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Don´t tell me, that you love me

von Yougirl
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Andrew Minyard Neil Josten
10.04.2021
04.11.2021
10
43.671
1
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
26.04.2021 2.871
 
Hallo meine Lieben!

Wie angekündigt, Kapitel 4 für euch. :)
Einen herzlichen Dank an meine eifrigen Review-Schreiber. ♥
Enjoy and have fun, guys! :D

Nachdem Duschen und umziehen fuhren sie zurück zum Wohnheim.
Andrew hatte es scheinbar besonders eilig, denn er war kaum im Zimmer, da hatte er bereits seine Tasche geschnappt und schob sich an Neil und Kevin wieder raus auf den Korridor.
Dieses Mal sahen ihm beide hinterher, Kevin irritiert, Neil mit einem schlecht verborgenen, verletzten Gesichtsausdruck. Sie beide hatten nun in nebeneinanderliegenden Gebäuden Unterricht. Normalerweise gingen sie gemeinsam hin. Kevin drehte sich zu Neil um, dieser hatte allerdings fest entschlossen ebenfalls seine Tasche gepackt und raste aus dem Raum.

„Sind sie jetzt beide verrückt geworden?“, fluchte Kevin zu niemand bestimmten, als er von Neil aus dem Weg geschoben wurde und der den Flur hinunter rannte, dann die Treppen hinab sprintete und mit so viel Schwung die Vordertür aufriss, dass sie donnernd gegen die Wand schlug.
Neil war der Schnellste ihres Teams, Andrew einzuholen war selbst mit vom Training noch immer brennenden Muskeln kein Problem.

Er stoppte neben Andrew, der seine Ankunft bereits bemerkt hatte, dank eines kurzen Blickes über seine Schulter bei dem Klang von Schuhen, die sich rasant nährten.
„Du gehst mir aus dem Weg“, platzte es aus Neil heraus, noch bevor er tief Luft geholt hatte. Andrew zog eine Augenbraue hoch, sah ihn allerdings nicht an, als sie beide nun nebeneinander herliefen. Schließlich machte Andrew zwei schnelle Schritte nach vorne und stellte sich Neil abrupt in den Weg, so dass dieser überrumpelt stehen bleiben musste, damit er nicht in Andrew reinrannte. Er kam zum Halt, nur wenige Zentimeter von Andrews Gesicht entfernt. Der Größenunterschied war nicht sonderlich groß, dennoch musste Neil ein stückweit nach unten sehen, um Andrews Augen zu begegnen, so nah standen sie sich.

Er konnte Andrews Atem auf seiner Wange, seinen Mund, an seiner Kehle fühlen und sein vertrauter Geruch kribbelte in seiner Nase.
Irgendwie reichte bereits diese Nähe aus, dass ein Teil von Neils Anspannung nachließ. Ganz so, als wäre alles zwischen ihnen im Moment nicht völlig verwirrend und seltsam und irgendwie beunruhigend.

„Jetzt stehe ich dir im Weg. Besser?“, fragte Andrew mit einem Tonfall, der ziemlich gelangweilt klang, aber gleichzeitig einen Unterton besaß, den Neil nur als...gezwungen bezeichnen konnte. Aber das war absurd. Niemand konnte Andrew zu etwas zwingen. Außer Andrew selbst.
„Hab ich irgendetwas falsch gemacht? Ich hab das Gefühl du meidest mich.“
„Nicht alles dreht sich um dich, Junkie“, antwortete Andrew kühl. Sein Blick studierte Neils Gesicht – und wich plötzlich zur Seite aus. Andrew drehte sich um und setzte sich abrupt wieder in Bewegung. Neil folgte ihm, als er seinen plötzlichen Aufbruch verarbeitet hatte.

Von jetzt auf gleich war Andrews Wärme, sein Atem, sein Geruch verschwunden, als hätte man es Neil brutal entrissen. So wie damals, als er und sein Team in Millport verloren hatten und Neil glaubte, er würde nie wieder Exy spielen können. Er hatte dabei zugesehen, wie der Kunstrasen ausgerollt wurde und daran gedacht, dass es vorbei war. Der Anblick hatte ihm krank gemacht, seine Liebe zu dem Sport hatte in jeder Zelle seines Körpers gebrannt, genauso wie sein Verlust. Am selben Abend war Coach Wymack aufgetaucht...und Kevin und Andrew in sein Leben getreten.

