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Forgotten by the Stars

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Gray Fullbuster Juvia Loxar Lucy Heartfilia Natsu Dragneel Sting Eucliffe
12.04.2021
04.05.2021
5
17.129
6
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
21.04.2021 5.752
 
Vorwort: OKAY! Danke für die ganzen Reviews und Favoriteneinträge! Ich freue mich richtig, dass die ersten Kapitel so viel Zusagung bekommen haben und hoffe, dass ich die Qualität beibehalten kann und euren Erwartungen gerecht werde! Ich habe noch so einiges geplant. Fürs Erste plane ich für ungefähr 20-30 Kapitel, aber wir werden sehen!
Dieses Kapitel hat echt ein wenig Zeit gebraucht, aber hat mir auch wirklich Freude bereitet, ich hoffe euch geht es genauso? Lasst es mich wissen! Ich schreibe schon fleißig am nächsten Kapitel, tue mich aber ein wenig schwer, da ich ein wenig unter Schlafmangel leide (wer hätte gedacht, dass man mehr als vier Stunden Schlaf braucht, ha!), aber es auch einen kleinen, neuen 'Arc' startet!
Danke auch für die Rückmeldung für die Trigger-Warnings! Von nun an werde ich die Warnung in jedes Kapitel stellen, aber keine spezifischen Warnungen in die Kapitel packen, um nichts vorweg zu nehmen.

Trigger Warning: Depression, sexueller und seelischer Missbrauch, Suizid, Gaslighting, Sex, Drogen.
Die Story wird wohl ein wenig deep werden, deshalb auch das P18-Rating.

Jetzt nimmt alles an Fahrt auf!




Forgotten by the Stars

Chapter Three

Innocence


„Wie jetzt? Ihr seid Freunde?“ verwirrt schaute Gray seinen pinkhaarigen Freund an, der neben ihm an der Bar in Fairy Tail saß, seinen Kopf auf seinen Armen liegend. Sein Freund brummte zustimmend.
„Und wieso ziehst du so ein Gesicht?“ Natsu hatte ihm erzählt, dass er herausgefunden hatte, dass Lucy seine Nachbarin war und sie daraufhin in ein klärendes Gespräch gezogen hatte.

Heute sind beide zusammen bei Fairy Tail angekommen, die Blonde hatte sich mit Juvia und Erza an einen Tisch gesetzt, schienen in ein angeregtes Gespräch vertieft zu sein, obwohl Lucy ein wenig angespannt schien, was er darauf schob, dass sie solche Treffen wohl nicht gewohnt war. Trotzdem schien sie sich zu freuen.

„Weil ich eigentlich keine Freundschaft wollte.“ murrte Natsu nun. Der Schwarzhaarige schenkte ihn nur einen fragenden Blick, sichtlich genervt, dass er alles der sonstigen Frohnatur aus der Nase ziehen musste. „Ich hab‘ ihr dieses dumme Fragenspiel angeboten. Weißt schon, beide kriegen eine Frage, die nach bestem Gewissen beantwortet werden muss.“ gereizt stöhnte er auf. „Naja, dann hat sie mich halt gefragt, ob ich mir ‘ne Freundschaft vorstellen könnte, oder ob ich nur aus Mitleid heraus nett bin.“

„Aus Mitleid?“ er kannte Lucy nicht, wusste auch nicht wirklich was Natsu wirklich störte an der hübschen Blonden, konnte sich also auch nicht vorstellen, wieso er Mitleid mit ihr haben würde.

„Na, weil sie es halt nicht einfach hat. Von Zuhause ausgerissen, hat einen beschissenen Vater, keine Freunde und so.“ druckste er heraus. Natsu wusste, dass sein bester Freund erahnte, dass er ihm ein paar Details vorenthielt, aber er wusste auch, dass er damit okay sein würde. Zumal sich der Schwarzhaarige nicht allzu sehr in die Angelegenheiten von Lucy einmischen wollte, jedenfalls nicht ohne ihre Einwilligung. „Jedenfalls hatte ich Angst sie wieder zu verletzen. Hab‘ ihr dann erzählt, dass ich schon Mitleid hatte, aber ich jetzt auf Freundschaft aus bin.“

„Also, du hast ihr das Fragenspiel angeboten und hast sie dann selbst angelogen?“ erneut brummte Natsu zustimmend, wollte Gray einen dunklen Blick zuwerfen, aber er wusste, dass er den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. „Du bist so ‘n richtiger Idiot, du Hitzkopf.“ er raufte seine schwarzen Haare nach hinten.

„Ich weiß, musst du mir nicht noch unter die Nase reiben.“ missmutig schnaubte er.

„Anscheinend schon. Das Ding ist halt…“ er unterbrach sich kurz, schaute noch einmal zu den Mädchen rüber, die sich noch immer zu unterhalten schienen. „Levy hatte es uns gestern noch gesagt beim Mittagstisch, als du sie gesucht hast. Lucy hatte noch nie richtige Freunde.“ nun richtete sich Natsu wieder auf, Schuldgefühle spiegelten sich in seinen schwarzen Irden wider, als er zu Lucy schaute. „Sie hat noch nie zuvor jemanden trauen können. Ich weiß, du wolltest sie nur nicht verletzen, aber ich glaube der Vertrauensbruch wird sie mehr verletzen als eine ehrliche Abweisung. Wobei ich nicht verstehe, was du an ihr auszusetzen hast. Ich mag sie.“

„Ich hab‘ ihr gestern gesagt, dass sie es einem nicht leicht macht, sie zu hassen.“ das ließ Gray kurz auflachen.

