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Das Klassentreffen

KurzgeschichteHumor, Familie / P6 / Gen
Dimitri Belikov Rosemarie "Rose" Hathaway
10.04.2021
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Das Klassentreffen




Endlich ist es soweit. Ich freue mich endlich wieder nach Hause zu fliegen, meine Familie und auch Freunde endlich wieder persönlich in die Arme schließen zu können.

Außerdem findet an diesem Wochenende unser erstes Klassentreffen unseres Gymnasiums statt. Immer wieder muss ich an die Zeit kurz nach dem Abschluss zurückdenken.

Wieviel Zeit habe ich mit Tagträumen an mein zukünftiges Leben und an eben dieses Ereignis verbracht. Schon damals wusste ich wie ich mein Leben gestalten wollte.

In meiner Fantasie war ich eine erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin und hatte eine Familie mit einem gutaussehenden und bekannten Schauspielkollegen gegründet. Noch heute wundert es mich immer wieder wie sehr mein Traum mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

Ich glaube einer der Gründe für meine große Vorfreude auf das Klassentreffen, lag in eben diesem Traum. Denn in meiner Vorstellung treffe ich auf meine Freunde und die ehemaligen Mitschüler die ich nicht leiden konnte und alle sind erstaunt und fragen sich wie ich, das unscheinbare Mädchen von damals es zu diesem Mann und diesem Job gebracht habe.

Obwohl alle versuchen ihre große Verwunderung und gleichzeitige Begeisterung, über die Tatsache zwei Hollywoodgrößen in ihrer Mitte zu haben, zu verbergen, lasse ich alle wissen, dass ich es zu etwas gebracht habe und das obwohl meine Noten nicht gerade herausragend waren.

Auch die Zicken von früher, die sich natürlich auch weiterentwickelt haben, aber in ihren Grundzügen doch gleich geblieben sind, staunen nur und schmachten meinen Mann an.

Nach der ersten Welle der Verwunderung, dass wir, die beiden Hollywood-Schauspieler, wirklich hier zu einem kleinen Klassentreffen nach Deutschland gekommen sind, verbringen wir einen netten Abend mit meinen Freunden.

Währenddessen gaffen die Zicken nur und verfluchen sich dafür sich für Leben mit dem ehemals beliebten Jungen, der heute im Supermarkt für einen Hungerslohn die Regale auffüllt, entschieden zu haben.



Als ich die Kurzgeschichte aus meiner Jugend erneut lese, kann ich vor Scham nur lächeln.

Ich war damals wirklich naiv und erträumte mir eine erfolgreiche und glückliche Zukunft als eine der oberen Zehntausend.



Niemals hätte ich mir damals träumen lassen, wie mein Leben jetzt wirklich aussieht.

Obwohl ich mit ein paar Sachen schon recht hatte.



Ich bin glücklich mit meinem jetzigen Leben. Zwar wurde ich nie Schauspielerin in Hollywood, bin jedoch trotzdem erfolgreich in meinem Beruf und habe den besten Mann gefunden, den ich mir nur hätte vorstellen können.



Im Moment erwarten wir unser drittes Kind und können unser Glück kaum fassen.



Kopfschüttelnd lege ich das leicht verblasste Papier wieder in meine Truhe und schließe sie.



„Bereit für das Klassentreffen, Roza?“ flüstert mir die Stimme meines Mannes sanft ins Ohr.



Mit seinen Armen umschlang er mich, um mich dann zu sich zu drehen und sanft seine Lippen auf meine zu legen.



„Danke.“ Sage ich als wir uns wieder voneinander lösen.



„Wofür?“ fragt er mit seinem unwiderstehlichen Akzent.



„Für alles. Dafür, dass du du bist und mir dieses wundervolle Leben mit diesen perfekten Kindern geschenkt hast. Ich liebe dich Dimitri Belikov.“



Als Antwort schenkt er mit eines seiner speziellen Lächeln und gibt mir einen weiteren Kuss.



„Das selbe kann ich Ihnen sagen, Mrs. Belikova.“ Entgegnet er mir, während er mir sanft über meinen leicht geschwollenen Bauch streichelt.



„Na komm, wir wollen die Kinder ins Bett bringen und dann müssen wir wirklich los, wenn wir noch pünktlich zu deinem Klassentreffen kommen wollen.“



Er nimmt meine Hand führt mich in das Kinderzimmer unserer ältesten Tochter, Andrea.



