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Don´t tell me, that you love me

von Yougirl
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Andrew Minyard Neil Josten
10.04.2021
04.11.2021
10
43.671
1
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.05.2021 5.525
 
Oh mein Gott...jaa, ich schäme mich, dieses Update hat viel zu lange gedauert.
Dafür gibt es heute mehr Andreil...und Drama. Aber wäre ja auch langweilig wenn nicht. Meine Prüfungen sind durch, der erste Schwung an Küken ist endlich flügge, die nächsten noch safe im Ei und ich muss nicht lernen! :D Ich habe Zeit zum updaten! Yay! :D
Vielen Dank an poestssrain1944 und Electra Heart für ihre Reviews!


Die Tage bis zum Spiel gegen Vermont unterschieden sich nicht groß voneinander. Während des Trainings am Samstag – zu dem er in Matts Truck mitgefahren war – befolgte Neil Andrews Anweisung es `zu lassen´ und hielt sich von ihm fern. Er kam kein weiteres Mal zu spät, vertrödelte allerdings den Samstag und den Sonntag mit Videospielen, in denen er trotz Nicky eifriger Unterstützung und Matts geduldigen Erklärungen wenig bereichend für den Multiplayer Modus war, Filmen und bestellten Essen. Er machte seinen Literatur – Essay fertig während Andrew mit Renee Boxen war und Kevin mit Aaron verschwunden war, der wegen einem Streit mit Katelyn aneinander geraten war und sprang sofort auf, als er Renees Stimme auf dem Flur hörte, um aus dem Zimmer zu flüchten. Er drängte sich an Andrew und Renee vorbei und klopfte an Matts Tür, ohne dem Drang nachzugeben über die Schulter zu sehen, ob Andrew ihn ansah. Sein Nacken kribbelte – und er hatte die Hoffnung dass es so war.

Neil hoffte darauf, dass, wenn er Andrew nur ein wenig Raum gab, Andrew möglicherweise ihm bald wieder signalisieren würde, dass er Neils Gesellschaft wieder wollte. Dass er das, was auch immer er Neil nicht geben konnte als nicht weiter von Bedeutung abstempelte und sie beide dort weiter machen konnten, wo sie gewesen waren. Das es wieder geteilte Zigaretten und Gespräche und Küsse geben würde.

Neil hatte die körperliche Nähe zu einem anderen Menschen nie so vermisst wie jetzt. Er hatte die Anwesenheit seiner Mutter, ihre schützende Präsenz und ihre allgegenwärtige Sicherheit vermisst, die Art, wie sie ihn hielt, als wäre er alles was sie hatte – was in gewisser Weise ja auch stimmte, aber auch so als könnte sie ihn mit ihrer bloßen Entschlossenheit am Leben erhalten.

Aber er hatte sie nicht so vermisst, wie er Andrew vermisste. Als würde er den Geist seiner vergangenen Berührung auf seiner Haut lingern spüren, nur um dann mit einem scharfen Stich in der Brust zu realisieren, dass sie nicht da war. Es war das erste Mal, dass diese Vorstellung so intensiv war, dass Neil am Sonntag unter der Dusche und ohne Andrews Nähe hart wurde. Sich selbst anzufassen war kein Vergleich mit Andrew, aber es erfüllte zumindest seinen Zweck, als er sein erlöstes Stöhnen an seiner eigenen Schulter dämpfte. Danach wusch er sich die Hand unter dem Wasserstrahl ab, die Lippe blutig beißend, ein Gefühlscocktail aus Scham, Frustration, Begierde und Sehnsucht in der Brust. Er sollte Andrew nicht so vermissen. Seine Gedanken sollten sich nicht ständig um ihn drehen und es sollte sich nicht so anfühlen wie eine bleiernes Gewicht in seiner Brust.

Automatisch legten sich seine Finger auf die verblassenden Abdrücke von Andrews Fingernägeln. Sie waren fast nicht mehr zu spüren und aber die Halbmonde waren noch zu sehen, schmale Sicheln, die ihn kennzeichneten und sich dunkelrot mit einem schwachen dunkelblau Stich von seiner Haut abhoben.
Am Montag bestand der Tag nur aus Unterricht, abzugebenden Aufgaben vor den kommenden freien Tagen über Thanksgiving und Training. Der Wind hatte an beißender Kälte zugenommen und zwischen den Studenten machte sich die kommende Feiertagsstimmung breit, was bedeutete, dass nicht nur Neil dem Unterricht nur halbherzige Beachtung schenkte.

Das Spiel gegen Vermont war ebenfalls ein heißes Thema und Neil hörte Leute seinen Namen rufen, die er noch nie in seinem Leben gesehen hatte, die ihm viel Glück wünschten und aufforderten mindestens 4 Tore zu erzielen, weil sie auf Sieg gewettet hätten.
Hätte es ihm früher einen halben Herzinfarkt bereitet, wenn fremde Leute ihn mit seinem Namen ansprachen, war er es mittlerweile gewohnt wenigstens in der Sportszene im Rampenlicht zu stehen. Der ganze Campus schien ziemlich heiß auf ein letztes gutes Spiel zu sein, bevor sie ab Mittwochnachmittag frei hatten und die freien Tage genießen konnten.