„Du hast schon mal besser geflirtet.“ stachelte er seinen Kumpel an, doch dieser quittierte es nur mit einem erneuten Brummen.

„Was mache ich denn jetzt? Du hast recht, ihr zu sagen, dass ich gestern gelogen habe, würde sie verletzen, aber ich möchte mich auch echt nicht zu einer Freundschaft zwingen.“ er seufzte zum gefühlt hundertsten Mal an diesen Tag.

„Was kannst du denn an ihr nicht ausstehen? Vielleicht kann man dran arbeiten.“ das wäre gar kein so schlechter Vorschlag, würde es da nicht dieses kleine Problem geben, dass die junge Erbin weder die Schuld trug noch was an ihrer Herkunft ändern konnte.

„Hat was mit ihrer Familie zu tun.“ gab er dann zu, sichtlich im inneren Konflikt, ob er Gray davon erzählen sollte oder nicht, doch dieser lachte nur humorlos.

„Willst du mich verarschen? Was soll sie denn für ihre Familie können?“

„Ich weiß, dass es nicht ihre Schuld ist, du Eisklotz.“ Natsu schnalzte mit seiner Zunge. Das wusste er, er hatte sich genau diesen Punkt mehrmals eingestanden. Er hatte sich mehrmals eingestanden, dass es ziemlich blöd war, dass er dieses Mädchen nur auf ihre Herkunft reduzierte. „Ich kann’s nicht helfen, dass ich andauernd daran erinnert werde, wann immer ich sie angucke.“ er konnte einen schmerzerfüllten Ausdruck im Onyx seiner Augen sehen und Gray wusste, dass es wohlmöglich mit den paar Dingen zu tun hatte, die er stets versuchte aus dem Weg zu gehen.

Natsu war eine fast sorgenfreie Frohnatur, doch der Schwarzhaarige wusste genau, dass auch der pinkhaarige Hitzkopf Dinge durchgemacht hatte, die nicht einfach zu verdauen waren. Obwohl er keine Details kannte, so spekulierte er, dass es was mit seiner alten Freundin Lisanna zu tun hatte oder mit dem fragwürdigen Verschwinden seines Vaters Igneel. Er wusste, dass diese Gesprächsthemen gefährliches Gebiet waren. Er räusperte sich.

„Wenn du dich mal drüber auskotzen willst, weißt du wo du mich finden kannst, Natsu.“ Gray stand auf, legte eine Hand auf die Schulter seines Freundes. „Was Lucy angeht, solltest du vielleicht reinen Tisch machen, ehe ihr diese Freundschaft zu wichtig wird und du sie wirklich verletzt.“ dann gesellte er sich zu den Mädchen.

Auch Natsu schloss sich ihm an, als Gajeel und Levy durch die Hintertür zu Fairy Tail reinkamen.

„Lu! Du bist wirklich gekommen!“ die kleine Blauhaarige warf sich um den Hals der Blonden, die es mit verlegenem Schmunzeln quittierte.

„Natsu hat mich überredet. Ich war ehrlich gesagt ziemlich aufgeregt und nervös und wollte absagen. Entschuldige.“ ihre Ehrlichkeit über ihren gestrigen, inneren Konflikt erstaunte den Pinkhaarigen doch. Er hätte es den anderen jedenfalls nicht erzählt und es verheimlicht.

„Natsu also. So, so…“ sprach Levy nun. „Hat er sich denn auch bei dir entschuldigt?“ sie musterte den Pinkhaarigen, der sich neben Lucy an den Tisch setzte.

„Hat er nicht.“ sagte Lucy dann. „Sollte er auch nicht. Ich habe ihn ebenso beleidigt.“ erklärte sie und lächelte verständnisvoll. Wie er sich doch wünschte, sie wäre nicht so unglaublich freundlich. Er fühlte sich ohnehin schon schlecht, aber mit ihrer verständnisvollen Art setzte es nur einen obendrauf. „Wobei ich es trotzdem schön fände, wenn er Stolz und Vorurteil lesen würde.“ Sie grinste zu ihm, was er nur mit resigniertem Kopfschütteln erwiderte, vielleicht wäre es ja gar keine schlechte Idee.


- intermission -


Lucy mochte Fairy Tai. Die Stimmung im ganzen Raum war lässig, jeder ging miteinander unbekümmert um und trotzdem fühlte es sich so an, als wenn ein Jeder von ihnen alles stehen und liegen lassen würde, um zu helfen, sollte einer von ihnen Probleme haben. Es fühlte sich so an, als würden sie einander bedingungslos vertrauen und die Blonde beneidete sie.
Klar, sie hatte Virgo und Loki und sie war sich sicher, dass sie ihnen vertrauen konnte, aber erst einmal arbeiteten beide noch für ihren Vater, und zum anderen hatte sie immer das Gefühl, dass sie dies taten ihrer Mutter wegen. Und das schloss auch Aquarius mit ein.

Belustigt beäugte sie wie Gray und Natsu sich freundschaftlich an die Gurgel gingen und sie kam nicht umhin den Pinkhaarigen stumm in ihren Gedanken zu danken. Hätte er sie gestern nicht in der Schule eingeladen, hätte er gestern nicht an ihrer Tür geklopft, dann hätte sie sich letztendlich von allen außer Levy abgekoppelt, weil sie dem Jungen die Gruppe nicht wegnehmen wollte. Seit dem Gespräch gestern fühlte sie sich sogar so, als könnte sie sich Natsu wirklich anvertrauen.

