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Don´t tell me, that you love me

von Yougirl
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Andrew Minyard Neil Josten
10.04.2021
29.12.2021
11
53.443
2
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
17.06.2021 4.916
 
Einen schönen Donnerstag ihr Lieben!
Ein neues Kapitel für euch, damit ihr vielleicht etwas zu lesen habt, während die Hitze uns alle brutzelt. Wahrscheinlich hätte ich es Samstag posten sollen, passend zum kommenden Deutschland-Spiel. Vielleicht poste ich trotzdem an dem Tag, wenn auch nicht das Spiel der Foxes gegen die Mountain Lions! Viel Spaß beim lesen! Und schmelzt bloß nicht, bei der Hitze! :D

P.S: ich hab nach Einwechslungsregeln, etc gesucht, um das Spiel möglichst detailiert zu beschreiben. Die Ravens sammelten im Championsships-Spiel gegen die Foxes diverse rote Karten, undTetsuji hat dies ausgenutzt, um einfach Spieler zu ersetzen. Heißt, es wird da wohl anders gehandhabt, als z.B im Fußball. Daher hab ich das hier aufgegriffen. :)


Der Ball flog durch die Luft, als die Mountain Lions auch schon los sprinteten und die Menge um sie herum explodierte, als das Spiel endlich startete.
Neil merkte innerhalb von Sekunden, dass Kevins Gemecker bezüglich der Mountain Lions durchaus angebracht war. Sie waren ziemlich gut, schnell und rau in der Spielweise.

Man hörte das Klackern und Klicken von einanderkrachenden Schlägern und das Spiel lief noch keine Minute, als Dan sich mit einem der Backliner der Gegenmannschaft auf dem Boden wiederfand. Neil und Kevin arbeiteten in vertraute Synchronie. Neils Abwehrspieler war massiger und ungefähr zwei Köpfe größer als er – vermutlich musste es ziemlich seltsam aussehen, wenn dieser gewaltige Kerl hinter ihm her sprintete – aber das bedeutete auch, dass er nicht nur einen gewaltigen Längenvorteil hatte, sondern dass es auch sehr unklug wäre zwischen ihm und der schützenden Trennwand des Spielfeldes zu kommen, sofern Neil mit heilen Knochen das Spielfeld verlassen wollte.

Und genau das schien die Strategien zu sein. Sobald Neil passte, musste er sich umgehend in Sicherheit bringen, bevor ein Bodycheck ihn traf. Er war der schnellste Spieler des Class I Exys und das schienen die Mountain Lions ebenso ernst zu nehmen, wie sie Champion Kevin ernst nahmen. Neil fühlte sich auf der einen Seite ziemlich selbstgefällig darüber, dass man ihm nun nicht mehr als Amateuer sah, wie am Anfang seines Freshmen Years, auf der anderen Seite würde er auf diese Weise Schwierigkeiten haben seine Kräfte einzuteilen, wenn er auch noch seinem Defensivspieler ausweichen musste, der entschlossen schien, ihn auch dann noch hinterher zu jagen, wenn Neil den Ball abspielte. Er pokerte scheinbar darauf, dass die Schiedsrichter Bodychecks kurz nach Ballabgabe noch einen gewissen Spielraum von einigen Sekunden anräumten, da man im Eifer des Gefechts schon mal nicht so schnell abbremsen konnte. Für Neil bedeutete das, dass er möglichst viel Raum zwischen sich und ihm bringen musste.

Die Bestätigung dafür bekam Neil, nachdem er den ersten Punkt nach Hause geholt hatte. Kevin spielte seinen Defensivspieler aus und passte zu Neil, der kurz vor dem Tor war. Neil raste nach vorne, erwischte den Ball und feuerte. Das Tor leuchtete Rot auf und die Zuschauer spielten verrückt, als Neil plötzlich nichts als ein dumpfes Dröhnen hörte und seine Beine plötzlich nicht mehr am Boden waren, als sein Körper von etwas – Jemanden – gerammt wurde und Neil durch die Wucht der Kollision und der Tatsache, dass er weder in Größe noch in Gewicht eine große Konkurrenz für seinen deckenden Gegenspieler war, die fast zwei Meter ins Tor geschmettert wurde.

Der Buzzer dröhnte durch das Stadion, als das Tor erneut rot aufleuchtete und sein Gewicht fälscherlicherweise für ein Tor hielt. Während ein wütendes Brüllen durch die Menge ging und Neil zu benommen war – und zu sehr darum kämpfte Luft in seine Lungen zu befördern sowie die schwarzen Punkte in seinem Blickfeld wegzublinzeln – um den Grund zu verstehen.
Neben ihm ragte der Torhüter der Mountain Lions auf, irgendwie viel zu groß. Neil war zwar nicht sonderlich riesig, aber das war der Goalkeeper von Vermont auch nicht.
Kevin rief seinen Namen und gestekulierte wie wild mit der freien Hand. Warum war Kevin auch so verdammt groß?

