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Ohne dich

von -Jaelle-
GeschichteTragödie, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Itachi Uchiha Shikamaru Nara
15.04.2021
18.04.2021
3
2.660
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15.04.2021 1.146
 
https://www.youtube.com/watch?v=aypOE3ZRxxM

(Ok, ich habe Rotz und Wasser geheult beim Schreiben, aber es hat mich nicht losgelassen. Da müsst ihr jetzt leider durch mit mir.)

***


„Itachiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!“, ein verzweifelter Schrei, kaum noch menschlich, entwich der Kehle des Nara. „Neeeein, Itachi… oh bitte… Itachi, die Kinder. Itachi… Ita…“. Seine Stimme brach. Ein Ruck ging durch seinen Körper. Verzweifelt versuchte er den Steinregen aufzuhalten, der dabei war, ihm das Liebste, das er je besessen hatte, zu nehmen. Er merkte nicht, wie seine Fingerspitzen aufrissen und bluteten, merkte nicht, wie Tränen über seine schmutzigen Wangen liefen, helle Schlieren in sein Gesicht zeichneten.

Seine Nase war gebrochen, aber er merkte auch das nicht. Schweiß, Blut, Tränen und heller Rotz liefen sein Gesicht hinunter, sammelten sich in seinem Spitzbart und tropften auf seine verschmutzte Kleidung. Er merkte es nicht. Es war nicht wichtig. Der Schmerz in seinem Gesicht war nichts im Vergleich zu dem Schmerz in seinem Herzen.

Irgendwo unter all dem Geröll lag er. Die Liebe seines Lebens, hatte ihn zur Seite gestoßen, als der Berg in sich zusammenbrach. Für die Kinder. „Itachi, die Kinder!“ Oh bitte. Oh Heilige. Oh bitte. Tu mir das nicht an. Tu uns das nicht an.

Er musste nachdenken. Er war doch nicht umsonst so weit in der Shinobi-Hierarchie aufgestiegen. Sein Gehirn war weit über die Grenzen des Landes bekannt, geschätzt und gefürchtet. Aber wie konnte er einen klaren Gedanken fassen, wenn Itachi verschüttet war? Verletzt. To- nein, diesen Gedanken verbot er sich sofort. Er würde nicht weiterleben können, wenn der Rabe es nicht mehr tat.

Irgendwo unter all dem Geröll musste sein Leben liegen. Der Mann, der ihn mit sinnlosen Geschenken an den Rand des Wahnsinns trieb, der ihm den Verstand umnebelte, der Mann, der ihn so gekonnt provozierte und noch gekonnter seine Lust anfachte. Auch nach 20 Jahren noch.

Die ersten weißen Haare hatten sich in Itachis langen Zopf geschlichen. Heimlich, so wie der Uchiha sich in sein Herz geschlichen hatte. Die Narben in seinem Gesicht waren noch immer da. Neue waren dazugekommen. Es war gar nicht anders möglich. Immerhin war er über ein Jahrzehnt der Anführer der ANBU-Spezialeinheit gewesen. Bis die Kinder kamen.

Er hatte immer Kinder gewollt. Nicht nur für den Clan, damit er ihn ausbaute, nein, er brauchte sie für sein Herz. Sie hatten so viel Liebe zu geben, dass es für sie außer Frage stand, dass sie eine Familie gründen mussten. Sie hatten schnell mit dem Gedanken gespielt, Kinder zu adoptieren. Denen ein Zuhause zu geben, die das Schicksal vergessen hatte. Es war ihnen beiden egal, dass diese Kinder nicht ihre Gene besaßen. Sie verliebten sich in jedes einzelne von ihnen. Unwiderruflich.

Der älteste war jetzt 21, kurz davor, die nächste Stufe auf der Erfolgsleiter zu erklimmen. Ein ANBU, wie sein Vater, mit grünen Augen und Haaren wie Mitternacht.

Sein Bruder Kikaru hatte sich gegen eine Karriere als Shinobi entschieden, war nach Suna gegangen und lebte dort mit einer der Töchter des Kazekage zusammen. Künstler!

Die beiden Mädchen waren mitten in der Pubertät und verdrehten sämtlichen Shinobi ihrer Altersklasse den Kopf, ohne dass sie groß etwas dazu täten. Nur die Angst vor deren Vätern hielt die jungen Männer noch im Zaum. Und vielleicht die Tatsache, dass sie verflixt gute Kämpferinnen waren.

