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Don´t tell me, that you love me

von Yougirl
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Andrew Minyard Neil Josten
10.04.2021
04.11.2021
10
43.671
1
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
20.04.2021 3.266
 
Heyho ihr Lieben!

Hier gibt es Kapitel Nr. 3. Es war heute nicht geplant, aber ich widme es der wundervollen Electra Heart! :D
Ich wünsche euch viel Spaß, schenke euch wie immer die Rechtschreibfehler und freue mich über jeden, der diese Story hier liest! ^-^


Kevins Wecker riss Neil am nächsten Morgen noch vor seinem aus dem Schlaf und es fühlte sich so an, als hätte er grade erst die Augen zu gemacht.
Der Freitag war immer die Hölle. Um 6 Uhr stand das Fitnessstudio auf den Programm bis 8 gebucht für das Exy Team.

Neil fragte sich, ob das verdammte Hockey Team auch nur an einem Tag so früh aufstehen musste, damit sie ihre obligatorische Kraft– und Ausdauereinheiten abliefern konnten. Von dem Football Team der PSU wusste Neil wenigstens, dass auch sie mindestens einmal die Woche diese Qual durchmachten um Viertel nach fünf aufzustehen, noch Scheintod Kaffee zu trinken und an einem Müsli- oder Proteinriegel zu knabbern, bevor sie aufbrechen mussten. Durch irgendeinen Grund schien die Zeit am Freitag morgen immer schneller abzulaufen.
Als Neil aufstand und in die Küche stapste, war der große Zeiger der Uhr in der Küchennische bereits näher an der dreißig Minuten Marke als an der fünfzehn Minuten Marke.

Er schaufelte Kaffeepulver in die Maschine, fühlte die Kanne mit Wasser und kippte dies in das entsprechende Fach an der Monsterkaffeemaschine, die Kevin angeschafft hatte und ungefähr hundert verschiedene Espresso–Sorten machen konnte – eine Fähigkeit, die bei den drei Mitbewohnern ziemlich verschwendet war, wie Neil fand. Seitdem er eine einzige Cappuchino Variante ausprobiert hatte, trank er nur diese oder schwarzen Kaffee und Kevin war da nicht besser, zumal er ohnehin seine Smoothies bevorzugte, anstelle des Koffeins. Und Andrew trank lieberSahne mit Kaffee und das auch nur, wenn die heiße Schokolade grade leer war – was in der Regel nur passierte, wenn Kevin sich um den Einkauf kümmerte und sich partout weigerte Andrews Drang Diabetes zu bekommen zu unterstützen. Neil hatte erst letzten Freitag – als Andrew sich geweigert hatte los zu fahren bevor sein Kakao fertig war – darüber gescherzt, dass Andrews Zuckerkonsum einfach ein weiterer, aber sehr `süßer´ selbstzerstörerischer Zug an ihm war. Andrew, dem die Doppeldeutigkeit nicht entgangen war, hatte mit dem Kakaolöffel auf ihn gezeigt und ihn seelenruhig zwei Prozentpunkte höher auf der „Ich hasse Josten zu …%“ - Skala gesetzt.
Die Erinnerung verursachte einen Stich in seiner Brust.

Als die Maschine anfing zu brodeln, zog Neil sich an der schmalen Arbeitsfläche neben der Monstermaschine hoch und setzte sich neben ihr auf die Arbeitsplatte, die Füße in der Luft baumelnd.
Kevin blockierte als Erster das Bad, daher kam Andrew in die Küche geschlurft, sein blondes Haar so zerzaust, als hätte Neil damit das übliche Chaos angestellt, wann immer sie beide ihren Mund zu etwas anderem als reden benutzten.

Da dies aber nicht so gewesen war, musste der Anblick wohl bedeuten, dass Andrew eine ähnlich miese Nacht gehabt hatte wie Neil. Die stechende Zurückweisung von gestern hallte immer noch in Neil nach, egal wie oft oder in welcher Sprache im Geiste er sich selbst davon zu überzeugen versuchte, dass er Andrews Grenzen respektieren musste und das nicht zwangsläufig mit dem zutun hatte, was zwischen ihnen vor sich ging – oder eben nicht mehr vor sich ging. Ihre `Nicht´-Beziehung hatte besonders den `Nicht´-Teil in den letzten Tagen betont.