Plötzlich ertönte ein lautes Dröhnen, wie von einem Schläger, der auf den Boden krachte, nahezu extravagant laut, noch lauter als der Ball, der grade von Aaron gegen die Wand geschmettert wurde, damit er die maximalen 10 Schritte nicht überstieg und den Ball nicht an den Striker der Gegenmannschaft verlor.
Andrew hatte seinen gewaltigen Schläger auf den Boden knallen lassen um Neils Aufmerksamkeit zu erlangen und der mit einer ruppigen Geste Neil zu verstehen gab aufzustehen. Die schwarzen Punkte in seinem Sichtfeld klärten sich, als er ihn anstarrte und sein hektischer, abgehackter Atem wieder ruhiger wurde. Andrew...
„Du solltest aufstehen, Mann. Oder den Schläger heben, wenn du raus willst“, bemerkte der Torhüter der Mountain Lions und deutete vage in Richtung der Plexiglaswand. Dort standen Wymack und Abby, Wymack mit einem angepissten, Abby mit einem besorgten aber gefassten Gesichtsausdruck.
Neil blinzelte und sein benebeltes Hirn realisierte, dass er noch immer im gegenerischen Tor war, sein Defensivspieler lief arglos ein paar Meter weiter entfernt, Neils Lage dafür ausnutzend, stattdessen Kevin in Bedrängnis zu bringen, der plötzlich von zwei Mann gedeckt wurde. Bis auf eine warnende Geste seitens der Schiedsrichter war er mit seinem Body-Check durchgekommen.

Wann zum Teufel war er auf dem Boden gelandet?, fragte Neil sich und hätte am liebsten den Helm runtergerissen. Der Kinnriemen und das schützende Visor hatten eine nahezu klaustrophobische Wirkung, die dafür sorgte, dass er nicht genug Luft bekam.
Endlich rappelte er sich auf und joggte ein paar Schritte zurück zu seinem Startpunkt. Seine Beine kribbelten unangenehm, seine Brust schmerzte höllisch und wann immer er zu schnell den Kopf bewegte raste ein stechender Schmerz durch seinen Schädel, doch das war nichts, was Neil nicht händeln konnte.

Das Spiel ging weiter. Zehn Minuten später war bereits die Hälfte der ersten Spielhalbzeit um und Renee und Andrew würden jeden Moment miteinander wechseln. Bis dato hatte keiner der Mountain Lions ein Tor erzielt, auch wenn es nicht an mangelnden Gelegenheiten lag, sondern schlicht weg daran, dass Andrew ein Albtraum für jeden gegnerischen Striker im Tor war.
Andrew zu schonen war klug. Er sollte in der zweiten Hälfte noch einmal hinter den Foxes aufräumen, wenn Vermont mit frischen Spielern aufwartete.

Aus den Augenwinkeln sah Neil, wie die Subs auf der Bank anfingen hin und her zu wuseln und sich für die ersten Wechsel bereit zu machen. Diesen Luxus zu besitzen war immer noch merkwürdig für die Füchse, die sonst immer mit der absoluten Mindestanzahl an Subs und Spielern aufgelaufen waren.
Kurz bevor die Auswechslung verkündet wurde, feuerten die Strikerin der Mountain Lions ein weiteres Mal aufs Tor. Andrew blockte den Schuss, allerdings so, dass der Ball nicht einfach nur weg geschlagen wurde, sondern zwischen Netz und Boden gefangen wurde. Als Andrew ihn aufsammelte, ruckte sein Kopf in Neils Richtung und der Ball flog kurz darauf durch die Luft.

Neil, bereits im Begriff zu laufen, stellte sich aufrechter hin, doch zu seiner Überraschung schmetterte Andrew den Ball flach über das Spielfeld, nicht hoch und weit wie sonst. Neil jagte trotzdem auf ihn, seine Manndeckung direkt hinter ihm, doch statt den Ball zu fangen – und ein weiteres Mal mit einem Bodycheck zu Fall gebracht zu werden – schlug Neil einen Harken. Der Aufprall klang wie der Einschlag eines kleinen Geschosses und Neil hörte den Schmerzenslaut, als der Ball gradewegs in den Defensivspieler der Mountain Lions geschmettert wurde. Er prallte ab, die Hand auf die getroffene Stelle gelegt, keuchte sein Gegner, während Neil den Ball aufsammelte. Die Mountain Lions Fans buhten und schrien wütend durcheinander.

