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Wiedersehen

KurzgeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Itachi Uchiha Sasuke Uchiha Tobi
10.04.2021
07.05.2021
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Wiedersehen



Vielleicht war es nicht seine beste Idee, einfach los zu stürzen und seinem Bruder nach zu eilen. Doch nach dem was dieser seltsame Vogel Tobi von sich gegeben hatte, was hatte er für eine Wahl? Er wollte es endlich wissen. Ob er wirklich den Verstand verloren oder einen tieferen Grund hatte. Sein Bruder Itachi. Gott, wie lange sie sich nicht mehr gesehen hatten…

Die Sonne war gerade über den Bergen aufgestiegen und wärmte mit ihren ersten Frühlingstrahlen Sasukes Gesicht. Es war noch recht kühl, weshalb er sich sein Gewand enger um die Brust band. Über seine Schulte baumelte eine Tasche mit dem Nötigsten, was er zwischen die Finger bekam, nach dem er Hals über Kopf losgestürmt war. Etwas zu Essen, einige kleinere Waffen und eine Decke.
Wenn er ehrlich zu sich war, so richtig wusste er noch nicht, was er zu seinem Bruder sagen wollte. Geschweige denn tun. Einzig allein den Wunsch ihn wieder zu sehen, dem war er sich sicher. All die Jahre tiefe Enttäuschung und Hass, die seinen Alltag bestimmt hatten. Itachi hatte ihm alles genommen und zurückgelassen, wie einen Hund am Straßenrand auf dem Weg in die Sommerferien. Obwohl er ihn so bewundert, ja über alles vergöttert hatte.
Aber vielleicht war alles geschehen genau aus diesem Grund? Wie oft hatte sein Bruder ihn zurückgewiesen und ignoriert…
Selbst nach all den Jahren konnte er sich Itachis Vergehen nicht erklären.

Das Foto, welches Sasuke von sich beiden immer bei sich trug, wurde plötzlich schwer in seiner Brusttasche. Die letzte und einzige Sentimentalität, die er sich für seinen Bruder behielt. Wie eine kleine Tür in seinem Herzen voller Liebe für den Menschen, der letztendlich Familie bedeutete. Sasuke wusste, dass eine Familie nicht durch eine Mutter, einen Vater oder Geschwister definiert wurde. Aber gegen diese brüderlichen, liebevollen Gefühle konnte er sich kaum wehren. Itachi war und vor allem würde er immer sein Bruder bleiben.

Als sich sein Weg mit einem kleinen Bach kreuzte, beschloss Sasuke eine Pause zu machen. Er setzte sich auf einen der Steine, die den Bach säumten und nahm sich aus seiner Tasche ein Stück Brot. Es war trocken, dennoch besser als nichts.
Sein Blick schweifte beim Essen über die Landschaft. Der Frühling stand in vollen Zügen im Land. Sämtliche Kirschbäume zierten rosa Blüten, das Gras war saftig grün und einige Singvögel zelebrierten ihre Heimkehr mit fröhlichem Gezwitscher. Die Berge, mit ihren schneeweißen Spitzen, rahmten die Landschaft ein.
Bei diesen Bergen sollte Itachi sich zurzeit aufhalten... Schwer seufzend nahm er sich das Foto hervor und besah es sich. Nach all den Jahren war es doch ziemlich abgegriffen. Es wurde oft in Stücke zerrissen, danach jedes Mal wieder zusammengeflickt und einige Tränenflecken waren zu sehen. Itachis Gesicht war mit einem schwarzen Stift mehr Mals übermalt und dann doch wieder wegradiert worden. Jeder Riss, jeder Klebestreifen war ein Anzeichen davon wie sehr er mit seinen Gefühlen gerungen hatte. Wie oft er sich in den Schlaf geweint hatte. Sich nichts sehnlicher gewünscht als neben seinem Bruder im gemeinsamen Elternhaus einzuschlafen. Nach langen Trainingseinheiten huckepack nach Hause getragen zu werden.

Sasuke spürte, dass seine Augen zu brennen begannen und er stecke die Fotografie wieder weg.
„Scheiße!“, fluchte er. Warf voller Frust das Stück Brot in den Bach und erhob sich von seinem Stein. Er heilt diese Spannung kaum aus. Wie würde es sein sich wieder zu sehen? Würde er auf seinen Bruder einschlagen, wie er es sich immer vorgestellt hatte? Mit vollem Hass und Verachtung auf ihn. Oder würde er nur dastehen und starren?
Eine Seite seiner Gefühle sehnte sich, nein schrie förmlich nach der brüderlichen Liebe, die ihm solange verwehrt wurde. Aber auf der anderen Seite konnte er es einfach nicht begreifen, wieso sein Bruder ihn so quälen konnte. Seine ganze Familie an einem Abend auslöschen, nur um ihn zurückzulassen, verletzt und verweist. Wie oft er in den folgenden Wochen auf Knien darum gebettelt hatte, selbst zu sterben, um diesem Albtraum zu entkommen.