Wenigstens konnte er sich von seinem Dilemma mit Andrew ablenken indem er Vermonts Spieler und deren Stastiken studierte.
Allerdings konnte seine Lernbereitschaft in Sachen Exy seinen Streit mit Kevin kaum lindern. Er hatte die letzten nächtlichen Trainingseinheiten am Samstag und Sonntag ebenfalls ausfallen lassen. Teils wegen Andrew, teils wegen Kevin, dessen Ratschläge und nörgelnde Kritik im Moment Neils dank überbrodelnder Gedanken und Emotionen dünnen Nervenkostüm nur noch zusätzlich reizten. Teils aber auch, weil er wusste, dass er ohnehin kaum Schlaf fand, weil seine Gedanken wie ihn umschwirrende Bienen waren – nur dass diese nicht starben, wann immer sie Neil gestochen hatten. Vielleicht waren es doch eher Wespen.

Am Montagabend brach Neil bereits frühzeitig nach dem Abendessen in der Kantine auf, das er in Gesellschaft der Oberstufenschüler absolvierte. Beim gemeinsamen Essen von vegetarischer Pizza und Gemüseburger wurde Neil schlagartig bewusst, dass es Allisons, Renees und Dans letztes Jahr war. Und nächstes Jahr würde Matt und Kevin ihr letztes Jahr antreten...und danach Andrew, Aaron und Nicky. Danach wäre von ihrer ursprünglich neun-köpfigen Line-up nur noch Neil übrig. Die Aussicht einen weiteren Verlust in kommender Zukunft ertragen zu müssen, führte ihn zwangsläufig zu der Frage, ob er Andrew bereits jetzt verloren hatte, lange vor der zwangsläufigen Verlust durch dessen Abschluss. Dieser Gedanke verursachte Übelkeit in ihm, die er damit überspielte seine Gemüselasagne auseinanderzunehmen und dem seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen.

Nach dem Essen verabschiedete er sich und lief alleine erst zum Wohnheim und dann zum Stadion.  Es war bei weitem noch nicht so spät, dass Kevin mit oder ohne Andrew hier auftauchen würde. Soweit Neil wusste, hatte Andrew Kevin am Sonntag ebenfalls sitzen gelassen. Aber er hatte auch niemanden nach genaueren Infos gefragt.

Neil saß eine ganze Weile auf der Tribüne die morgen um diese Zeit gefüllt sein würden mit jubelnden und tobenden Fans. Wenn er den Kopf in den Nacken legte und die Sitzreihen sich bis weit ins Dach hinein erstrecken sah, erfüllte ihn immer noch eine ekstatische Aufregung, sowie am ersten Tag. Die Begierde auf diesem Spielfeld zu spielen und die Zuschauer von ihren Plätzen zu fegen. Das Gewicht der Aufgabe und der Verantwortung, die Ehre, die man ihn übertrug für ein Class I Exy Team zu spielen.

Er schwor sich morgen alles zu tun, um dieses Spiel zu gewinnen. Und um dies zu sicherzustellen, gab es eine Person, mit der wohl oder übel kooperieren musste. Auf Kevin zu warten für sein nächtliches Training war nicht grade Neils Lieblingszeitvertreib. Alles in allem hatte Kevin das Training auch nicht mehr sonderlich nötig. Immerhin konnte er mittlerweile einen beachtlichen Zeitraum lag wieder mit seiner linken Hand spielen und Abby hatte ihm einen Haufen Übungen gezeigt, die er machen konnte, um seine linke Hand wieder zu stärken. Allerdings bedeutete das nicht, dass Kevin deshalb unvorsichtig mit seiner Gesundheit wurde. Er trainierte immer noch regelmäßig – nur unter den Augen von Andrew und Neil – Schläge und Tricks und Pässe, die er nie mit der rechten Hand gemeistert und die ihm mit der Linken noch immer schwer fielen. Neil zog daraus den Vorteil nicht mit Kevins unerträglicher Perfektion konfrontiert zu werden und die Übungen von den Basics aufwärts zu lernen. Die Raven-Drills um sich überhaupt seine Spielzeit zu verdienen waren nur eine Sache, von all den Tricks und Kniffen, die die Ravens über die Jahre lernten. Und Kevin war auch weiterhin gewillt Neil alles beizubringen was er wusste.

Neil zog sich schließlich gegen kurz nach 20 Uhr um und fing an für sich alleine Penaltyschüsse aus schwierigen Winkeln zu feuern, die ihm im Spiel nur zu gute kommen würden, sollte er aus derartig nahezu unmöglichen Winkeln treffsicher schießen können.
Irgendwann gegen kurz vor 21 Uhr hämmerte jemand gegen die Trennwand, die das Spielfeld umgaben und Neil sah auf.

Für einen irrationalen Moment hoffte er, es sei Andrew und gleichzeitig fürchtete er sich davor, dass Andrew tatsächlich hier sein würde. Er wusste nicht, wie sie zu dritt auf dem Spielfeld stehen sollten, ohne dass es absolut merkwürdig und unangenehm und akward werden würde.