„Also sehen wir uns nachher der Schule?“, fragte Neil und schloss wieder zu Andrew auf.
„Ich bin heute Nachmittag bei Bee. Unterhalte dich selbst.“
„Deine Sitzungen sind Mittwochs.“
„Was du nicht sagst. Wie habe ich die letzten beiden Jahre ohne dich überlebt?“, bemerkte Andrew trocken und verdrehte die Augen. Neils Mundwinkel zuckten. Wie konnte es sein, dass sich dies so normal anfühlte, sowie immer?
„Mehr Glück als Verstand.“
Dieses Mal war Andrews Blick definitiv auf Neil gerichtet, eine finstere Note in dem intensiven Starren und dieses Mal grinste Neil wirklich. Allerdings nahm es schnell wieder ab.
„Also, wieso heute?“
„Dank einem gewissen Idioten habe ich mittwochs meinen Bruder als unfreiwilligen Anhang dabei.“

Neil verstand worauf Andrew hinaus wollte. Es gab sicherlich einige Dinge in seiner Vergangenheit, die Andrew ohne Aaron als Zeugen aufarbeiten wollte oder von denen er seinem Zwilling schlicht nicht erzählen wollte. Das Andrew tatsächlich zusätzliche Therapiestunden nutzte, zeigte seine Bereitschaft dafür ziemlich eindeutig, egal in was für einem beiläufig gelangweilten Ton er davon sprach. Und auch, dass er die Zeit, die er mit Aaron bei Betsy verbrachte dafür nicht unterbrechen wollte. Sitzungen, in die Neil die Zwillinge mehr oder weniger hineinmanövriert hatte.

„Dann heute nach dem Training?“
„Wir wohnen zusammen.“
„Du weißt was ich meine. Auf dem Dach vielleicht?“
„Hör auf“, sagte Andrew scharf und blieb abrupt stehen. Neil zuckte zusammen, stoppte ebenfalls und seine Hand verkrampfte sich um den Gurt seiner Tasche, als er Andrews Profil anstarrte.
Um sie herum liefen Studenten an ihnen vorbei auf dem Weg zu ihrer nächsten Vorlesung oder Seminar oder sonst wohin. Keiner beachtete sie. Vermutlich bemerkte nicht einmal jemand, wie Andrew sich anspannte und wie er Neil wieder nicht ansah. Neil entdeckte, dass der schwarze Nagellack an Andrews linker Hand fast komplett abgeblättert war.

Im Sommer hatte Neil angeboten Andrew die Nägel zu lackieren – und seitdem hatten er dies öfter gemacht. Seine Hände waren ziemlich geschickt mit dem winzigen Pinsel, dank jahrelanger Übung darin Kontaktlinsen einzusetzen und wieder rauszuholen, wofür man ziemlich ruhige und geschickte Finger brauchte.
Neil würde niemals etwas tun, was Andrew nicht wollte. Und diesem Moment wurde Neil überdeutlich klar, dass Andrew seine Gesellschaft, dass er IHN, Neil, nicht wollte.

„Andrew...“, sagte Neil und seine Stimme klang fremd, irgendwie klein und unsicher, was nicht zu ihm passte.
„Ich habe nicht darum gebeten deine neuste Besessenheit zu werden“, sagte Andrew und ballte seine Hände zu Fäusten. Sein Kiefer arbeitete, die Linie dort verhärtete sich. Da war sie, diese unfassbare, finstere Wut, die Andrew in sich trug. Und durch irgendeinen Grund, hatte Neil es geschafft sie zu triggern, mit der simplen Frage, ob sie sich nach dem Training sehen würden.

Sie brach hervor und füllte Andrews Augen, bis nichts von seiner sorgfältigen Maske und seinen Mauern übrig blieb, bis sie wie schwarzes Öl Andrew bedeckte und ihn erstickte. Neil hatte sie schon vorher gesehen. Damals, als Allison Aaron eine verpasst hatte. Damals, als er hin und her gerissen war, zwischen den beiden Versprechen, die er gegeben hatte und wie es ihn zerrissen hatte zwischen diesen beiden im Konflikt zu stehen. Für Andrew war es von unfassbarer Wichtigkeit, dass er seine Versprechen hielt, die er gab. Er brauchte es, um sich selbst daran zu hindern so zu werden, wie die, die ihm Dinge versprochen und ihn betrogen, verletzt, verraten und missbraucht hatten. Dies war der Grund, weshalb Andrew es nicht mochte, wenn Neil ihm sagte, dass es niemals ein „Nein“ bei ihm sein würde, sondern immer ein „Ja“. Ein Versprechen, vor dem Andrew eine kerntiefe Furcht hatte es zu glauben und darauf zu vertrauen.