Er warf Neil einen kurzen Blick zu und fast erwartete – hoffte – Neil, dass Andrew ihn fragen würde, ob er jemals aus der Phase rauswachsen würde, bei der er auf Möbel klettern würde.
Doch Andrew sagte nichts, öffnete nur den Hängeschrank und starrte dann, denn Kopf in den Nacken gelegt, in die einzelnen Fächer. Erneut regte sich Enttäuschung in Neil, über die er sich gleichermaßen ärgerte. Er war so verdammt abhängig von Andrew geworden. Nicht in den wesentlichen Dingen, in denen es ums überleben ging – wobei Andrew wesentlich dazu beitrug, dass sein große Klappe ihn nicht einen Kampf einhandelte, denn er nicht gewinnen konnte. Es war aber viel mehr eine Abhängigkeit in den Dingen, die seine emotionale Lage betrafen. Es sollte ihn nicht enttäuschen oder auch nur beunruhigen wenn Andrew ihn nicht weiter beachtete – es war nicht so ungewöhnlich. Aber im Hinblick auf die vergangenen Tage bereitete es ihm Sorgen.

Andrew starrte noch immer ins Innere des Hängeschrankes und Neil beugte sich vor, um zu sehen, was Andrew daran hinderte seinen Kakao zu nehmen. Kevin hatte anscheinend in weiser – oder unkluger, wenn man bedachte, dass Andrew eine beachtliche Sammlung an Messern besaß – Voraussicht den Kakao ins obere Fach gestellt. Dorthin, wo Andrew ihn nicht erreichen konnte, sofern er nicht auf einen Stuhl steigen wollte.
Fast automatisch langte Neil nach oben und angelte nach der Dose, bevor er sie Andrew reichte, ohne ein Wort. Sie beide sahen sich an. Andrews Augen verrieten wie üblich nichts von dem, was er dachte oder fühlte.
Dieser Blick war einer der Gründe, weshalb viele ihn für einen Soziopathen hielten – was absoluter Blödsinn war. Umso schlimmer war der Gedanke, was Andrew alles erlebt hatte, um zu lernen seine Emotionen hinter einer solch undurchdringlichen Maske zu verstecken.

Andrew löste den Blick wieder von ihm und statt einem Danke, das Neil sowieso nicht erwartete, nahm er die Dose und schlug den Schrank wieder zu. Danach machte er sich daran stumm seinen Kakao fertig zu machen.
Kevin warf Neil einen finsteren Blick zu, als er aus dem Bad kam und entdeckte, womit Andrew beschäftigt war. Neil ignorierte dies vollkommen, hüpfte von der Arbeitsplatte, sammelte seine Sportkleidung aus dem Schlafzimmer ein und verschwand dann im Bad um sich umzuziehen um sich zumindest mit den Fingern durch seine Haare zu fahren. Alles andere wäre unnötige Zeitverschwendung, wenn man hinter sowieso ein verschwitzer Haufen war.

Viertel vor sechs verließen sie schließlich alle gemeinsam das Zimmer. Ein halb schlafender Nicky lehnte an der Motorhaube des Maseratis und Aarons Augen klebten an seinem Handy, allerdings gähnte er gleichzeitig den Bildschirm an.
Neil zog die Tür des Wohnheims hinter sich zu. Matts wuchtiger Truck stand auch noch in der Parklücke. Sah ganz danach aus, als wäre Nickys müde Erscheinung ein Abbild was in dem Wohnheimzimmer vorging, dass er sich mit Matt und Aaron teilte.

Andrew zog seinen Schlüssel aus der Hosentasche, deutete mit dem Zeigefinger auf die Beifahrerseite, während der um die Motorhaube herum ging. „Kevin“, sagte er knapp. Nicky blinzelte irritiert, sah von Andrew zu Neil und wieder zurück, bevor sein fragender Blick bei Neil hängen blieb. Selbst Aaron sah von seinem Handy auf und runzelte die Stirn, sein Blick auf Andrew gerichtet.
Neil spürte Hitze in seine Wangen kriechen und das enge Gefühl von gestern Nacht wieder in seiner Brust. Es war nichts neues, dass ihn Worte verletzten...aber es war neu, das diese Worte tatsächlich weh taten, auf eine viel tiefere Weise.

