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von Sigyn
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Genma Shiranui Hiruzen Sarutobi Iruka Umino Raido Namiashi
13.04.2021
10.05.2021
6
10.331
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
13.04.2021 1.496
 
Hallihallo :)

Ganz kurz vorab:
- Ich habe weder den Manga fertig gelesen noch den Anime gesehen. Daher können die Charaktere OoC sein o.O
- Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte und die Charaktere gehören selbstverständlich nicht mich, sondern Masashi Kishimoto.

Lasst gern Kritik und Anmerkungen da!

Und jetzt viel Spaß beim Lesen :)


Liebst,
Sigyn

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Hey, brother,
Do you still believe in one another?
[...]
What if I'm far from home?
Oh brother, I will hear you call.
What if I lose it all?
Oh sister, I will help you out
Oh, if the sky comes falling down
For you, there's nothing in this world I wouldn't do.

~ Hey Brother ~
~ by Avicii ~


Die Sonne schien partout nicht aufgehen zu wollen. Es war wohl auch besser, so war das Ausmaß der Zerstörung nicht bis ins kleinste Detail erkennbar. Genma reichte, was er vor sich sah.
Der Angriff des Kyuubis hatte Konoha komplett zerstört, alles lag in Schutt und Asche. So viele hatten ihr Leben gelassen, nicht nur Shinobi sondern auch unzählige zivile Bewohner Konohas. Der Senbon-Träger war mit seinem Team schon seit Stunden dabei, beim Bergen von Verletzten aber auch Toten zu helfen; die Trümmer mussten beseitigt werden und passable Übergangsheime für all jene errichtet werden, die ihr zu Hause verloren hatten. Trotz der enormen Fähigkeiten einiger Shinobi würde es wohl noch eine Weile dauern, bis das Dorf unter den Blättern wieder aufgebaut war.
„Genma!“ Er drehte sich um, da stand sein Sensei Akimichi Chouza. „Ruh dich aus, Junge. Ihr habt alle drei genug gemacht. Schlaft ein wenig.“ Der Angesprochene schob sein Hari von einem Mundwinkel zum anderen und wollte schon widersprechen, aber ihm fehlte die Kraft. Erst als sein Meister es ansprach viel ihm auf, wie müde und ausgelaugt er eigentlich war. Ein Blick zu seinen Teamkameraden zeigte ihm, dass es den beiden ähnlich ging: Ebisu ließ die Schultern hängen und rieb sich die Augen und Gai schien schon im Stehen zu schlafen. Er nickte seinem Sensei zu und setzte sich schwerfällig in Bewegung. Der klopfte ihm im Vorbeigehen auf die Schulter. „Ihr habt gute Arbeit geleistet.“
Müde nickte Genma erneut, nahm Gai am Oberarm und zog den jüngeren mit sich, während Ebisu neben ihm her stolperte. In den Trümmern der Akademie war eine behelfsmäßige Schlafhalle für die Shinobi eingerichtet worden, dort konnten sie sich hinlegen. Keiner der drei Jungen wusste, was aus seinem zu Hause geworden war.

Der Weg, den sie sonst innerhalb weniger Minuten zurücklegten, erschien Ebisu und Genma heute endlos. Maito Gai schlief tatsächlich und ließ sich willenslos vom Shiranui hinterherziehen. Sie liefen durch die mit Schutt bedeckten Straßen ihres Heimatsdorfes, so viel Elend und Zerstörung hatte noch keiner von ihnen jemals erlebt.
Aus dem Augenwinkel nahm Genma eine Bewegung war und drehte den Kopf leicht nach links. Seine Augen brauchten einen Moment, um sich zu fokussieren. Zuerst dachte er, er hätte sich getäuscht und nur einen ungewöhnlich geformten Schutthaufen gesehen. Auf den zweiten Blick erkannte er jedoch, dass dort ein Kind saß. Mitten in den Trümmern eines Wohnhauses hockte es und zitterte leicht. Der Senbon-Träger stieß Ebisu kurz an und übergab dem Brillenträger Gai. „Geht schon mal vor, ist ja nicht mehr weit“, murmelte er. Auf Ebisus fragenden Blick, deutete er auf die kleine Gestalt, die verloren im Dreck saß. Der schwarzhaarige nickte müde und schlurfte mit Gai davon.
Langsam bewegte sich Genma auf das Kind zu, bemüht, sein Kommen durch Geräusche anzukündigen. Aufgrund der schmalen Gestalt und der ziemlich langen braunen Haare glaubte er, ein Mädchen vor sich zu haben. Vorsichtig hockte er sich mit ein wenig Abstand vor das Kind und räusperte sich. „Hey“, meinte er und bemühte sich, seine Stimme vertrauensvoll klingen zu lassen.
Das Kind reagierte nicht, es sah auf seine Hände, die es um ein Foto gekrampft hatte. Von Zeit zu Zeit fiel eine Träne nach unten und benetzte die Unterschenkel des kleinen.
Genma versuchte es erneut: „Hey, kannst du mich hören?“ Er streckte die Hand aus, stupste vorsichtig gegen den dünnen, zerbrechlichen Arm. Schreckhaft fuhr der Kopf nach oben und aus großen, verweinten Augen wurde der Shiranui angestarrt.
Genma erschrak, ließ sich aber nichts anmerken: das Kind hatte eine offene, tiefe Schnittwunde, die einmal vertikal über seinen Nasenrücken verlief. Das Blut war ihm übers Gesicht geströmt, aber bereits getrocknet. Dennoch musste sich dringend jemand diese Verletzung ansehen. Durch die nun aufrechte Haltung konnte der Senbon-Träger auch einen Blick auf das Bild in der Hand des Kindes erhaschen. Ein dicker Kloß bildete sich in seinem Hals und er musste schwer schlucken: Umino Kohari und ihr Ehemann Ikkaku. Er selbst hatte bei der Bergung der Leichen geholfen. Demzufolge musste das vor ihm ihr einziger Sohn sein. Genma meinte sich zu erinnern, dass der Junge Iruka hieß. Kohari hatte von ihm immer mit sehr viel Stolz gesprochen.
„Iruka, richtig? Kommst du mit mir mit? Jemand muss sich das da mal ansehen“, startete der Bandanaträger einen dritten Anlauf und deutete mit einem Finger auf die Verletzung. <<Das würde eine bleibende Narbe hinterlassen.>> Iruka folgte Genmas Bewegung unbewusst und fasste direkt in die Wunde. Er zuckte leicht zusammen, zog die Hand zurück und besah sich das Blut auf seinen Fingern. Genma wartete geduldig, dass der kleine ihn wieder ansah. „Meine Eltern ...“, erklang die dünne Stimme Irukas. „Sie … sie sind ...“
„Ja“, bestätigte Genma ruhig. „Es tut mir leid.“ Iruka nickte und versuchte krampfhaft, das Zittern seiner Unterlippe zu unterdrücken.
Zwar lernte man als Shinobi, seine Gefühle zu kontrollieren und zu unterdrücken, jedoch blutete Genma das Herz bei dem Anblick. <<Iruka wird nicht das einzige Kind sein, dass durch den Angriff elternlos und traumatisiert zurückbleibt.>> Er rutschte vorsichtig auf den kleinen zu. „Na komm, ich bring dich zum Lazarett. Du kannst nicht hier sitzen bleiben.“ Iruka protestierte nicht. Auch nicht, als Genma ihn hochhob und sich auf den Weg machte. Stattdessen vergrub er sein Gesicht in Genmas verdrecktem Shirt und ließ den Tränen freien Lauf, das Foto mit seinen Eltern fest gegen sein Herz gepresst.

