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Traces Of Light II - A New Dawn

GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / MaleSlash
Faustus Kain
12.04.2021
09.05.2021
6
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12.04.2021 7.937
 
TRACES OF LIGHT II: A NEW DAWN

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There's a silhouette that haunts me and I know I can't be saved
As the shapes are moving closer and my sanity derails
The reflection on the mirror shows me eyes that cannot see
And the calling of a vision alters my reality

In my head it ain't over
I surrender and give in to delusion deep within
It's in my head, taking over
And the only voice I hear is a prayer for release

(Soen : Lunacy)

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PROLOG

/ Eine neue Zeitlinie /

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„Genießt du diesen Anblick, Kain?“, fragt Raziel und trotz der Qualen schafft er es, seine Stimme anklagend klingen zu lassen wie eh und je.

„Bekämpfe es nicht, Raziel.“, antwortet Kain ruhig – Wie kann er nur so ruhig bleiben?! - und tritt näher an Raziels zuckenden Körper heran. „Gib dich geschlagen.“

„Hattest du…“ Raziels Stimme bricht weg und er keucht gequält auf. Er windet sich am Boden, in dem verzweifelten Versuch, den Reaver irgendwie abzuschütteln, der sich tief in seine Brust gebohrt und langsam damit begonnen hat, an seiner Seele zu zehren. Doch es ist vergebens. Es ist vergebens und es tut so weh! Der Schmerz droht, ihm die Sinne zu rauben, doch verbissen klammert er sich an der Wirklichkeit fest. „Hattest du mir dieses Schicksal zugedacht?“

„Vertrau mir.“, sagt Kain mit Nachdruck, und oh, wenn Raziel die Kraft dazu hätte, würde er ihm jetzt tausend Dinge an den Kopf werfen oder auch nur ein simples ‚Mein Vertrauen hast du schon vor Jahrhunderten eingebüßt, als du mich in den Abgrund warfst‘, doch er kann in Kains Augen erkennen, dass er sich all dieser Dinge bewusst ist. Er meint sogar, einen Anflug schlechten Gewissens in diesen Augen erkennen zu können, doch er schiebt es auf seine schwindenden Sinne. Das kann nicht sein. Und es DARF auch nicht sein. Es ist so einfach, Kain als Monster zu sehen, als die Personifikation all des Übels, das Raziel in seinem Leben widerfahren ist. Ein schlechtes Gewissen würde eine Menschlichkeit voraussetzen, die Raziel nicht bereit ist, Kain zuzugestehen. Nicht hier. Nicht jetzt. Vielleicht niemals.

Raziel spürt, wie er schwächer und schwächer wird, unfähig, länger durchzuhalten, und es spiegelt sich in seinen Bewegungen wider. Der Reaver hat einfach zu viel Kraft.

(…Es ist genug… Ich kann nicht mehr… Dann soll es halt so sein, lasst es geschehen... Ob ich dazu bereit bin oder nicht… Erlöst mich nur von diesen Qualen… Bitte…)

Und dann spürt er es. Spürt es im selben Moment, in dem Kains Augen sich weiten.

Ein stärker werdendes Schwindelgefühl und eine vertraute Verschiebung, die den ganzen Raum, ja die ganze Welt um sie herum zu erfassen scheint. Der paradoxe Moment, in dem seine doppelte Seele sich innerhalb und außerhalb des Reavers befindet.

Auf diesen Moment, den Schimmer einer Zeitverzerrung, hatte Kain die ganze Zeit gehofft – Das war die Kante der Münze, das kurze Aufflackern einer Wahrscheinlichkeit, auf das Kain alles gesetzt hatte.

Und Raziel sieht, wie sich tatsächlich so etwas wie Erleichterung auf Kains Zügen ausbreitet. Er will gerade seine letzten Kraftreserven für einen wütenden Kommentar zusammenkratzen, denn wie kann Kain es nur wagen, so etwas wie Erleichterung zu empfinden im Angesicht von Raziels Leiden, da zieht Kain mit einem Ruck den Reaver aus Raziels zuckendem Körper, und ohne sein Zutun löst sich ein Wimmern aus seiner Kehle, das gleichzeitig schmerzlich und kaum noch menschlich klingt. Befreiend und leidend und auch kläglich hilflos. So erbärmlich, dass Raziel voller Selbstironie gelacht hätte, besäße er nur die nötige Kraft dazu. Doch die hat er schon lange nicht mehr. Er kann nicht mehr sprechen. Er kann sich nicht einmal mehr aufrecht halten. Er sackt zu Boden und bleibt schwer atmend liegen.

„Jetzt bist du frei, dein wahres Schicksal einzufordern.“, sagt Kain noch mit einer Mischung aus Genugtuung und Triumph…, bevor seine Augen sich ängstlich, ja fast schon entsetzt weiten, als sich die Geschichte um das Paradox herum neu formt und die neue Zeitlinie endgültig in Kraft tritt.

Hinter Kains Augen kann er neue Erinnerungen blühen und sterben sehen und auch Raziel wird von ihnen erfasst: Erinnerungen, die gerade noch unumstößlich waren, ein fester Teil seiner Vergangenheit, sind plötzlich nicht mehr aktuell, nur noch eine veraltete Version und vielleicht nicht einmal mehr das. Eher wie ein Traum, der so nie wirklich passiert ist und der beim Aufwachen langsam von der Realität zurückgedrängt wird. Er lässt es über sich ergehen, Welle um Welle, ohne die Änderungen bewusst zu registrieren. Er ist nicht fähig dazu. Er sieht nichts als verschwommene Bilder, die sein geplagter Geist nicht zu fassen imstande ist. Und dann ist es auch schon wieder vorbei.

„Mein Gott…“, hört Raziel Kains Stimme am Rande seines Bewusstseins. Sie klingt seltsam atemlos. „Die Hylden… Wir sind in ihre Falle getappt…“

Kains Worte ergeben keinen Sinn… Raziel dreht seinen Kopf zur Seite, um Kain in die Augen schauen zu können, und sie sind groß, geweitet in Unsicherheit, Zweifel… und Angst? Raziel kann es nicht deuten, er ist auch gar nicht mehr fähig dazu. Er merkt, wie seine Verbindung zur materiellen Welt immer dünner und dünner wird und er hört noch Kains eindringliche Worte:

„Raziel, Janos muss-“

Doch dann stockt er mitten im Satz und Raziel driftet in die spektrale Ebene ab, ins Reich der Geister, als sein Körper letztlich doch zu schwach ist, sich länger in der physischen Welt zu halten.

Und dort wartet wie immer der Reaver auf ihn. Die spirituelle Klinge, seine eigene Seele, auf ewig an ihn gebunden. Und Raziel erkennt, dass er seinem schrecklichen Schicksal niemals entkommen würde.

Er hat es nur verschoben.

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You don't know me, you cannot hold me
You should have guessed that you can't control me
I raise my soul like a private army and I steel myself for war

Because I leaned real young, when you walk through hell
The devil can't buy what you won't sell
So I took my fear, reshaped and aimed
Because when the night caves in

No one will save you

(Parkway Drive : Shadow Boxing)

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KAPITEL 1

/ Der Weg zurück /

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Jahre werden zu Jahrzehnten.

Jahrzehnte werden zu Jahrhunderten.

Jahrhunderte ziehen sich in seinem Inneren zu Äonen.

Raziel lässt die Zeit an sich vorübergehen, hilflos.