Mit einem tiefen Seufzer warf er sich die Tasche über die Schulter und ging weiter.

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Gerade als die Sonne am höchsten Stand, kam er am Ende des Tales an. Wenn er sich auf das Gerede von Tobi verlassen konnte, war es nicht mehr weit.
Es war ohnehin seltsam, dass der Mann mit der Maske überraschend vor seinem Unterschlupf auftauchte ohne seinen blonden Partner. Er wollte sich nur kurz mit ihm unterhalten, es würde um seinen Bruder Itachi gehen. Mehr brauchte der andere wirklich nicht zu sagen und er wurde eingelassen. Trotzdem schloss Sasuke eine Hand um sein Schwert. Nur für den Fall…
Tobi hatte sich ohne umschweife mit verschränkten Armen an ihn gewandt. Das schwarze Loch seiner Maske stierte ihn an, ehe er davon sprach, dass sein Bruder sich nicht weit von seinem Unterschlupf aufhielt. Auf Einzelmission. Grundsätzlich war Sasuke für jeden Tipp dankbar. Dennoch kam es ihm fragwürdig vor, dass der andere keine Gegenleistung zu erwarten schien.
Doch dann traf er Aussagen, die ihn völlig überraschten: „Itachi hatte damals keine andere Wahl gehabt, als eure Familie zu töten. Es hat ihm wirklich das Herz gebrochen dich zurückzulassen. Aber nur so konnte er dich beschützen und für deine lebenslange Sicherheit sorgen. Schließlich konnte er ja nicht ahnen, dass du Dummkopf eines Tages aus Konoha flüchten würdest, um deine eigene Vendetta zu führen.“ Auf die Art, wie Tobi ihm diese Nachricht übermittelte, völlig Ernst und ohne sein sonstiges aufgedrehtes Verhalten und der nervigen Stimme, wusste er nicht recht, wie er reagieren sollte.
Itachi hatte keine andere Wahl gehabt? Was sollte das bedeuten? Was war denn die andere Möglichkeit, dass er es vorzog seine Familie auszulöschen?  
Ausdruckslos hatte er Tobi angestarrt. Natürlich konnte es auch ein Hinterhalt sein, um ihn aus dem Weg zu räumen. Zu trauen würde er es dem Maskenträger… Akatsuki wollte ihn schon längst aus dem Weg haben. Doch da war diese Sehnsucht, die Blut geleckt und somit auch neue Hoffnung geschöpft hatte. Hoffnung auf ein Wiedersehen.
Nach dem von Sasuke kein Laut oder gar eine Reaktion kam, gab Tobi ihm noch eine Wegbeschreibung und verschwand. Einige Momente stand er noch stumm hinter der Tür, versuchte zu verarbeiten, was gerade passiert war und ehe er es richtig begreifen konnte, packte er bereits hastig eine Tasche.  

Und nun stand es hier. Eine kleine noch weitentfernte Hütte in seinem Blickfeld neben einem großen, klaren Bergsee. Das sollte Itachis Unterschlupf sein.
Mit langsameren Schritten bewegte er sich nach vorne. Seine Hände wurden bei jedem Schritt kälter und schwitzig. Seine Gedanken begannen wirr zu raßen. So hatte er sich schon ewig nicht mehr gefühlt... Zuletzt als er damals Itachi gefragt hatte, ob sie zusammen auf den Jahrmarkt gehen könnten.  
„Ach verdammt…“, murrte Sasuke leise. Er war jetzt viel stärker als Itachi. Körperlich sowohl als auch emotional. Zurückweisungen warfen ihn kaum mehr aus der Bahn. Im Gegenteil. Sie machten ihn stärker, ausdauernder. Bis er sein Ziel erreichte.
Und dennoch spürte er diese Unsicherheit in seinem Magen. Was wenn sie sich bis aufs Blut bekämpfen würden? Wenn sein Bruder versuchen würde ihn zu töten? Beenden was er damals angefangen hatte…
Er hatte keine Angst. Schon gar nicht vor dem Tod. Nur wollte er es sein, der den entscheidenden Schlag gegen seinen Bruder austrug.
Sasuke wollte sich rächen. Auge um Auge. Zahn um Zahn.


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Wow. Dass ich nach so vielen Jahren mal wieder zum FF Schreiben zurückkehren würde, hätte ich nicht gedacht.
Seid bitte daher etwas gnädig mit meinem Schreibstil. Ich bin tatsächlich ein wenig aus der Übung :S

Über Reviews würde ich mich wie immer freuen! :)
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