Er gab ihr ein Gefühl von Sicherheit, dass sie nur von ihrer Mutter kannte, so lächerlich es auch klingen mochte, kannte sie ihn kaum eine Woche und der Start ihrer Freundschaft war eher holprig. Dennoch fühlte sie sich wohl, wenn sie in seiner Nähe war, besonders dann aber, wenn sie ehrlich mit ihm sein konnte.
Und wohl fühlte sie sich auch in den Räumen von Fairy Tail, was eher aussah wie eine Bar, die sie aus Filmen kannte, bestückt mit einer Getränkebar, einem Durchgang zu einer Küche, Tischen mit Bänken und ein paar Sofas und Sesseln, sowie einer kleinen Bühne. Und alles war in hellen Tönen gehalten mit roten und grünen Akzenten. Über der Bar, sowie der Bühne hing das Fairy Tail Banner. Die Silhouette einer Fee mit einem Schweif.

Heute war es ihr erstes Mal gewesen Fairy Tail zu betreten und doch verstand sie, was Natsu meinte, als er sagte, dass es wie ein Zuhause sei und sie konnte unschwer erkennen, dass sich die gesamte Gruppe hier wie Zuhause fühlte und das stimmte sie unsagbar glücklich, so sehr sogar, dass sie unbemerkt eine Träne der Freude vergoss. Mochte es vielleicht so aussehen, als wäre das eine Überreaktion, so war es nur natürlich, dass Lucy so reagierte, war so ein Zufluchtsort ihr sehnlichster Wunsch gewesen seit dem Tod ihrer Mutter.

„Lu? Alles okay? Wieso weinst du?“ die besorgte Stimme ihrer blauhaarigen Freundin riss Lucy aus ihren Gedanken. Erst jetzt bemerkte sie, wie eine einzelne Träne ihrer Wange runterlief und nun blinzelte sie der Gruppe entgegen, die sie besorgt und eindringlich musterte.

„Oh, haha.“ ein wenig peinlich berührt spielte sie mit einer blonden Strähne. „Ich hatte eigentlich nur daran gedacht, was für ein schöner Ort Fairy Tail ist. Mir ist gar nicht aufgefallen wie emotional ich wurde, entschuldigt.“ sie wischte sich die Träne aus dem Gesicht und lächelte.

„Hab’ doch gesagt, dir würde es gefallen, Prinzessin.“ Natsu verpasste ihr einen sachten Klaps auf die Schulter und grinste.

„Juvia glaubt, dass Lucy regelmäßig mit uns herkommen sollte.“ brachte sich nun auch die Blauhaarige mit ein von der Lucy glaubte, sie wäre hoffnungslos in Gray verliebt.

„Wäre das auch wirklich okay?“ ungläubig schaute sie in die Runde, aber jeder schien das anscheinend schon entschieden zu haben, denn sie sah nur in lächelnde, zuversichtliche Gesichter und sie konnte nicht anders als einmal glücklich aufzuschluchzen. „Ich wünschte wirklich, ich hätte euch vorher schon kennengelernt.“ hauchte sie zu sich selbst, bemerkte aber Natsus leicht besorgtes Gesicht neben ihr nicht und dessen Augen Schuldgefühle widerspiegelte.

„Ein neues Fairy Tail Mitglied?“ ertönte eine grobe, aber angenehme Frauenstimme hinter Lucy. „Das müssen wir feiern.“ Lucy drehte ihren Kopf zu der Stimme und eine Frau mit welligen, braunen Haaren, die ihr zur Hüfte gingen, bekleidet in einer schwarzen, hautengen Jeans, sowie einem blauen Tanktop, welches ihren fülligen Busen gut zur Show stellte, die sich mit einer Flasche Rum hinter ihr aufgebaut hatte.

„Hoffen wir mal, dass du es dir gut überlegt hast, Lucy, denn Cana kennt keine Gnade, wenn es ums Feiern geht.“ grinste Gray die Blonde an, der gerade mit Juvia um seinen Arm kämpft, hatte sie sich nur Momente zuvor an ihn geklammert.

Und damit winkte Cana Mirajane rüber, eine äußerst grazile, junge Frau mit graublonden, hüftlangen Haaren, in einem roten Rüschenkleid bekleidet, mit großen, freundlichen, blauen Augen. Diese hieß Lucy herzlichst willkommen bei Fairy Tail und fragte dann die Gruppe nach Getränkewünschen. Die Blonde hatte nie zuvor Alkohol getrunken, weshalb sie sich eigentlich einen Saft bestellen wollte, doch wurde sie von Cana unterbrochen, die für Lucy einen speziellen Fairy Tail Cocktail bestellte, dessen Zutaten anscheinend geheim waren.

„Ich weiß nicht, ob ich Alkohol trinken sollte.“ sagte sie schüchtern, als Mira ihr das Glas vors Gesicht stellte.

„Wieso nicht? Wir sind am Feiern, da muss man auch mal lockerlassen.“ säuselte Cana mit einem dicken Schmunzeln.

„Ich habe noch nie zuvor Alkohol getrunken.“ gab sie dann leise zu, womit sie fragende als auch erstaunte Blicke erntete.

„Sie ist ja wirklich noch total unschuldig.“ stellte Cana dann trocken fest, was dafür sorgte, dass die Blonde sich verlegen auf die Unterlippe biss.

„Ist schon okay, Prinzessin, ich bringe dich später nach Hause, also kannst du ruhig trinken.“ versicherte Natsu ihr.

„Ich weiß nur nicht wie viel ich vertragen kann.“ gab Lucy unsicher zu.

