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Crimson Silk And Vanity

von Ari Fey
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance / P18 / MaleSlash
Ann Takamaki Goro Akechi Protagonist Ryuji Sakamoto
14.04.2021
27.06.2021
5
23.080
3
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16.05.2021 5.331
 
Das Leblanc war ein ruhiges, verstecktes Café in den Nebenstraßen des verschlafenen Yongen-Jaya.
Die Dämmerung ließ die Sonne hinter den Häusern und Mauer verschwinden, die letzten Strahlen wurden bereits von den flachen Dächern verschluckt. Alte, rostende Straßenlaternen warfen ein warmes Licht auf den unebenen Asphalt. Die Straße, die zum Bahnhof führte, teilte das kleine Viertel entzwei, entlang vieler, unscheinbarer Gassen. Es war ruhig, geradezu friedlich, außer Akechi und Akira waren kaum Passanten unterwegs. Die meisten der Läden, die sich in den unteren Bereichen der Häuser angesiedelt hatten, waren bereits für den Rest des Tages geschlossen. Nicht anders verhielt es sich mit dem Café Leblanc, Akiras Zuhause und das beliebteste — und einzige — Café im Umkreis. Die rot-weiße Überdachung des Café war bereits durch die Witterung der letzten Jahre etwas ausgebleicht; aber das verlieh dem Äußeren des Leblanc einen gewissen Charme. Das Schild an der Tür zeigte bereits “Geschlossen”, was bedeutete, dass Sojiro bereits im Feierabend, und damit bei seiner Familie war. Akira atmete erleichtert aus.

Seine Hände zitterten nervös, als er in seiner Hosentasche nach dem Schlüssel fischte. “Hier wohne ich — also, oberhalb des Café. Auf dem Dachboden.” sagte er etwas unbeholfen, als er den Schlüsselbund mit einer Hand umfasste, einen tiefen Atemzug nahm und versuchte, ihn nicht fallen zu lassen. Akechi — Crow — antwortete mit einem zur Kenntnis-nehmenden Summen. Er sah sich hinter Akira in den Straßen um, als gäbe es dort etwas interessantes zu sehen; nicht etwa unverputzte Mauern, dichten Efeu und hier und da das Fell einer Katze.
Akira schaffte es schließlich, die Tür aufzuschließen und stieß sie mit einer Hand auf, die Hand noch immer am Türgriff, als er Akechi die Tür offen hielt, damit er das Café betreten konnte. Er warf Akira ein dankbares Lächeln zu, als er an ihm vorbei lief — viel zu nah — und Akiras Wangen erhitzten sich schlagartig.

“Kaffee und Curry,” murmelte Akechi die Worte unterhalb des Schriftzugs über dem Eingang. “Ist das nicht eine seltsame Kombination? Scharf und Bitter?”

Akira kicherte leise. “Das ist Sojiors Erfolgsrezept. Du solltest es probieren — es passt besser, als es auf den ersten Blick scheint.”

“Ist das so?” erwiderte Akechi und folgte Akira in das Innere des Café. “Vielleicht ein anderes Mal.”

Das Versprechen eines ‘anderen Mal’ — dass sie sich wiedersehen würden — ließ Akiras Herz aufgeregt flattern. Er schluckte die aufkommende Aufregung herunter, bevor sie seinen Magen erreichte. Akira räusperte sich, als er bemerkte, wie trocken sein Hals geworden war. “Willst du etwas trinken, bevor wir beginnen?” fragte er höflich.

Akechi schüttelte den Kopf.  Einige Strähnen fielen sanft um seine Wangen durch die Bewegung. Akira wendete schnell den Blick ab. “Okay, dann — ich — uhm — ich zeige dir mein Studio, oder — meine Wohnung, wie auch immer man es nennen will —”

“Den Dachboden,” sagte Akechi ruhig und unterbrach Akiras unbeholfene Ansprache. “Okay, zeig mir den Weg.”

Akira nickte und brachte etwas Abstand zwischen sich und Akechi, als er an ihm vorbei in Richtung der Treppe im hinteren Bereich des Café lief. Akechi folgte ihm wortlos. Er trat auf die knarrenden Stufen, die Akira aus Gewohnheit übersprang. Oben angekommen schloss Akira die Tür zum Dachboden auf, schaltete das Licht ein und betrat gemeinsam mit Akechi sein Studio-Schrägstrich-Wohnung-Schrägstrich-Dachboden.

Der Raum war groß; er umfasste beinahe die Größe des unteren Café. Unter den alten, trüben Fenstern war ein Doppelbett platziert, daneben ein Schreibtisch, eine Couch und ein Tisch mit einem alten Fernseher, einem DVD-Player und Konsolen. Eine Shoji-Wand aus dunklem Holz und Papier fungierte als Raumteiler und halbierte den Dachboden in zwei Teile. Akira schob die Wand zurück und gestikulierte in den zweiten Raum, als Akechi fertig war, sich umzusehen. Er kommentierte den Zustand von Akiras Lebensraum nicht, aber Akira vermutete, dass er sicherlich luxuriösere Umgebungen gewohnt war.