Für die Kinder hatte Itachi die ANBU verlassen, damit Shikamaru sich voll darauf konzentrieren konnte, dem Hokage und dem Dorf zu dienen. Strategien auszubauen. Sein Gehirn zu nutzen. Itachi selbst nahm nur noch wenige Aufträge an und auch nur solche, die ihn nie mehr als zwei Tagesmärsche von ihnen trennten.

Wenn der Nara spät abends nach Hause kam, war Itachi da. Wärmte ihm das Essen auf, erzählte von seinem Tag. Von den Streichen der Kinder.

Es war Itachi, der den armen jungen Mann auseinandernahm, der ihrem Ältesten das Herz gebrochen hatte. Und es war Itachi, der genau diesen Mann als Erster in die Arme schloss, als die beiden jungen Shinobi doch zueinander fanden.

Itachi, der sein Herz zum Schlagen brachte. So voller Liebe, dass er manchmal dachte, er bekäme vor lauter Zärtlichkeit keine Luft mehr.

Itachi, der sein Licht in der Finsternis war. Licht. Er brauchte Licht! Die Höhle war zu dunkel, als dass er seine Schattenmagie nutzen konnte. „Itachi! Du stirbst nicht! Hörst du!“ Der Nara rannte aus der Höhle, zurück zu ihrem Lager. Da mussten noch Fackeln sein. Ein Signalfeuer.



Heilige, warum hatte er nicht eher daran gedacht? Noch im vollen Lauf schnappte er sich ihren Versorgungsrucksack, riss die Verpackung mit den Signalfeuern auf und entzündete mit geschickten Bewegungen die unangenehm helle Flamme, die auch am hellsten Tag alles überstrahlte. Er wusste, andere würden dieses Feuer sehen. Sie suchen. Rettung.



Er entzündete das nächste Signalfeuer kurz vor der Höhle. Rotglühend erhellte es den Raum um ihn herum, warf tanzende Schatten an die Wand. Perfekt. „Itachi! Schatz, ich bin da!“ Es kam keine Antwort. „Schatz, bleib wach. Wir schaffen das.“ Er musste es schaffen.

Itachi, der in seiner albernen Schürze, welche die Kinder ihm vor ein paar Jahren zu Weihnachten geschenkt hatten, einfach zum Anbeißen aussah. Leichte Mehlspuren auf seinen Wangen, weil sie voller Elan Plätzchen buken. Der kleine Kikaru, ihr Licht, mit seinem blonden Schopf hatte sich mit seinem großen Bruder Yasuo, der dem Namen „der Friedliche“ so gar keine Ehre machte, gestritten und dabei war die Mehltüte explodiert. Itachi mittendrin, mit Lachtränen in den Augen.

Shikamaru erzählte seinem Mann alles mögliche. Redete, weil er die Stille nicht ertrug.

Seine Schattenarme streckten sich über die Steine aus, versuchten sie zu stabilisieren. Oh Heilige, hoffentlich brachten sie Yamato mit, damit dieser ihm helfen konnte, die Steinflut aufzuhalten, die drohte nachzurutschen.

Er hörte hektische Schritte hinter sich. „Papa?“ Oh Heilige! Nicht sein Junge, bitte! Der musste hier weg! Er würde seine Maskerade nicht aufrecht halten können, wenn sein Sohn hier war. Von allen Shinobi musste es sein Sohn sein, der den Vätern zu Hilfe kam. Shikamaru schloss verzweifelt die Augen. „Yasuo…“, Shikamarus Stimme brach. „Papa? Wo… wo… ist tou-san?“ Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

„Nein…“, nur noch ein leises Wispern kam über seine Lippen. Die dunklen Augen füllten sich mit Tränen. „Tou-san!!!“ Der gequälte Schrei hallte an den Wänden der Höhle wider. „Yamato, schafft ihn hier raus! … bitte.“ Der Angesprochene nickte kaum merklich, tat aber, worum Shikamaru ihn gebeten hatte und kehrte zu ihm zurück, sobald er wusste, dass der junge Mann in guten Händen war.


Zusammen stabilisierten sie die Höhle so weit, dass Sakura zu ihnen stoßen konnte. Konohas leitende Medic-Nin war glücklicherweise schnell zur Stelle. Sai hatte sie mit einer seiner Bestien hierhergebracht, als klar war, dass etwas mit ihren Freunden geschehen war.

„Shikamaru, wir werden ihn versiegeln und dann mit einer der Bestien ausfliegen, ich werde ihn begleiten, ihr folgt. Kakashi holt die Mädchen ab. Wir finden ihn, Shika.“ So jedenfalls der Plan.

Sanft drückte sie seine Schulter. Ein Versprechen, dass alles gut würde.
 
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