Ohne die Gewissheit, dass er sich ausreichend im Griff haben würde. Neil kannte seinen Hitzkopf. Er kannte seinen vorschnelles Mundwerk – und er wusste, dass sein vorheriger Beschluss morgen den Sieg nachhause zu holen dadurch in Schwierigkeiten gebracht werden konnte.
Zu seiner Erleichterung – und Enttäuschung – war es Kevin. Neil erwartete seine Ankunft schließlich in der Stadionmitte, unter ihnen die gigantische orangene Fuchspfote, als Kevin vor ihm stehen blieb.

„Ist dir wieder eingefallen wieso du hier bist?“
„Ich habe eine sadistische Ader und du kannst nur glücklich sein, wenn du jemanden von Grund auf kritisieren kannst?“, fragte Neil zurück und Kevin verdrehte die Augen.
„Versprich mir einfach, dass das, was auch immer zwischen euch abgeht, morgen nicht zum Problem wird. Wir können nicht euch auch noch zur Paartherapie schicken, jetzt wo Andrew neben der Sitzung mit Aaron noch zusätzliche Treffen mit Betsy besucht.“
„Du meinst die am letzten Freitag.“
„Ich meine die, in der er grade sitzt und in der er Samstag saß.“
„Er war jeden Tag bei Dobsen?“, fragte Neil überrascht und Kevin nickte grimmig.
„Bis auf Sonntags natürlich. Aber ich bin sicher, er hat ihr geschrieben. News für dich, was?“, bemerkte er spitz und Neil bezweifelte, dass Kevin gemein sein wollte, sondern dass er einfach genervt davon war, wie sein ganzes Team auseinanderfiel, wenn Neil sich auf Andrew fokussierte und sie beide aus ihrer vorgetäuschten Rivalität plötzlich ernst machten. Dass sie sich spitze Bemerkungen oder Beleidigungen in diversen Sprachen an den Kopf warfen war eine Sache. Aber rücksichtslos gegenüber dem Team zu sein und ihren Streit in einen persönlichen Kampf zu verwandeln, war eine ganz andere Geschichte.
Die letzten Tage im Training waren nicht so ausgeartet, waren allerdings bei weitem auch nicht so wie sonst.

Neil ging nicht davon aus, dass Kevin ihn wegen seiner Beziehung aufziehen oder verspotten wollte, sondern er sich Sorgen um das kommende Spiel und die Struktur des Teams war. Exy hatte in Kevins Welt uneingeschränkte Priorität.
Seine sozialen Fähigkeiten waren ähnlich ausbaufähig wie die von Neil und Andrew – solange man Kevin keine Kamera ins Gesicht hielt, daher konnte Neil sich nicht gänzlich sicher sein. Vielleicht sollte ihm jemand mal erklären, dass `Freundlichkeit´ sich nicht zwangsläufig nur auf eine Kamera beschränken musste, die man ihm ins Gesicht hielt.

„Wir reden im Moment nicht sonderlich viel miteinander.“
„Das ist eine hausgemachte Untertreibung. Was hast du bloß angestellt?“
Neil warf Kevin einen finsteren Blick zu.
„Ich habe nichts `angestellt´. Ich bin kein Kleinkind mehr.“
„Da gehen unsere Meinungen auseinander“, antwortete Kevin schnaubend und Neil schulterte seinen Schläger um in Richtung Tor zu gehen. Für ihn war diese Unterhaltung hier beendet.
„Irgendwas muss doch passiert sein. Ich hab Andrews Verhältnis zu Dobson nie verstanden, aber irgendeinen Grund muss er ja haben, dass er plötzlich ständig bei ihr ist. “
Neil blieb an der Penaltyschusslinie stehen. Nicht, weil es sein Ziel war, sondern weil Kevin genau das sagte, was er selbst dachte.

Kevin war zwar meistens ein exybesessener, zielbewusster und rücksichtsloser Mistkerl, aber man konnte ihm nicht vorwerfen, dass ihm Andrew egal war. Er war der Erste gewesen, der Andrew gesagt hatte, dass er etwas wert sei, dass er eine Zukunft haben würde. Das Kevin ihm das geben konnte, was er wollte.
In gewisserweise stimmte das auch. Kevin hatte Andrew Exy und Neil gegeben. Denn ohne Kevin wäre Neil wo niemals zur PSU gekommen. Ohne Kevin und ohne Exy. Was bedeutete, dass Kevin sein Wort gehalten hatten und die Sportart, die Andrew angeblich – und mittlerweile erwiesen vorgetäuscht – nicht genug interessierte, um sich um sie zu kümmern oder darin etwas anderes als ein kurzer Ausbruch aus seiner Alltagsroutine zu sehen, hatten ihm etwas gegeben, worauf er seine Zukunft bauen konnte. Zumindest war das bisher der allgemeine Eindruck gewesen. Und Neil war davon ausgegangen dass er Teil dieser Zukunft sein würde.