„Wir werden schon dafür sorgen, dass Cana dich nicht abfüllt.“ pflichtete Erza bei.

„Wer hät’s gedacht… Natsu kann ja doch ein Gentleman sein.“ witzelte die Braunhaarige nun, die wohl auch bestens über Natsus Flirtallüren Bescheid wusste.

„Was soll das denn bitte heißen? Ich hab‘ ihr halt zugesichert, dass ich heute auf sie aufpassen werde, weil sie ohnehin schon unsicher war, ob sie überhaupt kommen möchte.“ knurrte der Angesprochene.

„Ist Natsu sonst nicht so?“ versuchte sich die Blonde zu erkundigen, doch die Frage wurde nur von einigen am Tisch an geschmunzelt, was sie dazu führte, dass sie den Jungen mit Onyxaugen musterte, der nur murrend von seinen Freunden wegschaute.

„Du musst wissen, Natsu hier ist so ‘n richtiger Schwerenöter. Keine Beziehungen, nur Bettgeschichten!“ sagte Cana belustigt, die den Jungen freundschaftlich auf die Schulter haute.

„Bettgeschichten…“ wiederholte Lucy, während ihre Wangen sich rot färbten und sich nun doch dazu entschied den Cocktail zu trinken, um von der Scham abzulenken.

„Also, wie sieht’s bei dir aus, Kleine? Bettgeschichten? Einen Freund?“ fragte Cana doch ganz unverblümt und Lucy nahm abermals einen Schluck von ihrem Cocktail und schaute verlegen auf die Tischplatte.

„Lu ist wirklich noch ganz unschuldig, was?“ lachte Levy nun, die die Reaktion ihrer neuen Freundin klar und deutlich verstand.

„Also… ähm, ich mein‘… ich war schon mal verlobt?“ stammelte diese nun, war es ihr doch äußerst peinlich so absolut keine Erfahrung im Thema Liebe vorweisen zu können. Nun war es still, jeder schaute sie entgeistert an. „War ‘ne arrangierte Verlobung – habe den jungen Mann selbst nur ein paar Mal gesehen.“ erklärte sie dann, nahm einen weiteren Schluck, war ihr das doch höchst unangenehm.

„Haha, das zählt doch nicht.“ kicherte Natsu, schenkte ihr dann aber ein zuversichtliches Lächeln. „Vielleicht solltest du dich ans Daten versuchen, Prinzessin.“ er merkte wohl genau, dass Lucy sich für ihre mangelnden Erfahrungen schämte.

„Ich beneide sie fast schon.“ seufzte Cana. „Nochmal den ersten Kuss erleben.“ ein herzliches Lächeln umspielte die Lippen der Braunhaarigen, dachte sie wohl an genaue diesen Moment zurück, doch Lucy quittierte dies nur mit einem beschämten Nuckeln an ihrem Getränk.

„Juvia hatte auch noch nicht ihren ersten Kuss.“ platzte es nun aus der Blauhaarigen, die mit einem roten Schimmern auf ihren Wangen ihren Liebsten beäugte.

„Das liegt bei dir aber daran, dass du nur Augen für Gray hast.“ nun wandte sich Cana an Gray. „Du sollst sie nicht so zappeln lassen.“ das quittierte dieser nur mit einem widerwilligen Grummeln, doch Lucy konnte einen kleinen verlegenen Seitenblick seinerseits zu Juvia vernehmen. Hatte er also doch was übrig für die schöne Frau.
Die Rollenverteilung schien klar zu sein, Cana war der Amor dieser Gruppe, sie schien ein unglaubliches Interesse am Liebesleben ihrer Freunde zu haben und nahm wirklich kein Blatt vor den Mund.

„Vielleicht sollten wir versuchen die Kleine zu verkuppeln. Ist dieser Sting aus eurer Stufe noch zu haben?“ was nur eine unschuldige Frage seitens Cana sein sollte, ließ Natsu alarmiert zu Lucy gucken.

Sting war absolute keine gute Idee für die Blonde. Was Erfahrungen bezüglich Dating, Liebe, Küssen und Sex anging war er ihr meilenweit voraus. Nicht einmal Natsu konnte ihm das Wasser reichen, ja nicht einmal Cana. Besonders jetzt, als ihm das Ausmaß ihrer eigenen Unschuld so sehr bewusst wurde, könnte er ihr nicht mit gutem Gewissen den blonden Wuschelkopf vorschlagen. Sie strotzte nur so vor Naivität in der Hinsicht, hatte sie ihn doch selbst einfach so Eintritt in ihre Wohnung gewährt zu später Stunde. Gestern hatte er sich nichts dabei gedacht, jetzt wurde ihm aber bewusst, dass es einzig ihrer Unerfahrenheit zu verschulden war.

Natürlich würde ihm es niemals einfallen etwas gegen ihren Willen zu tun, gewiss nicht, zumal er ja auch kein Interesse an der Jungfrau hatte, schon gar kein romantisches. Natürlich würde auch sein blonder Freund sie zu nichts zwingen, aber es fiel ihm leicht Frauen zu verführen. Gerade weil ihm nun diese Unerfahrenheit und Naivität der Blonden so bewusst wurde, wusste er, dass Sting ein Leichtes haben würde, sie zu verführen.