Neil hatte schnell gelernt, dass jemanden an sich heranzulassen auch bedeutete verwundbarer zu sein. Auf eine Weise, die beängstigend und wesentlich schmerzhafter war, als wenn man jemanden auf sorgfältiger Distanz hielt.
Es sorgte dafür, dass Andrews simple Anweisung in der Lage war dafür zu sorgen, dass seine Lungen sich zusammenzogen und ein scharfer Stich durch seine Brust schoss.
Kevin warf Neil einen langen Blick zu, bevor er gehorsam auf den Beifahrersitz Platz nahm.
Wortlos kletterte Neil auf die Rückbank und wurde von Aaron und Nicky in die Mitte genommen. „Habt ihr Streit?“, fragte Nicky leise in sein Ohr, als er den Gurt einrasten ließ und sah Neil besorgt an. Er blieb eine Antwort schuldig, da Andrew diesen Moment nutzte, um den Maserati anzuschalten und den Motor hochzujagen. Wenn jetzt nicht auch der letzte Sportathlet in ihrem Wohnheim wach geworden war beim Sound des brüllenden Motors, wusste Neil auch nicht weiter.

Die Eingangstür schwang auf, als Andrew ziemlich flott rückwärts aus der Parklücke schoss. Ein verwirrter Matt und eine irritierte Dan standen im Eingang. Matt hob die Hand zum halbherzigen Gruß, die Stirn gerunzelt, allerdings schoss der Maserati vom Parkplatz, bevor einer von ihnen reagieren konnte. Nickys besorgte Miene trat nun noch deutlicher zu Tage und Neil – in Ermangelung dessen, dass er nicht die Gewissheit besaß, was der Grund für diese seltsame Funkstille zwischen ihnen war – zuckte mit den Schultern.

Selbst Nicky fiel es also auf. Sogar Aaron, der sich immer sehr anstrengte Andrews Beziehung mit Neil so wenig Beachtung wie möglich zu schenken, selbst wenn seine Miene nicht mehr ganz so ablehnend war, wann immer Neil und er dazu gezwungen waren miteinander klarzukommen. Um Andrews Willen hatten sie eine Art Waffenstillstand, der sich darauf belief, dass sie die Existenz des anderen anerkannten und ansonsten sich einfach ignorierten.

Aber selbst Aarons Blick lingerte immer wieder zwischen Neil und Andrew hin und her, als sie sich kurz darauf im Fitnessstudio des Campuses an die Stationen aufteilen. Wymack war bereits da und winkte sie durch. „Schwingt eure müden Hintern hier rein. Füchse halten keinen Winterschlaf. Und wenn ihr Thanksgiving für etwas dankbar sein wollt, dann dafür, dass ihr Vermont nächste Woche platt macht.“
„Wie kann man so früh am Morgen schon so wach sein?“, stöhnte Nicky gequält, der sich zur nächsten Bank schleppte, die eigentlich zum Bankdrücken gedacht war, und sich darauf setzte.
„Disziplin, Hemmick. Das, woran es dir mangelt. Genauso wie an Ausdauer. Auf das Laufband mit dir, vielleicht wirst dadurch ja etwas wacher. Neil, tu mir einen Gefallen und zeig ihm wie das Ding funktioniert. Ich bezweifel, dass er es je ernsthaft benutzt hat.“
„Wie rüde“, beschwerte sich Nicky, doch Coach sah nicht so aus, als würde es ihn groß interessieren, was Nickys zarten Gefühle verletzte.

Neil war von der Idee genauso wenig angetan wie Nicky. Nicht weil er das Laufen scheute, sondern weil Nicky das die perfekte Gelegenheit lieferte, um ihn auszuhorchen.
Neil ging zum Laufband und stellte es sich passend ein, Nicky trottete hinterher.
Hinter ihnen trudelte grade der Rest des Teams ein und wurde ebenfalls mit ähnlich motivierenden Worten vom Coach an die Arbeit geschickt. Kevin und Andrew und Aaron waren dabei sich warm zu laufen, bevor sie sich dehnen und an die Gewichte gehen konnten.

