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Don´t tell me, that you love me

von Yougirl
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Andrew Minyard Neil Josten
10.04.2021
29.12.2021
11
53.443
2
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
29.05.2021 5.703
 
Ein schönes Wochenende wünsche ich euch!
Und viel Spaß mit dem neuen Kapitel! :D
Ein großes Dankeschön geht an mein #1 reader poetssrain1994! Danke für dein liebes Review! :D
Übrigens hat sie eine interessante Studie gelesen, in der steht, wenn man Autoren gründliche Kritik im Internet gibt, kann es die Prozedur von Serotonin steigern, und den Autor glücklich machen, oder wenigestens ein Lächeln auf Gesicht zaubern. Ich kann das auf jedenfall bestätigen!
Fühlt euch frei mir zu sagen, was ihr denkt, fühlt, vermutet, wofür ich mich hasst, was ihr liebt...I´m curious! :D

Ein Spiel zu haben bedeutete, dass am Dienstagmorgen die ganze Uni mit orange-weißen Bändern und Girlanden geschmückt war und mehr als ein Schüler ein orangenes oder weißes Shirt mit der bekannten Fuchspfote in der jeweils gegenteiligen Farbe zum Grundton des Shirts trug. Hier und dort trugen Leute Mützen mit Fuchsohren und die Cheerleader schafften es trotz 10 Grad draußen in ihren kurzen Röcken und ihren dünnen Oberteilen nicht sichtlich zu frieren.
Jedenfalls war das Neils Ansicht, bis er Aaron und

Katelyn außerhalb des Biologie-Traktes entdeckte und verfolgte, wie Aaron ihr seine Teamjacke umlegte.
Neil riss sich von dem Anblick los und rempelte eine Gruppe Studenten an, die ihm erst eine Beleidigung hinterher riefen und als sie erkannten wer er war, ihm viel Glück für heute abend wünschten.
Wie immer schien Neil an solchen Tagen ein Leuchtpfeil über den Kopf zu tragen, denn egal wo er hinging, sämtliche Köpfe drehten sich zu ihm um.

Morgen war der letzten Tag vor Thanksgiving, was bedeutete, dass die Schüler am Mittwoch nur bis 12 Uhr Schule hatten. Man konnten sich sogar für den ganzen Tag befreien lassen – sofern man belegen konnten, dass sie eine weite Heimreise zu bestreiten hatten.
Neil konnte dies nicht. Thanksgiving würde wie letztes Jahr auch bei Abby stattfinden – mit dem Unterschied, dass Andrew dieses Mal mit von der Partie war.
Jedenfalls bedeutete dies, dass der Unterricht, wenn überhaupt nur sporadisch durchgeführt wurde und selbst die Professoren die Schüler bereits heute, am Dienstag – in freudiger Erwartung des abendlichen Spiels – die lästigen Hausaufgaben erließen, damit sie während der freien Tage keine zu machen brauchten. Neils Professorin hielt sich gar nicht mehr mit Unterrichtsstoff auf sondern ermunterte sie eifrig dazu vor der Klasse von den bevorstehenden Feiertagsplänen zu berichten. Neil blieb ein Großteil der demütigenden Veranstaltung erspart, bei dem alle Augen auf ihn gerichtet waren, weil seine Pläne relativ kurz und knapp abgehandelt wurden. Sie würden bei Abby essen und dort übernachten und vermutlich würde sie Kevin bereits am Freitag ihnen damit in den Ohren liegen, dass sie mit ihm ins Stadion fahren sollten.
Neil war zufrieden, als seine Professorin mit leicht enttäuschten Blick ihm zu nickte, als Zeichen, dass er entlassen war und ein Mädchen in der Reihe vor ihm aufforderte zu erzählen.
Ihm stand absolut nicht der Sinn nach reden. Die einzige Person, mit der er reden wollte, hatte die seltsame Angewohnheit entwickelt ihn zum aufhören aufzufordern und ihn dann stehen zu lassen. Beides Dinge, die absolut nicht zu Andrew passten. Energisch vertrieb Neil diesen Gedanken. Er hatte sich auf ein Spiel zu konzentrieren. Er musste sich auf seine kommende Aufgabe konzentrieren. Vermont war zu gut, als dass man sie auf die leichte Schulter nehmen konnte. Und die Mountain Lions waren entschlossen den Füchsen das Fell abzuziehen.
Andrew und ihr `Nichts´ mussten bis nach dem Spiel warten.

Als die letzte Stunde endlich vorbei war, sprintete Neil zurück zum Fox Tower.
Kevin war nicht da, aber Andrew, der sich irgendwie selbst in den Sitzsack begraben hatte und direkt aus einem XXL Eispott mit mehreren Sorten aß, spähte zu ihm herüber.
Kevin würde einen Anfall kriegen, wenn er Andrew so vor einem Spiel sehen würde. Neil traute Andrew zu, dass dies auch mit der Hauptgrund war, wieso er überhaupt hier saß und daran arbeitete Diabetes zu kriegen.

Neil durchquerte den Raum und verfrachtete seine Tasche neben den Schreibtisch, bevor er sich schwer in den Drehstuhl sinken ließ. War ja klar, dass die verlockendste Situation um mit Andrew zu sprechen vor dem verdammten Spiel war. Neil tastete nach seinen Zigaretten und fischte schließlich die Packung hervor. Er ließ den Deckel aufschnappen und starrte dann in das leere Innere. Ihm war völlig entfallen, dass er auf dem Dach alle Kippen aufgebraucht hatte. Er hatte alle drei verbleibenden Zigaretten geraucht oder eher runterbrennen lassen in der Hoffnung Andrew würde doch noch zu ihm kommen.
Neil ließ den Deckel wieder zu fallen und warf die leere Packung in den Mülleimer zwischen den Schreibtischen.