Starr vor Angst.

Lähmende Furcht zwingt ihn zur Lethargie, während er stumm mit seinem Schicksal hadert.

Und die ganze Zeit über wird er verhöhnt von dem Wesen, das sich ihm einst als Retter offenbarte.

‚Das ist das Ende.‘, hatte Raziel gedacht, als sein früheres Ich leblos vor ihm auf dem Boden lag. ‚Der Kreis meiner Geschichte ist geschlossen.‘

Er hatte nicht ahnen können, dass diese Aussage sowohl vollkommen richtig als auch vollkommen falsch sein würde.

Raziel denkt zurück an diesen Moment, sieht ihn deutlich vor sich in all seiner entsetzlichen Klarheit. Da war diese furchtbare Erkenntnis: Nachdem alle anderen Gegner ausgesaugt waren, wandten sich die Schwerter gegen ihn und er erkannte, warum er nichts gespürt hatte, als Janos ihm den Reaver anbot. Er war nie als seelenraubende Waffe geschmiedet worden. Die seelenverschlingende Einheit, die in der Klinge saß, war, und war immer, Raziel selbst. Deshalb zerbrach die Klinge, als Kain sie auf ihn niederfahren ließ - Der Reaver konnte nicht seine eigene Seele verschlingen. Dieses Paradox zerstörte die Klinge…

Erneut breitet sich eine ohnmächtige Hilflosigkeit in seinem Inneren aus, verbunden mit einer Angst, die ihn fast zu zerreißen droht.

(…Soll das etwa mein Schicksal sein?! Eine gefräßige Seele zu werden, gefangen in der Klinge des Reavers? Das kann ich nicht ertragen. Ich kann es einfach nicht… Es ist zu viel…)

‚Ich schwöre dir ab‘, hatte Raziel zu seinem früheren Ich gesagt, als er dessen Körper mit dem Reaver durchbohrte. Doch es hatte noch so viel mehr hinter dieser Aussage gesteckt. Eine Doppeldeutigkeit, die der Sarafane vor ihm niemals hätte verstehen können. Oder vielleicht doch? Je länger Raziel darüber nachdenkt, desto unsicherer wird er. Die Augen des Sarafanen hatten sich in Unglauben und Erkenntnis gleichermaßen geweitet und er hatte die Hand nach ihm ausgestreckt, bevor er starb und hinab zu Boden sank. Was genau war es, das sich in diesen Augen gespiegelt hatte? Hatte sein früheres Ich im Augenblick seines Todes ein höheres Verständnis erlangt für die Ereignisse, die mit seinem Tode erst in Gang gesetzt wurden?

Raziel wird es niemals sicher wissen. Jede Erinnerung an sein früheres Leben ist unwiederbringlich verloren. Er war viel zu lange tot. Als Kain seine Überreste zu neuem Leben erweckte, war nichts mehr übrig von dem Menschen, der er einst war. Er war ein unbeschriebenes Blatt, ein Stück Ton, das Kain formen konnte, wie es ihm beliebte. Und Raziel war ihm blind gefolgt. Sie alle waren das, er und seine Brüder. Blutsbrüder im Leben sowie im Tod. Und trotzdem lieferten sie ihn bereitwillig ans Messer, als Kain ihnen den Befehl dazu gab.

Doch hätte er selbst so gehandelt…? Wären die Rollen vertauscht gewesen und Raziel hätte den Befehl erhalten, einen seiner Brüder den Abgrund hinunterzuwerfen, hätte er sich gegen Kain aufgelehnt? Wäre er für seinen Bruder eingestanden oder hätte er sich Kains Willen gebeugt, ohne seine Entscheidung zu hinterfragen? Er würde gerne Ersteres glauben, doch tatsächlich ist er sich mehr als unsicher. Je mehr er im Laufe seiner Reise über seine Vergangenheit erfuhr, desto mehr wurde er sich darüber bewusst, dass er kein guter Mensch gewesen war. Die Sarafanen waren nicht edel und gut, wie Möbius es ihn hatte glauben lassen. Sie waren auch nicht böse, keine Monster, und das macht das Ganze vielleicht sogar noch schlimmer. Es gibt keine einfache Lösung. Es gibt nicht Schwarz und Weiß in diesem Spiel, auch das ist ihm schmerzhaft bewusst geworden. Die Sarafanen waren verblendete Fanatiker, die blind für eine Sache kämpften, die sie nie zu hinterfragen gedachten. Er selbst kann sich davon nicht freisprechen. Er hatte so gelebt und war so gestorben, in der festen Überzeugung, das Richtige zu tun. Ebenso wie seine Brüder. Und als seine Brüder ihn später in den Abgrund stießen, taten sie das ebenfalls aus Überzeugung? Nicht aus Niedertracht oder weil sie von Grund auf böse waren, sondern einfach, weil Kain ihnen den Befehl dazu gab? Und macht das wiederum Kain zu einem Monster? Kain, der, wenn Raziel vollkommen ehrlich zu sich selbst ist, der Einzige war, der ihm je die Wahrheit gesagt hat?

Da sind so viele Fragen in seinem Kopf und je länger er darüber nachdenkt, desto mehr Fragen kommen hinzu. Er dreht sich im Kreis, so wie sein eigenes Schicksal sich stetig im Kreis dreht.

Janos muss…, hatte Kain gesagt, bevor Raziel in die Welt der Geister abgedriftet war.

Janos muss was…?

(…Janos muss zur Hölle fahren, sie alle müssen das! Kain! Möbius! Ariel! Der selbsternannte Gott, der mich aus unzähligen Augen anstarrt und mit seiner körperlosen Stimme verhöhnt, Jahr um Jahr, Jahrhundert um Jahrhundert!...)

Wut steigt in Raziel empor. Sie ersetzt schlagartig die Lethargie und verdrängt das ohnmächtige Gefühl von Hilflosigkeit, das viel zu lange sein Inneres beherrschte.

(…Ich hatte nie eine Wahl, nie! Sie alle sagten, ich sei der Einzige, auf den es ankommt, der Einzige mit einem freien Willen, doch warum fühlt es sich an, als wäre ich nie etwas anderes gewesen als ein Bauer auf einem verdammten Brett?!...)

Bebend vor Wut und in Anbetracht all der Ungerechtigkeit, die ihm je widerfuhr, richtet Raziel sich auf. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten erhebt er sich und richtet seinen Blick auf das Tentakelwesen, das vor ihm aufragt, in all seiner widerlichen, entsetzlichen Größe. Und erneut erkennt Raziel es als das, was es wirklich ist. Das Wesen kann sich einen Gott schimpfen so oft es möchte, doch Raziel kann hinter die Fassade schauen und was er da sieht, lässt ihn erschaudern. Ein Parasit. Ein Geschwür. Der wahre Grund, warum die Welt in Trümmern liegt und langsam verfault. Es war nie Kain, so wie man es ihn hatte glauben lassen. Es war nie Kain, der die Welt zum Untergang verdammte. So wie Raziel selbst war Kain nie mehr gewesen als eine Spielfigur auf dem Brett höherer Mächte. Er hatte das erkannt und alles darangesetzt, den Kreis zu durchbrechen. Hatte nach einem dritten Weg gesucht, nach der Kante seiner verdammten Münze. Er hatte sie letztlich gefunden… Doch um welchen Preis!