„Willst du reden oder willst du trainieren? Für jemanden, der sich seit Tagen mir gegenüber wie eine am Hochzeitstag sitzen gelassene Ehefrau aufführt, redest du ziemlich viel...“
„In deiner Welt bekleide ich also die Rolle der Ehefrau?“, fragte Kevin spöttisch und Neil zeigte ihm den Mittelfinger, bevor Kevin hinter ihm her kam und seinen Schläger in die linke Hand wechselte.
Neil verlor die Zeit aus den Augen, zwischen Kevins scharfer Kritik und seinen harschen Kommentaren wann immer Neil etwas richtig gemacht hatte, aber Kevin zu sehr Arsch war, um ihn zu loben – oder weil Kevin Lob schlichtweg fremd war.
Bei einem besonders guten Lauf beim üben des Passens, war der Ball nur noch als verschwommener Fleck zwischen ihnen zu sehen.

Die nächste Unterbrechung kam unerwartet, als eine kleine Gestalt in orange-weißen Trikot mit einer großen `03´ auf dem Trikot sich zu ihnen auf das Spielfeld gesellte. Neil und Kevin beobachteten stumm wie Andrew seelenruhig, seinen massigen Schläger über der Schulter, zum Tor ging. Dort angekommen warf er beiden Strikern einen Blick zu – Neils dummes Herz machte einen Satz, aber er versuchte es auf das Adrenalin in seinem Blut zu schieben. Schließlich streifte er sich den Helm über und ließ den Kinnriemen zuschnappen, ohne die massigen Handschuhe dafür ausziehen zu müssen. Er gab seinem Schläger einen prüfenden Schlag, so dass Neil den Wind durch die Netzmaschen sirren hörte, dann schlug er einmal kräftig damit auf den Boden, seine Bereitschaft signalisierend.

Kevin war der Erste, der sich bewegte – er hatte ohnehin den Ball – und flog nur so auf das Tor zu. Andrew wehrte den Ball ab und schmetterte ihn über das gesamte Spielfeld. Neil nahm die Verfolgung auf noch bevor er sich bewusst dafür entschieden hatte. Bis auf Kevins Kommentare und das Geräusch des Balles wann immer er auf den Boden, an die Wand, das Tor oder das Netz eines Exys Schlägers prallte war es recht schweigsam zwischen ihnen. Andrew war unter normalen Umständen schon nicht der Gesprächigste und Neil hatte nichts zu sagen – oder er hatte zu viel zu sagen und wusste genau, er würde seinen Mund nicht halten können, wenn er erst einmal damit anfing. Es gab keine Sticheleien, sarkastische Kommentare oder die üblichen, nicht ernst gemeinten Beleidigungen. Selbst die Dynamik ihres nächtlichen Trainings hatte sich verändert. Das Gewicht dieser Erkenntnis lingerte schwer in Neils Magen.

„Genug für heute!“, rief Kevin ihnen schließlich zu und streckte auffordernd die Hand in Neils Richtung aus. Mit einem eleganten, leichten Schlenker ließ Neil den Ball aus dem Netz seines Schlägers hüpfen und Kevin fing ihn gekonnt auf. Neil folgte Kevin zum Ausgang, während Andrew noch im Tor Helm und Handschuhe auszog.
„Du räumst weg!“, verkündete Kevin plötzlich und drückte einem verblüfften Neil seinen Schläger und den Ball, den er grade erst eingefordert hatte, grob gegen die Brustpanzerung.
Neil, der grade seinen Helm abgenommen hatte, hatte Mühe Kevins Schläger, seinen eigenen, seinen Helm und den Ball zu tragen ohne dass alles Bekanntschaft mit dem Boden machte.

„Sonst noch was, eure Majestät?“, fragte Neil, während Kevin sich die Handschuhe abstreifte und in Richtung Umkleidekabine verschwand. „Dir ist schon klar, dass du keine wirkliche `Queen´ bist, nur weil du dir eine Schachfigur hast tätowieren lassen, oder?“, rief er ihm hinter und Kevin kommentierte dies mit ausgestreckten Mittelfinger in Neils Richtung. Dieser hatte Helm und Handschuhe auf die nächste Bank beförderte, bevor er seine Last neu sortieren konnte, bis er alles sicher in der Hand hatte.

Der jüngere Striker verdrehte die Augen und wollte sich grade auf den Weg zum Geräteraum machen, als ein warnendes Kribbeln in seinem Nacken, gefolgt von einem Prickeln sein Rückgrat hinab ihn daran erinnerte, wer noch mit ihnen auf dem Spielfeld war. Er musste sich nicht umdrehen um zu wissen, dass er zum ersten Mal seit langem völlig alleine mit Andrew war. Selbst bei ihrem Gespräch auf dem Weg zum Unterricht waren sie umgeben gewesen von vorbeieilenden Studenten.

Aus den Augenwinkeln konnte Neil Andrews blonden Schopf erkennen. Er kam grade durch die Tür in der schützenden Trennwand und sein Blick lag genau auf Neil.
Wortlos – und ohne sich umzudrehen – streckte Neil die Hand nach Andrews Schläger aus. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er konnte spüren, wie seine Hauptschlagader verräterisch an seiner Kehle pochte und war dankbar für den Schutz an seinem Hals, der Andrew seine betrügerische Arterie nicht sehen ließ. Leider bedeutete das auch, dass ihm beklemmend eng dort zu Mute wurde. Als Andrew keine Anstalten machte ihm seinen Schläger zu geben ließ Neil die Hand sinken und ging wortlos zum Geräteraum. Die Halterungen der Schläger waren alle sorgfältig an der Wand montiert und Neil verfluchte Kevin innerlich, dass dieser seine Halterung soweit oben hatte und Neil dazu zwang sich auf die Zehenspitzen zu stellen.