„Willst du, dass ich gehe?“, fragte Neil und starrte aus dem Fenster, auf die einzelnen Lamellen des Sonnenschutzes vor dem Fenster. Sie verbargen den Anblick des reichlich grauen Spätnovember Himmels. Bald war Weihnachten. Das erste Weihnachten mit seinem Team, seiner Familie. Es würde definitiv um einiges besser werden als das letzte Weihnachten. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass Neil von Riko Moriyama gefoltert und von Tetsuji Moriyama bis zur Bewusstlosigkeit verprügelt worden war, während er gleichzeitig die 16 Stunden durchstehen musste, die die Ravens an den Feiertagen mit einander – größtenteils auf dem Spielfeld – verbrachten, was es auch nicht besonders schwer dies zu toppen.

„Willst du gehen?“, fragte Andrew zurück und Neil drehte sich mitsamt dem Drehstuhl um. Andrew zog den Löffel durch sein Eis, so dass er alle drei Sorten – Erdbeere, Schokolade und Vanille – gleichzeitig auf dem Löffel hatte und tat so, als würde er Neil völlig ignorieren – was unsinnig war, da er immerhin mit ihm redete.
„Nein.“
„Gut. Vergiss das nicht.“
„Du hast meine Frage nicht beantwortet.“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir zu dem Schluss gekommen sind, dass du hier bleiben willst.“
„Was willst du?“, fragte Neil und Andrew, der den Löffel auf dem Weg zum Mund hatte, hielt inne. Für einen Moment huschten Andrews Augen in seine Richtung. Dann zuckte er mit den Schultern und schob sich den Löffel in den Mund.

„Nichts.“
„Andrew.“
„Eis essen.“
„Andrew.“
„Stell mir eine andere Frage, wenn dir die Antwort nicht gefällt. Sie wird sich nicht ändern und jetzt…“
„`Hör auf´?“, riet Neil aufgebracht und ballte die Hände zu Fäusten. Andrew begegnete ihn mit einem wie üblich stoisch unergründlichen Gesichtsausdruck.
„Mach das Fenster auf, damit ich rauchen kann, ohne dass der Rauchmelder angeht“, beendete Andrew seinen Satz.

Neil war für einen Augenblick ziemlich überrascht über diese unvorhergesehene Wendung, als Andrew sich tatsächlich aus dem Sitzsack befreite, in dem er halb versunken war, und auf das Fenster zu ging. Neil, dank des minimalen Größenunterschiedes besser dazu geeignet das Fenster zu öffnen, gehorchte und sank danach wieder in den Drehstuhl. Andrew kletterte auf die Fensterbank und zündete sich die Zigarette an, sein Eisbottich auf seine ausgestreckten Beine balancierend. Als der vertraute Geruch des Rauches seine Lungen füllte, begang Neil sich ein wenig zu entspannen. Sie beide saßen in völliger Stille da, sie beide einander so nah und gleichzeitig so fern, weil noch immer so vieles zwischen ihnen stand. Aber in diesem Moment konnte Neil dies dabei belassen.

Er konnte durchatmen und zur Ruhe kommen und die Augen schließen, wissend, dass er sicher war. Das niemand ihm hier schaden würde. Das Andrew ihm nicht schaden würde. Erst jetzt fiel ihm auf wie verdammt erschöpft er war. Als er gestern im Wohnheim angekommen war, war er direkt ins Bett gegangen ohne ein Wort an seine Freunde. Wobei dieses Wort bei weitem nicht ausreichte um Andrew zu beschreiben. Jedenfalls hatte er stundenlang wach gelegen und nicht sonderlich viel Ruhe gefunden. Hier in den gut gepolsterten Drehstuhl zu sitzen und tiefer hineinzurutschen, die Augen geschlossen und die Ruhe genießend spürte er wie seine Anspannung ihn verließ.

Das Erlebnis von gestern Abend stand noch immer zwischen ihnen. Wie eine Wand, die sie voneinander trennte. Neil konnte Andrew sehen aber ihn weder berühren noch verstehen. Jedenfalls nicht das verstehen, was wichtig wäre, damit er diese Mauer zwischen ihnen einreißen konnte. Und Andrew machte auch keine Anstalten daran etwas zu ändern. Im Gegenteil. Es war, als würde er diese Mauern ganz bewusst zwischen sie beide aufbauen. Umso unpassender war der Stich an Zuneigung, an Wärme, in seinem Magen, die seine Frustration und den wilden Gefühlscocktail ein winziges bisschen linderte. Und definitiv eines der dummen Dinge, die er nicht fühlen sollte und auch nicht wirklich wollte, nach gestern Abend.