„Es ist deine eigene Feigheit, die dich hier hält.“, hatte der selbsternannte Gott ihm an den Kopf geworfen, jahrein, jahraus. Und er hatte Recht damit. Raziel weiß, welches Schicksal ihn erwartet, wenn er die Unterwelt verlässt. Irgendwo da draußen wartet der Reaver auf ihn…

(…Aber alles ist besser als diese Patt-Situation! Ich darf mich nicht länger verstecken! Ich muss mich meinem Schicksal stellen, all meinen Ängsten zum Trotz!...)

„Ich gebe auf.“, sagt Raziel also schließlich in gespielter Demut und senkt sein Haupt in Unterwerfung. Und der selbsternannte Gott springt darauf an wie ein halb verhungerter Hund auf ein Stück Fleisch.

„Sehr gut.“, hallt die tiefe Stimme des Parasiten in seinem Kopf wider. „Als Seelenräuber habe ich dich erschaffen, mein Todesengel, und in dieser Funktion kehrst du zurück. Gib deinem Hunger nach.“

Sofort schießen Raziel tausend Antworten durch den Kopf, die er seinem sogenannten Schöpfer an den Kopf werfen könnte. ‚Du hast mich nicht erschaffen. Du hast mich nur benutzt. Ich werde dir nicht länger dienen.‘ Er verkneift sich jeden einzelnen von ihnen und saugt stattdessen bereitwillig die Seele auf, die sich vor ihm materialisiert, wohl als Belohnung für seinen Gehorsam.

Als Raziel sich frisch gestärkt seinen Weg durch das geisterhafte Höhlensystem bahnt, in dem er für so lange Zeit gestrandet war, folgt die Stimme seines wohlwollenden Gönners ihm stetig und er fühlt sich beobachtet aus hunderten kleiner Augen, die ihn aus den Schatten heraus anstarren. „Vergiss nicht, du gehörst mir. Es gibt kein Entkommen.“

Dass der alte Parasit diese Worte so oft wiederholen muss, zeugt ganz offensichtlich von einer tiefen Unsicherheit, die er niemals bereitwillig zugeben würde. Er hat genauso viel Angst wie Raziel selbst. Mehr noch sogar. Angst vor Ungehorsam. Vor Auflehnung. Raziel erkennt, dass sein vermeintlicher Retter ihn zwar in jeder Zeitebene zu kennen scheint und auch weiß, was Raziel bereits erlebt hat, doch in all dieser scheinbaren Allwissenheit schafft er es nicht, Raziels nächste Schritte vorauszuahnen. Sei es nun seinem angeblichen freien Willen geschuldet oder nicht, die Tatsache bleibt und sie macht deutlich, dass der Parasit wohl doch nicht so gottgleich ist, wie er Raziel Glauben lassen möchte, und dass er auch in vielen anderen Punkten schlichtweg gelogen hat, vielleicht sogar in allen.

Schließlich stellen sich ihm die ersten Gegner in den Weg. Sluagh. Raziel erkennt sie schon von Weitem an den schmatzenden Geräuschen, die sie mit ihren breiten, spitzzahnigen Mäulern erzeugen und an den gelben, pupillenlosen Augen, die ihm aus der Dunkelheit entgegenleuchten. Sie sind spektrale Wesen der Unterwelt, die sich von verlorenen Seelen ernähren… Parasiten wie der selbsternannte Gott selbst, nur machen sie absolut keinen Hehl aus dieser Tatsache. Sie kommen auf Raziel zugekrochen, in geduckter Haltung schlurfend, die spitzen Klauen nach ihm ausgestreckt.

Sie sind keine Gegner für ihn. In großer Zahl könnten sie ihm vielleicht gefährlich werden, wenn er den Fehler beginge, sich von ihnen einkesseln zu lassen, doch die wenigen erbärmlichen Kreaturen, die ihm den Weg versperren, sind leichte Beute für ihn. Und auch wenn Raziel weiß, dass jede Seele, die er aufsaugt, dem Feind direkt in die Hände spielt, so kann er doch nicht umhin zu bemerken, wie seine Kräfte stetig wachsen. Die Seelen regenerieren seinen Körper, wie es früher das Blut tat, als er noch ein Vampir war.

„Wohin willst du eigentlich?“, erklingt erneut die Stimme seines barmherzigen Retters in seinem Kopf, doch Raziel ignoriert sie geflissentlich. Solange, bis ihm jeder mögliche Weg von Tentakeln versperrt wird, die allgegenwärtig erscheinen wie all die blauen Augen mit ihren senkrechten Pupillen, die jeden seiner Schritte verfolgen… Doch Raziel lässt sich nicht beirren. Seine neugewonnene Kraft in Verbindung mit der längst überfälligen Überwindung seiner langen Angststarre geben ihm eine schier unerschöpfliche Zuversicht und Energie. Er nutzt seine Klauen, um Felswände zu erklimmen und seine zerrissenen Flügel, um über Abgründe hinwegzugleiten und als sein wohlwollender Gönner immer vehementer versucht, ihn aufzuhalten, weiß Raziel, dass er auf dem richtigen Weg ist. Er weicht den Tentakeln beinahe beiläufig aus, die harmlos über oder unter ihm hinweggleiten und in die Felswände krachen, in der materiellen wie in der spektralen Welt gleichermaßen wie es scheint, denn es regnet Trümmer und Gesteinsbrocken, was in der Welt der Geister sonst nicht möglich ist.

Mit einem letzten weiten Sprung klammert sich Raziel an eine Felswand, zieht sich mit seinen Klauen an ihr empor und rollt sich über die Oberkante, bevor die Tentakel an ihm vorbeischießen. Raziel kann ihren Lufthauch spüren, doch sie treffen ihn nicht, stattdessen krachen sie gegen die Höhlendecke und lassen eine Lawine aus Schutt und Geröll hinabregnen. Die Tentakel werden davon getroffen und hinab in die Tiefe gerissen. Ein Aufschrei der Wut hallt in Raziels Kopf wider, der ihm mehr als alles andere bestätigt, dass seine Flucht wohl nicht vorherbestimmt war… Sonst hätte sein edler Meister nicht versucht, ihn aufzuhalten.

Unbehelligt setzt Raziel seinen Weg fort, bis er schließlich – Endlich! – einen der Punkte erreicht, an dem es ihm möglich ist, in die materielle Welt zu wechseln.

Doch egal wie oft er es versucht und wie sehr er sich auch konzentriert, er bleibt in der Geisterwelt gefangen, und schließlich hört er den selbsternannten Gott in seinen Gedanken lachen. Erneut muss er eine Tirade an Spott über sich ergehen lassen und die Worte: „Als Geist kannst du mir genauso gut dienen.“

Doch anstatt seine Energie für einen Konter zu verschwenden, setzt Raziel seinen Weg fort, als hätte er nicht soeben einen herben Rückschlag erlitten. Er ist sich seiner Sache nach wie vor sehr sicher und weiß, dass der alte Parasit ihm bloß aus Furcht seinen Zugang zur materiellen Welt verwehrt hat. Weil er nicht weiß, was als nächstes geschehen wird. Und weil er fürchtet, das Blatt könnte sich gegen ihn wenden.

Immer höher und höher geht es für Raziel, bis das Höhlensystem schließlich in Katakomben übergeht, die schließlich an die Oberfläche münden… Und er findet sich auf einem alten Friedhof wieder, die einst prächtigen Grabmäler und Mausoleen halb verfallen und von Efeu umwuchert. Die Geisterwelt verkrümmt und verzerrt die Gebäude zusätzlich, in ewiges Zwielicht getaucht macht sie aus dem Ort etwas Bedrohliches, beinahe Bösartiges.