Sting war ein Frauenheld durch und durch. Er war ein guter Mensch und spielte auch nicht mit seinen Errungenschaften, ansonsten würde Natsu bestimmt nicht mit ihm befreundet sein, aber Sting ließ sich auf Frauen ein, um sich nicht seinen eigenen Gefühlen zu stellen. Seit Jahren war dieser in seine Freundin Yukino verliebt. Der Pinkhaarige kannte die genauen Gründe nicht, – wurde Sting doch immer ziemlich wütend, wenn er mal von Rogue oder ihm darauf angesprochen wurde – aber er ließ sich auf keine Beziehung mit dem Mädchen ein, um sie vor irgendwas zu schützen.

Vor ein paar Jahren dann, um sich von seinen Gefühlen abzulenken, ließ sich Sting auf so ziemlich jedes Mädchen ein, dass er ansprechend und interessant fand, nur um jegliche Beziehung, sei es nun körperlicher oder romantischer Art, nach kurzer Zeit wieder zu beenden. Er behandelte seine Freundinnen gut, aber er verführte sie alle mit seinem guten Aussehen und kecken Charme und nur die wenigsten dieser Beziehungen endeten, ohne mindestens einmal im Bett gewesen zu sein.

Und das konnte er Lucy gewiss nicht zumuten, sie würde ohne jeglichen Zweifel verletzt werden und das würde Natsu selbst schon zu Genüge übernehmen, wenn er ihr letztendlich beichten würde, dass er gelogen hatte und eine Freundschaft mit ihr nicht aushalten könnte. Also musste er sie jedenfalls vor Sting beschützen, ehe er ihren ersten Kuss, oder schlimmer noch ihr erstes Mal, stehlen konnte.

Du machst es einem wirklich nicht leicht, Prinzessin.

„Sting ist definitiv eine Nummer zu groß für die Prinzessin.“ sagte er schließlich, aber er hatte ganz klar nicht damit gerechnet, dass die junge Heartfilia an Sturheit und Trotz kaum zu überbieten war. Das hätte er sich vielleicht denken können, ist sie doch dem reichsten und einflussreichsten Menschen in der Gegend davongelaufen. Lucys Augen blitzten herausfordernd auf und sie nahm einen kräftigen Schluck ihres Cocktails, der sie wahrscheinlich nur in ihrer Sturheit ermutigte.

„Eine Nummer zu groß für mich, hm?“ sie wandte sich mit dunkel funkelnden Augen an ihren heutigen Beschützer. „Ich habe es geschafft meinem Vater zu entkommen und ein neues Leben aufzubauen, es wird mir ein Leichtes sein ein Date mit diesem Sting zu ergaunern.“ sie rümpfte ihre Nase und schaute ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an, doch Natsu schluckte nur.

Ja, es würde ein Leichtes für sie sein, natürlich, das ist doch genau das Problem. Sie war schlau, ehrlich, gutmütig, sie sieht unglaublich gut aus, hatte einen vollen und schönen Busen, wunderschöne, lange Beine und ein Gesäß, das wirklich nicht von schlechten Eltern ist, mal ganz abgesehen von ihren großen braunen Rehaugen, die von Wundern versuchten zu erzählen, und den zartrosa Lippen.
Hinzukommend ist ihr errötetes Gesicht hinreißend und süß – so unglaublich süß. Ganz zu schweigen von ihrer verdammten Unerfahrenheit und Naivität, die nur so vor Unschuld strotzte.

Sie war eine feenartige Prinzessin.

Wäre sie nicht die Erbin des Heartfilia Vermögens und nun auch noch ein Teil von Fairy Tail, würde Natsu alle Hebel in Bewegung setzen, um dieses Mädchen zu verführen. Sting würde ihr die Bitte für ein Date definitiv nicht ausschlagen, er würde auch eine Beziehung nicht ausschlagen und genau da lag das Problem. Wäre es nur ein Date, wäre es kein Problem, aber der Pinkhaarige wusste es doch am besten, dieses Mädchen wollte Freunde, wollte Menschen, den sie nah sein konnte. Es würde nicht bei einem Date bleiben, sie würde sich auf Stings Charme einlassen und dann letztendlich verletzt werden.

„Du wirst dir die Finger verbrennen, Prinzessin.“ mahnte er sie nun, was ihren Blick nur mit mehr Trotz aufblitzen ließ. Derweil guckten die anderen ihrer Freunde die beiden nur interessiert an, war es doch leicht amüsant, wie die beiden miteinander umgingen, nur Gray wirkte ein wenig nachdenklich, was ganz eindeutig an dem Gespräch lag, welches er zuvor mit Natsu hatte.

Lucy nahm den letzten Schluck ihres Cocktails, der wirklich seine Wirkung zeigte. Ihr missfiel es, dass ihr neuer Freund sie wirklich für so unwissend und schwach hielt, und das konnte sie einfach nicht auf sich sitzen lassen. Sie sog die Luft ein, funkelte ihm entgegen mit leicht erröteten Wangen des Alkohol wegen, und entschied sich diese Herausforderung anzunehmen. Eine Herausforderung, die eigentlich keine war, sie aber dennoch als solche sah.

„Du wirst schon sehen, Idiot.“ herausfordernd kreuzte sie die Arme vor ihrer Brust und plusterte ihre Wangen leicht auf, was Natsus Punkt, dass sie sich unwissentlich süß verhielt, nur weiter beteuerte. Resigniert seufzte der Junge, schien eine angeheiterte Lucy wohl kaum jemand zu sein, die eine Niederlage hinnehmen würde.

„Ich möchte nur nicht, dass du verletzt wirst.“ gab er nun zu, hoffte, dass dies sie vielleicht umstimmen konnte, aber vergebens, sie schaute nur störrisch zur Seite.

