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Herr oder Knecht? - Der Mensch und sein Verhältnis zur Technik (2)

von Kalatas
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
10.04.2021
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Herr oder Knecht? - Der Mensch und sein Verhältnis zur Technik.


„Kannst Du jetzt mal bitte dein Handy wegpacken?“, hörte ich mich zum X-ten Mal zu meiner Freundin sagen. Da ich ein sehr limitiertes Zeitfenster habe, bieten sich mir nur wenige Möglichkeiten, mich mit meinen Freunden zu treffen. Oft ist es nur auf einen Kaffee, für nicht länger als ein bis zwei Stunden. Umso nervtötender ist es, wenn mein Gegenüber sich dazu entschließt, dass die Gesprächspartner, in Form von Daten und mehrere Kilometer entfernt, interessanter sind als ich. „Ups, sorry!“, ist meistens die Antwort die ich erhalte und das Smartphone wird auf den Tisch gelegt. Jedoch entgehen mir die nervösen Blicke, welche dem kleinen Gerät immer wieder zugeworfen werden, nicht. Und da stellt sich einem die Frage ob wir nicht den Kampf gegen die Technik schon vor langer Zeit verloren haben. Sind wir mittlerweile ihre Sklaven? Oder haben wir sie voll im Griff?

Schwierig zu beantwortende Fragen. Wenn man nach Oswald Spengler geht, ist Technik ja nicht gleich Maschine. Die Technik war schon immer Bestandteil der Natur, um zu überleben. Im Laufe der Zivilisation haben wir verschiedenste Methoden verbessert, neue Wege gefunden und alte Techniken in den Geschichtsbüchern und Museen hinterlassen. Dies trifft auch auf unser geliebtes Smartphone zu. Der Mensch, und auch andere Lebensformen, hatte schon immer einen – notwendigen - Drang, sich mit anderen Menschen auszutauschen; sei es um Informationen zu erhalten oder einfach nur um über Erlebnisse zu berichten. Und über die Zeit hinweg, haben sich immer schnellere und bessere Wege dafür geöffnet. Boten, Briefe, das Telegramm, die Telefonie und so weiter. Dies hat wohl auch zu einer der wichtigsten Erfindungen der Menschheit geführt: das Internet.
Aufgrund des Drangs, global so viele Informationen zu speichern und auszutauschen, wie nur möglich. So toll wie sich das auch alles anhört, es birgt durchaus Gefahren.

Es sind keine zehn Minuten vergangen, als die Hand meiner Freundin erneut nach dem vibrierenden Gerät greift. „Moment, ich antworte nur ganz kurz“, heißt es dann. Aus kurz wird für gewöhnlich aber lange. Und aus einer Antwort mehrere. Und aus Antworten wird durch den Feed von sozialen Medien scrollen und der Fokus liegt nicht mehr auf unserem Gespräch. „oh, sag doch was!“, ist eine weitere Standard-Antwort, die ich zu hören bekomme, wenn ich dann doch keine Lust mehr habe, die virtuellen Freuden zu unterbrechen. Zu stark ist der Einfluss des Internets.

Und dennoch bringt diese Technik des Informationsaustauschs viele Vorteile. Die Robotik hat erst durch diese Erfindung eine interessante Wendung genommen. Künstliche Intelligenzen sind dadurch verbunden, mit welcher wir verschiedenste Möglichkeiten nutzen können, um unseren Alltag zu vereinfachen. Es bieten sich viele Vorteile in der, zunehmend anspruchsvollen, Alten- und Krankenpflege. Um die Mitarbeiter und Angehörigen zu entlasten, haben sich ein paar kluge Köpfe zum Beispiel den Trageroboter oder auch automatische Badewannen einfallen lassen. In immer mehr Haushalten finden sich mittlerweile Roboter zum Staubsaugen – eine unfassbar nützliche Erfindung! Natürlich gibt es auch weniger tolle Erfindungen, welche leider dennoch benötigt werden. Die Robbe, ein roboterartiges Kuscheltier, soll alten Menschen als Ersatz für Kommunikation und körperliche Nähe dienen. Na, wenn die Verwandtschaft da mal nicht der Versuchung unterliegt, ihre Angehörigen argumentativ nie wieder besuchen zu müssen.