„Gott sei dank bewegen wir uns nur auf der Stelle. Ich könnte niemals mit dir mithalten, wenn wir draußen laufen gehen würden“, seufzte Nicky und stellte sein Laufband deutlich langsamer ein als Neil, bevor er anfing neben ihm her zu joggen.
„Also...du und Andrew...ist da alles in Ordnung?“
In Neils Kehle bildete sich ein Kloß, der ihm das Sprechen schwer machte, noch bevor er auch nur einen Satz gesagt hatte. Er war bei weitem nicht in der Stimmung mit irgendjemanden darüber zu sprechen, was zwischen Andrew und ihm ablief. Und schon gar nicht mit Nicky, so gut er es auch meinte.
Nicky träumte von der großen Liebe, von einer Hochzeit mit Erik, davon jeden Valentinestag zu feiern, jeden Hochzeitstag, den Tag ihres ersten Treffens, den Tag an dem sie sich zum ersten Mal geküsst haben oder den, an dem sie zusammengekommen war oder was für besondere Highlights noch in Nickys romantischer Weltvorstellung lebten.

Da konnte seine `Nicht´-Beziehung mit Andrew schon nicht mithalten, wenn alles so lief wie sonst auch. Kein Händchen halten, keine Küsse in der Öffentlichkeit, keine Dates.
Sie lebten ihre `Nicht´-Beziehung damit aus, dass sie immer auf den anderen achteten, dass sie wussten, wann der andere Raum und wann Nähe brauchte und immer wussten wo der andere grade war, weil es ihnen – oder zumindest Neil – Angst machte, es nicht zu wissen. Dass sie sich eine Zigarette teilen konnten und im selben Rhythmus atmeten. Dass sie neben einander sitzen und die Wärme des anderen spüren konnten, seine Widerstandfähigkeiten und sie sich anlehnen konnten, mit der Gewissheit, dass der andere nicht aufstehen und weggehen würde. Das der andere eine fixe Konstante in ihrem Leben war. Es war alles, was Neil gewollt hatte. Er hatte sich nie nach etwas anderem gesehnt. Zum einen, weil er keine Ahnung davon hatte, zum anderen weil er nur Andrew wollte. Sowie Andrew war. Und das hatteihnen beiden gereicht. Bisher jedenfalls.

„Warum sollte es nicht?“, fragte Neil zurück, ohne es direkt abzuweisen oder zu bestätigen.
„Naja. Ich meine, sonst zeigt ihr auch nicht sonderlich viel Zuneigung. Aber Kevin sitzt seit Tagen vorne im Auto neben ihm und ihr kommt geht getrennt in die Kabine. Und ihr hängt nicht mehr ständig in der Pause beieinander rum. Im Ernst. Ich kenne niemanden, der so lange schweigend nebeneinander sitzen kann und dabei trotzdem aussieht, als wäre es vollkommen zufrieden damit. Und Andrew war seit Dienstag drei Mal in der Bibliothek. Ich dachte, ich hab Halluzinationen. Andrew und die Bibliothek sind quasi Erzfeinde. Wahrscheinlich weil er keinen Kakao oder Eis mit reinnehmen darf. Drei Mal, Neil. Ich hab ihn gestern morgen gefragt, ob ihn irgendjemand zwingt dort rein zu gehen. Er meinte, nur sein aufrichtiger Wunsch bildungsfernen Kreaturen wie mir aus dem Weg zu gehen.“