Andrew hatte genau gewusst, was er nun brauchte. Er hatte es ihm gegeben, ohne mit der Wimper zu zucken. Er erdete ihn, gab ihm Sicherheit, selbst wenn er ihn nicht berührte. Für jemanden, der es gewohnt war mit einer Waffe unter dem Kopfkissen zu schlafen und bei jedem unbekannten Geräusch instinktiv aus dem Schlaf schreckte, weil sein nacktes Überleben davon abhing, bedeutete das mehr als alles andere. Und Andrew wusste das genauso gut wie Neil. Kleine Gesten...kleine Gesten, die Neil so viel bedeuteten, die er liebte, weil sie ihm zeigten, wer Andrew wirklich war unter der kerntiefen Apathie, unter diesen komplexen Schichten die ihn ausmachten. Wie er mit Neil umging, als wäre es keine große Sache, was er ihm gab und dennoch gab er es ihm völlig selbstlos, ohne das geringste Zögern. Jedenfalls jetzt und meistens. Antworten gab er ihm bisher keine. Es war verwirrend und frustrierend und die Kluft fühlte sich schmaler und gleichzeitig breiter an. Wie konnte Andrew ihm diese Dinge geben und sich ihm gleichzeitig immer wieder entziehen?

Was Andrew wohl sagen würde, wüsste er von der Wärme zwischen seinen Rippenbögen, seinem schneller schlagenden Herzen, diesen weichen, allumfassenden, heftigen Gefühl in seiner Brust, das ihn zu Andrew hinzog und ihn beruhigte. Das Neil glücklich machte.
Wahrscheinlich genau das Gleiche wie gestern Abend.
Ihre geteilte Ruhe hielt an, bis Kevins in Zimmer platzte. Neil sprang so schnell vom Stuhl auf, dass dieser gut zwei Meter nach hinten rollte und an dem Sitzsack stoppte, auf seinen Rädern schwankend.
Silber blitzte auf und Neil spähte zu Andrew, der sein Messer noch immer in der Hand hielt, Kevin kurz musterte und es dann wieder in eine der verborgenen Scheiden in seinem Armband verschwinden ließ.
„Wir haben heute ein wichtiges Spiel. Hälst du es für klug vorher Eis zu essen und zu rauchen?“, fragte Kevin unwillig und ließ seine Tasche und dann sich selbst auf die Couch fallen.
„Wir haben heute ein wichtiges Spiel. Hälst du es für klug den Goalkeeper zu verärgern, der dafür sorgen soll, dass du dein dämliches Spiel nicht verlierst?“, fragte Andrew gelangweilt zurück und zog demonstrativ an seiner Zigarette, bevor er Asche auf Kevins Schreibtisch schnipste. Kevin warf ihm einen finsteren Blick zu.
Kevin ging schließlich dazu über wieder Vermonts Line-up zu sprechen, nichts, was sie nicht schon ausführlich besprochen hätten, aber die Wiederholung war eine willkommene vor sich hinplätschernde Absicherung, dass sie sich auch wirklich alles eingeprägt hatten. Kevin überredete Neil schließlich dazu ein altes Spiel der Mountains Lions zusehen.

Irgendwann gegen 16:30 orderten sie etwas zu essen und Andrew machte sich auf den Weg ins Matts Zimmer – angeblich um zu fragen, was sie wollten – aber sowohl Neil als auch Kevin wussten, dass Andrew diese Gelegenheit nutzte, um nachzusehen, ob Katelyn da war und er sie mit seiner bloßen Anwesenheit aus dem Wohnheim vertreiben musste, damit sie seinem Bruder nicht zu sehr den Kopf verdrehte. Die meiste Zeit ließ Andrew Katelyn in Ruhe. Aber er hatte es sehr eindeutig klar gemacht, dass er Aaron zum Stadion laufen lassen würde, sollte er kurz zuvor noch mit Katelyn Körperflüssigkeiten ausgetauscht haben. Und dies wäre heute ausgesprochen unpraktisch und würde wahrscheinlich Kevin in einer noch unausstehlichere Nervensäge verwandeln, sollte einer ihrer Defensivspieler sich zu Fuß durch das Chaos der amoklaufenden Fans quälen müssen und möglicherweise verloren gehen.

Neil fand dies aus nahliegenden Gründen nicht sonderlich schlimm. Anders als Katelyn die Andrew aus dem Weg gehen konnte, konnten Aaron und Neil dies nicht, immerhin spielten sie in der gleichen Mannschaft, befanden sich im gleichen Freundeskreis und ihre Zimmer lagen nebeneinander.
Neil und Andrew waren beide wieder dazu übergangen den anderen weitesgehend zu ignorieren.
Kevin stoppte die Aufzeichnung von Vermont gegen die Ravens – gegen die sie sich verdammt gut schlugen – und griff nach Neils Kinn, um dessen Kopf zu ihm zu drehen und seine volle Aufmerksamkeit zu erhaschen.

„Wird das mit euch beiden heute Abend zum Problem werden?“, fragte er und sah Neil eindringlich an. Dieser schob Kevins Hand weg und schüttelte dann den Kopf. „Wir haben zusammen gespielt, nachdem ihr mich im Edens unter Drogen gesetzt habt. Und ich zurück trampen musste.“
„Niemand hat gesagt, dass du trampen sollst!“
„Wärst du damals an meiner Stelle in ein und dasselbe Auto gestiegen, wie die, die dir das angetan haben?“

Kevin antwortete nicht und Neil wurde klar, dass die Antwort „Ja“ lautete. Kevin war jahrelang Riko loyal ergeben gewesen und hatte dessen gewalttätige Attacken ertragen. Er hatte es sogar in Erwägung gezogen zurück nach Edgar Allan zu gehen, nachdem klar war, dass diese ihr Distrikt wechselten, nur um Rikos Zorn zu besänftigen, völlig ungeachtet der Tatsache, dass dieser Kevins Träume, sein großes Ziel zerschmettert hatte – in diverse Knochenstücke um genau zu sein.
Kevin wäre mit in das Auto gestiegen, mit diejenigen, die ihm geschadet hatten. Er hätte mit ihnen im selben Zimmer geschlafen und sich gefügt. Aber diese Zeiten hatte Kevin größtenteils hinter sich gelassen. Zu Neils Erleichterung und Zufriedenheit.

