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Don´t tell me, that you love me

von Yougirl
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Andrew Minyard Neil Josten
10.04.2021
29.12.2021
11
53.443
2
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
07.05.2021 4.011
 
Einen wunderschönen Freitagabend, ihr Lieben!
Ich weiß, ich bin unheimlich spät dran und das tut mir aufrichtig leid!
Die letzten beiden Wochen waren chaotisch, krankes Kaninchen, aus Nestern fallende Küken, die ihn Zäunen, zwischen Steinen und Karton feststecken, die letzte Schulwoche, jetzt Prüfungsvorbereitungen...egal, das gehört hier nicht hin! :D
Kurze Vorwarnung, ich hab mich bemüht um eine realistische, deutschsprachige Darstellung des Trainings. Im Fußball und Co. nennt man es Zweikampf, wenn man sich halbwegs um den Ballbesitz prügelt, also habe das schöne Wort hier übernommen. :)
Ich wünsche euch trotzdem noch ganz viel Spaß bei dem Kapitel und bedanke mich bei poetssrain und Electra Heart für zwei wunderbare Reviews! :D


Neil keuchte, sein ganzer Körper verspannte sich unter der reinkickenden Kampf oder Flucht Reaktion, seine Hand ballte sich bereits zur Faust und raste instinktiv auf seinen vermeintlichen Angreifer zu. Dieser blockte den Schlag allerdings mit gekonnter Lässigkeit ab und schubste Neil gegen die Wand.

Sein Kopf schlug gegen die Mauer und ein stechender Schmerz explodierte in seinem Kopf, der sein Sichtfeld für ein Moment schwärzte. Andrew stand vor ihm. Seine Pupilen waren minimal geweitet, aber das könnte auch eine Täuschung sein. Keine Täuschung war allerdings der harte Griff seiner Hand in Neils Schulter, als Andrew ihn dort festhielt und sein Blick rasend schnell an ihm rauf und runter glitt. Seine Fingernägel bohrten sich wie Krallen in Neils Schulter. Kevin war schweigend einen Schritt zurückgegangen, die Arme verschränkt, aber auch sein Blick lingerte über Neils Körper. Matt war ebenfalls näher gekommen. Er erwartete nicht, dass Andrew Neil tatsächlich weh tat, aber seine Schultern waren angespannt.

Und Andrew...er strahlte heiße Wut und Kälte gleichermaßen ab. Seine Augen gaben nichts preis aber seine freie Hand ballte sich zur Faust und zitterte und öffnete sich dann wieder, doch das Zittern blieb.
„Es geht mir gut“, sagte Neil, als ihm klar wurde, dass Andrew auf der Suche nach Verletzungen war und seine Antwort schien Andrew nur unzureichend zufrieden zu stellen.

Abrupt ließ er ihn los und marschierte zu seinem Spind ohne Neil anzusehen. Verblüffung und Verwirrung lagen in Neils Blick. Was zum Teufel war das gewesen?
Andrew öffnete seinen Spind und pflückte seine Uniform heraus, noch immer ohne ein Wort zu sagen. Auch Neil schenkte er keinerlei Beachtung mehr, doch Neil erkannte die Anspannung und die Aggression in Andrews ruckartigen Bewegungen. Hatte ihn Neils Verschwinden – oder zehnminütiges Zuspätkommen – tatsächlich so aus der Ruhe gebracht?

Hatte das Gespräch davor nicht die Bedeutung gehabt, die Neil ihm gegeben hatte? Hatte Andrew seine Versuche mit ihm alleine zu sein nicht damit abgeblockt, dass er meinte, er könne es Neil nicht geben? Bedeutete das, dass es noch immer ein `Nichts´ gab? Oder war es nur Andrews besitzergreifende, beschützende Ader, die dafür sorgte, dass er sich darum kümmerte, was mit Neil geschah? Die Tatsache, dass Andrew andere stets über sich priorisierte?

Vielleicht hatte es Andrew gar nicht so sehr gestört, dass er nicht wusste wo NEIL war, sondern viel mehr, dass eines seiner Schäfchen – oder eher Monsterchen – nicht da war und er nicht wusste, ob besagtes Monsterchen sich nicht in Schwierigkeiten gebracht hatte. Wäre er bei Aaron oder bei Nicky genauso vorgegangen? Bei Kevin? Die Wahrscheinlichkeit war nicht so gering, dass sie Neils Hoffnung, die unweigerlich und in seiner unbelehrbaren Idiotie aufflammte, zusätzlichen Zündstoff gab.