Durch seine Frage hatte er es irgendwie fertig gebracht Andrews Selbstkontrolle in Stücke zu reißen. Und er hatte keine Ahnung wie das möglich gewesen sein konnte.
„Andrew, ich...“, begang Neil doch Andrew schnitt ihm das Wort ab. So schnell wie er die bodenlose Dunkelheit in Andrew hatte sehen können, so schnell begrub Andrew sie auch wieder, genau dorthin, wo sie niemanden schaden konnte, außer ihm selbst. Und Neil wusste nicht, ob er mit Krallen und Zähnen sie wieder hervorzerren wollte, damit Andrew es nicht alleine ertragen musste, oder ob er Andrews Wunsch, sein Drang die Kontrolle zu bewahren unterstützen sollte, weil er wusste, wie schwer es Andrew fiel eben diese zu verlieren.

„Ich bin nicht wie du“, stieß Andrew hervor, „Ich kann es dir nicht geben. Hör auf es versuchen zu wollen.“
Damit rückte Andrew seine Tasche zurecht und folgte dem Strom an Schülern, die in das Gebäude pilgerten, während Neil wie erstarrt stehen blieb und seine Augen nicht von Andrew lösen konnte, selbst dann nicht, als sein blonder Schopf zwischen Studenten, die in sein Gebäude gingen, verschwand.

Neil stand selbst noch mitten auf dem Weg als die meisten Studenten längst verschwunden waren, selbst dann noch, als er eigentlich seit 15 Minuten im Unterricht sitzen und seine Mathehausaufgaben abgeben müsste. Schließlich trottete er mit 20 Minuten Verspätung in den Unterricht, murmelte eine gelogene Entschuldigung, die scheinbar glaubwürdig genug war, denn bis auf einen missbilligenden Blick und geschürzte Lippen bekam er keinen Ärger und saß die restlichen 70 Minuten ab, die noch auf ihn warteten ohne mehr als eine halbe Seite Notizen aufzuschreiben.
Er hatte noch eine weitere Unterrichtseinheit abzusitzen, bevor er sich auf den Weg zurück zum Wohnheim machen konnte.
Seine Gedanken kreisten immer und immer wieder um das Gespräch mit Andrew und dem Gefühl ein Messer sauber, ja fast elegant zwischen die Rippen gerammt zu bekommen.

Wie Neil es schaffte ruhig auf seinem Stuhl sitzen zu bleiben, obwohl er eigentlich einfach nur laufen wollte, laufen, rennen, den Wind überholen, bis er all seinen Gedanken entfliehen konnte, allen voran diesen Schmerz, den Andrews Worte hinterlassen hatten, wusste er nicht. Er wusste nicht, wie er es schaffte den Anschein zu erwecken mitzuschreiben, obwohl seine Finger so taub waren und er das Gefühl hatte sich übergeben zu müssen.

„Ich kann es dir nicht geben. Hör auf es versuchen zu wollen.“
Bedeutete das, dass Andrew und er ihr `Nichts´ beendet hatten? Dass Andrew tatsächlich den Punkt erreicht hatte? Und was sollte es überhaupt bedeuten, dass Andrew nicht wie Neil war?
Neil hatte nie auch nur den Wunsch verspürt, dass Andrew anders wäre. Andrew hatte sein Interesse, seine Zuneigung nicht geweckt obwohl er so war, sondern grade weil er so war.

Es war Neil nie um das gegangen, was Andrew ihm körperlich gab. Diese Dinge waren nur so umwerfend, weil sie von Andrew kamen. Was hatte er damit gemeint, er könne es Neil nicht geben und das Neil aufhören solle es zu versuchen?
Es war ihm unvorstellbar wie etwas so sehr weh tun konnte, als würde er innerlich verbluten und doch völlig unbeteiligt im Unterricht sitzen zu können, ohne dass es jemand registrierte.

Als endlich das Ende der Stunde eingeläutet wurde, packte er sich seine Sachen und sprintete aus dem Raum, als sei der Teufel selbst hinter ihm her.
Er rannte den ganzen Weg zurück zum Wohnheim, kaum jemanden registrierend und stoppte erst, als er seinen Schlüssel irgendwie ins Loch fingern musste.
Endlich im Zimmer blieb Neil mitten im Raum stehen. Es war niemand da. Kevin dürfte erst in einer halben Stunde kommen, seine Geschichtsvorlesung ging 90 Minuten. Und Andrew...Neil schüttelte heftig den Kopf und warf seine Tasche in die Ecke.