Neils Mundwinkel zuckten. Das klang definitiv nach Andrew. Nicky hörte sich nicht sonderlich erfreut darüber an, aber auch nicht unglücklich. Er kannte Andrew lange genug um sich seine Kommentare nicht an sich ranzulassen.
Neil zuckte mit den Schultern.
Er hatte nicht mal gewusst, dass Andrew in die Bibliothek gegangen war. Aber es war zumindest eine plausible Erklärung auf eine Frage, die er sich bisher nicht gestellt hatte. Sie hatten sich beide zwischen dem Training und dem Unterricht nicht viel im Wohnheim gesehen. Nutzte Andrew die Bibliothek dazu, um Neil aus dem Weg zu gehen, wissend, dass das der letzte Ort war, wo Neil ihn suchen würde?
Aber seit wann tat Andrew irgendetwas, was er nicht wollte? Wenn er sein Interesse an Neil verloren hatte – und dieser Gedanke verursachte bei Neil Übelkeit und eine eisige Kälte in der Brust, die ihm das Atmen schwer machte – dann würde er es Neil sagen. Aber vielleicht wartete er auch darauf, bis Neil den Wink von selbst verstand oder ihn von sich aus fragte. Andrew war niemand, der über Gefühle redete. Und ihre `Nicht´-Beziehung beinhaltete definitiv Gefühle. Zumindest von Neils Seite aus. Aber was empfand Andrew für ihn?

„Habt ihr...du weißt schon...was Körperliches versucht?“, fragte Nicky nun im gedämpften Ton. Diese Frage traf Neil derart unvorbereitet, nicht nur, weil sich immer noch die beklemmende Angst in ihm ausbreitete, Andrew könnte tatsächlich genug von ihm haben, sondern auch, weil er mit Nicky niemals, auch nur annährend, über irgendetwas Sexuelles gesprochen hatte, dass er stolperte und sich an der Armatur des Laufbandes festhalten musste, um nicht zu fallen. Robin, die zwei Laufbänder weiter grade ihres justierte, sah erschrocken zu ihm herüber, aber bis auf Neils Stolz und die Tatsache, dass Nicky scheinbar ernsthaft vor hatte ein Gespräch über das Sexlebens seines Cousins mit ihm zu führen und dies unfassbar peinlich war, war nichts passiert.

Neil hatte tatsächlich Recherchen angestellt, was die Möglichkeiten bei Männern im sexuellen Bereich waren. Vorallem, weil er absolut gar keine Ahnung von irgendetwas gehabt hatte und nicht Andrew fragen wollte. Zum einen, weil er mit seinem Interesse nicht wollte, dass Andrew glaubte, Neil würde diese Dinge auch praktisch tun wollen und er sich deshalb unter Druck gesetzt oder zumindest unwohl fühlte. Zum anderen, weil seine Fragen Andrew nicht daran erinnern sollte, wie er seine ersten sexuellen Erfahrungen unfreiwillig erlebt hatte. Und vielleicht, weil seine Unerfahrenheit ihm auch ein winziges bisschen unangenehm war. Er hatte keine Ahnung davon wie man diese...Dinge...machte. Und das Letzte, was er jemals wollte, war dass er - wenn Andrew irgendwann dazu bereit wäre, auch wenn Neil auch kein Problem damit hätte, sollte es niemals soweit sein - nicht das Gleiche für ihn tun konnte, was Andrew für ihn tat. Ihn jedes Mal Stück für Stück auseinandernehmen, bis Neil das Gefühl hatte, Andrew sei die Gravitation, der die winzigen Teile, in die er ihn zerlegt hatte, zusammenhielt.

Und Nicky hatte er aus dem simplen Grund nicht gefragt, dass Nicky kein Geheimnis für sich behalten konnte, selbst wenn sein Leben davon abhing – und das würde es in der Tat, sollte er Neil oder Gott bewahre Andrew fragen, wie seine Ratschläge und Tipps denn in der Praxis funktioniert hatten. Neil hatte also definitiv nicht vor ein Gespräch über Sex mit Nicky zu führen und dies auch niemals beabsichtigt.
„Nein“, sagte er daher einfach stur und stellte sein Laufband schneller ein. Wenn er die Höchstgeschwindigkeit einstellte, würde er definitiv keine Zeit mehr haben irgendetwas anderes als seinen eigenen hämmernden Herzschlag und sein rauschendes Blut zu hören und genug Sauerstoff um dabei auch noch zu sprechen gab es auf der ganzen Welt nicht.
Vermutlich würde er auch seine Beine den Rest des Tages nicht mehr spüren und beim Training heute Nachmittag es gründlich vermasseln, so dass Kevin eine Hirnblutung riskieren würde, wenn er sich über Neil aufregte. Das hatte er gestern schon zu genüge getan. Mehr als ausgiebig.
Widerwillig stellte er sein Laufband zwar höher aber nicht auf die maximale Stufe.