Andrew hatte einen zweiten Aufhenthalt im Jugendknast riskiert um Nicky zu beschützen. Das bedeutete nicht, dass Andrews Interesse, dass, was er zu ihrem `Nichts´ beigetragen hatte, noch immer vorhandenen war. Es bedeutete nicht, dass sie noch immer zusammen waren. Technisch gesehen hatten sie auch nicht Schluss gemacht, aber ganz technisch gesehen betrachtete Andrew ihre `Beziehung´ als nichts, vielleicht sah er also keinen Grund darin irgendetwas zu beenden, wenn es für ihn gar nichts zu beenden gab. Und Neil brauchte es ja für gewöhnlich buchstabiert, um die Infos zu verarbeiten.

„Zieh dich an“, knurrte Kevin ihn an und stiefelte sichtlich angepisst aus dem Umkleideraum. Neil wurde aus seiner Trance gerissen und machte sich daran Kevins schlecht gelaunten Anweisung zu folgen. Andrew war in Rekordzeit fertig und verließ die Umkleide ohne Neil noch eines Blickes zu würdigen.
Neil maß dem ganzen dieses Mal nicht allzu viel Bedeutung bei – um seinen eigenen Seelenfrieden willen, denn er wusste nicht, wie sehr er sich heute noch mit seinen Emotionen auseinandersetzen wollte. Er bemühte sich darum sie einfach tief in sich zu vergraben.
Jack rief ihm irgendwas – sicherlich gehässiges – zu, während Neil seine Sachen zusammen suchte und wartete, bis alle verschwunden waren, so dass er sich nicht wie sonst im Bad umzog. Seine Narben waren immer noch ein ziemliches Tabu-Thema, aber mittlerweile kam er schon gut klar, wenn Andrew sie sah. Es störte ihn nicht mehr sich vor Andrew auszuziehen und er machte kleine Fortschritte bei seinem anderen Teamkameraden, allerdings waren ihm ihre Blicke noch immer mehr als unangenehm, ganz besonders die der Neulinge und alte Gewohnheiten zu verlieren war nicht leicht.

Seine Verspätung war nicht weiter Thema, als er sich nach dem Warmlaufen zu der Trainingseinheit zusammen mit den anderen antrat. Sie übten Zweikämpfe, wobei Neil an Kevin geriet, was zumindest all seine Aufmerksamkeit und Können erforderte. Kevin spielte mit der linken Hand, was bedeutete, dass sein Königin-Tattoo, das ihn als tödlichste Figur auf dem Spielfeld auswies, heute mehr als gerechtfertigt war. Zumal Kevin entschlossen schien Neil in Grund und Boden zu laufen – eine Übung die Kevin sonst nie gelang, aber Neil hatte bereits einiges an laufen hinter sich und ermüdete schneller als ihm lieb war.

Er kämpfte um seinen berechtigten Platz in ihren Zweikämpfen und schaffte es da raus zu kommen ohne das Kevin und er allzu heftig aneinander gerieten. Dennoch waren die Blicke, die sie einander zu warfen alles andere als freundlich, als die Zweierkämpfer zu Vierergruppenkämpfe erweiterten.
Zwei gegen zwei mit anschließenden Schuss aufs Tor.

Bedauerlicherweise richtete dies automatisch Neils Fokus wieder auf einen gewissen Torhüter, von dem er seinen Blick nicht abwenden konnte. Er stand mit Robin im Tor und redete offenkundig mit ihr. Neil konnte nicht hören was sie sagten, aber es waren mehr als kurze und knappe Sätze, mit denen Andrew meistens seine anderen Teamkameraden abspeißte, wenn er sich überhaupt dazu herabließ mit ihnen zu reden. Robin nickte und antwortete und ihre Konversation schien ergiebiger zu sein, als Neil erwartete.

Die schüchterne Robin schien regelrecht aus sich herauszukommen. Sie stand kurz darauf aufrechter als Erste im Tor, Andrew mit einem gewissen Sicherheitsabstand daneben und Neil und Kevin zusammen gegen Matt und Nicky als angreifende Gruppe mit Zähne und Krallen gegeneinander kämpften. Wann immer das Tor rot aufleuchtete gab Andrew Robin knapp eine Anweisung. Und nach fünf Toren gelang es Robin den ersten Schuss abzublocken. Was auch immer Andrew ihr genau gesagt hatte, es half.