„Gute Nacht, mein Engel. Mama und Papa haben dich lieb und wenn du morgen wieder aufwachst, sind wir auch schon wieder da.“



Wir geben ihr beide einen Kuss auf die Stirn und gehen dann nebenan in das Zimmer ihres kleinen Bruders.



„Auch dir eine gute Nacht, mein Spatz.“ sage ich, während ich ihn auf die Stirn küsse und Dimitri platz mache, damit er Ivan einen Kuss geben kann.



„Auch dich haben Mama und Papa sehr lieb.“ Höre ich noch seine Stimme, während ich bereits das Licht lösche. Danach gehen wir beide die Treppen nach unten ins Wohnzimmer, wo bereits meine Schwiegermutter Olena auf uns wartet.



„Seid ihr denn noch nicht weg?“ fragt sie, mit einem tadelnden lächeln im Gesicht.



„Ihr könnt beruhigt gehen. Ich bekomme das mit den Kindern schon hin, habe ja schließlich selbst 4 Stück groß gezogen.“ Erklärt sie, während sie uns praktisch aus unserem eigenen Haus rausschmeißt.

„Und du hast einen verdammt guten Job gemacht, Mama.“ Scherzt Dimitri, während er mir in die Jacke hilft.



„Eingebildet bist du wohl überhaupt nicht?“ frage ich ihn, ebenfalls neckend.



„Willst du etwa widersprechen Roza?“ fragt er mit einer hochgezogenen Augenbraue.



„Schon gut ihr beiden. Habt einen tollen Abend und kommt ja nicht zu früh wieder nach Hause.“ Olena umarmt mich und gibt mir einen Kuss zum Abschied auf die Wange, bevor sie ihren Sohn ebenfalls umarmt.



„Nochmal vielen Dank Olena. Ohne dich hätten wir wirklich nicht zu dem Treffen gehen können.“ Ich drehe mich beim Gehen ein letztes Mal um und winke Ihr zu, sehe jedoch, dass sie bereits die Tür geschlossen hat.



Kopfschüttelnd drehe ich mich wieder nach vorne und gehe zu unserem Auto.



Dimitri steht bereits an meiner Seit um mir die Autotür zu öffnen.



„Wow, womit habe ich diesen Gentleman heute Abend denn verdient. Ist ja lange her, dass du mir das letzte Mal die Tür aufgehalten hast.“ Frage ich, als er sich auf den Fahrersitzt setzt und den Motor startet.



„Jetzt bist du aber unfair, Rose. Ich halte dir ständig die Tür auf. Heute ist eben nur ein besonderer Abend für dich. Du siehst all deine Klassenkameraden von früher wieder. Und glaube ja nicht, dass ich nicht bemerkt hätte, dass du dir wieder den Zettel von früher angeguckt hast. Aber du hast keinen Grund nervös zu sein. Du bist umwerfend und es ist total egal was die anderen über dich und dein Leben sagen. Ich liebe dich genauso wie du bist und würde dich für nichts auf der Welt austauschen.“



Diese schönen Worte gepaart mit meinen Schwangerschaftshormonen, lassen meine Tränen fließen.

„Roza, bitte weine nicht.“ Dimitri nimmt meine Hand in seine und führt sie zu seinem Mund um sie zu küssen.



„Dann sag nicht so schöne Sachen.“ Werfe ich ihm lächelnd vor.



„Okay,“ sagt er mit einem schälmischen Grinsen. „Dann kann ich dir ja jetzt die Wahrheit sagen. Ich würde dich sofort gegen eine seltene Ausgabe eines meiner Westernbücher eintauschen.“



Empört reiße ich meine Hand weg und schlage ihn leicht auf den Oberarm.



„Au, nicht den Fahrer schlagen, wenn ich bitten darf. Außerdem durfte ich dir ja nichts nettes sagen.“ Er zwinkert mir zu, bevor er wieder auf die Straße blickt.



Der Rest der Fahrt verlief schweigend, aber es war ein angenehmes Schweigen. Mit Dimitri hatte ich nie das Bedürfnis die Stille mit belanglosem Geplapper zu füllen.



Nach einer geschlagenen Stunde waren wir endlich am Ziel.



Das lang ersehnte und doch gefürchtete Klassentreffen. In einigen Momente würde ich wissen ob meine Vorstellung korrekt war, oder ähnlich abweichend wie meine eigenen Lebensziele von früher.



„Na dann, auf in den Kampf,“ sage ich nur halb im Scherz zu Dimitri, welcher meine Hand nimmt und mich in das Gebäude führt.



Auf geht’s, denke ich und öffne die Tür welche in meine alte Schule führt.
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