Neil sah Kevins Deckung auf sich zu rennen, genauso wie der Dealer der Lions, doch er sprintete Richtung Tor, bevor er doch zu Kevin abspielte, der wesentlich näher stand und das Tor nachhause holte. Der Ärger der Mountain Lions wurde von den jubelnden Foxfans übertönt.
Kevin joggte auf Neil zu und die ließen ihre Schläger gegeneinander klicken. „Alles okay?“, fragte Kevin und Neil winkte ab. Kevin würde ihn auf der nächsten Bank parken, wenn er wüsste, dass seine Brust heftig pulsierte.
Der Wechsel wurde verkündete und die zornigen Ausrufe der Spieler Vermonts wurden von dem Stadionsprecher übertönt.

Zu Neils Überraschung kam Robin statt Renee aufs Feld, während Renee einen ziemlich erschöpften Matt eine Atempause verschaffte, sowie der neue Freshman Dealer für Dan.
Mit Renee als frische Defensivspielerin konnten sie den erschöpften Strikern mehr entgegensetzen, allerdings nur, bis diese durch zwei Neue ersetzt wurden. Selbst mit drei frischen Spielern reichte es nicht aus, um zu verhindern, dass keine fünf Minuten später das erste Tor für die Mountain Lions fiel und das Zweite kurz darauf folgte. Kevin und Neil fochten mit Nägeln und Zähnen darum ihre Führung auszubauen, allerdings wurde jeder hart erkämpfte Punkt ziemlich schnell von den Mountain Lions gekontert und aufgeholt.

Ihre Spielweise schien nach dem – zwar nicht beweisbaren – in ihren Augen absichtlichen Angriff auf einem der ihren ruppiger und rücksichtsloser geworden. Zwei von ihnen wurden mit roten Karten vom Platz verwiesen, aber das war gleichzeitig eine gute Gelegenheit des Coaches von Vermont seine Spieler auszuwechseln und den Foxes zuzusetzen.
Dafür, dass die mit 3 Punkten Vorsprung gut angefangen hatten, endete der Score nun 4 – 4, was für niemanden ein besonders befriedigendes Gefühl war, als sie in der Halbzeit vom Platz gingen. Selbst wenn Andrew gegen eine frische Linie das Tor hielt, wenn er wieder auf den Platz kam, so waren Neil und Kevin – deren ursprünglicher Plan es war einen ausreichenden Vorsprung aufzubauen um den neuen Strikern mehr Raum zu geben und weniger Druck – bereits reichlich erschöpft und ihre Subs zu grün um gegen die Mountain Lion ernsthaft ihren Stand zu halten.

„Das war nicht so, wie geplant, aber ich gebe euch noch eine Chance, bevor ich euch heute nach dem Spiel das ganze Stadion putzen lasse“, verkündete Wymack, als er sich zu seinem verschwitzten Team gesellte. Abby drückte einem der Subs die Getränke zum verteilen in die Hand und machte sich daran sich durch die erschöpften Spieler zu arbeiten um kleinere Blessuren zu verarzten. „Was macht dein Kopf?“, fragte Abby und berührte vorsichtig Neils Schläfe, während ihre Augen sein verschwitztes Haar auf Beulen sondierte.

„Tut kaum weh“, antwortete Neil und sah betont nicht in Kevins Richtung.
„Das war ein harter Body-Check...tut die Brust weh?“
Neil schüttelte den Kopf. Er wusste wie sich gebrochene Rippen anfühlten. Vermutlich würde er nur ziemlich blau werden. Blutergüsse war nichts ungewöhnliches. Eher eine Standardverletzung beim Exy. Und definitiv nichts, was ihn jetzt dazu bringen würde ein Fass aufzumachen. Dennoch fühlte er ein wachsames Paar Augen auf sich.

Andrew ließ sich nicht so leicht täuschen wie die leichtgläubige Abby. Wobei Abby vermutlich weniger leichtgläubig war, als dass sie ihn und seine Antwort respektierte.
Seine Intervention während des Spiels – und der Tatsache, dass er dies hauptsächlich wegen Neil getan hatte, machte es schwierig für Neil sich weiterhin auf sein Vorhaben zu konzentrieren, sich nicht von Andrew ablenken zu lassen.
Kevin würde als Erstes mit Jack reingehen und Neil in der zweiten Hälfte der verbleibenden Spielzeit für Kevin kommen.