***


Beerdigungen waren furchtbar. Das Einzige was schlimmer war als eine Beerdigung waren mehrere Beisetzungen an einem Tag. Genma stand schweigend in der großen Menge an Shinobi, die sich zur Ehrung ihrer gefallenen Kameraden versammelt hatten. Die Genin standen weiter hinten, immerhin hatten die wenigstens von ihnen die verstorbenen Ninja sonderlich gut gekannt. Nur einzelne Ausnahmen durften nach vorn treten, z. B. wenn es sich um Familienangehörige handelte.
Genma schluckte und zupfte unauffällig an seinem Oberteil: das schwarze Shirt kratzte am Hals. Er wollte nicht hier sein, würde lieber in den Trümmern nach seinen noch immer vermissten Eltern suchen, obwohl er wusste, dass die Chance sie noch lebend zu finden, verschwindend gering standen. Ohne dass er es verhindern konnte, traten ihm die Tränen in die Augen. Er wusste, dass es sich gehörte hier zu sein, um den anderen Shinobi die letzte Ehre zu erweisen. Er wusste auch, dass ein Shinobi sich nicht von seinen Gefühlen beherrschen lassen sollte. Aber weder konnte er das Aufsteigen der salzigen Flüssigkeit in seinen Augen noch den Wunsch, dem Bergungsteam zu helfen, unterbinden.
Eine Hand legte sich auf seine linke Schulter und drückte sie sanft. Genma blinzelte und sah zur Seite. Raidou hatte die Augen geradeaus gerichtet und verstärkte nur den Druck seiner Hand als er den Blick des Shiranui bemerkte. Dankbar sah der Senbon-Träger ihn an, bevor auch er seine Aufmerksamkeit wieder nach vorn richtete.
Gerade wurden Abschiedsworte für Kohari-sensei und Umino Ikkaku gesprochen. Eine Person weiter vorn bewegte sich ein Stück zur Seite und gab den Blick auf einen schmalen Jungen mit langen braunen Haaren, die er zu einem Zopf trug, frei. Heftige Schluchzer schüttelten den kleinen, aber niemand ging zu ihm, um ihn zu trösten. Genma sog scharf Luft ein: Iruka sah so allein und verlassen aus. Am liebsten würde er nach vorn gehen und dem Jungen Trost spenden, so wie Raidou gerade für ihn selbst da war. Aber er durfte nicht, also blieb er stehen und sah melancholisch auf die kleine Gestalt, die ganz allein vorn am Grab der beiden Jonin stand.
Nach der Zeremonie verabschiedete sich der Hari-Träger kurz von seinen Teamkameraden und bedeutete Raidou, dass er nicht auf ihn warten sollte. Der Namiashi runzelte zwar die Stirn, nickte aber und ging. Genma schob sich durch die Menge und hielt nach Iruka Ausschau. Aber selbst nach dem sich die Menge der Trauernden zerstreute, konnte er den Jungen nirgendwo entdecken. Iruka schien wie vom Erdboden verschluckt.


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AN:

Btw der Titel ist inspiriert vom gleichnamigen Song von The Fray - als ich den gehört hab, kam mir die Idee und ich mag das Lied auch einfach sehr ;)

Und hier sind einmal die Artikel für Irukas Eltern ( ich weiß nicht, ob Kohari wirklich Sensei war - aber sie war Jonin, also könnte sie durchaus auch ein Genin-Team trainiert haben ;))  :

Umino Kohari: https://naruto.fandom.com/de/wiki/Kohari_Umino
Umino Ikkaku: https://naruto.fandom.com/de/wiki/Ikkaku_Umino
 
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