Seine eigene war komfortabel weiter unten. Andrew war ihm gefolgt und beobachtete ihn dabei, wie er die Schläger einräumte. Neil – entschlossen sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen – drehte sich um und warf den Ball in Richtung des großen Eimers, indem sie die Trainingsbälle aufbewahrten. Scheinbar brachte Andrews Anwesenheit ihn doch mehr aus dem Konzept als er sich eingestehen wollte, denn er warf den Ball ungefähr einen halben Meter daneben, wo er von der Wand abprallte und exakt in Andrews Richtung davon hüpfte. Mit einer fast lässigen Bewegung pflückte Andrew den Ball mit dem Schläger aus der Luft, bevor dieser raus auf den Gang fliegen konnte.

„Deswegen spielst du also Stickball und nicht Baseball. Du bist scheiße im werfen.“
Neil lag bereits eine Erwiderung auf der Zunge, aber er schluckte sie runter – oder besser gesagt, blieb sie ihm im Hals stecken. Er hatte den Fehler gemacht sich umzudrehen und nun von angesicht zu angesicht Andrew gegenüber zu stehen. Die paar Meter zwischen ihnen taten dabei nichts zur Sache. Andrews blondes Haar klebte ihm leicht verschwitzt an der Stirn und sein Gesichtsausdruck war wie gewohnt bar jeder Emotion, doch seine Augen brannten sich in Neils.

Es war verrückt, wie viel es ausmachte, ob Andrew ihn ansah oder nicht. Sein Blick war intensiv, scharfsinnig, als könnte er durch Neils Seele sehen und wüsste, was in ihm vorging. Als könnte er jede Wahrheit aus Neil herauszerren nur mit seinem Blick. Früher hatte Neil dieser Blick mehr als nur beunruhigt. War doch seine ganze Existenz eine Lüge. Andrews Augen waren wie seine Messer. Nur dass Neil sich von diesen mittlerweile gerne schneiden ließ.

Andrew schwang den massiven Schläger und beförderte den Ball in die Ecke zu den anderen. Polternd flog er hinter den Eimer, der bedächtig schwankte.
„Treffen ist auch nicht deine Stärke“, stellte Neil fest. Klang seine Stimme irgendwie anders? Rauer?
„Wer sagt, dass ich treffen wollte?“, fragte Andrew zurück und hing seinen Schläger auf. Sie waren sich so nah, Neil konnte Rauch und frischen Schweiß riechen. Selbst die verblasste Note von Andrews Duschgel, dass er heute nach dem regulären Training benutzt haben musste. Oder vielleicht war Neil einfach nur so sehr an den Geruch gewöhnt, dass er sich dies schon einbildete. Was war er doch für ein armseliger, erbärmlicher Idiot...

„Du gehst mir aus dem Weg“, sagte Andrew und lehnte sich neben den aufgereihten Exy Schlägern an die Wand.
Neil fuhr zusammen bei Andrews Feststellung und hob den Blick um wieder Andrews stechenden Augen zu begegnen, die ihn nicht losließen.
„Ist es nicht das was du wolltest?“, fragte Neil zurück und kniff die Augen leicht zusammen. Andrew verschränkte die Arme vor der Brust.
„Das habe ich nie gesagt.“
„Du hast gesagt, dass ich es aufhören soll.“
„So unfassbar bedürftig zu sein“, antwortete Andrew, doch seine Stimme klang hart. Sein Kiefer war angespannt. Eine dünne, stahlharte Linie. Neil war sich nicht sicher, ob es Andrew verärgerte, dass Neil danach strebte mit ihm Zeit zu verbringen – oder ob es doch noch etwas anderes war, dass diese Anspannung in ihn verursachte. Andrew sah aus, als würde hinter seiner kühlen Maske ein ganzer Sturm toben, den zu bändigen seine ganze Kraft kostete. Und alleine das war ungewöhnlich. Normalerweise ließ Andrew sich rein gar nichts anmerken. Was ging ihm nun also so unter die Haut?

„Meintest du das damit? Dass du mir das nicht geben kannst? Meine Bedürftigkeit zu befriedigen?“
Andrew antwortete nicht sofort. Für einen Moment hatte Neil den Eindruck Andrew wolle ihm gar nicht antworten. Sein Kiefer war so fest zusammen gepresst, dass Neil nur darauf wartete das Knirschen von brechenden Zähnen zu hören.
„Befriedigen...ich hatte den Eindruck, dass ich immer ziemlich gut darin war dich zu befriedigen“, antwortete Andrew schließlich und in Neils Unterleib zog sich irgendein verräterischer Muskel zusammen, der alleine auf Andrews Stimme reagierte.