Auch hier an der Oberfläche stellen sich ihm Sluagh in den Weg und Raziel trifft noch auf eine andere Art von Kreatur: Schwebende Wesen mit glatter, bläulich schimmernder Haut und einem flachen Kopf mit mehreren leuchtend grünen Augen über einem breiten Maul voll kleiner, scharfer Zähne. Ihr Unterkörper endet in Tentakeln und ihre Oberarme enden in sichelförmigen Auswüchsen, mit denen sie ihre Gegner umklammern und an Ort und Stelle halten können, um sie dann zu verschlingen. Sie ignorieren Raziel völlig, fressen jedoch umherirrende Seelen und greifen sogar die Sluagh an, sollten sie ihnen zu nahekommen. Und wie kaum etwas anderes zuvor halten diese Kreaturen Raziel den Spiegel vor: Genau wie sie existiert Raziel bloß, um dem selbsternannten Gott seine Seelen zu beschaffen. Denn ihre Energie allein ist es, die ihn und sein Rad des Schicksals antreiben… Raziel erschaudert, wenn er daran denkt, dass er selbst wie diese Monster werden könnte, sollte es ihm nicht gelingen, einen Weg in die materielle Welt zu finden. Das kann nicht sein Schicksal sein. Er muss einen Weg finden, der Geisterwelt zu entkommen, denn nur dann hat er die Chance, seine wahre Bestimmung zu finden oder sie sogar zu verändern... Es muss doch eine Möglichkeit geben, dieses Band zu trennen!

Letztendlich ist die Lösung denkbar einfach.

In einer Krypta findet Raziel einen Leichnam, von dem sich modernde Gase erheben. Eine Art spiritueller Sog erfasst ihn und Raziel erkennt ihn als Weg in die materielle Welt. Wenn auch auf die wohl unkonventionellste und auch abstoßendste Art, die er sich hätte ausmalen können. Er springt hinunter in das Grabmal und wird in der materiellen Welt wiedergeboren. Seine Seele fährt in den stark verwesten Leichnam, der unter heftigem Zucken und dem Brechen und Verformen alter Knochen Raziels Gestalt annimmt. Der Prozess ist sehr unangenehm und auch schmerzhaft, wobei der Schmerz nicht mehr als ein dumpfes Pochen ist im Vergleich zu der Todesqual, die er damals im See der Toten empfand, oder auch der Agonie, als der Reaver ihn durchbohrte und an seiner Seele saugte.

Er gewöhnt sich schnell an seinen neuen Körper und verlässt die Krypta, nur um vor ihren Toren auf eben jene blauschimmernden, schwebenden Kreaturen zu treffen, die er schon vorher bemerkt hatte. Hatten sie ihn zuvor noch ignoriert, so stürzen sie sich nun regelrecht auf ihn und Raziel erkennt zwei Dinge: Wie Raziel selbst ist es den Wesen möglich, zwischen der spektralen und der materiellen Welt zu wechseln, und dies ganz offensichtlich bloß mit der Erlaubnis des alten Parasiten. Ein letzter, wenn auch zweckloser Versuch, Raziel aufzuhalten und zurück in die Welt der Geister zu zwingen. Die Wesen stellen eine größere Herausforderung dar als die Sluagh, allein schon aufgrund der großen Reichweite ihrer langen, sichelförmigen Extremitäten und aufgrund der Tatsache, dass sie auch in der materiellen Ebene schwerelos in der Luft schweben können, doch Raziels Geisterklinge, seiner eigenen, an ihn gebundenen und gefräßigen Seele, sind die Gegner dennoch nicht gewachsen.

Als Raziel sich vollends seiner neuen Umgebung gewahr wird, erkennt er im Hintergrund die Säulen von Nosgoth, dunklen Schemen gleich treten sie aus dem Nebel hervor, der über der Erde liegt. Und als er den Friedhof endlich hinter sich lässt und auf Vampirjäger trifft, weiß er auch, in welcher Zeit er sich befindet. Es sind keine Sarafanen, die sich ihm in den Weg stellen, keine Ritter in edler Rüstung, sondern bloße Söldner, und Raziel erkennt sie zweifellos als jene, die Möbius für seinen Kampf gegen die Vampire angeworben hatte, nachdem Kain William den Gerechten tötete und somit zum Märtyrer machte. Knapp fünfhundert Jahre hat Raziel in der Unterwelt verbracht, lethargisch, von seinen inneren Ängsten zur Handlungsunfähigkeit gezwungen. Aber nicht länger! Er ist zurück und es verlangt ihn nach Antworten! Nach all den Halbwahrheiten und glatten Lügen, mit denen man ihn in der Vergangenheit abspeiste und zu manipulieren versuchte, will er endlich wissen, was hier eigentlich los ist. Und ob es eine Möglichkeit gibt, sein grausiges Schicksal noch abzuwenden, auch wenn die Antwort sich so ganz offensichtlich an seinen Unterarm klammert…

Raziel erinnert sich unwillkürlich an ein Wandgemälde, auf das er bei seiner Suche nach Antworten einst stieß. Es zeigte Vorador, der den Reaver schmiedet, umgeben von blauhäutigen Urvampiren. Und Raziel realisiert, dass der grünhäutige Vampir in dieser Zeit noch leben muss. Er ist ihm bereits einmal begegnet. Damals, im Sumpf, sagte Vorador ihm, dass er wüsste, wer er ist, doch dass es keine Rolle mehr spielt. Da er zu spät sei. Er verwies Raziel mit seinen Fragen an seinen Schöpfer Janos Audron, doch vielleicht hat er ihm nicht alles gesagt, was er wusste. Wenn Vorador den Reaver geschmiedet und Raziels Schicksal somit in Gang gesetzt hat, weiß er vielleicht auch, wie man es wieder abwenden kann.  Raziel weiß nicht, wo Vorador sich zu diesem Zeitpunkt befindet, doch er weiß, wen er diesbezüglich zu Rate ziehen kann…

An den Säulen von Nosgoth, deren Verfall bereits eingesetzt hat, trifft er auf den Geist von Ariel. Sie scheint ihn nicht zu kennen, und mehr noch: Sie hält ihn für einen Diener der bösen Mächte, die Ariel einst erschlugen und, wie sie es formuliert, diese Tragödie damit in Gang setzten. „Aber es gibt immer noch Hoffnung.“, sagt sie beinahe verträumt, während ihr ruheloser Geist rastlos die brüchigen Säulen umkreist. „Ich berate nur einen Vampir und du wirst ihn bald kennenlernen. Er wird dein Volk ausmerzen.“ Und Raziel hätte bei diesen Worten beinahe laut aufgelacht. „Ihr habt all eure Hoffnung auf Kain gesetzt.“, sagt er und ist beinahe selbst überrascht darüber, wie verbittert seine Stimme eigentlich klingt. „Er wird euch enttäuschen.“

Davon will Ariel natürlich nichts wissen. Sie glaubt fest daran, dass Kain sein Opfer bringt, wenn es soweit ist, doch Raziel vermutet in ihren Worten mehr Angst als echte Überzeugung. Ariel weiß genau: Wenn Kain sich nicht opfert, bleibt sie für immer an die Säulen gefesselt. Und langsam aber sicher beginnt sie zu zweifeln… Sei es wie es ist, Ariel mag Raziel verteufeln und ihre Zweifel verleugnen so viel sie mag, letztlich erweist sie sich dennoch als nützlich. Denn sie kennt Voradors Aufenthaltsort und teilt ihn bereitwillig mit: Im Herzen des Termogent Waldes soll er sich verstecken und „möget ihr dort vermodern, bis das Ende kommt.“

Ariels Worte berühren ihn nicht. Ebenso wenig wie ihr trauriges Schicksal, an dem auch ihre verzweifelte Hoffnung nichts mehr zu ändern vermag. Doch in gewisser Weise erinnert Raziel sie an ihn selbst. Wird er nicht auch von der verzweifelten Hoffnung angetrieben, sein Schicksal verändern zu können, auch wenn er es eigentlich besser wissen müsste? Er versucht, diese Gedanken zu ignorieren, während er den Säulen den Rücken kehrt und sich schließlich seinen Weg durch die dunklen Tiefen des Termogent Waldes bahnt.