“Hier zeichne ich,” erklärte Akira und deutete in das Innere des Raums. An der gegenüberliegenden Wand war ein einziges Fenster, dass das Studio mit Tageslicht — oder zu dieser Uhrzeit, mit dem gelblichen Licht der Straßenlaternen — erhellte. An der linken Wand war eine Chaiselounge mit durchgelegenem Polster und dunklem Rahmen aufgestellt. Die Wand gegenüber der Lounge wurde von einem hohen Regal ausgefüllt, in das verschiedene Boxen und Malutensilien gestopft waren. Ein paar Leinwände in unterschiedlichen Größen lehnten von allen Seiten daran und in der Mitte des Raums stand eine Staffelei mit einer reinweißen Leinwand, die nur darauf zu warten schien, bemalt zu werden. Daneben stand ein schmaler, einfacher Holztisch auf dessen Tischplatte einige Stifte, Paletten und Pinsel verstreut waren.

Unsicher ließ Akira seinen Blick zurück zu Akechi wandern, in der Hoffnung, aus seinem Gesicht etwas lesen zu können. Akechi ließ seinen Blick noch immer durch das Studio gleiten, mit einer Mischung aus Interesse und Neutralität, die Akira mit Erleichterung überkommen ließ.

“Wie genau werden unsere Sessions laufen?” fragte Akechi nach einer Weile.

Unsere Sessions. Musste er es so formulieren? Und dann auch noch in dieser hellen, warmen Stimme! Akira schob den Gedanken beiseite und betrat den Raum, während er Akechi deutete, ihm zu folgen. Er räusperte sich und versuchte, seinen klopfenden Herzschlag unter Kontrolle zu bringen, bevor er antwortete. “Wie gesagt, die Sessions laufen über mehrere Stunden. In den ersten zwanzig Minuten würde ich mit Aufwärm-Übungen starten, das sind einfache Skizzen von dir. Danach können wir mit den richtigen Zeichnungen beginnen,” erklärte er ruhig, ohne Akechi anzusehen. “In den ersten drei bis vier Wochen möchte ich einige Posen studieren, eine Farbpalette für dich festlegen und versuchen, ein Gefühl für di — für die Bilder zu bekommen.” Während er sprach, beruhigte sich sein Herzschlag wie von selbst. Er fühlte sich wieder mehr in seinem Element; über das Malen — seine Profession — zu sprechen, brachte ihm immer ein Gefühl von Komfort und Kontrolle. “Ich habe noch keinen genauen Plan für das Abschlussprojekt. Das ergibt sich hoffentlich mit der Zeit.” Er sah zu Akechi, welcher die Arme verschränkt hatte und ihn interessiert musterte. “Und? Bist du immer noch einverstanden?”

Für einen kurzen Moment huschte ein Ausdruck über Akechis Gesicht, den Akira nicht deuten konnte. Überraschung? Verwirrung? Er verflog so schnell wieder, wie er gekommen war und Akechis Mine verzog sich wieder zu etwas Neutralem. Er nickte langsam, ohne seine weinroten Augen von Akira zu nehmen. “Ja, bin ich. Ich… bin gespannt, was du vor hast. Wie gesagt, die Bilder, die ich von dir gesehen habe, haben mich beeindruckt.” Akechis Lob löste ein warmes Prickeln in Akira aus. Er fühlte, wie die Wärme in seine Wangen zurückkehrte. “Ich freue mich darauf, dein Modell zu sein, Kurusu-kun” sagte Akechi förmlich und streckte Akira seine Hand entgegen. Akira sah zwischen ihm und seiner Hand hin und her, bevor er danach griff. Seine Finger streiften leicht über Akechis Handrücken, und — seine Haut war so weich. Akechi zog seine Hand zurück und lächelte. “Gibt es sonst noch etwas, über dass wir vorher sprechen sollten?” fragte er.

“Wenn du sofort beginnen willst —” begann Akira und wartete auf Akechis Reaktion. Er nickte und Akira überkam eine Welle aus Erleichterung und Vorfreude. “— dann können wir sofort starten. Am besten du setzt dich auf die Lounge,” er deutete auf die Chaiselounge, auf deren Sitzfläche sich bereits die Umrisse der Sprungfedern abzeichneten. Akechi verzog das Gesicht ein wenig, wie im Café, als er von dem Kaffee probiert hatte. “Es ist bequemer als es aussieht,” sagte Akira mit einem aufmunternden Lächeln. “Aber — warte, hier,” sagte er, während er in eine Kiste neben der Lounge griff und eine große, weiße Decke hervorholte. Er breitete den weichen Stoff auf der Lounge aus, sodass die Spitzen den Boden berührten. Akechi nahm wortlos darauf Platz und Akira lächelte zufrieden. Er gewöhnte sich an Akechis Anwesenheit und als er sah, dass Akechi tatsächlich nicht abgeneigt war, entspannte er sich etwas. “Eines noch,” sagte Akira, während er sich neben Akechi sinken ließ. “Du musst nicht — also, nicht sofort — nackt sein.”