Ein kleines Stimmchen in ihm wisperte ihm zu, dass Andrew absichtlich das Thema wechselte.
Aber dieses kleine Stimmchen kam nicht gegen die Welle an Verlangen und Sehnsucht und Erleichterung an. Andrew würde keine solche Anspielung machen, wenn er nicht noch immer Interesse an Neil hätte. Wenn er ihn nicht immer noch anziehend finden würde. Für den Moment – für diesen wunderbaren Moment – reichte Neil alleine die Aussicht, dass Andrew ihn noch immer wollte. Ob Andrew Gefühle für ihn hatte...ob Andrew die Gefühle, die Neil hegte erwiderte oder wenigstens tolerierte oder auch nur irgendwas für ihn empfand, das war im Moment nebensächlich. Weil wenigstens ihre Anziehung, das was Andrew in erster Linie zu ihm hingezogen hatte, noch immer da war. Weil es bedeutete, dass ihr `Nichts´ noch nicht zu gänzen verloren war.

„Ja oder nein, Junkie?“, frage Andrew plötzlich mitten in Neils Gefühlschaos hinein. Überraschung hemmte Neils erste Reaktion, dann kam er Andrew bereits entgegen, noch bevor seine Lippen das Wort „Ja“ auch nur formen konnten.
Andrews Mund war warm und weich und sein Kuss wie immer rau, forsch und alles andere als sanft. Seine Lippen besaßen die volle Kontrolle, sie saugten an Neils, sie teilten sie, damit er seine Zunge über sie gleiten lassen konnte. Neils Hände zitterten, wollten den Jungen vor sich berühren und als ob Andrew seine verzweifelten Gedanken hören konnte, griff er nach Neils Handgelenken und hob sie hoch, bis seine Fingerspitzen weiches Haar berührten. Neil schob seine Finger mit einer Gier und Verzweiflung in Andrews blonden Schopf, dass Andrew seine Zunge zurückzog und ihn warnend in die Unterlippe biss, als Neil zu stark zog.

Zur Antwort lockerte Neil seinen Griff und öffnete gleichzeitig den Mund, suchte nach Andrews, suchte nach Widerstand und Dominanz und seufzte leise, als er warmen Atem an seiner Wange spürte und eine heiße Zunge an seinen Zähnen.
Ihre Körper hatten wie immer einen gewissen Abstand, auf den Neil selbst in diesem berauschten Zustand fertig brachte zu achten, damit er Andrew nicht das Gefühl gab bedrängt zu werden.

Diese Kuss elektrisierte jeden Nerv in seinem Körper und schlug zielstrebig in Regionen ein, die alles andere als komfortabel waren in der Exyschutzkleidung. Irgendwie machte der hemmende Widerstand die Sache noch schärfer und verzweifelter, ließ seine Erregung in seinem Blutkreis zirkulierend kochen und ihn jeden Zentimeter seines Körpers noch bewusster wahrnehmen. Er wollte Andrews Hände, seinen Mund, seine Bestimmtheit. Er wollte sich Andrew hingeben, damit dieser ihn auseinander nehmen und mit nur einer Hand aufrecht halten konnte, weil Neil es niemals wagen würde sich an Andrew zu lehnen, wenn sie grade sexuell aktiv waren, wissend wie sehr jede sexuelle Begegnung automatisch mit Andrews komplizierte und schwierige Vergangenheit in Verbindung gebracht wurde. Mittlerweile durfte Neil Andrew küssen, wenn Andrew es sich selbst machte, sobald er mit Neil fertig war. Er durfte ihn an der Schulter und an der Brust berühren und an seinem Hals saugen, solange er nicht in die Nähe seiner Hüfte und abwärts verlaufenden Gefilden kam. Sie entwickelten sich weiter, Stück für Stück.

Wie sehr hatte Neil dies vermisste. Andrews Nähe, sein kleinerer aber so viel stärker seiender Körper, wobei Neil nicht (nur) von körperlicher Stärke sprach, seine Küsse, sein Geruch, sein Geschmack, seine Hitze...seine Hände, die die strammgezogenen Bänder der Exyschutzkleidung lösten um Neils Körper dadrunter zu kartieren wie eine Landkarte, die Andrew eigentlich schon auswendig kennen musste.
Selbst die Art wie ihre Zungen miteinander rangen, obwohl sie beide wussten, dass Andrew im Endeffekt sowieso gewinnen würde, aber Neil diesen Kampf nun mal nicht unaufgefochten lassen konnte, egal ob er dafür hinterher mit Blut bezahlte, wenn Andrew ihn in die Lippe biss, hatte er so verflucht vermisst.

Andrew löste den Kuss um Luft zu holen und drehte leicht den Kopf. Keine direkte Einladung, aber doch eindeutig genug. Neils Finger lösten den Schutz an Andrews Hals, damit er die salzig schmeckende Haut dort mit dem Mund attackieren konnte. Seine Lippen saugten sanft, kosteten seinen Geschmack, hielten vorsichtig die Haut mit den Zähnen fest, als könnte Neil Andrew auf diese Weise für immer festhalten.
Als er ebenfalls zwangsläufig Luft holen musste und sein warmer Atem keuchend auf Andrews deutlich geröteter Haut am seinem Hals traf, erschauderte dieser sichtlich und seine Finger unter Neils Brustpanzerung zitterten, als sie seine Rippen wie ein Bergkette entlang fuhren und die Narbe dort entlang strich, die die Knochenberge teilte wie ein Fluss.