Es fühlte sich an, als würden die Wände sich auf ihn zu bewegen. Als säße er in irgendeinem Motelzimmer und lauschte auf jedes verräterische Geräusch, dass ihn jederzeit dazu animieren würde sofort zu flüchten, sollte er auch nur im geringsten den Verdacht haben. Und zum ersten Mal seitdem er Andrew gewählt und ihm sein Leben und Halbwahrheiten seiner Vergangenheit in die Hände gelegt hatte, zum ersten Mal seit der Attacke von Drake auf Andrew, wollte Neil einfach nur laufen. Rennen. Flüchten.

Er fühlte sich so seltsam losgelöst, als wäre er bis jetzt verankert gewesen und hätte nun diesen Halt verloren. Als würde er ziellos auf einem verdammt stürmischen Meer dahin treiben.
Noch bevor er überhaupt die Entscheidung dazu bewusst gefällt hatte, war er bereits wieder draußen und rannte die Perimeter Road entlang.
Seine Füße trafen gleichmäßig auf den Boden auf, solange, bis sein Kopf schmerzte und es sich anfühlte, als würden Flammen von Innen gegen seinen Brustkorb lecken.

Da er Andrew hinterher gelaufen war, war Neil nicht dazu gekommen sich etwas zu Essen mitzunehmen und er machte zwangsläufig einen kurzen Stop bei einem Café, dass Matt ihm mal empfohlen hatte. Die Barrista starrte ihn an, mit seinem geröteten Gesicht, dass die Narben und Brandmale noch stärker zur Geltung brachte und seinem verschwitzten und zerzausten Haar, allerdings händigte sie ihm breitwillig seinen Kaffee und sein Essen aus.

Erschöpft rutschte Neil in eine der freien Banksitzreihen.
Würde er sich um Dekor oder freundliche Mitarbeiter scheren, dann fände er Matts Empfehlung wohl ganz nett, aber im Moment interessierte ihn nur, dass er an dem dünnen Papieraufkleber auf seinem Kaffeebecher herumspielen konnte, auf dem sein Name stand.

Zu Essen war notwendig, tat seinem Magen allerdings nur insofern ein Gefallen, dass er nun etwas hatte, was er hochwürgen konnte, während er sich immer und immer wieder die Frage stellte, ob das letzte Gespräch mit Andrew nun bedeutete, dass ihr `Nichts´ beendet war.

Er warf seinen kalten und nur halbleeren Kaffee schließlich in die Mülltonne auf dem Weg nach draußen.
Langsam schlug Neil den Weg in Richtung Stadion ein.
Er hatte keine Ahnung wie spät es war, aber im Anbetracht des Sonnenstundes tat Neil gut daran zum Foxholecourt zu gehen. Selbst wenn er es sich mittlerweile angewöhnt hatte, dass er sein Handy genau wie sein Portmonee in seiner Hosentasche waren, zusammen mit seinen Schlüsseln, die er so gut wie nie außer Reich – oder Blickweite ließ, hatte er immer noch nicht geschafft sich daran zu gewöhnen sein Handy aufzuladen.

In den Läden in der Perimeter Road rankten sich Kürbisse, die vermutlich vom Halloween-Sale übrig geblieben waren in den Schaufenstern, neben Truthahnpappaufstellern und ersten angeprangerten Weihnachtsgeschenken. Neil wusste, nach Thanksgiving würde hier alles in blinkende Weihnachtslichter getaucht werden und Glitzerlametta und Weihnachtskugeln, neben krächzend singenden Weihnachtsmannfiguren an geschmückten Kunststoffbäumen hängen. Es wäre das erste Mal, dass Neil dieses Jahr Weihnachten mit seiner selbst gewählten Familie verbrachte...und mit Andrew.

Dienstag war das Spiel gegen Vermont. Beide Mannschaften, sowohl die Foxes als auch die Mountain Lions hatten in dieser Woche davor kein Spiel gehabt. Vermutlich sollte das als eine Art Entschädigung dienen, insbesondere für Vermont, die die 16 Stunden Fahrt auf sich nehmen musste. Die ERC hatte allerdings versucht mit Wymack zu reden und ihn gefragt, ob nicht sein Team eventuell in Erwägung ziehen würden ihrerseits nach Vermont zu fahren. Grund dafür war die simple Annahme, dass die Foxes – rekrutiert aus zu meist zerrütteten Familien und mit hässlicher Vergangenheit – vermutlich am Mittwoch des darauffolgenden Tages nicht Vorbereitung für die Abreise treffen mussten, damit sie spätestens am Donnerstag bei ihren Familien sein konnten.