„Wäre ich du gewesen...dann nicht. Aber das bin ich nicht.“
„Du kommst dem immer näher“, antwortete Neil und meinte es tatsächlich ernst. Kevin hatte zwar nach Rikos Tod nicht alle Details über Riko ausgepackt, obwohl sein Wissen Rikos Erbe völlig hätte zerschlagen können, aber er hatte es geschafft seine Dämonen hinter sich zu lassen. Er hatte es geschafft aus Rikos Schatten zu kommen und hatte sich dessen Thron erobert in dem gewonnenen Championship Finale, ohne mit der Wimper zu zucken.

Kevin schnaubte. „Du meinst, ich kann meine große Klappe auch nicht halten und bringe mich selbst immer wieder in tödliche Gefahr, indem ich den falschen Leute ans Beine pisse?“
„Du debatierst immer noch mit Andrew über seine Essgewohnheiten. Irgendwann wird er nicht nur damit drohen dir weh zu tun, sondern es wirklich tun. Bei deinem Selbsterhaltungstrieb ist einiges schief gelaufen.“
„Sagt derjenige, der ihn vollkommen verfallen ist.“
Kevins Worte stachen, obwohl sie das nicht sollten. Neil senkte den Blick wieder auf den Bildschirm des Laptop, auf dem das Spiel noch immer eingefroren war und darauf wartete weiterzulaufen.
Kevin hatte vollkommen Recht damit. Und er war nicht grade ein Meister darin zwischenmenschliche Beziehungen zu erkennen oder zu deuten, aber er wusste wie es von Neils Seite aus aussah. Was Andrew ihm bedeutete. Er hatte es schon gewusst, bevor Neil von Lola und seinem Vater in Baltimore fast getötet worden war. Er war als Einziger nicht überrascht gewesen, als Andrew und Neil es nicht dementiert hatten, als Allison davon sprach, dass sie was miteinander hatten.

„Er hat gedroht mich von der Leiste bis zur Kehle aufzuschlitzen, wenn es mir nur um Exy gehen würde, als ich ihn gefragt habe, was zwischen euch los ist. Ich hab ihm versichert, dass es nicht so ist.“
Zu Neils Überraschung klang Kevin sogar aufrichtig dabei. Was irgendwie seltsam und nett zu gleich war. Seltsam-nett. Sowie diese ganze Unterhaltung. Neil wusste allerdings nicht, ob er mit Kevin über Gefühle reden wollte oder ob er wieder den kalten, gnadenlosen Mistkerl wiederhaben wollte, der erst beim letzten regulären Training betont hatte, Neil sei den Exyschläger nicht wert, denn er schwang und der generell eigentlich über nichts anderes als Exy reden kann.

„Erzähl mir nichts, was er dir anvertraut hat.“
„Das würde ich auch nicht tun. Es war nichts, was irgendeinen Sinn gemacht hätte...naja, außer man ist Andrew Minyard. Manchmal ist es sogar noch schlimmer, als zu den Zeiten, wo er himmelhoch high war.“
Kevin schwieg kurz, bevor er das Spiel einfach wieder startete und die Stille, die anfing unangenehm zu werden damit vertrieb.

Es war absolut bizarr mit Kevin über sowas zu reden. Und Neil wusste nicht, ob es ihn trösten sollte oder eher noch mehr beunruhigen, dass auch Kevin aus Andrew nicht schlau wurde. Andererseits war es nicht das erste Mal, dass Kevin Andrew nicht voll verstehen konnte. Er hatte immer gedacht, Andrew würde aus purem, kindischen Trotz sich weigern Exy als etwas zu sehen, was seiner Aufmerksamkeit und seiner Leidenschaft, seiner Hingabe und Zeit wert war. Und zu einem nicht unberechtigten Teil war das vermutlich auch so. Aber größtenteils hatte Andrew einfach darauf gewartet dass Kevin anfing jemand zu sein, der es schaffte auf eigenen Beinen den Platz für sich zu beanspruchen, der ihm gebührte, anstatt sich in Rikos Schatten zu verkriechen.

Der aufhörte sich klein und schwach zu machen und sich ein gottverdammtes Rückgrat wachsen ließ um das zu nehmen, was ihm gebührte und sein Talent genauso anzuerkennen, wie Kevin es seinerseits von ihm verlangte.
Die ganze Komplexität ihrer Freundschaft wäre Stoff genug um ein eigenes Buch zu füllen, doch konnte Neil sich für heute – oder zumindest für jetzt, so kurz vor dem Spiel keine weitere (Andrew-) Ablenkung erlauben.
Ihr Essen wurde pünktlich um kurz nach 17:00 Uhr geliefert und sie aßen alle zusammen in Matts und Neils alten Zimmer. Es war schon zu beengend gewesen, als sie nur zu neunt gewesen waren, jetzt – mit 6 Leuten mehr – musste man befürchten, dass eine ungeschickte Bewegung einen Domino-Effekt auslöste, Gläser und Flaschen umwarf, Ellenbogen versehentlich Rippen prellten und Gabeln Augen ausstachen.