Natürlich fängt es auf seiner Suche nach Voradors Versteck an, zu regnen, und als er das verlassen wirkende Anwesen schließlich erreicht, ist ein Gewitter in vollem Gange. Blitz und Donner wechseln sich ab und das Gebäude und der Wald drumherum werden abwechselnd in gleißend helles Licht und tiefe Dunkelheit getaucht. Der Haupteingang ist versperrt, doch das stellt für Raziel natürlich kein Hindernis dar. Er findet einen Weg ins Innere und durchstreift die leeren Hallen bis er endlich, ganz tief unten im Kellergewölbe, auf den grünhäutigen Vampir trifft. Er sitzt auf einer Art Thron, ein langes, geschwungenes Schwert in den Händen, so als hätte er bereits auf ihn gewartet. Auf ihn oder auf Möbius‘ Häscher, die ihm in einem unvermeidbaren Kampf gegenübertreten.

„Ah, unser erbärmlicher Erlöser kehrt zurück.“, sagt Vorador. Seine Stimme klingt trocken, beinahe desinteressiert. „Kommst du, um an der letzten Schlacht der Vampire teilzunehmen?“

„Ich komme nicht um zu kämpfen, Vorador.“, entgegnet Raziel schlicht, was Vorador mit einem Zucken seiner Mundwinkel zur Kenntnis nimmt und mit den Worten: „Du weißt also nicht, warum du hier bist.“

„Ich weiß nur so viel.“, beschließt Raziel, direkt auf den Punkt zu kommen. Wer weiß schon, wie viel Zeit ihnen noch bleibt. „Du bist der Verfasser meines Schicksals, also kannst nur du es umschreiben.“

Diese Worte bringen Vorador tatsächlich zum Lachen. „Du überschätzt mich.“, sagt er und Raziel kneift seine Augen zusammen. „Du hast den Reaver geschmiedet, ich sah den Beweis.“, sagt er mit Vorwurf in der Stimme. „Also kennst du seinen Zweck!“

„Falsch.“, sagt Vorador unbeeindruckt. „Ich kenne nur den Teil der Prophezeiung, in den mich mein Meister eingeweiht hat.“

„Und erklärt dieser Teil, warum du eine Waffe geschmiedet hast, die deinen Erlöser verschlingt?“, hakt Raziel nach und muss zu seinem Entsetzen feststellen, dass seine Stimme beinahe trotzig klingt.

Falls Vorador diese Erkenntnis überrascht, lässt er es sich nicht anmerken. Er gibt sich weiter unbeeindruckt. „Ah, gut. Offenbar ist das die Antwort. Du hast deinen Weg gewählt.“

Vermutlich ist Vorador wirklich alles egal. Er glaubt nicht daran, dass noch Hoffnung für die Vampire besteht. Er hat sich mit seinem Untergang abgefunden und Raziel wusste das bereits. Und doch steigt erneut Wut in ihm empor angesichts dieser Gleichgültigkeit gegenüber seinem Schicksal. „Ich habe gar nichts gewählt!“, ruft Raziel. „Ich wurde ständig getäuscht. Du scheinst zu wissen, was ich bin. Sag es mir!“

Vorador blickt Raziel lange und intensiv an, während der bebend vor ihm steht. „Das dachte ich einmal…“, sagt er dann langsam und nicht ohne Bitterkeit in der Stimme. „Aber keine der Prophezeiungen ist eingetreten. Die Säulen verfallen. Ich bin der letzte meiner Art, abgesehen von Kain. Und der…“ Vorador seufzt und scheint sichtlich in sich zusammenzusinken. „Der trägt wohl eine größere Bürde, als er ahnt. Ich kann dir nicht helfen, selbst wenn ich es wollte. Ich habe den Reaver erschaffen, doch nur auf Geheiß meines Meisters, Janos Audron. Ich vermag nicht zu sagen, mit welchem Zauber er und die anderen das Schwert danach belegt haben.“

Raziel schüttelt seinen Kopf. Wenn er hier keine Antworten findet, war alles umsonst. Er hat so viel auf sich genommen, um hierher zu finden. Vorador muss etwas für ihn haben, irgendetwas. „Janos wollte mir den Reaver geben, bevor er starb.“, hakt er nach. „Er sagte, der Reaver wurde für mich geschmiedet. Was meinte er damit? Als meine Waffe oder mein Gefängnis?“

Erneut schweigt Vorador für eine Weile und mustert Raziel mit einem eigenartigen Blick. „Vielleicht solltest du ihn das selbst fragen…“, sagt er schließlich. Und Raziel kann seinen Ohren nicht trauen.

„Er ist hier?!“, fragt Raziel erstaunt und mit einer Hoffnung, die er lange nicht empfand. „Janos Audron ist hier?“

Doch natürlich sprach Vorador nur von seinem Leichnam. Raziel schimpft sich in Gedanken einen Narren, als der grünhäutige Vampir ihn in die Krypta führt, in welcher der Körper des Urvampirs aufgebahrt liegt, reglos inmitten flackernder Kerzen, die Augen geschlossen und die Hände über der noch immer blutverkrusteten Brust verschränkt. Raziel denkt an den furchtbaren Augenblick zurück, in dem sein jüngeres Ich die Klinge auf Janos hinunterfahren ließ und das noch pochende Herz mit bloßer Hand aus dem Brustkorb riss. Der Moment, in dem er die schreckliche Ironie seiner eigenen Vergangenheit erkannte. Janos sieht noch genauso aus, wie damals. „Kein Zeichen des Verfalls…“, sagt er wie zu sich selbst. Wie ist das möglich?“

„Irgendwo schlägt sein Herz noch heute.“, sagt Vorador leise. „Und solange es pocht, wird sein Körper erhalten. Wenn wir es hätten… Dann könnte Janos vielleicht sogar wiedererweckt werden.“

Raziels Augen weiten sich. Erneut regt sich so etwas wie Hoffnung in seinem Inneren. „Wo ist es jetzt?“, fragt er seltsam atemlos. Wenn ihm jemand Antworten liefern kann, dann Janos. So wie es damals schon hätte sein sollen, als die Sarafanen ihre Unterhaltung so jäh unterbrachen. „Hast du irgendeine Ahnung, wo es sich befinden könnte?“

„Das habe ich, ja.“, sagt Vorador. „Es wurde vor hunderten von Jahren als Trophäe in die Kathedrale von Avernus gebracht. Sie haben es das Herz der Dunkelheit genannt, ein Symbol unserer dunklen Gabe, und sie haben es gut versteckt, damit es nicht in die falschen Hände gerät… Unsere Hände. Ich habe oft danach gesucht, doch vielleicht kannst du schaffen, was ich nicht vermochte. Eines ist sicher: Wenn du Janos erweckst, bekommst du Antworten auf all deine Fragen.“

Entschlossen und voll neu gewonnener Zuversicht verlässt Raziel Voradors Anwesen und begibt sich nach Osten. Es ist nicht weit bis nach Avernus. Er kann den Rauch riechen, noch bevor er den Termogent Wald verlassen hat, und er sieht die Flammen, die den Nachthimmel hell erleuchten, noch bevor er die Stadt erreicht.