Nachdem der Kaffee endlich geleert wurde, mache ich mich dann auf den Weg, um das Treffen, das aus gefühlt 80 Prozent nachdenken und den restlichen 20 Prozent reden und Aufforderungen, das Handy doch beiseite zu legen, bestand. Mittlerweile treffen wir uns auch nicht mehr so oft zum Kaffee. Die Zeit wird ja doch meist vor diesem Wundergerät verbracht. Aber so sehr ich auch darüber wettere, heutzutage geht es einfach nicht mehr ohne Technik. Alles ist miteinander verbunden. Und wenn man sich den Geräten verweigert, dann verweigert man sich den sozialen Normen. Und es ist auch per se nichts schlimmes.

Gerade durch die Technik bieten sich uns viele Freiheiten. Automatisierte Vorgänge machen eintönige Berufe obsolet. Sie vereinfacht unser Leben und sorgt für Wohlstand. Zwar hat der Club of Rome damals für einigen Aufruhr gesorgt, als sie ihre wissenschaftlichen Prophezeiungen bezüglich Ressourcenknappheit und Bevölkerung enthüllt haben.
Doch heute weiß man, dass die Bevölkerung ab einem bestimmten Punkt aufhört zu wachsen. Dies kann man in den Industrienationen sehr gut beobachten. Die Geburtenrate in Deutschland ist so niedrig, dass sogar das Gegenteil eintrifft. Der demografische Wandel könnte sogar dafür sorgen, dass meine Generationen so gut wie keine Rente beziehen kann.
Der Grund? Technik.

Früher waren Familien groß, um die Versorgung zu sichern. Weiterhin musste man viele Kinder zeugen, da man nicht wusste ob von fünf Kindern überhaupt eines das Erwachsenenalter erreicht.
Die Anzahl der Hungernden sinkt, auch wenn verschiedenste Meldungen immer wieder suggerieren, dass wir ja ach so schlecht seien. Ich möchte natürlich nicht behaupten, dass hungernde Menschen positiv zu betrachten sind, und auch ich versuchen mit Spenden zuhelfen, aber durch fortschreitende Technik, können wir die Hungersnot der Welt und dadurch auch die explodierende Bevölkerungsdichte bekämpfen.


Als ich zu Hause ankomme, besteht meine erste Aktion darin, den Laptop einzuschalten. Denn auch ich bin nicht perfekt und benutze das Internet. Auch die sozialen Medien wie facebook, Twitter, Instagram und Co.

Und für introvertierte Menschen, wie ich es bin, ist dies auch eine perfekte Methode, um nicht von der Gesellschaft komplett ausgegrenzt zu werden. Für gewöhnlich scheuen wir Menschenmassen und verbringen bedeutend weniger Zeit mit anderen Menschen, als es extravertierte Individuen machen. Das ist natürlich ein Problem. Wir treffen nicht auf gleichgesinnte. Die Lösung? Internet!



Natürlich, wenn man sich die heutige Zeit, das Informationszeitalter, betrachtet, könnteman durchaus zum Schluss kommen, dass die Menschheit verdummt und sich von Maschinen regulieren lässt. Das prägnanteste Symbol dafürist vermutlich unser Smartphone. Auch ich stehe dieser Erfindung zwiespältig gegenüber. Einerseits liefert es eine immenseMasse an Informationen, über jegliche Themendie man sich vorstellen kann, andererseits birgt es ein signifikantes Suchtpotenzial.

Allerdings sollte nicht die Frage seinob wir denn Sklaven der Technik sind oder nicht. Die Unkerei der Alten, dass unsere Generation immer fauler wird und sie schwarz für die Zukunft der Menschheit sieht, muss aufhören. Stattdessen wäre eine angemessene Integration der heute zur Verfügung stehenden Möglichkeiten in unserem Arbeits- und Schulalltag sinnvoll. Die Arbeitssituation wird sich nun mal verändern und das ist auch nicht zwingend etwas schlechtes.

Dazu müssen sich unsere Führungskräfte allerdings auchdazubereiterklären, nicht alles zu verteufeln, was irgendwie einen Bildschirm hatder Daten verarbeitet und stattdessen einen sinnvollen Umgang damit ermöglichen.
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