„Aber, aber Natsu! So kennt man dich gar nicht. Eifersüchtig?“ mit breitem, vielsagendem Grinsen legte Cana einen Arm um Natsus Schulter.

Nein, verdammt!

Er wollte sie doch nur schützen, er wollte nicht, dass sie noch mehr verletzt werden würde. Er würde sie noch zur Genüge verletzen, weil er reinen Tisch mit ihr machen und die Freundschaft beenden wollte. Aber sollte sie sich wirklich auf Sting einlassen, könnte er sie unmöglich allein lassen.

„Als ob, der Hitzkopf hat noch nie was mit jemanden in der Fairy Tail Familie angefangen. Das ist eines seiner Prinzipien.“ Gray merkte wohl, dass Natsu sich in einer unangenehmen Situation befand und versuchte Canas Frage zu entschärfen. Zwar konnte der Schwarzhaarige absolut nicht verstehen, wieso sein bester Freund so erpicht darauf war die Blondine vor Schmerzen zu schützen, wenn er sie nicht ausstehen konnte, aber er nahm es erstmal so hin und entschied seinem Freund unter die Arme zu greifen. „Ist ja auch egal… Sting ist aber wirklich ‘n Frauenheld, Lucy. Er ist ein guter Typ, aber halt auch ein echter Verführer.“

So langsam reichte es Lucy, sie war zwar unerfahren, aber sie konnte schon auf sich aufpassen. Natürlich wusste sie, dass die Argumente ihrer neuen Freunde keineswegs dafür gedacht waren sie zu verärgern, ganz im Gegenteil sogar, aber es verstimmte sie trotzdem, dass wohl jeder dachte, dass sie diesem blondhaarigen Wuschelkopf einfach so verfallen würde, an sich ranlassen würde, nur seines Charmes wegen. Sie war nicht komplett hilflos und sie wollte nicht, dass jeder so von ihr dachte.

„Ich verstehe, dass ihr euch nur sorgt, aber so naiv bin ich auch nicht und kann mich auch selbst schützen.“ sie lächelte zuversichtlich, zwar würde sie allen auch gerne einen bösen Blick zuwerfen, halt weil sie sie unterschätzten, aber sie war die Neue in der Gruppe und wollte es sich nicht verscherzen. Sie würde noch früh genug herausfinden, dass so ein kleiner Zoff eigentlich zum guten Ton in Fairy Tail gehörte.

„Das wissen wir! Aber sollte dir Sting trotzdem Sorgen bereiten, kannst du zu uns kommen.“ der Schwarzhaarige war erstmal darauf bedacht die Situation runterkommen zu lassen. Es half gerade nicht auf die Blondine einzureden, also beließ er es darauf.

„Sollte dich Sting ungeniert anfassen, kriegt er es mit mir zu tun.“ nun schaltete sich auch Erza ein und warf einen dunklen, funkelnden Blick in die Runde, was die meisten der Angehörigen nur einmal aufschlucken ließ. Mit der roten Titania war nicht zu spaßen.

„Juvia findet zwar, dass Lucy und Natsu besser zusammenpassen, aber sie drückt dir die Daumen.“ sagte die Blauhaarige, die sich noch immer versuchte an ihren geliebten Gray zu klammern und zog die Aufmerksamkeit beider auf sich.

„Tun wir absolut nicht!“ platzte es aus beiden heraus, ehe sie sich erschrocken anguckten, dann wandten sie sich beide mit eingeschnapptem Fauchen voneinander ab.

„Dummer Idiot!“

„Dumme Prinzessin!“


Beide kräuselten ihre Nase, ehe sie sich ein amüsiertes Schnaufen nicht mehr verkneifen konnten und auch der Rest der Gruppe beäugte dies mit Kichern.

Der Rest des Nachmittags und auch Abend verging mit viel Gelächter. Lucy hatte sich noch mehr Cocktails einverleibt, aber nicht ohne zuvor, auf Befehl von Natsu hin, was von der Fairy Tail Küche gegessen zu haben. Die Blonde fand heraus, dass der heutige Tag ziemlich ruhig war, gab es wohl noch viele Mitglieder, die sie noch kennenlernen musste. Unter anderem Natsus Ziehschwester, Wendy. Auch mit Mirajane hatte sie sich unterhalten, war sie ihr sofort mit ihrem schwesterlichen Gemüt ans Herz gewachsen. Ihre zwei Geschwister befanden sich momentan in Crocus, die Hauptstadt von Fiore, doch niemand schien erklären zu wollen wieso, also wollte Lucy keine unangenehmen Fragen stellen.

Mittlerweile war ihr auch aufgefallen, dass ihre Freundin Levy ziemlich viel für Gajeel übrighatte. Zwar könnten die Unterschiede zwischen den beiden nicht größer sein, – war sie eine zierliche, überaus freundliche Vorzeigeschülerin, war er ein gepierctes, ungehobeltes Muskelpaket – so konnte sie leicht erkennen, dass sich die beiden gut ergänzten und sie hoffte für die Blauhaarige, dass sich bald was zwischen ihnen tat.

Und obwohl der Pinkhaarige es selbst noch nicht wusste oder merkte, diese kalte Hand, die sich am gestrigen Abend um sein Herz gelegt hatte und drohte es zu zerquetschen, fing an einen sanfteren, wärmeren Griff zu bekommen. Doch vielleicht war es auch nur, dass er sich allmählich an dieses Gefühl gewöhnte und sich weniger dagegen sträubte in der Nähe der Heartfilia zu sein.