Die zweite Halbzeit begang und Neils Füße wippten auf und ab. Er war nervös und irgendwie aufgekratzt. Seine schmerzenden Rippen nahmen zu einem gleichmäßigen Pochen ab, was angenehmer war, allerdings konnte es ihn nicht ausreichend von seinen juckenden Fingern ablenken, die darauf brannten sich wieder um den Griff seines Schlägers zu legen.
Eins war nicht zu leugnen – Exy besaß eine unfehlbare Anziehungskraft. Selbst mit Kopfschmerzen und angeknacksten Rippen konnte er sich nichts anderes vorstellen, als das ekastatische Gefühl auf dem Spielfeld zu stehen, die Entschlossenheit und das pure Verlangen nach einem Sieg, der Hunger danach sich zu beweisen und sich selbst immer weiter und weiter anzutreiben, bis man jenseits seines Erschöpfungslimits war. Bis er Grenzen besiegt und neue gefunden hatte, die er auch brechen wollte.
Das Spiel vor ihm blieb torlos, obwohl es nicht an erbitterten Versuchen und Rangeleien mangelte. Renee hatte das Tor übernommen, Allison unterstützte die Abwehrreihe mehr, als dass sie als Dealerin fungiere, wobei sie immer wieder hin und her pendelte.

Für die Zuschauer war es vermutlich nicht das spannendste Geschehen, aber Neil erkannte ein gutes Spiel wenn er es sah. Beide Mannschaften blieben torlos, weil sie sich ebenbürtig waren und entschlossen ihr jeweiliges Tor dicht zu machen. Es war aufregend und nervenaufreibend zu gleich.
Neil konzentrierte sich vehement auf das Spiel – unter anderem, weil Andrew am anderen Ende der Bank saß und auf seinem Handy tippte.

Es war Neil ein absolutes Rätsel, wie er dem Spiel vor sich so gar keine Beachtung schenken konnte – abgesehen davon, dass Andrew vorgab in Exy nichts zu sehen, was auch nur annährend interessant war.
Wenigstens lenkte das Geschehen auf dem Feld Neil von weiteren Gedankengängen ab, die sich zu sehr mit Andrew beschäftigten – eine willkommene, wenn auch nur sehr kurzlebige Ablenkung. Denn nicht mal Exy konnte das nagende Gefühl der Schuld eindämmen, dass ihn überkam, als er Andrew aus den Augenwinkeln an seinem Kehlschutz nesseln sah.

Als es endlich an der Zeit war wieder auf den Platz zu gehen, sprang Neil als erstes auf und trabte eifrig auf der Stelle, um seine Muskeln wieder neu einzuheizen. Es kümmerte ihn nicht einmal, dass er nun mit Jack gemeinsam spielen würde. Exy war ihm wichtiger, als die Kommentare des vorlauten Mistkerls. Kevin und er ließen ihre Schläger gegeneinander schlagen, als sein Teamkamerade erschöpft und nassgeschwitzt auf ihn zujoggte.

„Noch ein Tor. Dann haben wir es geschafft.“
„Und das werden wir auch bekommen.“
„Junkie“, brummte Andrew, der sich an Neil vorbei auf den Platz schob und Renee zunickte, die ihn passierte.
Kevin musste Neil anstoßen, da dieser Andrew verblüfft hinterher sah. Dabei erwischte er die malträtierte Seite und Neil zuckte zusammen.

Kevin runzelte die Stirn, doch Neil lief los um seinen Platz einzunehmen.
Die Türen zum Feld wurden verriegelt und das Spiel brach sofort los, unaufhaltsam wie eine Tsunamiewelle. Wo die Mountain Lions vorhin wütend gewesen waren, spielten sie nun mit verbissener Entschlossenheit. Offenbar waren sie von Kampf zu Defensive übergangen – was es alles andere als leicht machte für die Striker.

Jack und Neil waren auch nicht so in Synchronisation wie Kevin und Neil. Jack hatte Mühe seinen Defensivspieler abzuwehren und sich freizulaufen, zumal sein deckender Gegner weniger an Jack als an Neil interessiert war. Neil hingegen fand Jack selten in einer Position, wo er ihm eine vernünftige Torvorlage geben konnte, bevor er sich plötzlich zwischen beiden Abwehrspielern eingekesselt wiederfand und musste den Ball wieder an Allison oder an Matt abgeben, wenn er wieder in die Zange genommen wurde.

Es war unfassbar frustrierend – bis zum Ende hin. Es stand noch immer unentschieden und die Minuten auf der Uhr verrannen.
„Halt ihn mir vom Leib und bleib gefälligst hier!“, rief Neil ungehalten in Jacks Richtung, der weiter ins Zentrum gelaufen war, um Allison dort zu helfen. Bedauerlicherweise bedeutete das auch, dass er Neil nun völlig der Gnade beider Abwehrspieler überließ.
Jack zeigte ihm den Mittelfinger, während er mit dem Dealer der Mountain Lions um den Ball kämpfte. Genervt folgte Neil wiederwillig den Sog nach vorne in die Spielfeldhälfte der Foxes.

