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Mia Raloris

GeschichteAbenteuer, Action / P12 / Gen
13.04.2021
24.04.2021
9
9.019
1
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13.04.2021 902
 
„Wach auf!“ Mia wälzte sich und drehte ihr Gesicht zur Wand.
„Wach auf, Mia! Du hast zur ersten Stunde Schule“, sagte Lina jetzt schon deutlich lauter.
„Ja, ich komme“, antwortete Mia in der Hoffnung, dass Lina nicht merken würde, dass sie weiter im Bett lag. Und wirklich: sie hatte noch fast zehn Minuten Ruhe, bevor Lina wütend in ihr Kinderzimmer stürmte.
Lina war wütend, denn Sie zog Mia mit einem Ruck die Decke weg: „Steh jetzt auf, die anderen sind schon fast mit dem Frühstück fertig und du trödelst wieder rum.“

Missmutig stand Mia auf und schlurfte zum Frühstückstisch im Aufenthaltsraum der Wohngruppe.
Der Tisch war schön gedeckt, ein paar Frühlingsblumen standen in einer Vase auf dem Tisch. Aber das sah Mia nicht. Keiner mochte sie, auch wenn Lina und Maja, die beiden Hauptbetreuerinnen das immer wieder betonten. Sie hatte keinen besonderen Grund, sich zu beeilen und tat es daher auch nicht. „Hoffentlich spricht mich niemand an“, dachte Mia noch. Ihr missmutiges Gesicht bewirkte auch genau das. Keiner wollte von Mia angepflaumt werden und so ließen alle Mia in Ruhe frühstücken.
„Zieh Dich an und putz‘ Zähne!“, drängelte nur Lina kurz später, „sonst kommst Du wieder zu spät.“

Ja, das würde sie. Das plante sie sogar, denn die Schule macht Mia auch keinen Spaß. Die anderen Kinder spielten nicht mit ihr und die Lehrer mochten sie auch nicht.
Einmal hat ein Kind der Klasse einen neuen Füller verloren und dann überall erzählt, dass sie den gestohlen hätte. Danach wollte keiner mehr mit ihr spielen.
Den Füller hatte sie nicht genommen. Diesmal nicht.

Mia überlegte, was sie heute alles brauchte. Der Ranzen war noch nicht gepackt und Mia schob schnell die Bücher und Hefte hinein, die auf dem Stundenplan an der Wand unter Freitag standen. „Mist, Sport“, dachte Mia. Wirklich wichtig es nicht alle Bücher zu erwischen. Obwohl sie immer alle Bücher mit in die Schule bringen sollte, brauchten Sie die eher selten im Unterricht. Ihre Hefte brauchte sie auch nicht, weil sie nur selten die Hausaufgaben machte. Eigentlich nur, wenn Lina oder Maja sie dazu zwangen.  Und mitschreiben konnte sie auch auf Zettel.

Mia hatte schnell gemerkt, dass sie das Thema Hausaufgaben einfach umgehen konnte, in dem sie im Hausaufgabenheft immer nur Sätze wir „Arbeitsblatt fertig machen“ oder „Text lesen“ schrieb, anstatt der echten Hausaufgaben. In den ersten beiden Schuljahren hatte die Klassenlehrerin noch in der Wohngruppe angerufen und das Thema Hausaufgaben besprochen – inzwischen hatte sie längst aufgegeben. So hatte Mia schon viele Probleme gelöst: Lügen und nichts tun.

Außerdem hatten Lina und Maja sowieso nie richtig Zeit seit Josephine nicht mehr da war. In der Wohngruppe wohnten neun Kinder und es gab immer viel zu tun. Josephine die immer Josi genannt wurde, wenn sie da war und BufDi, wenn sie nicht da war, hatte ein Jahr lang in der Wohngruppe geholfen und war dann wieder verschwunden. Ganz plötzlich und ohne Verabschiedung. Genau wie Mama.

„Noch ein Tag!“, dachte Mia, während sie den schweren Ranzen und den Sportbeutel schulterte. Nächste Woche waren Ferien und sie durfte zu Oma fahren – da freute sie sich schon drauf.

Die Schule war nicht weit weg. Nur fünf Minuten zu Fuß, selbst wenn sie trödelte. Es war schwer absichtlich zu spät zu kommen, wenn Lina sie halbwegs rechtzeitig losschickte. Sie betrat mit dem Läuten der Schulglocke den Klassenraum. Frau Michael war noch nicht da und die anderen Schüler machten keine Anstalten sich hinzusetzen, solange noch kein Lehrer im Raum war.

Niemand beachtete Mia, niemand begrüßte sie. Sie ging mit ihrem schweren Ranzen zu ihrem Platz in der letzten Reihe, wo sie allein an einem der Zweiertische saß. Immer wenn sie an einer Gruppe Kinder vorbeikam, hörten diese sofort auf zu reden, damit Mia nicht hörte, was sie sagten.

„Noch ein Tag!“, dachte Mia. Sie ließ den Ranzen auf den Boden fallen und setzte sich hin. Obwohl sie den Ranzen zum Einzug in die Wohngruppe bekommen hatten, hatte er schon viele Löcher. Irgendwie machte es Mia Spaß, dass sie wenigstens an den Beschädigungen des Ranzens sah, dass sie lebte und eine Spur in der Welt hinterließ.

„Guten Morgen, Kinder!“, sagte Frau Michael und Mia begann aus dem Fenster zu sehen. „Noch ein Tag!“, dachte sie.

„Wir haben letzte Woche über Tropfsteinhöhlen gesprochen. Ihr erinnert Euch, dass Tropfsteine entstehen, wenn die im Wasser gelösten Mineralien immer wieder auf dieselbe stelle getropft werden und im Laufe vieler hundert Jahre wieder ausfällen. Wer weiß noch, welche Mineralien hauptsächlich aus dem Kalkstein gelöst werden und dann Tropfsteine bilden? Ja, Kerstin!“

Mia hörte nicht was Kerstin über Calcit oder Dolomit sprach, es war auch nicht wirklich wichtig. Irgendwann später, als jemand vorne im Klassenzimmer hustete, hörte sie wieder einen Augenblick zu.

„Dieses Material nennt man auch Porengrundwasserleiter. Wie ein Schwamm lässt es das Wasser nur langsam durch und filtert dabei Verschmutzungen und Bakterien heraus. Wenn der Berg innerlich aber schon verkarstet ist, kann das Wasser sehr schnell fließen. Das Oberflächenwasser dringt schnell in die Karsthöhle ein und nimmt allen Schmutz von oben mit ins Grundwasser. So schön also die Tropfsteine wie in unserem Beispiel in der Riesending-Höhle in Oberbayern anzusehen sind – das Grundwasser wird nicht mehr gefiltert. Die Landwirtschaft mit Dünger oder die Viehhaltung sorgt dann für die Verschmutzung. Was meint ihr, was man tun kann, um das Grundwasser sauber zu halten?“
Mias Gedanken drifteten gerade wieder weg und sie dachte daran, dass sie morgen zu Oma fahren würde.
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