Neil feuerte aufs Tor und sah dabei zu, wie Robin den Ball bis ans andere Ende des Spielfeldrandes beförderte. Da war das Potenzial, dass sie gesehen hatten, als sie Robin rekrutierten, aber es tat wenig gegen Neils miese Stimmung – oder Kevins Meinung bezüglich Neils abgelenkten Spielverhaltens. Keine zehn Minuten später warf Kevin frustriert seinen Schläger gegen die Plexiglaswand, als Neil grade erneut von Andrew abgelenkt wurde, der auf ihn und Matt zeigte, beide um den Ballbesitz kämpfend. Die Tatsache, dass Andrews Augenmerk auf ihn lag – und dass er verzweifelt nach der Bestätigung suchte, indem er es mit eigenen Augen sah – sorgte dafür, dass Matt ihm den Ball abluxen und zu Nicky befördern konnte.

Es war nicht sonderlich angenehm sich zu verdeutlichen, dass er verflucht noch eins nicht mal beim Training es schaffte sein gottverdammtes Gefühlschaos zu begraben. Selbst seine panische Angst vor seinem Vater, davor, dass man ihn finden und töten würde, hatte er auf dem Spielfeld ausblenden können. Wenn er einen Schläger in der Hand hielt, dann fühlte er sich frei. Als wäre Exy das einzig Wahrhaftige an ihm. Es war das Einzige gewesen, was ihn in erster Linie zur PSU gebracht hatte – Exy und Kevin. Und dann Andrew. Leider waren Kevin und Exy nicht mehr genug um alles andere auszublenden und nur für diesen Sport, für diesen Moment zu leben.

Da half auch Kevin fluchlastige Rüge nicht, die letztendlich von Dan unterbrochen werden musste und Matt stellte sich vorsichtshalber zwischen Neil und Kevin, die aussahen, als wären sie kurz davor sich durch die Schutzvisoren die Augen auszukratzen. Dan entschloss sich dazu, dass es Zeit wurde eine Pause einzulegen. Neil visierte die vorbereiteten Trinkflaschen an und setzte sich auf Bank.

Er wollte es nicht – wirklich nicht – immerhin hatte Andrew deutlich gemacht, dass Neil aufhören sollte seine Nähe zu suchen wie ein bedürftiges Kind. Dies hatte er zwar nicht so gesagt, aber genauso fühlte sich Neil...bedürftig und sehnsüchtig und da war dieser Stich von Eifersucht. Von Wut und Ärger und Enttäuschung. Doch Neil konnte sich nicht daran hindern, dass er sofort Andrew ausmachte, als dieser zusammen mit Robin sich ebenfalls etwas zu trinken schnappte. Er sah Neil dabei wieder nicht an, obwohl Neil alleine mit der Macht seiner Gedanken Andrew versuchte dazu zu bringen ihn anzusehen, wenigstens kurz.

Helm und Handschuhe auf den Bänken zurücklassend warteten die beiden Torhüter auf Renee, die auf der anderen Seite mit dem anderen Viererteam trainiert hatte und kurz darauf verschwanden sie wieder auf das Spielfeld. Robin blieb unschlüssig stehen, starrte den beiden hinterher bis ausgerechnet Andrew den Kopf drehte und mit einem knappen Nicken ihr quasi seine Erlaubnis erteilte ihnen zu folgen. Robin gerötetes Gesicht leuchtete auf, als sie grinste und sofort hinterher lief. Renee lächelte freundlich bei Robins Ankunft, doch glitt ihr Blick automatisch über Robins Schulter zu Neil. Ihr ruhiges Lächeln verrutschte etwas und Neil konnte förmlich spüren wie Renees Unsicherheit ihm einen neuerlichen Schlag versetzte.

Wenn nicht mal sie ihm ein aufmunterndes und ermutigendes Lächeln geben konnte – sie, die Andrew mit am besten kannte und verstand – dann bedeutete das, dass nicht mal sie verstand was genau hier vorging. Oder etwas wusste, was Neil entgangen war.
Der Wunsch aufzustehen und sich zu Andrew, Renee und ROBIN zu gesellen wuchs mit jeder Minute und gleichzeitig klammerte Neil seine Trinkflasche fester in dem Versuch diesem Drang zu widerstehen. Kontrolle war nicht sein Ding, bei weitem nicht. Und all die Dinge die er fühlte und wollte und die ihn verwirrten und verunsicherten waren erstickend und zermürbend und frustrierend. Er wollte, dass Andrew kam und Ordnung in das Chaos brachte. Das seine Hand in Neils Nacken ihn erdete und wieder verankerte, damit er nicht völlig verloren war.