Akechi zog fragend eine Augenbraue nach oben. “Ist das nicht, wofür ich hier bin…?”

Akira unterdrückte ein leises Kichern, aber das Lächeln, dass seine Lippen umspielte, konnte er nicht zurückhalten. “Nein, nicht sofort. Für die Aufwärm-Skizzen musst du es generell nicht sein, und ich — ich will sicher gehen, dass du dich wohl fühlst und mit allem einverstanden bist. Du kannst dir Zeit lassen, bis — bis es für dich okay ist. Für heute kannst du angezogen bleiben, oder — oder du ziehst nur so viel aus, wie du willst. Kein Druck.”

“Kein Druck, also,” wiederholte Akechi. Er legte eine Hand an sein Kinn und tippte gegen seine Unterlippe. “Danke für die Erklärung,” sagte er nachdenklich. “Meinetwegen können wir beginnen. Sag mir einfach, was ich tun soll.”

*


Akira ersetzte die Leinwand auf der hölzernen Staffelei durch einen großen Skizzenblock. Das Papier war weiß und rein und weich, als Akira seine Fingerspitzen über die Oberfläche gleiten ließ und das Papier glättete. Über den Rand sah er zu Akechi. “Mach es dir bequem, die Pose ist erst einmal dir überlassen. Und wenn du eine Pause machen willst, sag mir Bescheid. Ich richte mich nach dir,” sagte er mit einem warmen Lächeln auf den Lippen.

Akechi tat, was er ihm sagte. Er öffnete den Reißverschluss seiner Strickjacke zur Hälfte und ließ die Ärmel nach unten gleiten, bis diese schlaff um seine Oberarme hingen. Mit dem Unterarm stützte er sich auf der äußeren Lehne der Chaiselounge ab und bettete eine Wange darauf, sodass sein Kopf schräg lag und die kurvige Linie seines schmalen Halses, entlang der Schultern, entblößte. Sein Haar fiel zum Teil in sein Gesicht und umschloss seine Wangen in sanften, karamellbraunen Strähnen. Er winkelte ein Bein an und legte die Wade auf das andere Knie, während er seine freie Hand locker neben sich platzierte. Er sah gleichermaßen müde und sinnlich aus, als er Akira mit halb geschlossenen Augen ansah.

“Das ist gut, danke,” sagte Akira etwas unbeholfen, unsicher, wofür er sich eigentlich bedankte. Er schnappte sich einen harten Bleistift und begann, Akechis Form zu skizzieren, beginnend mit der groben Form seines Körpers. Mit geübten, schnellen Bewegungen des Handgelenks zeichnete er die Umrisse seines Gesichts, die Linie seines Halses, entlang der Schultern. Als er die Skizze vervollständigt hatte, griff er nach einem weichen Kohlestift und begann, die Zeichnung mit Schatten zu vertiefen. Nach zwanzig Minuten hatte er seine Übung beendet und als er einen Blick über die Leinwand warf, sah er, dass Akechis Augen mittlerweile geschlossen waren.

Die Nervosität, die Akira bis dahin verunsichert hatte, verflog wie ein Blatt im Wind. Akechis Anblick war so… nah und verletzlich. Sein Atem ging regelmäßig und er schien in einen leichten Schlaf gefallen zu sein. So leise wie möglich legte Akira die Stifte weg und wischte sich seinen Hände an einem trockenen Handtuch ab, um seine Haut vom Blei und der Kohle zu reinigen. Langsam stand er auf und schloss die Distanz zur Lounge, auf der Akechi schlief. Er kniete sich vor Akechi und studierte sein perfektes Gesicht, bis er sich selbst gruselig vorkam. “Ich bin fertig,” sagte Akira, etwas leiser als nötig, aber laut genug, dass es Akechi durch die Barriere seines leichten Schlafs erreichte. “Wir können eine Pause machen,” fügte er hinzu, als Akechis Lider zu flattern begannen und er Akira aus müde-glänzenden Augen musterte. “Oder wir können für heute Schluss machen,” schlug Akira mit einem einseitigen Lächeln vor. “Du siehst müde aus.”

Akechi seufzte und rieb sich mit dem Handrücken über die Augen. “Entschuldige,” murmelte er leise, seine Stimme war ein kleines bisschen heiser vom Schlaf. “Wir können weiter machen. Ich verspreche, wach zu bleiben.”

Akira warf ihm einen skeptischen Blick zu. “Wie stehst du zu Kaffee? Ich bin gut darin, welchen zu machen — er wird besser schmecken, als der im Honey & Coffee,” versprach er. Als Akechi mit einem leichten Nicken zustimmte, richtete sich Akira auf und reichte Akechi eine Hand, welche er dankbar nahm. Akira zog ihn auf die Beine. “Perfekt, komm mit nach unten,” sagte er und führte Akechi durch den Dachboden, die Treppen nach unten. Er bemerkte erst, dass er seine Hand immer noch hielt, als er die letzte Treppenstufe erreicht hatte. Langsam löste er seine Finger aus Akechis. Mit einem leichten, roten Schimmer auf den Wangen verschwand Akira hinter dem Tresen aus glänzend-lackiertem, dunklen Holz. Er band sich eine moosgrüne Schürze um und kramte in einer der Schränke nach einer Tasse.