„Ich hab dich so vermisst“, keuchte Neil leise, sein Mund so nah an Andrews Haut, dass seine Lippen bei jeder Bewegung seine Kehle streifte. Dennoch bemerkte er nicht, wie Andrew bei Neils Worten abrupt stockte. Die Wärme von Andrews Händen – die ebenfalls stoppten – sickerte noch immer in seine Haut und Neil genoss dieses Gefühl in vollen Zügen.

„Ich hasse es nicht mit dir zu reden. Ich hasse es dich nicht ansehen und berühren zu können. Ich hasse es das zwischen uns verleugnen zu müssen. Es war mir damals egal, als wir uns rausgeschlichen haben. Es war mir egal, als es nur wir beide waren, aber ich habe das Gefühl dich zu verlieren. Ich...ich will DAS nicht verlieren...“ Andrews Hände zogen sich so schnell zurück, dass die überraschend kalte Stadion Luft auf seiner Haut Neil zusammenzucken ließ. Er war vielleicht nicht sonderlich gut mit Gefühlen und dergleichen, aber er verstand Anspannung, er verstand die berühmte Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Seine Reaktion war immer die Flucht gewesen. Bis Andrew ihm beigebracht hatte zu kämpfen. Bei Andrew war es immer die Kampfreaktion. Bis jetzt. Dieses Mal wählte er die Flucht und Neil wusste nicht wieso.
„Andrew…?“, fragte Neil und es fühlte sich an wie ein schreckliches Déjà vu.

„Hör auf“, stieß Andrew hervor, schob sich grob an Neil vorbei und verließ schnellen Schrittes den Geräteraum. Er hörte einen dumpfen Knall und es führte sich an, wie eine Faust, sie auf Plexiglas schlug. Neil starrte ihn hinterher, verwirrt und geschockt und mit der Wärme von Andrews Mund und den schnellen Puls in seiner Kehle noch immer an seinen Lippen pulsieren spürend.
Neil hatte eine Menge physischen Schmerz in seinem Leben erlebt. Sein Körper war eine überdeutlicher Beweis dafür, der all diese Schmerzen mit Malen und hässlichen Narben dokuemtierte. Kämpfe die er ausgestanden und gewonnen, aber größtenteils nur überlebt hatte. Und er hatte seine Mutter verloren.
Dennoch raubte ihm das, was er grade fühlte, den Atem.

Wo zuvor brennendes Begehren getobt hatte, herrschte nun der scharfe Schmerz der Zurückweisung. Da war wieder das Messer zwischen seinen Rippen. Es war noch tiefer hinein geglitten.
Neil stand eine ganze Weile im Geräteraum, irgendwie taub, als wenn er stundenlang durch eisigkalten Regen gerannt wäre und die Kleidung an seinem Leib klebte, bis alle Narben selbst durch die eigentlich schützenden Schichten entblößt waren. Als hätte man ihm etwas entrissen, dass ihn verwundet und blutend zurückließ.

Er konnte nicht atmen. Seine Finger zuckten in dem dringenden Verlangen nach einer Zigarette. Aber Zigaretten waren nicht länger tröstlich. Sie erinnerten ihn nicht mehr nur an seine Mutter. Sie waren verwoben mit Andrew. Mit der Erfahrung von Sicherheit und Schutz und unerschütterlicher Standhaftigkeit. Und an Andrew wollte Neil grade nicht denken.

Er ging duschen – von besagten Goalkeeper war nichts zu sehen – und als er fertig war und nach draußen kam, erstarrte Neil bei dem kleinen orangeglühenden Punkt, der in der Luft schwebte. Die Tatsache dass Andrew nur schwarz trug, seine Kapuze über seine feuchten hellen Haare gezogen und an der Motorhaube seines schwarzen Maseratis lehnte, sorgte dafür, dass er nahezu zu gänzen mit seiner Umgebung verschmolz. Das Stadion besaß zwar Fluchtlichter, allerdings waren die nur an, wenn es ein Spiel gab und die Laternen auf dem Parkplatz waren nur eine Hilfe, wenn man gedachte in ihrer Nähe zu parken. Andrew bließ den Rauch aus. Jetzt, wo Neils Aufmerksamkeit auf ihm lag, konnte er seine Umrisse ganz klar erkennen.

„Steig ein“, sagte Andrew und warf seine Zigarette auf den Boden. Der orangene Punkt hüpfte kurz über den Asphalt und ein winziger Funken löste sich, der sofort erlosch, als er den Boden berührte. Neils Finger zuckten. Er wollte sie aufheben und den Rauch inhalieren. Er ging an ihr und dem Maserati vorbei.
„Passe…ich laufe.“
„Steig ein, Junkie“, drängte Andrew, ohne auf Neils Worte zu achten. Er umrundete die Motorhaube, visierte die Fahrertür an, doch sein Kopf war in Neils Richtung gedreht. Aus den Augenwinkeln sah Neil, wie sich etwas auf der Rückbank des Maseratis bewegte. Kevin beobachtete die beiden von dort, aus besorgten grünen Augen.