Doch er kam nicht. Und der Anblick der drei Torhüter, wie sie sich miteinander unterhielten und dass Andrew Robin gestattet hatte, sich ihm und Renee anzuschließen hatte einen weitaus größeren Effekt, als Neil ihm sonst beigemessen hätte. Es fühlte sich an, als würde das metaphorische Messer, das mit Andrews Worten am Morgen in ihn eingedrungen war noch immer zwischen seinen Rippen stecken. Als würde es tiefer eindringen.
Und es machte Neil wütend. Unfassbar wütend.

Die zweite Hälfte des Training war nur ähnlich semi-erfolgreich. Sie spielten gegeneinander ein simples Trainingsspiel, dank der verdoppelten Line-up nun im Rahmen der Möglichkeiten im Training, während die Foxes sonst immer nur mit minimaler Spieleranzahl aufgetaucht waren, hatten sie dieses Jahr 15 Mann und Frau auf dem Platz. Renee übernahm gönnerhaft die Rolle die übrig blieb, damit die Freshman alle auf ihrem jeweiligen Posten spielen konnten, für die sie rekrutiert worden waren und sie dort die dringend benötigte Praxis und Erfahrungen sammeln konnten.

Neil versuchte eine Reaktion aus Andrew herauszulocken indem er immer wieder auf das Tor feuerte, kaum dass er im Ballbesitz war und sich den Weg freigekämpft hatte. Sein aggressiver Spielstil sorgte dafür dass Nicky am Ende humpelte und Matt unauffällig seine Rippen abtastete, nachdem alle beide das Pech gehabt hatten jeweils abwechselnd Neil decken zu müssen. Kevin bekam seinen nächsten Tobsuchtsanfall, bezüglich Neils plötzlicher Allergie gegen das Passen und seinem rücksichtslosen Spielstil und Andrew schmetterte ihm einen Ball direkt gegen die Brustpanzerung, nachdem Neil ihm einen gezielten Ball – sehr bewusst – gegen den Helm gedonnert hatte.

Sie beide weigerten sich mit dem jeweils anderen zu sprechen, selbst die üblichen Beleidigungen und Kommentare blieben aus, mit denen sie sich sonst provozierten, was das ganze Spiel für all ihre Teamkollegen noch beunruhigender machte, als ohnehin schon. Dies war nicht die übliche `Rivalität´ und der ruppige Umgang, den die beiden sonst gerne an den Tag legten. Das hier ging tiefer. Persönlicher.

Und keiner hatte eine Ahnung, wie man mit dem beiden kompliziertesten Kameraden ihres Teams darüber sprechen sollte geschweige denn davon abhalten sollte sich umzubringen. Selbst Jack hielt sich brav zurück als Kevin und er miteinander tauschten und er mit Neil als Striker auf der Linie spielte. Nicht dass Neil es sonderlich interessierte, ob er Jack beiseite beförderte um an den Ball zu kommen oder einen der Verteidiger. Er wollte nur den Ball und diesen auf das Gott verdammte Tor schlagen.

Wymack pfiff das Spiel ab, nachdem Neil weit mehr als sechs Bälle direkt von Andrew auf seinen Körper gefeuert bekommen hatte, denen er nicht oder nur sehr knapp hatte ausweichen können und seinerseits vier ins Tor an Andrew vorbei geschossen hatte.
Allerdings hatte kein einziges Tor die wilde Energie und die aggressive Wut in ihm bändigen können. Selbst schweißnass und völlig außer Atem strömte sie in heißen Wellen durch ihn hindurch und egal wie erschöpft er war oder wie sehr seine Muskeln in Agonie brannten, er war noch längst nicht fertig.

Er wusste genau dass es Andrew nicht annährend so viel ausmachte, wenn Neil ein Tor gegen ihn schoss, wie es Neil etwas ausmachen würde, wenn er in Exy versagte. Jeder abgewehrte Ball war ein Stachel in Neils Fleisch. Und jeder Ball der ihn traf ein Bluterguss, wie der brutalste Knutschfleck der Welt.
„Ich hoffe gegen Vermont zeigt ihr ein wenig mehr Gemeinschaft und Teamgeist als heute“, bemerkte Coach trocken, als seine erschöpften Spieler vor ihm saßen. Kevin warf zornige Blicke in Neils Richtung und Neil starrte stur gradeaus, ohne irgendjemanden anzusehen.