Akechi ließ sich auf einem der Barhocker sinken und beobachtete Akira aufmerksam, während er die Tasse auf der Bar abstellte, sich anschließend zu dem Regal voller Kafeebohnen umdrehte und nachdenklich die Etiketten musterte. “Wie hast du deinen Kaffee am liebsten?” fragte er über seine Schulter.

“Nicht zu süß, aber… wie ist der Begriff — fruchtig?” antwortete Akechi. Akira wendete sich wieder dem Regal zu und entschied sich schließlich für Crystal Mountain-Bohnen. Der Ablauf, die Bohnen zu mahlen und in einen Filter zu geben, hatte Akira schon lange verinnerlicht. Mit geübter Leichtigkeit übergoss er die duftenden Kaffeebohnen mit heißem Wasser. Als er fertig war, schob er die fruchtig-duftende Tasse zu Akechi über den Tresen.

“Danke dafür,” sagte Akechi mit einem Lächeln, dass etwas in Akira zum Schmelzen brachte. Schnell schluckte er das warme Gefühl in seiner Magengegend herunter und ignorierte die Hitze, die sich erneut den Weg in seine Wangen bahnte. Das war nicht der Moment, um darüber zu staunen, wie attraktiv sein Modell war —

“Also, wie bist du auf meinen Aushang gekommen?” fragte Akira locker, um die Stille zu durchbrechen und seine Gedanken von Akechis Lippen abzulenken, die sich sanft um das Keramik der Tasse wölbten. Akechi stellte die Tasse mit einem leisen Klick wieder vor sich ab, bevor er antwortete. “Ich war auf dem Weg zu einem Seminar. Es war mein erster Tag und ich habe mich verlaufen, also — uhm — es war Zufall.”

“Du studierst also… Oh! Wir studieren an derselben Universität? Aber —” Akira überlegte einen Moment und kratzte sich im Nacken, “— Hast du nicht einen Job? Und was studierst du?”

Akechi verzog das Gesicht ein wenig und Akira hatte Sorge, dass er eine Linie überschritten hatte. Er wollte nicht aufdringlich sein, aber — er konnte nicht leugnen, dass er neugierig war. Akechi war bis zu diesem Tag so… unerreichbar gewesen. Und jetzt — jetzt könnten sie sich jederzeit am Campus über den Weg laufen!
Bevor Akira eine Entschuldigung murmeln konnte, stieß Akechi ein leises Seufzen aus und ein müder Ausdruck huschte über sein Gesicht. “Schauspiel,” antwortete er. “Mein Manager besteht darauf, dass ich meinen Horizont erweitere. Beantwortet das deine Frage?” erwiderte er. Den letzten Satz sprach er weniger wie eine Frage aus und mehr wie einen schneidenden Hinweis, nicht weiter auf das Thema einzugehen. Akira nickte verständnisvoll und lächelte leicht. “Ich wollte dir nicht zu nahe treten,” sagte er entschuldigend. “Du musst nicht darüber reden, wenn du nicht willst. Aber wenn doch — ich höre dir zu.”

Überrascht sah Akechi auf; seine Lippen teilten sich und für einen Moment sah er aus, als würde er etwas sagen wollen, aber er blieb still. Stattdessen räusperte er sich und murmelte ein leises “Danke,” während sich seine Wangen in einem zarten Rot färbten. Akira gratulierte sich für den kurzen Triumph und wechselte das Thema, bis die Kaffeetasse leer wurde.

*


“Bist du bereit für den zweiten Teil der Session?” fragte Akira, als er Akechi zurück auf den Dachboden führte. Akechi nickte und ließ sich auf der Lounge sinken, während Akira hinter der Staffelei Platz nahm. Akira schlug das Papier seines Blocks um und bereitete sich auf eine neue Zeichnung vor, ordnete die Blei- und Kohlestifte neben sich, als er das Zippen eines Reißverschluss’ hörte. Neugierig sah er über den Rand des Blocks zu Akechi, welcher sich gerade aus der Strickjacke schälte. Er faltete den Stoff sorgsam zusammen und legte die Jacke auf den äußeren Rand der Lounge. Akira schluckte, als Akechi den Saum seines Baumwollshirts umfasste und den Stoff langsam anhob. Ein Schimmer cremeweißer Haut blitzte hervor und entblößte die Umrisse von leicht definierten Muskeln und die dunklen Schatten eines… Tattoo? Akechi ließ den Stoff wieder sinken, bevor Akira mehr erkennen konnte und Akira unterdrückte den Wunsch, danach zu fragen.

Er räusperte sich und Akechi sah zu ihm. Für einen Moment trafen sich ihre Blicke und Akira fragte sich, was Akechi in seinen Augen sehen konnte, ob er erkennen konnte, wie erstaunt Akira davon war, ihn sehen zu dürfen. Akechi blinzelte und wendete den Blick ab, und damit war der Moment gebrochen, bevor er zu etwas Intimerem wachsen konnte. Akira verschwand hinter der Wand seines Skizzenblocks, schüttelte den Kopf und klopfte sich ein paar Mal gegen die erhitzten Wangen, bevor er den Mut fand, Akechi wieder über den Rand der Staffelei hinaus anzusehen.