Nicky hatte eine exorbitante Anzahl an den merkwürdigsten Saucen auf den kleinen Tisch vor der Couch platziert, von dem jeder Zentimeter irgendwie belegt war. Andrew saß neben Renee und Aaron, was wohl das eindeutigste Indiz auf die unausgesprochene Frage der Foxes war, ob Neil und Andrew ihre Probleme oder Differenzen oder was auch immer genau zwischen den beiden vorgefallen war, beendet hatten – keiner der beiden redete von sich aus und bis auf Nicky und Kevin hatten sich alle bemüht zurückgehalten, entweder aus Höflichkeit oder aus Desinteresse.

Neil hörte beim schließlich anstehenden Aufbruch, wie Robin Renee leise fragte, ob die beiden sich getrennt hätten. Es war ein sehr unangenehme Erinnerung daran, dass diese Angst noch immer das metaphorische Messer zwischen seinen Rippen war und Robin dies grade ungewollt berührt hatte.
Die ganze Mannschaft pilgerte zu den Parkplätzen. Diverse Türen gingen auf von Sportstudenten, die sich langweilten bis das Spiel losging und die Foxes daran erinnern wollten, dass sie ausreichend entertaint werden wollten. Ihnen entgegenkommende Athleten wünschten ihnen viel Glück, drückten ihnen die Daumen oder riefen ihnen zu, welchen Score sie erreichen mussten um das Hockeyteam zu schlagen, das Vermont vor ungefähr einem Monat in einem Auswärtsspiel besiegt hatte.

„Hockey...bitte, eine Scheibe über Eis schlittern zu lassen ist kein Sport sondern Kindergartenbeschäftigung“, höhnte Jack und fing sich den einen oder anderen finsteren und den einen oder anderen wirklich wütenden Blick ein, was Neils Laune ein Stück weit hob, als Jack blass um die Nase wurde. Selbst Exy zu liebe würde er es nicht schaffen, etwas anderes als Schadefreude dabei zu empfinden, sollte Jack verprügelt und spieluntauglich werden.
Neil endete in Matts gewaltigen Truck und Robin auf der Rückbank von Andrews Maserati, was Neils Anflug von guter Laune bereits wieder verfliegen ließ. Robin hatte zwar ausgesehen, als müsse sie sich übergeben, als sie Andrew fragte, ob er ihr noch ein oder zwei Fragen beantworten und sie deshalb bei ihnen mitfahren könnte, andererseits hatte Andrew wortlos auf die Hintertür gezeigt.

Nicky hatte nach Neil Ausschau gehalten, und deutete fragend zu dem schwarzen schnittigen Wagen, dessen Schlüssel in Neils Jeans er mit der Faust umklammerte. Für einen Moment überlegte Neil wirklich so kleinlich zu sein und das Auto per Knopfdruck zu verriegeln. Es wäre bescheuert und armselig und jeder würde wissen, dass er es war, weil er den einzig anderen Schlüssel zu dem Wagen besaß, aber es würde ihm eine gewisse Befriedigung verschaffen – wieso genau wusste er selbst nicht so recht und er widerte sich ein kleines bisschen selbst an. Andrew hatte mit definitiver Gewissheit keinerlei Interesse an Robin. Selbst wenn er Mädchen auch nur mögen würde, war sie definitiv nicht annährend jemand, der Andrew irgendwas geben könnte. Wahrscheinlich würde sie bei jedem „Nein“ von Andrew in ein tiefes Loch des Selbstzweifels und der Unsicherheit fallen. Neil ignorierte dabei geflissentlich, dass sich momentan sein Herz auch bei jeder Zurückweisung schmerzhaft zusammenzog.

Neil hatte jedenfalls den Kopf geschüttelt und war bei Matt mit eingestiegen, der ihm zwar besorgt gemustert, aber ansonsten nichts gesagt hatte.
„Hat Minyard dich abserviert?“, fragte Jack stichelnd, als sie alle – dank bereits ausgebrochenen Verkehrschaos – gegen kurz nach 18:00 Uhr am Stadion ankamen und in die Umkleidekabinen gingen.
„Mach dir weniger Gedanken um mein Liebesleben, als um deine Performance auf dem Feld. Die wäre nämlich alle Male Grund genug, dass die Mannschaft dich abserviert. Fang damit an dein Hirn zu nutzen. Das würde dir vielleicht dabei helfen, mal einen vernünftigen Schuss auf das Tor abzuliefern.“
„Hat Minyard dich deshalb sitzen lassen? Weil du keinen vernünftigen Schuss hinkriegst? Oder ist er dein hässliches Gesicht einfach nur leid?“

Neil schubste Jack so hart gegen die Wand, dass er regelrecht spüren konnte, wie die Luft aus Jacks Lungen gepresst wurde. Seine Hand lag an Jacks Brust, doch seine Finger zuckten verdächtig in Richtung von Jacks Kehle.
„Pass auf mit WEM du dich anlegst. Bevor ich dein Gesicht einem Messer verschönere.“
Jack machte ein Geräusch zwischen armseligen Quietschen und zornigen Fauchen, allerdings kam er nicht dazu auch nur Worte zu formulieren, da Kevin Neil am Ellenbogen packte und erst wieder vor seinem Spind losgelassen wurde.