Die Fans von Vermont schrien, brüllten und tobten so laut, dass sie selbst die Überzahl an Fox Fans übertönten. Das Spiel hatte sich drastisch in die Spielfeldhälfte der PSU verlagert. Und es war nur noch eine Frage der Zeit bis jemand es doch irgendwie an Andrew vorbei schaffen würde.
Jack hatte den Zweikampf verloren und der Ball flog plötzlich gradewegs auf Andrews Tor zu – den dieser abwehrte. Neil konnte den Moment genau spüren, als Andrews Augen auf ihm lagen. Ein Kribbeln in seinem verschwitzten Nacken, anders als das aufgeregte Kribbeln, das das Spiel verursachte. Stärker noch als das Adrenalin, dass seine schmerzenden Rippen eindämmte. Andrew ruckte mit seinem Kopf nach hinten die Spielfeldhälfte von Vermont.

Neil folgte Andrew Geste und nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte.
Jack wurde gegen Daphne ausgetauscht, die Strikerin, die Neil unbedingt hatte haben wollen. Sie winkte ihm zu, als sie auf das Spielfeld joggte und gab ihm beide Daumen nach oben. Sie beide hatten nicht viel miteinander zu tun, aber sie hielt genauso wenig von Jack, wie so ziemlich alle Foxes.

Es dauerte noch einige zermürbende Minuten – oder vielleicht legte Andrew es extra darauf an Neil noch etwas zappeln zu lassen, wissend, wie verzweifelt dieser gewinnen wollte.
Dann endlich ertönte das Dröhnen eines gewaltigen Schlägers und Neil rannte los, noch bevor er überhaupt den Ball in der Luft entdeckt hatte. Er wusste, dass Andrew ihn zielgenau kurz vor der Tor befördern würde – genauso wie Andrew wusste, dass Neil schneller war als die überraschten Mountain Lions. Es war nicht mal der außergewöhnlichste Move.

Allerdings hatte die Gier Vermonts endlich ein Tor zu schießen dafür gesorgt, dass sie unvorsichtig geworden waren. Neil fing den Ball geschickt aus der Luft, nachdem dieser vom Boden abgeprallt war. Er brauchte nicht einmal alle zehn Schritte, bevor er den Ball exakt hinter die Torlinie beförderte. Neil riss triumphierend den Schläger in die Luft, noch während die Mountain Lions Richtung ihres Tores sprinteten und ihr Torhüter den Ball auflas. Neil grinste, er konnte gar nichts dagegen machen. Der Triumph war besser als jeder Energie und drang bis in seine Beinmuskeln, wie ein Energieschub. Selbst seine protestierenden Rippen blendeten er aus.

Um ihn herum brach das Stadion in ein Brüllen aus, dass in seinen Ohren schrillte.
Die letzten Minuten auf der Uhr waren ein verbitterter, allerdings aussichtsloser Kampf. Andrew machte sein Tor dicht. Als der Buzzer erklang – und Vermont grade so um eine weitere rote Karte und ein Penaltyschuss für die Foxes herumkam – fielen sie sich begeistert in die Arme.

Nicky sprang an Neil auf und ab und schlang dann die Arme um ihn, als würde er ihn erdrücken wollen.
Danach wurde er weiter gereicht an Matt, der ihn kräftig auf die Schulter klopfte. Allison jubelte und Daphne lief auf die eintreffenden Subs zu, um fröhlich mit den anderen Freshman ihren Sieg zu feiern, mit denen sie mehr zusammenhing, als mit den alteingesessenen Teamkollegen.

Neils Wangen schmerzten von dem siegreichen Grinsen, das die Euphorie ihm ins Gesicht pflasterte. Seine verschwitzten, rotbraunen Haare klebten ihm an der Stirn und er bereute es kein Bandana zu tragen.
Ganz automatisch suchte und fand sein Blick Andrew. Nicky war zu seinem Cousin hinübergehopst und plapperte vor sich hin, so aufgeregt und in Hochstimmung versetzt, dass er auf und ab hüpfte.
Andrew streifte sich seine Handschuhe ab und schob sie in den Helm, denn er bereits abgenommen hatte. Der Anblick des verschwitzen, blonden Haares machte Dinge mit Neil, die vorher nie jemand bei ihm ausgelöst hatte. Angefangen bei der Hitze in seinem Magen und Flattern unterhalb seiner Brust und das Pochen in seinen Lenden. Nicht mal Andrew hatte dies lange Zeit bei ihm ausgelöst – bis sich ihre Beziehung geändert hatte. Von zwei jungen Männern, die sich bis aufs Blut misstrauten und verachteten bis hin zu ihrem `Nichts´.