Akechi hatte währenddessen eine andere Pose eingenommen. Mit dem Rücken lehnte er an der äußeren Seite, ein Arm ruhte ausgestreckt über der Rückenlehne, während der andere locker um seinen unteren Bauch geschlungen war. Sein äußeres Bein war angewinkelt und der enge Stoff der Jeans akzentuierte seine definierten Oberschenkel, während das andere auf dem Boden ruhte, sodass seine Beine leicht gespreizt waren — Akira schluckte. Akechi hatte den Blick geradeaus gerichtet und konnte glücklicherweise nicht sehen, wie Akira seinen Mund nach einer viel zu langen Minute wieder schloss.

“Könntest du — uhm — dein Haar, es verdeckt dein Gesicht —” begann er unbeholfen und hoffte, dass Akechi verstand, was er wollte. “Streich es hinter dein Ohr — ja — perfekt, danke,” sagte er, als Akechi die langen, glatten Strähnen aus seinen Wangen hinter die gepiercte Ohrmuschel schob.

Akira atmete ein und aus, bevor er den Bleistift auf dem Papier ansetzte. Das Zeichnen fühlte sich dieses Mal anders an; einfacher. Als Akira den Bleistift auf der weißen Oberfläche des Papiers bewegte, verflossen die Gedanken an Akechi, die er sich ohnehin nicht erlauben durfte.
Das Skizzieren von Akechi fiel ihm erstaunlich leicht. Akira bildete Akechis Profil ab, die gerade Nase, die geschwungenen Lippen und die Kurve des Kinns, entlang des Halses zum Adamsapfel, der bei Akechi nur sehr wenig hervorstand, was seiner Form etwas Androgynes verlieh. Seine Schultern waren nicht so breit, aber definiert unter dem Stoff des Shirts und Akiras Herz machte einen Sprung vor Vorfreude, diesen Körper bald unverdeckt Zeichnen zu können —

Nein, nein, das war — unprofessionell. Er kam sich beinahe vor wie Yusuke; lechzend nach der Aufmerksamkeit seines Modells. Diese Vereinbarung war rein professionell, ermahnte sich Akira selbst, als er zum Schattieren überging. Rein professionell, wiederholte er gedanklich. Es ist nichts dabei, jemanden nackt zu zeichnen, nichts Erotisches, es geht nur um das Ergebnis, nur um die Zeichnung, nichts weiter.

Akechi hielt die Pose mühelos über eine Stunde lang aufrecht, ohne mit der Wimper zu zucken. Als Akira fertig war und ankündigte, dass Akechi sich wieder bewegen durfte, seufzte er erleichtert aus. Akira wischte seine Hände erneut an dem Handtuch ab, während Akechi seine Muskeln an den Schultern und Armen mit kreisenden Bewegungen massierte.

“Ist alles okay?” fragte Akira, als er Akechis verzogenes Gesicht bemerkte. Akechi nickte langsam, als er mit einer Hand über seine Schulter reichte und einen besonders verspannten Muskel zu punktieren schien. Mit einem mitfühlenden Lächeln erhob sich Akira von seinem Platz hinter der Staffelei und ließ sich neben Akechi sinken. “Wir können das nächste Mal mehr Pausen machen,” sagte er und erntete erneut nur ein zustimmendes Nicken von Akechi.

“Kann ich es sehen?” fragte Akechi nach einer Weile.

“Selbstverständlich,” antwortete Akira und reichte Akechi die ordentlich gefaltete Strickjacke. Akechi streifte sich den Stoff wieder über, als er sich erhob und einen Blick hinter die Staffelei warf. Gespannt beobachtete Akira jede Veränderung von Akechis Gesichtszügen, als er das Bild betrachtete. Seine Augen weiteten sich und ein Ausdruck von Überraschung legte sich auf sein Gesicht, gefolgt von Erstaunen. “Wow,” hauchte er in die Stille des Dachbodens, bevor er über den Rand der Staffelei zu Akira sah. “Das ist — wow — schöner als die meisten Fotos —” er stoppte und biss sich leicht auf die Unterlippe. “— du hast Talent,” sagte er und schien seine Worte tatsächlich ehrlich zu meinen. Akira überkam ein warmer Schauer.

“D-Danke,” sagte er. Lob hörte er ständig für seine Zeichnungen, aber — von Akechi klang es so süß, süß wie warmer Honig.

Akira gab ihm eine weitere Minute, die Zeichnung zu betrachten, bevor er auf die Uhrzeit auf seinem Smartphone sah und das Unvermeidliche aussprach: “Die Züge werden bald aufhören zu fahren.”

Akechi löste sich vom Anblick der Leinwand und nickte Akira zu. “Danke für deine Zeit, Kurusu-kun. Ich sollte jetzt gehen," sagte er höflich.