Gewährte Andrew ihm also dieses Mal den Platz neben ihm auf dem Beifahrersitz? Was sollte das sein? Eine Art Wiedergutmachung? Ein `Tut mir leid, dass ich abgehauen bin´? Allerdings glaubte Andrew weder an Wiedergutmachung, noch schien er dazu in der Lage zu sein, sich für irgendetwas zu entschuldigen.
Irgendwie sorgte der Anblick von Kevin, auf die Rückbank verwiesen, für eine Welle heißer Wut in seinem Magen. Was war hier zum Teufel noch eins los? Was wurde hier gespielt? Was wollte Andrew? Und was wollte Andrew nicht? Für jemanden, der keine Hemmungen darin hatte anderen seine – zumeist gegenteilige – Meinung zu sagen und jeden schonungslos mit dessen Scheiß und Schuld und Vergangenheit konfrontierte, war er erstaunlich unfähig darin, klare oder auch nur annährend klare Signale zu senden.

Für jemand der so viel Zeit damit verbrachte andere vor ihren Dämonen zu schützen und sich trotzdem wie ein rücksichtsloser Mistkerl aufzuführen, jemand, der nie in seinem Leben gelernt hatte sich zu ducken oder wegzulaufen, sondern immer nur zu kämpfen, schaffte es Andrew es hier an seiner gnadenlosen Ehrlichkeit und seiner kristallklaren Aufforderungen fehlen zu lassen. Und dabei hätte Neil ganz dringend ein Update gebraucht, was zwischen ihnen beiden ablief. Neil kam sich vor wie zwischen hohen Wellen, die ihm bis zum Hals gingen, völlig blind. Ging er in die falsche Richtung würde er ertrinken – und Andrew verlieren. Neil wollte nur nach Andrew greifen und sich von ihm führen lassen, bis er wieder wusste, wie er zurück ans Ufer – zurück zu Andrew – fand. Aber das war verflucht nochmal nicht möglich. Nicht unter diesen Umständen. Weil Andrew wollte, dass er aufhörte und Neils Hirn und sein dummes Herz Amok liefen und er nicht wusste WOMIT er aufhören sollte und gleichzeitig fürchtete es nur zu genau zu wissen.

„Ich sagte, ich laufe.“
„Neil.“
„Hör auf!“, fauchte Neil und drehte sich auf den Fersen um, um Andrew in der Dunkelheit anzustarren. Ihre Blicke verharkten sich, selbst wenn sie dem anderen nur schemenhaft ausmachen konnten. Neil wusste auch so, dass Andrews Miene sich nicht verändert hatte. Egal, ob er ihm die gleichen Worte entgegen geschleudert hatte, die Andrew ihm gegenüber seit neusten benutzte, um ihn zurückzuweisen. Zur Hölle, die er grade eben erst benutzt hatte.

Er wollte noch mehr sagen. Er wollte so einiges sagen. Aber er war so verflucht wütend und wollte nur eins: Hier weg. Fliehen, bevor das alles ihm über den Kopf wuchs. Er hatte morgen ein Spiel zu gewinnen. Er konnte die Foxes, seine Familie nicht im Stich lassen...und er konnte verflucht nochmal Kevin nicht als Zeugen gebrauchen.

Schließlich drehte Neil sich um, hastete mit schnellen Schritten zum Eingang und tippte den Code ein. Das Tor glitt langsam auf und Neil quetschte sich durch, bevor ein Mensch seiner ohnehin kleinen Statur dort eigentlich durchpasste. Dann fing er auch schon an zu rennen, während das Tor immer weiter aufglitt. Er wusste nicht, ob Andrew ihm immer noch hinterher sah, doch er hörte den Motor des Maseratis mehrere hundert Meter später hinter sich und sah die Scheinwerfer in der Ferne aufflackern, deren Lichtkegel vor ihm auf den Asphalt tanzte. Neil zwang sich dazu, sich nicht umzudrehen. Er wollte Andrew nicht sehen. Er wollte Kevin nicht sehen. Wahrscheinlich würde er etwas Dummes tun und – viel schlimmer – etwas Dummes fühlen, was er im Moment absolut nicht gebrauchen konnte. Der Sportwagen schoss an ihm vorbei und Neil war versucht die Hand auszustrecken um das vibrierende Exterior des Wagens zu berühren, der scharf an ihm vorbei raste. Der Wind des an ihm vorbei schnellenden Fahrzeugs verursachte eine stärkere Gänsehaut, selbst unter Neils Jacke. Stärker als der kühle Novemberwind erzeugen konnte.

Er jagte den Rücklichtern hinterher, die sich immer weiter von ihnen entfernten, fester auf den Boden tretend und beschleunigend, als versuche er den Wagen nun doch einzuholen, bis er außer Sicht war und Neil keuchend stehen blieb, mit der stechenden und ihm rätselhaften Gewissheit etwas verloren zu haben. Seine Augen brannten und er wusste nicht, was dies zu bedeuten hatte.


P.S: Please, don´t kill me! :*
Ich hab übrigens lange mit mir gehadert ob ich "Hör auf." oder "Nein." schreiben soll...aber ich wollte nicht, dass Neil sein Wort bricht und zu Andrew "Nein" sagt. ich glaube nämlich tatsächlich, dass Neil indem Punkt nicht gelogen hat.
Das nächste Update kommt wesentlich schneller, versprochen! Euch noch einen schönen Feiertag! :*
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