Die Stadt brennt. Sie brennt lichterloh.

Raziel sucht in seinem Gedächtnis nach den Zusammenhängen und wird schnell fündig. Kain selbst hatte ihm von diesem Ort erzählt. Dem Ort, an dem er einst den Soul Reaver fand. Ariel schickte ihn nach Avernus, um Azimuth zu besiegen, die Hüterin der Dimensionen. Laut Kain war sie fähig, Tore zwischen verschiedenen Dimensionen zu öffnen und Dämonen zu beschwören. Weiterhin soll sie in Avernus eine Art religiösen Kult angeführt haben, tief im Herzen der Kathedrale… Doch der Wahnsinn der Hüterin kam die Bewohner der Stadt teuer zu stehen, da die Dämonen, die sie beschwor, sich gegen jene wendeten, die Azimuth so inbrünstig verehrten. Als Kain Avernus erreichte, brannte die Stadt bereits. Kann es Zufall sein, dass Raziel die Stadt zu eben jener Zeit erreicht, in welcher der junge Kain seinen Kampf gegen die Hüter beschreitet? Ist es von Bedeutung oder einfach nur ein unwichtiges Detail? ‚Wer bewegt die Figuren in diesem Spiel?‘ Diese Frage stellt sich Raziel nicht zum ersten Mal und wie immer findet er keine Antwort.

Eine Kakophonie aus Schreien dringt an sein Ohr, begleitet vom Lodern der Flammen, dem Knacken und Krachen von Holz, das in sich zusammenbricht, und dem fernen Läuten von Glocken. Inmitten des Chaos ragt die Kathedrale empor, ein mächtiges Gebilde aus weißen Steinen, das den Flammen zu trotzen scheint. Doch wer weiß, wie lange noch. Kain berichtete davon, dass die Kathedrale vollständig niederbrannte. Wer oder was auch immer hier die Fäden zieht, eines ist sicher: Raziel darf keine Zeit verlieren.

Er bahnt sich seinen Weg durch die brennende Stadt und erreicht die Kathedrale weitestgehend unbehelligt. Es handelt sich um ein wahrlich imposantes Bauwerk, von innen sogar noch strahlender und weitläufiger, als es von außen den Anschein erweckt, doch Raziel hat seinen Sinn für Schönheit schon vor langer Zeit verloren. Da er nicht weiß, wo er mit seiner Suche nach dem Herz der Dunkelheit starten soll, beschließt er, die Kathedrale systematisch zu durchsuchen. Doch erst auf den unteren Ebenen stößt er auf wirkliche Erkenntnisse. Diese kommen ihm wie so oft in Form eines Wandgemäldes, das erstaunlich gut erhalten ist. Es zeigt Urvampire, die eine Art Zyklus durchlaufen. Ein Zyklus von Tod und Wiedergeburt, angetrieben von einem sich stetig drehenden Rad… Das Rad des Schicksals.

Plötzlich wird Raziel einiges klar: Nicht der Blutdurst war der eigentliche Fluch gewesen, der den Urvampiren von ihren Feinden auferlegt wurde. Die Unsterblichkeit war es, denn sie trennte die Vampire von der Stimme ihres Gottes. Eine ganze Rasse - Übertölpelt und in den Wahnsinn und Freitod getrieben von der Stimme des alten Parasiten!

Er setzt seinen Weg fort und stößt auf ein weiteres Wandgemälde, tief in den Katakomben unter der Kathedrale. Doch dieses ist ganz anders als jene, die er zuvor betrachtet hat. Es zeigt den Ausgang des Krieges zwischen den Urvampiren und ihren Feinden, allerdings aus der Sicht der feindlichen Rasse. Ihre Verbannung in eine düstere Welt voller Dämonen wird in leuchtenden Farben und all ihrer Grausamkeit dargestellt. Es zeigt die feindliche Rasse als Opfer der Urvampire, als-

‚Hylden‘, schießt es Raziel durch den Kopf und er ist für einen Augenblick verwirrt. Kain hatte diesen Namen erwähnt, bevor Raziel in die spektrale Ebene abdriftete. Er sagte, sie seien in die Falle der Hylden getappt. Doch wie kann er hier auf einmal die richtigen Schlüsse ziehen? Woher weiß er, dass es sich bei dieser fremdartigen, feindlichen Rasse auf den Wandgemälden um die Hylden handelt, die Kain erwähnte…?

Die Erkenntnis folgt augenblicklich: Die neue Zeitlinie. Raziel hatte zwar bemerkt, dass sich Erinnerungen in seinem Inneren veränderten, doch er war in jenem Augenblick viel zu beschäftigt damit gewesen, seinen Körper in der materiellen Welt zu halten und hatte viel zu große Schmerzen verspürt, um die Änderungen wirklich als solche wahrzunehmen. In den fünf Jahrhunderten seiner Gefangenschaft hatte er auch nicht ein einziges Mal darüber nachgedacht. Die Erinnerungen sind schwammig. Undeutlich. Verzerrt… Doch als er sich lange genug konzentriert, kommen einzelne Bruchstücke zu ihm zurück.

Kain erzählte ihm von seinen Erlebnissen. Wie er den Soul Reaver an einen Feind verlor und ihn letztlich wiederbeschaffte. Lord Sarafan hat er ihn genannt, doch eigentlich war er kein Mensch, sondern… Sondern… Das Bild verschwimmt vor seinem inneren Auge und eine andere Erinnerung drängt sich nach vorne: Kain steht neben ihm auf einer Klippe. Unter ihnen liegen die Ruinen einer Stadt, direkt am Meer. Er kann das Rauschen der Wellen hören und das Salz in der Luft schmecken. „Eine große Welle hat Meridian zerstört“, dringt Kains Stimme an sein Ohr, wie aus weiter Ferne. Dann ein erneuter Szenenwechsel: Kain sitzt auf seinem Thron vor der zerstörten Säule des Gleichgewichts, halb in sich zusammengesunken. Seine Augen sind leer, sein Blick suchend. „Ich habe überall nach ihm gesucht, Raziel.“ Seine Stimme ist nicht mehr als ein Flüstern, kaum verständlich. „Überall. Aber ich habe ihn nie gefunden…“ Er seufzt, und seine Stimme klingt beinahe flehend, als er fragt: „Raziel, wo ist-“

Plötzlich dringen ferne Laute an sein Ohr. Sie reißen ihn jäh ins Hier und Jetzt zurück und was auch immer der Kain in seinen Gedanken sagen wollte, schwindet aus seinem Bewusstsein und vermischt sich erneut mit der Flut diffuser grauer Bilder, die dort auf und ab schwirren.