Dan rief ihre Truppe zum obligatorischen Gratulationsrunde zusammen, was Neil nicht ungelegen kam, um sich von seinen Gedanken abzulenken.
Aaron hatte sich gar nicht damit aufgehalten auf das Spielfeld zu kommen, sondern hatte sich Katelyn geschnappt, von der er sich nur recht widerwillig löste.
Sie schüttelten Hände und tauschten knappe Kommentare über das Spiel aus, womit Neil sich nicht weiter aufhielt und Andrew erst gar nicht erst dazu kam um irgendjemandes Hand zu schütteln.
Danach pilgerten sie langsam vom Feld. Neil zuckte zusammen, als Nicky ihn fröhlich ansprang und dabei nicht grade sanft, an seine lädierte Seite kam. Er zog scharf die Luft ein und machte vorsichtshalber einen Schritt nach links, bevor der gestikenintensive Nicky ihm einen weiteren Tiefschlag versetzte.

Wärme kribbelte in seinem Nacken und breitete sich dort unangenehm klebrig aus, als würden ihm Blicke verfolgen. Hastig sah er sich um, ob Kevin möglicherweise seine scharfen Augen auf ihn gerichtet hatte, während Nicky fröhlich neben ihm plapperte. Allerdings konnte er niemanden entdecken, dessen Blick an ihm klebte.
Beim umziehen beeilte Neil sich damit aus seinem Trikot zu kommen und vorsichtig die Schutzpolster abzulegen. Seine Finger fuhren möglichst unauffällig über seine betroffene Seite.
Keine Brüche – wie er es bereits vorausgeahnt hatte. Er wusste genau, wie sich gebrochene Knochen anfühlten.

Neil ließ sich ziemlich viel Zeit beim duschen. Das auf kalt gestellte Wasser war angenehm auf seinem malträtierten Seite, linderte das Ziehen in seinem Kopf, das nach dem frenetischen Beifall der Zuschauer nur noch angeschwollen war und vertrieb die Hitze und den klebrigen Schweiß von seiner Haut. Die anderen Duschen waren längst verstummt, aber Neil konnte sich nicht dazu bringen aus den hart auf ihn herabprasselnden Strahl raus zutreten. Es war die einzige Atempause, die ihm gewährt wurde, bevor jeder einzelne seiner Kameraden – abgesehen von Jack, Aaron und Andrew – ihn dazu nötigen würden zu feiern.

Er hatte es geschafft sich vollkommen auf Exy zu konzentrieren. Unter anderem deshalb, weil die Mountain Lions wirklich mehr als ehrgeizige und engagierte Spieler waren, die seine Reserven genauso herausforderten wie sein Talent und seine gelernten Techniken.
Ohne seinen Kopf im Spiel wäre das ganze heute desaströs geendet.

Kevin hatte Pressedienst gehabt zusammen mit Dan. Neil hatte sich erfolgreich darum drücken können, obwohl er als Vice-Captain und künftiger Captain des Teams vermutlich dringend lernen sollte, wie er mit den nervtötenden Reportern und ihren sensationsgeilen, provokativen Fragen umgehen sollte, die sein Nervenkostüm sicher noch das eine oder andere Mal auf die Probe stellen würden – insbesondere wenn nächstes Jahr Dan, Allison und Renee nicht mehr da waren und Matt und Kevin ihr letztes Jahr antreten würden.
Aber erstmal wartete vorerst die aktuelle Saison auf sie, die noch in den Startlöchern stand. Sie würden Vermont mit ziemlicher Sicherheit nochmal wieder sehen.
Vorallem wartete jetzt sicherlich eine Siegesparty im Keller des Wohnheimes auf ihn, auf die Neil absolut keine Lust hatte.

Denn mit dem gewonnen Spiel gab es nun nichts mehr, was seine Gedanken von Andrew und dem Knutschfleck, dem er ihm verpasst hatte, ablenkte. Ein sichtbares Mal auf Andrews Körper, ohne dessen expilizite Zustimmung. War es tatsächlich möglich, dass es vielleicht nicht das erste Mal war, dass sowas passierte und dies dazu geführt hatte, dass Andrew sich seit letzte Woche Dienstag konsequent zurückzog? Hatte Neil irgendetwas übersehen, irgendetwas getan, von dem Andrew ausging, Neil wisse es und habe es bewusst getan? Habe bewusst seine Grenze überschritten ohne Rücksicht auf Andrew und die Bedeutsamkeit eines klar definierten `Jas´? Vielleicht eine Berührung, die Neil als beiläufig oder unbedeutend abgetan hatte, aber die etwas in Andrew getriggert hatte? Er war ziemlich empfänglich für Berührungen. Er schätze körperliche Nähe. An schlechten Tagen war Neil besonders bedürftig nach Berührungen. Egal ob Andrews Finger in seinem Haar oder seine Finger auf seiner Haut oder sei es auch nur ein fester Griff um sein Handgelenk.
Nichts konnte Neil darin erinnern, dass er am Leben war, dass er in Sicherheit war, dass er einen Platz gefunden hatte, wo er bleiben konnte, wie Berührungen, die ihn verankerten.