„Du kannst es mir ruhig sagen. Ich meine, wenn etwas schief gelaufen ist. Manchmal passiert sowas. Und vermutlich ist es mit Andrew besonders schwer bei seiner...Vergangenheit.“
Nicky schluckte und sah ziemlich elend dabei aus. Dann schüttelte er den Kopf, als könnte er damit auch seine Gedanken abschütteln.
„Wichtig ist, sich nicht ermutigen zu lassen. Ihr könnt es einfach nochmal probieren. Sorg einfach für die richtige Stimmung. Kerzenlicht, Musik, gedämmtes Licht..obwohl, bei euch beiden funktioniert das wahrscheinlich nicht. Besorg ihm Eiscreme. Und macht irgendwas Romantisches.“
„Messer werfen vielleicht?“, fragte Neil und seine Füße traten fester auf das unter ihm dahin fliegende Laufband.
„Das ist...okay. Solange ihr nicht auf Menschen werft“, bemerkte Nicky, zögerlich blinzelnd.
Neil verdrehte die Augen. Er hatte es nicht ernst gemeint, auch wenn diese eine seiner unbekannten aber ziemlich ausgeprägten Fähigkeiten war. Wenn man bedachte, wer sein Vater war, was das wohl kein Wunder.

„Jedenfalls...danach funktioniert es meistens viel besser. Wenn man entspannt ist und sich nicht so unter Druck setzt, dann kommt es ganz von alleine. Am besten versuchst du es damit, dass du die Dinge bei ihm ausprobierst, die sich bei dir gut anfühlen. Weißt du, Erik mag es total gerne, wenn ich ihn...“
„Und ich bin fertig“, verkündete Neil, schaltete sein Laufband aus und flüchtete zur nächsten Station, ohne auf Nickys Protest zu achten. Matt begrüßte ihn mit einem Grinsen an der Beinpresse.

„Du siehst aus, als wäre jemand hinter dir her. Warte...das ist nur ein falscher Eindruck, oder? Es ist nicht wirklich jemand hinter dir her, oder?“
Neil schüttelte den Kopf und Matt entspannte sich wieder. Bei Neils Vergangenheit schalteten seine Teamkameraden manchmal ziemlich schnell auf besorgt um. Matt nahm wieder mit gleichmäßigen Bewegungen den Betrieb der Beinpresse auf, während Neil sich neben ihm an der anderen Presse niederließ und an den Gewichteinstellung näselte, bis er genug Gewicht eingeharkt hatte, dass er zumindest noch eine Chance hatte seine Beine nach dem Training zu spüren.

„Nicky hat nur über Dinge geredet, die man nicht mit Nicky bereden will.“
„Das umfasst eine nicht grade kleine Auswahl an Themen. Im Moment hört er ständig das neue Taylor Swift Album. Sollte also irgendwann in nächster Zeit im ganzen Wohnheim der Strom ausfallen, dann hat meine Verzweiflung einen neuen Höhepunkt erreicht und ich hab die Sicherung ausgebaut.“
„Sag Bescheid und ich steh Schmiere“, versicherte Neil ihm seine uneingeschränkte Rückendeckung und Matt grinste, bevor er Neil kräftig auf die Schulter schlug.
„Genau deshalb bist du mein Mann“, verkündete er strahlend und Neils Mundwinkel zuckten wieder ein wenig nach oben.

Es tat so gut mit jemanden zu reden, der ihn nicht auf die Funkstille zwischen Andrew und ihn hinwies und fragte was vorgefallen war – Neil wüsste dies nämlich nur zu gerne selbst. Und er wurde den Gedanken nicht los, dass die ausstehende Konfrontation, die er mit Andrew führen musste, sobald er ihn irgendwie alleine erwischte, möglicherweise ernster war, als er sich bisher hatte eingestehen wollen.
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