Raziel blinzelt, schüttelt irritiert seinen Kopf und dann sind da erneut die Geräusche. Stimmen sind es, fern und noch unkenntlich… Und fast ohne sein Zutun lenkt Raziel seine Schritte in diese Richtung.

Tiefer, stetig tiefer in die Tiefe geht es für ihn, und unwillkürlich muss er an Kains Worte denken, als er von seinen Geschehnissen in Avernus berichtete: Azimuth soll einen religiösen Kult angeführt haben, tief im Herzen der Kathedrale…

Von der wahnsinnig gewordenen Hüterin findet Raziel zwar keine Spur, dafür jedoch von dem Kult, von dem Kain sprach… Die Stimmen werden stetig lauter und als er um die nächste Ecke biegt, betritt er eine weitläufige Höhle und sieht sich mit einer Gruppe Menschen konfrontiert, die auf Knien vor einem Mann kauern, der am Rande eines Abgrunds steht. Die Höhle wird von Fackeln gut ausgeleuchtet, doch es gibt viele Orte, an die ihr Licht nicht reicht, und Raziel verschmilzt mit den Schatten hinter einer Säule.

„Hash'ak'gik.“, rufen die knienden Menschen im Chor. Raziel erkennt, dass sie weiße Gewänder und goldene Masken tragen, die ihr Gesicht verdecken. „Hash'ak'gik.“

Und der Mann am Abgrund, hochgewachsen und breitschultrig mit schwarzem Haar und einem roten Umhang, führt das Wort voller Inbrunst: „Großer Hash'ak'gik, wir hören dich!“

„Wir erzittern vor dir.“, antworten die knienden Menschen.

„Wir bieten dir dieses Opfer dar, auf dem Altar der Welt!“, ruft der Mann, und prompt schallt es aus der Menge: „Wir opfern dir das Blut unserer Erstgeborenen!“

Und Raziel kann nichts tun als tatenlos dazustehen, als auf die Worte ein blutiges Ritual folgt, das selbst an ihm, dem seelenverschlingenden Monster, zu dem er geworden ist, nicht spurlos vorübergeht. Er schließt seine Augen und bleibt reglos hinter der Säule stehen. Doch seine Ohren kann er nicht verschließen. Er hat selten etwas Schlimmeres gehört und ein Gefühl von Übelkeit macht sich in seinem Inneren breit, welches er längst vergessen glaubte. Seine Hände zittern und er wünscht sich für einen Moment nichts sehnlicher, als in das grausame Geschehen eingreifen zu können, doch er zwingt sich zur Ruhe und der Moment vergeht… Und vielleicht macht ihn gerade das tatsächlich zu einem Monster.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist die Messe vorbei und die Menschen mit den Masken verlassen die Höhle durch den Tunnel, durch den Raziel sie betreten hat, und der Mann mit dem roten Umhang verlässt sie auf einem anderen Weg, in entgegengesetzter Richtung.

Raziel möchte dem Mann direkt folgen, doch etwas hält ihn zurück. Ein seltsam vertrautes Gefühl, das ihn beschleicht, als er sich dem Abgrund nähert… Und er fragt sich, was für ein Wesen das wohl sein mag, das diese Menschen mit solch fanatischem Wahn verehren und sie zu solch unmenschlichen Taten anstiftet…

Er gleitet den Abgrund hinunter in eine Art Arena mit sandigem Boden, und dort trifft er wohl auf das letzte Wesen, mit dem er hier unten gerechnet hätte. Die Kreatur ist furchtbar entstellt. Missgestaltet. Sie ist deutlich größer als Raziel selbst und bewegt sich auf mehreren Beinen, beinahe insektengleich, mit ledrig-brauner Haut und viel zu großen Ohren, die an die Schwingen eines Flughundes erinnern. Das Maul ist breit und voll spitzer, scharfer Zähne, doch die Augen… Die Augen sind nicht die eines instinktgesteuerten Tieres. Nicht die Augen eines Monsters. Sie wirken intelligent. Und in ihnen spiegelt sich Erkennen. Raziel selbst braucht etwas länger, doch schließlich gelingt ihm die Verbindung: Es ist Turel, der sich damals als einziger seiner Brüder seiner Rache entzog. Auch Dumah, Rahab, Zephon und Melchiah waren stark mutiert und erinnerten kaum an ihr altes Ich, doch jeder einzelne von ihnen fiel Raziels Klinge zum Opfer… Nur Turel war nicht auffindbar gewesen. Wie er aus der Zukunft hierher kam und zu welchem Zweck er hier unten als eine Art Gott verehrt wurde, wird Raziel vielleicht niemals erfahren, denn noch während er seine Fragen stellt, wirkt Turel plötzlich ängstlich, beinahe verstört, bevor seine Augen in grüner Farbe zu leuchten beginnen und er sich ohne Vorwarnung auf ihn stürzt…

Raziel bleibt keine andere Wahl, als ihn zu töten. Es fällt ihm nicht schwer, doch der Sieg hat einen schalen Beigeschmack, so wie es schon bei seinen anderen Brüdern der Fall war. Welch eine Ironie, denkt Raziel bei sich, als die grüne Farbe aus Turels Augen weicht und sich seine Lider für immer schließen. Der Kreis hat sich wahrlich geschlossen. Er hat all seine Brüder getötet, zweimal sogar. Auch sich selbst hat er getötet und… vielleicht steht ihm das noch ein weiteres Mal bevor. Doch wenn dies sein Schicksal ist, wenn es wirklich keine andere Wahl für ihn geben sollte, so will er ihm mit offenen Armen entgegengehen. Er will sich nicht verstecken. Nicht länger. Niemals wieder.

Raziel verlässt die Arena, ohne sich erneut umzublicken und trifft etwas später dann tatsächlich auf den Mann mit dem roten Umhang.

„Komm zu mir, mein untoter Sohn.“, sagt der Mann mit dem Rücken zu Raziel und vornübergebeugt, und für einen Augenblick denkt Raziel, er würde zu ihm sprechen. Doch dann fährt der Mann fort. „Eile zu den Säulen. Gleich beginnt das große Finale. Du wirst deine Rache bekommen.“

Und Raziel erkennt, um wen es sich bei dem Mann handeln muss, auch wenn er ihn nie zuvor getroffen hat. Und er weiß auch, zu wem er gesprochen hat.

„Mortanius!“, ruft Raziel und der Mann fährt herum. Er ist der Hüter des Todes, der Kain einst zum Vampir machte und seinen Feldzug gegen die Hüter erst in Gang setzte. Kain sprach in seinen Erzählungen von seinen widersprüchlichen Handlungen und wie er sich ihm schließlich an den Säulen in den Weg stellte, als Kain ihn damit konfrontierte, dass auch Mortanius sterben müsse, wenn das Gleichgewicht wiederhergestellt werden sollte… Kain sprach weiterhin davon, wie Mortanius‘ Gestalt sich während dem Kampf veränderte. Wo vorher der Hüter des Todes stand, stand plötzlich ein Dämon mit gewundenen Hörnern und glühend grünen Augen und eröffnete Kain, dass Mortanius selbst es war, der Ariel tötete und den Verfall der Säulen damit in Gang setzte.

Und eben jene Widersprüchlichkeit erlebt Raziel nun am eigenen Leibe.