Andrew war an schlechten Tagen genau das Gegenteil. An solchen Tagen saß Neil auf dem Boden oder in dem Sitzsacke, wenn Andrew auf der Couch saß, um ihm Raum zu geben, aber ihm gleichzeitig zu vermitteln, dass er trotzallem DA war. In unmittelbarer Nähe. Dass er Andrew nicht verließ.
An solchen Tagen stahl Neil nicht Andrews Zigarette oder fragte nach einem Kuss. Er ließ subtil eine Decke oder einen seiner Hoodies in Andrews Nähe liegen, damit er sie nehmen konnte, wenn er wollte und dämpfte das Licht. Er ließ ihn stundenlang Musik hören und schaute sich irgendwelche Serien auf Netflix mit ihm an oder redete einfach drauf los. Irgendwas, was nicht zu viel Aufwand oder Anstrengung abverlangte – denn Anstrengung und Überwindung kostete jeder einzelner dieser Tage schon genug von Andrew. Neil sorgte dafür das Kevin Andrew nicht zu sehr auf die Nerven fiel und Andrew regelmäßig was zu Essen hatte - allen voran Eiscreme und Kakao.

Neil drehte das Wasser ab. Es tropfte leise von seinem Körper bevor er sich abtrocknete und schließlich in seine Klamotten schlüpfte.
Jetzt, ohne das rauschende Wasser konnte er die Stimmen seiner Teamkollegen hören, die in beschwingter Laune miteinander scherzten und ihren Adrenalinschub nach dem Spiel noch voll auskosteten. Ihre Euphorie sollte ansteckend wirken, aber Neil brauchte nur zwei Sekunden um festzustellen, dass von Andrew jede Spur fehlte, als er in die Umkleideraum zurückkehrte. Frustriert stopfte er seine durchgeschwitzten Sachen in die Wäschebox und fischte dann seine Jacke aus dem Spind, bevor er auch schon zur Tür aufbrach. Er hatte keine Lust auf die Sprüche oder die angeheizten Egos. Der Einzige, mit dem er sprechen wollte, war Andrew um diese Sache zwischen ihnen aus der Welt zu schaffen. Die Chancen standen gut, dass Andrew eine Zigarette brauchte, nach diesem Spiel.
Allerdings wurde Neil bereits erwartet – von jemand anderen als Andrew.
Abby winkte ihn zu sich ins Büro, in dessen Türrahmen sie gewartet hatte und Neil – widerwillig aber genau wissend, dass Abby ihn übermorgen den kompletten Abwasch alleine machen lassen und für das kommende Spiel auf die Bank befördern konnte – gehorchte ihrer Aufforderung. Er schloss die Tür hinter sich, als er drin war und musterte Abby und deren Ausrüstung sorgfältig.

„Was machen deine Rippen?“, fragte sie freundlich und ließ sich auf ihren Stuhl gleiten, die Hände unschuldig in ihrem Schoss gefaltet.
„Denen geht es gut...wieso?“
„Du hast in den letzten 15 Minuten so gewirkt, als würden sie weh tun. Ich wollte sie mir ansehen. Dieser Bodycheck war übel. Zieh bitte dein Shirt aus. Ich verspreche, es geht auch ganz schnell“, erstickte Abby Neils Protest, bevor dieser überhaupt über seine Lippen gekommen war und deutete auf die Liege.

„Mir geht es gut“, beharrte Neil und stierte zur Liege, als hätte sie ihm ein persönliches Leid angetan. Er befürchtete nicht, von Abby für das kommende Spiel in zwei Wochen die Spielerlaubnis zu verlieren, aber er hatte definitiv wichtigeres zu tun, als sich um geprellte Rippen zu kümmern, wo gegen man ohnehin nichts tun konnte. Wahrscheinlich würden sie beim nächsten Training nicht einmal mehr weh tun. Seltsam, dass Abby es überhaupt bemerkt hatte. Neil hatte schon ganz andere Schmerzen vor ihr verborgen. Und er war sich ziemlich sicher, dass Abby grade in den letzten 15 Minuten ziemlich abgelenkt gewesen war, um ihn so genau zu beobachten, dass ihr irgendeine Schmerzreaktion aufgefallen sein könnte.