Wenn Andrew ihn ignorieren konnte, konnte Neil alle anderen ignorieren.
„Ich meine das ernst, schlagt euch diese Kinderein aus dem Kopf. Es bringt uns rein gar nichts, wenn unsere letzte Verteidigungslinie und unsere erste Angriffslinie auf einmal das dringende Bedürfnis haben sich gegenseitig zu verkrüppeln. Die Mountain Lions nehmen extra einen 4 stündigen Flug auf sich, damit wir sie hier Zuhause vernichten können und sie sich Thanksgiving bei Mummy und Daddy ausheulen können. Wir sind schneller, geschickter und cleverer. Aber das ist nichts wert, wenn ihr euch gegenseitig an die Kehle geht. Also reißt euch zusammen.“

Wymack entließ sie schließlich in die Umkleidekabinen aber hielt Neil auf seinem Weg dorthin allerdings mit ausgestreckter Hand auf.
Jack warf ihm ein feixendes Grinsen zu und Neil war dankbar, dass Coach vorsorglich seine Hand um seinen Oberarm gelegt hatte, denn er wäre ansonsten vermutlich hinterher gerannt und hätte Jacks Grinsen um einige Zähne erleichtert.

Matt schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln und Dan nickte ihm zu als sie an ihm vorbei gingen, aber nichts davon hatte irgendeinen auch nur annährend positiven Effekt.
„Ich hab dir gesagt, es ist keine gute Idee mich zum Vize-Captain zu machen“, sagte Neil, kaum die Tür zu den Umkleiden ins Schluss gefallen und er und Wymack alleine zurückblieben.

„Ja, heute glaube ich das auch. Aber ich weiß, dass das eigentlich nicht wahr ist. Und das dies heute nicht Neil Josten war, sondern jemanden der seine privaten Probleme mit aufs Spielfeld genommen hat und sie auskämpfen wollte. Allerdings ist es schwierig Andrew im Tor besiegen zu wollen. Und es war schwierig ihn durch sein Freshman und Sophomore Year zu bekommen, ohne dass Kevin ihn genug anpisst, dass er sich etwas antut um nicht mehr spielen zu können, also warum zum Teufel sah es heute aus, als wollte ihr beide euch dadraußen umbringen?“

Neil schwieg. Wymacks Hand war mittlerweile von seinem Bizeps geglitten und er sah Neil fordernd an, mit verschränkten Armen vor der Brust. Neil lehnte an der Wand und legte den Kopf in den Nacken um an die Decke zu starren. Wymack hatte seine Probleme, seine Vergangenheit, seine wahre Identität und was sie bedeutete auf sich genommen und ihm immer den Rücken freigehalten, ihn verteidigt und an ihm glaubt, selbst dann, als Neil es selbst nicht getan hatte.

Er konnte ihm jetzt nichts über so etwas banalen wie `Nicht´-Beziehungsprobleme und Ängste und Unsicherheiten, die Neil selbst beschämten erzählen. Er konnte Coach nicht erzählen, dass er zum ersten Mal seit langem Andrews Verhalten nicht verstand und er panische Angst davor hatte Andrew zu verlieren, weil er dumm und töricht genug gewesen war, Gefühle für Andrew zu entwickeln, die exakt dem entsprachen, wovor seine Mum ihm immer gewarnt hatte.
Dass er Angst hatte etwas getan zu haben, was Andrew erkennen ließ, dass er Neil nicht mehr wollte und aus dem „Bleib!“ nun ein „Geh!“ geworden war.

Er konnte nicht sagen, dass er versuchte Andrews Aufmerksamkeit zu erheißen, dass er interessant genug sein wollte, damit Andrew nicht aufhörte ihn anzusehen und mit ihm zu sprechen,weil Neil das Gefühl hatte ohne Andrew nicht atmen zu können. Er konnte ihm nicht sagen, dass er eifersüchtig auf Robin war, weil Andrew ihr vermutlich ziemlich grob formulierte Ratschläge gab, aber er sie wenigstens ansah und mit ihr sprach und sie verflucht nochmal bei sich haben wollte. Anders als Neil.
Er konnte ihm all die armseligen Dinge nicht sagen.

