ich werde Euch begleiten." Sagte sie dann mit einem erneuten Lächeln zu Adryan.

Neandra musterte Lysell mit einem Stirnrunzeln. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass das eher unüblich hier war. Sie sagte jedoch nichts, sondern folgte Mija in den rechten der beiden Gänge. Der Gang verbreiterte sich schnell und links und rechts verdeckten Vorhänge den Blick auf zahlreiche Badezuber. Die Vorhänge waren bis auf einen alle aufgezogen. Mija führte sie zu der Kabine, die der Verschlossenen gegenüber lag.

"Wartet einen Moment." Meinte sie und verschwand, um nur kurz darauf mit zwei großen Handtüchern und einer wohlduftenden Seife zurückzukehren. "Ihr habt eine Stunde. Ich sage Euch Bescheid, wenn die Zeit vorbei ist." Meinte sie, schloss den Vorhang hinter Neandra und ließ sie allein.

Neandra starrte noch einige Momente auf den verschlossenen Vorhang und begann sich dann zu entkleiden. Ohne noch mehr kostbare Zeit verstreichen zu lassen glitt sie in das warme Wasser und unterdrückte ein wohliges Seufzen. Einige Minuten genoss sie das warme Wasser. Dann fiel ihr die Werwölfin wieder ein. Ob sie wohl in der verschlossenen Kabine auf der anderen Seite war. Wenn ja war diese Unternehmung ein absoluter Reinfall gewesen. Anscheinend wurden die Kabinen hier streng getrennt und Gadriel würde keine Möglichkeit haben, ungestört mit der anderen Frau zu sprechen. Dann fiel ihr Lysell wieder ein und ihr verhalten, das ganz und gar nicht zu dieser räumlichen Trennung passte. Neandra verzog das Gesicht. Das wollte sie sich lieber nicht genauer vorstellen. Stattdessen lauschte sie. Doch außer dem leisen Knistern der Fackeln und einem kräftigen, langsamen Herzschlag aus Richtung der verschlossenen Kabine war nichts zu hören. Doch dann plätscherte das Wasser in der Wanne leise. Die Frau bewegte sich. Es klang, als würde sie irgendetwas aus ihrem Rucksack hervorkramen. Dann ein Rascheln. War das der Deckel einer Schachtel? Etwas wurde herausgenommen, dann herrschte wieder Stille.

"Ich habe die beiden gefunden. Das heißt. Eigentlich nur Gadriel. Der Vampir hat sie überrascht und jeden einzeln eingesperrt. Ich mache mich jetzt gleich auf die Suche nach Deryn mit ihm."

Neandra war erstarrt. Mit wem sprach die Frau da? Oder hatte sie nur zu sich selbst gesprochen? Hatte sie sich vielleicht etwas aufgeschrieben? Die Worte waren jedenfalls so leise gewesen, dass ein Gast mit normalem Gehör sie wohl nicht verstanden hätte. Danach ertönte aber nur wieder dieses Rascheln, als räumte sie das, was sie hervorgeholt hatte wieder weg. Dann ein lauteres Plätschern, als die Werwölfin sich wusch und anschließend die Wanne verließ. Neandra lauschte, wie sie sich abtrocknete und ihre Kleider anzog. Der Vorhang wurde aufgezogen und Schritte gingen in Richtung Ausgang.

"Oh. Hat Lysell Euch gar nicht abgeholt?" Erklang die Stimme von Mija, als die Rothaarige schon fast am Ausgang war.

"Nein. Aber das macht Nichts. Ich habe den Weg ja gefunden. Ich danke Euch und wünsche euch eine gute Nacht."

Neandra stellte fest, dass die Werwölfin eine äußerst angenehme Stimme hatte. Auch schien sie recht selbstbewusst zu sein. Sie lauschte noch kurz auf die sich entfernenden Schritte und griff dann nach der Seife, um sich gründlich zu waschen. Gerade als sie fertig war bewegte sich der Vorhang leicht und Mijas Stimme erklang leise davor.

"Die Stunde ist vorbei Mylady."

Neandra unterdrückte ein Lachen. So war sie noch nie von jemandem genannt worden, aber es gefiel ihr. "Vielen Dank. Ich beeile mich." Antwortete sie. Mijas Schritte entfernten sich wieder ein Stück und Neandra kletterte aus dem Wasser und wickelte sich in das wunderbar weiche Handtuch. Sie trocknete sich ab, zog sich an und ordnete ihre Haare so gut sie konnte. Dann verließ sie die Kabine und stieß auf Mija, die bereits auf sie wartete.

"War alles zu Eurer Zufriedenheit?" Fragte sie.

"Ja. Vielen Dank." Neandra folgte der Frau in Richtung Ausgang. Von Adryan war nichts zu sehen.

"Euer Begleiter kommt sicher gleich." Meinte Mija. Im linken Gang erklangen Schritte, die nicht nach denen von Adryan klangen.

