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Dämonen

von Swoobat
OneshotAllgemein / P12 / MaleSlash
Dean Winchester Sam Winchester
11.04.2021
11.04.2021
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11.04.2021 785
 
Wieder einmal darf ich einen kleinen Beitrag zum Projekt Schreib meine Geschichte präsentieren.
Darüber hinaus ist dieser Oneshot ein kleines Geschenk für meine fleißig wie gewissenhafte Beta Amurnatter, die sich Winchest von mir wünschte. :*

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Dämonen


Als Dämon wird in verschiedenen Mythologien, Religionen und mystischen Lehren zunächst ein „Geist“ oder eine Schicksalsmacht als „warnende oder mahnende Stimme (des Gewissens)“ und „Verhängnis“ verstanden.
Erst unter christlichem Einfluss wandelte sich die Bedeutung dann bis zu einem Handlanger des „Teufels“.



Dean hatte gelernt, sich auf seinen Instinkt zu verlassen.

Wenn die geifernde Schnauze eines Werwolfs wenige Zentimeter vor einem zuschnappte, blieb einem kaum eine Handvoll Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen. Dann tat Dean das, was ihm sein Innerstes entgegen schrie. Er schenkte der Stimme Vertrauen, die sein Vater über viele Jahre geformt und geschliffen hatte.

Manchmal aber wollte Dean solche Worte ungehört an sich vorüberziehen lassen.
Dann, wenn es kein bellender Befehl war.
Dann, wenn sich sein Gewissen gekleidet in murmelndes Geflüster in sein Herz schlich.

Als er sich wieder einmal taub stellte, heuchelte er vor, ganz furchtbar mit den Recherchen zu ihrem Fall beschäftigt zu sein.
Das Tagebuch seines Vaters aufgeschlagen vor sich, überflog er halbherzig die Textpassagen, in denen John über die Jagd von einem Oni berichtete.
Immer wieder schaute Dean auf, immer wieder sah er zu Sam, der zwar mit ihm am Tisch saß, dabei aber einer gänzlich anderen Tätigkeit nachging.

„Fluchen steht dir nicht, Sammy“, merkte Dean neckend an, blätterte rein aus Alibigründen ein paar Seiten weiter.
Sichtlich frustriert ließ sein Bruder die Nadel mitsamt des aufgefädelten Garns sinken, um Dean einen genervten Blick zuzuwerfen. Gleichzeitig pustete er sich eine Strähne aus dem Gesicht, die ihm in die Stirn gefallen war.
„Warum muss das mit dem Reißverschluss auch so verdammt friemelig sein?“, maulte Sam und allein über diesen Tonfall hätte Dean sich ewig amüsieren können.

„Dass du auch jeder einzelnen Hose hinterher trauern musst“, stichelte er, worüber Sam mit den Augen rollte.
„Sie sitzt gut, der Stoff trägt sich angenehm und ich mag die Farbe. Natürlich wandert sie dann nicht gleich in die Tonne.“ Damit nahm Sam seinen kläglichen Versuch wieder auf, den Reißverschluss festzunähen, dessen eine Nahtstelle sich geöffnet hatte.

Sein Bruder war nicht gerade für seine Ungeduld bekannt. Ebenso gehörte er nicht zu der Art Menschen, die an feinen Arbeiten scheiterten. Heute schien es mit seiner Frustrationstoleranz aber wirklich nicht weit her.

Ein paar weitere Sekunden der Belustigung erlaubte Dean sich, ehe er Sam mit gespielten Seufzen das Nähzeug mitsamt der Hose entriss.
„Hey, ich--“, wollte dieser protestieren, was Dean im Keim erstickte.
„Kümmere du dich doch lieber um die Recherchen. Das liegt dir sowieso besser“, erwiderte er machohaft, worüber Sam eine Augenbraue hob.
„Ich bin ja wirklich dankbar darum, dass es noch Dinge gibt, die ich nicht über dich weiß, aber... nähen? Ernsthaft, Alter? Wir reden hier immerhin nicht vom halbherzigen Zutackern einer Fleischwunde.“
„Ja ja“, winkte Dean ab und machte dabei eine abfällig wie herrlich zackige Handbewegung. „Warts nur ab. Du wirst schwer beeindruckt sein.“
„Ich glaube auch“, seufzte Sam und griff nach dem Tagebuch ihres Vaters.

Für einige Minuten herrschte Schweigen, während sie beide konzentriert ihrer Arbeit nachgingen. Nein, Dean würde nicht zugeben, wie er sich ebenfalls einen an diesem verdammten Reißverschluss abmühte...!

Als er fast fertig war, hob er seinen Blick und sah zu seinem Bruder hinüber.
Wieder war ihm diese eine, blöde Strähne ins Gesicht gefallen, wieder pustete er sie weg.
Dean beobachtete, wie Sam sich konzentriert ein paar Notizen machte und dann innehielt. Gedankenverloren trommelte er ein, zwei mal mit dem linken Zeigefinger auf die Tischplatte, ehe ihn offensichtlich eine Eingebung ereilte und er weiterschrieb.

Ein leicht trauriges Lächeln legte sich auf Deans Lippen, denn über die Zuneigung, der er sich in diesem Moment wieder einmal bewusst wurde, lagen ihm mahnende Worte der Schuld in den Ohren.

„Ist irgendetwas?“, fragte Sam, worüber Dean den Kopf schüttelte.
„Nee, Sammy“, sagte er leichthin und setzte ein kleines Grinsen auf. „Alles in Ordnung. Ich bin nur fast fertig.“
Sam schenkte ihm einen anerkennenden Pfiff als Erwiderung, sagte darüber hinaus allerdings nichts.

Dean sah auf seine Hände und schwieg ebenfalls.
Er war sich seiner Dämonen bewusst – jedem einzelnem.
Wahrscheinlich sollte er froh sein, dass einer von ihnen es sich zur Aufgabe gemacht hatte, ihn an sein schlechtes Gewissen zu erinnern und ihn somit von seinen dummen Ideen abzubringen.

Er seufzte tonlos und machte sich daran, den Faden zu verknoten.

Zu seiner dümmsten Idee gehörte wohl, gelegentlich den Appell an seine Vernunft zu ignorieren.
Wegzuhören und sich in einer Vorstellung zu ergehen, die niemals sein würde.



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Zu guter Letzt bleibt zu erwähnen, dass ich mir die kursive Einleitung von Wikipedia-Artikel über Dämonen gemopst habe.
Ich habe zu danken~
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