„Du hast gesagt, dass es kein Problem wird“, zischte Kevin leise und deutete mit dem Finger auf Neils Brust. Dank Kevins Größe, war dieser aber mehr in Neils Gesicht und viel zu nah an seinen vernarbten Wangen für Neils Geschmack.
„Lass deine miese Laune meinetwegen an den Gegnern aus. Erziel so viele Tore, wie du willst, um deine Wut loszuwerden, aber lass es NICHT an einem von uns aus. Nicht an mir, nicht an Jack, an niemanden. Wir können nichts für eure Probleme. Und ich werde nicht zu lassen, dass wir heute verlieren, weil du eine Prügellei mit deinem eigenen Teamkameraden anfangen musst. Verstanden?“

Neil warf einen mörderischen Blick in Jacks Richtung, der diabolisch grinste. Kevin sprach leider nicht leise genug, dass man gut hören musste, um irgendetwas verstehen zu können.
Nicht zu ihm zu gehen und seine verdammten Hände um Jacks dürren Hals zu legen, war eine Meisterleistung, die Kevin in seinen Augen nicht genug würdigte, als dieser ungeduldig vor seinem Gesicht schnippste. Neil schlug seine Hand weg und deutete nun seinerseits mit seinem Finger in Kevins Gesicht.
„Wenn ich Jack am Leben lasse und wir trotzdem verlieren, Day, dann schwöre ich, lass ich dich für einen Monat 100 Runden nach dem Training laufen“, knurrte Neil und Kevins Miene verriet deutlich, dass er es darauf ankommen lassen würde. „Alles klar, Vice-Captain. Aber wehe, das Spiel leidet unter...was auch immer es ist.“

Da war der egozentrische, exybesessene Bastard ja wieder, den Neil heute Nachmittag vermisst hatte.
Neil kam nicht umhin einen kurzen Blick zu Andrew zu werfen. Ihre Blicke trafen sich und Neil zuckte überrascht darüber zusammen. Er konnte nichts in Andrews Miene lesen, aber das er alles gehört hatte, war offentsichtlich.
Nicky begang sich plötzlich lautstark zu fragen, welche Striker sie wohl als Erstes einsetzen würden und wie ihre Abwehr am besten darauf reagieren sollte. Dies hätte er besser gelassen, denn es war Kevins Stichwort für einen langanhaltenden Dialog, der immer mehr zum Monolog wurde, je genervter und geistig abgeschalteter seine Teamkameraden aussahen. Nickys Versuch das Thema zu wechseln wurde bald zum Wunsch, die akwarde Stimmung von vorhin wiederzurück zu haben.

Plötzlich keuchte Nicky auf. „Was hast du da am Hals?“, fragte er und tauchte vor Andrew auf, als hätte er sich dorthin gebeamt, den Blick auf einen Punkt irgendwo an Andrews Halsseite fixiert. Neil, der grade die Protectoren für die Scheinbeine richtete, spähte zu ihnen hinüber, aus dem Winkel nicht erkennen könnend was Nicky meinte.
Nicky blieb vor Andrew stehen und inspizierte aus einem Meter Abstand, was auch immer seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Andrew duldte Nickys offenen Mund und seine geweiteten Augen nur für einige Sekunden, bevor er seinen Cousin aus dem Weg schob. Nun konnte auch Neil die gerötete Stelle erkennen. Exakt dort, wo gestern seine Lippen gelegen hatten. Er hatte Andrew einen Knutschfleck verpasst – nicht intentionell, aber er war da. Eine von Neil markierte Stelle, ein Mal, dass er auf Andrews Haut hinterlassen hatte – ohne seine Zustimmung.

Er atmete scharf ein und sein Magen zog sich zusammen in plötzlicher Übelkeit.
„Geht es dir gut?“, fragte Matt, dem Neils entglittene Gesichtszüge, den Schock und Horror auf seinem Gesicht nicht entgangen war. Neil riss mit Mühe den Blick von der malträtierten Stelle an Andrews Körper los und blinzelte in Matts besorgtes Gesicht.
Dieser schob ihm schließlich Helm und Handschuhe in die Hände und dirigierte Neil nach draußen.
Hatte Andrew ihm gestern deshalb zum aufhören aufgefordert? War Neil zu weit gegangen und hatte es nicht mal bemerkt? Hätte Andrew ihn selbst unter diesen Umständen eine Fahrt in seinem Wagen angeboten, wenn Neil ihm zu nah gekommen war, ohne dessen Einwilligung? Vielleicht, wenn Andrew davon ausging, dass Neil es nicht mit Absicht getan hatte. Wenn er es nicht getan hatte, um Andrew zu zwingen oder weil es ihm einen perversen Kick gab, wenn er Andrew Dinge antat, die dieser nicht wollte. Aber selbst dann hätte Andrew keine Hemmungen gehabt, ihm eine blutige Lippe zu verpassen. Zur Hölle, Neil wusste wie wichtig Andrew eine verbales Einverständnis war. Es hätte nicht passieren dürfen. Besonders nicht jetzt, wo ihre `Nicht´-Beziehung so kompliziert war.