“Akira,” korrigierte er Akechi sanft. “Nenn mich Akira.”

Ein süßes Lächeln breitete sich auf Akechis Lippen aus. “In Ordnung. Akira —

Er hätte es ihm nicht anbieten sollen; seinen Vornamen zu hören, sendete ein Kribbeln über Akiras Nacken. “Nichts zu danken, Crow,” erwiderte Akira so locker wie möglich, als er Akechi nach unten begleitete. “Soll ich dich zum Bahnhof bringen?” fragte er plötzlich, bevor er die Worte herunterschlucken konnte.

Akechi kicherte leise und schüttelte den Kopf. “Nein, danke, ich finde selbst zurück,” sagte er. Akira öffnete die Tür des Café und warf einen letzten Blick auf Akechi, bevor er die Schwelle erreicht hatte. “Schreib mir, wenn du zuhause bist — oder, wenn du das nächste Mal Zeit hast, für — für eine Session,” sagte Akira und hoffte, dass Akechi nicht bemerkte, wie atemlos er klang.

“Danke, das werde ich,” erwiderte Akechi mit einem Zwinkern, bevor er das Leblanc verließ. Erst, als er außer Sichtweite war, erlaubte Akira es sich, seine Lungen wieder mit Sauerstoff zu füllen.

*


Akira.

Als Akira allein war und in die angenehme Stille auf dem Dachboden zurückkehrte, sich in die warmen Laken seines Betts gleiten ließ, tat er so, als wäre es nicht Akechis warme, sanfte Stimme, die seinen Namen wieder und wieder flüsterte, als er seine Hand unter den Bund seiner Pyjama-Hose gleiten ließ. In seinen Gedanken, versuchte er Akechis lange, elegante Finger, die sich so kunstvoll um den Henkel der Tasse gewickelt hatten, durch Kasumis schmale, weiche Hände zu ersetzen. Karamellfarbenes Haar, dass sich unter ihm auf den Kissen ausbreitete, ersetzte er durch purpurrote, lange Strähnen. Kasumi sollte seine Fantasien beherrschen, nicht — nicht Akechi

Das war falsch und unfair, aber —

Der vertraute, angenehme Druck in seinen Lenden, der seinen Höhepunkt ankündigte, wurde immer größer. Akira biss sich auf die Unterlippe, während eine einzelne Schweißperle an seiner Schläfe herunterrann.

Akira.

Akira zwang sich, an Kasumi zu denken; an ihre süßen, vollen Lippen, ihren Duft, nach Vanille, ihre — roten Augen —

Akechis weinrote Augen blitzten vor seinem geistigen Auge auf, glänzend und vor Lust geweitete Pupillen, die ihm entgegensahen, eine einzelne Träne im Augenwinkel, so verletzlich, so fügsam und wollend —

Akechi,” kam es über Akiras Lippen, als er kam. Schuldbewusst riss er seine Augen auf. Sein Brustkorb hob und senkte sich unter tiefen Atemzügen. Die Nachwellen seines Orgasmus ließen seine Oberschenkel leicht zittern. Das war nicht richtig, dachte er, als er sich aus dem Bett schwang und seine Hose wechselte. Das war nicht richtig, nicht richtig!

Das Vibrieren seines Smartphones riss ihn aus den Gedanken, die er schnell beiseite schob und tief in seinem Kopf vergrub, in der Hoffnung, dass das einzige Mal sein würde. Das einzige Mal. Er liebte Kasumi, also — also gab es keinen Grund, an Akechi zu denken —

Der Bildschirm leuchtete auf und kündigte einen eingehenden Anruf an. Kasumis Name leuchtete vorwurfsvoll in der Dunkelheit. Akira stieß ein Seufzen aus, bevor er den grünen Hörer nach rechts schob und den Lautsprecher an sein Ohr hielt.

“Hey, Liebling, du bist auch noch wach!” zwitscherte Kasumi am anderen Ende der Leitung. “Ich konnte nicht schlafen, und… ich musste an dich denken. Wie war dein Tag?” fragte sie mit zuckersüßer Stimme.

Akira schluckte. Was sollte er ihr sagen? Dass er seinen Teenager-Schwarm getroffen hatte, der sich zufällig dazu bereit erklärt hatte, sein Aktmodell zu sein? Akechi hatte zwar nicht explizit gesagt, dass Akira seine Identität verraten durfte, spätestens beim Zeigen der Bilder wäre das wohl offensichtlich, aber auf der anderen Seite — das war etwas, dass sie noch nicht besprochen hatten. Akira zwang sich zu einem Lächeln, während er ihr von seinem Treffen mit Crow erzählte. Er erwähnte nicht, wer Crow war, sondern nannte ihn weiterhin beim Code-Namen.

“Wieso erzählst du mir nicht, wer er ist? Ist es jemand, den wir kennen?” fragte Kasumi neugierig.

“N-Nein, ich — ich weiß nicht, ob Crow damit einverstanden ist,” entgegnete Akira wahrheitsgemäß und hoffte, dass Kasumi es dabei belassen würde.