„Endlich zeigst du dich.“, sagt Mortanius mit feindseliger Stimme. „Die Bindung muss in der Tat sehr schwach sein. Aber du kommst zu spät.“

Und wäre Raziel fähig dazu, so etwas wie Humor zu empfinden, so wäre er wohl tatsächlich belustigt darüber, wie oft man ihm in letzter Zeit an den Kopf geworfen hat, dass er für irgendetwas zu spät gekommen ist.

„Du musst mich verwechseln.“, sagt er trocken.

Mortanius setzt an, um etwas zu erwidern, doch bloß ein Stöhnen entweicht seinen Lippen, während er sich mit beiden Händen in seinen Haaren festkrallt. „Nein, nein… Nicht jetzt.“ Doch er scheint den Kampf zu verlieren. Als er seinen Blick das nächste Mal hebt, leuchten seine Augen grün wie die von Turel es taten, bevor er ihn angriff.

„Dieses Gefäß spricht die Wahrheit.“, sagt Mortanius, doch seine Stimme klingt verändert. Als hätte sich jemand anders seinem Körper bemächtigt. Jene düstere Entität, der auch Turel zum Opfer fiel. „Du kommst in der Tat spät. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Mit dir oder ohne dich – Wir werden siegen.“

„Wer bist du?“, fragt Raziel mit zusammengekniffenen Augen.

„Das wirst du noch früh genug erfahren.“, lautet die Antwort. „Bald schon wird es das ganze Land wissen. Wir werden unsere Rache bekommen, in vollem Umfang. Und für alle Zeit.“ Er beginnt zu lachen, doch dann schwindet das Grün aus seinen Augen und Mortanius keucht auf. Er stolpert nach hinten und stützt sich an einer Wand ab, vor der er schwer atmend stehen bleibt.

„Deinesgleichen verliert nicht gern.“, sagt er an Raziel gewandt. Und Raziel ist es leid, ihn auf die Verwechslung aufmerksam zu machen. Für wen auch immer Mortanius ihn halten mag und von welchem Dämon auch immer er besessen wird, Raziel hat keine Zeit dafür! „Ich suche das Herz der Dunkelheit!“, wirft er ihm an den Kopf, und das scheint Mortanius tatsächlich hellhörig zu machen.

„Endlich kommst du zum Punkt.“, sagt der Hüter des Todes, bevor sich seine Gesichtszüge zu einem beinahe selbstgefälligen Lächeln verziehen. „Aber wie gesagt, du kommst zu spät. Das Herz hat seinen Zweck erfüllt. Ich brauchte es, um die Prophezeiung in Gang zu setzen. Ich habe den Helden erschaffen, den meine Meister vorhergesehen haben. Deinen Untergang. Der Erbe des Gleichgewichts wird Nosgoth retten. Die Vampire werden wieder über die Säulen wachen und deine Rasse wird für alle Zeiten untergehen.“

Und Raziels Augen weiten sich angesichts dieser Erkenntnis. „Kain!“, bricht es aus ihm hervor. „Du hast das Herz der Dunkelheit benutzt, um Kain zu erschaffen!“

„Natürlich.“, erwidert Mortanius, und auf einmal liegt so etwas wie Bedauern in seinem Blick. „Zuerst wollte ich nicht an die alten Mythen glauben. Ich hielt die Vampire bloß für eine Geißel der Menschheit. Eine Seuche, die wir bekämpfen mussten. Aber sie hatten Recht und wir hätten sie nicht stürzen dürfen, Möbius und ich. Ich habe dafür bezahlt und ich werde mein Werk vollenden, jetzt wo das Ende naht. Aber eines weiß ich, Kain wird das Gleichgewicht wieder herstellen… Und zwar keine Sekunde zu früh. Mein Feind wird stärker.“

„Wo ist das Herz der Dunkelheit jetzt?“, hakt Raziel nach. „Hast du es zerstört?“

Und Mortanius beginnt zu lachen. „Du verstehst es immer noch nicht, oder? Du kannst es nicht benutzen, solange Kain es mit seinem Leben schützt!“

Und Raziel hat das Gefühl, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird. „Kain hat es? Es pocht in Kain?!“ Das kann nicht sein. Es kann einfach nicht-

„Schach und Matt.“, sagt Mortanius triumphal, bevor sein Körper erneut zu zucken beginnt und sich ein weiteres Mal verräterisches Grün in seine Augen mischt. „Er wird schwächer.“, sagt die Entität. „Aber wir werden bald einen stärkeren Wirt haben. Die langersehnte Stunde naht. Unsere Erlösung steht kurz bevor…“

Mit einem Keuchen befreit sich Mortanius aus der Kontrolle und ballt seine Hände zu Fäusten. Er scheint Raziels Präsenz gar nicht mehr wahrzunehmen. „Ich muss… es beenden.“, presst er hervor. „Jetzt.“ Und mit diesen Worten teleportiert er sich davon und lässt Raziel allein zurück.

Innerlich wie betäubt macht er sich auf den langen Weg zurück nach oben…

…Und als er den Innenraum der Kathedrale erneut betritt, wartet Kain bereits auf ihn.

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Fortsetzung folgt.

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Disclaimer:
Die aus der Legacy of Kain Computerspiel-Serie verwendeten Figuren, Orte, Gegenstände, Dialoge und Ereignisse gehören nicht mir, sondern den Entwicklern dieser Reihe (Silicon Knights im Falle von Blood Omen, Crystal Dynamics im Falle der restlichen Spiele).

Hinweise:
Bei dieser Geschichte handelt es sich um die Fortsetzung zu meiner Fanfiction „Traces of Light“ und knüpft unmittelbar an deren Geschehnisse an.
Im Laufe der Geschichte wird diese zu einem Multi-Crossover und wird Charaktere und teilweise Schauplätze und Story-Elemente der Spiele „Nier: Gestalt“, „Kingdom Hearts 2“ und „Beyond 2 Souls“ enthalten. Man muss diese Spiele jedoch NICHT gespielt haben, um „Traces of Light II: A New Dawn“ verstehen zu können. Alles fürs Verständnis Relevante wird erklärt.

Schlusswort:
Zum Prolog: Der Prolog von „A New Dawn“ ähnelt dem des Vorgängers, nur diesmal wird er aus der Sicht von Raziel erzählt. Ich habe große Teile des Dialogs zwischen Kain und Raziel und auch große Teile von Raziels Monologen aus dem Ende von SR2 verbaut und Eins zu Eins übernommen, da ich sie als zu schön empfand, um sie abzuändern. Sie haben mich damals massiv geprägt und ich wollte ihnen hier meinen Respekt zollen.
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Zu Kapitel 1: Auch hier habe ich Teile von Raziels Monologen und bei Raziels Aufeinandertreffen mit Ariel, Vorador und Mortanius auch Teile der Dialoge verwendet und weitestgehend eine Nacherzählung der Geschehnisse aus Raziels Sicht geschrieben. Ich habe jedoch auch einige Dinge verändert. Zum Beispiel wird in meiner Geschichte zu keiner Zeit suggeriert, dass Raziel zum Volk der Hylden gehören könnte. Ich fand es beim Spielen von Defiance recht schwer nachzuvollziehen und es war für den Ausgang des Kampfes zwischen Kain und Raziel meiner Meinung nach letztlich auch nicht weiter von Belang. Ich habe meine „künstlerische Freiheit“ genutzt und diesen Konflikt vollständig ignoriert, da ich auch nicht denke, dass ich ihn in Raziels Gedanken glaubhaft hätte wiedergeben können. Ich bitte, dies zu entschuldigen.
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