„Hey“, sagte Matt leise und stieß Neil vorsichtig an die Schulter, um seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Erst jetzt bemerkte Neil, dass sie dem Sektor des Stadions waren, indem die Sub-Spieler auf ihren Einsatz warteten. Der ohrenbetäubende Lärm der Fans auf den Rängen hallte in seinen Ohren wieder. Musik schallte aus den Lautsprecherboxen, immer wieder kurz unterbrochen von einem Kommentator, der Fakten zu beiden Mannschaften berichtete oder die Menge anheizte, indem er sie aufforderte zu schreien oder zu stampfen, wenn sie ein ekstastisches Spiel erwarteten. Die Maskottchen zogen auf dem Spielfeld ihre Show ab, wobei Rocky Foxy im Moment das Feld ganz für sich alleine hatte und tollpatschige Hampelmänner machten. Die Vixen – die Cheerleadertruppe der PSU – machten sich derweil ebenfalls schon warm.

Neil richtete seine Aufmerksamkeit ein wenig benommen auf Matt.
„Warst das...du oder jemand...“, fragte dieser und fuhr sich verlegen durch seine im Moment noch hochgegelten Stacheln, die gleich von seinem Helm plattgedrückt werden würden.
Neils Stirn furchte sich und er begriff, dass Matt ihn fragte, ob jemand ANDERES Andrew einen Knutschfleck verpasst hatte. Das war ein erneuter, unerwarteter Schlag in den Magen, der sowieso im Moment Schwierigkeiten hatte seinen Inhalt bei sich zu behalten.

Zum ersten Mal in ihrem...was auch immer, hatte Neil eine entscheidene Grenze übertreten. Er war nicht wie Drake, der Andrew weh getan, ihn missbraucht und misshandelt hatte in einem Stil, der Neil würgen und sich wünschen ließ, er hätte den Schläger gegen Drake schwingen können – aber auch er hatte Andrew gekennzeichnet, gegen dessen Willen.
Und nun dachte Matt, er habe womöglich grade herausgefunden, dass Andrew jemand anderen hatte. War ihre Beziehung in den Augen der Füchse so fragil, so kaputt, dass sie dachten Andrew habe ihn fallen gelassen und sich jemand anderen gesucht? War Jacks Worte weniger eine hämische Stichelei gewesen als eine repräsentative Annahme der ganzen Mannschaft?

Würde sein Team Andrew näher stehen, ihn besser kennen, würde Neil vermutlich ins Badezimmer flüchten. Andrew zu verlieren war vergleichbar damit seine Mum erneut zu verlieren. Nein, es war schlimmer. Sie war damals sein Fundament gewesen. Sie hatte ihn am Leben erhalten und angetrieben und beschützt. Sie hatte ihm beigebracht zu überleben und war alles, was er gehabt hatte.
Andrew war dabei ihm beizubringen zu leben. Er hatte ihm ein Zuhause, einen Platz an den er gehörte gegeben. Er hatte ihm Berührungen und Blicke und Worte geschenkt. Er hatte ihm gesagt, er solle bleibe. Er hatte ihm gelehrt Dinge zu fühlen, körperliche und emotionale Dinge, die sein Grund waren, weshalb er überhaupt leben wollte. Andrew war mit der Hauptgrund gewesen, weshalb Neil plötzlich angefangen hatte zu kämpfen. Für seine Zukunft. Für das LEBEN, dass er wollte und nicht nur das überleben.

„Ich war es“, antwortete Neil schließlich und stand auf, um zu Dan zu gehen, die grade aus der Umkleidekabine der Damen kam, um seine Aufgabe als Vice-Captain zu erfüllen und nicht länger mit Matt über dieses Thema sprechen zu müssen.
Während die beiden über ihre Line-up fachsimpelten, tauchte Coach Wymack hinter ihnen auf.
„Hier seid ihr“, erklang seine kräftige Stimme schließlich hinter ihnen und er gesellte sich zu ihnen.
„Gebt heute nochmal alles und bringt die Mountain Lions zum weinen. Danach könnt ihr euch meinetwegen betrinken, Thanksgiving vorfeiern, Dinge machen von denen ich nichts wissen will und könnt getrost in die Ferienstimmung wechseln. Kein Wort zu euren Professoren darüber. Wenn sie sich morgen bei mir beklagen, dass ihr alle verkatert seid, werde ich jede Behauptung, ich habe es euch erlaubt, abstreiten.“
„Sie werden jedenfalls nicht dankbar darüber sein uns begegnet zu sein, das steht fest. Sie können froh darüber sein, wenn sie Donnerstag überhaupt sitzen können, nachdem wir ihnen heute in den Arsch treten.“ Dans Augen glitzerten herausfordern und sie stand gleich etwas aufrechter, als würde sie sich dagegen wappnen sich einer herannahende Welle entgegen zu stellen und ihr brechen zu lassen.
Wymacks Mundwinkel zuckten.

„Also Captain. Bring dein Team in Schwung. Sie sollen sich warm laufen. In einer Viertelstunde sind wir mit dem Warm machen dran. Einfache Drills. Sorg dafür, dass Andrew die verdammten Bälle auf unserer Spielfeldseite lässt und euch nicht durch die ganze Halle laufen lässt.“
Dan nickte entschlossen, marschierte zu ihrem Teamkameraden, die sich auf die Bänke verteilt hatten und klatschte in die Hände um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu richten.
Wymack hingegen verschränkte die Arme vor der Brust und Neil hatte das unweigerliche Gefühl, dass er noch nicht entlassen war. Und sein Coach sich grade für etwas wappnete, ähnlich wie Dan, aber es ging dabei nicht um die Mountain Lions sondern um irgendwas Emotionales.