- intermission -


Es war Jahre her, dass Lucy sich so ausgiebig amüsiert hatte und sie kam nicht umhin nochmals Natsu in Gedanken hierfür zu danken. Mit keinem Vermögen dieser Welt könnte sie ihm das hier je zurückzahlen. Sie war nicht einmal einen Tag lang ein Teil von Fairy Tail und doch fühlte sie sich so geborgen, als würde ihre Mutter schützend die Arme um sie legen.
Sie verschuldete es wahrscheinlich dem Alkohol, als sie abermals an diesem Tag sich ein kleines, glückliches Schluchzen nicht verkneifen konnte, als sie auf dem Heimweg mit Natsu war, der die Prinzessin Huckepack nehmen musste, da wohl vier Cocktails einer zu viel war für ein Leichtgewicht wie sie.

„Alles okay, Prinzessin?“ erkundigte sich dieser, hatte er das leichte Aufseufzen ihres Atems im Nacken gespürt, was ihn eine kleine Gänsehaut bescherte.
Es war schon fast Nacht und die Luft war frisch, klärten seine leicht benebelten Sinne von den Bieren, die er getrunken hatte, und der klare Sternenhimmel mitsamt des Sichelmondes schien auf die beiden herab. Fairy Tail war nur zwanzig Minuten zu Fuß von ihrem Wohnkomplex entfernt, also war es glücklicherweise ein Leichtes für ihn sie den ganzen Weg zu tragen.

„Ja, ich bin nur unsagbar froh!“ säuselte sie, stieß ein wohliges Seufzen in seinem Nacken, nahe seinem Ohr, aus, was ihm einen warmen Schauer den Rücken runterjagte. Er war sich sicher, dass sie sich nicht bewusst war, wie unglaublich provokant das war, und er konnte sich ein kleines, genervtes Knurren nicht verkneifen. Sie wäre Sting hilflos ausgeliefert.

„Ich kann dich also nicht von Sting abbringen, hm?“ er konnte es nicht dabei belassen, er sorgte sich. Er spürte ihren warmen Körper an seinem Rücken, wie ihre füllige Brust sich gegen ihn drückte, ihre dünnen Arme sich um seinen Hals schmiegten und sie stetig in seinen Nacken atmete. Dabei war ihr nicht einmal bewusst, wie provokant und reizend das für einen Mann sein konnte. Glücklicherweise nicht für ihn, da er ja solch ein Interesse ihr gegenüber nicht besaß, aber ganz bestimmt für einen wie sein blonder Freund.

„Wieso auch?“ eine Gegenfrage, die er beschloss offen zu lassen, war es wohl nicht möglich sie umzustimmen. Lucy hingegen gefiel es nicht, dass er sie so dringend von seinem Freund abraten wollte, aber nicht einmal erklären wollte, wieso das denn wirklich der Fall. Ein verschmitztes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, als sie an den gestrigen Abend dachte. „Ich eine Frage, du eine Frage. Sollte einer von uns beiden eine Lüge als Antwort geben… hm… klären wir dann?“ versuchte sie den jungen Mann doch tatsächlich zu zitieren. Er konnte nicht anders als einmal aufzulachen, vielleicht war sie doch nicht so hilflos.

„Zu deinem Glück, hab‘ ich eh noch einige Fragen.“ schmunzelnd willigte er ein. „Also gut… du bist doch viel unerfahrener und sorgenfreier als ich angenommen hab‘, Prinzessin. Versteh‘ mich nicht falsch, Sting ist kein schlechter Kerl, er hat seine Freundinnen stets gut behandelt, aber…“ er wollte nicht zu viel über seinen Freund preisgeben, waren die Probleme mit Yukino etwas, dass ihm nichts anging, und auch nicht etwas, das ihm zustand einfach jemand anderem zu erzählen.

„Aber?“ hakte sie nach, bislang hatte er ihr nicht wirklich einen Grund gegeben ihr Vorhaben zu ändern. Dass er sie für unerfahren hielt, war ihr auch bewusst.

„Es gibt ein paar Dinge, die ich nicht sagen kann, weil es mir einfach nicht zusteht.“ erklärte er ihr, fuhr daraufhin aber fort. „Er ist ein richtiger Verführer. In der Regel enden seine Beziehungen nicht ohne mindestens einmal im Bett gelandet zu sein. Ich würd’s ungern sehen, sollte er dich dermaßen verletzen, Luce.“ gab er zu.
Er konnte nicht sehen, wie Lucys Wangen, die vom Alkohol noch gerötet waren, dunkler wurden. Sie fühlte sich geschmeichelt, sehr sogar. Aber viel mehr als das fühlte sie ein wohliges, flaues Gefühl in ihrer Magengegend, als er sie Luce nannte, so war das ein Kosename, den sie zuvor nicht gehört hatte.

„Vielleicht werde ich es mir noch einmal überlegen.“ verlegen vergrub sie ihr Gesicht in seinen Rücken, sie wollte nicht, dass er mitkriegt, dass dieser Kosename so eine Reaktion bei ihr hervorrufen würde.

„Wieso vergräbst du dein Gesicht? Das kitzelt im Nacken!“

„Ich gestehe mir ungern Niederlagen ein.“ sog sie sich aus den Fingern, und gespielt schmollend hob sie ihren Kopf wieder. „Deine Frage.“ sie kaute auf ihrer Unterlippe, war sie doch ein wenig nervös.