„Das freut mich. Aber ich würde trotzdem gerne nachsehen. Meinen Job machen, für den ich bezahlt werde.“
Widerwillig ließ Neil seine Jacke auf dem Boden fallen und zog sein Shirt hoch ohne es auszuziehen. Abby beharrte nicht darauf, da er ihr immerhin exakt die Stelle frei machte, die sie untersuchen wollte. Hier drin war es erstaunlich warm und er konnte die Heizung gluckern hören. Abby musste also wirklich geplant haben ihn zu untersuchen. Sie hatte es vermutlich aus Höflichkeit nicht in der Pause machen wollen, wissend wie empfindlich Neil bezüglich seines malträtierten Oberkörpers war. Oder jemand hatte ihr einen wenig subtilen Wink gegeben. Wahrscheinlich Kevin, der sich einfach nicht aus Neils Angelegenheit raushalten konnte.

Als er schließlich wie ein braves Kind auf der Liege saß, tasteten Abbys in kalten Latexhandschuhen steckende Finger hauchzart über die sichtliche Rötung auf seiner rechten Seite. Sie waren überhaupt nicht mit der Art zu vergleichen, wie Andrew seine Wunden für gewöhnlich inspizierte. Neil erinnerte sich daran, wie Andrew dachte, er sei verschwunden gewesen. Wie er ihn gegen die Wand befördert und seine Hand Neils Schulter festgehalten hatte, so stark, dass seine Nägel Male hinterließen. Instinktiv wollte Neil nach den Halbmonden tasteten, doch Neil hatte bereits am Morgen festgestellt, dass sie nicht länger zu sehen waren. Außerdem war es albern sich nach Andrews groben und zweckmäßigen Berührungen zu sehnen, wenn Abbys Behandlung wesentlich schmerzfreier war.

„Das ist eine üble Prellung. Aber keine gebrochene Rippe. Du wirst sie wahrscheinlich einige Tage lang spüren. Du solltest es ruhig angehen lassen und sie kühlen. Wenigstens kann ich über die Feiertage sicher sein, dass du das Stadion nicht betrittst. Und sollte Kevin dir Probleme machen schick ihn ruhig zu mir. Vor Montag will ich dich auf keinem Spielfeld sehen.“
Zufrieden nickte sie und streifte ihren Handschuh ab.

Neil runzelte die Stirn und zog sein Shirt wieder runter.
„Hat Kevin dir nicht gesagt, dass du mich untersuchen sollst?“
„Nein. Wie kommst du darauf?“
„Er steckt seine Nase gerne in meine gesundheitlichen Belange.“
Abby schmunzelte. „Er macht sich eben Sorgen. Er weiß ganz genau, was eine unglückliche Verletzung bedeuten kann. Aber nein. Er hat nicht mit mir gesprochen.“
„Du warst viel zu beschäftigt um dich ernsthaft die ganze Zeit auf mich konzentrieren zu können. Hat der Coach dir gesagt, du sollst mich durchchecken?“
„Ist es so wichtig, wer mir verraten hat, was du mir hättest sagen sollen? Das etwas nicht in Ordnung ist?“, fragte Abby und ging zu einem der kleinen Schränkchen, aus der sie eine Packung Salbe herausholte.
„Trag die drei mal täglich auf. Sie wirkt kühlend und schmerzlindernd. Außerdem fördert sie die Heilung.“

Neil nahm die angebotene Salbe, rutschte von der Liege und blieb neben der Jacke auf dem Boden stehen. Es gab noch jemanden, der hinter seinem Rücken zu Abby gegangen sein könnte. Jemand, der wollte, dass jemand ein Auge auf Neil mit seiner Märtyrerei und seiner Angewohnheit hatte, sein eigenes körperliches Befinden – und auch psychisches – zu ignorieren.

„War es Andrew?“, fragte Neil, der einfach nicht aufhören konnte an dieser Wunde zu spielen. Normalerweise kümmerte Andrew sich selbst um sowas. Wobei kümmern wohl etwas zu viel des Guten war. Das er dieses Mal Abby beauftragt haben könnte, bedeutete, dass er es nicht selbst machen wollte, aber gleichzeitig die Gewissheit haben wollte, dass sich jemand um Neil kümmerte.
„Neil...“, begang Abby zögernd, die dabei war ihren gut ausgestatteten Erste-Hilfe-Koffer wieder aufzurüsten, mitten in der Bewegung inne hielt und sich zu ihm umdrehte.
Ihr Gesichtsausdruck sagte mehr als es eine verbale Antwort jemals könnte.
Er nickte, bückte sich nach der Jacke und zog sie sich schnell an.
„Schon gut. Wir sehen uns Donnerstag, Abby. Gute Nacht.“
Damit verließ er die kleine Krankenstation.
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