„Ich weiß, Kevin hat dir die letzten Tage im Training zur Hölle gemacht. Geh da raus und erinner ihn daran, was für ein Idiot er manchmal ist. Und danach will ich, dass du die freien Tage nutzt um wieder zu Atem zu kommen. Und die Dinge wieder in den Griff kriegst, die dir momentan entgleiten. Angefangen bei deinem Schlafrhythmus und endend bei dem Psycho-Zwerg davon. Abby predigt mir immer, der Schlüssel einer guten Beziehung ist, dass es zum einen zwei Personen sind, die wirklich zusammen sein wollen und die miteinander reden. Ich halte nicht viel von diesen abgedroschenen Sprüchen…aber manchmal haben sie einen wahren Kern. Das hasse ich mehr als du“, brummte Wymack und atmete tief aus. Seine Schultern sanken leicht herab und Neil hatte den Verdacht, dass sein Coach sich über diese Rede Gedanken gemacht haben oder geplant haben musste.

„Geht klar, Coach.“
Wymack nickte und schlug dann seine kräftige Hand auf Neils Schulter.
Neil zuckte nicht zurück. Unglaube und Überraschung zuckte kurz über Coach Gesicht, dann drückte er Neils Schulter, dass er es selbst durch seine Schutzkleidung spüren konnte. „Und jetzt lauf!“
Das Warmlaufen und die Drills vergingen innerhalb eines Wimpernschlages. Eben noch hatten sie sich gedehnt und ein paar leichte Passe einander zugespielt, als bereits der Buzzer ertönte, der sie vom Spielfeld runterpfiff um Vermont einzulassen. Eigentlich hätte die Gastmannschaft zu erst gehen sollen, allerdings hatte es ein paar Verzögerungen bei der Anreise gegeben, so dass die Foxes den Platz nun räumten, damit die Mountain Lions sich warm spielen konnten. Daher verschob sich auch der Aufschlag von 19:00 auf halb 8, was die ungeduldigen Fans nur noch mehr aufrieb.

Um 19:15 holte Coach sie alle zusammen für seine übliche ruppige Motivationsrede, die man auch, wenn man sehr kleinlich war, als verborgener Auftrag verstehen konnte, dem anderen Team das Genick zu brechen. Abby, die neben ihm stand, warf ihm einen missbilligenden Blick zu, den Coach allerdings nicht bemerkte oder bewusst ignorierte. Um Punkt halb war Aufschlag und die Vixens nutzten die Gelegenheit mit ihrer Cheorografie das Publikum einzustimmen. Nicht, dass dazu noch viel Motivation von Nöten wäre.

Die Menge klang wie einziges brüllendes Monster, dass nach Schweiß, Adrenalin, erbitterten Kämpfen und waghalsigen Toren lechzte. Wie 65.000 Menschen, die bereits in Ferienstimmung waren und nach Entertaiment gierten, nach einem letzten großen Sportspektakel, bevor sie morgen nachhause aufbrachen.
Neil kam nicht umhin, dass diese Euphorie, die Aufregung und die Spannung auch von ihm Besitz ergriff, trotz dessen, dass Andrews Anblick dafür sorgte, dass sein Magen sich vor Schuld umdrehte.

Der erste Aufschlag wurde wie immer per Münzwurf entschieden und die beiden Captains gaben sich die Hand, bevor die Line-ups aufgerufen wurden, angefangen mit der Gästen. Es folgte weitesgehend höflicher Applaus und die Sektion, welche in den Farben der Mountain Lions gekleidet waren, jubelte lautstark, während ihr Fightsong erklang. Allerdings wurden sie völlig übertönt, als die Foxes aufgelistet wurden. Als sein Name aufgerufen wurde, spürte Neil das vertraute Kribbeln von Freude. Dies hier war sein Zuhause, sein Spielfeld und er hatte die Aufgabe, die Verantwortung so gut wie möglich zu spielen. Ein Platz wohin er gehörte. Dieser Gedanke tat unfassbar gut, denn in den letzten Tagen kam er so entwurzelt und darauf resultierend so unsicher vor. Dies verlor er schlagartig, als er das Spielfeld betrat.
Für die nächsten Stunden zählte nur dieses Feld. Er betrat es hoch erhobenen Hauptes und seinem Schläger fest in der Hand. Ihr Fightsong hallte durch ihn hindurch und mit der ihnen zu jubelnden Menge dröhnte sein Herzschlag bis in seine Ohren. Neil nahm seinen Platz ein, zusammen mit Kevin, während die Schiedsrichter sich aufstellten.

Auf dem Scoreboard erschien die große `10´ und der Buzzer erklang als Warnung dafür, dass nun die letzten zehn Sekunden begangen, während Dan sich bereit machte zum Aufschlag, als Gewinnerin des Münzwurfes. Das Publikum zählte lautstark mit, doch Neil konnte sich nicht daran hindern und warf einen raschen Blick in Richtung Tor. Andrew stand dort, mit seinem gewaltigen Schläger noch immer lässig über der Schulter. Doch sein Visor konnte Neil seinen Gesichtsausdruck nicht erkennen, aber er wusste auch so, dass es hinreichend bekannte ausdruckslose Ausdruck war.
Und gleichzeitig bildete er sich ein, dass Andrews Augen für einen Moment auf ihm lagen, wärend die letzten 2 Sekunden runtertickten.
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