“Oh, hm,” sagte sie nachdenklich. “Das verstehe ich. Aber — frag ihn doch, okay? Ich bin so neugierig! Und ich würde die Bilder so gerne sehen — ich bin mir sicher, dass sie toll aussehen werden!”

Ihr Optimismus entfachte ein warmes, angenehmes Gefühl in Akiras Magengegend. Sie war so süß, so liebenswert.

“Ich habe dich nicht verdient,” murmelte er laut und schlug sich eine Hand vor den Mund, als er bemerkte, dass er den Gedanken laut ausgesprochen hatte.

“Wie war das?” hakte Kasumi nach. Akira war sich nicht sicher, ob sie es tatsächlich nicht gehört hatte, oder ob sie wollte, dass er es wiederholt. “Nichts, Süße, ich vermisse dich auch,” sagte er stattdessen mit einem leisen, nervösen Ton. “Wir sehen uns bald, oder?”

Er meinte, Kasumis Lächeln hören zu können, als sie antwortete. “Natürlich! Und vergiss unser Doppel-Date nicht! Ich bin so aufgeregt —” sagte sie und verfiel in einen Monolog über ihre Vorfreude, Destinyland, Ann und darüber, dass Ryuji sie noch nicht kennen gelernt hat, obwohl sie und Akira bereits seit einigen Monaten offiziell zusammen waren.

Akira hörte ihr zu, summte ab und zu eine Antwort um Kasumi dazu zu motivieren, weiter zu reden, bis ihre Worte immer leiser wurden. Sie gähnte mehrmals und fragte, ob Akira ihr noch zuhören würde, aber das leise, ruhige Atmen auf seiner Seite des Hörers verriet ihn. Kasumi kicherte ein liebevolles 'Gute Nacht,' bevor sie das Telefonat beendete. Mit einem Ohr lag Akira noch immer auf dem Handy, auch, als er am nächsten Morgen aus einem traumlosen Schlaf aufwachte.


***


Ann fiel ihm aufgeregt um den Hals, als er sie vor der Universität traf. Akira stolperte ein wenig nach hinten, als er sie auffing und grummelte ein 'Guten Morgen' zurück. Wann immer er sich fragte, ob Anns Lächeln nicht noch breiter werden konnte, belehrte sie ihn eines besseren — sie grinste beidseitig beinahe bis zu den Ohren, als sie ihn aufforderte, ihr endlich von Crow zu erzählen.

Nervös kratzte sich Akira im Nacken, während er ihr dieselbe Halb-Wahrheit wie Kasumi auftischte: “Ich weiß nicht, ob Crow damit einverstanden ist, wenn ich dir seine Identität verrate.”

Im Gegensatz zu Kasumi war Anns Neugier größer als ihr Sinn für Privatsphäre, weshalb sie es nicht dabei beließ und ihm weitere Löcher in den Bauch fragte, denen Akira so geschickt es ging auswich. Er beschrieb Crow nur sehr vage; aber anhand Anns skeptischem Blick vermutete er, dass sie spätestens am Ende der Woche eine genauere Vermutung haben würde, wer Crow war.

“Also… ‘Crow’ ist männlich, brünett, attraktiv, und… studiert er hier?”

Akira schluckte. Bevor er Ann eine halbgare Ausrede entgegnen konnte, flackerte ein Ausdruck in ihrem Gesicht auf, den Akira nur allzu gut kannte. Ein Ausdruck, der sagte: Erwischt.

“Er studiert also auch hier! Natürlich, wie sonst wäre er auf deinen Aushang gekommen? Ausgezeichnet!” Sie klatschte einmal mit den Händen, als würde sie sich selbst gratulieren. “Okay, und weiter? Habt ihr gestern… Hast du ihn schon nackt gesehe — gezeichnet?” fragte sie mit großen Augen. Akira schob sie weiter in Richtung des Eingangs, um den verwunderten Blicken der anderen Studenten um sie herum zu entfliehen. “N-Nein, noch nicht,” antwortete er.

Ann verzog ihre Mundwinkel nach unten. “Hm, schade. Aber hey, spätestens, wenn du deine Arbeiten präsentieren musst, erfahre ich es ja,” zwitscherte sie zuversichtlich. “Und bis dahin — bis dahin kannst du mich ruhig auf dem Laufenden halten, hm?” sagte sie und stieß ihn leicht mit dem Ellenbogen in die Seite.

“Wovon redest du?” fragte Akira mit einem Stirnrunzeln, als sie die Universität betraten. “Ich habe eine Freundin! Du tust so, als würde —” als würde da etwas laufen.

Ann stoppte mitten im Foyer der Universität und drehte ihn zu sich um. Sie seufzte leise, als sie sagte: “Ich weiß, Akira, aber —” ihr Ausdruck wurde ernster. Sie sah nicht oft so aus; nur, wenn die Situation es wirklich erforderte. “— Kasumi-chan ist… wie soll ich sagen? Ihr beide seid total süß zusammen, und ich will dir nicht zu nahe treten, aber — ich habe manchmal das Gefühl, dass euch beiden etwas fehlt, weißt du?” Sie sah ihn aus großen, eisblauen Augen an, während sie nervös eine weißblonde Strähne zwischen zwei Fingern zwirbelte.