„Es war nichts. Ich hab den Kopf verloren und hab mich hinreißen lassen. Es kommt nicht wieder vor, Coach.“
„Versprich nichts, von dem wir beide wissen, dass es leichter gesagt ist, als getan. Zumal ich deinen Hitzkopf kenne und weiß wer die andere Partei in diesem Drama ist. Ich hab versprochen mich aus euren persönlichen Problemen rauszuhalten. Und ich habe vor mich daran zu halten. Das bedeutet aber nicht, dass du nicht mit mir reden kannst. Oder mit Abby.“

Neil verstand den Wink, den sein Coach ihm geben wollte. Die Rückversicherung, dass er Neils Rücken auch weiterhin frei halten würde, egal wie viel Ärger er ihm auch bereitete...und seine Bereitschaft Neil die elterliche Bezugsperson zu sein, die ihm fehlte. Er hatte zwar seine Mum gehabt...aber Mary Hartford hatte ihrem Sohn andere Dinge beigebracht als Ratschläge in Liebesdingen zu geben. Das bloße Interesse an solchen Dingen  – oder auch nur die Frage zu stellen, was andere Jungen in seinem Alter so faszinierend an Mädchen fanden, geschweige denn ein Blick, der etwas zu lange an einem Mädchen lingerte – hatte sie ihm ausgeprügelt.

Neil nickte und hielt dem musternden Blick von Wymack stand bevor dieser nickte und ihn mit einer abwinkenden Handbewegung entließ. „Und nun geh duschen. Du stinkst.“
Neil trollte sich in die Dusche. Als er sich abtrocknete und sein Blick seine Schulter streifte, entdeckte er vier halbmondförmige Abdrücke in seiner Haut. Andrews Nägel, die Spuren hinterlassen hatten, als er ihn vorhin so entschlossen gepackt hatte, um sich zu vergewissern, dass mit Neil alles in Ordnung war. Als er sich anzog, kam Neil nicht umhin den Kragen seines Shirts zurückzuziehen, bis er die Abdrücke sehen konnte. Ein sichtbarer Beweis dafür, dass es Andrew immer noch kümmerte, wo er war und was mit ihm passierte. Aber reichte dies auch? Reichte dies Neil aus?

Er verdrängte den Gedanken und versenkte seine Trainingssachen in der Schmutzwäsche, bevor er sich auf den Weg nach draußen machte. Er hatte grade die Umkleidekabine verlassen, als er Kevin an der Wand gegenüber lehnend entdeckte.
Seine grünen Augen fixierten Neil und der stumme Vorwurf und sein Ärger über das miese Training waren noch nicht verraucht.

„Ich weiß nicht was dieser kalter Krieg zwischen euch soll. Aber sieh zu, dass du das wieder in Ordnung bringst. Du spielst mies.“
Neil zeigte ihm den Mittelfinger und ging an Kevin vorbei. Verärgert grollend folgte Kevin ihn mit wenigen großen Schritten und griff nach seinem Arm. Neil riss sich los, noch bevor Kevins Finger sich ähnlich schraubstockartig um seinen Bizeps legen konnten.

„Ich meine es ernst. Ihr beide ruiniert die ganze Arbeit aus dem letzten Jahr. Wenn ihr es nicht hinkriegt eure Beziehungsprobleme von der Mannschaft und dem Spiel fernzuhalten, gefährdet ihr alles, wofür wir gekämpft haben. Wir haben die Collegemeisterschaft letztes Jahr gewonnen. Wir haben bewiesen was in uns steckt. Wir haben die Ravens besiegt. Aber das alles bedeutet nichts, wenn ihr beide alles zerstört, nur weil eure Beziehung nicht unter einen Hut kriegt. Was ist das überhaupt mit euch? Hat Andrew mit dir Schluss gemacht?“

„Fick dich, Kevin! Geh verdammt nochmal zum Teufel“, fauchte Neil und stürmte aus dem Stadion, zu angepisst und vorallem sich selbst nicht vertrauend, dass er Kevin nicht weh tun würde, wenn er auch nur eine Sekunde länger in dessen Gegenwart blieb.
Die kalte Luft des späten Nachmittags trug kaum etwas dazu bei, dass Neil sich beruhigte. Seine Hände zitterten und er bekam grade genug Luft in seine Lungen gequetscht, das ihm nicht schwarz vor Augen wurde. Seine Brust zog sich zusammen bei Kevins Fragen, die wieder und wieder in seinen Ohren nachhallten. „Was ist das überhaupt mit euch? Hat Andrew mit dir Schluss gemacht?“