Für einen Moment blieb er still. Da er so einige Dinge hatte, die er sie gerne fragen würde, sollte er es sich erstmal genau überlegen. Er würde zu gern wissen, was ihr so sehr zugesetzt hatte, nur noch einen Ausweg zu sehen, aber er wollte ihre gute Laune über den heutigen Tag nicht ruinieren und er war sich fast sicher, es bei einer anderen Gelegenheit erfragen zu können. Dann wäre da noch die Sache mit Aquarius. Es war eindeutig, dass die beiden sich kannten, sogar nahestanden, er hatte den besorgten Blick der Blauhaarigen während des Sportunterrichts mitbekommen, und dann natürlich auch die Dinge, die sie ihm ans Herz gelegt hatte.

„Beim Sportunterricht meinte Aquarius sie wollte noch was mit dir besprechen, richtig? Was war es?“ Lucy quittierte diese Frage mit einem Brummen. „Keine Widerrede, Prinzessin. Du hast das Spiel angefangen.“ ermahnte er sie.

„Es ging um meinen körperlichen Zustand.“ sagte sie dann missmutig. Sie hatte versucht das Gespräch weitestgehend zu verdrängen. „Aquarius war mein Sportcoach für gute zehn Jahre. Hat mir Sportgymnastik beigebracht und auch eine Art von Luftakrobatik.“ Natsu schaute ein wenig überrascht, hatte er sie nicht wirklich als athletisch eingeschätzt. Lucy seufzte einmal schwerfällig.

„Als ich ihr gesagt habe, dass ich gerne ihren Sportclub beitreten wollte, hat sie mich abblitzen lassen. Loki, mein Bodyguard, hatte ihr wohl berichtet, dass mein Körper im letzten Jahr zunehmend schwächer wurde. Ziemlich miese Petze.“ er konnte das Schmollen auf ihren Lippen förmlich hören und musste unwillkürlich grinsen. „Auf jeden Fall wollte sie mir erstmal sagen, dass ich gerne später dem Club beitreten kann, aber ich erstmal wieder daran arbeiten soll, dass ich stärker werde.“

„Das war aber nicht alles.“ stellte er fest, merkte er wie ihr Körper sich auf seinem Rücken verkrampfte und sie widerwillig schien mehr preiszugeben.

„Sie möchte, dass ich wieder bei meiner Ärztin vorstellig werde. Sie hat mir auch geholfen, als ich…“ sie unterbrach sich, doch er verstand was sie meinte, weshalb er nur nickend zu verstehen gab, dass sie es nicht aussprechen musste, also fuhr sie fort. „Jedenfalls geht es halt darum, dass wenn ich mich körperlich, als auch seelisch, zu sehr anstrenge, dass mein Körper nachgibt. Ich war deswegen häufig krank die letzten Jahre, bin drastisch schwächer geworden, dann noch mein Ex-Verlobter…“ wieder stoppte sie, kaute unsicher auf ihrer Unterlippe. Sie hatte Angst, dass Natsu sich zu sehr sorgen würde und sie wollte auch nicht zu viel preisgeben. Sie seufzte abermals.

„Als Aquarius von der Verlobung erfuhr und auch wie schlecht es mir wirklich ging, hat sie sich mit meinem Vater angelegt.“ der Pinkhaarige lachte ungläubig auf und schüttelte belustigt den Kopf. „Weshalb sie des Anwesens verwiesen wurde.“ das ließ ihn verstummen, nun war es an Lucy für einen Moment zu kichern. „Ist okay, sie hat es aufm Anwesen gehasst, ich glaube es tat ihr gut, zumal sie ihn schon seit Jahren anfauchen wollte. Aber ja, danach ging es mir halt noch schlechter, dann ist das passiert.“ sie deutete auf ihr rechtes Handgelenk, dass heute von einem roten Bandana umwickelt war.

„Da ich jetzt allein bin, ist sie besorgt, dass mich der Stress zu Boden reißen wird. Am Montag bat sie mich also, dass ich sie als Vormund eintrage, obwohl ich vollmündig bin.“ sie schmiegte sich näher an ihn, vergrub ihren Kopf in seinem Nacken und atmete für einen Moment schwer. „Es wird unweigerlich den Zorn meines Vaters auf sie lenken.“ Natsu konnte nichts darauf erwidern. Er wusste von diesem Zorn, war es doch genau das, was ihn Lucy ablehnen ließ. Es gäbe nichts, was er sagen könnte, um es für sie oder ihn leichter zu machen.

Lucy schloss ihre Augen, sog den beruhigenden, wohligen Duft ihres Freundes ein, versuchte sich zu entspannen. Sie merkte wie das Ausnüchtern, als auch Natsus angenehme Körperwärme, sie in ein leichtes Schlummern einlullen versuchte. Der breite, muskulöse Rücken des Jungen spendete ihr Halt und Trost und sie kam nicht umher, sich einfach wohl in seiner Nähe zu fühlen, als könnte sie darauf vertrauen, dass er sie niemals fallen lassen würde.

„Du Natsu?“ ein Brummen seinerseits gab ihr zu verstehen, dass er zuhörte. „Ich bin es leid, dass alle versuchen mir die Last abzunehmen…“ ein müdes Seufzen entkam ihrer Lippen. „Ich bin stark und auch nicht mehr allein.“

„Du hast Fairy Tail.“

Ihr Körper entspannte sich.

„Und dich…“

Ein schuldbewusstes Lächeln auf seinen Lippen.

Ein zerbrechliches und dennoch unbändiges Mädchen auf seinem Rücken.

„Und mich, Prinzessin.“

Ein erleichtertes Lächeln auf ihrem schlafenden Gesicht.

„So unsagbar süß und unschuldig.“
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