Akira öffnete den Mund, aber kein Wort wollte seine Lippen verlassen. Was… Was sollte ihnen fehlen? Kasumi war — sie war perfekt; süß, liebenswert, höflich und zuvorkommend. Sie — War sie unglücklich?

“Was meinst du?” krächzte er und räusperte sich anschließend.

Ann seufzte leise und ließ ihre Haarsträhne los, um sich stattdessen ihrem geflochtenen Zopf zu widmen. “Weißt du, ihr — ihr seid wirklich ein tolles Paar! Nur… du siehst sie manchmal so an, als würdest du… ich weiß nicht — sie nicht wirklich ansehen. Ich bezweifle nicht, dass du sie liebst, aber — vielleicht ist eure Liebe nicht… nicht so überwältigend!” sie schüttelte leicht den Kopf. “Ryuji… Wenn wir zusammen sind, kann ich an nichts anderes denken. Und ich vermisse ihn, wenn wir uns nicht sehen. Sogar jetzt, ein kleines bisschen,” sie seufzte tief. “Diese Art von Liebe wünsche ich mir auch für Kasumi-chan.”

Ihre Worte trafen Akira wie ein Pfeil durchs Herz. Er wollte etwas sagen, ihr widersprechen, irgendetwas entgegnen, aber — Ann kam ihm zuvor. Sie winkte ab und ersetzte den ernsten Ausdruck auf ihrem Gesicht durch ihr typisches, warmes Lächeln. “Weißt du, vergiss was ich gesagt habe. Ich bin mir sicher, dass ihr glücklich seid, aber — ich würde trotzdem zu gerne wissen, wer Crow ist!” Danach wechselte sie das Thema. Akira hörte ihr nur mit halbem Ohr zu, während sie ihn die Treppe hoch und durch die Gänge der Universität zu ihrem Seminar-Raum schleifte. Ihre Worte ließen seine Gedanken kreisen, um Kasumi, um das, was letzte Nacht passiert war.

Immer noch tief in Gedanken versunken, rauschte der Rest des Morgens an ihm vorbei wie ein Traum. Während Professorin Kawakami ihren Kurs begann, holte Akira einen halb-gefüllten Notizblock und sein Smartphone aus den Tiefen seiner Tasche hervor und legte beides vor sich auf den Tisch. Die Lehne des alten, harten Stuhls bohrte sich unangenehm in seinen Rücken, als er sich darauf zurücklehnte und sich anstrengte, Kawakamis Worten zu folgen. Mit dem Ende des Kugelschreibers tippte er gegen die Blätter des Notizblocks, wenn er nicht gerade Notizen aufschrieb. Irgendwann während der Mitte des Kurses leuchtete der Bildschirm seines Smartphones mit einer Pop-Up-Nachricht der Chat-App auf.

[Chat-Thread started, Mittwoch, 17.04.20XX, 11:38 Uhr]

Crow: Hey, Kurusu-kun, ich wollte mich für gestern bedanken :)
Crow: Du bist wirklich talentiert. Ich hoffe, ich bin ein akzeptables Modell?
Crow: Am Wochenende hätte ich das nächste Mal Zeit für eine Session. Sonntag, um genau zu sein.

Akira: Danke, du schmeichelst mir :)
Akira: Sonntag passt. Ist es okay, wenn wir uns im Leblanc treffen?

Crow: Ja, das ist okay.

Akira: Perfekt, dann schreib mir, wenn du da sein kannst.

Akira sah auf den Bildschirm, bereit, den Chat zu schließen, als die Nachrichten-Blase wieder und wieder unter Crows — Akechis — Seite auftauchte und wieder verschwand. Nach dem dritten Mal erhielt Akira eine neue Nachricht.

Crow: Ich hoffe, es macht dir keine Umstände, wenn ich frage, aber ich kenne mich in diesem Gebäude überhaupt nicht aus.
Crow: Würdest du mir vielleicht den Campus zeigen?

Oh. Das war unerwartet. Akira hatte nicht vermutet, dass Akechi sich außerhalb ihrer Sessions mit ihm verabreden würde. Sein verräterisches Herz machte einen kleinen Sprung, als er die Nachricht las. Mit dem Daumen verharrte er über der Tastatur, unsicher, was er antworten sollte. Würde Ann sie erwischen, würde sie Crows Identität entdecken. Schlimmer noch, sollte sie sich daran erinnern können, dass Akira ihr in der High School davon erzählt hatte, dass er Hals über Kopf in Akechi Goro verknallt gewesen war, würde es nicht lang dauern, bis sie eins und eins zusammengezählt hatte.

Andererseits, kannte er ihren Stundenplan.

Akira: Sehr gerne :)
Akira: Heute Nachmittag?

Crow: Ja, danke. :)

Akira schrieb Akechi, dass er vor dem Haupteingang auf ihn warten sollte, bevor er den Chat schloss und den Bildschirm sperrte.
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