"Vielen Dank. Ich ziehe es vor draußen zu warten." Murmelte Neandra und verließ hastig das Badehaus. Vor der Tür erblickte sie die Werwölfin, die von ihr abgewandt etwas auf einer Tafel las, die neben dem Eingang hing. Neandra huschte in die entgegengesetzte Richtung um die Hausecke und lehnte sich dort an die Wand.

Nur kurz darauf wurde ihre Vermutung bestätigt.

"Gadriel. Da bist du ja endlich. Was hast du so lange gemacht."

"Hee. Ich habe für eine Stunde bezahlt Samara. Dann will ich sie auch nutzen." Meinte er beleidigt.

"Ach vergiss es. Bring mich lieber zu der Stelle, wo dieser Blutsauger euch angegriffen hat. Ich will Deryn noch in dieser Nacht finden."

Gadriel erwiderte auf diese Aussage nichts mehr, sondern begann die Straße hinunterzugehen. Langsam wurde Neandra unruhig. Wenn Adryan sich nicht langsam mal... In diesem Moment trat er aus der Tür und sah sich suchend um. Neandra glitt hinter der Ecke hervor und funkelte ihn an.

"Kannst du mir Mal sagen, was bei den Göttern so lange gedauert hat? Wer wollte denn den Werwölfen folgen? Du oder ich. Noch ein bisschen länger und sie wären weg gewesen." Sie war so wütend, dass es ihr vollkommen egal war, ob sie diese Anmaßung gleich wieder mit einem Flug an die nächste Hauswand bezahlen würde. Doch Adryan schien dieses Mal nicht wütend, sondern höchstens belustigt zu sein.

"Dann sollten wir diese Unterhaltung auf später verschieben und ihnen lieber folgen." wich er ihrer Frage gekonnt aus und verschwand zum zweiten Mal in dieser Nacht nach oben auf eines der Dächer. Noch immer kochend folgte sie ihm.



Neandra stellte fest, dass sie auch dieses Mal näher an ihrem Ziel gewesen waren, als sie vermutet hatte. Kaum zehn Minuten folgten sie den Werwölfen, bis der Marktplatz wieder in Sicht kam. Gadriel steuerte eine Treppe an.

"In der letzten Nacht stand dort noch ein Fuhrwerk." Meinte Adryan leise. Er begann, den Marktplatz auf den Dächern zu umrunden, was nicht so einfach war, da die Gebäude häufig unterschiedlich hoch waren. Ihr noch immer lodernder Zorn ließ Neandra diese Sprünge jedoch mit Leichtigkeit schaffen.

Als sie auf dem Dach angelangt waren, zu dem die Treppe gehörte konnten sie unten die Werwölfe sehen und mühelos belauschen.

"...er mich bewusstlos geschlagen, gefesselt und an einen Baum gebunden." Beendete Gadriel soeben seine Erzählung.

Adryan hatte einen nachdenklichen Gesichtsausdruck aufgesetzt. "Wir sollten sie uns besser gleich hier schnappen. Im Wald ist es schwerer, ihnen unbemerkt zu folgen. Zumal du es nicht dauerhaft schaffst, deine Präsenz zu verbergen."

"Und wie sollen wir das anstellen?" Knurrte sie.

"Wir haben das Überraschungsmoment auf unserer Seite. Wir springen jetzt gleich zu ihnen hinunter. Du hältst die Frau..."

"Samara." Fuhr sie ihm dazwischen.

Er sah sie kurz irritiert an, bevor er fortfuhr. "...Samara fest. Sorg einfach dafür, dass sie nicht fliehen kann. Notfalls mit Gewalt. Werwölfe können ebenso schnell heilen wie wir."

"Und was dann?"

"Dann schaffen wir sie erstmal hinüber in unser Zimmer. Es dauert nicht mehr lange bis zum Morgen und dort können wir ungestört reden." Adryan trat an die Dachkante heran und blickte nach unten. Die Werwölfe standen ganz ruhig da, schwiegen und schienen sich auf irgendetwas zu konzentrieren. Vermutlich die Gerüche. Neandra trat neben ihn. Auf ein Handzeichen von ihm sprangen sie. Neandra landete ungeschickter als Adryan und geriet auf der Treppe ins Stolpern, hatte sich jedoch schneller wieder unter Kontrolle, als die Werwölfin aus ihrer Reichweite entkommen konnte. Neandra umschlang Samara von hinten. Ein Arm um ihren Hals geschlungen, der andere um ihren Bauch schaffte sie es, die Werwölfin mit eisernem Griff festzuhalten und sogar ihre Arme zu fixieren.

Adryan hatte Gadriel so fest im Genick gepackt, dass er vermutlich Angst haben musste, dass der Vampir es ihm jeden Moment brach. Adryan zwang ihn auf diese Weise zu Boden.

"So sieht man sich also wieder."
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