Andrew saß auf der Motorhaube seines Maseratis und ignorierte Neil vollkommen, damit beschäftigt auf seinem Handy zu tippen, schneller als Neil es jemals können würde. Nicky unterhielt sich mit Aaron, was bedeutete, dass Nicky Aaron mit irgendetwas voll quatschte.
Neil griff nach der hinteren Autotür und schlug sie lautstark hinter sich zu, nachdem er eingestiegen war.
Dieses Mal brauchte Andrew nicht sagen wo Neil zu sitzen – oder nicht zu sitzen – hatte. Er hatte den Wink verstanden. Neil starrte durch die Windschutzscheibe auf Andrews schwarzen Rücken, auf den Streifen blondes Haar in seinem Nacken, den Neil grade so erkennen konnte, dank des gesenkten Kopfes. Plötzlich kam Bewegung seinen Körper und er schwang sich von der Motorhaube.

Die restlichen vier der „Monster“-Gruppe kletterten in den Wagen und sie erreichten kurze Zeit später das Wohnheim. Als sie die Treppen hochstiegen hielt Andrew nicht auf ihrem Stockwerk sondern ging weiter in Richtung Dach. Neil sah ihm hinterher, bis er bemerkte, dass ihn drei Augenpaare beobachteten. Darauf wartend was Neil nun tun würde – Andrew folgen, sowie er es sonst immer tat – oder nicht. Neil riss seinen Blick von der Treppe los, die weiter nach oben führte und marschierte den Flur entlang.

„Hey Neil. Wir wollten was bestellen und irgendeinen Film sehen oder sowas. Kommst du mit rüber?“, rief Nicky ihm hinterher und Neil blieb stehen. Er könnte den ganzen restlichen Tag in seinem Zimmer sitzen und nachher wahrscheinlich zur Kantine gehen um irgendwas zu essen was vermutlich zu viel Gemüse enthalten würde, weil Obst durch irgendeinen Grund abends nur noch wenig bis gar nicht angeboten wurde oder er konnte Ablenkung bei seinen Freunden finden (wobei es immer noch seltsam war sie als Freunde zu bezeichnen) und irgendwas was essen, was vermutlich zu lange frittiert worden war, aber wenigstens schmeckte. Selbst auf die Gefahr hin, das Nicky erneut versuchen würde mit ihn über Andrew zu sprechen, so war diese Aussicht besser, als den restlichen Abend seine Gedanken Amok laufen zu lassen.

Also drehte Neil um und Nicky strahlte ihm fröhlich entgegen bevor er auch schon anfing sich über eine neue Auswahl an Netflix-Serien und Filmen auszulassen, die diese Woche neu in die Auswahl gekommen waren und offenbar kulturell überlebenswichtig waren – jedenfalls war das Neils Schlussfolgerung aus Nicky langatmigen Erklärungen.
Matt winkte Neil munter zu und Dan kam ebenfalls kurz darauf rüber. Aaron zog sich um und verschwand dann um sich mit Katelyn zu treffen.
Insgeheim vermutete Neil, dass Nicky – während einer kurzen Bitte seitens Matt ihm wegen irgendetwas im Schlafzimmer zu helfen – dazu angehalten worden war das Thema Andrew zu meiden. Jedenfalls wurde Andrews Name nicht einmal erwähnt.

Gegen 22 Uhr hämmerte Kevin gegen die Tür. Matt warf Neil einen fragenden Blick zu. Dieser schüttelte den Kopf und Matt rappelte sich auf, um Kevin mitzuteilen, dass er sich heute alleine im Stadion amüsieren konnte. Wie zu erwarten akzeptierte Kevin das nicht einfach, aber Matt schob sich einfach mit vor die Tür um es dort auszudiskutieren, bevor er einige Minuten später wieder kam. „Du solltest vielleicht heute bei uns übernachten. Er ist echt tierisch angepisst.“
Neil zuckte mit den Schultern, nahm das Angebot zur Übernachtung allerdings gerne an, nicht gewillt sich mit Kevin herumzuschlagen. Oder mit sonst jemanden...
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