Coach hatte dies erfolgreich abwehren können. Vermonts Universität hatte sich dann genötigt gesehen ihren Studenten einen Flug zu finanzieren, nicht sonderlich begeistert darüber. Neil konnte Wymacks grimmige Genugtuung noch immer vor sich sehen, als er diesen kleinen Sieg für seine Foxes erreichte. Es waren die kleinen – teils subtilen – Punkte, in denen ihr Team, obgleich amtierende Träger der Collegemeisterschaft, noch immer minderwertiger behandelt wurden.

Zumal Dans und Matts Flug bereits Mittwoch Nachmittag gingen, die Thanksgiving mit Matts Mum in New York verbringen wollten. Matt hatte Neil auch eingeladen, allerdings hatte er diese ausgeschlagen zu gunsten des chaotischen aber dennoch schönen Essens bei Abby – dieses Jahr mit Andrew. Dank des Spiels mitten in der Woche hatten Coach und Kevin darauf bestanden ebenfalls eine Trainingseinheit am Samstag durchzuführen.

Neil war dies auf der einen Seite nur zu Recht – Exy war seine Leidenschaft und er liebte dieses Spiel – andererseits würde er dafür auf engsten Raum mit den Füchsen zusammen hängen, die er zwar ebenfalls liebte, aber einen besonderen Radar dafür entwickelt hatten Neil „Mir-geht-es-gut“ Josten ständig zu hinterfragen.
Und unter den gegebenen Umständen fühlte selbst Neil sich nicht davon überzeugt ihnen sein „Mir geht es gut“, erfolgreich vorzutragen. Denn nichts war gut und es ging ihm vorallem auch nicht gut. Und nicht mal er fühlte sich einer derartigen Lüge gewachsen.

Das Stadion kam viel zu schnell in Sicht und die Tatsache, dass – neben allen anderen Teamfahrzeugen – auch der Maserati dort stand, ließ Neils Magen eine Etage tiefer sinken. Nicht nur, dass Andrew scheinbar von seiner Session mit Dobson wieder da war, sondern auch, dass er anscheinend zu spät war. Fluchend hämmerte er den Code in das Keypad am Tor und raste dann auf das weiße Gebäude mit der grellorangenen Farbe zu.
Er riss die Tür auf und hechtete in den Umkleideraum. Seine Teamkameraden sahen auf, Matt und Nicky besorgt, Aaron zwischen Interesse und Langeweile schwankend, Kevin wütend und Jack gehässig belustigt. Die anderen Freshman sahen nur kurz irritiert auf, bevor sie sich daran machten ihre Schoner und Schützer fest zu ziehen und dann eilig aus dem Umkleideraum zu verschwinden.

„Du bist spät!“, blaffte Kevin und schlug seinen Spind mit mehr Kraft als nötig zu. Er war fertig umgezogen, genau wie die meisten anderen.
„Wir dachten du seist schon hier, weil du nicht im Wohnheim aufgetaucht bist. Aber das warst du nicht und dein verdammtes Handy ist mal wieder aus. Verdammt nochmal, was haben wir dir zu plötzlichen verschwinden gesagt?“, fragte Kevin wütend und Neil fragte sich, ob Kevin sich vielleicht tatsächlich Sorgen gemacht hatte und deshalb angepisst war.

„Deinetwegen müssen wir verzögert anfangen und grade DU brauchst das Training und diese Möchte-gerne von angeblichen Collegespielern, die ihr Stipendium nicht wert sind. Ich weiß nicht, was diese Woche los ist, aber hol deinen Kopf aus was für immer Problemen du fälschlicherweise annimmst, sie seien wichtiger als Exy und das kommende Spiel und konzentrier dich auf dein Spiel. Fokusier dich!“, scholt Kevin und schnippste gegen Neils Stirn. Neil wischte Kevins Hand unwirsch weg. Wie hatte er annehmen können, es sei Kevin mal nicht um Exy gegangen?

Er wollte seine Hand grade wieder senken, als eine andere Hand sich schraubstockartig um sein Handgelenk legte und umdrehte.
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